Lebensretter

vor 5 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 46 Oktober 2013 Anika

Viele Menschen sagen, die Zeit heilt alle Wunden.

Ich allerdings war mir noch nicht sicher, ob dieser Spruch auch wirklich der Wahrheit entsprach.

Jakob hielt sein Versprechen. Nichts in meinem Leben erinnerte noch an ihn.

Selbst ein paar seiner Klamotten, die er bei mir gelagert hatte, waren auf wundersame Weise verschwunden.

Ich war mir ziemlich sicher, dass Leah sie geholt hatte, bevor sie aufgebrochen sind, doch mit Sicherheit konnte ich das natürlich nicht sagen.

Und es sollte mir auch verdammt noch Mal egal sein.

Krampfhaft versuchte ich ihn und all das übernatürliche in der Welt zu vergessen.

Tagsüber gelang es mir sogar meistens, weil ich mehr als genug Ablenkung hatte.

Die neue Schule forderte mehr von mir, als ich leisten konnte.

Ich war für das Gymnasium einfach nicht geschaffen, doch aufgeben kam nicht in Frage.

Ich würde das Ganze durchziehen. Bis zum Abitur. Vorrausgesetzt ich würde bis dahin noch leben.

Das Bisschen, was von meiner Zeit noch übrig war, verbrachte ich mit Lea und meinen anderen Freundinnen am Stall mit meiner geliebten Dixie.

Zum Glück hatte ich wenigstens noch meine anderen Freunde.

Und mit Jan, mit dem ich gefühlt jeden Kurs zusammen hatte und ihn auch auf dem Schulweg nicht loswurde, verstand ich mich komischerweise auch immer besser.

Doch in der Nacht fühlte ich mich einsam und alleine.

Meine Erinnerungen und meine Sehnsucht nach ihm holten mich ein.

Jeden Abend aufs Neue.

Und mir war nur meine kleine Sina geblieben, die ich oft unter Tränen an mich drückte, um überhaupt irgendwie einschlafen zu können.

Marie hatte zwar keine Ahnung, was überhaupt mit mir los war, doch meine Traurigkeit erging ihr nicht.

„Du brauchst Dringend mal nen Kerl." gab sie mir zu verstehen als wir nebeneinander in der Pausenhalle des Hüffert saßen und ich ihren ellenlangen Erzählungen über die letzte Party nicht folgen konnte.

Zuerst fand ich diese Idee mehr als absurd.

Aber warum nicht? Ablenkung könnte schließlich nicht schaden.

Ich musste mich einfach mit dem Gedanken abfinden, dass Jakob nie wieder ein Teil meines Lebens sein würde.

Und ich musste verstehen, dass es genau das Richtige war.

schwer es mir auch fiel.

„Was ist eigentlich los mit dir?" riss Jan mich aus meinen Tagträumen.

Wir saßen zusammen im Schulbus, der uns von Warburg nach Peckelsheim brachte.

Normalerweise schlief er die gesamte Rückfahrt über, doch jetzt sah er mich aufmerksam mit seinen grün-braunen Augen an.

Oh bitte du nicht auch noch. Verheilt ich mich wirklich wie eine Außerirdische?

„Alles Bestens." log ich und lächelte.

„So gefällst du mir schon besser." erwiederte er und stieß mich freundschaftlich mit der Schulter an, worauf ich mit gespielter Genervtheit die Augen verderhte.

Ich weiß nicht wie er es geschafft hatte, aber ich fühlte mich tatsächlich etwas besser als vorher.

Am Nachmittag setzte ich den mit Marie geschmiedeten Plan in die Tat um und schrieb einem Kerl bei Facebook, der schon länger an mir interessiert war, doch ich hatte ihn immer abgeblockt.

Es dauerte nur wenige Minuten, da schlug er auch schon vor sich mit mir zu treffen.

Aber wollte ich das wirklich?

Zum einen hatte ich ihn noch nie gesehen und zum anderen fühlte ich mich einfach nicht bereit dazu.

Trotzdem schlug ich ein Treffen mit ihm auf der Warburger Oktoberwoche vor.

Was sollte unter vielen Menschen und auf neuralem Terrain schon schief gehen?

Nur vom Schreiben her schien er zumindest schon mal ganz nett zu sein.

Als der Tag dann gekommen war spürte ich nicht einmal Nervosität sondern nur ein mulmiges Gefühl.

Es fühlte sich einfach nur falsch an.

Ich wurde das Gefühl nicht los, ihn zu hintergehen.

Trotzdem versuchte ich mich relativ ansehnlich zu gestalten, indem ich nach dem Duschen in eine dunkelblaue, ärmellose Bluse und eine hautenge, schwarze Jeans schlüpfte.

Zusätzlich zu Make-Up, Wimperntusche und Eye-Liner legte ich noch einen roten Lippenstift auf und glättete mir die Haare.

Zum Schluss entschied ich mich noch für meine schwarzen Pumps und verließ mit einem mulmigen Gefühl das Haus.

Marie's Mutter Bianca fuhr Marie, Nele, Lea und mich die drei Kilometer ins Nachbardorf.

Bevor es dann später mit dem Oktoberwochenbus nach Warburg ging, trafen wir uns alle bei meiner anderen Freundin Michelle in Niesen.

Alle waren gut gelaunt und bereits nach kurzer Zeit angetrunken.

Meine Vorfreude hielt sich allerdings in Grenzen.

Zu meiner absoluten Überraschung setzte Jan sich auch diesmal im Bus neben mich.

Bei Michelle Zuhause hatte er kein Wort mit mir gesprochen, sondern die Zeit damit verbracht sich mit den anderen Jungs volllaufen zu lassen.

Bei uns Mädels hatte es allerdings auch nicht anders ausgesehen.

Lea klebte an Simon und alle andern spielten Luping-Lui. Aber natürlich als Trinkspiel.

Nur Dennis und ich waren die einzigen, die noch nüchtern waren.

Als wir dann schließlich zur Bushaltestelle aufbrachen, lief ich schweigsam neben Michelle und Ann-Kathrin her und betrachtete den Vollmond.

Natürlich konnte ich bei diesem Anblick mal wieder nur an Jakob denken.

Wo war er? Ging es ihm gut? Litt er unter dem Vollmond? Er hatte es mir nie genau erklärt..

Jan jedenfalls, war mehr als nur gut gelaunt.

„Dich werde ich jetzt wohl gar nicht mehr los, oder?" fragte ich ihn und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

„Da hast du wohl Pech gehabt." entgegnete er kopfschüttelnd.

„Du siehst heute echt gut aus." fügte er im ernsthaften Ton und mit gesenktem Blick hinzu.

„Ach, nur heute?" zog ich ihn auf und er hob schützend die Hände.

Vielleicht würde der Abend ja doch nicht so schlimm werden, wie ich gedacht hatte.

Doch sobald ich aus dem Bus stieg, kam auch schon die Ernüchterung.

Mein sogenanntes Date, Julian Simon, war dank meiner hohen Schuhe sogar einige Zentimeter kleiner als ich und kreidebleich.

Mit seinen hellbraunen Haaren und blau-grauen Augen wirkte er irgendwie schmierig auf mich.

Kurz gesagt: Ich fühlte mich alles andere als zu ihm hingezogen und wäre am liebsten wieder rückwärts in den Bus hinein gestolpert, doch Maries Hand an meinem Rücken schob mich vorwärts.

Also umarmte ich den kleinen jungen Mann freundlich.

Er war sogar noch zwei Jahre älter als ich. Traurig.

Ich konnte mir nicht helfen, er erinnerte mich total an den kleinen Hobbit.

Sofort legte er seine kalte Hand um meine Schultern. Er stank bestialisch nach Alkohol.

Auch im Bierzelt wurde es nicht besser.

Ich stellte ihn all meine Freunden vor, er hingegen schien keine zu haben. Er war ganz allein und nur wegen mir hier.

Im Laufe des Abends erzählte er mir, dass er sich sonst nie in große Menschenmassen begeben würde, weil er unter Platzangst und einer Form des Borderlinesyndroms litt.

Oh mein Gott. Ein Kerl mit psychischen Problemen? Nicht schon wieder. Das war jetzt wirklich das aller letzte, was ich gebrauchen konnte.

„Helft mir." formte ich stumm mit den Lippen, doch Marie, Ann-Kathrin, Lea und Michelle schienen sich blendend an meinem Leid zu amüsieren.

Der kleine Hobbit Julian fand es während des Liedes „Anita" von Costa Cordalis lustig, satt Anita jedes Mal lautstark „Anika" in mein Ohr zu schreien.

Noch dazu legte er seine schmierige, kalte Hand um meine Taille und zog mich näher an sich heran, viel schlimmer ging es nicht mehr.

Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass ausgerechnet Jan mein Retter seien sollte.

Schon länger hatte er mich und Julian argwöhnisch gemustert und schien wohl der Meinung zu sein, dass ich genug gelitten hatte.

Mit zielstrebigen Schritten kam er auf uns zu.

„Anika! Wir wollten doch noch Breakdancer fahren. Kommst du?" fragte er und hielt mir seine Hand hin, die ich dankbar ergriff.

Dann zog er sich einfach mit sich, ohne Julian einen weiteren Blick zu würdigen.

„Wir sehen uns!" rief ich ihm noch zu und winkte, während er uns perplex nachsah.

„Danke."quiekte ich euphorisch und löste meine Hand aus der seinen, sobald wir außer Sichtweite waren.

„Das konnte ich mir nicht mehr länger angucken." entgegnete er lächelnd.

„Also was ist jetzt? Willst du Karussell fahren?" fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Eigentlich fahre ich immer mit Michelle.. aber dann fahre ich halt zwei Mal!"nahm ich seine Einladung an.

Sobald wir das Zelt verließen, legte Jan seinen Arm um mich.

Vermutlich damit ich nicht fror, aber das hatte er noch nie gemacht,

Nicht einmal im Kindergarten.

Trotzdem war mir seine Nähe vertraut und ich fühlte mich wohl bei ihm.

In diesem Moment schob ich sein untypisches Verhalten trotzdem einfach auf den Alkohol.

Doch wieder erwartend hatte ich an diesem Abend endlich mal wieder richtig Spaß gehabt.

Nach einer lagen Nacht schlief ich zum ersten Mal seit langem ohne Tränen ein.

Von diesem Tag an, ging es mir langsam etwas besser.

Doch es dauerte nicht lange, da folgte auch schon die nächste Ernüchterung.

Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass es ein Unfall war. Doch es dauerte Jahre, bis ich es begriff und noch heute fühle ich mich für das, was passiert ist, verantwortlich.

Es war ein schöner Herbsttag, den Franka, Leonie, Lea, Florian, Meike und ich gemeinsam am Stall verbrachten.

Wie schon so oft, wollten wir noch eine kleine Runde ausreiten. Doch diese Entscheidung bereute ich bis heute zutiefst.

Dixie kam beim hinab reiten eines Berges ins rutschen und zerriss sich die Sehnen in beiden Vorderbeinen.

Ich war am Boden zerstört und hatte unendliche Schuldgefühle.

Mein einziger Trost war es, dass sie weiterhin gut mit dieser Verletzung leben konnte, nur an richtiges Reiten war nicht mehr zu denken.

In meiner Verzweiflung blieb ich relativ allein, doch ich tröstete mich damit, dass sie mir trotzdem erhalten blieb.

Als meine Reitlehrerin Kathi mir einige Wochen später möglichst schonend beibrachte, dass sie umziehen und Dixie an einen Reittherapiehof verkaufen würden, brach meine Welt endgültig zusammen.

Meine Freundinnen hatte ich schon mit dem Thema voll geheult, doch nur Shelli und Lea verstanden mich.

Eines Abends, ich hatte mich in meinem Zimmer auf dem Sofa verkrochen, leuchtete der Bildschirm meines Handy's auf: Alice.

Zögerlich wischte ich über den Bildschirm, um den Anruf anzunehmen.

„Alice?"hauchte ich in den Höhrer. Wieso rief sie mich an? Jakob hatte es so dargestellt, dass alles Übernatürliche aus meinem Leben verschwunden wäre.

„Süße, was ist denn los?" fragte sie mitfühlend.

„Mein Leben ist ein Scherbenhaufen." wimmerte ich und kam mir im gleichen Moment ziemlich theatralisch und wehmütig vor.

„Ichh abe gesehen, wie traurig du bist. Erzähl mir, was passiert ist."forderte sie mich auf.

Und schon sprudelte jedes Detail über meine letzten Tage mit Jakob, dem Unfall mit Shelli und unseren Abschied aus mir heraus.

„..und weil mein Pflegepony sich wegen mir verletzt hat und jetzt verkauft wird." beendete ich meine Erzählung und wunderte mich selbst, dass ich es geschafft hatte nicht zu weinen.

Alice hatte mir aufmerksam zugehört.

„Das tut mir so leid." Ihre Stimme war engelsgleich, sanft und voller Mitgefühl.

„Ich bin gerade in der Nähe.. wenn du möchtest kann ich morgen vorbeikommen." schlug sie vorsichtig vor.

Hatte sie Angst, dass ich einen Besuch von ihr ablehnen würde?

„Das wäre super." Meine Laune verbesserte sich ein wenig.

Ich vermisste sie und die Aussicht auf ein Wiedersehen mit ihr wurde zu einem Lichtblick.

„Gut.Bist du morgen früh Zuhause?" trällerte sie vor sich hin.

„Wie gut, dass morgen Samstag ist." Sie hatte es wirklich geschafft, ein Lächeln auf meine Lippen zu zaubern.

Trotz allem.

Nach unserem Gespräch, konnte ich tatsächlich besser schlafen.

Am nächsten Morgen stand ich extra früh auf um noch duschen zu gehen, bevor Alice hier sein würde.

Gerade als ich mir zu guter letzt meinen dunkelroten Pullover über den Kopf zog, klingelte es an der Tür.

„Ist für mich!" rief ich während ich die Treppe hinunter polterte.

Natürlich hatte ich meinen Eltern erzählt, dass Alice vorbeikommen würde und sie hatten ein großzügiges Frühstückbuffet aufgebaut.

Na super.

Schnell schnappte ich mir Sina und trug sie mit mir sie letzten Stufen hinunter, damit sie nicht so ein Theater machte.

Sobald ich die Tür öffnete, blickte ich in leuchtende Augen, die aussahen wie flüssiges Gold aussahen.

Sie war erst kürzlich jagen gewesen.

Obwohl ich mir sicher war, dass ich nichts vor ihr zu befürchten hatte, sah ich sie einen Moment lang einfach nur an.

Ich wollte ihr nicht zu nahe treten, wenn sie es nicht wollte.

Ihr letzter Besuch bei mit hatte schließlich sehr abrubt geendet.

Langsam, vermutlich um mich nicht zu erschrecken, trat sie auf mich zu.

Auch sie schien zu versuchen, meine Reaktion auf sie einzuschätzen.

Was erwartete sie? Dass ich plötzlich schreiend wegrannte?

„Ach Alice!" begrüßte ich sie und umarmte sie schließlich doch.

Es war immer wieder ungewohnt, ihren kalten, steinharten Körper zu berühren, doch trotzdem fühlte ich mich in ihrer Nähe wohl.

Ich spürte, wie sie lockerer wurde und wieder zu atmen begann.

„Hier kommt die Ablenkung!" trällerte sie gut gelaunt in mein Ohr.

„Yeay!"eigentlich hatte ich vor, meine Begeisterung nur vorzutäuschen, doch sie war tatsächlich irgendwie vorhanden.

Dann hielt sie mich eine Armlänge auf Abstand, allerdings nur, um mich prüfend anzusehen.

„Wie geht es dir?" fragte sie sanft, doch ich wich ihrem Blick aus.

„Später."vertröstete ich sie.

Ihr Blick wurde traurig und mitfühlend.

Aber eigentlich wollte ich ihr Mitleid nicht. Zumindest nicht jetzt.

„Ich muss dir noch was beichten." versuchte ich das Thema zu wechseln und setzte ein Lächeln auf.

Jetzt hob sie skeptisch die Augenbrauen.

„Was hast du angestellt?"

„Ich? Nichts. Aber meine Eltern haben Frühstück für uns gemacht."verkündete ich uns presste die Lippen aufeinander.

Daraufhin brach sie in schallendes Lachen aus.

„Na wenn es weiter nichts ist." entgegnete sie grinsend und zog mich ins Haus.

Natürlich wurde sie herzlich von meinen Eltern begrüßt.

Sie liebten Alice. Aber wie konnte man sie nicht lieben?

Entgen meiner Erwartung setzte sie sich wie selbstverständlich an den Frühstückstisch und nahm sich ein Brötchen.

Wie unnötig dieses ganze Theater war.

Doch es war so absurd, dass ich mir das Lachen verkneifen musste.

Alice funkelte mich verschwörerisch an, als sie in ihr Marmeladenbrötchen biss.

„Alice, probier doch mal die Leberwurst. Das ist die Beste, die es hier in der Gegend gibt."

bot meine Mutter ihr an.

„Nein danke, ich bin Vegetarierin." antwortete Alice ganz trocken und ich fiel fast vom Stuhl.

Mein Gott, war ich froh, dass sie hier war.

Als wir unser Theaterstück beendet hatten, verzogen wir uns in mein Zimmer.

Wir beide wussten, dass nun ein Gespräch fällig war, aber niemand von uns wollte es beginnen.

Alice setzte ich im Schneidersitz auf mein Sofa und ich nahm mit einigem Abstand neben ihr Platz.

Eine Sekunde lang blickte sie auf die große Lücke zwischen uns.

„Das ist im Moment nicht nötig." sagte sie leise und rückte näher an mich herran.

„Sorry. Ich wollte es dir nicht schwerer machen, als es sowieso schon ist."erklärte ich etwas beschämt.

„Du machst dir zu viele Gedanken." stellte sie fest und ich erwiderte nichts darauf.

„Er hat dich verändert." fügte sie nach einiger Zeit hinzu.

Wie meinte sie das?

Fragend sah ich sie an.

„Du versuchst es jedem recht zu machen. Willst nichts falsches sagen. Versuchst jeden noch so kleinen Fehler im Bezug auf andere zu vermeiden." erklärte sie vorsichtig.

Zuerst wollte ich es abstreiten, aber ich wusste, dass sie Recht hatte und zuckte nur mit den Schultern.

„Hast du was von ihm gehört?" fragte ich, ohne sie anzusehen.

Alice zögerte kurz.

„Das Rudel jagt sie um die halbe Welt. Aber das ist total sinnlos. Sie spielt mit ihnen.

So weit ich weiß haben sie Victorias Spur komplett verloren."

Erzählte Alice mit gespielter Gleichgültigkeit.

„Geht es ihm gut?" Meine Stimme war nur ein Flüstern und eine Träne rann über meine Wange.

„Ich kann ihn nicht sehen." Frustration schwang in ihren Worten mit.

Sie hasste es, dass die Wölfe und alle in ihrer Nähe unsichtbar für sie waren.

Erst jetzt viel mir auf, dass sie nur eine Vision von mir gehabt hatte, weil Jakob nicht mehr bei mir war.

Vorsichtig streckte Alice die Hand nach mir aus und wischte fasziniert eine Träne aus meinem Gesicht.

„Du bist so schön warm." sagte sie mit einem wehmütigen Lächeln, doch ihr Blick veränderte sich.

Wir saßen so nah beieinander, dass ich sehen konnte wie sich ihre Augen um die Iris herum rot färbten.

Für eine Sekunde war sie abgelenkt, doch dann blinzelte sie und hatte sich wieder voll und ganz gefangen.

„Was willst du heute noch schönes machen?" fragte sie gut gelaunt, als ob nichts passiert wäre.

Ich wusste nicht genau warum, aber ich bewunderte sie.

Sie war so stark und kontrolliert, obwohl ihre Instinkte vollkommen gegen ihren Lebensstil arbeiteten.

Den restlichen Tag verbrachten wir damit, uns irgendwelche Filme anzuschauen von den Alice behauptete, man müsste sie unbedingt kennen.

Doch leider war der Tag mit ihr viel zu schnell vorbei.

Draußen war es bereits stockdunkel, als sie sich anmutig von meinem Sofa erhob.

Ich wusste genau, dass es unangenehm für sie wäre, die gesamte Nacht zu bleiben, also bat ich sie erst gar nicht noch bis morgen zu bleiben.

Manchmal glaubte ich, sie könne Gedanken lesen, wie ihr Bruder Edward.

„Wenn du willst kann ich noch bis morgen bleiben?" bot sie mir lächelnd an.

Was sollte ich darauf nur antworten?

Mein Zögern führte dazu, dass sie sich doch noch einmal neben mich setzte.

„Nein. Sag es nicht. Wehe du sagst jetzt das du mir das nicht zumuten willst oder so!" Sie sprach lauter als zuvor und hatte eine ernste Miene aufgesetzt.

„Ich weiß, das es schwer für dich ist. Ich sehe manchmal, wie sehr du dagegen ankämpfst." gab ich zu und ihr Bllck wurde weicher.

„Vertraust du mir?" fragte sie anstatt meine Worte abzustreiten.

„Ja!"Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.

„Sehr gut. Mach die Augen zu" Alice grinste.

„Ich hoffe du findest das jetzt nicht zu komisch.." redete sie weiter vor sich hin.

Jetzt war ich doch ein bisschen nervös. Was hatte sie nur vor?

Ich spürte, wie sie ihre rechte Hand auf meine linke Schulter legte und ihre Finger langsam meinen Hals hinauf wanderten.

Bei meiner Halsschlagader angekommen verharrte sie in der Bewegung.

„Vertrau mir." flüsterte sie noch einmal und beugte sich vor.

Ein kalter Schauer lief über meinen Rücken, als sie mit ihrer eiskalten Nase meinen Hals berührte.

Ihr gesamter Körper schien zu versteinern, doch sie zwang sich ruhig weiter zu atmen.

Warum tat sie sich das an? Und mir?

Meine Nackenhaare stellten sich auf und mein Atem stockte, obwohl ich keine Angst hatte.

Es war wohl ein natürlicher Instinkt meines Körpers, der sich der Gefahr sehr wohl bewusst war.

Obwohl ich das Gefühl hatte, fliehen zu müssen, war ich unfähig auch nur einen Finger zu rühren.

Einige Sekunden bewegte sich keiner von uns.

„So. Test bestanden würde ich sagen." Ihre Stimme war ruhig und gefasst, als sie langsam wieder etwas Abstand zwischen uns brachte.

Das flüssige Gold ihrer Augen schien vor Verlangen zu glühen und gleichzeitig lag eine absolute Ruhe darin.

Auch ich merkte, wie sich mein Körper wieder entspannte.

„Zweifel beseitigt?" wollte Alice wissen und schmunzelte.

Ich nickte nur. Was sollte ich darauf auch erwidern?

Danke, dass du mich nicht ausgesaugt hast?

Für sie schien das Thema schon längst wieder erledigt zu sein.

„Gut. Einen Ausflug per Werwolf hast du schon hinter dir? Fragte sie und schien ihre Worte direkt im Anschluss zu bereuen.

Ich überspielte es einfach und bejahte ihre Frage.

Doch sie hatte längst verdrängte, wundervolle Erinnerungen hervorgerufen.

„Dann wird es jetzt Mal Zeit für eine Vampirtour!" rief sie begeistert und ich schlug die Hände vors Gesicht.

„Komm schon." maulte sie und zog einen Flunch.

„Was muss ich tun?" seufzte ich. Meine Motivation hielt sich wirklich in Grenzen.

„Das wird toll! Du wirst schon sehen!" trällerte sie triumphierend und klatschte euphorisch in die Hände.

„Das habe ich noch nie gemacht.. also mit einem Menschen." fügte sie kichernd hinzu und sprang auf.

Ihre Worte beruhigten mich nicht gerade.

„Los!Jetzt steh auf!" drängelte sie ungeduldig und öffnete das Fenster.

„Und jetzt?" Ich hatte mich endlich von meinem Sofa losgerissen.

„Nicht erschrecken und nicht schreien!" ermahnte sie mich.

Noch bevor ich einwilligen konnte, saß ich schon auf ihrem Rücken.

Sie hatte mich einfach wie einen Rucksack auf ihren Rücken geschwungen und war darauf und dran mit mir aus dem Fenster zu springen.

Ich schnappte nach Luft und schlang die Arme fest um ihren Hals.

Und dann war es auch schon zu spät.

Sobald wir auf dem Boden aufkamen, rauschte die Umgebung an uns vorbei.

Ich konnte nicht einmal mehr sagen, in welche Richtung Alice lief und wo wir uns überhaupt befanden.

Meine Augen begannen aufgrund des Windes, der mir ins Gesicht peitschte, zu tränen.

Das Adrenalin schoss durch meine Adern.

Alice bewegte sich unfassbar schnell, mindestens genauso schnell wie Jakob.

Nach einigen Minuten stoppte sie abrupt.

Wir befanden uns in einem Wald.

„Alles okey?" fragte sie grinsend.

„Ja."auch ich musste lächeln. Das Adrenalin gab mir einen Kick und es machte wirklich Spaß.

Das war besser als Karussell oder Achterbahn fahren.

Doch bei ihr kam ich mir vor, wie ein hilfloses Klammeräffchen.

Auf Jakob's Rücken hatte ich mich immer groß und nahezu unbesiegbar gefühlt..

„Dann wollen wir Mal die Aussicht von oben genießen!" warnte sie mich vor und schon kletterte sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit eine riesengroße Buche hinauf.

Oben in der Baumkrone, waren die Äste immer noch dick genug, um bequem darauf stehen zu können, doch ich hielt mich immer noch an Alice fest.

„Wenn du willst, kannst du dich auf den Ast hier setzten." schlug Alice vor, doch ich bewegte mich keinen Millimeter.

„Ich hab Angst, dass ich da runter falle." gab ich zu.

„Du fällst nicht!" ermunterte sie mich und nahm meine Hand.

Ich hielt die Luft an und kletterte vorsichtig von ihrem Rücken.

„Und selbst wenn du fällst, springe ich hinter her und fange dich unten wieder auf!"

So bizarr sich dieses Versprechen auch anhörte, ich traute ihr durchaus zu, dass sie dazu in der Lage war.

Das Gefühl auf einem Ast in solcher Höhe zu stehen war unbeschreiblich, doch ich zitterte am ganzen Körper. Mein einziger Halt war Alice Hand.

„So was kann dein Wölfchen nicht oder?" Sie lächelte siegessicher, während ich mich mit ihrer Hilfe vorsichtig auf den Ast setzte.

Ich schüttelte nur den Kopf und presste die Lippen aufeinander.

Mit einem Seufzen setze Alice sich neben mich auf den Ast.

„Es ist besser so. Glaub mir." versuchte sie mich aufzumuntern.

Natürlich wusste ich, dass sie Recht hatte, doch ich fühlte mich so leer und verlassen ohne ihn.

„Wo sind wir hier eigentlich?" versuchte ich sie schnell auf einanderes Thema zu bringen.

Sofort hellte ihre Miene sich auf und sie war wieder Feuer und Flamme.

Für jemanden der bereits so viele Jahre auf dieser Erde weilte, war sie relativ schnell zu begeistern.

„In der Nähe von Höxter.

Diese Buche hier ist mit 49 Metern der höchste Baum hier in der Gegend."prahlte sie.

„Die Aussicht ist wunderbar." sagte ich matt und lehnte meinen Kopf an ihre Schulter.

Natürlich konnte sie Jakob nicht ersetzen, doch ich war unendlich froh, sie bei mir zu haben.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)