Lebensretter

vor 4 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 15 Januar 2012 Anika

Ich stand vor dem Spiegel und kämmte meine Haare. Mir war schlecht. In weniger als fünf Minuten musste ich runter gehen, um mich dem zustellen, was mich an diesem Tag erwarten würde.

Angefangen mit Jakob. Am liebsten würde ich mich einfach wieder in meinem Bett verkriechen. Es war schließlich Wochenende. Am Abend zuvor hatte ich noch mit meinen Freunden den Geburtstag von Marie gefeiert. Ich hatte nicht vergessen, dass das Vampirtreffen an diesem Tag stattfinden sollte, hatte aber nicht mehr damit gerechnet, dass ich daran teilnehmen sollte.

Jakob's Nachricht gestern hatte mich völlig aus dem Konzept gebracht.

Es verging kein Tag, an dem ich nicht an ihn dachte, aber meine Sicht auf die Dinge hatte sich ein wenig geändert.

Jetzt verstand ich, dass er kein normaler Mensch ist und auch, ob er will oder nicht, von seiner tierischen Seite beeinflusst wird. Immer.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte. Ich wusste nicht, wie ich ihm gleich gegenüber treten sollte. Hatte ich ein Recht darauf, sauer zu sein? Ja, das hatte ich.

Aber andererseits konnte er nichts dafür.

Aber es war leichter böse auf ihn zu sein, als mir einzugestehen,dass ich Angst vor ihm hatte.

Ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob ich mehr Angst vor ihm und den anderen Wölfen oder vor den angeblich freundlichen Vampiren haben sollte.

Schon direkt nachdem, ich diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte,wusste ich, dass es albern war.

Ich schien Jakob etwas zu bedeuten. Ich wusste nicht wie viel, aber ich glaube er mochte mich.

Die Vampire hingegen würden mich töten wollen, wenn ich ganz viel Pech hatte.

Ich atmete noch einmal tief durch. Ich hatte keine Wahl.

So gefasst wie möglich verließ ich das Badezimmer.

„Mama! Ich bin dann gleich Weg! Bianca nimmt mich mit! Ich gehe schon mal runter und warte dort!" Bianca war die Mutter von Marie.Ich hatte meiner Mutter erzählt, dass ich heute mit Familie Jürgens in den Heidepark fahren würde.

Sie hatte es tatsächlich geschluckt.

Ich ging die Treppe hinter und versuchte mich darauf zu konzentrieren, dass ich wütend auf Jakob war. So musste ich nicht an all die anderen Sachen denken.

Ich stand unten vor meiner Haustür und wartete. Um Punkt halb neun bog Jakob mit seinem Motorrad in meine Straße ein.

Plötzlich, musste ich mir meine Wut nicht nur einreden. Sie war wirklich da. Wobei das Gefühl eher mit Enttäuschung zu vergleichen wäre.

Er parkte in unserer Einfahrt. Als er auf mich zu kam, spürte ich die Vorfreude ihn zu sehen in mir aufsteigen.

Als er näher kam und ich sein Gesicht genauer betrachten konnte, war meine Wut augenblicklich verraucht.

Er sah schrecklich aus. Seine Augen waren mit tiefen, dunklen Augenringen unterlegt, seine Lieder wirkten geschwollen und seine Augen dadurch kleiner als sonst.

Jetzt hatte ich nur noch Mitleid und fühlte mich schuldig. Mal wieder.

Ich war der Grund, weshalb er so aussah.

Aber ich wusste, das er vermutlich nichts davon hören wollte. Also sagte ich nichts.

Einige Meter vor mir blieb er stehen. Er schien zu überlegen, ob er noch näher kommen könnte, ohne, dass ich vor ihm zurückweiche.

Er entschied sich zunächst dafür, einfach stehen zu bleiben.

„Hey." Er hob die Mundwinkel, aber sein Lächeln wirkte aufgesetzt.

„Hey." war das einzige Wort, dass ich erwiderte. Er sollte reden.

„Wie geht es dir?" fragte er schließlich.

„Es geht." antwortete ich ehrlich. „Wie es dir geht, brauche ich glaube ich nicht zu fragen." fügte ich hinzu.

Meine Anspielung auf sein Aussehen ließ er gekonnt unter den Tisch fallen, als ob ich diese Worte nie ausgesprochen hätte. Er wirkte sehr angespannt.

„Hast du Angst?" fragte er vorsichtig.

Ich nickte nur.

„Auch vor mir?"Seine Stimme war sanft, aber bebte. In diesem Moment wirkte er so verletzlich.

Er sah so aus, als müsste er geröstet werden. Und genau das hätte ich es in diesem Moment am liebsten getan.

Doch es brachte nichts, die Dinge zu leugnen.

„Ich weiß es nicht." flüsterte ich.

Er zögerte, dann machte er noch zwei Schritte auf mich zu, blieb erneut stehen und streckte die Hand nach mir aus.

„Bitte, vertrau mir. Es wird nicht nochmal passieren. Dafür sorge ich. Ich verspreche es dir."

Seine Hand war nach wie vor ausgestreckt.

Nach kurzem zögern ergriff ich sie.

Langsam, ganz langsam zog er mich an sich heran und schlag die Arme um mich. Auch ich legte meine Arme vorsichtig um seinen Oberkörper,während er den Geruch meiner Haare einatmete.

„Danke." flüsterte er in mein Ohr.

Wir standen noch eine ganze Weile so da. Er schien unheimlich erleichtert.. und total erschöpft. Er stützte einen Teil seines Gewichts auf mich, als würde er gleich im stehen einschlafen.

Das musste verhindert werden.

„Erzählst du mir, was mich heute noch so erwartet?" Mit diesen Worten löste ich mich langsam aus seiner Umarmung.

„Ja, aber nicht hier. Lass uns bitte erst fahren." Er unterdrückte ein Gähnen.

„Kannst du denn überhaupt noch fahren?" Ich versuchte es wie einen Scherz klingen zu lassen, aber eigentlich war es mein Ernst.

„Jetzt beleidigst du mich aber!" Ein echtes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Ich gab auf und folgte ihm zu seinem Motorrad. Ich wollte ihn auf keinen Fall wütend machen.

„Sicher?" flüsterte ich, als ich mich hinter ihn setzte und meine Arme um seinen warmen Oberkörper schlang.

„Vertrau mir." Erwiderte er nur und startete die Maschine.

Obwohl es draußen recht kalt war, fror ich nicht. In seiner Nähe konnte man gar nicht frieren.

Ich lehnte mein Kopf an seinen Rücken und rutschte noch ein Stückchen näher an ihn heran. Wenn ich mich nicht täuschte,grinste er dabei selbstzufrieden.

Ich genoss die Fahrt und konnte all meine Probleme für kurze Zeit vergessen.

Nach ca. einer Stunde hielten wir an einem kleinem Häuschen, ganz in der Nähe des Waldes.

Vor der Haustür saß ein Mann mit langen schwarzen Haaren in einem Rollstuhl.

Das musste Jakob's Vater sein.

„Willkommen bei mir Zuhause." sagte Jakob, nachdem er den Motor abgestellt hatte.

Dabei verzog er keine Miene.

Nachdem wir abgestiegen waren, blieb mein Blick erneut auf seinem Gesicht hängen.

„Bitte sieh mich nicht so an." Er hielt den Blick gesenkt.

„Jakob du solltest.."

„Komm ich stelle dir meinen Vater vor." Er griff nach einer Hand und zog mich einfach mit.

Oh oh. Sein Vater müsste mich eigentlich für das hassen, was ich seinem Sohn antat.

„Hey Dad! Das ist Anika. Ich habe dir ja schon von ihr erzählt.Anika, das ist mein Vater Billy Black." machte er uns miteinander bekannt.

Billy sah seinen Sohn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Auch erschien sich Sorgen um Jakob zu machen, sagte aber nichts.

Dann wanderte sein Blick zu mir, er lächelte mich an und streckte mir seine Hand hin.

Ich ergriff sie. „Guten Tag Mister Black." Er schien mich doch nicht zu hassen. Würde er sonst lächeln? Es sah sehr freundlich aus, Jakob hatte die wunderschönen Augen von ihm.

„Schön dich kennen zu lernen. Aber sag ruhig Billy zu mir. Jakob hat schon viel von dir berichtet." sagte er mit rauer, sanfter Stimme.

Jakob hielt immer noch meine Hand. „Komm ich zeig dir das Grundstück!" Und schon zog er mich weiter.

„Jakob! Du hast Post bekommen!" rief Billy uns nach.

„Das ist nur mein Führerschein!" antwortete er.

„Führerschein?" fragte ich.

„Ja, stell dir vor." Er grinste. „Ich fahre schon seit dem ich 16 bin, aber hier darf ich erst ab heute wieder fahren."

„Oh kein Motorrad fahren mehr?" Ich zog einen Schmollmund.

„Das darfst du dir jetzt aussuchen." Er musste lachen und führte mich in einen Raum, abseits vom Haus. Er sah aus wie eine kleine Werkstatt.

„Wow." Mehr wusste ich nicht zu sagen. Ich konnte mit Autos einfach nichts anfangen.

In der Ecke stand ein schwarzer.. keine Ahnung.

„Ist das ein Golf Plus?" kam es mir in den Sinn.

„Richtig." Das Ganze schien ihn zu amüsieren.

„Ganz ehrlich, das war nur geraten. Ich hab keine Ahnung von Autos." Ich grinste ihn an.

„Das hab ich mir schon fast gedacht." Sein lächeln verblasste nach diesem Satz. Seine Miene wurde ernst.

„Ich muss mit dir reden." Er blickte auf seine Schuhe hinunter.

„Okey?"Ich sah ihn auffordernd an. Es würde bestimmt nichts gutes sein, darauf bereitete ich mich innerlich vor.

„Wenn wir heute Nachmittag zu dem Treffen gehen.. wir werden den Blutsaugern nicht in unserer Menschengestalt gegenüber treten."

Ich schluckte. Oh nein. Auch das noch. Leichte Panik stieg in mir auf, aber ich versuchte cool zu bleiben.

„Komm mit und ich zeige dir, dass du auch dann keine Angst vor uns haben musst."

Hatte ich eine Wahl? Nein.

Ich ergriff erneut seine Hand.

„Nagut."

Wir gingen schweigend in Richtung Wald.

„Ich werde gleich nicht mehr mit dir reden können ,aber ich tue dir nichts. Denk daran." brach er schließlich das Schweigen.

Dort angekommen drückte er meine Hand und ließ mich dann los.

„Bleib hier stehen. Vertrau mir." Waren seine letzten Worte bevor er zwischen den Bäumen im Gebüsch verschwand.

Nur wenige Sekunden später ertönte ein lautes Gebrüll, welches in ein Knurren überging.

Es war soweit. Die Haare an meinem Körper stellten sich auf. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt.

Im Gebüsch raschelte es. Meine Beine wollten weglaufen. Aber das stand nicht zur Debatte. Also blieb ich wie angewurzelt stehen. Vormeinen Augen erschien der riesige, rostbraune Wolf.

Einige Meter vor mir blieb er stehen und sah mich eindringlich an.Seine Augen kamen mir so vertraut vor. Ich verlor mich in ihnen. Sie gaben mir die Sicherheit, die Jakob mir auch sonst immer gab. Meine Angst verschwand.

„Jake?" fragte ich und streckte ganz langsam meine Hand nach dem riesigen Tier aus.

Erst jetzt nahm ich war, wie wunderschön er war.

Der Wolf, ich musste erst realisieren, dass es wirklich Jakob war,duckte sich, senkte den Kopf und winselte, bevor er langsam weiter auf mich zu kam.

Jetzt stand er direkt vor mir. Er war so riesig. Es war atemberaubend. Sollte ich ihn einfach streicheln, wie einen Hund?

Oder wurde er dann sauer?

Er sah mich aufmunternd an.

Vorsichtig hob ich nochmal die Hand und legte sie langsam an seine Wange.

Sein Fell war so warm und weich.

Er schmiegte seinen Kopf in meine Handfläche und schloss für einen Moment die Augen. Dabei ertönte ein leises, tiefes brummen, was auch ein stöhnen sein konnte, aus seiner Kehle.

Ich hatte das Bedürfnis ihn zu umarmen, tat es aber nicht.

Als er seine Augen wieder öffnete zog ich meine Hand zurück.

„Ich habe gemacht, was du wolltest, wie wäre es, wenn du zur Abwechslung auch mal das machst, was ich sage?"

Er sah mich ungläubig an, nickte aber dann kaum merklich.

„Wir gehen gleich rein, du zeigst mir euer Haus und dann ruhst du dich noch ein bisschen aus."

Wenn ich mich nicht täuschte, funkelten seine Augen wütend auf.Aber konnte sich ja nicht mehr verwandeln.

Man, es war so viel einfacher mit ihm über Dinge zu reden, über die er nicht sprechen wollte.

So konnte er nicht sofort ausrasten oder mir ins Wort fallen, bevor es dazu kam.

Ja, er war wütend. Aber seine Wut würde keine Konsequenzen nach sich ziehen.

„Bitte, für mich." flüsterte ich.

Resignierend senkte er den Blick, brummte und drehte sich um. Er verschwand wieder hinter dem Gebüsch.

Nur wenige Augenblicke später kam Jakob in seiner menschlichen Gestalt auf mich zu gejoggt.

Einen Meter vor mir blieb er stehen. „Alles okay?" fragte er vorsichtig.

„Ja." antwortete ich selbstsicher und machte noch einen Schritt auf ihn zu, um die Distanz zwischen uns zu überwinden.

Sofort legte er die Arme um mich.

„Ich bin so froh, dass du damit klar kommst. Ich hatte Angst, du rennst schreiend weg." flüsterte er.

„Noch bin ich hier." entgegnete ich lächelnd. All meine Sorgen im Bezug auf den bevorstehenden Nachmittag waren in dem Moment vergessen.

Als wir uns aus der Umarmung lösten, sagte er: So, wir haben jetzt noch vier Stunden Zeit, bis wir zu Sam müssen. Was möchtest du machen?"

„Ich habe dir eben gesagt, was wir jetzt machen werden."entgegnete ich.

Seine Miene verfinsterte sich schlagartig.

„Bitte lass uns nicht streiten." flehte ich.

„Ich will nicht streiten." er presste seine Finger gegen den Nasenrücken, um die Fassung zu bewahren.

Ich wartete kurz, bis ich das Gefühl hatte, dass das er ruhiger wurde.

„Warum wehrst du dich so dagegen?"

Ich bekam keine Antwort. „Komm, wir gehen." sagte er stattdessen. Sein Ton war rau.

Hätte ich keine Angst davor, dass er ausrasten würde, wäre diese Diskussion für mich noch lange nicht beendet gewesen.

Aber so stapfte ich schweigend hinter ihm her zum Haus.

Als er die Haustür öffnete und ich eintreten wollte, faste er mich kurz am Handgelenk.

„Es tut mir leid." ,murmelte er. Dann gingen wir hinein. Ich war beleidigt. Ich hasste es, wenn er mich so behandelte.

Ohne viel zu reden zeigte er mir das Haus. Es war ebenerdig und bestand aus einer offenen Wohnküche, einem Bad und Jakobs nahezu winzigem Zimmer. Es passten gerade einmal ein Bett und ein Schrank hinein. Das wars. Ein weiterer Raum, den er mir nicht gezeigt hatte,musste das Zimmer von Billy sein.

Nach dem Rundgang landeten wir wieder in der Wohnküche.

„Billy ist wahrscheinlich mit Harry Clearwater, einem guten Freund zum Angeln raus gefahren." erzählte Jakob, währenddessen er zum Kühlschrank schlenderte.

Toll, jetzt versuchten wir es also mit Smalltalk. Mit voller Absicht regierte ich nicht darauf.

„Hast du Hunger?" fragte er als nächstes.

„Ein bisschen." erwiderte ich.

„Billy hat Lasagne gemacht." verkündete er, holte diese aus dem Kühlschrank und zwei Teller aus dem Schrank.

Ich stand mitten im Zimmer und fühlte mich völlig fehl am Platz.

Er schien es zu bemerken. „Setz dich, fühl dich wie Zuhause." Erstellte einen Vollen Teller nach dem anderen in die Mikrowelle und deutete auf das Sofa.

Ich setzte mich. Nun musste ich wieder an die Vampire denken.

Jakob kam mit den Tellern zu mir und setzte sich neben mich.

Er reichte mir Messer und Gabel, dann schaltete er den Fernseher an.

Zunächst aßen wir ohne ein weiteres Wort.

Nachdem er aufgegessen hatte sah er mich an. „Was ist los? Ist es noch wegen vorhin?" wollte er von mir wissen.

Ich nickte.

Er wusste nicht wie er mit der Situation umgehen sollte. Seine Hände begannen leicht zu zittern.

Ich sagte immer noch nichts, rückte aber ein Stück von ihm weg.

„Es tut mir leid." sagte er.

„Du wiederholst dich." entgegnete ich nur.

Jetzt zitterten nicht nur seine Hände, sondern auch noch seine Arme. Er stand auf und entfernte sich von mir.

Es vergingen ca. fünf Minuten, keiner von uns sagte etwas. Er nicht,weil er sonst die Kontrolle verloren hätte und ich nicht, weil ich gerade das nicht riskieren wollte. Irgendwann kam er wieder näher zu mir. Ich hatte die Knie an den Oberkörper gezogen und die Arme darum geschlungen.

Alibi mäßig starrte ich in den Fernseher.

„Sag doch bitte was." Seine Stimme war leise, bebte aber ein wenig.

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich habe schon viel zu viel gesagt. Ich hätte gar nichts sagen sollen." fügte ich hinzu.

„Das ist nicht wahr." Er griff nach meiner Hand. Ich ließ es zu,dass er mich berührte.

„Ich möchte, dass du mit mir reden kannst, über alles." Er schaute mich nicht an.

„Da hab ich bisher einen anderen Eindruck gewonnen."

„Bitte glaub mir, dass es mir wirklich leid tut. Ich will mich nicht so benehmen, aber.. die letzten Tage waren wirklich hart." Er vergrub das Gesicht in den Händen. Er schämte sich.

Aber wofür? Meiner Theorie nach, wollte er keine Schwäche zeigen. Insbesondere nicht vor mir.

„Gott, was denkst du jetzt wohl von mir." Er war wütend auf sich selbst.

„Was soll ich denn von dir denken? Jakob, ohne dich wäre ich nicht mehr am Leben. Ich verdanke dir alles. Aber auch du hast deine Grenzen." Ich wollte gerade seine Hand nehmen, als ich merkte, dass er schon wieder bebte. Ich erstarrte in der Bewegung und zog meine Hand zurück.

Er konnte es nicht sehen, weil sein Gesicht immer noch in seinen Händen lag, aber er schien es doch irgendwie zu merken.

„Ich will dich beschützen. Ich will für dich da sein. Ich möchte für dich stark sein und das du dich bei mir sicher fühlst. Aber ich schaffe es nicht." Seine Stimme war nur ein flüstern.

Er zitterte immer noch. Trotzdem nahm ich nun seine Hand und brachte ihn dazu mich anzusehen. Sein Anblick brach mir fast das Herz. Jetzt sah er nicht nur völlig übermüdet, sondern auch noch verletzt und verzweifelt aus.

„Jakob, ich fühle mich bei niemandem so sicher wie bei dir. Du bist immer für mich da, selbst jetzt, wo es dir selbst schlecht geht. Und du beschützt mich immer Tag und Nacht. Niemand könnte es besser machen als du." Ich sah ihn an, mit Tränen in den Augen.

Er legte den Arm um mich und zog mich so nah wie möglich an sich heran.

Eine Weile saßen wir schweigend da.

Ich wollte vermeiden, dass er wieder so nah bei mir, einschläft. Es war egoistisch, aber ich wollte mich noch nicht von ihm lösen. Ich hatte Angst vor dem, was mir am Nachmittag bevorstehen würde.

„Erzählst du mir von den Vampiren?" fragte ich.

Aber Jakob befand sich bereits in einer Art Wachkoma. Er hatte meine Frage nicht einmal mitbekommen.

„Jake?" Ich versuchte ihn in die Gegenwart zurück zu holen und setzte mich auf. Er blinzelte.

„Sry." murmelte er. „Was hast du gesagt?"

„Dass ich dir jetzt einen Wecker stelle, mich auf das andere Sofa setze und dich wenigstens noch die letzten 1,5 Stunden schlafen lasse." Es hatte keinen Zweck mehr, so weiter mit ihm zu reden oder sonst irgendetwas zu machen. Er brauchte Schlaf. Dringend.

Er saß nur da und sah mich an. Ich stand auf.

„Los, hinlegen." kommandierte ich. Er tat tatsächlich, was ichsagte.

„Bitte verlass eine Minute bevor der Wecker klingelt das Zimmer.Ich komme dann zu dir raus"

murmelte er nur noch. Keine 30 Sekunden später war er eingeschlafen.

Ich saß auf dem anderen Sofa und sah abwechselnd zu Jakob und dann wieder in den Fernseher.

Jetzt, wo er fest schlief, sah er endlich entspannt aus.

Ich dachte über seine letzten Worte nach. Er wollte nicht, dass ich sah wie er beim Aufwachen die Kontrolle verlor.

Ehrlich gesagt konnte ich auch wirklich darauf verzichten.

Ich tat ihm den gefallen, stellte meinen Handywecker auf 15:30 Uhr und verließ um 15:28 den Raum. Jakob schief immer noch tief und fest.

Ich hatte meine Zeit damit verbracht, mich mit dem Gedanken anzufreunden, gleich zwischen sechs riesigen Wölfen und sieben, angeblich vegetarisch lebenden Vampiren stehen würde.

Jakob traute ihnen nicht, aber sie waren ja auch natürliche Feinde.

Ich musste mir also selbst ein Bild von ihnen machen.

Ich saß auf der Treppe vor dem Haus. Drinnen hörte ich den Wecker klingeln, keine Sekunde später ertönte ein lautes knurren.

Okey, es lag also nicht an mir. Toll.

Keine Minute später trat Jakob, wieder völlig ruhig aus der Haustür.

„Alles okey?" fragte ich ihn.

Er sah schon etwas besser aus.

„Ja, alles gut. Können wir los?" Er reiche mir die Hand um mich hochzuziehen.

Schneller als mir lieb war stand ich auf den Füßen, ich hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Wir machten uns zu Fuß auf den Weg zu Sam.

„Alles in Ordnung?" Er sah mich eindringlich an.

„Es geht." Antwortete ich ehrlich.

Er legte seinen Arm um mich. „Ich bin die ganze Zeit bei dir. Du brauchst keine Angst zu haben."

Ich sah ihn an und schenkte ihm ein Lächeln. „Ich weiß."

Kurze Zeit später hatten wir unser Ziel erreicht.

Jakob klopfte an die riesige Holztür.

Eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren und einer Narbe im Gesicht öffnete die Tür.

„Hey, du musst Anika sein. Ich bin Emely." Sie lächelte mich an und umarmte mich kurz.

Ich versuchte ihr nicht zu auffällig ins Gesicht zu starren. Dass passierte also, wenn man einen Werwolf zu wütend machte. Na toll.

„Hey." Ich erwiderte ihre Umarmung und war dankbar, dass sie so nett zu mir war.

Sie könnte mich genauso gut hassen, weil ich daran schuld war, dass ihr Freund so gut wie nie bei ihr Zuhause war. Aber ihre Freundlichkeit erschien mir aufrichtig und ehrlich. Ich bewunderte sie dafür.

Auch Jakob und Emely begrüßten sich.

„Die Anderen sind schon alle hinterm Haus und sind ganz gespannt darauf, dich kennen zu lernen." Sie zwinkerte mir zu.

„Kommt, ich habe Muffins gebacken." fügte sie hinzu und winkte uns herein.

Wir gingen einmal durch den Flur und das Wohnzimmer des schönen,modern eingerichteten Holzhauses und landeten auf einer riesigen Wiese hinter dem Haus.

In dem Moment, als wir ins Freie traten, waren die Blicke von fünf Werwölfen, die sich glücklicherweise noch in ihrer menschlichen Gestalt befanden, auf mich gerichtet.

Alle fünf trugen nichts, abgesehen von einer Hose und Schuhen,genauso wie Jakob.

Alle Rudelmitglieder trugen das gleiche Tattoo am Oberarm, welches mir zuvor auch schon bei Jakob aufgefallen war.

Ich wurde nervös. Jakob nahm meine Hand. Vier der Männer grinsten mich darauf hin breit an, nur der fünfte, der als erstes auf uns zukam, hatte eine ernste Mine aufgesetzt.

„Sam." sagte Jakob und nickte zur Begrüßung.

„Schön, dass ihr hier seid. Ich bin Sam Uley, meine Freundin Emely hast du bereits kennen gelernt."

Er streckte mir seine Hand zur Begrüßung hin, sodass ich die von Jakob loslassen musste, um seine zu ergreifen.

„Anika." sagte ich lächelnd. „Danke. Für Alles." fügte ich hinzu.

„Nichts zu danken. Es ist unsere Pflicht." entgegnete er freundlich, aber mit ernstem Tonfall.

Sam trat bei Seite. Nun kamen auch die anderen vier, lächelnd und unbeschwert auf uns zu um mich zu begrüßen.

Sie waren mir wirklich sympathisch. Jakob war die ganze Zeit direkt hinter mir. Meine Angst war verflogen. Ich fühlte mich etwas unsicher und unbeholfen, aber ansonsten relativ wohl in ihrer Gegenwart.

Nach dem Smalltalk holte Emely die Muffins und wir setzten uns alle zusammen an den riesigen Holztisch auf dem Grundstück.

Links neben mir saß Jakob, Emely setzte sich auf meine rechte Seite.

Sam ergriff das Wort.

Ich griff nach einem Muffin, und hörte mir den Plan für den Nachmittag an.

Jakob hatte Recht behalten: Sie wollten den Vampiren nicht in ihrer menschlichen Gestalt nicht gegenüber treten.

Einer der Vampire, ich vermute mal Edward, war in der Lage Gedanken zu lesen.

So langsam kam ich mir schon ein bisschen vor, als hätte man mich in einen der Filme eingeschleust.

So langsam spürte ich die Panik wieder in mir aufsteigen. Jakob griff, unterhalb des Tisches, sofort wieder nach meiner Hand. Er konnte anscheinend wirklich spüren, wie es mir ging. Ich wusste noch nicht, wie ich das finden sollte.

Sam ging um den Tisch herum zu Emely, flüsterte ihr etwas ins Ohr und gab ihr einen Kuss.

Dann stand sie auf. „Macht's gut." Sie winkte und wandte sich zum gehen um.

Noch bevor sie einen Schritt machen konnte, hatte Jakob meine Hand losgelassen und stand plötzlich neben mir.

„Sam! Ist das dein Ernst?!" fuhr er ihn an. Seine Hände bebten.

Sam stand wortlos auf und ging auf den Wald zu.

Die anderen grinsten. „Oh oh!" hörte ich von allen Seiten.

Jakob folgte ihm wortlos, mittlerweile zitterte sein ganzer Oberkörper.

Emely kam zurück und setze sich wieder neben mich.

„Sieh dir das nicht an." flüsterte sie.

Aber ich konnte nicht wegschauen.

„Das wagt er nicht wirklich, oder?" flüsterte Quil.

„Wieso muss sie dabei sein?" brüllte Jakob Sam an.

Der aber, ging unbeirrt weiter auf den Wald zu.

Jakob bekam Sam an der Schulter zu fassen und wollte ihn zu sich umdrehen.

Sam schlug seine Hand weg und stieß ihn zurück.

Jetzt bebte Jakobs Körper so stark, dass die Bewegungen ineinander zu verschwimmen schienen.

Ich wollte es nicht sehen, war aber unfähig meinen Blick abzuwenden.

Dann begann sein gesamter Körper sich aufzubäumen, Jakob explodierte förmlich.

Statt einem Knall ertönte lautes Gebrüll und Genkurre.

Seine Sachen lagen völlig zerschlissen auf der Erde.

Der rostbraune Wolf stürzte sich auf Sam, doch auch dieser hatte sich blitzschnell in einen riesigen, schwarzen Wolf verwandelt.

Die beiden prallten so aufeinander, dass sie beide auf den Hinterbeinen standen, so waren sie mindestens drei Meter groß.

Ich konnte nicht Atmen. Ich hatte Angst um Jake.

„Keinem wird etwas passieren." versuchte Emely mich zu beruhigen.

Sie hatte Recht. Innerhalb von Sekunden standen die Beiden nur noch knurrend und zähnefletschend direkt voreinander. Es sah aus, als würden sie sich unterhalten. Jakob senkte. zwar immer noch knurrend langsam den Kopf. Jakob hatte sich seinem Ruderfühler unterworfen.

Das Knurren verstummte. Dann sah er mich direkt an und blickte in mein entsetztes Gesicht.

Sofort senkte er den Kopf und legte die Ohren an.

„Ich gehe dann wohl mal neue Hosen holen" Emely wirkte fast schon genervt, die anderen Jungen amüsierten sich prächtig. Ich war einfach nur geschockt.

Sam und Jakob verschwanden am Waldrand.

„Kommt so was öfter vor?" fragte ich, als ich meine Stimme wiedergefunden hatte.

„Öfter, als du denkst." Quil grinste.

Emely kam erneut aus dem Haus, mit zwei paar identischen Hosen in der Hand.

Wie viele mochten sie davon wohl haben?

„Embry, bist du so lieb?" fragte sie und hielt ihm die Hosen hin.

„Klar." Embry stopfte sich den Rest von seinem Muffin in den Mund, nahm die Hosen und joggte in den Wald hinein.

„Ich gehe dann jetzt, viel Glück." sagte Emly.

„Brauchen wir nicht." entgegneten Paul und Jared grinsend.

Emely verschwand im Haus.

Sam und Embry verließen gemeinsam den Wald und kamen auf uns zu. Embry konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

Aber wo war Jakob?

Sam sah mich an und beantwortete die Frage, die ich nicht ausgesprochen hatte.

„Er kommt gleich. Er braucht nur noch einen Moment."

Ich nickte nur, starrte aber immer noch in Richtung Waldrand.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, doch schließlich tauchte er doch zwischen den Bäumen auf.

Zum einen war ich erleichtert, aber nach wie vor geschockt. Und ja,das was ich gesehen hatte, hat mir Angst gemacht.

Ca. 50 Meter vor unserem Tisch blieb er stehen und bat mich durcheine Geste zu ihm zu kommen.

Ich tat so, als ob ich sie nicht gesehen hätte.

Also blieb ihm nichts anders übrig, als zu uns zu kommen.

Hinter mir blieb er stehen. „Hast du mal eine Minute für mich?"fragte er vorsichtig und hielt mir seine Hand hin. Ich nickte und stand auf, verschränkte aber beide Arme vor der Brust. In seinem Blick lag Enttäuschung und er ließ seine Hand sinken.

Die Anderen Rudelmitglieder drucksten herum und versuchten sich ihre blöden Kommentare und ihr grinsen zu verkneifen, weil Sam sie strafend ansah.

„Aber wirklich nur eine Minute! Wir müssen gleich los." sagte Sam, bevor wir uns von der Gruppe entfernen.

Wir stellten uns auf die andere Seite der Hauswand, sodass wir aus dem Blickfeld der anderen verschwunden waren.

Ich ging einige Meter vor Jakob her. „Bitte bleib stehen." bat er, wagte es aber nicht mich anzufassen.

Ich drehte mich zu ihm um und blickte ihm direkt in die Augen.

Mist, das führte irgendwie immer dazu, dass ich gar nicht mehr richtig sauer sein konnte.

„Es tut mir leid." Die Reue war ihm anzusehen.

Ich machte noch einen Schritt auf ihn zu und legte meine Arme um seinen Oberkörper.

Er wirkte überrascht von meiner Reaktion, erwiderte die Umarmung aber sofort.

„Und ich hab Angst." gab ich zu.

„Vor mir?" fragte er zögerlich.

„Manchmal."

„Und vor den Blutsaugern?"

„Auch."

„Bitte bleib gleich trotzdem direkt neben mir. Ich kann dann nicht mehr mit dir reden, aber ich verspreche dir, dass ich auf dich aufpassen werde. Immer."

Ich nickte.

„Jakob!" hallte Sams Stimme zu uns herüber.

„Kommen!" rief Jakob zurück.

Er nahm mich bei der Hand.

Als wir um die Ecke kamen, hatte sich die Anderen bereits in Bewegung gesetzt.

Als auch wir den Waldrand erreichten, blieb Jakob stehen.

„Warte kurz hier."Mit diesen Worten verschwand er hinter den Bäumen. Seine Miene war verbissen und todernst. Er bebte bereits,als er aus meinem Sichtfeld verschwand.

Nur Sekunden später sah ich den riesigen, rostbraunen Wolf, der mir durch eine Kopfbewegung zu verstehen gab, dass ich zu ihm kommen sollte.

Als ich näher kam, sah ich auch die anderen.

Mein Magen drehte sich um, doch ich stellte mich direkt neben Jakob. Er sah mich an.

Die Wölfe setzen sich langsam, sodass ich im Schritttempo mithalten konnte, in Bewegung.

Ich überlegte, welcher Mensch sich hinter welchem Wolf verbarg.

Wer Jakob war, wusste ich ja schon.

Auch Sam, der in der Gestalt des schwarzen Wolfs steckte, der genau so groß war wie Jakob, hatte ich eben schon gesehen.

Bei den vier übrigen Gestaltwandlern, wurde es schon schwieriger.

Bei einem dunkelbraunen Wolf, glaubte ich die Augen von Quil Ateara zu erkennen.

Direkt neben ihm lief ein beige-grauer Wolf. Das musste Embry sein.

Somit ließen sich die beiden übrigen Wölfe, der braune und der dunkelgraue leicht als Jared und Paul identifizieren.

Als alle stehen blieben, wurde ich ins hier und jetzt zurück geholt.

Alle starrten in die gleiche Richtung. Niemand bewegte auch nur einen Muskel.

Ich rückte so nah an Jakob heran, dass mein Arm sein Fell berührte.

Jakob und auch Paul entfuhr ein leises knurren, noch lange bevor ich überhaupt irgendetwas sehen oder hören konnte.

Sam knurrte auch, allerdings nur, um die anderen zum Schweigen zubringen. Dann nahm ich auch eine Bewegung wahr.

Ein blonder Mann mit bleicher Haut und bernsteinfarbenen Augen erschien als erster in meinem Blickfeld. Direkt hinter ihm tauchte eine Frau mit Schulterlangen, braunen Haaren und einem Schönheitsfleck neben der Oberlippe auf.

Hinter den beiden standen die fünf weitere Vampire.

Auf der rechten Seite eine Frau mit langen blonden Locken und einblasser Mann mit schwarzen kurzen Haaren und der muskulösen Figur eines Bären.

Links eine kleines zierliches Mädchen mit schwarzen, gestylten Haaren, die ihr bis zur Schulter reichten und ein Mann mit ebenfalls schulterlangen hellbraunen Locken.

Direkt in der Mitte stand ein Mann mit braunen Haaren und leidendem Gesichtsausdruck.

Sie sahen einfach Perfekt aus. Ich konnte nicht einmal sagen, wer von ihnen am Besten aussah.

Und alle hatten diese wundervollen bernsteinfarbenen Augen.

Der Blonde Vampir hob die Hände. Vermutlich um zu signalisieren,dass von ihnen keine Bedrohung ausgeht.

„Sam, es freut mich euch wiederzusehen." Sein freundlicher,aufgeschlossener Blick schweifte in die Runde und blieb schließlich an mir hängen.

„Hallo, du musst Anika sein. Ich bin Carlisle." Er wirkte aufrichtig und so wie er jetzt aussah, überhaupt nicht gefährlich. Ich wusste ich sollte Angst haben, aber irgendwie blieb nur die Panik vor dem Ungewissen, nicht vor diesen unbekannten Wesen.

Langsam, ganz langsam streckte er mir seine Hand zur Begrüßung hin.

Obwohl uns mehr als 20 Meter trennten, reichte diese Geste um Jakob völlig aus der Fassung zu bringen. Er schoss knurrend und zähnefletschend an mir vorbei wurde aber sofort von Sam und Paul zu Boden geworfen.

Paul stand so lange auf ihm, bis er aufhörte zu knurren.

Dann verzog er sich, vermutlich auf Sam's Anweisung hin, ganz nach hinten, sodass eine größtmögliche Distanz zwischen ihm und den Vampiren geschaffen wurde.

Ich stand ganz allein da. Obwohl er mir etwas anderes versprochen hatte. Ich war sauer. Zum einen, hatte er mich alleine hier stehenlassen, zum anderen hatte er uns alle in Gefahr gebracht, weil er beinahe einen Kampf angefangen hatte.

Die Vampire hatten sich nicht einen Zentimeter bewegt.

Carlisle steckte mir immer noch seine Hand entgegen.

Ich sah zu Sam hinüber. Er nickte mir zu. Jetzt hatte ich doch ein wenig Angst, riss mich aber zusammen.

Bevor ich den ersten Schritt machte, atmete ich noch einmal tief durch.

Dann ging ich schnurstracks Auf die Vampire zu.

Jakob begann hinter mir zu toben, aber ich drehte mich nicht zu ihm um. Ich wollte und konnte das nicht mehr sehen. Es tat mir weh ihn so zusehen. Also versuchte ich ihn völlig auszublenden.

Dann stand ich vor Carlisle. Als ich zu ihm aufschaute sah mich immer noch freundlich an.

Ich ergriff seine Hand. Sie war eisklat und fühlte sich hart an, wie Porzellan oder Stein.

„Schön dich kennen zu lernen." sagte er mit einer gewissen Wärme in der Stimme.

„Es freut mich auch." entgegnete ich, Und das war sogar ernst gemeint. Sie wollten mir helfen und mich nicht umbringen. Und sie waren in der Lage sich zivilisierter zu verhalten als der Vollidiot hinter mir, der immer noch vor Wut tobte.

Als er meine Hand los ließ, deutete er auf den weiblichen Vampir,der neben ihm stand.

„Das ist meine Frau Esme." sagte er.

Auch sie begrüßte mich freundlich und schüttelte meine Hand.

Anschließend deutete er auf dir Vampire hinter sich.

„Und das sind unsere Adoptivkinder." erklärte er mit einem Lächeln.

Die Frau mit den blonden Locken trat einen Schritt auf mich zu und reichte mir ebenfalls die Hand.

„Hey, ich bin Rosalie." sagte sie freundlich. Der Schwarzhaarige trat neben sie und streckte mir auch die Hand hin.

„Und du bist das Mädchen, auf das sie Rote es abgesehen hat?"fragte er mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich bin Emmet."fügte er hinzu.

Bis auf ein Knurren war es still. Jakob schien sich wieder halbwegs beruhigt zu haben.

Der Vampir mit dem gequälten Gesichtsausdruck reichte mir zwar die Hand, schien aber nicht sehr gesprächig zu sein.

„Edward." War das einzige Wort, dass er herausbrachte.

Carlisle wanderte mit seinem Blick zum nächsten Vampir in der Reihe.

Dieser nickte mir nur freundlich zu.

„Das ist Jasper, unser jüngster Vegetarier. Zu Menschen hält er lieber etwas Abstand." erklärte Carlisle.

„Schön dich kennen zu lernen." erwiderte Jasper, der mich eindringlich musterte.

Okey, ihm wollte ich wirklich nicht zu nahe kommen.

Bevor Carlise zu der kleinen schwarzhaarigen überhaupt etwas sagen konnte, kam diese schon auf mich zu gehüpft. Sie schien förmlich zuschweben.

Hinter mir nahm ich war, wie Jakob erneut und lautstark versuchte anderen anderen Wölfen vorbei zu kommen. Vergeblich.

Die zierliche Vampiren umarmte mich sofort. Aus Reflex erwiderte ich ihre Umarmung.

Jakob brüllte im Hintergrund. Wer war hier jetzt bitte gefährlich?Er oder die?

„Ich bin Alice." trällerte sie. Ihre Stimme war wundervoll. Auch ihr Geruch beeindruckte mich.

Sie war mir wirklich auf Anhieb sympathisch.

Als sie sich schnell wieder aus der Umarmung löste, sah ich kurz die Begierde in ihren Augen auflodern. Sie hatte sich aber sofort wieder im Griff und lächelte mich an,

„Du riechst sehr gut." flüsterte sie. Was sollte ich dazu sagen?

„Danke." flüsterte ich beschämt zurück.

Dann trat sie einen Schritt zurück, um die Distanz zwischen uns zu vergrößern.

Nach der Begrüßungsrunde fiel mir ein, dass sie alle nur hier waren, um mir zu helfen.

Und Jakob benahm sich wie.. mir viel kein passender Begriff dazu ein.

„Danke, dass ihr gekommen seid." Ich sah nochmal einen nach dem anderen an.

Und jetzt? Sollte ich zurück zu den Wölfen gehen?

Ich beschloss tatsächlich etwas Abstand zischen mich und die Vampire zu bringen, man konnte ja nie wissen.

Ich stellte mich jedoch relativ abseits, sodass sich augenscheinlich zu keiner der beiden Parteien gehörte.

Trotzdem suchte ich ich seinen Blick.

In seinen Augen lagen Wut und Aggression, zeitgleich aber auch Reue und Angst.

Ich blickte nur trotzig zurück.

Sein Verhalten war nicht nur völlig dämlich und sinnlos, sondern auch noch völlig außer Kontrolle gewesen.

Das schien er jetzt auch einzusehen, aber jetzt konnten wir wohl schlecht darüber reden.

Jetzt trat Sam einen Schritt vor und sah Carlisle an.

Edward ergriff das Wort: „Sie sind froh, dass wir hier sind, trauen uns aber nicht genug, um uns in Menschengestalt gegenüber zutreten."

Er schien tatsächlich Gedanken lesen zu können. Ich musste mich innerlich zusammenreißen und wollte ihn beim besten Willen nicht verärgern.

„Es ist selbstverständlich, dass wir euch helfen. Außerdem ist es völlig in unserem Sinne, außer Kontrolle geratene Vampire zu beseitigen. Noch dazu, wenn wir somit einem so netten Mädchen helfen können." Bei seinen letzten Worten sah Carlisle lächelnd zu mir herüber.

Ich erwiderte sein Lächeln.

„Trotzdem wäre es viel einfacher, mit euch zu kommunizieren, wenn ihr eure Menschengestalt annehmen würdet." fügte Carlisle hinzu.

Alle Wölfe blickten Sam an. Er schien zu überlegen, dann blickte erzu Edward.

„Sie sind einverstanden."sagte Edward mit monotoner Stimme. Er fungierte tatsächlich als eine Art Dolmetscher.

„Ich danke euch." beendete Carlisle diese mir völlig fremde Art der Unterhaltung.

Die Wölfe zogen sich hinter die Bäume zurück. Auch Jakob.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte.

Ich blickte zu den Vampiren, Alice sah mich aufmunternd an.

Plötzlich stand Jakob neben mir.

„Wie konntest du nur.." macht er mich an. Seine Arme zitterten schon wieder und der hatte Mühe seine Stimme zu kontrollieren. Under sah mittlerweile noch schlimmer aus, als heute Morgen.

Es zerriss mir das Herz.

Ich wendete den Blick von ihm ab, um zu verhindern, dass mir jetzt doch noch die Tränen in die Augen stiegen. Ich war überfordert mit der gesamten Situation.

„Ich werde hier und jetzt bestimmt nicht mir dir streiten."zischte ich ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen.

Er seufzte, als wollte er etwas sagen, schwieg aber.

Die anderen begannen damit, einen Plan auszuhandeln, ich hörte allerdings nur mit einem Ohr zu.

Ich konnte sowieso nichts dazu beitragen

Alice beobachtete uns aufmerksam.

„ Es tut mir leid. Ich weiß, dass es dumm war." flüsterte er mir kleinlaut zu.

Ich sagte nichts dazu. Egal was ich sagen würde, alles würde die Situation nur verschlimmern.

Ich entfernte mich einige Schritte von ihm und setzte mich auf einen riesigen Stein.

Alice sah Jakob an und sagte etwas, was ich nicht verstehen konnte.

Jakob schon. Und er reagierte sofort darauf.

Für mich sah es so aus, als wollte er an mir vorbei laufen um sich auf sie zu stürzen.

Ich griff nach seiner Hand. Es schien ihn zu überraschen. Völlig aus dem Konzept gebracht, blieb er stehen.

„Bitte tu das nicht." flüsterte ich.

„Sie will mit dir reden. Sie will ein Stück mit dir gehen und reden." Er war darum bemüht, seine Stimme und seinen Körper unter Kontrolle zu bringen. In seinen Augen lag die pure Verzweiflung.

„Ich kann hier sowieso nichts tun. Bitte lass mich zu ihr gehen.Sie wird mir nichts tun."

„Woher willst du das wissen?" kurte er mich an.

Ich antwortete ihm nicht. So konnte er nicht mit mir reden.

Ich glaube er versuchte wirklich sich zu beruhigen, scheiterte allerdings. Er schien sich nur mehr und mehr aufzuregen. Ich fühlte mich unwohl in seiner Nähe, weil ich wusste, was jeden Moment passieren konnte.

Alice musterte uns mit besorgtem Blick.

„Geh." presste Jakob schließlich zwischen seinen geschlossenen Lippen hervor.

Im gleichen Moment entfernte er sich von mir, sodass ich nicht mehrin der Gefahrenzone stand.

Alice nickte mir freundlich zu und deutete auf den Waldrand, der zu einer Lichtung führte.

Ich lief in die Richtung, in die sie gezeigt hatte.

Plötzlich ging sie neben mir.

Ich zuckte zusammen.

„Hab keine Angst. Ich tue dir nichts." sagte sie entschuldigend.

Ich wurde nervös. Und drehte mich um. Sofort traf mein Blick den von Jakob.

Er sah immer noch wütend und besorgt aus, rührte sich aber nicht von der Stelle.

Als wir außer Sichtweite der anderen waren, fühlte ich mich besser.

„Warum bist du so nett zu mir?" fragte ich Alice.

Sie lächelte mich an.

„Ich mag dich." trällerte sie mit ihrer engelsgleichen Stimme.

„Wie kannst du mich mögen? Ich bin Schuld an dem ganzen Theater hier.

Wegen mir werdet ihr oder die Wölfe verletzt oder sogar getötet."

Die Tränen stiegen mir in die Augen. Ich war verzweifelt.

„Du unterschätzt uns." sagte sie mit einem Lächeln um mich aufzumuntern.

„Es ist hoffnungslos. Sie hätten mich gleich töten sollen." Nun konnte ich nicht mehr verhindern, dass die Tränen mir die Tränen herunter rannen.

Alice blieb stehen. Sie schien sich kurz zu wappnen, dann schloss sie mich in ihre Arme um mich zu trösten.

Sie musste sich eindeutig dazu überwinden. Meine unmittelbar Nähe schien für sie nur schwer zu ertragen zu sein.

Trotzdem hatte ich keine Angst vor ihr.

„Ich weiß genau, wie es dir geht." flüsterte sie in mein Ohr.

Wie sollte sie das schon wissen?

„ Wie meinst du das?"

Sie löste sich aus der Umarmung und blickte ins Leere.

„Ihm verdanke ich, was ich heute bin." Ihre Stimme war eiskalt.

Wen meinte sie nur?

„Ihm? Redest du von diesem James?" Meine Gedanken fuhren Achterbahn.

Sie nickte, nach wie vor ohne mich anzusehen.

„Hat er dich..?"

„Nein." fiel sie mir sofort ins Wort.

„Was ist dann passiert?" harkte ich vorsichtig nach.

„Ich kann mich nur an wenige Bruchstücke aus meinem menschlichen Leben erinnern." setzte sie an.

„Ich wurde im Jahr 1901 als Mary Alice Brandon in Biloxi geboren. Ich konnte schon früher, als Mensch, in die Zukunft sehen. Einmal sah ich wie ein Mann, es war mein eigener Vater meine Mutter umbrachte.

Als dies später wirklich passierte gab man mir die Schuld an ihrem Tod.

Sie sperrten mich in eine Psychiatrie.

An diesem Ort wurde sie mit verschiedenen, sogenannten 'Heilmethoden'therapiert.

Vermutlich auch mit Elektroschocks, die wohl dazu geführt haben, dass ich mein Gedächtnis verlor.

Irgendwann einmal wurde James auf mich aufmerksam. Er jagte mich, so wie dich jetzt.

Zeitgleich arbeitete ein Vampir in der Psychiatrie, der mich wie seine eigene Tochter zu lieben begonnen hatte.

Ich erinnere mich nicht einmal an seinen Namen.

Er verwandelte mich im Jahr 1920, im Alter von 19 Jahren, damit James das Interesse an mir verlor.

Dies war auch erfolgreich, doch als Strafe, dass mein Retter James seine'Beute' weggenommen hatte, wurde er von ihm vernichtet.

Als ich dann aufwachte war sie ganz alleine. Ich hatte keine Ahnung was mit mir passiert war und wie sich dieses Brennen in meiner Kehle lindern lässt.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nur, dass sie Alice hieß.

Mit Hilfe meiner Visionen fand ich mich Stück für Stück in ihrem neuen Leben zurecht.

Ich bin nicht besonders stolz auf diesen Abschnitt meines Lebens..

Bitte glaub mir, ich hatte nie Freude dran, einen Menschen zu töten. Und ich werde es auch nie wieder tun.

Irgendwann hatte ich dann eine Vision von ,der etwas suchte. Ich wartete in einer Bar in Philadelphia auf ihn.

Von diesem Moment an, retteten wir uns gegenseitig und schlossen uns Carlisle und seiner Familie an."

Während ihrer gesamten Erzählung wirkte sie wie in Trance. Nun lächelte sie mich an.

„Du siehst also, ich verstehe, wie du dich fühlst." Ich glaube ihr Blick sollte mich aufmuntern, verfehlte aber leider seine Wirkung.

„ Und ich sehe wie deine Geschichte ausgegangen ist.." sagte ich kleinlaut.

„Ohnein. Nein, nein, nein. So meinte ich das gar nicht!" Um ihre Aussage zu unterstützen gestikulierte sie mit ihren Händen.

Ich blickte zu Boden. Nicht heulen. Die halten dich sowieso schon alle für die größte Heulsuse der Welt. Ich versuchte mich zusammen zu reißen.

Aber eins war mir nun noch klarer wie zuvor:

„James wird niemals aufgeben oder?"

„Nein.Sie schüttelte mit dem Kopf."

„Nicht solange er lebt." fügte sie mit einem Funkeln in den Augen hinzu.

„Du meinst wohl: Nicht so lange ich lebe."

„Nein,das meinte ich nicht. Es muss nicht so enden Anika."

„Du konntest ihm auch nicht entkommen. Er ist jetzt mein Schicksal."

„Nein ist er nicht. Ich hatte kein Wolfsrudel und keine Vampirfamilie die mich beschützt hat. Und ich hatte keinen Jakob."

Damit hatte sie Recht.

„Und keine super süße, neue Vampirfreundin." Sie grinste mich an.

Warum wollte sie meine Freundin sein? Egal. Ich war in diesem Moment so froh sie zu haben.

„Wie meinst du das mit Jakob?" Sie hatte mich neugierig gemacht.

„Jeder blinde würde sehen, dass er für dich töten würde. Er würde ohne zu zögern für dich sterben.

Ist dir das nicht klar?" Sie runzelte die Stirn.

„Ich weiß, dass ich ihm etwas bedeute. Aber wir sind gute Freunde. Mehr nicht."

„Ach komm. Du weißt ganz genau, dass ihr eine ganz besondere Verbindung zueinander habt."

„Was für eine Verbindung?" So langsam ahnte ich, worauf sie hinauswollte.

„Prägung?"Alice nannte mir nur dieses eine Wort. Sie musste mich für ziemlich begriffsstutzig halten.

„Nein. Jakob hat sich nicht auf mich geprägt." Ich starrte auf meine Füße.

„Nicht?Bist du dir sicher? Ich hätte schwören können... so wie er dich ansieht hatte ich eigentlich keine Zweifel."

„Ich bin mir sicher. Und im Moment läuft nicht einmal unsere Freundschaft wirklich gut."

Fragend sah sie mich an.

„Du hast ihn doch gesehen." Ich seufzte.

„Er hält uns für eine Bedrohung. Er will dich nur beschützen." Jetzt nahm sie, ein Vampir, auch noch ihn, einen Werwolf in Schutz?"

„Ich dachte Vampire können Werwölfe nicht ausstehen?"

„Können sie auch nicht. Werwölfe sind Hitzköpfig und stinken nach nassem Hund." Sie rümpfte die Nase.

„Und genau da liegt das Problem."

„Worin?Das er stinkt?" Ihre Mundwinkel zuckten. Sie fand ihren eigenen Witz lustiger als ich.

„Nein."Ich verdrehte die Augen.

„Er rastet immer aus. Sofort. Ich kann manchmal machen was ich will.

Heute steht er völlig neben sich.."

„Er sieht so aus, als ob er die letzten Tage kaum geschlafen hat, ersteht ständig unter Strom, weil er sich keinen Fehler erlauben kann. Er will dich um jeden Preis beschützen und er macht sich große Sorgen."

„ Ich weiß." Jetzt musste ich doch ein Schluchzen unterdrücken.

„Aber wie soll ich so mit ihm umgehen? Egal was ich mache, es scheint falsch zu sein."

„Wenn es so schlimm ist wie du sagst, musst du dich von ihm fernhalten. Zumindest so lange, bis er sich besser im Griff hat. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis er dich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich verletzt."

„Das kann ich nicht." Ich schüttelte verzweifelt den Kopf.

„Anika, er ist gefährlich!"

„Das gleiche behauptet er von dir."Ich fühlte mich wie ein trotziges Kind.

„Damit hat er auch Recht. Ich habe bereits aber jahrzehntelange Übung darin, mich zu kontrollieren. Er hingegen benimmt sich wie ein wildes Tier." Sie blickte mich selbstgefällig an.

Wir wussten beide, dass sie Recht hatte.

Ich nickte nur. „Alice, er tut das nur für mich. Solange er mich bei sich haben will, werde ich ihn bestimmt nicht alleine lassen. Ich will nicht ohne ihn sein. Ich brauche ihn mehr, als er mich."

Alice sah mir mitfühlend in die Augen. Für einen Moment dachte ich, sie wollte nach meiner Hand greifen, aber sie blieb regungslos stehen.

„Halt dich von ihm fern, wenn er wütend wird." ihr Blick ließ keine Widerrede zu.

„Also immer?" versuchte ich das Ganze ins Lächerliche zu ziehen.

„Ich kann es dir nicht Ausreden, oder?"

„Nein."gab ich ehrlich zu.

Sie schien nachzudenken.

„Gib mir mal dein Handy!" sagte sie schließlich und streckte mir ihre Hand entgegen.

Ich zögerte kurz, zog es aber dann aus der Hosentasche und gab es ihr.

Nur eine Sekunde später bekam ich es schon zurück.

„So, jetzt hast du meine Handynummer und meine Mailadresse." verkündete sie zufrieden.

„Du kannst dich immer melden. Egal wann und egal warum. Auch wenn du nur reden willst, ja?" fügte sie hinzu.

„Danke."Ich lächelte sie an.

Sie strahlte zurück.

„Komm,wir sollten zurück gehen, sonst verliert dein Wölfchen noch komplett die Nerven."

Der Gedanke daran schien sie irgendwie zu amüsieren.

Trotzdem gingen wir zurück.

Sobald wir den Wald verließen, spürte ich Jakobs Blick auf mir liegen.

Als ich ihn ansah, lag sowohl Erleichterung, als auch ein Flehen in seinem Blick.

Und schon war meine Wut verraucht.

Die Vampire und das Rudel waren anscheinend gerade fertig mit der Aushandlung des neuen Plans.

Ich ging langsam auf Jakob zu.

Die Cullens, inklusive Alice, verabschiedeten sich. Sie winkte mir aus der Ferne. Sie Wölfe ließen die Vampire, die sich bereits abgewandt hatten, nicht aus den Augen. Auch Jakob nicht.

Sobald ich bei ihm angekommen war, griff er ohne mich anzusehen nach meiner Hand, die vermutlich die gesamte Zeit gezittert hatte und immer noch leicht bebte.

Er drückte sie. Fest. Aber nicht so fest, dass es weh tat.

Schließlich ergriff Sam das Wort: „Ihr wisst Bescheid. Die erste Wache übernehmen Quil und ich, die zweite Embry und Jakob.

Um fünf Uhr brechen wir auf. Nutzt die Zeit um euch zu verabschieden und um euch Auszuruhen."

Nach und nach wandten sich die Andren zum Gehen um. Sie wirkten niedergeschlagen."

Jetzt hatte ich endlich Jakobs Aufmerksamkeit.

Ohne einen Ton zu sagen zog er mich in seine Arme.

„Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist." flüsterte er nach einiger Zeit und vergrub sein Gesicht in meine Haaren.

Erst jetzt, wo er mich wärmte merkte ich, wie kalt mir eigentlich war.

„Verabschieden?"Ich ahnte es bereits, musste es aber von ihm hören.

Er schloss die Augen und nickte.

„Wir wollen diesen blonden Blutsauger endliche ein für alle Mal erledigen.

Dazusoll das gesamte Rudel die Spur verfolgen. Wir halten Kontakt zu den Vampiren, in der Hoffnung, dass wir ihn ein kreisen können.

Carlisle und seine Frau Esme bleiben hier in der Nähe und passen auf, dass sich kein fremder Vampir nähert." Seine Miene war hasserfüllt.

Er wollte sich von mir lösen. Vermutlich um mir nicht zu nahe zu sein,aber ich schlang meine Arme noch fester um ihn.

„Wie lange seit ihr weg?" Ich sprach so leise, dass ich mich selbst kaum hörte.

„Ich wünschte ich wüsste es." Er schloss die Augen. Dann beugte sich ein Stück über mich um seine Kopf auf meiner Schulter abzulegen.

Er war völlig fertig. Das war nicht zu übersehen. Und er musste nach Hause in sein Bett.

Dann stellte sich mir nur die Frage, wie ich nach Hause kommen sollte..

„Hey..."Ich drückte ihn langsam von mir weg. „Komm, wir gehen zu dir nach Hause."

Tatsächlich setzte er sich langsam in Bewegung.

„Los, tragen kann ich dich leider nicht!" versuchte ich seine Aufmerksamkeit zu erlangen, um ihn in die Welt der Lebenden zurück zu holen. Es funktionierte.

Innerhalb von einer Sekunde lief er neben mir und grinste. „Als ob ich das jemals zulassen würde."

Es dauerte nicht lange, da waren wir bei Jakob's Haus, oder wohl eher Hütte, angekommen.

Ich zögerte und blieb stehen.

Auch er blieb stehen.

„Was ist?" fragte er irritiert.

„Ich muss irgendwann auch mal wieder nach Hause."

„Ja. Irgendwann. Aber nicht jetzt." Er kam auf mich zu, nahm meine Hand und zog mich einfach mit."

„Jake!"

„Was denn? Wir haben noch Zeit."

„Du musst morgen früh raus."

„Es ist erst sieben Uhr. Bitte komm mit rein, du bist ganz kalt. Ich fahre dich später nach Hause. Keine Sorge."

„Du musst mich nicht fahren, ich kann auch.."

„Ich will aber." fiel er mir ins Wort.

Ich gab auf. Er grinste siegessicher und zog mich mit sich.

Wir gingen in sein Zimmer.

Er schmiss sich auf sein Bett. Ich blieb stehen, weil ich davon ausging,dass er innerhalb von Sekunden eingeschlafen sein könnte.

Doch er klopfte neben sich auf die Bettdecke. Es gab in seinem Zimmer auch keine andere Sitzgelegenheit.

Zögerlich setzte ich mich neben ihn aufs Bett, saß dort aber, als hätte ich einen Stock im Arsch.

Mühsam setzte er sich auf und lehnte sich mit dem Oberkörper an die Wand.

„Machs dir bequem." forderte er mich auf.

Ich setzte mich in den Schneidersitz und sah ihn an.

Ich musste an mein Gespräch mit Alice denken. Über die Prägung.

„Jakob,hast du sich schon auf jemanden geprägt?"

Die Frage riss ihn aus seine Gedanken. Jetzt hatte ich seine volle Aufmerksamkeit.

Er schwieg. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit.

„Nein." Er blickte mir in die Augen. Diese Antwort war eindeutig. Ich versuchte meine Enttäuschung zu verbergen, aber diese Aussage hatte mir einen heftigen Schlag in die Magengrube versetzt.

„Ich glaube es zumindest" Er war meinem Blick ausgewichen. Und ich seinem. Jetzt starrten wir beide die Bettdecke an.

„Du glaubst?" Ich war mir sicher, dass er das nur gesagt hatte, um mich nicht komplett vor den Kopf zu stoßen.

„Ich bin mir nicht sicher. Du machst etwas mit mir. Selbst wenn ich wollte, ich könnte mich nicht von dir fern halten."

Er versuchte sich raus zureden. Eindeutig. Aber ich hatte die Information, die ich eigentlich nicht hören wollte.

„Ein Wolf prägt sich, sobald er der richtigen Person in die Augen sieht,oder?"

Er nickte.

„Im Normalfall."

Das war zu viel. Mir wurde bewusst, dass irgendwo auf dieser Welt ein Mädchen auf Jakob wartet.

Und ich war es nicht.

Der Zug war abgefahren.

Irgendwann würde er sie sehen und spätestes dann würde er sich kein bisschen mehr für mich interessieren.

Ich wäre Geschichte.

Er redete einfach weiter.

„Aber ich bin nicht normal und du bist nicht normal. Ich weiß, dass es eigentlich nicht geht, aber mein Gefühl sagt mir etwas anderes."

Ergriff nach meiner Hand. Ich wollte sie zunächst wegziehen, sah aber dann das Flehen in seinem Blick.

Ich ließ die Berührung zu.

Ich wollte Nach Hause um in Ruhe über alles nachzudenken.

Das wurde mir alles zu viel.

Aber ich wusste, dass ich ihn so schnell nicht wiedersehen würde.

Jedesmal wenn wir uns verabschiedeten, hatte ich Angst ihn nie wieder zusehen.

Und selbst jetzt, wo uns nur einige Zentimeter trennten, sehnte ich mich nach seiner Nähe.

Jakob hingegen war voll und ganz damit beschäftigt die Augen auf zuhalten.

Seine Hand lag immer noch auf meiner.

Jetzt hatte ich die Wahl die Flucht zu ergreifen, oder noch ein bisschen seine Gegenwart zu genießen.

Mein Kopf sagte mir eindeutig, dass ich gehen und mich etwas von ihm distanzieren sollte.

Ich durfte auf keinen Fall noch stärkere Gefühle für ihn entwickeln.

Ich konnte allerdings nicht mit dem Gedanken leben, dass wir so auseinander gehen.

Jakob schwieg die ganze Zeit.

Ich vergewisserte mich, dass er auch wirklich noch wach war.

Dann rückte ich näher an ihn heran, womit ich ihn aus ihren Gedanken riss.

Erlegte sofort den Arm um mich, zog mich noch näher an sich und lehnte seinen Kopf an meinen.

„Nicht einschlafen." flüsterte ich mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Mhm,ich ruhe nur meine Augen aus." Seine Lippen lagen direkt an meinemOhr.

„Meldest du dich mal bei mir? Irgendwie?"

„Sobald ich irgendwie die Möglichkeit dazu habe, wirst du die erste sein die ich anrufe. Deine Handynummer kann ich schon auswendig." Ich spürte seinem Atem an meiner Wange.

„Die kann ich selbst nicht mal!" ich musste lachen.

„Ich jetzt schon." Auch er verzog die Lippen zu einem Lächeln, hatte die Augen aber nach wie vor geschlossen.

„Jake,ich kann mir auch ein Taxi rufen oder so.." Abrupt öffnete er dieAugen.

„Das kommt überhaupt nicht in Frage." Jetzt sah er mir wieder direkt in die Augen.

Nur wenige Zentimeter trennten unsere Gesichter.

„Du siehst nicht so aus, als wärst du noch in der Lage zu fahren." flüsterte ich vorsichtig.

„Vertraust du mir etwa nicht?" Er sah völlig fertig und gleichzeitig so was von gut aus.

Mirwurde abwechselnd heiß und kalt und mein Herz schlug mir bis zum Hals.

„Mehr als jedem anderen." hauchte ich. Für einen Moment hatte ich meine Stimme verloren.

Er beugte sich noch weiter vor. So nah waren wir uns noch nie. Und näher durften wir uns auch nicht kommen. Es konnte nicht funktionieren.

Kurz bevor unsere Nasen sich berührten, zog ich an seiner Hand und stand auf.

Er war völlig perplex.

„Nagut,du hast mich überredet, lass uns fahren." Willigte ich ein.

Völlig verwirrt und ohne ein Wort zu sagen erhob er sich ebenfalls vom Bett.

Ich schlüpfte in meine dicke Winterjacke, Jakob lief immer noch nur in Turnschuhen und kurzer Hose durch die Gegend.

Erst als wir vor die Haustür traten, merkten wir, dass es um die 20 Zentimeter geschneit hatte.

„Scheiße! Die Straßen sind bestimmt dicht."

„Und ich hatte mich echt schon gefreut mal wieder Auto zu fahren."jammerte er.

„Und jetzt?"

„Schon mal per Wolf gereist?" Er grinste mich an, seine Augen blitzten auf.

„Nein!"Entfuhr es mir. Es war fast ein kreischen.

„ Es ist schneller und sicherer als mit dem Auto. Vertraust du mir etwa nicht?"

Naja,immerhin konnte er während des Laufens nicht einschlafen.

„Ist das jetzt dein Ernst?" Vielleicht wollte er mich ja auch nur verarschen.

„Ja,mein voller Ernst."

Er umarmte mich noch einmal fest und gab mir vorsichtig einen Kuss auf die Stirn.

Das Gefühl, dass er mir gab war einfach unbeschreiblich.

Diese Geste sagte mehr als tausend Worte.

Es war einer dieser Momente, die nie enden sollten und die man nie vergessen würde.

„Warte hier. Stell dir vor ich nehme dich einfach Huckepack." sagte er grinsend und verschwand hinter der Hauswand.

Das war also der Abschied von seiner menschlichen Gestalt gewesen.

Und jetzt sollte ich wirklich auf einem Werwolf reiten.

Ich wappnete mich auf die bevorstehende Heimreise.

Schon stand der riesige rostbraune Wolf vor mir.

Im dunkeln wirkte er noch größer und imposanter als am Nachmittag zuvor.

Ich erinnerte mich selbst daran, dass es keinen Grund gab um Angst zuhaben.

Ich streckte ihm meine Hand entgegen und er schmiegte seine Schnauze hinein.

So konnte ich direkt in diese riesigen, wunderschönen, dunkelbraunen Augen blicken.

Sie waren das einzige, was mich daran erinnerte, dass wirklich Jakob in diesem Wolfskörper steckte. Und jedes mal wenn er mich anblickte,verlor ich mich ihnen.

Es mussten Minuten vergangen sein, aber schließlich legte sich dieses riesige Tier vor meine Füße.

Er war immer noch so groß wie Dixie, mein Pflegepony, wenn er sich hinlegte.

Jakob bewegte sich sehr langsam, vermutlich um mich nicht zu erschrecken.

Er wandte seinen Kopf, sodass er mit seiner Schnauze auf seinen Rücken deutete.

Aus dem Augenwinkel blickte er mich auffordernd an.

Ich wusste genau, was er von mir wollte. Zögerte aber trotzdem.

Er brummte. Es war kein bös gemeintes Knurren, aber trotzdem ließ es mich zusammenfahren.

Sofort legte er die Ohren nach hinten und den Kopf winselnd zwischen die Pfoten.

Ich atmete noch einmal tief durch.

Dann stellte ich mich neben ihn und strich mit der Hand vorsichtig über seinen Rücken.

Wieder sah er mich aufmunternd an. Ich nickte ihm zu und legte mein Bein über seinen Rücken um mich auf ihn zu setzten. Sein Fell war so warm und weich.

Sobald ich auf seinem Rücken saß richtete Jakob sich auf, bis er fast saß.

Um nicht runter zu fallen hielt ich mich automatisch an dem Fell auf seinen Schultern fest.

Und schon stand das riesige Tier. Ich war völlig geflasht.

Klar,ich saß regelmäßig auf einem Pferd. Aber das hier war etwas ganz anderes.

Er schien mitzubekommen, wie beeindruckt ich von dem war, was grade passierte.

Seine Lefzen zogen sich hoch und aus seiner Schnauze kamen seltsame Laute. Es hörte sich so ähnlich an, als würde er husten.

Ersah aus, als würde er grinsen.

„Lachst du mich etwa aus?" Das Geräusch verstummte, aber er nickte. Auch ich musste Lächeln.

„Tue ich dir nicht weh, wenn ich mich in deinem Fell festhalte?"

Er schüttelte energisch mit dem Kopf und brummte.

Okey, sehr gut. Ansonsten hätte ich auch Angst gehabt, von seinem Rücken zu rutschen.

Vorsichtig setzte er sich in Bewegung. Zuerst sehr langsam, dann aber fing er an zu laufen. Immer und immer schneller. Die Bäume rauschten nur so an uns vorbei, der Wind peitschte mir ins Gesicht, aber dank seiner Körperwärme fror ich nicht.

Ich konnte nicht genau einschätzen wie schnell er rannte, aber schneller als ein Auto, dass auf der Bundesstraße fuhr auf jeden Fall.

Das Adrenalin schoss nur so durch meine Adern.

Ich glaube während der ersten paar Minuten stand mein Mund sperrangelweit offen.

Dann aber merkte ich, wie viel Spaß mir diese Geschwindigkeit machte.

Es war das atemberaubendste Gefühl, welches ich bis lang je erlebt hatte.

Schnell, viel zu schnell standen wir auf der Hinterseite meines Hauses.

Wir mussten fast eine Stunde unterwegs gewesen sein, aber mir kam nur vor, wie wenige Minuten.

Er wandte den um, sodass er mich aus dem Augenwinkel heraus ansehen konnte.

Ich glitt vor seinem Rücken uns stellte mich vor ihn.

Jetzt war wohl der Moment des Abschieds gekommen. Der Moment für einen Abschied auf unbestimmte Zeit.

„Ich will nicht, das du gehst." flüsterte ich.

Er schlug die Augen nieder und trat noch einen Schritt auf mich zu.

Ich schlang die Arme um seinen riesigen Hals. Auch er legte den Kopf auf meine Schulter und presste mich damit noch enger an ihn.

Irgendwie war es einfacher mit ihm zusammen zu sein, wenn er seine menschliche Gestalt abgelegt hatte.

Ich ließ meine Arme sinken und legte eine Hand an seine Wange.

Er neigte mir seinen Kopf entgegen, damit ich mich nicht auf die Zehenspitzen stellen musste.

Dann gab ich ihm einen Kuss auf die andere Wange.

Er schloss die Augen.

„Bitte pass auf dich auf." flüsterte ich und trat einen Schritt zurück.

Er sah mir noch einmal direkt in die Augen, so als ob er diesen Moment in einem Bild festhalten wollte.

Langsam merkte ich wie die Tränen mir in die Augen schossen, doch er machte auf dem Absatz kehrt und verschwand in der Dunkelheit.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)