Lebensretter

vor 3 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 42 Juli 2013 Anika

Das Wetter war einfach wunderbar.

Wir hatten bereits den gesamten Nachmittag am Strand verbracht und grillten in der Sonne.

Doch meine Gedanken kreisten die gesamte Zeit nur um ein Thema: Jakob.

Ich war innerlich zerrissen.

Ich wusste was ich wollte. Und ich wusste, dass es nicht funktionieren konnte.

Und je mehr ich darüber nachdachte, desto verwirrter wurde ich.

Und desto mehr realisierte ich, was ich eigentlich wollte.

Doch so schnell wie er gekommen war, verbannte ich diesen Gedanken auch wieder.

Ich zwang mich selbst zur Vernunft.

Und eigentlich war das nichts neues für mich.

Bevor Jakob mitsamt den andren übernatürlichen Wesen in mein Leben getreten ist, war ich der vernünftigste Mensch, den man sich nur vorstellen konnte.

Ich ging lieber auf Nummer sicher. Bloß kein Risiko.

Ich plante lieber drei Monate ins vorne. Spontanität war ein Fremdwort.

Ich hatte meine Freunde und war ihnen gegenüber loyal. Neue Bekanntschaften brauchte und wollte ich nicht.

Nicht nur in der Schule, sondern auch privat war ich immer pünktlich, ordentlich und zuverlässig.

Rückblickend war es fast schon langweilig.

Aber Jakob hatte mein Leben vollkommen auf den Kopf gestellt.

„Kommt wir gehen schwimmen!" verkündete ich schließlich, weil ich es nicht mehr länger aushielt nur herum zu liegen und meinen Gedanken nachzuhängen.

Das führte sowieso zu nichts.

Ich musste mich bewegen um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Nele und Lisa waren sofort dabei. Lea, Marie und Ann-Kathrin behaupteten, dass sie nachkommen würden.

Also machen wir uns zu dritt auf den Weg zum Wasser.

Die Wellen waren gigantisch.

Lisa stürzte sich als erste quietschend in das kühle Nass.

Nele und ich sahen uns erst an und verdrehten die Augen über ihr Theater, doch dann schlossen wir uns an.

„Quallen!"rief Nele plötzlich, sodass sich zumindest die Hysterie von Nele und Lisa noch verstärkte.

Keine Zehn Minuten später hatten wir mit unserem Geschrei auch unsere anderen drei Freundinnen angelockt.

Jetzt reihten wir uns hintereinander ein und hüpften kreischend durch die hohen Wellen, die uns regelmäßig ins Gesicht schlugen.

Alle anderen Strandbesucher mussten uns für völlig geistesgestört halten.

Und Jakob auch. Selbst wenn er so weit weg war, dass ich ihn nicht spüren konnte, wusste ich dennoch, dass er uns aus sicherer Entfernung beobachtete.

Ich hatte keine Ahnung, wie lange wir im Wasser herumtobten, doch irgendwann wurde es in Kombination mit dem Nordseewind ein wenig kühl.

Die Sonne verlor langsam ihre Kraft und der Tag neigte sich dem Ende.

Zurück bei unsern Sachen angekommen, öffnete ich meine Tasche um mein Handtuch hervor zu holen.

Sofort kam mir ein kleiner, abgerissener Zettel entgegnen.

„Wir machen heute Abend noch einen kleinen Ausflug! Ich freue mich auf dich." stand dort in Jakob's Handschrift.

Sofort schummelte sich wieder dieses dämliche Grinsen auf mein Gesicht, doch ich konnte es nicht verhindern.

Was hatte er wohl mit mir vor?

„Was ist denn mit dir los?" fragte Lea skeptisch und zog eine Augenbraue hoch.

„Nichts. Ich freue mich nur, dass wir alle zusammen hier sind." log ich.

Sie glaubte mir kein Wort.

„Los. Jetzt erzähl schon!" drängte sie und ich wurde knallrot.

„Aely jetzt lass sie doch. Wenn sie bereit ist uns etwas zu erzählen, wird sie das schon tun." mischte sich Nele ein, doch auch alle anderen sahen mich neugierig an.

Doch Nele hatte mich gerettet. Zumindest fürs Erste.

Aber selbst wenn es da etwas zu erzählen gäbe.. Ich könnte mitniemandem darüber reden.

Höchstens mit Alice oder Leah.

Und die eine war ein Vampir, der sowieso kein gutes Haar an Jakob lassen würde und die andere ein Werwolf, die gedanklich mit ihm verbunden war.

Also fielen auch diese Optionen flach.

Am Abend wurden noch mit allen Teilnehmern der Fahrt relativ dämliche Spielchen gespielt.

Das Ganze war eine Mischung aus Activity, Tabu und Twister.

Jeder musste mindestens eine Aufgabe erledigen.

Bei meinem Glück erwischte mich genau das, was ich überhaupt nicht konnte: Malen.

Verzweifelt versuchte ich meine Vorstellung einer Dünenlandschaft zu verbildlichen, damit meine Gruppe sie erraten konnte.

Doch irgendwann ging auch dieser Abend, der sich zog wie Kaugummi, vorbei.

Ich saß in unserem kleinen Sechserzimmer auf dem Bett und wartete ab,bis die andern sich nach und nach bettfertig gemacht hatten.

Meine Ungeduld wuchs von Minute zu Minute.

Um halb zwölf lagen sie endlich in ihren Betten und auch ich machte mich auf den Weg in den Waschraum.

Allerdings nicht um mir meine Schlafsachen anzuziehen.

Stattdessen schlüpfte ich in ein schwarz-orgnge geblümtes Top mit Spagettiträgern und eine Jeansshort.

Noch nicht ganz zufrieden mit meinem Anblick tuschte ich mir noch die Wimpern und kämmte mir die braunen Haare glatt.

Geduscht hatte ich zum Glück schon vor diesem lächerlichen Spieleabend.

Als ich wieder vor unserer Zimmertür stand, war das Licht im Inneren des Raumes bereits aus.

Perfekt.

So leise wie möglich betrat ich das Zimmer und legte mich komplett bekleidet und gestylt ins Bett.

Es viel mir unbeschreiblich schwer, einfach nur ruhig liegen zu bleiben, bis meine Freundinnen eingeschlafen waren.

Meine Vorfreude steigerte sich ins unermessliche.

Doch ich ermahnte mich selbst, nicht zu hohe Erwartungen zu haben.

Vielleicht ging es ihm wieder schlechter, oder er hatte es sich einfach anders überlegt.

Nach wenigen Minuten stand ich wieder auf und verließ das Gebäude.

Jakob erwartete mich bereits und lächelte mich an.

Jedes Mal brachte mich sein Erscheinungsbild für einen kurzen Moment aus der Fassung.

Besonders wenn er außer seiner Short nichts am Körper trug.

Freudig lief ich auf ihn zu, ohne meinen Blick von seinem muskulösen Oberkörper abzuwenden.

Als ich direkt vor ihm stand, sah er mir tief in die Augen.

Ohne es zu merken, trat ich immer näher an ihn heran und er umfasste meine Taille.

„Du siehst super aus." sagte er lächelnd.

Seine Augen strahlten mit meinen um die Wette.

„Du auch." gab ich als Antwort.

„Was hast du mit mir vor?" fragte ich neugierig und warf beiläufig einen Blick auf seinen Arm.

Die Wunde hatte sich geschlossen, doch noch relativ frische Kratzspuren waren auf seiner Haut sichtbar.

„Wir erkunden die Insel." sagte er grinsend, doch im Mondlicht entgingen mir die tiefen Furchen unter seinen Augen nicht.

„Jakob.. wir müssen nicht.."

„Ich will aber. Bitte lass es mich wieder gut machen." fiel er mir ins Wort und nahm meine Hand.

„Du musst nichts wieder gut machen." erwiderte ich mit Nachdruck in der Stimme. Doch er überging meine Äußerung einfach.

„Das, was gestern passiert ist, tut mir unendlich leid. Das hätte nicht passieren dürfen." Seine Stimme war leise und brüchig.

Es war nicht zu übersehen, dass die Schulgefühle ihn völlig fertig machten.

Er hatte Recht. Es hätte nicht passieren dürfen.

Aber er hatte genug mit sich selbst zu kämpfen. Ich würde ihm wegen dem unsanften Schubs keine Vorwürfe machen.

„Schon vergessen." erwiderte ich lächelnd, woraufhin sich auch seine Miene erhellte.

„Warte kurz hier."befahl er grinsend und verschwand in der Dunkelheit.

Und schon trat er als Wolf wieder aus dem Schutz der Bäume hervor.

Jetzt hatte ich eine Ahnung, wie unsere Inseltour aussehen sollte und ich freute mich wie ein kleines Kind, was ihm nicht entging.

Aus seiner Kehle drang wieder dieses hustende Geräusch, was ich mittlerweile eindeutig als Lachen identifizieren konnte.

Bei mir angekommen legte er sich neben mich und warf mir einen auffordernden Blick zu.

Mittlerweile wusste ich genau, was er von mir wollte und kletterte ohne zu zögern auf seinen Rücken.

Ohne jegliche Vorwarnung ging es los.

Die Bäume rauschten nur so an uns vorbei.

Das war noch viel cooler, als mit einem Pferd über ein Stoppelfeld zu brettern.

Nur, dass ich keinerlei Kontrolle hatte, wohin er mich trug.

Doch eigentlich war es mir auch völlig egal.

Von mir aus hätten wir Ewigkeiten einfach nur durch die Wälder und Wiesen der Insel rennen können.

Doch plötzlich blieb er stehen und ich begriff, wo wir uns befanden.

Wir standen direkt vor dem Leuchtturm, den wir tagsüber bereits besucht hatten.

Doch jetzt, mitten in der Nacht waren hier keine Menschen.

Das Licht, welches aufs Meer hinaus strahlte, war das einzige, was sich bewegte.

Langsam glitt ich von Jakobs Rücken.

Ich starrte weiter den Leuchtrum an, während Jakob hinter mir wieder seine menschliche Gestalt annahm.

„Im Dunkeln ist es da oben noch viel schöner." raunte er in mein Ohr.

„Wir gehen da hoch? Jetzt?" fragte ich ungläubig.

„Na klar. Komm." er nahm meine Hand und zog mich einfach mit sich.

Doch wir kamen nicht all zu weit. Der Eingang war abgeschlossen.

„Das unterste Fenster ist unverschlossen." verkündete er, als er meine skeptische Miene sah.

„Das kannst du vergessen." platzte ich heraus als ich seine Gedanken erraten konnte.

Das Fenster war zwar das unterste, befand sich aber trotzdem in zehn Metern Höhe.

„Vertraust du mir etwa nicht?" versuchte er mich aus der Reserve zu locken.

Diese Frage konnte ich einfach nicht verneinen, also ergab ich mich meinem Schicksal.

Zufrieden ging er leicht in die Knie, damit ich leichter auf seinen Rücken springen konnte.

Dann saß ich also Huckepack auf seinem Rücken und schlang die Arme um seinen Hals.

Seiner Reaktion nach zu urteilen, schien es ihm zu gefallen.

Vielleicht etwas zu sehr.

„Dein Herz springt dir ja gleich aus der Brust." bemerkte er belustigt.

„Jetzt mach schon." maulte ich, worauf hin er grinsend den Kopf schüttelte und Anlauf nahm.

Schneller, als ich überhaupt reagieren konnte, hockte er schon in dem breiten Rahmen des Fensters und öffnete es durch leichten Druck.

Ich klammerte mich immer noch an ihn. Und zwar so fest ich konnte.

Wenn ich losließe, würde ich in die Tiefe fallen, wie ein Stein.

„Du weißt, das ich dich niemals fallen lassen würde?" fragte er amüsiert.

In manchen Momenten kam es mir vor, als könnte er meine Gedanken lesen.

„So Klammeräffchen, du kannst jetzt loslassen." verkündete ergrinsend und reichte mir seine Hand um mir von seinem Rücken auf den inneren Fensterrahmen des Leuchtturms zu helfen.

Mit zitternden Fingern ergriff ich seine Hand und stand endlich auf denTreppen des Leuchtturms.

Erst jetzt spürte ich den Adrenalinschub und atmete erleichtert und belustigt auf.

Er gesellte sich zu mir und wir liefen zusammen die unzähligen Stufen hoch, was ihm natürlich viel leichter fiel als mir.

„Warte, ich habe keine Superkräfte!" versuchte ich ihn zu bremsen, bevor ich völlig außer Atem war.

Sofort blieb er stehen und wandte sich mit einem breiten Grinsen zu mir um.

Bevor ich überhaupt reagieren konnte packte er mich und hob mich hoch.

Völlig überrascht klammerte ich mich mit einer Hand um seinen Hals und versuchte mich mit der anderen an seinem rechten Oberarm abzustützen, wobei meine Hand unsanft an seinem Arm herunter glitt.

Sofort verharrte er in der Bewegung und atmete stoßweise aus und ich spürte, dass seine Hände, die er um meinen Körper gelegt hatte, zu zittern begannen.

Scheiße.Hatte ich uns jetzt den Abend versaut?

Durch die Reibung über die fast verheilte Wunde hatte ich ihm entweder Schmerzen zugefügt oder den Juckreiz wieder ausgelöst.

Vermutlich eher letzteres. Sonst war er schließlich auch nicht so empfindlich.

„Scheiße."murmelte er so leise, dass ich es kaum hören konnte, doch sein Griff wurde fester.

Er stand ziemlich unter Spannung.

„Es tut mir leid Jake, das wollte ich nicht.." brachte ich mit leiser Stimme hervor.

„Es ist nicht deine Schuld. Ich habe nicht nachgedacht." unterbrach er mich mit fester Stimme, ließ mich aber immer noch nicht runter.

Dann entschied er sich wohl dafür, das Ganze zu überspielen und sprintete mit mir auf dem Arm die restlichen Stufen hinauf.

Diesmal schlang ich vorsichtig die Arme um seinen Hals.

Mein Kopf lag an seiner nackten, warmen Brust.

Ich konnte seinen Herzschlag hören, der sich allmählich wieder beruhigte.

Oben angekommen, war ich zunächst von der wundervollen Aussicht und dem Glitzern des Meeres gefesselt.

Langsam, ganz langsam ließ er mich von seinem Arm gleiten, ließ mich aber nicht los.

Immerhin schien er sein Lächeln wieder gefunden zu haben.

„Alles okey?" fragte ich vorsichtig.

Er nickte nur und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

„Mach dir keinen Kopf." flüsterte er, drehte mich um uns legte von hinten seine Arme um mich.

In diesen Momenten musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass wir kein Paar waren.

Auch wenn es sich so anfühlte, wir waren nur Freunde.

Das sagte mir zumindest meine Stimme der Vernunft.

Ich aber, hätte mich am liebsten einfach umgedreht und ihn geküsst.

Auch wenn ich überhaupt keine Ahnung davon hatte, mein Körper sprach eine eindeutige Sprache.

Und seiner auch.

Um dieser Situation zu entfliehen, löste ich mich aus seinem Griff, und zog ihn mit mir an die Scheibe, um noch besser sehen zu können.

Das Leuchtfeuer ermöglichte uns die Sicht auf das weite Meer und aufeinen Teil der Insel, die bei Nacht noch einmal ganz anders wirkte.

Normalerweise durfte hier nur der Leuchturmwärter hoch, doch mit Jakob schien mir nichts mehr unmöglich.

Er hatte sich wirklich Gedanken gemacht.

Es war wunderschön hier oben.

Undr omantisch.

Schweigend blickten wir aufs Meer hinaus, bis er schließlich meine Hand losließ.

Zunächst bemerkte ich es kaum, doch seine linke Hand zuckte.

Genauso wie am Abend zuvor,

Aber vielleicht bildete ich es mir ja nur ein.

„Wie bist du auf die Idee gekommen, in den Leuchtturm einzubrechen?"versuchte ich ein Gespräch anzufangen um ihn aus seinen Gedanken zureißen.

„Abgesehen vom Strand, ist es der schönste Ort der Insel." antwortete er und trat einen Schritt zurück, sodass ich ihn nur noch aus dem Augenwinkel beobachten konnte.

Ich sah nur, dass er seinen linken Arm anhob und wusste sofort was er vor hatte.

Sofort drehte ich mich zu ihm um und legte meine Hand auf seine, bevor seine Finger den roten Streifen, der von der Schnittwunde übrig geblieben war, berührten.

Tatsächlich hielt er inne, doch seine Hände bebten.

Gequält schloss er für einen Moment die Augen und tat so, als wäre ich garnicht da.

Vermutlich war es besser so. Sonst wäre ich vielleicht noch durch die Scheiben des Turms geschleudert worden.

Ohne ein Wort von mir zu geben, bleib ich regungslos vor ihm stehen.

Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, doch er brauchte die Zeit.

„Schön,dass du auf mich aufpasst." flüsterte er irgendwann und zog mich in seine Arme.

„Wollen wir lieber wieder zurück?" fragte ich vorsichtig.

„Nein.Noch nicht. Lenk mich lieber ab." gab er zurück.

Er hatte also immer noch mit sich zu kämpfen.

„Was ist das dahinten?" fragte ich um das Thema zu wechseln und deutete auf auf die bunten Lichter in der Ferne.

„Lass es uns heraus finden." gab er lächelnd zurück und zog mich die Stufen hinunter.

Vor dem Fenster blieb er stehen und sah mir in die Augen.

Dann hob er mich langsam wieder auf seine Arme. Diesmal verschränkte ich meine Finger in einander, um ihn nicht aus versehen zu berühren.

Kurz bevor er absprang, kniff ich die Augen zusammen.

„Angsthase"kommentierte er grinsend und setzte mich wieder auf meine Füße.

„Ich bin ein Mädchen. Lass mich." entgegnete ich gespielt beleidigt.

„Warte kurz. Dann schauen wir uns mal an was dahinten am Strand los ist."

„Bist du sicher?" fragte ich skeptisch, doch er joggte schon in die Dunkelheit hinein.

Ich hingegen wandte mich noch einmal zu dem riesigen Leuchtrum um und beobachtete den Lichtkegel des Leuchtturmfeuers.

Nach wenigen Atemzügen legte Jakob sanft seinen riesigen Kopf auf meine Schulter und seine Schnauze erschien neben meinem Gesicht.

Ich hob den Arm und kraulte ihn hinterm Ohr, woraufhin er die Augen schloss.

Keine Ahnung wie viele Minuten vergangen waren, doch irgendwann bemerkte ich, dass sein rechtes Vorderbein, neben dem ich stand, unaufhörlich zuckte.

Sofort trat ich einen Schritt zur Seite. Nur für den Fall.. sonst würde er nicht sein Bein, sondern mich mit seinen scharfen Zähnen durchbohren.

Doch sobald ich den Gedanken zu ende geführt hatte, tat es mir leid.

Ich wollte über so etwas nicht nachdenken. Er würde mir nicht weh tun.

Er hatte meine Reaktion genau beobachtet und blickte mich mit seinen großen, dunklen Augen an.

„Wollen wir los?" fragte ich um nicht näher darauf eingehen zu müssen. Und um ihn abzulenken.

Er nickte und legte sich hin, damit ich aufsteigen konnte.

Vom Leuchtturm aus führte uns der Weg durch den Wald. Zuerst dachte ich, er würde wirklich zurück zu Ferienhaus laufen, doch dann änderte er seinen Kurs.

Wenn mich mein über alle Maßen schlechter Orientierungssinn nicht täuschte, lief er Richtung Strand.

Ausnahmsweise hatte ich mich nicht getäuscht.

Sobald die Dünen in meinem Blickfeld auftauchten, standen wir auch schon auf ihnen.

Und jetzt sahen wir es.

Und wir hörten die Musik.

Eine Strandparty. Daher kamen also die bunten Lichter.

Während ich immer noch über diese wundervolle Location staunte, hatte Jakob wieder seine menschliche Gestalt angenommen.

„Komm wir gehen." sagte er mit einem müden Lächeln und hielt mir seine Hand hin.

„Wir?Dahin? Jetzt?" fragte ich verwirrt.

„Klar. Warum nicht? Du siehst super aus. Und da es eine Standparty ist werde ich dort nicht auffallen."

„Ich zog die Augenbrauen hoch und verschränkte die Arme.

Diese Frage war ja wohl nicht sein ernst.

Unerbittlich streckte er mir seine Hand entgegen.

„Ich zahle." sagte ich schließlich und legte meine Hand in seine. Da gab es keinen Verhandlungsbedarf.

Wie gut, dass ich für den Fall der Fälle ein paar Euro eingesteckt hatte.

„Aber auch nur, weil ich kein Geld dabei habe." gab er zurück.

Zusammen schlenderten wir auf die die Ansammlung von Menschen und die Musik zu.

Je näher wir kamen, desto nervöser wurde ich.

War das wirklich eine gute Idee?

Doch es war zu spät.

Jakob steuerte direkt auf die Menge zu, die gerade zu Mr. President's CocoJambo tanzte.

Die Stimmung war so ausgelassen, dass es ansteckend war.

Und das vermutlich nicht nur für mich.

Grinsend drehte Jakob sich zu mir um.

„Soll ich uns was zu trinken holen?"brüllte er in mein Ohr und berührte mit seiner Nase meine Wange.

Da eine Unterhaltung bei derLautstärke um uns herum kaum möglich war nickte ich nur, zog meinen 10 Euroschein aus der Tasche und reichte ihn Jakob.

Wieder ergriff er lächelnd meine Hand und zog mich weiter bis zur Theke, die sich unter einem kleinen Pavillon befand.

Als nächstes legte der DJ etwas deutsches auf. Jetzt war wohl Nena an der Reihe.

Die Party entsprach also vollkommen dem Stil der 90er.

Eigentlich genau mein Ding, doch mit einem Blick auf Jakob verblasste meine gute Laune.

Das hatte er gerade nicht getan?

„Was soll das?" fuhr ich ihn an und deutete auf das Glas Cola in seiner Hand.

Mit zusammen gepressten Lippen reichte er mir ein Glas mit Wasser welches ich kommentarlos in Empfang nahm.

„Können wir das nicht vergessen und für eine Stunde so tun, als wären wir ganz normal?"Seine Worte wirkten gefasst, doch sein Blick war flehend.

Misstrauisch sah ich ihn an. Beim letzten Mal war es nicht so gut ausgegangen.

Doch ich musste meinen Gedanken erst gar nicht aussprechen.

„Bitte. Vertrau mir." sagte er so leise, dass ich es bei den ganzen Nebengeräuschen kaum hörte.

Ach scheiß drauf. Was sollte im schlimmsten Fall passieren?

Vernünftig war ich oft genug.

Und wir hatten beide etwas Spaß und Normalität verdient.

Als ich ihn ansah breitete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus und ich nickte als Zustimmung.

Auch auf seinem Gesicht breitete sich ein breites Grinsen aus, sobald er das Glas mit einem Zug geleert hatte.

Man konnte seine Veränderung wirklich beobachten.

Seine Augen wurden größer und funkelten mich euphorisch an.

„Komm." lachte er und zog mich mit sich zwischen die tanzenden Menschen.

Zuerst wusste ich nicht so recht was ich jetzt tun sollte.

Ich schämte mich.

Natürlich war ich schon auf mehreren Party's, aber noch nie mit ihm.

„Jake ich kann nicht gut tanzen.." versuchte ich ihm zu erklären.

In der achten Klasse hatte ich einen Tanzkurs gemacht. Allerdings nur einen halben, weil mir meine Arbeitszeiten beim Praktikum dazwischen gekommen sind.

Was mir ganz gelegen kam..

Aber ich hatte diese Tanzstunden gehasst und es nie bereut, den Kurs abgebrochen zu haben.

Bis zu diesem Zeitpunkt.

Doch bevor ich noch länger darüber nachdenken konnte, packte er mich an der Taille, nahm meine Hand und wirbelte mich zu „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" durch den Sand.

Ich war eigentlich alles andere als eine gute Tänzerin. Doch mit ihm war alles so leicht.

Viel zu leicht. Ich vergaß alles andere um uns herum und verlor mich in seinen strahlenden Augen.

Meine Bewegungen hatten sich den seinen vollkommen angepasst.

Wie auch immer das, bei meinemTalent, möglich war.

Die Röte stieg mir in die Wangen, doch ich konnte nicht anders, als ihn die ganze Zeit anzusehen.

Wann bitte war ich das letzte Malso glücklich? Ich konnte mich nicht erinnern.

Ich wollte nur, dass dieser Moment nie endet.

Am Ende des Liedes stand ich ihm atemlos gegenüber, während es ihn kein bisschen angestrengt hatte.

„So schlecht tanzt du garnicht." raunte er in mein Ohr, ohne mich loszulassen.

Nur am Rande nahm ich wahr, dass nun die Stimme von Anna-Maria Zimmermann mit „Tausend Träume weit"durch den Lautsprecher drang.

Das Lied war deutlich langsamer, als das vorherige und Jakob zog mich noch enger an sich herran.

Diesmal bewegten wir uns deutlich langsamer.

Nur wenige Millimeter trennten meine Brust von seinem nackten, muskulösem Oberkörper.

Meine rechte Hand ruhte die ganze Zeit auf seiner starken, rechten Schulter, während meine Linke in seiner Handfläche lag.

Irgendwann war auch sein Kopf so nah, dass unsere Wangen sich fast berührten.

Und ich war nicht die einzige, die diese Nähe genoss.

Am liebsten hätte ich ihn nie wieder losgelassen.

Am Ende des Liedes löste er sich widerstrebend von mir, sodass ich nun auch wieder in seine Augen sehen konnte.

Mit einem Mal sah er wieder unglaublich müde aus. Aber was hatte ich auch anderes erwartet.

Langsam legte ich meine Hand an seine heiße Wange, woraufhin er die geschwollenen Augen niederschlug.

Jetzt war er derjenige, der sich schämte.

Und er tat mir unglaublich leid.

Langsam wurde mir bewusst, dass er diesen ganzen Zirkus hier nur für mich veranstaltet hatte.

Nur um mich glücklich zu machen.

Seine eigenen Bedürfnisse stellte er dabei vollkommen in den Hintergrund.

„Willst du noch was trinken?"fragte er ohne mich anzusehen. Als ob ich so nicht merken würde, wie es ihm ging.

„Nein. Und du auch nicht."sagte ich bestimmt.

Bevor er protestieren konnte nahm ich seine Hand und zog ihn mit mir aus der Menschenmenge.

Hand in Hand gingen wir auf das Meer zu.

Ich hatte keine Ahnung wie spätes war, doch ich war so euphorisch, dass ich keinerlei Müdigkeit spürte.

Ganz im Gegensatz zu ihm.

„Wollen wir nach Hause?"fragte ich zaghaft. Er schien schon völlig geistesabwesend zu sein und sagte kein Wort.

„Jakob!" sagte ich etwas lauter.

„Was? Sorry. Nein, noch nicht. Es ist so schön hier." entgegnete er mit einem matten Lächeln.

Und damit hatte er recht. Der Mond spiegelte sich auf der Meeresoberfläche und man hörte nur die Musik und das Rauschen der Wellen.

Die Nacht war sternenklar. Keine Wolke war am Himmel zu sehen.

Alles in allem: Es war mehr als romantisch. Es war atemberaubend schön.

Ich blieb stehen, um die wunderbare Aussicht zu genießen.

Ich musste seine Hand loslassen, weil er im ersten Moment gar nicht mitbekommen hatte, dass ich stehen geblieben war.

Kopfschüttelnd fuhr er sich mit der Hand durchs Gesicht und hoffte so die Müdigkeit vertreiben zu können.

Doch dann spürte ich ihn direkt hinter mir.

„Danke." sagte ich aufrichtig und drehte mich zu ihm um und wollte ihn gerade umarmen, doch er schien meine Worte gar nicht gehört zu haben.

Mit offenen Augen starrte er ins Leere und kratzte sich mechanisch an seinem rechten Arm.

„Hör auf damit!" befahl ich, doch ein Lachen schwang in meiner Stimme mit.

Nichts und niemand konnte mir meine Laune heute noch verderben.

Sofort hielt er inne und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf mich.

Zuerst war seine Mimik angespannt, doch sobald er mich ansah erschien auf einmal ein spitzbübisches und gleichzeitig arrogantes Grinsen auf seinem Gesicht.

„Sonst was?" wollte erwissen.

Doch statt einer Antwort versuchte ich wie ein kleines Kind seinen linken Arm zu fassen, den er natürlich schnell in die Höhe streckte, um mich aufzuziehen.

Lange ließ er mich jedoch nicht zappeln.

Zuerst senkte er langsam seinen Arm, angeblich um mir seine Hand zu geben.

Doch sein Grinsen verriet ihn.

„Oh Nein!" Quietschte ich und rannte los.

Seine Augen blitzten auf. „Ich dachte du schwimmst so gerne!" rief er und setzte ebenfalls zum Sprint an.

Natürlich hatte er mich schon nach wenigen Metern eingeholt und wollte mir den Weg versperren.

Lachend lief ich geradewegs in seine Arme und er lies sich einfach in den Sand fallen.

Damit hatte ich nicht gerechnet und wäre komplett auf ihm gelandet, wenn ich mich nicht mit beiden Händen neben seinem Kopf abgestützt hatte.

Ich musste erst einmal wieder zu Atem kommen. Wir beide konnten nach wie vor nicht aufhören zu lachen.

Erst als ich mich wieder beruhigt hatte, bemerkte ich, dass seine Miene vollkommen entspannt und seine Augen geschlossen waren.

Und trotzdem war er so wunderschön.

So unwiderstehlich.

In meinem Kopf machte sich wieder der Gedanke breit, den ich immer wieder zu verdrängen versuchte.

Zum Schutz von mir selbst. Zum Schutz von uns beiden.

Mein Puls und meine Atmung beschleunigten sich. Meine Hände zitterten im Sand.

Alles in mir verlangte danach, meine Lippen auf die seinen zu legen. Nur ein Mal wollte ich die süße Wärme seines Atems und seiner Lippen schmecken.

Nur einmal. Es ging nicht mehr.

Ich liebte ihn. Und das bereits seit zwei Jahren. Er war mein ganzes Leben. Meine ganze Welt. Doch das wollte ich mir nie eingestehen.

Jetzt aber wollte ich ihn so sehr, wie noch nie zuvor.

Und ich wusste, dass auch ich ihm unbeschreiblich wichtig war.

Sein ganzes Leben verbrachte er damit, mich zu beschützen.

Ich konnte mir niemand besseren wünschen.

Er tat alles für mich. Immer und zu jeder Zeit.

Und ich war schwach. Meine Prinzipien waren vergessen.

Der Abend war so unbeschreiblich schön gewesen.

Und er wünschte es sich schon solange..

Ich konnte einfach nicht mehr länger auf die Stimme der Vernunft in mir hören.

Mit pochendem Herzen senkte ich langsam meinen Kopf.

Millimeter für Millimeter kam ich seinem Gesicht immer näher.

Ich spürte seinen ruhigen Atem und die Wärme die von seinem Gesicht ausging.

Zögerlich berührte meine Nase die seine und ich schloss die Augen.

Und ohne dass ich mich bewegt hatte, lagen seine warmen, weichen Lippen plötzlich auf meinen.

Er hatte den Kopf angehoben,womit ich nicht gerechnet hatte, doch er zog mich sofort in seinen Bann.

Zuerst war der Kuss sanft und zurückhaltend.

Vorsichtig legte er seine Hand an meinen Hinterkopf und zog mich mit sich, bis sein Kopf wieder im Sand lag.

Seine Finger vergruben sich in meinen Haaren und ihm entfuhr ein leises Stöhnen, woraufhin er sich aufrichtete, ohne seine Lippen von meinen zu lösen.

Stadtessen legte er beide Hände an meine Hüfte und hob mich mühelos auf seinen Schoß.

Auch sein Atem ging schneller als zuvor. Und er fühlte sich noch heißer an als sonst.

Seine Hände, die meinen Rücken hinauf wanderten, begannen zu zittern und seine Lippen drängten sich fester auf meine, als zuvor.

Ich hatte keine Ahnung, was ich da überhaupt machte, doch mein Instinkt hatte übernommen.

Jakob hingegen schien sehr wohl zu wissen, was er tat.

Trotzdem wirkte er irgendwie unsicher. Er behandelte mich wie ein rohes Ei.

Seine Berührungen waren zärtlich und sanft, obwohl sein Körper eine andere Sprache sprach.

Aber wir wussten beide, wie stark er wirklich war.

Als auch meine Unsicherheit langsam schwand, vergrub ich beide Hände in seinen Haaren und erwiderte die Intensität seines Kusses.

Sofort stöhnte er auf und sein gesamter Oberkörper bebte.

Kaum eine Sekunde später löste er widerwillig seine Lippen von meinen, hielt die Augen aber geschlossen.

Er atmete tief ein und aus und versuchte sich zu beruhigen.

Hatte ich ihn etwa so aus der Fassung gebracht? Ohne es zu wollen schlich sich ein triumphierendes Lächeln auf mein Gesicht.

Während meine Atmung sich langsam wieder normalisierte, schien er immer noch mit sich zu ringen.

„Ist alles in Ordnung?"fragte ich besorgt und legte meine Hand an seine Wange.

Endlich schlug er die Augen auf und sah mich an.

Seine dunklen Pupillen schienen zu glühen.

„Ja. Gib mir einen Moment."sagte er mit einem frustrierten Lächeln und schob mich mit zitternden Händen von seinem Schoß.

Und schon saß ich wie vom Donner gerührt alleine im Sand. Er war in der Dunkelheit verschwunden.

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Obwohl ich wusste, dass er noch in der Nähe war, kam ich mir total allein gelassen vor.

Was hatte ich falsch gemacht?

Enttäuscht zog ich die Knie an den Oberkörper und umschlug sie mit den Händen.

Plötzlich war mir extrem kalt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich Schritte hinter mir, doch ich drehte mich nicht um.

Jakob ließ sich lautlos neben mir auf den Sand sinken und starrte wortlos aufs Meer.

Genau so wie ich.

„Oh Gott es tut mir so leid."Beschämt ließ er seinen Kopf gegen meine Schulter sinken.

Ich sagte nichts.

Was sollte ich dazu auch sagen?

„Anika du bist eiskalt."stellte er besorgt fest und streckte seinen Arm aus.

„Darf ich?" fragte er vorsichtig, weil ich nicht reagierte.

Ich nickte nur, woraufhin er mich in seine Arme zog.

Sofort wurde mir wärmer und das Gefühl der Einsamkeit war verschwunden.

„Was war das eben?" fragte ich schließlich.

„Du hast mich geküsst."Erwiderte er grinsend.

„Das stimmt nicht ganz. Und du weißt genau wovon ich spreche." erwiderte ich nüchtern.

Zuerst schwieg er.

Gerade als ich mich von ihm lösen wollte, konnte er sich wohl doch dazu durchringen, mit mir zu reden.

„Du hast mich völlig aus der Fassung gebracht. Es tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, dass das passieren kann." erklärte er so leise, dass ich es kaum hören konnte.

„ Was passieren? Das du das Mädchen von dir wegstößt und sie alleine zurück lässt?" fragte ich bissig.

„Nein. Oh Gott nein. Du verstehst das völlig falsch." versuchte er mich zu beruhigen.

„Was verstehe ich falsch?"Ich glaubte ihm und jetzt hatte er meine Neugierde geweckt.

„Wäre ich nicht gegangen, hätte ich mich verwandelt." er starrte den Sand an, um mir bei dieser Beichte nicht ins Gesicht sehen zu müssen.

Jetzt begann ich langsam zu verstehen. Natürlich hatte ich das Zittern wahrgenommen. Aber ich hatte mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht.

Mir war nicht klar gewesen, dass er die ganze Zeit über um Kontrolle kämpfte.

„Was habe ich falsch gemacht?"fragte ich vorsichtig.

„Du hast gar nichts falsch gemacht. Ich hatte keine Ahnung, dass du mich so aus der Bahn wirfst.

Ich war einfach nicht vorbereitet." sagte er mit einem müden Lächeln.

Das Adrenalin schien langsam seine Wirkung zu verlieren. Aber das Gespräch war noch nicht beendet. Ich musste es wissen.

„Ist dir das schon oft passiert?" meine Stimme war fest, doch mein Unbehagen entging ihm nicht.

„Noch nie." schossen die Worte aus seinem Mund.

„Seit meiner ersten Verwandlung war ich keinem Mädchen mehr so nah. Ich hatte keine Ahnung. Es tut mir leid. Hätte ich das gewusst, dann.." Mitten im Satz brach erab. Doch er brauchte gar nicht weiter zu sprechen.

„Ist schon okay. Es ist alles gu. Ich hab es nur nicht verstanden." versuchte ich ihn aufzumuntern.

Doch jetzt machten sich der Schlafentzug auch anhand seiner Laune bemerkbar.

„Ich habe es mal wieder total vergeigt." murmelte er wütend und zugleich verschlafen vor sich hin.

„Hast du nicht." Ich legte meine Hand an seine Wange und drehte sein Gesicht zu mir.

„Jake, das war die schönste Nacht in meinem Leben." flüsterte ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Wirklich?" fragte er und ich meinte in seinen Augen einen kleinen Funken glimmen zu sehen.

Einen Funken der Freude und Erleichterung.

„Ja. Bitte glaub mir das."antworte ich, doch er nickte nur mit geschlossenen Augen.

Es hatte absolut keinen Sinn mehr.

Ich erhob mich uns streckte ihm die Hand hin.

„Komm. Steh auf. Sonst schläfst du gleich im Sitzen ein." forderte ich ihn auf und seine schweren Lieder öffneten sich.

Sobald er auf den Füßen stand, drehte ich mich um, sodass er sich hinter mir verwandeln konnte.

Doch er trat ganz dicht hinter mich.

„Das war auch der schönste Abend meines Lebens." flüsterte er mir direkt in mein Ohr, bevor er sich abwandte.

Auf dem Rückweg lief Jakob deutlich langsamer, als noch einige Stunden zuvor.

Es tat mir richtig leid, dass er auch noch mich mit sich herum schleppen musste.

Doch irgendwann hatte er es dann doch geschafft, uns zurück zum Ferienhaus zu bringen.

Sofort glitt ich von seinem Rücken und nahm seinen riesigen Kopf zwischen meine Hände.

„Danke." flüsterte ich und gab ihm einen Kuss auf den Nasenrücken, bevor ich mich umdrehte und langsam zur Eingangstür schlenderte.

Auf der Treppe vor dem Hintereingang des riesigen Gebäudes wartete ich auf ihn.

Mit schlurfenden Schritten und hängenden Schultern trat er schließlich aus der Dunkelheit.

Wortlos nahm ich seine Hand und zog ihn hinter mir her in das Sechserzimmer.

Mit einem Blick auf mein Handy stellte ich schockiert fest, dass es bereits 4 Uhr nachts war.

Bereits in anderthalb Stunden müsste ich ihn wieder wecken.

Spätestens.

Ansonsten war das Risiko zu groß, dass er von den anderen gesehen werden würde.

Jakob legte sich sofort ins Bett und streckte seinen linken Arm über meine gesamte Hälfte des Bettes.

Ohne mich umzuziehen oder mich abzuschminken legte ich mich zu ihm und legte meinen Kopf an seine Brust.

Schon im Halbschlaf schlang er den Arm um meine Hüfte und gab mich noch einen sanften Kuss auf die Stirn.

Ich konnte hören, wie sein Herzschlag etwas langsamer wurde und er sich voll und ganz entspannte.

Dieses Geräusch wirkte so beruhigend auf mich, dass auch ich nach wenigen Minuten eingeschlafen war.

Bis „ The Rythem of the Night"in mein Ohr dröhnte.

Die Sonne ging bereits langsam auf.

Vorsichtig richtete ich mich auf.

Ich wollte ihn nicht wecken. Er hatte den Schlaf so dringend nötig.

Doch es ging nicht anders.

Sobald ich seinen Arm von meinem Oberkörper lösen wollte, saß er kerzengerade und mit weitaufgerissenen Augen im Bett.

Er knurrte und hatte mich soweit von sich weg gestoßen, dass ich mehr oder weniger aus dem Bett gefallen war.

Panisch blickte ich mich im Raum um.

Wie durch ein Wunder schien niemand den Zwischenfall mitbekommen zu haben.

Erst jetzt setzte bei mir der Schock ein.

Ich saß tatsächlich auf den rötlichen Fließen des Zimmerbodens und starrte ihn fassungslos an.

Er blinzelte kurz und seine Mimik veränderte sich.

Mit seinen großen, traurigen Augen sah er mich an.

Reue lag in seinem Blick.

Ich biss mir auf die Lippen, um die Tränen zurück zu halten und verließ fassungslos das Zimmer.

Die frische Morgenluft schlug mir ins Gesicht, als ich die Tür nach draußen öffnete.

Immer wieder versuchte ich mich daran zu erinnern, dass er nichts dafür konnte.

Dass es nicht mit Absicht war. Dass er mir niemals wehtun wollte..

Ich musste mich nicht umdrehen umzu wissen, dass er mir gefolgt war.

„Habe ich dich verletzt?"fragte er besorgt. Seine Stimme zitterte.

Mit verschränkten Armen drehte ich mich zu ihm um.

„Nein. Hast du nicht." sagte ich tonlos und ohne ihm in die Augen zu sehen.

„Es.." setzte er an, doch ich ließ ihn nicht ausreden.

„Hör auf dich zu entschuldigen. Ich kann es nicht mehr hören." rutschte es mir heraus.

Und jetzt hatte ich ihn verletzt.

Sofort setzte mein schlechtes Gewissen ein.

Ich drehte mich zu ihm um und ging auf ihn zu.

„Das war nicht so gemeint."sagte ich sanft und blieb direkt vor ihm stehen.

„Aber du hast Recht. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ich mich in den letzten Tagen für mein Verhalten entschuldigen musste." erwiderte er niedergeschlagen.

Ich wollte nicht mit ihm Streiten. Und es hatte auch überhaupt keinen Sinn.

„ Du kannst nichts dafür."flüsterte ich und schlang die Arme um seinen Hals.

Zaghaft erwiderte er die Umarmung.

„Wie kommt es eigentlich, dass du keine Angst vor mir hast? Warum rennst du nicht schreiend weg?"wollte er wissen.

„Vielleicht bin ich ja verrückt." entgegnete ich mit einem Schulterzucken, doch das war nicht das, was er hören wollte.

„Ich glaube nicht, dass du mich jemals ernsthaft verletzen würdest. Ich vertraue dir viel zu sehr, um mich vor dir zu fürchten." erklärte ich leise.

„Ich hoffe du hast Recht."sagte er kopfschüttelnd, doch ich ging nicht weiter auf seine Unsicherheit ein.

So etwas wolle ich nicht hören.

Ich wollte nicht, dass er so sehr an sich selbst zweifelte.

Er war gut. Besser als jeder andere.

Soll ich später ein paar Stunden zu dir kommen, damit du schlafen kannst?" erkundigte ich mich stattdessen.

„Nein. Das ist nicht nötig. Wirklich nicht. Genieß du deinen Urlaub." sagte er lächelnd.

Skeptisch sah ich ihn an, doch er drückte mich noch einmal fest an sich.

„Bis später." flüsterte er und verschwand hinter dem nächstgelegenen Baum.

Nur kurze Zeit später trat der rostbraune Wolf nochmal ein paar Schritte auf mich zu und sah mir direkt in die Augen.

„Bis später." flüsterte ich, woraufhin er im Schutz der Bäume verschwand.

Ich machte mich auf den Weg zurück nach Drinnen, um noch ein paar Stunden zu schlafen, doch plötzlich konnte ich eine Gestalt hinter der Glastür erkennen.

Zuerst blieb ich wie angewurzelt stehen, doch dann erkannte ich die Silhouette und sprintete die Stufen hoch.

Scheiße!

„Lea warte!" zischte ich, bevor sie die Tür zu unserem Zimmer öffnen konnte.

Warum ausgerechnet Lea? Diejenige, die sonst am längsten schlief und sich von nichts und niemandem aufwecken ließ?

An Silvester hatte ihre Oma sie einmal ans Fenster gestellt, damit sie das Feuerwerk sehen konnte.

Und selbst davon ist sie als Kind nicht wach geworden.

Tatsächlich blieb sie stehen und drehte sich langsam zu mir um.

„Ich hatte Recht! Ich hab es mir nicht eingebildet!" sagte sie hysterisch. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie schnappte nach Luft.

Wie viel hatte sie gesehen?

„Was genau meinst du?" fragte ich und versuchte dabei möglichst ruhig zu bleiben.

„Jetzt tu nicht so! Du weißt genau was ich meine! Der Kerl. Und dann der Wolf? Genau wie Silvestervor zwei Jahren!"

Sie kreischte förmlich, woraufhin ich den Finger auf die Lippen legte.

„Lea bitte. Ich erzähle dir alles. Aber es darf niemand erfahren." flehte ich sie an.

Sie schien zu überlegen, doch nickte dann.

„Komm." flüsterte ich und deutete auf die Tür des Aufenthaltraumes.

Als sie keine Anstalten machte, sich zu bewegen, nahm ich ihr Handgelenk und zog sie einfach hinter mir her.

Als ich die Tür hinter uns geschlossen hatte, war sie immer noch so schockiert, dass sie kein Wort heraus bekam.

Ich setzte mich in einen der Sitzsäcke und sie nahm direkt neben mir platz.

„Ist das wirklich passiert?"wolle sie wissen, starrte aber weiterhin stur gerade aus.

„Ja." antwortete ich entschlossen.

Ich konnte sie nicht mehr weiter belügen.

Aber Jakob würde ausrasten..Oder tat es bereits, wenn er uns belauschte.

„ Der Wolf. Er war so groß..wie aus.." Sie brachte den Satz nicht zu Ende, doch ich wusste genau worauf sie hinaus wollte.

„Aus Twilight." beendete ich ihn für sie.

Jetzt sah sie mich direkt an.

Tausend unausgesprochene Fragen lagen in ihrem Blick.

Konnte ich ihr die Kurzfassung des Ganzen wirklich zumuten?

„Die übernatürlichen Wesen aus den Büchern und Filmen existieren wirklich.

Vampire und Werwölfe.

Die Filme sind nur eine Warnung an die Menschen, basieren aber alle auf der Wahrheit."

Ich machte eine kurze Pause, um ihre Reaktion abzuschätzen.

Sie zitterte, doch hörte mir aufmerksam zu.

„Es gibt überings keine Bella. Edward ist also noch frei." teilte ich ihr mir einem Lächeln mit, da sie früher definitiv in seinem Team gespielt hat.

Doch sie ging gar nicht auf meinen Versuch, die Situation aufzulockern ein.

„Ich weiß es ungefähr seit zwei Jahren.

Ich hatte das Glück Victoria und James vor die Füße zu laufen. Und Jakob und das Rudel haben mich gerettet.

Seit dem stehen wir beide unsziemlich nah und er passt auf mich auf." fuhr ich fort.

„Jackob Black? Aus den Filmen?"harkte sie ungläubig nach.

„Ja." bestätigte ich nocheinmal.

Einige Minuten sagte keine von uns auch nur ein Wort, doch dann veränderte sich ihre Miene.

Ihre Mundwinkel zuckten.

„Wie nah steht euch?" wollte sie wissen. Lea hatte ihren Schock also schneller überwunden, als gedacht.

„Es ist kompliziert."entgegnete ich nur, womit sie sich natürlich nicht zufrieden gab.

„Seid ihr zusammen?" fragte sie direkt.

„Nein!" entfuhr es mir schärfer als beabsichtigt.

Lea grinste. Ich wusste, dass sie meine Gefühle für ihn bereits durchschaut hatte.

„Hat er bei dir im Bett geschlafen? In unserem Zimmer?" Jetzt zog sie die Augenbrauen hoch.

„Ja. Manchmal." gab ich zu und wurde nun endgültig rot.

Sie nickte und schien fürs Erste zufrieden zu sein.

„Lea ernsthaft. Du darfst mit niemandem darüber sprechen."

Wieder nickte sie nur.

„Versprochen?" Ich musste es von ihr hören.

„Jaha!" entgegnete sie genervt.

„Und wir verlieren da auch kein Wort mehr drüber. Dieses Gespräch hat nie statt gefunden. Und du hast uns auch nicht gesehen." legte ich die Bedingungen fest.

„Okey." Sie verdrehte die Augen.

„Eine Frage habe ich noch."fügte sie hinzu.

„Hast du keine Angst vor ihm?"fragte sie mittlerweile eher neugierig als verstört.

Ich hatte Angst, dass er uns hören konnte, weshalb ich mich zu Lea hinüber beugte.

„Manchmal." flüsterte ich so leise wie möglich in ihr Ohr.

Fragend sah sie mich an.

„Hat er dir weh getan?"flüsterte sie zurück, da sie meine Befürchtungen zu erahnen schien.

„Nein.. nicht wirklich. Nicht ernsthaft." gab ich zurück und und ihre Augen weiteten sich.

Meine Antwort gefiel ihr nicht.

„Es ist alles gut. Und jetzt vergessen wir das Ganze! Kein Wort zu niemandem." ermahnte ich sie.

„Okey." willigte sie schließlich ein.

Wir beide standen auf.

Sie ging zurück ins Zimmer und ich verschwand endlich im Waschraum.

Meine Haare waren total verknotet und meine Schminke verschmiert.

Aber noch etwas war anders.

Ich nahm mich selbst anders wahr, als noch einige Stunden zuvor.

Die Erinnerungen an den Kuss kamen wieder hoch.

Der Abend war so wundervoll gewesen. Und alleine die Idee mit dem Leuchtrum und der Standparty.

Er hatte sich einfach so viel Mühe gegeben.

Auch wenn es ihm selbst nicht gut ging, ich wusste, dass er alles getan hatte, um mich glücklich zu machen.

Und er würde es jederzeit wieder tun.

Obwohl ich es vermutlich sollte, bereute ich es nicht.

Ganz im Gegenteil.

Der Kuss an sich war einfach atemberaubend.

Das Gefühl war einfach unbeschreiblich gewesen.

Und ich verstand selbst nicht, was ich da eigentlich getan hatte.

Es war einfach passiert.

Und dann war es vorbei. Viel zu schnell. Viel zu abrupt. Und vermutlich endgültig.

So sah also die ernüchternde Realität aus.

Das es einfach nicht sein sollte, hatte sich eben erst wieder gezeigt.

Sobald ich einen Funken Hoffnung hatte, wurde dieser sogleich wieder zerschlagen.

Aber ich hatte es von Anfang an gewusst. Er hatte mir von Anfang an klar gemacht, dass keine normale, zwischenmenschliche Beziehung mit ihm möglich sei.

Und es war nicht einmal seine Schuld.

Sobald ich im Spiegelbild sah, dass sich Tränen in meine Augen drängten, verbannte ich den Gedanken aus meinem Kopf.

Bei unserer nächsten Begegnung, würde er mich wahrscheinlich sowieso umbringen.

Wegen Lea.

Und die Ereignisse der letztenStunden wären kein Thema mehr.

Doch da würde ich mir Gedanken drüber machen, wenn es soweit war.

Jetzt wollte ich eigentlich nurnoch in mein Bett.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)