Lebensretter

vor 9 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 37 Juli 2013 Anika

Es war sau eng.

In unserem Zimmer standen drei uralte Hochbetten.

Und das war es auch schon. Mehr hätte in diesen winzigen Raum auch nicht rein gepasst.

Trotzdem waren wir alle guter Dinge.

Es war wundervolles Wetter, sodass wir uns erst einmal luftigere Klamotten anzogen.

Ich griff zu einer schwarzen Short und einem ganz gewöhnlichen, hellgrauen Top.

Anschließend erkundeten wir erst mal das gesamte Haus.

Leider waren wir bei diesem Freizeitangebot nicht die einzigen, aber zum Glück waren die meisten anderen Teilnehmer jünger als wir und interessierten uns daher nicht weiter.

Was uns dagegen sehr interessierte war der Strand.

Jedem von uns stand ein Fahrrad zur Verfügung.

Jetzt mussten wir nur noch herausfinden, wie wir dorthin kamen.

Während die anderen lachend und quietschend ihre Bikini's unterzogen, bekam ich ein ganz eigenartiges Gefühl.

Mein Magen drehte sich um.

Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.

Ich brauchte einen Moment um zu begreifen, warum ich mich plötzlich so fühlte.

Jakob.

Diese Erkenntnis schnürte mir die Kehle zu.

Aber dann beruhigte ich mich mit dem Gedanken, dass ich seine Anwesenheit deutlich spüren konnte.

Daraus ließ sich schließen, das er noch am Leben war.

Trotzdem. Ich musste ihn sehen.

„Leute,i ch glaube ich bleibe hier und lege mich ein bisschen hin. Irgendwie geht es mir nicht so gut." richtete ich das Wort an meine Freundinnen.

Und das war nicht mal gelogen.

Die Sorge und die Ungewissheit verursachten tatsächlich das Gefühl von Übelkeit.

„Oh schade." sagten Nele und Lisa gleichzeitig und zogen einen Flunsch.

„Bist du dir sicher?" fragte Ann-Kathrin.

„Ja. Aber euch viel Spaß." erwiderte ich mit einem aufgesetzten Lächeln.

„Du bist wirklich auf einmal ziemlich blass um die Nase." stellte Marie mit einem Stirnrunzeln fest.

„Wir können auch bei dir bleiben." schlug Lea mitfühlend vor.

Bloß nicht. Grade wollte ich sie einfach nur loswerden.

„Quatsch, das braucht ihr nicht." lehnte ich ihr Angebot dankend ab und legte mich in mein Bett.

Zum Glück hatte sich Marie freiwillig bereit erklärt, im oberen Bett zu schlafen.

Während die andern ihre Sachen für den Strand packten, wuchs meine Ungeduld mit jeder Sekunde.

„Bis später." verabschiedeten sie sich dann eine gefühlte Ewigkeit später.

„Viel Spaß." erwiderte ich abermals und blieb trotz meiner innerlichen Unruhe bewegungslos liegen.

Erst als die Mädels mit ihren Fahrrädern aus meinem Blickfeld verschwunden waren, sprang ich auf.

So unauffällig wie möglich verließ ich das Gebäude und lief in die Richtung, in der ich ihn vermutete.

Nachdem ich das Gebäude fast einmal umrundet hatte, sah ich ihn an einer alten, roten Backsteinmauer lehnen.

Sofort durchfuhr mich das Gefühl der Erleichterung, doch meine Schritte beschleunigten sich automatisch.

Auch als ich nur noch wenige Meter von ihm entfernt war, schien er mich nicht zu registrieren.

Bekleidet war er wie erwartet nur mit einer kurzen Hose. Doch als mein Blick hinauf zu seinem Oberkörper wanderte, erschrak ich.

Sein ganzer Arm war blutig und die Wunde daran sah bereits infiziert aus.

Als meine Augen bei deinem Gesicht angekommen waren, konnte ich kalte Schweißperlen auf seiner Stirn erkennen.

Was zur Hölle war mit ihm passiert.

Zudem waren seine Augen geschlossen. Schlief er tatsächlich im Stehen?

Bei seinem Anblick zog sich mein Magen zusammen und Tränen stiegen mir in die Augen.

„Jakob?" flüsterte ich nahezu tonlos, doch sofort öffnete er die Augen und sah mich aus gläsernen Augen an.

„Oh Gott." entfuhr es mir und ich ging auf ihn zu.

„Hey."sagte er mit schwacher Stimme und versuchte zu lächeln.

„Was ist passiert?"fragte ich leise.

„Victoria. Sie hat meinen Arm mit irgendeiner verseuchten Klinge aufgeschlitzt."

erklärte er müde.

„Vorsichtig griff ich nach seinem Arm, um mir die Schnittwunde anzusehen.

„Aha!"schrie er sofort und zuckte zurück.

Was war das denn? Ich hatte ihn kaum berührt. So schmerzempfindlich war er sonst nie.

„Es..es tut mir leid." stammelte ich vor mich hin.

Ich hatte ihm nicht weh tun wollen. Auf keinen Fall.

Und ich hatte nicht mit dieser Reaktion gerechnet.

Er schien wirklich starke Schmerzen zu haben.

„Es heilt nicht." jammerte er vor sich hin. Angst lag in seinen Augen.

Jetzt starrte ich ihn einfach nur noch an.

Ich war wie erstarrt.

Irgendwann streckte er seine linke Hand nach einem Gesicht aus und wischte mir sanft mit dem Daumen eine Träne aus dem Gesicht.

Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass ich weinte.

„Jake,du musst dich ausruhen und wir müssen deine Wunde sauber machen. Sie hat sich bereits entzündet." versuchte ich auf ihn einzuwirken.

Doch er schüttelte nur mit geschlossenen Augen den Kopf.

„Bitte."flehte ich ihn an.

Seine Augen brauchten erstaunlich lange, um die meinen zu finden.

Obwohl ich ihn eigentlich nicht mehr berühren wollte, aus Angst vor seinerReaktion, legte ich nun doch meine Hand an seine Stirn.

Er war nicht mehr nur angenehm warm. Er glühte förmlich.

„Du hast Fieber." stellte ich besorgt fest.

„Mir geht's gut." versuchte er mich zu beruhigen, doch sein Körper sagte mir etwas ganz anderes.

„Lüg mich nicht an." meine Stimme begann zu zittern. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.

Auch er schien hin und her gerissen zu sein. Und völlig überfordert.

Schließlich wanderte sein Blick zu dem kleinen Waldstückchen.

Ich verstand ihn auch ohne Worte. Hier konnte uns jeder sehen.

Ohne ihn zu berühren, trat ich neben ihn.

„Komm.Ich helfe dir." bot ich an.

Mit einem schwachen Nicken legte er seinen linken Arm um meine Schulter und ich schleppte ihn mit mir in das Wäldchen.

Schon nach wenigen Metern kamen wir an eine winzige Lichtung.

„Leg dich hin." forderte ich ihn auf.

„Das geht nicht. Ich muss auf dich aufpassen. Wenn ich schlafe bekomme ich nichts mehr mit." murmelte er vor sich hin.

„So kannst du ganz sicher nicht auf mich aufpassen!" meine Stimme war lauter als beabsichtigt, doch er war total am Ende. Er konnte sich kaum noch alleine auf den Beinen halten.

Doch meine Worte schienen ihn verletzt zu haben.

„ Bitte. Ich bleibe hier. Bei dir." sagte ich mit sanfter Stimme.

„Versprochen?"er wirkte wie benebelt, doch das lag vermutlich am Fieber.

„Versprochen."erwiderte ich und ließ mich auf das grüne Gras sinken.

Tatsächlich ließ er sich direkt neben mir auf die Knie fallen.

„Ich will dir nicht weh tun." brachte er plötzlich heraus und suchte meinen Blick.

„Wirst du nicht." widersprach ich ihm sofort.

„Ich weiß nicht, was gerade mit mir passiert." seine Stimme drohte zubrechen.

„Du musst erst mal schlafen, damit dein Körper sich erholen kann. Leg dich hin." drängte ich ihn.

Endlich hörte er auf mich und legte sich mit geschlossenen Augen auf die Wiese.

Dann öffnete er sie noch einmal.

„Bitte gib mir deine Hand." flüsterte er.

Zögerlich legte ich meine rechte in seine ausgestreckte linke Hand.

„Aber warum..?" setzte ich an.

„Damit ich weiß, dass du in Sicherheit und noch bei mir bist." erklärte er und sah mir abermals in die Augen.

Ich nickte nur. Ich musste ihm einfach vertrauen.

„Gib mir zwei Stunden..dann weck mich auf... aber pass auf dich auf...ich weiß nicht.."

Er schaffte es nicht mehr einen vollständigen, schlüssigen Satz zu bilden.

Doch ich wusste genau, woran er mich erinnern wollte.

„Es ist alles gut. Wir schaffen das." versuchte ich ihn zu beruhigen,

Und tatsächlich. Er stöhnte noch einmal kurz auf, dann wurden seine unregelmäßigen, verkrampften Atemzüge ruhiger und er schloss die Augen.

Minutenlang sah ich ihn einfach nur an.

Noch immer standen Schweißperlen auf seiner Stirn.

Obwohl er schlief, waren seine Gesichtsmuskeln angespannt.

Was hatte sie nur mit ihm gemacht?

Seine Hand war erschreckend heiß.

Erneut drehte sich mir der Magen um. Vor Angst.

Trotzdem zwang ich mich, nicht zu weinen.

Er sollte meine Verzweiflung nicht spüren.

Ich wollte ihn jetzt auf keinen Fall wecken.

Doch ich war so verzweifelt.

Würde er überhaupt wieder aufwachen?

Was wäre, wenn sich sein Zustand weiter verschlechtern würde?

Wenn er tatsächlich nicht heilte?

Ich konnte nichts tun.

Im Stillen betete ich, dass es ihm besser gehen würde, doch die Sorge blieb.

Ich wollte ihm noch so viele Dinge sagen, die meine Lippen eigentlich niemals verlassen dürften.

Ich selbst musste es mir längst eingestehen.

„Jake, ich liebe dich." flüsterte ich, wohl wissend, dass er nicht mitbekam, was ich sagte.

Aber es musste raus.

Ich konnte es nicht noch länger mit mir herum schleppen.

Und vielleicht hatte ich keine Gelegenheit mehr, um es ihm zu sagen.

Ich war mir sicher, seit dem ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte.

Und jede einzelne Minute mit ihm verstärkte dieses Gefühl um so mehr.

Er gab mir alles, was ich brauchte. Alles, um glücklich zu sein.

Und es war gut, dass er diese drei Worte nicht hörte.

Es würde alles nur noch komplizierter machen, als es sowieso schon war.

Aber ich durfte ihn unter keinen Umständen verlieren.

„Bitte.Du musst wieder gesund werden." flehte ich ihn an.

Doch er regte sich nicht. Nur seine Augenlieder zuckten von Zeit zu Zeit.

Die gesamte erste Stunde ließ ich ihn nicht aus den Augen.

Nicht eine Sekunde.

Irgendwann hatte ich den Eindruck, dass er sich entspannte.

Der kalte Schweiß verschwand nach und nach.

Endlich sah sein Gesicht ruhig und friedlich aus.

Der gequälte Ausdruck war verschwunden.

Er schien sich etwas besser zu fühlen.

Ich atmete auf und ließ mich langsam neben ihn auf die Wiese sinken.

Erst jetzt wurde mir klar, dass er mir heute schon wieder einmal mein Leben gerettet hatte.

Und ich war ihm so unglaublich dankbar.

Und ich war so unglaublich stolz auf ihn.

Auch wenn ich es mir nicht eingestehen konnte und es zeitweise auch nicht danach aussah.

Er war das Beste, was mir je passiert war.

Je länger ich über diese gemeinsame Zeit nachdachte, desto glücklicher wurde ich.

Selbst in diesem Moment.

Eben war ich noch verzweifelt gewesen, doch jetzt, wo ich den Eindruck hatte, dass es ihm besser ging, breitete sich ein ein wohlig warmes Gefühl in mir aus.

Mein Bauch begann zu kribbeln und ich fühlte, wie mir die Röte in die Wangen stieg.

Ein leichtes Lächeln lag auf meinen Lippen und ich beobachtete abwechselnd Jakob oder die an uns vorbei ziehenden Wolken.

Irgendwann stellte ich fest, dass sie Sonne unterging und blickte auf die Uhr.

Die zwei Stunden, um die er mich gebeten hatte, waren längst vorüber.

Aber was sollte ich jetzt machen?

Auch wenn es mir gegen den Strich ging: Ich musste zurück zu den anderen. Und ich musste ihn irgendwie wach bekommen.

Zuerst setzte ich mich auf, doch da er immer noch meine Hand hielt, konnte ich nicht weiter von ihm abrücken.

Ich atmete noch einmal tief durch und machte mich auf das Schlimmste gefasst.

Vorsichtig legte ich meine freie Hand auf seinen gesunden Unterarm.

Wie erwartet knurrte er leise vor sich hin.

„Jakob bitte." versuchte ich ihn mit sanfter aber klarer Stimme auf mich aufmerksam zu machen.

Zu meiner Freude verstummte er, doch verzog dann gleich wieder das Gesicht und stöhnte.

Er hatte also immer noch starke Schmerzen.

Immerhin fühlte er sich nicht mehr ganz so heiß an, wie zwei Stunden zuvor.

„Hey." flüsterte ich, weil ich noch nicht sicher war, ob er wirklich schon wach war.

Seine Lieder, die er zuvor zusammen gepresst hatte, flatterten.

Dann schlug er die Augen auf und sah mich an.

Immerhin fand sein Blick sofort den meinen. Der Fieberwahn schien vorüber zu sein.

„Hey."erwiderte er matt. Sein Lächeln erreichte seine Augen nicht.

„Ich hatte solche Angst, dass du nicht mehr aufwachst." sprudelte es plötzlich unter Tränen aus mir heraus.

„Oh Gott. Nein, Nein, nein, nein, nein, nein." Wehmut lag in seiner Stimme.

Er ließ meine Hand los, um sich aufzusetzen.

Aber nur, um direkt im Anschluss wieder danach zu greifen und um mich an sich zu ziehen.

Dankbar lehnte ich meinen Kopf an seine Brust, schluchzte aber immer noch leise vor mich hin.

„Schhht" versuchte er mich zu beruhigen, doch das hatte er bereits geschafft.

Dadurch, dass er mit mir sprach. Dadurch, dass er mich berührte.

Nur mein Körper hatte das noch nicht so ganz verstanden.

„So schnell wirst du mich nicht los. Ich lasse dich nicht alleine."diese Worte sollten mich aufmuntern, doch ich wusste: Sie waren ein Versprechen.

„Wie geht es dir?" fragte ich nach einigen Minuten.

„Besser."war die einzige Antwort, die ich bekam.

„Darf ich mir deinen Arm ansehen?" Diesmal fragte ich lieber, bevor ich ihn einfach berührte.

Er nickte nur und presste die Lippen aufeinander.

Ich stand auf und ging auf seine andere Seite, während er gleichzeitig kraftlos und trotzdem angespannt auf der Wiese sitzen blieb.

„Ich will dir nicht wehtun." flüsterte ich bevor ich sanft meine Hand an seinen verletzten Arm legte.

Er zuckte sofort zurück und stöhnte auf, obwohl ich die Wunde nicht einmal berührte.

„Tut das weh?" fragte ich ungläubig und schockiert zugleich.

„Ja. Der ganze Arm brennt wie Feuer." presste er hervor.

„Es tut mir leid." hauchte ich abermals, bevor ich mir seinen Arm genauer ansah.

Der Schnitt hatte sich bereits entzündet und war nicht einen Millimeter geheilt.

Auch die Haut um die Wunde herum hatte sich dunkelrot verfärbt.

„Jakob wir müssen das dringend sauber machen und desinfizieren."

„Ach quatsch." protestierte er.

„Die Wunde hat sich infiziert." teilte ich ihm mit, um ihn zu überzeugen.

„Das kann doch gar nicht sein.." sagte er eher zu sich selbst, als zu mir.

„Jakob was hat sie mit dir gemacht?" Ich konnte die Frage nicht länger zurück halten.

„Ich bin mir nicht sicher." verwirrt schüttelte er den Kopf, doch ich wartete darauf, dass er weiter sprach.

„ Fü rmich hat das Messer entsetzlich gestunken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Wolfswurz an der Klinge war. Das würde auch erklären warum die Wunde nicht heilt."

„Wolfswurz?"harkte ich nach.

„Ein uraltes Kraut. Es wirkt wie ein Gift bei Wölfen. Es schwächt uns enorm und verhindert, dass wir heilen.

Mein Körper hat versucht dagegen anzukämpfen, deshalb wohl das Fieber.."überlegte er laut.

„Was passiert jetzt mit dir?" Die Panik in meiner Stimme war nicht zu überhören.

„Das wird schon alles wieder."sagte er zuversichtlich und legte seine Hand an meine Wange.

„Jakob, was wird passieren?" wiederholte ich meine Frage diesmal mit mehr Nachdruck.

Zuerst zuckte er nur mit den Schultern.

„Das Fieber müsste bis morgen weg sein, vorausgesetzt die Infektion wird nicht schlimmer.

Dann sollte die Wunde langsam Anfangen zu heilen." erklärte er.

Irgendwie glaubte ich ja nicht daran, dass es so einfach werden würde, aber das wollte ich ihm jetzt nicht unter die Nase reiben.

„Komm. Alle anderen sind am Strand. Du kannst duschen und danach desinfizieren wir den Schnitt." beschloss ich und stand auf.

Auffordernd hielt ich ihm meine Hand hin, um ihm beim Aufstehen zu helfen.

Er kämpfte innerlich mit sich. Doch dann ergriff er doch meine Hand und erhob sich schwerfällig.

„Es ist niemand hier, oder?" fragte ich ihn noch einmal um sicher zugehen, bevor wir das Gebäude betraten.

Er versuchte sich kurz zu konzentrieren und nickte nur schwach.

Und schon schleifte ich ihn zu den Duschen, wo ich ihn kurz abstellte um ein Handtuch und Shampoo zu holen.

Er würde wohl oder übel mit meinen Sachen vorlieb nehmen müssen.

Als ich zurück kam, lehnte er erneut mit geschlossenen Augen an der Wand, öffnete sie jedoch sobald er meine Schritte wahrnahm.

Prüfend legte ich meine Hand an seine Stirn.

Er glühte nicht mehr so sehr, wie am Nachmittag, doch fühlte sich immer noch wärmer an als sonst.

„Es geht mir gut." antwortete er fast schon genervt.

Ohne ein weiteres Wort schob ich ihn in Richtung Dusche und schloss die Tür hinter ihm.

Ichwartete noch kurz ab, bis ich das Wasser der Dusche laufen hörte.

Dann machte ich mich auf die Suche nach etwas, um die Wunde zu desinfizieren.

Tatsächlich. Im Aufenthaltsraum entdeckte ich den Erste-Hilfeschrank, indem sich neben Verbandszeug auch noch Desinfektionsspray befand.

Mit meiner Ausbeute wartete ich auf dem Mauervorsprung vor dem Waschraum.

Nur wenige Minuten später öffnete sich auch schon die Tür.

Ohne mir in die Augen zu sehen oder auch nur eine Miene zu verziehen, setzte er sich neben mich.

Es ging ihm immer noch schlecht, das war nicht zu übersehen.

Ich konnte nicht näher an ihn heran rücken. Sein verletzter Arm, der immer noch kein bisschen besser aussah, befand sich zwischen uns.

„Schau mal, was ich gefunden habe!" unterbrach ich die Stille und zeigte ihm das Verbandsmaterial und das Desinfektionszeug.

„Den Verband werden wir nicht brauchen. Ich verwandle mich gleich wieder."murmelte ohne den Blick zu heben.

Das hielt ich für keine gute Idee, aber ich wollte nicht mit ihm streiten.

„Aber das hier?" fragte ich und hielt das Spray hoch.

Er nickte nur.

„Aber das wird weh tun." warnte ich ihn mit leiser Stimme.

„Nun mach schon." knurrte er vor sich hin.

Seine Nerven waren am Ende.

Ich hatte Verständnis dafür. Wirklich.

Aber ein wenig verletzte es mich, dass er so mit mir sprach.

Ohne weiter darauf einzugehen schüttelte ich das Fläschchen und streckte die Hand nach seinem Arm aus.

Wieder zuckte er zurück, sodass ich sie wieder sinken ließ.

Also sprühte ich ohne weitere Vorwarnung drauf los.

Er stöhnte auf und begann zu zittern.

So stark, dass ich sofort aufhörte seinen Arm zu versorgen.

„Weiter." presste er zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor und ich gehorchte.

Ich hasste es, ihm weh zu tun. Aber es musste sein.

Sobald ich die Flasche abgesetzt hatte sprang er auf und lief nach draußen.

Erst jetzt bemerkte ich, dass auch meine Hände leicht zitterten.

Aber warum? Weil ich fühlte, dass es ihm schlecht ging? Weil ich ihm wehgetan hatte? Oder weil ich in solchen Momenten mehr Angst vor ihm hatte, als ich jemals zugeben würde?

Vermutlich von allem ein bisschen.

Trotzdem stand ich auf und lief ihm hinterher.

Tatsächlich war er nur bis zum Waldrand gekommen.

Wütend sah er mich an.

„Soll ich gehen?" flüsterte ich, doch ich wusste genau, dass er jede Silbe verstanden hatte.

Für eine Sekunde schloss er die Augen.

Als er sie wieder öffnete war sein Blick weich und liebevoll.

Auch er konnte genau spüren, was in mir vorging.

„Nein. Es tut mir leid. Ich weiß auch nicht was mit mir los ist." gab er kleinlaut zu und schüttelte den Kopf.

„Ist schon okey." erwiderte ich und ging zu ihm herüber.

„Ist es nicht." sagte er mit fester Stimme.

„Was hast du jetzt vor?" fragte ich anstatt auf seine Worte einzugehen."

Zuerst zuckte er nur mit den Schultern.

„Ich bleibe hier und passe auf dich auf." sagte er mit einem leichten Lächeln.

„Du willst auch hier schlafen?" fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue und deutete auf das Wäldchen.

„Nein."antwortete er mir nur.

„Wie nein?" Jetzt hatte er mich wirklich verwirrt.

„Nein..weil ich nicht schlafen werde." erklärte er.

„Jakob. Nein. Du musst dich ausruhen. Ich kann Alice anrufen.."

Jetzt war er derjenige, der mich unterbrach.

„Auf keinen Fall. Tu mir das nicht an. Ich schaff das. Bitte vertrau mir."Er hatte Mühe, sich unter Kontrolle zu behalten. So dermaßen ging es ihm gegen den Strich, dass er von einem Vampir Hilfe annehmen sollte. Lächerlich.

„Du willst jetzt die nächsten zehn Tage also kein Auge mehr zu machen?"provozierte ich Jakob weiter um ihm begreiflich zu machen, wie lächerlich sein Verhalten war.

Tatsächlich wusste er darauf keine vernünftige Antwort.

„Wenn es sein muss." flüsterte er schließlich.

„Jake das ist unmöglich. Selbst wenn du gesund wärst." versuchte ich auf ihn einzuwirken.

„Du unterschätzt mich." Seine Stimme klang vorwurfsvoll. Hatte ich jetzt etwa sein Ego verletzt?

So würden wir definitiv nicht weiter kommen.

„Ich lass dich nicht eine Sekunde aus den Augen." sagte er im sanftenTon, um die Situation zu entschärfen.

In meinem Kopf, hatte ich längst einen Plan. Doch es war definitiv kein guter.

Anderseits hatte ich ihn eben auch geweckt. Und er ist nicht vollkommen ausgerastet.

„Dann schlaf bei mir." sprach ich meine Idee nach langem Überlegen aus.

Ja, das Risiko war sehr hoch, gemeinsam mit ihm in einem neunzig Zentimeter breitem Bett zu schlafen. Noch dazu, dass keine meiner Freundinnen, die sich im gleichen Raum befanden, irgendetwas davon mitbekamen.

Wenn es schief ging, könnte er nicht nur mich verletzten.. und sein Geheimnis wäre hinfällig.

„Du weißt, dass das nicht geht." sagte er niedergeschlagen.

„Eben hat es auch funktioniert." erinnerte ich ihn.

Darauf wusste er nichts zu erwidern.

„Jakob, für den Fall, dass Victoria in der Nähe ist und du da draußen einschlafen solltest, werden wir vermutlich alle hier streben.

Wenn du neben mir schläfst.." meine Stimme brach ab. Tränen standen in meinen Augen.

Sofort zog er mich an seine Brust.

Erst jetzt merkte ich, wie viel Angst ich hatte, dass der von mir beschriebene Fall eintreten würde.

Dass sie uns alle töten würde.

„Okey."willigte er ein.

„Dir und deinen Freundinnen wird nichts passieren." versprach er.

Eine Zeit lang standen wir einfach nur so da.

„Hältst du durch, bis wir ins Bett gehen und die andern alle schlafen?" fragte ich ihn.

Anstatt einer Antwort spürte ich nur, wie er gespielt fassungslos den Kopf schüttelte, doch ich ignorierte es einfach.

„Aber ich muss wieder gehen, bevor ihr alle aufwacht." stellte er fest.

„Ja. Ich stelle mir eine Wecker vor Sonnenaufgang. Natürlich über Kopfhörer, damit die anderen nicht aufwachen." erklärte ich.

„Oh man. Ich versaue dir deinen ganzen Urlaub." sagte er frustriert.

Ich entfernte mich ein Stück von ihm, um sein Gesicht sehen zu können.

„Sag mal ist das grade dein Ernst? Du hast mir wieder einmal das Leben gerettet. Und du meinst, du versaust mir den Urlaub? Ohne dich wäre ich schon vor zwei Jahren gestorben.

Und seitdem versaue ich dir dein Leben." klärte ich ihn auf.

„Du versaust mir nicht ein Leben. Bevor ich dich kannte, hatte das alles für mich keinen Sinn." flüsterte er und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

Seine Lippen berührten meine Haut länger als gewohnt.

Sofort begannen die Schmetterlinge in meinem Bauch zu flattern.

Meine Wut, meine Angst.. Alles war auf einmal wie verflogen und dem wohligen Gefühl von Wärme und Euphorie gewichen.

Gleichzeitig spürte ich, wie mir die Röte in die Wangen stieg.

Unendlich langsam und doch viel zu schnell löste er sich von mir.

„Bis später!" hauchte er in mein Ohr, bevor er sich zum Gehen umwandte und zwischen den Bäumen verschwand.

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chenupet 30. Nov 2019

Hallo Akina,

das waren wieder spannende Kapitel.
Ich hoffe Du schreibst weiter und meldest Dich bei einer anderen Plattform an.
Fände es sehr schade, wenn diese tolle Geschichte für immer verschwinden würde.
Wünsche Dir ein schönes Wochenende.

LG Chenupet

chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....