True love is hard to find

vor 4 Mon.
Schluss mit miesen Dates und Typen, die nicht das gleiche suchen! Annie und ihre Freundinnen haben genug davon. Sie wollen endlich den „Einen“ finden und starten dafür ein kleines Experiment. Doch lässt sich so wirklich die wahre Liebe finden, oder kostet das ganze am Ende das Herz?
Liebe/Romantik Romanze P16 Romanze In Arbeit

Kapitel 2

Kapitel 2

Die Woche war schneller vergangen, als wir uns alle umsehen konnten. Lucy hatte die Zeit genutzt um in Selbstmitleid zu baden und wir hatten sie gelassen. Wir wussten mittlerweile ziemlich gut, wie wir damit umzugehen hatten. Caitlin hatte sich wohl mit Luke auch wieder in die Haare bekommen und sonst war jeder mehr seinen Sachen nachgegangen, so dass wir uns eigentlich auf das Wochenende freuten und wir schon lange beschlossen hatten, abends noch einmal loszuziehen.
Ich war mittags erst einmal zu meinem üblichen Lauf unterwegs, hatte aber kurz im B28, welches tagsüber ein Café und abends eine Bar war, einen Halt eingeplant um erst einmal einen leckeren Kaffee zu trinken. Wir kamen oft hier her. Gerade ich war oft da, wenn ich einen ruhigen Ort zum lernen suchte.
„Das übliche Annie?“, fragte mich der junge Mann hinter der Theke und ich nickte ihm kurz zu.
Zachery, der lieber Zeke genannt wurde, kannte mich einfach zu gut, immerhin war ich schone Stammkundin. Es kam schon vor, das ohne ein Wort der Kaffee schon hingestellt wurde, wenn ich das Café erst betrat.
„Für meine liebste Kundin, ihren Milchkaffee.“ Er stellte die große Tasse vor mir ab und lehnte sich gegen den hinteren Tresen. Es war wirklich nicht viel los, obwohl das Wetter wirklich besser war und auch schon dazu einlud sich draußen in die Sonne zu setzen.
„Vielen lieben Dank.“ Ich drehte die ein wenig, denn mit meinen Gedanken war ich immer wieder zu dem Gespräch mit Joshua abgetaucht, das war die ganze Woche schon so gewesen und so langsam trieb es mich in den Wahnsinn. Ich hatte schon überlegt, Jill davon zu erzählen, aber das würde sie vielleicht in ihr Verderben stürzen.
„Wie waren die Vorlesungen, ich hab dich diese Woche gar nicht hier gesehen.“
„Es wird schwerer und all das mit dem Lauftraining unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Ich habe wirklich Sorge das Laufen aufgeben zu müssen.“ Ich rollte mit den Augen. Jede freie Minute hatte ich zum laufen genutzt, aber eher weil ich hoffte mir den Kopf frei zu laufen, was einfach nicht passieren wollte.
„Oh, und die anderen habe ich auch schon länger nicht mehr gesehen.“
„Ja, Lucy hatte wieder so eine Männerflaute, aber heute Abend kommen wir vielleicht vorbei.“
„Dann halte ich euch euren Tisch frei.“ Er begann einige Gläser nachzupolieren. Es war einfach wirklich nichts los.
„War Lucys Typ ein Idiot oder ein Arschloch?“
„Zeke, er war beides. Als sie zu ihm gefahren ist, hat er gerade eine Kommilitonin gevögelt.“
„Siehst du, deswegen habe ich das College einfach direkt ausgelassen. Dann muss ich mir diesen Mist nämlich nicht gehen und kann mich den erwachsenen Dingen im Leben widmen.“ Er lachte und stellte das Glas in seinen Händen ab.
„Wie Gläser polieren?“ ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee und musterte ihn. Er hatte statt aufs College zu gehen, diese Bar von seiner Tante übernommen und es schien für ihn wirklich das Richtige zu sein.
„Vielleicht, oder vielleicht solltet ihr dieses ganze Dating-Zeug nicht so ernst nehmen.“ Er lehnte sich zu mir rüber. „Ganz ehrlich gesprochen, Annie. Nehmt den Druck raus, auf dem College lernt ihr keine guten Männer kennen.“
Ich hatte mich ebenfalls näher zu ihm gebeugt.
„Und wo lern ich sie dann kennen?“, fragte ich direkt.
„Ist doch klar.“ Zeke lachte, trat einen Stück zurück und deutete auf sich.
„Hey Kratzbürste“, ertönte eine Stimme, die ich heute lieber nicht gehört hätte. Da die Tür wohl offen stand, hatten wir ihn nicht einmal kommen hören, so das ich leicht zusammenzuckte. Warum sprach er mich in der Öffentlichkeit überhaupt an und warum nannte er mich eine Kratzbürste. Er konnte froh sein, wenn er diesen Tag noch überlebte. Ich drehte mich zu ihm und sah das Mädchen in seinem Arm.
„Hey Josh.“ Ich klang genervt und genau das war ich auch. Dieser Mann ging mir einfach nur noch auf die Nerven.
„Hm, genau dein Typ?“ Zeke schnappte sich zwei Karten und zwinkerte mir kurz zu.
„Unbedingt, wenn ich Gehirnamputiert wäre“, antwortete ich ihm.
„Ich kann ihn dir klar machen, wenn du willst.“ Zeke hatte sich noch einmal kurz zu mir rüber gebeugt, doch ich lachte nur auf und warf ihm meinen Todesblick zu, jedoch blieb Zeke am Leben und ich würde wohl weiter üben müssen. Es war bekannt, dass Joshua und Zeke sich nicht sonderlich mochten. Es hatte hier schon den ein oder anderen lauteren scharfen Tonfall zwischen den beiden gegeben. Aber so wirklich wusste keiner, was da los war. Ich wollte auch nie wirklich nachfragen, da Zeke zwar viel von uns wusste, wir aber keine so engen Freunde waren, das man sich vielleicht auch so etwas persönliches erzählte, denn es musste etwas sehr persönliches sein. Ich bewunderte die Professionalität, mit der er Joshua und seine Begleitung bediente.
„Zeke, ich mach mich, wir sehen uns dann später“, rief ich ihm zu und legte das Geld für den Kaffee einfach neben meine leere Tasse.
„Das hoffe ich Annie.“
Es war wirklich das Beste jetzt zu gehen. Wenn ich mir Joshua und seine Begleitung dort hätte ansehen müssen, würde ich dieses Gespräch mit ihm auch nicht aus dem Kopf bekommen. Draußen atmete ich erst noch einmal tief durch und dehnte mich, ehe ich langsam mit dem Laufen begann. Die große Runde führte durch die Stadt und den kleinen Park. Ich war sie schon länger nicht mehr gelaufen, da es das Wetter nicht zuließ, doch heute war es seit langem mal wieder warm genug und schön. Kein Regen, der auf mich niederprasselte und mir das Laufen verderben konnte. Es wurde auch langsam Zeit, dass ich wieder die längeren Strecken lief. Meine Ausdauer war wirklich nicht mehr die Beste.
Ich lief, bis meine Lungen brannten und dennoch schien ich den Kopf nicht mehr frei zu bekommen. Er war nicht voll mit dem Stoff aus meinen Vorlesungen, nein, es geisterten die schrecklichen Dates von mir und meinen Freundinnen darin herum. Es mochte vielleicht daherkommen, dass ich auf meinem Weg das ein oder andere Paar gesehen hatte, welches engumschlungen spazieren ging oder sich gerade an einer Mauer gelehnt einem innigen Kuss hingab, vielleicht auch ein wenig daher, dass ich mich selbst wieder nach einer Beziehung sehnte. Nach jemanden, mit dem ich reden konnte, stundenlang, mit dem ich gemeinsame Ideen hatte, der mich unterstützen würde, so wie ich ihn und der mir das Gefühl gab, mich vor allem beschützen zu können.
Ja, zugegebenermaßen, ich war ein wenig neidisch und wollte auch wieder jemanden an meiner Seite wissen, doch die Gedanken an die letzten Männer, mit denen ich ausgegangen waren, ließen es nicht wirklich zu, dass ich auch nur irgendeinen Mann in Betracht zog, auf den ich mich hätte näher einlassen können.
Oh mein Gott, ich hörte mich ja fast schon an, wie jemand der Torschlusspanik bekam. Fehlte nur noch der Gedanke, dass ich am Ende in einem verwahrlosten Haus leben würde, um mich herum dreißig Katzen, die sich am Ende meiner Lebenszeit von mir ernähren würden, weil ich niemanden hatte, der sich für mich interessierte. Gruselige Vorstellung, diese schob ich auch direkt wieder zur Seite. Jedoch nicht, ohne mir die Frage zu stellen, wieso wir Frauen uns so oft als einsame Katzenlady sahen, wenn wir in den Gedankenstrudel zum Thema Beziehungen gerieten? Eine Frage, auf die wahrscheinlich keine Frau dieser Welt, die diesen Gedankengang bereits hatte, eine Antwort kannte, so wie ich.
Ich lief langsam aus, da ich nun auch noch Seitenstechen bekam. Ich war wirklich nicht gut in Form. Die große Runde hatte mir bisher nicht viel ausgemacht, aber heute konnte ich sie irgendwie nicht schaffen. Leicht erschöpft stützte ich mich an einem Baum ab und versuchte meine Atmung zu kontrollieren. Ich glaube das war‘s, ich hatte mir zu viele Gedanken gemacht und dabei vollkommen vergessen, auf die richtige Atemtechnik zu achten. Enttäuscht über mich selbst, schüttelte ich den Kopf. Ja, ich neigte zu einem gewissen Ehrgeiz, der sich leider nicht nur im Laufen äußerte, sondern auch bei allem anderen, was ich anfing.
Langsam machte ich mich auf den Weg zurück zum Campus, mit dem Wissen, dass eine vollkommen zerstörte Lucy auf dem Sofa sitzen würde, während Caitlin alles schlecht redete und Jill ihr unbedingt Stylingtipps gab. Ein erfreuliches Bild. Da hatte man wirklich viel Lust nach Hause zu kommen.
Ich öffnete die Tür und erstaunlicherweise war niemand da, nicht einmal Lucy und dabei war ich doch so fest überzeugt gewesen, sie alle hier anzutreffen, war es nicht die letzten Tage immer so gewesen?
„Aber wer will denn da meckern?“, sagte ich zu mir selbst und wusste genau, was ich nun machen würde. Der iPod würde nun meine Musik abspielen, während ich unter der Dusche stand und ich würde mitsingen, so schief ich konnte.
Oh ja, so war das Leben echt Lebenswert.
Doch lange sollte mein Frieden nicht halten, denn kaum war ich aus der Dusche gestiegen und lümmelte in frischen Sachen auf der Couch, ging auch schon die Tür auf und meine drei liebsten Mitbewohnerinnen und Freundinnen standen vor mir.
„Gott, und ich dachte nur Lucy hätte einen Grund dieses Katzengejammer zu hören.“ Jill rollte mit den Augen.
„Kommt daher, dass du nichts von guter Musik verstehst.“ Ich zuckte mit den Schultern. Das wir nicht alle einer Meinung sein konnten, war klar.
„Leider stimme ich da Annie zu, der Song klingt nicht nur toll, sondern hat auch einen wahnsinnig tollen Text.“ Caitlin war wenigstens auf meiner Seite.
„Klingt nach Liebeskummer und ich frage mich gerade, was wir jetzt bei Annie verpasst haben sollen?“
„Kann man nicht mal einen anspruchsvollen Song hören, ohne gleich vom Herzschmerz zerrissen zu sein, nur weil er toll ist?“
„Ich starre auf die Fehler, die ich gemacht habe? Was daran ist jetzt anspruchsvoll?“ Jill setzte sich neben mich.
„Vergiss es einfach.“ Ich schaltete auf den Collegesender um. Der spielte wenigstens von allem etwas.
„Ich habe jetzt eine Idee für meine Abschlussarbeit.“ Lucy sah uns alle an, als wartet sie nur darauf, dass wir sie fragten, um was es gehen würde.
„Und was wird dein Thema?“ Caitlin tat ihr wenigstens den Gefallen. Wir alle verstanden nicht all zu viel von Psychologie wie sie.
„Na ja, es ist eine Art Verhaltens-Experiment.“ Sie blickte uns an und keiner schien zu kapieren was sie wollte.
„Und was für ein Experiment soll das werden?“ Ich zog fragend eine Augenbraue nach oben.
„Na, ihr wisst ja, wir fallen oft genau auf die Typen rein, die nicht auf uns stehen, oder für die wir nur ein kurzes Spiel sind. Meist ist es, weil wir zu schnell zu viel geben und was wäre, wenn wir genau das nicht tun. Wenn wir dem Mann die Chance lassen uns zu jagen. Denn eigentlich ist es doch genau das, was er will. Wenn er seine Beute schnell und Zielsicher erlegt, ist es ihm zu langweilig noch ein bisschen damit zu spielen.“
Jill und Caitlin sahen genauso ratlos aus, wie ich mich fühlte.
„Und was willst du jetzt dagegen tun?“
„Wie gesagt, ein kleines Verhaltens-Experiment und es wäre schön, wenn ich noch ein paar andere Tester hätte um verschiedene Ergebnisse auszuwerten.“ Lucy blickte uns flehend an. Wir taten wirklich viel füreinander, wie hatten unsere Spiele und unseren Pot, aber war dies vielleicht einfach ein wenig zu viel.
„Erläutere die Spielregeln.“ Jill schien interessierter zu sein als ich. Was sollte ich auch dazu beitragen, es gab ja niemanden der in irgendeiner Weise interessant sein konnte.
„Na ja, wir geben den Typen eben genau nicht, was sie wollen. Sie wollen ein Date, dann müssen sie schon einfallsreich sein. Sie küssen zuerst, kein Sex, denn danach gilt man praktisch als erlegt.“
„Okay, du weißt, kein Kerl macht das mit.“ Ich betrachtete meine Freundin skeptisch. Nein, ich konnte mir nicht mal im Ansatz vorstellen, dass ein Mann so etwas lange mitmachte.
„Es ist viel schwerer, für euch sich an die neuen Regeln zu halten und nicht in alte Muster zu verfallen. Ein Typ, der wirklich Interesse hat, wird nicht aufgeben. Ihr sollt ja nicht komplett blockieren, man darf flirten und reizen, aber alles hat seine Grenze.“
Mir war das zu hoch. Wie sollte mir das dabei helfen, jemanden zu finden, der wirklich an mir interessiert war? Zumal ich eh nicht der Typ war, der mit jedem Typen ein Date hatte, knutschte oder gar in die Kiste sprang. Da waren Jill und Caitlin doch die besseren Laborratten. Ich war wählerischer als die meisten und genau darin bestand auch mein Problem und das wusste ich sehr gut.
„Ich denke, das wäre ein Thema für einen Pot.“ Jill sprühte nur so vor Energie, wie immer, wenn es um einen Pot ging. Was ein Pot war? Hin und wieder machten wir aus verschiedenen Dingen eine Art Wette. Stellten Regeln und einen Strafkatalog auf. Dies erforderte viel Ehrlichkeit, denn einmal in der Woche wurde abgerechnet und am Ende der Laufzeit erhielt diejenige den Pot, die am wenigstens Strafen hatte zahlen müssen. Es war ein Ansporn uns in vielen Dingen zusammen zu reißen. So hatten wir unsere Ernährung angepasst, mehr Sport gemacht und uns sogar auch schon sozial engagiert. Der Pot war immer eine Möglichkeit uns zu verbessern.
„Das halte ich für die bescheuertste Idee, die ich seit langem gehört habe.“ Caitlin sprach es direkt aus.
„Warum? Lasst es uns einfach ein halbes Jahr probieren. Es geht ja nicht darum in der Zeit keine Beziehung haben zu dürfen, nur folgt das alles nun etwas anderen Regeln. Wir müssen halt nur lernen das wir nicht diejenigen sind, die ihnen hinterherlaufen, wie kleine dumme Hündchen. Ich denke das ist machbar.“ Lucy war sehr überzeugt von ihrer doch schrillen Idee.
„Wie soll der Strafkatalog aussehen?“, fragte Jill und überging Caitlins Protest damit ebenfalls.
„Siehst du Caitlin, wenn man wie ich keine Typen kennen lernt kann einem nichts passieren.“ Ja, ich feixte ein wenig. Denn Caitlin hatte bei weitem mehr Dates in einem halben Jahr gehabt, wie ich in meinem bisherigen Leben.
„Das kommt ja auch nur daher, dass du von einem anderen Planeten bist und noch keinen von deiner Rasse gefunden hast.“ Sie rollte mit den Augen.
Und nicht mal eine halbe Stunde später, standen die Regeln fest.
- Biete keine Dates von dir aus an
- Lass ihn auf dich zukommen
- Er küsst dich zuerst
- Zeige ihm, dass es auch andere Männer gibt, die dich interessieren könnten
- Renne ihm nicht hinter her
- Alles was deine Eltern tun und du nicht wissen willst, tue selbst nicht.
Und daraus ergab sich dann auch unser Strafkatalog:
- Date direkt angenommen 10$
- Date selbst angeboten 30$
- Liebesbekundung 20$
- Sex vor einer richtigen Beziehung 100$
- Du küsst ihn zuerst 20$
- Du schreibst ihm, bevor er schreibt 10$
- Du rufst ihn zuerst an 10$

Das Startkapital legten wir auf fünfundzwanzig Dollar fest, die nun jeder von uns in die Flasche warf, ehe wir den Strafkatalog unterschrieben. Ja, es gab ein paar kleine Zahlen und eine Zahl die gewaltig weh tat und es wohl auch sollte. Lucy hatte erfreut in die Hände geklatscht. Seine Abschlussarbeit für einen Kurs mit einem richtigen kleinen Experiment zu beenden, war sicher nicht das schlechteste, die Frage war nur, wer hier wirklich die Laborratten waren. Waren es die Männer, die wir dateten oder waren wir es, die ihr Verhalten nun grundlegend überdenken mussten? Wenn ich mir all das so ansah, dann machte dieser Gedanke, den Lucy aufgebracht hatte vollkommen Sinn. Wir jagten den Männern, die wir wollten viel zu oft hinter her und vergaßen dabei, dass sie auch uns zeigen mussten, dass sie uns wollten. Das jedenfalls würden sie mit diesem Projekt tun müssen.
„Dann lasst uns im B28 darauf anstoßen.“ Jill war bereits aufgesprungen.
„Wie gut, dass ich Zeke schon gesagt habe, das wir kommen“, meinte ich, mehr zu mir selbst, als zu meinen Freundinnen. Es schien oft keine andere Bar zu geben, als diese. Warum konnten wir nicht mal was Neues ausprobieren, wo man auch mal Menschen traf, die man nicht kannte? Aber damit stand ich alleine da. Zumal heute Karaoke-Night war, etwas, was man auch nur schwer ertragen konnte. Gerade wenn die auch so schönen ihre schrillen Stimmen und schiefen Töne zum Besten gaben.
Wir betraten das B28 und Zeke deutete bereits auf einen freien Tisch, auf dem ein Reserviert-Schild stand. Als ich es las, musste ich etwas schmunzeln.
„Hat er ernsthaft >>Annie und ihr lauter Haufen<< auf das Schild geschrieben?“ Caitlin hatte es mir aus der Hand genommen und warf Zeke nun einen warnenden Blick zu.
„Wir hätten beim letzten mal eben nicht so viel trinken dürfen und singen auch nicht.“ Lucy fand das ganze amüsant und zog ihren Stuhl zurecht.
Ich betrachtete meine Freundinnen und überlegte, wer von ihnen die größten Chancen auf den Pot hatte. Jill würde sicherlich mit Caitlin zusammen die Spitze ausmachen, was die Strafzahlungen angingen. Alleine das Flirten mit Josh würde damit ein schnelles Ende finden. Lucy würde mit Sicherheit als klare Siegerin heraus gehen, nicht nur für ihre Arbeit. Sie war konservativ erzogen worden und kannte sich mit dem Leben nach strengen Regeln gut aus und ich war raus. Ich lernte eh keinen Mann kennen, wenn ich das tat, was ich immer tat. Laufen, Lernen und bei Zeke einen Kaffee trinken. Damit war ich schon automatisch raus. Ohne Mann, keine Chance auf den Pot. Wobei es dabei eher weniger um den Pot gehen sollte, sondern darum wirklich mal einen Mann zu finden, der es wert sein konnte. Wo sollte ich nur auf einen Mann treffen, der es wert war?
Jill bestellte die erste Runde und gemeinsam stießen wir an.
„Auf aufregende sechs Monate.“ Lachte Jill und wir prosteten uns zu, nicht ohne dem flauen Gefühl im Bauch, welches sicherlich jede von uns bei diesem kleinen Experiment hatte.
Ich musste wirklich langsam machen, seit ich mich wieder mehr auf das Laufen konzentrierte und auch mehr auf meine Ernährung achtete, war Alkohol kein Freund mehr von mir.
Ich sah mich ein wenig um und ja, die meisten von unserem Campus waren hier zu finden. An einem Tisch in unserer Nähe saßen Joshua und seine Freunde, von den schönsten Mädchen umgeben, deren Lachen mich schon auf die Entfernung hin in den Wahnsinn trieb. Wie hielten die Kerle das immer aus? Und wieso schafften sie es, mit einem solchen Ruf immer noch die Mädchen von sich zu begeistern? Entweder glaubten diese Mädchen wirklich daran, dass sie ihn noch ändern konnten, oder war ihnen wirklich bewusst, dass sie nur eine kurzweilige Gespielin waren?
„In unserer heutigen Dokumentation sehen Sie, wie das männliche Alphatier sich durch die optischen Reize der jungen paarungswilligen Weibchen beeindrucken lässt“, lachte Caitlin, die meinem Blick gefolgt war und auch ich musste grinsen. Ja, Caitlin hätte auch gut eine Synchronsprechern für mein Leben sein können und ich liebte sie dafür.
„Starrt da nicht so hin, sonst kommen sie euch holen,“ meinte Zeke neben mir und ich fuhr erschrocken zusammen. Ich hatte ihn weder gesehen, noch kommen gehört und ich war sowieso der schreckhafteste Mensch, den es gab.
„Mach das nie wieder,“ ermahnte ich ihn und versuchte es noch einmal mit meinem Todesblick, leider vergeblich. Er blieb stehen und scheinbar auch bei voller Gesundheit. Soweit ich dies sagen konnte. Ehe ich mich versah, hatte er sich einen freien Stuhl vom Nachbartisch geschnappt, umgedreht und sich neben mich gesetzt, die Arme lässig auf die Lehne gestützt.
„Ich habe nur ein Auge auf dich, nicht dass du noch Josh Scott in die Hände fällst, wenn er dich schon Kratzbürste nennt.“ Er grinste mich breit an und es war leider auch noch laut genug, dass meine Freundinnen es gehört hatten. Jetzt wussten auch sie, dass er mir einen Spitznamen gegeben hatte. Am liebsten hätte ich Zeke gegen sein Schienbein getreten, aber er wusste ja nicht, in was für eine bescheuerte Situation er mich gebracht hatte.
„Da brauchst du dir keine Sorgen machen, ich falle nicht in sein Beuteschema.“ Ich winkte kurz ab, versuchte den Satz von ihm einfach zu übergehen, auch wenn mich sechs Augenpaare ziemlich neugierig betrachteten.
„Oh, da wäre ich mir nicht so sicher, Kleines. Pass nur auf dich auf.“ Er gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange, der mich erschrocken zurückweichen ließ, ehe er sich erhob und seinen Stuhl zurückstellte. Keine Frage, wir verstanden uns gut, Zeke wusste auch ziemlich viel über mich und die Mädels, mehr als ich über ihn wusste. Aber eine solche Geste hatte es bisher zwischen uns noch nicht gegeben. Ich sah ihm kurz hinterher, ehe ich sich die Blicke meiner Freundinnen weiter in mein innerstes bohrten. Ja ich hatte sie ja bemerkt, sicher würden sie auch gleich fragen, was das alles bedeutete. Doch was sollte ich ihnen sagen? Ich wusste doch selbst nicht, was all das zu bedeuten hatte.
„Was ist?“, fragte ich sie genervt und konnte mir genau denken, was in ihren Köpfen vor sich ging.
„Er steht auf dich.“ Jill sprach es aus und die anderen beiden nickten, wie alte kaputte Wackeldackel.
„Klar.“ Ich rollte mit den Augen. „Deswegen wollte er letztens auch mit dir ausgehen.“ Ich deutete auf Jill und lehnte mich zurück. Selbst wenn er mich gerade interessant finden sollte, er war zwar ein echt toller Typ, er sah gut aus, er hatte einen Job und stand mit beiden Beinen im Leben, war es doch irgendwie, wie bei Josh. Es gab da ein gewisses Tabu, welches ich nicht näher beschreiben konnte.
„Oh, du willst lieber das Josh dich seine kleine Kratzbürste nennt“ streute Caitlin nun noch Salz in die Wunde und dabei hatte ich so sehr gehofft, dass die nachfolgenden Ereignisse diesen kleinen Satz in den Hintergrund haben rücken lassen. Nun musste ich feststellen, dem war nicht so.
„Er hat mich heute Morgen so genannt, als er mit seiner kleinen Blondine dahinten reinkam. Sicher, weil ich ihm die Tour letztens bei Jill vermasselt habe.“
„Was ein Idiot.“ Jill schüttelte kurz den Kopf.
„Du solltest nicht mehr mit ihm flirten, ich habe echt Angst, dass er uns alle irgendwann um die Ecke bringt, wenn wir immer dazwischen gehen.“ Ich warf ihr einen mahnenden Blick zu.
„Wenn du mit Zeke ausgehst, dann vielleicht.“ Jill war ein Biest, wenn ich es noch nicht erwähnt hatte, dann war jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür. Sie war ein richtiges Biest, wenn sie wollte und gerade wollte sie eines sein.
„Ausgehen ist Tabu.“
„Er sieht dich von der Bar aus an, kein Wunder, das er uns diesen Tisch gegeben hat.“ Jill konnte es gerade wirklich nicht lassen.
Ich blickte vorsichtig rüber und ja, genau in diesem Moment trafen sich unsere Blicke und ertappt wendete ich mich wieder Jill zu.
„Nein.“
„Komm schon, er ist schon…“
„Ich habe nein gesagt, Jill.“ Ich sprach es mit einer extra Portion Nachdruck aus, in der Hoffnung, dass es bei ihr ankam.
„Spielverderberin.“
„Nur weil ich nicht mit Männern spiele?“
„Nein, weil du ein Angsthase bist. Wie immer, Annie. Dieser Typ steht auf dich und zwar so was von. Wie sollte er auch nicht, so oft wie du hier bist und mit ihm redest.“
„Können wir über etwas anderes reden?“, flehte ich, denn mir war es gerade wirklich nicht recht. Nicht hier und nicht vor den andern.
„Okay, aber ich werde nicht aufgeben, Annie.“ Wenn Jill sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann verfolgte sie es auch. Das musste man ihr lassen. Kurz darauf waren die drei wieder in ein anderes Thema vertieft und ich hatte mich etwas ausgeklinkt. Meinen Drink in der Hand, in meinem Stuhl zurückgelehnt tat ich so, als würde ich ihnen zuhören, doch es kam kein Wort bei mir an. Dafür waren sie zu leise und der Typ auf der Bühne zu laut. Mein Blick wanderte noch einmal zu Zeke, der mir augenblicklich zuzwinkerte. Ich lächelte kurz und wendete mich wieder meinem Glas zu. War es nur Zufall oder starrte er mich wirklich an? Ich ließ meinen Blick schweifen und blieb kurz bei Joshua und seinen Freunden hängen. Hatte ich Wahnvorstellungen? Oder vielleicht doch zu viel getrunken, oder warum grinste Josh mich an. In was für einem merkwürdigen Film war ich hier gelandet?
„Ich brauch frische Luft“, stieß ich hervor und erhob mich. Mir war schwindelig.
„Soll ich dich begleiten?“ Lucy war direkt voller Sorge.
„Alles gut, ich brauch nur einen Moment frische Luft, Kreislauf, das geht gleich wieder.“ Ich kannte meinen Körper mittlerweile sehr gut. Ich erhob mich und stellte mich einen Moment vor die Tür. Vielleicht lag es daran, dass ein paar Jogurts und nachmittags ein paar Eier und eine Avocado nicht die passende Grundlage für einen solchen Abend waren. Ich sog tief die frische Luft ein.
„Wasser sollte helfen.“
Erneut zuckte ich zusammen. Wenn er das heute noch einmal machte, würde ich ihm sicher noch eine schmieren.
„Mich nicht erschrecken würde auch schon helfen.“ Ich hatte mich zu ihm umgedreht und er hielt mir einfach ein Glas Wasser entgegen. Eigentlich war es bekannt, wie schreckhaft ich war und wie sehr mein Herz nun raste. Nur es schien keinen wirklich zu interessieren.
„Was hast du heute gegessen?“ Es klang nicht, als würde mich der nette Typ aus der Bar fragen, nein, es klang wie ein erwachsender, der genau wusste, dass ich nicht genug gegessen hatte und hatte diesen mahnenden Unterton.
„Zuwenig.“ Ich nahm das Glas entgegen und trank einen kleinen Schluck.
„Dann solltest du nicht so viel Alkohol trinken. Josh hat euch gerade eine Runde Shots an den Tisch bringen lassen.“
„Der will wohl Jill klarmachen. Immer noch. Er lernt es nie.“ Ich sah durch die Scheiben rein doch der Blick von Joshua heftete nicht wie so oft auf Jill, sondern er sah genau zu uns hinaus. Okay, ich hatte wirklich Wahnvorstellungen, die auf Grund meiner Mangelernährung zustande gekommen sein mussten. Alles andere machte einfach keinen Sinn. Warum Shots? Warum starrte er mich nun so an. Zeke war meinem Blick gefolgt.
„Nicht sein Beuteschema? Ist klar, Annie. Pass gut auf dich auf.“ Er klopfte mir auf die Schulter, nicht ohne kurz aufzulachen.
„Was sind das für Shots?“
„Tequila, dein absoluter Favorit, deswegen ist in deinem auch nur Wasser.“ Er öffnete die Tür und deutete mir an ihm zu folgen.
„Du bist der Beste.“ Ja, in solchen Momenten war es wirklich gut, dass ich mich mit Zeke verstand. Ich revanchierte mich, ich in dem ich ihm einfach einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange drückte. Was er konnte, konnte ich schon lange. Ich wusste, das würde gleich Zündstoff an meinem Tisch geben, aber er hatte ihn sich verdient und ich fand diese neue Art von Freundschaft gar nicht so schlecht. Vielleicht hielt sie mir auch Josh vom Hals.
„Immer wieder gern, Annie“, er schenkte mir ein kurzes Lächeln.
Ich trat an den Tisch und griff nach dem Shot.
„Cheers meine Lieben“, mit diesen Worten kippte ich das Wasser ab und tat so, als wäre es Tequila und nickte dann Joshua dankend zu.
„Uh, deinem Kreislauf scheint es ja schon viel besser zu gehen.“ Caitlin zwinkerte mir zu und deutete mit den Augen in Richtung Zeke.
„Frische Luft und ein Wasser können schon wahre Wunder bewirken. Wie hat Jill sich diese Shots denn verdient?“ Ich wollte den Fokus wieder auf sie legen. Wir hatten genug über mich und Zeke gesprochen, für heute und die nächsten Tage.
„Keine Ahnung, wer weiß was der Kerl sich denkt.“ Jill zuckte mit den Schultern. „Aber ich könnte noch eine Runde nehmen.“
So bestellte sie noch eine Runde und der aufmerksame Zeke brachte mir wieder nur ein Wasser. Der Abend war lang und immer wieder fühlte ich mich beobachtet, durch Zeke, der um mich herumzuschleichen schien wie ein Wachhund und Joshua, der warum auch immer, genau dann in meine Richtung sah, wenn ich zu ihm sah. Was war nur los? Ich würde morgen wirklich eine große Runde laufen müssen. Vielleicht machte ich mir auch einfach zu viele Gedanken um alles und es war gar nicht so.

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hobbes 11. Jul 2018

Huhu - erster Kommi ;)
Ich muss ehrlich zugeben, ich bin IM GLÜCK, heute deine Story hier gefunden zu haben! Angefangen zu lesen und nicht mehr aufgehört... Und leider leider gibt es erst drei Kapitel... Ich mag deinen flüssigen Schreibstil, ich liiiebe Annies Selbstironie, und die Charaktere sind mir bis hierher auch schon äußerst sympathisch. Vier unterschiedliche Mädels, alle irgendwie liebenswert und dann zwei nicht gleich zu durchschauende Kerle, die wohl beide ein Auge auf die Hauptdarstellering geworfen haben. Hmm, ja - das liest sich doch gut. An der Stelle mit Annies "Mangelernährung" musste ich direkt laut lachen und das ist wirklich nicht so leicht zu schaffen - Kompliment!
Ich hoffe du bleibst dran und schenkst uns bald ein neues, schönes Kapitel - ich glaube ich bin süchtig ...
Viele Grüße,
Hobbes

MinieBieni 11. Jul 2018
Hallöchen :) Ach da freu ich mich doch direkt schon :) Erstes Kommi und dann ein so tolles Gerade wenn man so die ersten Kapitel raus haut, fragt man sich ja schon, liest sich dass alles für andere genau so, wie man es selbst empfindet und ist die Idee an sich nicht ganz so schräg, die man so im Kopf hat ^^ Vielen lieben Dank :) Ich glaube Annie hat da noch so einiges zu bieten, an Selbstironie, sie macht es mir auch sehr leicht damit ihre Geschichte zu erzählen. Da freue ich mich, dass ich dich zum lachen bringen konnte und hoffe es in weiteren Kapiteln noch einmal zu schaffen, es ist ein Ansporn. Ich gebe mir alle Mühe und werde direkt fleißig weiter schreiben :) Vielen lieben Dank und liebe Grüßle Minie