True love is hard to find

vor 4 Mon.
Schluss mit miesen Dates und Typen, die nicht das gleiche suchen! Annie und ihre Freundinnen haben genug davon. Sie wollen endlich den „Einen“ finden und starten dafür ein kleines Experiment. Doch lässt sich so wirklich die wahre Liebe finden, oder kostet das ganze am Ende das Herz?
Liebe/Romantik Romanze P16 Romanze In Arbeit

Kapitel 8

Kapitel 8

Ich entscheide, dieser Teil ging mir die ganze Nacht durch den Kopf. Nur weil Josh eingefallen war, dass ich vielleicht doch ein nettes Ding bin, bedeutete es nicht, dass sich daraus auch etwas ergeben musste, denn dazu gehörten immer noch zwei und ich entschied, wie weit ich es kommen lassen würde und meine Gedanken waren immer noch dabei sich zu sortieren, was sie eigentlich wollten. Denn Joshua war einfach ein Frauenheld und ich konnte dieses Bild auch nicht verdrängen. Vielleicht irrte ich mich ja, aber auf der anderen Seite ließ es mir keine Ruhe und dann gab es noch ein ganz anderes Thema, was mich beschäftigte. Zeke.
Warum war er so abweisend zu mir gewesen, als ich noch einmal mit ihm reden wollte? War es vielleicht doch, weil ich dazwischen gegangen war? Weil ich in diesem Moment Josh beschützt hatte? Irgendeinen Grund musste es ja haben und ich musste der Sache auf den Grund gehen, denn er fehlte mir wirklich sehr. Seit diesem Tag hatte ich nicht mehr das Gespräch zu ihm gesucht und ich wusste, ich musste noch einmal einen Versuch wagen, sonst würde ich keinen Frieden finden. Ich brauchte dringend eine Pause für mich und es gab nur eines, was mich wirklich zur Ruhe brachte, Sand unter meinen Füßen und das Rauschen des Meeres. Ja, ich vermisste es und hier fand ich einfach viel zu selten die Zeit. Zumal das Meer hier nicht das gleiche war. Okay, es war der Atlantik, natürlich war es nicht das gleiche Meer. Aber Kalifornien, war einfach Kalifornien. Nur jetzt mitten im Semester hatte ich auch keine Chance mal eben dort hin zu fliegen. Meine Eltern würden ausflippen, also musste wohl doch der Atlantik herhalten.
Der Morgen kam und ich hatte einfach keine Lust aufzustehen. Irgendwann raffte ich mich aber auf, packte eine kleine Tasche und machte mich auf den Weg. Ich war froh, Joshua nicht zu begegnen, denn das wäre nicht gut gewesen, denn bevor ich zum Strand fahren würde, musste ich noch etwas anderes erledigen.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als das B28 in meine Sichtweite kam und ich spürte wie wackelig meine Beine wurden, als ich auf die Tür zulief. Auf der Veranda war Alex, der andere Kellner gerade dabei die Tische abzuwischen.
„Hey, Alex“, grüßte ich ihn kurz.
„Hey Annie, lange nicht gesehen.“
Ich nickte nur. Er hatte recht, sonst war ich jeden Morgen da und nun war ich länger nicht hergekommen. Nicht seit dieser harten Zurückweisung, die ich durch Zeke erfahren hatte. Aber lange konnte ich nicht böse sein, denn ich konnte einfach nicht damit umgehen, wenn man sich mit mir stritt und noch weniger konnte ich mit dieser Ignoranz und der Abweisung umgehen, die ich von Zeke erfahren hatte. Ich war mehr als nur Harmoniebedürftig und stellte dafür auch gerne meine eigenen Belange hinter die von anderen. Kein toller Charakterzug, denn das bedeutete auch oft, nicht das zu bekommen, was man wollte oder brauchte. Aber ich hatte gelernt damit zu leben.
„Hey“, meine Stimme war leise und geknickt, als ich das B28 betrat. Zeke lehnte am Tresen und las die Tageszeitung, er sah nicht einmal auf.
„Meinst du, ich könnte einen Milchkaffee bekommen?“ Gott, warum ignorierte er mich weiterhin? Er wendete sich ab, griff nach einem Pappbecher und ließ den Kaffee dort hinein. Ein netter Hinweis direkt mit dem Kaffee wieder zu verschwinden. Ich biss mir auf meine Unterlippe und versuchte durchzuatmen. Wieso wollte er einfach nicht mit mir sprechen?
Er stellte den Becher vor mir ab und lehnte sich gegen den hinteren Teil des Tresens.
„Ich bin ein Idiot, Annie.“
Wo er recht hatte, da hatte er nun mal recht.
„Wenn es dir so leidtut und du keiner sein willst, warum bist du dann so zu mir?“ Ich wollte eigentlich nicht vorwurfsvoll klingen, konnte es aber nicht unterdrücken.
„Es hat wirklich nichts mit dir zu tun. Ich war noch ziemlich geladen und ich hätte es nicht an dir auslassen dürfen, du wolltest nur nett sein.“
Da lag er gar nicht so falsch, ich wollte wirklich nur nett sein. Aber immerhin hatte er es selbst eingesehen.
„Ist okay, aber das nächste mal komm ich nicht mehr wieder.“ Ich drehte den Becher mit meinen Händen auf den Tresen. Diese Drohung war mir nicht sonderlich leichtgefallen, aber sie war nun einmal nötig. Ich wollte mich nicht wegen Joshua mit ihm streiten. Ich wollte mich eigentlich gar nicht mit ihm streiten. Mir lag wirklich viel daran, dass wir uns verstanden, denn im Laufe der Zeit die ich hier verbracht hatte, war er mir sehr wichtig geworden und so richtig hatte ich es auch erst jetzt gemerkt, nach diesem unsinnigen und vollkommen unnötigen Streit den wir gehabt hatten.
„Ist angekommen.“ Er griff nach meinem Becher und ich sah ihn trotzig an. Er konnte mir nicht meinen Kaffee wegnehmen.
„Ich mach dir eine Tasse, wenn du bleiben magst.“ Er war kleinlaut.
„Gerne.“
Er stellte eine Tasse unter die Maschine und schüttete meinen alten Kaffee weg. Der arme Kaffee, ich wollte schon protestieren, aber ich wusste, es hatte keinen Sinn.
„Der geht aufs Haus, wie die nächsten fünf.“ Er stellte die Tasse vor mir ab und schenkte mir ein Lächeln.
„Als Entschädigung?“, fragte ich und musste selbst lachen.
„Aber Hallo, ich hätte mir fast meine treuste Kundin vergrault, mit der Aktion.“
„Ach, wenn ich nur eine treue Kundin bin.“ Ich zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck von meinem geliebten Milchkaffee. Ich hoffte sehr, dass wir uns nicht noch einmal so in die Haare bekamen, denn wo sollte ich sonst einen so guten Kaffee herbekommen?
„Du weißt, dass du mehr bist.“ Er wuschelte mir durch mein Haar, ehe er Alex die Tür aufhielt und dafür könnte ich ihn jedesmal ermorden. Aber wie ja bekannt war, taugte mein Todesblick einfach nichts.
„Habt ihr euch wieder vertragen?“ Alex blickte kurz zwischen uns hin und her.
„Kann man so sagen“, meinte ich knapp und nippte an meinem Kaffee.
„Sehr schön, ich konnte sein gegrummel darüber das er ein Idiot ist und seine schlechte Laune schon fast nicht mehr ertragen.“ Er klopfte seinem Chef auf die Schulter und Zeke verzog das Gesicht.
„Ein wahrer Freund bist du, Alex.“ Schimpfte Zeke und schüttelte den Kopf.
„Hattest du Angst ich komm nicht mehr?“ Ich wusste, es war gemein, aber ich musste lachen.
„Ja, dachte er und deswegen fragte er sich, ob er nicht bei dir auftauchen soll und dass das alles doch dämlich…“
„Ist gut, Alex. Verschwinde irgendwelche Tische putzen und halt dich aus den Angelegenheiten von Erwachsenen raus“, unterbrach Zeke ihn, ehe er vielleicht noch was sagte, was Zeke noch peinlicher war. Es hatte allerdings gutgetan, diese Worte zu hören, denn es zeigte, ich war ihm nicht so egal gewesen, wie ich es anfangs vielleicht noch gedacht hatte. Alex lachte und wanderte mit seinem Eimer weiter durch das B28.
„Bitte sie doch einfach um ein Date, sie wird sicher nicht nein sagen“, hörte ich ihn lachen, ehe ein Handtuch als Knäul in seine Richtung geflogen kam.
„Ich sollte mir echt Personal suchen, dass sich zu benehmen weiß, wenn Kundschaft da ist“, brummte Zeke.
„Annie ist keine Kundschaft, sie gehört praktisch zum Inventar.“
Wir lachten, denn Alex traf irgendwie den Nagel auf den Punkt.
„Was hast du heute noch so vor?“ Zeke deutete auf meinen Rucksack. Es war wohl doch etwas ungewöhnlich, das ich nicht mit meinen Sportklamotten hier saß.
„Ich wollte noch mal runter ans Meer.“
„Schon mal am Long Beach in Plymouth gewesen?“
Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich ehrlich war, kannte ich nicht mal Boston wirklich gut, da sich für mich das meiste hier am Campus und der Umgebung abspielte, bis zum Hafen oder dem Strand war ich selbst nur wenige Male gekommen und außerhalb von Boston hörte es dann auch ganz auf.
„Sehe ich so aus, als würde ich mir etwas anderes ansehen, außer Boston?“ Ich trank meinen Kaffee leer.
„Dann wird es aber mal Zeit. Der Plymouth Long Beach ist nur eine tolle Sache, die man sich in der Umgebung ansehen kann.“
„Ohne Auto wird das eher nichts und ein Taxi bis dahin ist sicher nicht gerade für ein Studentenbuget geeignet.“
„Wir können zusammen hin, wenn du magst, Alex bekommt den Laden sicher auch alleine geschmissen.“
Bisher hatte ich die gemeinsame Zeit mit Zeke nur hier im B28 verbracht und ich war wirklich neugierig, wie gut wir uns außerhalb dieser Zone verstehen würden.
„Okay, aber nur weil ich heute einen guten Tag habe und Sehnsucht nach einem langen Strand und Meer.“ Ich trank meinen Kaffe aus und griff nach meinem Rucksack. Zeke hielt mir die Tür auf, wie es sich eben irgendwie gehörte. Kurz darauf standen wir vor einem Motorrad und er hielt mir einen zweiten Helm hin. Hatte er den immer dabei, falls er mal Mädchen mitnahm?
„Das kannst du vergessen, Zeke.“
„Jetzt stell dich nicht an, setz dich hinten drauf, du wirst schon nicht runterfallen.“ Er lachte kurz und hatte sich schon aufgesetzt.
„Das ist meine kleinste Sorge.“ Und damit hatte ich nicht gelogen, denn mir wäre ein Auto bei weitem lieber gewesen.
„Jetzt komm schon Annie, du vertraust mir doch.“
Okay, normalerweise vertraute ich ihm, aber in diesem Moment war ich mir nicht sicher, in wie weit ich ihm wirklich noch vertrauen konnte. Ich hasse Motorräder. Warum konnte er nicht ein normales Auto fahren? Ich musste wirklich sehr ängstlich ausgesehen haben, aber er half mir in den Helm und einen kurzen Moment später saß ich hinter ihm auf der Maschine und versuchte immer noch ein klein wenig Abstand zwischen uns zu halten. Ich war nicht der Mensch, der direkt körperliche Nähe von anderen schätzte.
Ich hatte fast schon das Gefühl zu spüren, dass er lachte, als er losfuhr. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, fast schon von Freiheit, als ich den Fahrtwind spürte. Okay, jeder andere würde es vielleicht als cool ansehen, auf einem Motorrad zu fahren, aber für mich hatte es wirklich etwas Befreiendes und vor allem war es besser als laufen zu gehen. Wovor hatte ich mich nur immer so gefürchtet? Kurz darauf ließen wir Boston hinter uns und fuhren in Richtung Süden, nicht über den Highway, wie man glauben könnte. Ab hier wusste ich nicht mal mehr wo ich war und wenn Zeke mich hier nun aussetzen würde, ich wüsste nicht wie ich zurückkommen sollte. Doch den Gedanken schob ich schnell beiseite, denn er würde keinen Grund haben mich hier auszusetzen. Ich lehnte mich mit ihm in die Kurven, als wäre ich schon oft mitgefahren und ich hatte keine Angst, das wir umfallen würden. Ja, ich vertraute ihm und als wir Plymouth erreichten, war ich mir auch sicher, dass ich ihm mein Leben auf einer solchen Maschine bedenkenlos anvertrauen konnte und fast schon etwas traurig, dass die Fahrt bereits ihr Ende fand.
„Na, war doch gar nicht so schlimm?“ Er stellte die Maschine ab und half mir aus dem Helm.
„Es war okay“, log ich, denn jetzt zuzugeben, dass es Spaß gemacht hatte, wollte ich auch nicht direkt.
„Dich nehm ich gerne mit. Alex hat sich beim ersten mal fahren immer gehen die Kurven versucht zu legen.“ Zeke rollte mit den Augen und ich schmunzelte. Der sonst so starke Alex hatte also genauso angst, wie ich. Dann ließ ich meinen Blick schweifen, es war zwar nur der Parkplatz, aber der lange Strand ließ sich bereits erahnen. Ein Traum. Das Meer, die Luft, alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte, anders als in Boston und nicht wie in San Diego wo ich aufgewachsen war. Klar war Kalifornien und vor allem Malibu kein Vergleich zur Ostküste, doch das hier kam meinem Wunsch nach mehr bei weitem näher, als ich dachte.
„Hier müssen wir zu Fuß weiter, bis zur Mitte sind knapp eineinhalb Meilen.“
„Für mich das kleinste Problem,“ lachte ich und schlüpfte aus meinen Schuhen, denn ich wollte den Sand unter meinen Füßen spüren und kurz darauf umspülte das kühle Meer meine Füße, doch genau das brauchte ich so dringend.
„Ist echt schön hier.“ Ich ließ meinen Blick schweifen.
„Ich bin gerne hier, wenn mir Boston einfach mal wieder zu groß und zu laut geworden ist.“ Zeke hatte es mir gleichgetan und seine Jeans hochgekrempelt.
„Kann ich absolut nachvollziehen. Kaum bin ich in den Semesterferien daheim, bin ich auch fast nur noch am Meer, weil ich es so vermisse.“
„Sicherlich ist es nicht mal ansatzweise mit hier zu vergleichen. Komm schon, hier ist es doch viel besser.“ Er stieß mich leicht an und lachte kurz auf.
„Das liegt aber nur an der netten Begleitung, sonst würde ich Malibu wirklich vorziehen.“ Ich blickte auf das Meer hinaus und da man hier nur das rauschen des Meeres vernahm und die Möwen, die hier kreisten, war es einfach unbeschreiblich. Nein, es war kein vergleich zu Malibu. Wie auch, dort war es voll und die Touristen kamen das ganze Jahr. Hier sah man einfach niemanden.
„Wirklich, gibt es denn keine netten Surfer-Boys die dein Herz erobern könnten?“
Ich lachte kurz bitter auf.
„Sorry, wollte dir nicht zu nahe treten“, entschuldigte Zeke sich gleich, denn er spürte er hatte in ein Wespennest gestochen, in ein sehr großes sogar.
„Alles gut.“ Ich betrachtete das Wasser, welches meine Füße umspielte und holte tief Luft. Ich hatte schon länger nicht mehr an all das gedacht. All das, was mich zum Laufen gebracht hatte.
„Wie kann man in Kalifornien leben und nicht sein Herz an einen Surfer verlieren, du hattest also eine fast hundert prozentigen Wahrscheinlichkeit mit deiner Aussage richtig zu liegen.“ Meine Stimme war leise und klang nicht nur nachdenklich, denn der Schmerz schwang in jeder Silbe mit.
Ich hatte schon eine Weile nicht mehr an Ben gedacht. Vielleicht hatte ich auch deswegen das Meer so lange gescheut und nur besucht, wenn ich daheim war. Denn dort konnte ich den Erinnerungen kaum aus dem Weg gehen. Aber hier gehörten sie nicht her, nicht zu meinem neuen Leben.
„Er hat dir das Herz gebrochen?“ Es war eigentlich mehr eine Feststellung, als eine Frage und ja, er hatte recht, Ben hatte mir das Herz gebrochen.
„Tut das die erste Liebe nicht immer?“ Ich hob den Kopf und sah Zeke direkt an. Er wusste garantiert genau von was ich sprach.
„Der erste Liebeskummer ist auch nicht vergleichbar, mit allem was danach kommt“, stimmte er mir zu und schloss einen längeren Moment die Augen. „Aber wir lernen damit zu leben und das nennt sich dann Erwachsenwerden und an seinem Scheitern zu wachsen.“
Wenn er so sprach, dann fand ich es traurig, dass er sich nicht für ein College entschieden hatte, sondern seine Zeit und sein Art Dinge zu analysieren in einem Café oder einer Bar, oder was auch immer genau das B28 war, zu verschwenden. Aus ihm hätte sicher ein guter Lehrer oder Psychologe werden können, vielleicht auch noch weit aus mehr. Aber es stand mit nicht zu, mich all das zu fragen. Es war für Zeke nie eine Frage gewesen, direkt das B28 zu übernehmen und so wie es immer klang, wollte er auch gar nicht näher darauf eingehen.
„Daran wachsen, das ist gut. Ich durchlebe seit Jahren immer wieder die gleiche Geschichte und ich fürchte, es wird sich nie ändern und ich werde auch nicht mehr daran wachsen.“ Meine Worte machten ihn Neugierig und vielleicht hatte ich auch genau das beabsichtigt. Vielleicht wollte ich all das mal rauslassen, was mir seit so vielen Jahren auf der Seele brannte, denn mich würde sicher keiner so gut verstehen wie Zeke, dem war ich mir absolut sicher.
„Du magst Junge, Junge mag dich und du kapierst es erst, wenn er eine andere hat?“ Zeke hatte sich in den Sand gesetzt und deutete an, mich neben ihn zu setzen. Na das war ja nett, hielt er mich also wirklich für so blind, wie meine Freundinnen?
„Schlimmer.“
„Annie, was soll bitte noch schlimmer sein?“
„Ich mag Junge, Junge mag meine beste Freundin, wird von bester Freundin zurückgewiesen, Junge gibt sich mit mir ab um bester Freundin nah zu sein, beste Freundin verliebt sich in Junge und Junge betrügt mich mit bester Freundin.“
Zeke schien nicht mehr zu wissen, was er noch sagen sollte, das war definitiv keine leichte Kost, die ich da gerade in der Kurzform runtergebetet hatte und leider hatte es sich genau so angespielt. Es klang nach dem typischen Teeny-Serien-Dreieck, welches es in allen erdenklichen Formen im Nachmittagsprogramm gab, nur war meines leider keine kitschige TV-Serie mit Happy End für alle, es war bittere Realität gewesen. Schmerzhaft, enttäuschend, grausam. Diese Worte beschrieben das Ende der Geschichte einfach am treffendsten.
„Warst du mehr als einmal mit Junge zusammen?“
Ich nickte nur.
„Dann glaubst du, mit Jill ist es jetzt ähnlich. Wenn jemand zuerst Jill anspricht und dann zu dir kommt, ist er nicht anders als Junge.“
Er war ja ein richtiges Genie. Vielleicht wäre auch Forensik etwas, was ihm liegen würde.
„Das mit Ben war wirklich hart. Er war meine erste große Liebe und leider in so ziemlich allem, was eine Beziehung ausmachte, war er eben der Erste.“ Ich biss mir auf meine Unterlippe. Zeke betrachtete mich neugierig, als wartete er noch auf etwas.
„Als er Natalie das erste mal küsste, brach meine ganze Welt zusammen und kaum scheiterten die beiden, war ich wieder an der Reihe. Ich habe das ganze Affentheater zwei Jahre an der High-School und noch einmal ein Jahr hier am College mitgemacht und dann hatte ich einfach genug.“ Nie würde ich bestreiten, dass Ben mich geliebt hat, jedoch nie auf die gleiche weise, wie er Natalie geliebt hatte und nie so, wie ich ihn geliebt hatte.
„Und nun projizierst du dein Erlebnis mit Ben und dieser Natalie auf Jill und jedem potentiellen Typen, der dich toll finden könnte, aber vielleicht mal Jill auch nur angesehen hat.“ Es war irgendwie wahnsinnig jemanden überhaupt davon zu erzählen, aber ich hatte schon so oft meine gesamte Wortkotze und meine Sorgen und mein Herz bei Zeke abgeladen. Bei ihm war ich sicher, er verstand mich, hinterfragte mich und gab mir doch den Mut, der mir oft fehlte.
„Ich projiziere es nicht, es ist genau das gleiche. Nehmen wir Josh und seh es bitte jetzt mal ganz neutral. Josh versucht Jill rumzubekommen, aber er schafft es nicht, also fängt er mich ab und freundet sich mit mir an. Kurz darauf taucht er bei einem Konzert meiner Lieblingsband auf und meint am Ende des Abends mich fragen zu müssen, ob es verrückt sei, wenn er mich ein wenig mehr mögen würde.“ Mein Blick war fest auf das Meer gerichtet. Ich wusste, meine Worte würden ihm nicht gefallen, aber ich wollte einfach wissen, wie er die Sache sah. Meine Freundinnen waren für solche Gespräche nicht zu gebrauchen. „Also, wie soll ich es nicht doch genau so sehen, wie es ist?“
„Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn“, knurrte Zeke.
„Ich habe um Neutralität gebeten“, versuchte ich die Wogen noch einmal zu glätten.
„Würden wir von einem anderen Kerl reden, würde ich dir sagen, dass er sich vielleicht einfach wirklich um deinetwillen sich für dich interessiert und nicht, weil er Jill nicht haben kann. Bei Joshua neutral zu bleiben, da erwartest du wirklich viel.“ Er fuhr sich durch die Haare, ein Zeichen, das er innerlich kochte und mir gern etwas anderes zu dem Ganzen gesagt hätte. Aber er riss sich zusammen.
„Nehmen wir mal an, ein Typ lernt dich zuerst kennen, aber weil du in allem nur das schlechte siehst, oder glaubst ein Mann kann sich nicht für dich interessieren, ignorierst du all seine Flirtversuche, seine Annäherungen und um zu testen, ob du nicht vielleicht doch Interesse an ihm hast, fragt er dich nach deiner Freundin?“
„So schlau ist Josh nun auch wieder nicht und er kennt Jill wohl sogar schon länger.“
„Es dreht sich nicht immer alles nur um Josh.“ Zeke klang frustriert und irgendwie konnte ich ihm gerade nicht sonderlich gut folgen.
„Ich beobachte dich schon lange, Annie und du hast zur Absicherung ja auch schon Dates im B28 gehabt um flüchten zu können. Du willst nicht sehen, wenn sich wirklich jemand für dich interessiert. Du blockiertest gleich und all diese Zeit habe ich versucht, zu verstehen warum. Warum kannst du mit mir auf der einen Seite so frei reden, blockst aber auf der anderen Seite ab und der Grund ist schlicht und ergreifend Ben. Er hat dir das Herz gebrochen und du bist nicht bereit es ein weiteres mal zuzulassen. So lange das so ist, kann man sich die Beine ausreißen um dir zu zeigen, dass man dich wirklich mag, du wirst es nicht glauben.“
Ich starrte ihn nur an, nicht sicher, was ich darauf sagen sollte. Denn ja, er hatte Recht. Ich wollte mir nicht noch einmal so weh tun lassen, wie es damals geschehen war, aber das bedeutete doch nicht, dass ich immer alles abblockte.
„Was willst du mir damit sagen?“
Ohne ein Wort griff Zeke meine Hand und zog mich zu sich herauf, sah mir einen Moment in die Augen, ehe er mich neben sich herzog, sanft, aber bestimmend und ich folgte ihm.
„Mach die Augen auf, Annie und seh dich so, wie ich dich sehe. Hör auf dich hinter einer albernen Angst zu verstecken, vor der niemand sicher ist.“
Ich versuchte seinen Worten zu folgen, aber er hatte mich anscheinend bereits längst abgehängt und merkte es nicht einmal, wie ich ihn fragend anstarrte.
„Ich habe auch ein gebrochenes Herz, an dem Josh nicht unbeteiligt ist, aber es hat mich nicht davon abgehalten, es wieder zu verschenken.“ Er blieb stehen und sah mich nun direkt an. „Es ist bisher nicht gut gelaufen und sicher werde ich auch wieder enttäuscht oder verletzt werden, aber das Risiko gehe ich ein, denn ich weiß, es lohnt sich für die Frau, die es mit allen Mitteln schützen wird, so wie ich ihr Herz beschützen werde.“
Dieser Mann konnte mit seinen Worten und diesem Blick Eisberge in der Arktis schmelzen, wusste er das überhaupt? Ich bekam weiche Knie und musste mich darauf konzentrieren weiter zu atmen, denn im ersten Moment hatte ich bei seinen Worten die Luft angehalten. Zeke hatte dieses unverschämte Lächeln, mit dem er sicher jede Frau für sich gewinnen konnte und ich mochte es, wenn er es mir schenkte, wie in diesem Moment.
„Ich hoffe sehr, du findest diese Frau bald.“
„Ich glaube ich habe sie schon gefunden, aber noch scheint sie nichts von ihrem Glück zu ahnen.“ Er grinste breit und ein klein wenig Enttäuschung machte sich in mir breit. Es gab also eine Frau in seinem Leben, für die er sich interessierte, die sein Herz erobern konnte. Was würde es für uns bedeutete, wenn sie erkannte, was für ein Glück sie hatte, auf Zeke zu treffen?
„Dann hoffe ich, sie wird es schnell erkennen.“
„Sie erkennt es, wenn ihr Herz dazu bereit ist, Annie.“ Er zwinkerte mir zu, ehe er weiter durch den Sand lief. Ich war stehen geblieben und sah ihm hinterher, wie die Wellen seine Füße umspielten.
Dieser Mann trieb mich in den Wahnsinn, seine Worte, die Art mit welcher Geduld er sie aussprach, als würde er auch sehr lange auf sie warten. Diese Frau musste es wirklich Wert sein. Wenn man dagegen Joshua betrachtete, der einmal klar gemacht hatte, dass er nicht wirklich darauf wartete, dass sich jemand für ihn interessierte. Wenn kein Interesse da war, dann zog er weiter. Gab er schlichtweg auf? Oder wusste er im Gegensatz zu Zeke seine Chancen richtig einzuschätzen? Sie waren so unterschiedlich und gerne hätte ich erfahren, was Zeke meinte, als er sagte, dass Joshua an seinem ersten Liebeskummer auch nicht unbeteiligt war. Es war ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass sie sich nicht mochten und dass es wohl an einer Frau namens Marie lag, aber ich hätte wirklich gerne mehr erfahren. Jedoch wusste ich, Zeke würde nichts weiter dazu sagen, so wie ich nicht mehr über diese mysteriöse Frau erfahren würde, für die er sich also gerade interessierte.
Zeke war genau der typ Mann, den so viele Frauen in ihrem Leben gebrauchen konnten und jede konnte sich Glücklich schätzen, ihn an ihrer Seite zu haben. Er war freundlich, lachte gerne über sich selbst, romantisch, ironisch, ehrlich, ehrgeizig, vielleicht etwas temperamentvoll und ungestüm, dafür aber auch liebevoll und verständnisvoll. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich verdammte mich gerade dafür. War es mein ernst, jetzt wo er mir sagte, er interessiere sich für ein Mädchen, sich zu wünschen, dass ich es wäre, auch wenn ich wusste, ich war es nicht? Erst bei Joshua, der nicht mal hinter dem Berg gehalten hatte und mich anscheinend mochte, und nun kapierte ich, dass ich auch Zeke mehr mochte, als es gut für mich war. Warum waren es immer die falschen Männer? Die, die nur spielten, oder die, die längst jemanden hatten? Beide ließen mein Herz höherschlagen und alleine deswegen könnte ich nie daran zweifeln, dass Ben nicht nur Natalie, sondern auch immer irgendwie mich geliebt hatte, denn es gab diesen Moment, in dem dir mehr als ein Mensch wichtig sein konnte. Das waren keine dummen Spiele aus der High-School und der Teenagerzeit. Nein, sie waren zu jeder Zeit real.
Zeke hatte bemerkt, dass ich ihm nicht mehr gefolgt war und drehte sich lachend zu mir um.
„Komm schon, oder haben dich die männlichen Sirenen eingefangen und du willst dich im Meer ertränken?“
Ich lief ein klein wenig schneller und holte ihn ein, unsicher, was ich nun sagen sollte, denn ich spürte nur, wie mein Herz gegen meinen Hals schlug. Verdammt, warum passierte so was immer mir?
„Wir sollten öfter herkommen, Annie. Oder?“ Er hatte einen Arm um meine Schulter gelegt und mich zu sich gezogen und alles was ich konnte, war zu nicken. Ja, wir sollten das öfter machen. Zumindest so lange es die andere nicht wirklich in seinem Leben gab.

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hobbes 11. Jul 2018

Huhu - erster Kommi ;)
Ich muss ehrlich zugeben, ich bin IM GLÜCK, heute deine Story hier gefunden zu haben! Angefangen zu lesen und nicht mehr aufgehört... Und leider leider gibt es erst drei Kapitel... Ich mag deinen flüssigen Schreibstil, ich liiiebe Annies Selbstironie, und die Charaktere sind mir bis hierher auch schon äußerst sympathisch. Vier unterschiedliche Mädels, alle irgendwie liebenswert und dann zwei nicht gleich zu durchschauende Kerle, die wohl beide ein Auge auf die Hauptdarstellering geworfen haben. Hmm, ja - das liest sich doch gut. An der Stelle mit Annies "Mangelernährung" musste ich direkt laut lachen und das ist wirklich nicht so leicht zu schaffen - Kompliment!
Ich hoffe du bleibst dran und schenkst uns bald ein neues, schönes Kapitel - ich glaube ich bin süchtig ...
Viele Grüße,
Hobbes

MinieBieni 11. Jul 2018
Hallöchen :) Ach da freu ich mich doch direkt schon :) Erstes Kommi und dann ein so tolles Gerade wenn man so die ersten Kapitel raus haut, fragt man sich ja schon, liest sich dass alles für andere genau so, wie man es selbst empfindet und ist die Idee an sich nicht ganz so schräg, die man so im Kopf hat ^^ Vielen lieben Dank :) Ich glaube Annie hat da noch so einiges zu bieten, an Selbstironie, sie macht es mir auch sehr leicht damit ihre Geschichte zu erzählen. Da freue ich mich, dass ich dich zum lachen bringen konnte und hoffe es in weiteren Kapiteln noch einmal zu schaffen, es ist ein Ansporn. Ich gebe mir alle Mühe und werde direkt fleißig weiter schreiben :) Vielen lieben Dank und liebe Grüßle Minie