Lebensretter

vor 5 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 29 November 2012 Anika

Die letzten Monate waren fast normal verlaufen.

Zu normal.

Jakob ließ sich hin und wieder mal bei mir Blicken, aber meist nur für wenige Stunden.

Die Wölfe hatten immer noch alle Hände voll zu tun, wodurch Jakob fast ausschließlich auf vier Pfoten unterwegs war. Tag und Nacht.

Ich hatte ihn nie wieder so gesund und ausgeruht gesehen, wie auf der Geburtstagsfeier meiner Mutter.

Dementsprechend gelaunt war er dann auch meistens.

Kurz nach „dem Vorfall" war er trotzdem wirklich vorsichtig und hielt mich eher auf Abstand.

Je nach dem wie er drauf war, kam er nur kurz zum Fenster hinein, umarmte mich und war gleich darauf wieder verschwunden.

Dabei betonte er immer wieder, dass er in diesem Zustand zu gefährlich für mich wäre, um sich in meiner Nähe aufzuhalten.

Das machte uns beiden ziemlich zu schaffen.

Ich war von Anfang an anderer Meinung und auch ihm schienen diese kurzen Treffen, nur um mich zu sehen und um mich auf den neusten Stand zu bringen, nach einigen Wochen ziemlich auf die Nerven zu gehen.

Eines Abends, er hatte vermutlich Mal wieder seit Tagen nicht wirklich geschlafen, schaffte ich es dann doch ihn zum Bleiben zu überreden.

Widerwillig ließ er sich von mir zum Sofa zerren.

„Komm schon. Setz dich zu mir." forderte ich ihn auf.

Tatsächlich ließ er sich schwerfällig auf das Sofa fallen.

Mit einem Stöhnen lehnte er sich mit dem Oberkörper so weit nach hinten, bis er schließlich auf den schwarzen Kissen lag.

Er hielt die Augen geschlossen.

Also konnte ich ihn einen Augenblick ungestört beobachten.

Dann öffnete er sie wieder und sah mich an, woraufhin ich mich neben ihn setzte.

„Wie war dein Tag?" fragte er mit einem müden Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.

„Alles ganz normal." Und das war nicht mal gelogen. Abgesehen von seinen Besuchen verlief mein Leben wie das eines ganz gewöhnlichen Mädchens.

„Und deiner?" fragte ich zurück.

„Anstrengend."war das einzige Wort, das er von sich gab.

Auf eine detailliertere Beschreibung musste ich wohl nicht mehr hoffen.

„Leg dich hin." kommandierte ich und legte meine Hand mit leichtem Druck gegen seine Schulter.

Ohne einen weiteren Ton von sich zu geben, legte er sich nun längs auf das Sofa und rückte ein Stück zur Seite.

Wortlos legte ich mich mit einigem Abstand neben ihn.

Es war einfach nur schön ihn hier zu haben.

Bei mir.

Seine Atemzüge verlangsamten sich.

Er war also schon unterwegs in das Reich der Träume und wandte ich mich wieder dem Fernseher zu, bevor ich einige Stunden später selbst ins Bett ging.

Bevor ich am nächsten Morgen aufwachte, war es schon lange wieder verschwunden.

Doch ich einen Zettel auf meinem Schreibtisch:„Guten Morgen! Es tut mir leid. Irgendwie hatte ich mir das ma lwieder echt anders vorgestellt.

Ich komme wieder soweit ich kann.

Jakob"

Und genau so verliefen von diesem Zeitpunkt an die meisten unserer Treffen.

Wir redeten kaum. Andere Sachen machten wir auch nicht. Aber er war da. Und das reichte. Zumindest für den Moment.

Immerhin lagen wir regelmäßig zusammen auf meinem Sofa. Mit Sicherheitsabstand. Er schlief und ich guckte Fernsehen.

Innerlich war ich manchmal echt wütend. Mein egozentrisches Ich ging einfach mit mir durch.

Doch ich wusste ganz genau: Er brauchte seinen Schlaf. Und er machte alles nur für mich.

Aber dieses Wissen machte die Situation auch nicht gerade einfacher..

Doch dann kam eine Zeit, in der ich vergeblich auf ihn wartete.

Er hatte mir nicht gesagt, dass die Wölfe die Gegend verlassen würden.

Er hatte mir rein gar nichts gesagt und ich hoffte einfach nur, dass es ihm gut ging.

Drei Wochen ohne das geringste Lebenszeichen von ihm vergingen.

Ich war zugleich ziemlich sauer und wirklich besorgt.

Meine Laune war genauso schlecht wie das Wetter.

Traurig, kalt und nass wie der November.

Die Tage wurden immer kürzer und immer dunkler.

Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs war, konnte ich ihn manchmal für einige Stunden vergessen.

Doch immer wenn ich abends alleine in meinem Zimmer war, konnte ich an nichts anderes mehr denken.

Ich wartete auf ihn. Jeden Abend. Jede Nacht, ob ich nun wollte oder nicht.

Ende das Monats, es war ein Freitag, saß ich wieder einmal alleine in meinem Zimmer.

Meine Eltern waren zum Geburtstag meines Onkels nach Höxter gefahren.

Eigentlich wollten sie, dass ich mitkomme, doch durch eine kleine Lüge hatte ich es geschafft, mich davor zu drücken.

Ich war kein großer Fan von Familienfeiern.

Hauptsächlich deswegen, weil alle Familienmitglieder zwischen fünfzehn und siebzig Jahren älter waren als ich.

Also hatte ich behauptet, dass ich mich noch mit Lea und Ann-Kathrin treffen würde.

Heute allerdings war ich zumindest noch dabei, für eine Mathearbeit zu lernen.

Allerdings ohne viel Erfolg. Meine Konzentration war vermutlich bei alles und jedem, nur nicht bei Mathe.

Die Zeit verging und es wurde schneller dunkel, als ich erwartet hatte.

In der Hoffnung, dass etwas Sauerstoff mir beim Denken helfen würde, öffnete ich mein Fenster und die kalte Luft schlug mir entgegen.

Augenblicklich begann ich zu frösteln, wir hatten bereits Temperaturen um den Gefrierpunkt herum.

Trotzdem ließ ich es offen und setzte mich zurück an meinen Schreibtisch.

Nach einigen Minuten registrierte ich das Geräusch eines Autos, welches vor meinem Haus parkte. Dachte mir aber nichts dabei.

Wenige Sekunden später klingelte es an der Haustür und ich schreckte hoch.

Einen Moment lang überlegte ich, ob es eine gute Idee wäre, die Tür zu öffnen.

Während Sina permanent kläffte, rang ich mich doch dazu durch, die Tür zuöffnen.

Es war schließlich erst 18:00 Uhr.

Ohne im Vorfeld den Türsummer zu betätigen, lief ich die Treppen hinunter.

Vor der Haustür angekommen, verstummte der Hund sofort.

Das war wirklich eigenartig. Kurz zögerte ich, drückte dann aber doch die Klinke herunter und öffnete die Haustür.

Mir viel die Kinnlage runter. Vor mir stand Jakob und lächelte mich vorsichtig an.

Tiefe Ringe hingen unter seinen Augen, die mich trotzdem sofort wieder in ihren Bann zogen.

Ansonsten schien er glücklicherweise unversehrt.

Augenblicklich fiel eine große Last von mir ab.

Trotzdem bot er mir einen immer noch ziemlich ungewohnten Anblick.

Er trug eine dunkelblaue, lange Jeans, schwarze Sneaker und einschwarzes Hemd, indem er unverschämt gut aussah.

Ich hingegen war ungeschminkt, trug eine Leggins und einen dunkelgrünen Kapuzenpulli.

Nachdem ich den kurzen Moment des Schocks überwunden hatte, funkelte ich ihn finster an.

„Wo warst du?" waren die ersten Worte, die ich ihm in einem bissigen Tonfall an den Kopf schmiss.

Er hob beschwichtigend die Arme und machte einen Schritt auf mich zu.„Immer in der Nähe." antwortete er im ruhigen Tonfall.

„Du warst die ganze Zeit hier?" Jetzt verstand ich gar nichts mehr.

Er nickte langsam.

„Du hast dich nicht ein Mal in irgendeiner Form bei mir gemeldet."stellte ich fest.

Zuerst sagte er kein Wort und starrte nur den Boden an, während ich ausnahmsweise mal diejenige war, die immer wütender wurde.

„Warum?"Ich glaube in einem so ernsten Tonfall hatte ich vorher noch nie mit ihm gesprochen.

Irgendwie schien es ihn tatsächlich einzuschüchtern.

Jetzt sah er nur noch aus wie ein ziemlich großes Häufchen Elend.

„Es tut mir leid. Es war falsch. Ich habe und beiden das Leben nur noch schwerer gemacht, als es sowieso schon ist.

Ich habe es wirklich versucht. Ich wollte mich von dir fern halten. Ohne mich hättest du ein besseres Leben. Ein sicheres Leben. Du weißt genau so gut wie ich, dass ich zu gefährlich bin um mich in deiner Nähe aufzuhalten. Ich habe es..ich habe mich nicht immer unter Kontrolle.

Ich hab es wirklich versucht. Aber ich habe es nicht mehr ausgehalten.."sprudelte es plötzlich aus ihm heraus.

Jetzt war ich es, die da stand und ihn nur fassungslos an sah.

Der Gedanke, dass er die ganze Zeit in meiner Nähe war, aber mich nicht sehen wollte, war mir nicht gekommen. Das musste ich erst einmal verarbeiten.

„Wie kommst du auf diese Idee?" meine Stimme zitterte und meine Augen füllten sich mit Tränen.

Sofort machte er einen Schritt auf mich zu, streckte langsam seine Hand aus und legte sie an meine Wange. Schon diese kleine Berührung führte dazu, dass es mir augenblicklich besser ging und ich die Fassung nach und nach zurück erlangte.

„Erinnerst du dich an unsere letzte gemeinsame Nacht bei mir?"seine Stimme war ruhig, aber ich spürte wie seine Hand an meiner Wange leicht zu vibrieren schien.

Ich nickte nur, um nichts falsches zu sagen.

„ Ich hätte dich verletzten können..oder schlimmeres.. ohne, dass ich es direkt mitbekommen hätte."

brachte er hervor und ließ seine Hand sinken, da diese nun zu stark bebte.

„Und wenn wir uns weiterhin getroffen hätten.. ich hab versucht Abstand zu dir zu halten.. aber es funktioniert nicht. Und wenn wir so weitermachen ist es nur eine Frage der Zeit bis so etwas noch einmal passiert. Und ich will dir keine Angst machen. Wirklich nicht..."

Das konnte und wollte ich mir nicht weiter anhören.

„Jakob. Es ist nichts passiert." fiel ich ihm ins Wort und griff nach seiner Hand und ging noch einen Schritt auf ihn zu, sodass ich ich jetzt direkt vor ihm stand.

Obwohl er sichtlich zu kämpfen hatte, damit er mir überhaupt noch so gegenüber stehen konnte.

„Anika bitte." flehte er und wollte mir seine Hand entziehen um zurück zu weichen, doch ich hielt sie fest und wartete ab.

Hatte er wirklich so große Angst mich zu verletzen? Mir war das Risiko bewusst, welches seine Anwesenheit mit sich brachte. Aber ich hatte, zumindest in den meisten Situationen keine Angst, dass er mich körperlich verletzte.

„Es könnte aber was passieren. Sogar jetzt." sagte er mit Mühe. Sein ganzer Körper stand unter Strom.

Wenn er es sich so stark einredete, würde es vielleicht wirklich irgendwann passieren.

Das konnte und wollte ich nicht glauben.

So konnte und wollte ich ihn nicht sehen.

Ich wusste es war kindisch, aber trotzdem schlang ich einfach, trotz der potenziellen Gefahr, die von ihm ausging die Arme um seinen Oberkörper.

„Nein."flüsterte ich und wartete, bis sich der bebende Körper zwischen meinen Armen etwas beruhigte.

Nach einigen Minuten schlang auch er seine Arme um mich und vergrub das Gesicht in meinen Haaren.

Endlich.

„Es tut mir leid. Darf ich es wieder gut machen?" fragte er dann mit völlig ruhiger Stimme.

„Wie denn?" wollte ich wissen.

„Lass uns heute Abend Essen gehen. Und danach ins Kino. Ich lade dich ein.

„Jakob das musst du nicht." Ich wusste genau, dass er nicht all zu vie lGeld auf dem Konto hatte.

„Ich will aber." entgegnete er. Sein Ton ließ keine Widerrede zu.

Alles andere ging vermutlich gegen seinen

Stolz.

„Okey."willigte ich lächelnd ein. Ehrlich gesagt konnte ich mir den Abend nicht schöner vorstellen.

„Können wir los?" fragte er.

„Gleich. Ich ziehe mich erst noch um. Komm rein." forderte ich ihn auf.

Ohne Wiederworte folgte er mir bis in den dritten Stock.

Ich öffnete die Tür zu meinem Zimmer und deutete auf das Sofa: „Setz dich!" forderte ich ihn auf und verschwand dann im Badezimmer.

Schnell schlüpfte ich in eine schwarze Jeans und eine weinrote Bluse.

Im Eiltempo kämmte ich mir die Haare, steckte mir silberne Ohrringe an und tuschte mir die Wimpern.

Als ich kurz darauf mein Zimmer betrat saß Jakob, mit dem Oberkörper andie Sofakissen gelehnt und mit geschlossenen Augen auf der Couch.

„Meine Euphorie auf den mir bevorstehenden Abend sank augenblicklich. Das Lächeln verschwand automatisch aus meinem Gesicht.

„Jake?"flüsterte ich ohne auch nur einen weiteren Schritt auf ihn zu zumachen.

Sofort öffnete er die Augen und rappelte sich auf.

„Da bist du ja wieder. Können wir los?" murmelte er vor sich hin ohne mich anzusehen.

Er schämte sich. Es war gut, dass er mich nicht ansah, denn die Enttäuschung stand mir vermutlich ins Gesicht geschrieben.

Als er sich in Richtung Zimmertür an mir vorbei schieben wollte hielt ich ihn am Handgelenk fest.

Daraufhin blieb er stehen und blickte mir in die Augen.

„Jakob, wir müssen nicht fahren. Wir können auch einfach hier bleiben."schlug ich mit einem aufgesetzten Lächeln vor.

Ich wollte ihm auf keinen Fall ein schlechtes Gefühl geben.

„Doch, müssen wir. Ich habe Hunger." stellte er mit einem Lächeln fest, nahm meine Hand und zog mich aus dem Zimmer.

Auf der zweiten Etage unseres Hauses blieb er noch einmal stehen.

„Hast du vielleicht noch einen Schluck zu trinken für mich?" fragte er.

„Klar. Was willst du?" antwortete ich und war schon unterwegs ins Büro, indem wir auch die Getränke lagerten.

„Cola bitte." rief er mir nach.

Da hatte er aber Glück gehabt. Meistens hatten wir nur Wasser im Haus, doch vom letzten Mädelsabend waren noch eine Flasche Sprite und eine Cola übrig.

Für mich nahm ich noch eine Flasche Wasser mit, ging an Jakob vorbei, über den Fluhr und dann in die Küche, wo ich zwei Gläser aus dem Schrank holte.

Jakob folgte mir, öffnete die Cola und schüttete sie in eines der Gläser, welches er mit einem Zug leerte.

Sofort goss er sein Glas ein zweites Mal voll.

„Darf ich dir sonst noch etwas anbieten?"wollte ich von ihm wissen, als wir beide ausgetrunken hatten.

„Nein. Wir fahren jetzt." entschied er.

„Schon auf dem Weg zu seinem Auto wirkte er viel gesprächiger und besser gelaunt.

Ich konnte es mir nicht erklären, aber er sprühte nur so vor Euphorie.

Von seiner Müdigkeit war nichts mehr zu spüren.

Also freute auch ich mich. Mein Abend war gerettet.

Die Straße nach Warburg kam mir viel kürzer vor als sonst.

Das konnte aber wohl vor allem daran liegen, dass Jakob sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielt.

Trotzdem fühlte ich mich komplett sicher bei ihm.

Kurz vor der Ankunft überlegten wir, welchen Film wir uns nach dem Essen ansehen wollten.

Be idieser Diskussion stellte ich fest, dass unsere Geschmäcker diesbezüglich ziemlich weit auseinander gingen.

Er wollte unbedingt Sinister, einen Thriller gucken.

Zum einen würde ich mich bei einem Horrorfilm nur vor ihm blamieren, weil ich mich ständig erschreckte und zum anderen war der Film ab18. Ich war mir sicher, dass ich nicht reingelassen werden würde.

Also hielt ich dagegen.

Wir einigten uns darauf, dass wir zunächst versuchen wollten, in den Thriller rein zu kommen.

Na super.

Mittlerweile waren wir bei dem Griechen in Warburg angekommen.

Nach dem Aussteigen nahm Jakob, wie selbstverständlich, auch in der Öffentlichkeit meine Hand und wir schlenderten in das Restaurant.

Sobald wir am Tisch waren und ich noch damit beschäftigt war, meine Jacke auszuziehen, setzte Jakob sich sofort hin.

Dann stützte er den Ellenbogen auf den Tisch, presste Daumen und Zeigefinger gegen den Nasenrücken und schloss für einen kurzen Moment die Augen.

„Alles okey?" fragte ich, als ich mich zu ihm setzte.

Er nickte nur. Damit war ich nicht zufrieden , doch bevor ich weiter nachhaken konnte kam schon der Kellner um unsere Bestellung aufzunehmen.

Nur wenige Augenblicke später wurden uns schon die Getränke gebracht. Sofort nahm Jakob einen großen Schluck von seiner Cola.

Seit wann trank er die so gerne?

Doch ehe ich weiter darüber nachdenken konnte, fing er auch schon an von den letzten Wochen zu erzählen.

Er versicherte mir, dass er mich zu keinem Zeitpunkt wirklich alleine gelassen hatte.

Ganz im Gegenteil. Er hatte mich beobachtet. Und das ständig.

Beim Schwimmen. Beim Reiten und sogar in der Schule.

Wie peinlich.

„ Habe ich jetzt also einen Stalker?" unterbrach ich seinen Redefluss.

Tatsächlich hielt er für einen Moment den Mund, senkte seinen Blick und ich meine sogar, dass er rot anlief.

Aber das war bei den schlechten Lichtverhältnissen schwer zu sagen.

„Das war ein Spaß!"sagte ich lächelnd um die Situation zu retten.

Gut fand ich es trotzdem nicht, dass er mich beobachtete, ohne sich mir zu zeigen.

„Ich hoffe du weißt, warum ich das gemacht habe." sagte er verlegen.

„Ja. Aber ich hoffe, dass du mich in Zukunft wissen lässt, wenn du in der Nähe bist."

Er nickte nur.

Bevor mir das darauf folgende peinliche Schweigen zu viel wurde, kam glücklicherweise der Kellner mit unserem Essen.

Jakobs Augen begannen zu leuchten, als sie den riesigen Lammteller mit den Lammfilets, Gyros und Pommes erblickten.

Bei seinem Anblick musste ich lachen und die komische Stimmung von vorhinwar wie verflogen.

Während er sich über seine Portion her machte, aß ich ebenfalls meinen Achillstelller mit Pommes, Gyros und Calamaris.

Während Jakob sich aufs Essen stürzte,

erzählte ich ihm von meinen Plänen nach meinem Abschluss im nächsten Sommer, auf den ich bereits hin fieberte.

Wir waren bereits dabei unsere Abschlussparty, die in Eissen stattfinden sollte zu planen und ich googelte schon nach diversen Cocktailkleidern.

Außerdem berichtete ich ihm, dass ich in den kommenden Sommerferien mit den Mädels in den Urlaub fahren wollte. Dies schien ihm nicht so sehr zugefallen, doch weil er mit kauen beschäftigt war runzelte er nur skeptisch die Stirn.

Ich ließ mich davon nicht beirren und redete einfach weiter von meinen Überlegungen, nach dem Realschulabschluss mein Abitur in Warburg zu machen.

Als er aufgegessen hatte sah er mich einfach nur an.

Daraufhin schob ich meinen Teller in die Mitte des Tisches:

„Hilf mir. Ich schaffe das sonst eh nicht mehr alles. Außerdem müssen wir gleich sowieso los, wenn wir den Film noch sehen wollen." sagte ich.

Und das ließ er sich nicht zweimal sagen.

Nur wenige Minuten später winkte Jakob den Kellner zu uns heran und zog sein Portmonee aus der Tasche.

„Ich kann mein Essen selbst bezahlen." warf ich noch einmal ein, doch erschüttelte nur lächelnd den Kopf.

Daraufhin zog ich einen Schmollmund, weil er mich bevormundete.

„Hey, das hier war eine Einladung und eine Wiedergutmachung von mir für dich.

Lass mich bezahlen. Bitte." sagte er sanft und streckte seine Hand über den Tisch aus um meine zu ergreifen.

Ich konnte ihm nicht böse sein, also nickte ich nur lächelnd, woraufhin er mich mit seinem selbstsicheren Grinsen ansah.

Er hatte wohl wirklich seine Spendierhosen an, er gab sogar dem Kellner ein ordentliches Trinkgeld.

Dann liefen wir durch den Nieselregen zu Jake's Auto. Es war schließlich schon 19:45 Uhr.

In einer viertel Stunde sollte dieser wundervolle und gar nicht gruselige Film anfangen.

Plötzlich schüttete es wie aus Eimern

„Oh nein!" quietschte ich, worauf Jakob mich einfach nur auszulachen schien.

Dann nahm er meine Hand und rannte los.

Er zog mich einfach mit.

Beim Auto angekommen, stiegen wir beide so schnell ein wie möglich.

Ich musste erst einmal nach Luft schnappen, doch Jakob fing sofort schallend an zu lachen.

In dem einen Moment machte ich mir noch Gedanken um meine völlig durchnässten Haare und Klamotten, doch dann fand auch ich das Ganze irgendwie lustig uns stieg in sein Lachen mit ein.

Als wir uns wieder ein gekriegt hatten sah er mich an und streckte seine Hand nach meinem Gesicht aus und legte sie an meine eiskalte Wange.

Dann strich er mir eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht und fuhr mit seinem Daumen unter meinem rechten Auge entlang.

Vermutlich um die zerlaufene Wimperntusche zu entfernen.

„Ist dir kalt?" fragte er etwas besorgt.

„Es geht. Aber im Kino ist es bestimmt warm." gab ich zurück.

Daraufhin startete er den Motor. Innerhalb von wenigen Minuten waren wir auf dem Parkplatz des Warburger Cineplex angelangt.

Glücklicherweise hatte es mittlerweile aufgehört zu regnen.

Trotzdem war es sehr kalt und windig, als wir aus dem Auto ausstiegen.

In den nassen Klamotten fühlte ich mich wie ein Eiszapfen und schlang die Arme um den Oberkörper.

Sofort legte Jakob seinen wärmenden Arm um mich, wodurch ich augenblicklich aufhörte zu zittern.

Er war so schön warm.

„Gott. Es muss schön sein nie zu frieren." flüsterte ich und drückte mich noch enger an ihn.

„Es ist schon echt praktisch." antwortete er mit einem selbstgefälligem Grinsen.

Zum Glück war es für einen Freitag Abend nicht besonders voll im Kino.

Entgegen meiner Erwartungen, fragte niemand nach meinem Ausweis, sodass wir es ohne Probleme in den Thriller schafften.

Jakob sah wahrscheinlich schon so erwachsen aus, dass mein Alter keine Rolle mehr zu spielen schien.

Scheiße.

Bevor wir in den Kinosaal gingen, machten wir noch einen Stop an der Snackbar.

Jakob holte für mich das Nacho- Menü mit Käsesoße und Wasser und für ihn einen riesigen Eimer Popcorn und eine Cola.

Ich schämte mich ein wenig für mein Aussehen, doch im Saal saßen nur wenige Leute und glücklicherweise niemand, den ich kannte.

Sein Blick glitt zu den Paarsitzen und dann wieder zu mir.

„Wäre das komisch?" fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Lächeln auf den Lippen.

Ich zuckte mit den Schultern. Ach was solls.

„Nein." antwortete ich, nahm seine Hand und zog ihn mit.

Ohne zu zögern setzte er sich, beförderte mich mit in den Sitz und legte erneut seinen Arm um mich.

„Ist dir immer noch kalt?" wollte er wissen.

„Nein." gab ich zufrieden zurück. In seiner Nähe konnte man gar nicht mehr frieren.

Als die Werbung begann, saß ich noch ganz entspannt neben ihm, doch schon während der ersten paar Minuten des Films zuckte ich mehrfach zusammen.

Und er hatte nichts besseres zu tun als mich leise auszulachen.

Also gab ich ihm einen leichten Schlag auf die Brust, woraufhin er mich noch enger an sich heran zog.

Je gruseliger der Film wurde, desto mehr kuschelte ich mich an ihn

Das kommentierte er nur mit einem zufriedenen Lächeln.

Doch irgendwann, die Hälfte des Thrillers war vermutlich schon vorüber, vernahm ich keine Reaktion mehr von ihm.

Ich blickte zu ihm auf und registrierte, dass seine Augen geschlossen waren.

Scheiße. Warum hatte ich das nicht kommen sehen?

Eben war er noch hellwach gewesen.

„Jakob."flüsterte ich mit sanfter Stimme.

Zu meiner großen Erleichterung reagierte er sofort und öffnete die Augen.

Gott sein Dank.

Er fuhr sich mit der Handfläche einmal über das Gesicht.

„Oh sorry." murmelte er verschlafen und setzte sich aufrechter hin als zuvor.

„Wollen wir gehen?" fragte ich vorsichtig.

„Nein."antwortete er entschlossen und schlürfte die letzten Tropfen aus seiner Cola.

Also lehnte ich mich wieder an ihn.

Wiederrede hätte sowieso nichts gebracht und so schlimm war der Film auch nicht.

Im Gegenteil.

Jetzt wollte ich auch wissen, wie es ausging.

Trotzdem warf ich Jakob immer wieder einen Blick aus dem Augenwinkel zu.

Er schien ziemlich mit sich zu kämpfen.

Wenige Minuten später musste ich feststellen, dass er den Kampf verloren hatte.

„Jakob!" zischte ich, doch es kam keinerlei Reaktion.

Na super. Was sollte ich jetzt bitte machen?

Ich lag quasi in seinen Armen. Jede Bewegung konnte ihn wecken und das Monster in ihm hervorrufen.

Und das vor so vielen Zeugen.

Scheiße. Panik stieg in mir auf, doch ich konnte erst einmal einfach nur abwarten.

Sobald der Film vorbei war, verließen die meisten Menschen sofort den Saal.

Ich streckte meine Beine aus, um zu verhindern, dass Jakob von irgendwelchen Menschen, die direkt an uns vorbei gingen, angerempelt wurde.

Dank der Dunkelheit schien niemandem aufzufallen, dass er schlief.

Sobald wir alleine waren fasste ich meinen Mut zusammen und rückte langsam auf die Kante des Sitzes.

Sofort ertönte das tiefe und auch relativ laute Knurren.

Schnell stand ich auf, wodurch sein Arm, der zuvor um meine Schultern lag, ins Leere fiel.

Er schreckte auf, aus dem Knurren wurde ein Brüllen und er riss die Augen auf.

Dabei bohrte e seine Finger so tief in den Sitz, dass das Polster an diesen Stellen riss.

Hätte ich mich nicht in Sicherheit gebracht, hätte mein Arm vermutlich nicht anders ausgesehen als der Sitz.

Schockiert starrte ich ihn an.

AuchJakob war noch nicht so ganz bei sich.

Wenige Sekunden später, die mir vorkamen wie eine Ewigkeit, blinzelte er und war drauf und dran die Augen einfach wieder zu schließen.

Was zur Hölle war nur los mit ihm?

„Steh auf!" forderte ich ihn auf. Doch die Angst in meiner Stimme war nicht zu überhören.

Erst jetzt schien er zumindest halbwegs wieder im hier und jetzt angekommen zu sein.

„Scheiße." war das erste Wort, welches seine Lippen verließ.

Immerhin lehnte er sich jetzt nach vorne, allerdings nur um sein Gesicht in den Händen zu vergraben.

Der Abspann des Films war vorbei und das Licht im Saal wurde eingeschaltet.

„Komm jetzt." Meine Stimme zitterte. Ich konnte nichts dagegen tun.

Jetzt fiel sein Blick auf die Risse im Polster und er sprang auf.

„Hab ich dich verletzt?" Jetzt wurde auch er panisch.

„Nein."sagte ich, drehte mich um und verließ den Kinosaal.

„Anika bitte warte." Seine Stimme war leise und kraftlos.

Er konnte nicht mehr. Er wirkte, als ob er jeden Moment zusammenbrechen könnte.

„Was ist los mit dir?" ich musste mich beherrschen, um ihn nicht anzuschreien.

„Ich..erkläre es dir im Auto." Er hatte Schwierigkeiten, seine Gedanken in Worte zu fassen.

„So fahre ich mit dir bestimmt nicht mit." Ich war mal wieder völlig hilflos und überfordert mit der Situation. Meine Augen füllten sich mit Tränen.

„Bitte. Bitte warte kurz."

Obwohl er stand, fielen ihm beim Reden immer wieder die Augen zu.

Als ich stehen blieb wandte er sich von mir ab und ging zur Snackbar

Ich konnte beobachten, dass er sich auf dem Tresen abstützen musste, doch dann bekam er seine Cola.

Sofort nahm er einige große Schlucke.

Sobald er sich wieder mir zuwandte, verließ ich das Kino.

Schneller als ich gedacht hatte, schaffte er es mich einzuholen und versperrte mir den Weg, ohne mir zu nahe zu kommen.

Ich verstand seine Stimmungsschwankungen und und Verfassungswechsel überhaupt nicht.

Jetzt, wo er vor mir stand, wirke er so, als ob er Bäume ausreißen könnte

„Was zur Hölle ist los mit dir?" fuhr ich ihn an.

„Ich erkläre es dir im Auto." presste er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.

Ich verschränkte die Arme um ihm zu signalisieren, dass ich mich ohne eine Erklärung nicht von der Stelle bewegen würde.

„Bitte. Ich erzähle es dir, sobald wir unterwegs sind. Aber wenn du nicht nach Hause laufen willst, müssen wir jetzt los." drängte er.

Eigentlich wollte ich nicht nachgeben, aber laufen wollte ich auch nicht.

Also schob ich mich an ihm vorbei und ging schweigend zum Auto.

Er lief völlig niedergeschlagen neben mir her.

Bevor er einstig, leerte er den Colabecher und schmiss ihn achtlos ins Gebüsch.

Eigentlich regte mich so ein Verhalten wirklich auf, aber ich sagte nichts.

Wir hatten noch etwas anderes zu besprechen.

Als er vom Parkplatz fuhr, wirkte er sehr angespannt und schien nach den richtigen Worten zu suchen.

„Ich höre." forderte ich ihn auf.

„ Du wirst sauer sein." flüsterte er.

„Das bin ich schon." entgegnete ich nur.

„Ich wollte dich heute unbedingt sehen. Aber eigentlich war ich nicht wirklich in der Lage dazu."

er machte eine Pause.

„Ich weiß. Als du gekommen bist sahst du ziemlich fertig aus."sagte ich um ihn zum weiter reden zu animieren.

„Das bin ich auch." sagte er so leise, dass ich es kaum hören konnte. Dabei hatte er den Blick fest auf die Straße gerichtet.

„Jakob jetzt rede endlich mit mir. Deine Stimmungsschwankungen bin ich ja fast schon gewohnt. Aber das heute?"

„ Ich..wir reagieren nicht nur auf Alkohol relativ sensibel.. sondern auch auf Coffein. Und wenn dessen Wirkung nachlässt, dann.."

er brauchte gar nicht weiter zu sprechen.

Ich hatte verstanden.

„Deshalb die Cola." sprach ich meine Gedanken aus.

„Ohne die hätten wir es wahrscheinlich nicht bis nach Warburg geschafft."Seine Hände am Lenkrad zitterten etwas.

„Und du hast immer mehr davon getrunken." stellte ich fest.

„Das war notwendig." Reue lag in seiner Stimme.

„Tu das nie wieder." Er nicke nur.

„Lässt die Wirkung schon nach?" Für den Fall, dass er beim Fahren einschlafen würde, könnten wir beide, oder zumindest ich, sterben.

Wieder nickte er nur.

Der Abend wurde ja immer besser.

„Halt an." forderte ich ihn auf.

„Nein. Wir sind in zehn Minuten bei dir Zuhause. Das schaffe ich." Er sah mich immer noch nicht an. Innerlich schien er zu kochen.

„Und dann?" fragte ich.

„Setzte ich dich ab und fahre nach Hause."

„Das kannst du vergessen." rief ich aus und griff ohne zu fragen nach seinem Handy.

„Was machst du da?" fragte er wütend, doch ich antwortete erst garnicht.

Schnell hatte ich gefunden was ich suchte.

Das Handy begann zu tuten und ich hielt es an mein Ohr.

Bitte geh ran.

„Hallo?"ertönte eine mir vertraute Stimme.

„Hey Leah! Hier ist Anika. Hab ich dich geweckt?"

Jakob schlug mit der Faust auf das Lenkrad ein, doch ich ignorierte es.

„Nein hast du nicht, ich komme grade aus der Dusche. Ist irgendwas passiert?"

„Noch nicht." Aber Jakob ist vermutlich nicht mehr in der Lage sein Auto nach Hause zu fahren.

Hast du zufällig Lust auf einen kleinen Ausflug nach Peckelsheim?"

„So ein Idiot. Ich habe ihm gesagt er soll es lassen. Bin schon unterwegs."

Jakob knurrte vor sich hin.

„Danke. Bis gleich." seufzte ich in das Telefon hinein und legte auf.

„Du brauchst dich jetzt gar nicht so aufzuführen." fuhr ich Jakob an.

„Ich weiß." sagte er kühl.

Dann sagte niemand mehr von uns etwas.

Hin und wieder sah ich ihn an, um zu kontrollieren, dass seine Augen noch geöffnet waren.

„Bitte sprich mit mir, um mich abzulenken." bat er schließlich mit müder Stimme.

Er wollte reden? Das konnte er haben.

„Warum musste das sein? Warum heute? Warum musstest du es unbedingt erzwingen? Schossen die Fragen aus mir raus.

„Ich hab dich so vermisst.. und wollte einfach nur einen perfekten Abend mit dir verbringen.

Es ist mal wieder voll in die Hose gegangen. Es tut mir leid." Zum ersten Mal auf der gesamten Fahrt blickte er mir kurz in die Augen.

Er hatte es wirklich nur gut gemeint. Und er hatte alles nur für mich getan. Mal wieder."

Augenblicklich war meine Wut verraucht.

„Hey..du kannst immer ehrlich zu mir sein." flüsterte ich und sah in seine geschwollen, klein wirkenden Augen, unter denen tiefe, dunkle Ringe lagen.

Er nickte nur.

„Geht's noch?" fragte ich vorsichtig und berührte seine Hand, die auf dem Schaltknüppel lag.

Sofort drehte er sie um, sodass ich meine Hand in seine legen konnte.

Trotzdem nickte er nur. Sein Gesichtsausdruck war gequält, so als ob er Schmerzen hätte.

„ Der zerrissene Sitz.. es hätte dein Arm sein können." stieß er hervor und ich meinte, Tränen in seinen Augen glitzern zu sehen.

„War es aber nicht. Es ist alles gut. Mach dir keinen Kopf." versuchte ich ihn zu beruhigen und drückte seine Hand.

„Nein ist es nicht. Ich verspreche dir jedes Mal, dass so etwas nicht mehr passiert.. und jedes Mal geschieht es trotzdem.

Du musst dich von mir fernhalten, sonst verletzte ich dich." Seine Stimme brach bei den letzten Worten und er zitterte.

„Ich will mich aber nicht von dir fern halten. Du ahnst nicht, wie viel du mir bedeutest, ich kann mich nicht von dir fernhalten."

Wir waren schon fast in Peckelsheim, doch er fuhr augenblicklich rechts ran, schaltete den Motor ab und stieg aus dem Wagen.

Ich folgte ihm.

„Mach das nicht. Lauf jetzt bloß nicht vor mir weg!" rief ich ihm nach.

Jakob blieb stehen und ich ging auf ihn zu.

Als uns nur noch zwei Meter trennten spannten sich seine immer noch bebenden Arme an.

Ja, er zitterte. Aber noch nicht so stark, wie direkt vor der Verwandlung.

„Stopp."presste er zwischen den geschlossenen Lippen hervor, doch ich ignorierte seine Warnung, blieb direkt vor ihm stehen und schlang meine Arme um seinen Oberkörper.

Es dauerte keine Minute, dann beruhigte er sich und erwiderte meine Umarmung.

„Bitte verlang so etwas nicht von mir." flüsterte ich.

„Tu ich nicht. Dafür brauche ich dich viel zu sehr. Aber wir müssen noch vorsichtiger sein."

gab er zu.

Ich bewegte nur meinen Kopf, der an seiner Brust lag, auf und ab um ihm zuzustimmen.

„Wir müssen weiter." flüsterte er nach einiger Zeit und unterdrückte ein Gähnen.

Okey, er sollte definitiv kein Auto mehr fahren. Aber es waren vielleicht noch zwei Kilometer.

Also zog ich seinen völlig erschöpften Körper zurück zum Auto.

„Du weißt, dass ich dich niemals mit Absicht verletzen würde?" fragte er und startete den Motor.

„Ja ich weiß." sagte ich in einem sanften, beschwichtigendem Tonfall.

Dann schwiegen wir beide, bis wir vor meinem Haus angekommen waren.

Mit einem Stöhnen schaltete Jakob den Motor ab und brach mehr oder weniger über dem Lenkrad zusammen.

Sofort legte ich meine Hand um seinen Oberarm.

„Hey, komm bitte aus dem Auto raus. Du kannst dich sofort auf mein Sofa legen." sagte ich in einem sanften aber bestimmten Tonfall.

„Eigentlich müssten wir dringend noch reden." murmelte er und hob mühsam den Kopf.

„Nicht mehr heute. Komm schon." sagte ich und verließ das Auto.

Eigentlich wollte ich einmal um die Motorhaube herum zur Fahrerseite laufen, um ihn irgendwie aus dem Auto zu schaffen, aber das war nicht nötig.

Langsam stieg Jakob aus und wir gingen gemeinsam zur Haustür.

„Und du hast eben wirklich Leah angerufen?" fragte er vorwurfsvoll, während wir die Treppen zu meinem Zimmer hinauf stiegen.

„Ja. Sie müsste in einer halben Stunde hier sein. Ich gebe ihr dann den Schlüssel." gab ich mit einem siegessicheren Lächeln zurück.

Er nickte nur schlaff.

Wäre er in einer besseren Verfassung gewesen, hätte er niemals einfach kampflos aufgegeben.

In meinem Zimmer angekommen blieb er vor dem Sofa stehen und seufzte.

„Worauf wartest du?" fragte ich und stellte mich hinter ihn.

Mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf drehte er sich zu mir um.

Er hatte die Augen geschlossen.

„Ich muss noch mit dir reden." sagte er leise und er vergrub das Gesicht in den Händen.

„Jakob, was ist so wichtig, dass wir nicht morgen darüber reden können?"

So langsam machte er mir Angst.

„Die Tatsache, dass es so schnell kein Morgen geben wird." sagte er nach einer kurzen Pause und griff nach meinen Händen.

Fragend und schockiert sah ich ihn an.

„Wir brechen morgen früh auf. Für Längere Zeit. Wir müssen dem ganzen endlich ein Ende setzen."

brachte er langsam hervor. Er musste sich wirklich konzentrieren, um noch vernünftige Sätze artikulieren zu können.

Ich hatte den ganzen Abend immer wieder erfolgreich gegen meine Tränen angekämpft, doch jetzt rannen dafür umso mehr meine Wangen hinunter.

„Und das sagst du mir erst jetzt?" schluchzte ich.

„Ja. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte. Ich wollte noch einen perfekten Abend mit dir verbringen, damit du mich in guter Erinnerung behältst. Ich habe alles mal wieder total versaut.

Es tut mir leid." jetzt, wo ich auch noch heulend vor ihm stand wirkte er einfach nur verzweifelt und völlig überfordert mit der Situation.

Aber jetzt konnte ich das ganze Theater mit Essen gehen und Kino um jeden Preis wenigstens verstehen.

Warum ist mir der Gedanke, dass es ein Abschiedsessen sein sollte, nicht eher gekommen?

Hätte ich das gewusst..

Jetzt hatte ich die Wahl mich noch mit ihm zu streiten..oder zu versuchen die letzten Stunden in seiner Anwesenheit zu genießen.

Aber mit ihm zu diskutieren, oder auch nur zu reden, hatte sowieso keinen Zweck mehr.

Schließlich entschied ich mich für die letztere Option und drückte ihn sanft mit der rechten Hand aufs Sofa.

Alleine die Tatsache noch vor mir zu stehen musste ihn unglaublich viel Kraft kosten.

Ohne Widerstand gab er nach und ließ sich auf das Sofa fallen.

Dabei griff er nach meiner Hand, die seine Schulter berührt hatte und zog mich mit sich.

Sobald er lag zog er mich fest in seinen Arm.

Sein Gesicht war meinem so nah, dass seine Nase meine Wange berührte.

„Es wird alles gut." flüsterte er mit rauer Stimme, um mich zu beruhigen.

Doch alleine seine Umarmung trug dazu bei, dass es mir besser ging.

„Und so etwas wie beim letzten Mal wird nie wieder passieren. Wir behalten beide Blutsauger im Auge." versprach er mir.

Für einen kurzen Moment gestattete ich es mir mich in seinem Arm zu entspannen und kuschelte mich noch enger an ihn, worauf er zufrieden vor sich hin brummte.

Er war schon im Halbschlaf, schien sich meiner Anwesenheit trotzdem noch bewusst zu sein

Aber ich wusste, dass ich mich wieder von ihm lösen musste. Wir beide würden es sonst wahrscheinlich bereuen.

„Jakob das geht so nicht." flüsterte ich und rückte ein Stück von ihm weg.

„Es tut mir leid." murmelte er verschlafen ohne die Augen zu öffnen und nahm widerwillig seinen Arm von mir.

Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange, bevor ich von ihm wegrückte.

Das war's jetzt wohl also.

Jetzt war ich diejenige, die sich verzweifelt auf die Sofakante setzte und das Gesicht in den Händen vergrub.

Ich brauchte dringend frische Luft.

Also öffnete ich mein Fenster und setzte mich auf die Fensterbank.

Gedankenverloren und fröstelnd starrte ich in den von Wolken verhangenen Nachthimmel.

Plötzlich tauchte Leah im Licht der Straßenlaterne unter meinem Fenster auf.

Ich winkte ihr zu, schnappte mir Jakobs Autoschlüssel und lief so leise wie möglich zur Haustür.

Als ich sie öffnete, stand Leah direkt davor.

Sie sah wirklich gut aus, obwohl sie nur eine kurze Stoffshort und einen Sport- BH trug.

Ihre lockigen, schwarzen Haare waren länger, als bei unserem letzten Treffen.

„Na du." begrüßte sie mich und wir umarmten uns kurz.

„Ist alles okey?" fragte sie etwas besorgt, als sie mein Gesicht genauer betrachtete.

Na toll. Ich sah wahrscheinlich noch total verheult aus.

„Ja. Nur der Abend lief etwas anders als geplant." erklärte ich mit einem aufgesetzten Lächeln.

Leah hob nur die Augenbrauen und sah mich skeptisch an.

„Und er hat mir eben erst erzählt, dass ihr ab morgen auf unbestimmte Zeit von hier verschwindet." fügte ich als Erklärung für meine Erscheinung hinzu.

„Wir kommen schon wieder, um dir auf die Nerven zu gehen. Und Jakob wirst du sowieso nicht mehr los." sagte sie aufmunternd.

Ihre Worte hatten tatsächlich etwas tröstliches.

„Das will ich hoffen." erwiderte ich nun mit einem echten Lächeln und überreichte ihr den Autoschlüssel.

„Kannst du überhaupt fahren?" Ich hatte vorher gar nicht drüber nachgedacht, dass sie nur ein knappes Jahr älter war als ich.

„Können ja. Aber dürfen nicht." entgegnete sie lachend.

Bevor ich noch irgendetwas erwidern konnte, stieg sie schon ins Auto und startete den Motor.

Sie winkte mir noch einmal zum Abschied und fuhr dann davon.

Und ich? Was sollte ich jetzt machen?

Am Besten wohl auch einfach schlafen gehen.

Dann war dieser verwirrende Tag endlich vorbei.

Wieder in meinem Zimmer angelangt, spielte ich kurz mit dem Gedanken, mich zu ihm aufs Sofa zu legen.

Doch meine Vernunft, die mir eindeutig davon abriet, siegte.

In mir herrschte einfach nur das pure Gefühlschaos.

Ich hätte ihn anschreien und vor Wut auf ihn einschlagen können.

Ich wollte ihn aufwecken um mit ihm zu reden. Ich wollte mit ihm über alles sprechen. Doch anderseits wusste ich, dass ich ihn schlafen lassen musste. Ich durfte ihn nicht stören.

Er konnte nichts dafür. Für gar nichts.

Er versuchte alles in seiner Macht stehende, um mich glücklich zumachen und um mich in Sicherheit zu wissen. Immer.

Daran musste ich mich selbst immer wieder erinnern.

Doch es war der beruhigende, letzte Gedanke, bevor ich einschlief.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)