Lebensretter

vor 4 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 48 Dezember 2013 Anika

Obwohl ich schon relativ spät dran war, nahm ich mir noch die Zeit das zehnte Kläppchen meines Milka- Adventskalenders zu öffnen.

Schnell schnappte ich mir meine Schultasche, polterte die Treppe hinunter und lief die immer noch nur von Straßenlaternen beleuchtete Straße entlang.

Es war viertel vor sieben, in fünf Minuten würde mein Schulbus kommen.

An der Straßenecke angekommen, sah ich auch schon Jan, der dort ungeduldig auf mich wartete.

„Sorry! Ich weiß ich bin spät dran." entschuldigte ich mich.

„Och. Wir können auch einfach noch ein bisschen hier warten, den Bus verpassen und schwänzen." schlug er grinsend vor.

„Nein."seufzte ich und schob ihn an, damit er sich endlich in Richtung Bushaltestelle bewegte.

„Na gut.Aber wenn du schon nicht mit mir schwänzen willst, musst du zumindest heute Nachmittag einen Teil deiner Freizeit für mich opfern."

Bitte was? Skeptisch sah ich ihn an.

Ich meine ja, wir verstanden uns im Moment echt gut, schrieben viel und hockten auch in der Schule viel aufeinander.. aber wir hatten noch nie etwas in unserer Freizeit unternommen.

Zumindest nicht zu zweit.

Auf Party's oder beim Bowlen haben wir zwar auch schon was zusammen gemacht, aber unsere ganzen anderen Freunde waren auch immer dabei.

Sein Verhalten machte mich stutzig.

Vielleicht hatte er auch einfach nur Langeweile.

„Okey. An was hast du gedacht?" entgegnete ich mit einem Schulterzucken.

Wo blieb nur dieser blöde Bus?

„Was hattest du für heute Nachmittag geplant?" wollte er wissen.

„Das übliche. Hausaufgaben und mit dem Hund raus gehen." antwortete ich und erspähte endlich die Scheinwerfer des Busses in der Ferne.

„Okey. Dann komm ich mit." gab er zurück und stieg hinter mir ein.

Natürlich war kein Sitzplatz mehr frei. Sofort steckte ich mir meine Kopfhörer in die Ohren und versuchte für die nächsten 25 Minuten alles um mich herum zu vergessen.

Der Schultag ging zum Glück schneller herum, als ich dachte.

Bis auf die letzte Stunde: Mathe.

Schlechter als ich, konnte in diesem Fach niemand sein.

Und Herr Mengel, der Mathelehrer konnte mich aufgrund meiner Abneigung gegen sein Fach auch nicht sonderlich gut leiden.

„Wer stellt die Hausaufgaben vor?" Seine laute, strenge Stimme drang durch den Raum und ging mir durch Mark und Bein.

Seine Handfläche schnellte nach vorn und prallte mit einem lauten Knall auf den Tisch.

Ich hatte zwar versucht, die Polynomdivision- Aufgaben zu lösen, aber war nicht einmal auf irgendein Ergebnis gekommen.

Bedrohlich schritt er durch den Raum und suchte mit dem Blick nach seinem Opfer.

„Anika. Du möchtest dein Ergebnis doch bestimmt mit uns teilen."

Ich zuckte zusammen. Scheiße.

Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, aber Widerrede war sowieso vollkommen zwecklos.

Jan warf mir einen mitfühlenden Blick zu und schob so unauffällig wie möglich seine Notitzen herüber.

Dankbar nahm ich sie entgegen und nahm sie mit an die Tafel.

Jan war in Mathe auf jeden Fall besser als ich. Aber das war auch nicht besonders schwer.

Selbst eine Kartoffel hat wohl mehr mathematisches Verständnis als ich.

Zögerlich schrieb ich die Aufgabe aus Jans Heft an die Tafel und drehte mich anschließend mit hängenden Schultern um.

Ich war bereit den Anschiss für meine nicht vorhandenen Fähigkeiten zu kassieren.

Herr Mengel klatschte so laut in die Hände, dass alle Anwesenden zusammen fuhren.

„Mensch Tantchen! Das ist ja sogar richtig!" rief er aus und ich wurde von meinem Elend erlöst.

Schnell ergriff ich die Flucht und setzte mich wieder neben Jan.

„Danke. Du hast einen gut bei mir." raunte ich ihm lächelnd und erleichtert zu.

„Sehr gut. Dann gehen wir heute Nachmittag ne Runde spazieren." flüsterte er zurück.

Da war es schon wieder. Was sollte das? Warum wollte er unbedingt etwas mit mir machen?

„Okey."entgegnete ich nur.

Was passierte hier gerade?

Keine fünf Minuten später erlöste mich die Schulglocke und ich konnte endlich nach Hause.

Einige Stunden später erhielt ich eine Whatsapp-Nachricht von Jan: „Hey! Wann kann ich vorbei kommen?"

Er meinte es wirklich ernst.

Sollte ich ihm einfach absagen?

Plötzlich wurde ich total nervös.

„Gib mir eine Stunde." tippte ich schnell und rannte gleich darauf ins Bad um zu duschen.

Anschließend schminkte ich mich noch einmal komplett neu, zog eine hellblaue Jeans und einen schwarzen Pullover an.

Genau eine Stunde später war ich fertig und verließ zusammen mit Sina das Haus.

Jan lief gerade auf meine Haustür zu und wurde dort kläffend von meiner Hündin empfangen.

„Hey!Die tut nichts!" begrüßte ich ihn und lief rot an.

Na das fing ja gut an. Konnte dieser Hund sich nicht einmal benehmen?

Jan aber lächelte nur und ging weiter auf mich zu.

„Vor so einer kleinen Ratte habe ich keine Angst." entgegnete er.

Unschlüssig standen wir voreinander.

Keiner von uns wusste, was er sagen oder wie er sich verhalten sollte.

Es war absolut albern. Wie kannten uns bereits seit dem Kindergarten und benahmen uns jetzt so steif wie zwei völlig Fremde.

Während des Spaziergangs wurde die Stimmung etwas lockerer und ich begann mich wirklich wohl in seiner Nähe zu fühlen. Er brachte mich zum Lachen und hielt mich fern von den Dingen, an die ich am liebsten nie wieder denken würde.

Trotzdem war mir seine Intention hinter der ganzen Aktion immer noch unklar.

Was erhoffte er sich von dem Ganzen?

Ich ertappte mich dabei, wie ich mir einbildete, dass er mehr für mich empfinden könnte als nur Freundschaft.

Doch diesen Gedanken verwarf ich mit einem Kopfschütteln sofort wieder.

Was sollte er schon von mir wollen?

Außerdem liefen wir nebeneinander her wie zwei ganz normale Freunde.

Anderseits schien auch Jan die ganze Zeit über relativ nervös zu sein.

Er wirkte viel unsicherer als sonst. Und er war noch nie zuvor so nett zu mir gewesen.

Ich wusste gar nicht, dass er das überhaupt konnte.

Jedes Mal, wenn dich unsere Blicke trafen stieg mir ein wenig die Röte ins Gesicht und er wich verschämt meinem Blick aus.

Nach über einer Stunde waren wir wieder vor meinem Haus angekommen und standen unschlüssig voreinander.

Keiner von uns beiden wusste, wie wir uns jetzt voneinander verabschieden sollten.

Schließlich trat ich einen Schritt vor und umarmte ihn.

Zunächst schien er völlig überrumpelt, doch dann erwiderte er meine Umarmung.

Zwei Tage später hatte ich am Morgen das zwölfte Kläppchen geöffnet.

Jetzt lief ich völlig aufgeregt auf unserem Flur auf und ab.

Meine Eltern waren nicht Zuhause und Jan hatte sich mehr oder weniger selbst zum Horrorfilm- Gucken eingeladen.

Die Art und Weise, wie er mit mir schrieb hatte sich in den letzten Tagen ziemlich verändert und ich wusste nach wie vor nicht, was ich davon halten sollte.

Und dann klingelte es auch schon an der Tür.

Ich atmete noch einmal tief durch, nahm meinen bellenden Hund auf den Arm und öffnete die Tür.

Jan war vorher bereits einmal bei mir Zuhause gewesen.

Da allerdings, waren auch meine andren Freunde mit von der Partie.

Jetzt waren wir ganz allein.

„Komm rein." begrüßte ich ihn. Meine Stimme war dabei höher und piepsiger als beabsichtigt.

Auf dem Weg ins Wohnzimmer ärgerte ich mich noch über mich selbst, während Jan wortlos auf dem Sofa platz nahm.

„ Du wolltest „ES" gucken?" fragte ich noch einmal nach und suchte den Film als Online-Stream.

„Ja, genau." antwortete er kurz und kanpp.

Also verband ich meinen Laptop durch das HDMI-Kabel mir dem Fernseher und startete den Film.

Langsam ging ich ebenfalls zum Sofa und blickte direkt in Jan's unschlüssige, unsichere braun-grünen Augen.

Ich wurde nicht schlau aus seinem Verhalten. Jetzt war er mir gegenüber fast schon distanziert.

Deshalb entschied ich mich dazu, auf der anderen Seite unseres roten Ecksofas Platz zu nehmen.

Während den ersten zwanzig Minuten des Films bewegte keiner von uns auch nur einen Muskel.

Die Situation war total angespannt. Und ich hatte keine Ahnung warum.

Dann stand Jan auf, goss sich etwas zu Trinken in eines der Gläser, die ich zuvor bereit gestellt hatte, und setzte sich dann neben mich.

Immerhin hatte sich so die räumliche Distanz zwischen uns verringert, aber im Endeffekt saßen wir nebeneinander wie zwei Kartoffeln, die nicht wussten, was sie miteinander anfangen sollten.

Auch nach dem Film entwickelte sich kein wirkliches Gespräch. Was war nur mit ihm los? Was war mit mir los?

Mittlerweile hatte ich den Drang, mir selbst eine zu verpassen, weil ich mich so eigenartig benahm.

Nachdem ich Jan zur Tür gebracht hatte merkte ich erst, wie enttäuscht ich über den Verlauf des Abends war.

Aber warum?

Warum machte mir das so viel aus?

Aber jetzt wusste ich, dass ich mich vermutlich nur in etwas reingesteigert hatte.

Wir waren nur Freunde. Wenn überhaupt.

Das versuchte ich mir zumindest einzureden, doch mittlerweile zweifelte ich an meinen eigenen Gefühlen.

Hatte ich überhaupt noch welche? Nach allem was passiert war?

Und selbst wenn.. auch wenn ich es krampfhaft versucht hatte.

Ich konnte ihn nicht vergessen.

Ich würde Jakob niemals vergessen können.

Trotzdem ging mein Leben weiter.

Auch ohne ihn und damit hatte ich mich mittlerweile abgefunden.

Für einen kurzen Moment hatte ich geglaubt, dass ich endlich mit jemand anderem glücklich werden konnte..

Aber da hatte ich mich wohl getäuscht.

Und wollte ich das überhaupt? War ich überhaupt fähig dazu?

Ich stand immer noch auf dem Flur und versuchte eine Lösung für all die unbeantworteten Fragen in meinem Kopf zu finden, als mein Handy vibrierte.

„Oh man. Es tut mir so leid. Wir saßen da die ganze Zeit wie zwei Kartoffeln, dich nichts miteinander zu tun haben wollten. Das war wirklich nicht meine Absicht." stand in der Nachricht von Jan.

„Alles gut. Was war los?" war meine Antwort.

„Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Es tut mir wirklich Leid. Vielleicht lässt sich das wiederholen?" wollte er wissen.

Er verwirrte mich komplett. Was wollte er von mir? War er eben nur zu feige gewesen, um den nächsten Schritt zu machen? Oder um einfach nur mit mir zu reden?

„Wir werden sehen." antwortete ich kurz und knapp.

Jan aber ließ nicht locker.

Stunden später lag ich bereits im Bett.

„Warst du schon mal verliebt?" fragte er mich schließlich.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Und wie verliebt ich gewesen war.. aber das musste Jan ja nicht wissen.

„Ich bin mir nicht sicher. Und du?" antwortete ich um dieses Thema möglichst schnell zu beenden.

Jetzt auf einmal konnte er über solche Dinge reden?

„Ich bin verliebt." entgegnete er und eine leichte Vorahnung machte sich in mir breit.

Doch ich glaubte selbst nicht daran und erklärte mich selbst für verrückt.

„Die Glückliche." tippte ich auf dem Display und drückte auf „Senden."

„Was wäre, wenn du die Glückliche bist?" Die Antwort erschien blinkend auf meinem Smartphone und brannte sich in meine Augen ein.

Das Herz schlug mir nun bis zum Hals und ich hörte für einen Moment auf zu Atmen.

Auf irgendeine Weise hatte ich damit gerechnet und trotzdem traf mich die Gewissheit wie ein Schlag ins Gesicht.

„Du meinst also.." Die Bedeutung der Punkte konnte er sich ja wohl denken.

„Ja. Anika ich habe mich in dich verliebt." Hinter diesen Satz hatte er einen Kusssmiley und ein Herz gesetzt.

Ich war vollkommen überfordert mit meiner Welt.

Was sollte ich darauf nur antworten?

Du kannst mich doch gar nicht leiden! Warum ich? Seit wann?

Doch ich schrieb ihm nichts davon.

„Kannst du mir das auch ins Gesicht sagen?" fragte ich statdessen.

Wie konnte er mir nur über Whatsapp schreiben, dass er mich liebte?

„Ja."bestätigte Jan, doch ich konnte es nicht so recht glauben.

Wahrscheinlich träumte ich bereits.

„Okey, bis dann." schreib ich und beendete den Chat damit fluchtartig.

Obwohl es schon mitten in der Nacht war rief ich zuerst Marie und dann Lea an, um ihnen von meinem Schock und dieser völlig wirren Situation zu berichten.

Ich hatte die ganze Nacht kaum ein Auge zugemacht.

Jan's Nachricht hatte mich viel zu sehr aufgewühlt und an Schlaf war nicht zu denken.

Am nächsten Morgen war das dreizehnte Kläppchen fällig.

Morgens hatte ich erst einen Termin beim Frauenarzt, weshalb ich nicht zusammen mit Jan zur Schule fahren musste.

Irgendwie war ich erleichtert darüber.

So konnte ich ein Gespräch mit ihm noch länger hinaus zögern.

Ich hatte keine Ahnung, was ich ihm überhaupt sagen sollte. Und was ich wollte..

Doch es half alles nichts. Ich konnte ihm nicht ewig aus dem Weg gehen und so saßen wir in der dritten Stunde nebeneinander im Politikunterricht.

Unsere Lehrerin, Frau Doctor Phellipa versuchte uns für die aktuellen, politischen Themen zu begeistern, doch niemand hörte ihr zu.

Sie war die langweiligste Lehrerin, die ich je kennen gelernt hatte.

Obwohl ihr das Desinteresse des gesamten Kurses bewusst war, zog sie ihren Unterrichtsstoff eisern durch.

Plötzlich spürte ich Jan's Finger auf meiner Hand, die unter dem Tisch auf meinem Oberschenkel lag.

Langsam verschränkte er seine Finger mit meinen und ich traute mich kaum zu atmen.

Mein Herz sprang mir fast aus der Brust.

In dem Moment wusste ich nicht, ob es an ihm oder einfach an der Situation lag, doch die Röte stieg mir ins Gesicht.

Hallo?Er hielt meine Hand. Einfach so. Im Unterricht.

Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen.

Trotzdem schien niemand außer uns meine Reakton mit zu bekommen, bis auf Nele.

Sie saß direkt hinter mir und zog scharf die Luft ein, doch ich beschloss sie einfach zu ignorieren.

Jan ließ meine Hand bis zum Ende der Stunde nicht los und streichelte sanft mit seinem Daumen über meinen Handrücken.

„Was machst du am Dienstag?" flüsterte er mir irgendwann zu.

„Ich weiß noch nicht. Wahrscheinlich für Bio lernen." entgegnete ich unsicher.

Zuerst nickte er nur.

„Wenn du willst, kann ich dir helfen." bot er schließlich an und lächelte.

„Vielleicht komme ich darauf zurück." Auch ich musste lächeln.

Am Nachmittag des 17. Dezembers saß ich tatsächlich an meinem Schreibtisch und versuchte die Grundlagen der Neurobiologie zu verstehen.

Aber eigentlich war es hoffnungslos.

Mit Naturwissenschaften jeglicher Art konnte man mich jagen.

Und gedanklich war ich mit ganz anderen Dingen beschäftigt.

Ich hatte immer noch nicht wirklich verstanden, was zwischen mir und Jan gerade passierte.

Und ob dies überhaupt möglich war.

Machte es überhaupt einen Sinn es zu versuchen?

War ich wirklich bereit unsere Freundschaft zu riskieren?

Irgendwann fasste ich den Entschluss nicht mehr zu viel über alles nachzudenken.

Diese Eigenschaft hatte mir bisher nur Probleme bereitet.

Und damit war jetzt Schluss.

Es klingelte und mein persönlicher Nachhilfelehrer stand vor der Tür.

Jan grinste mich an. Seine schwarzen Haare waren wie immer perfekt gestylt und seine Augen leuchteten, als er mich ansah.

Wie viel sich doch in ein paar Tagen verändern konnte.

„Wir müssen Lernen!" sagte ich sofort mit erhobenem Zeigefinger um ihm klar zu machen, dass es heute ausschließlich um Biologie gehen würde.

Am Freitag war schließlich schon die Klausur, die ich auf keinen Fall verhauen durfte.

Schon den ersten Leistungsnachweis hatte ich völlig in den Sand gesetzt.

„Okey, okey!" entgegnete er und hob resignierend die Hände.

Dann führte ich ihn zum ersten Mal hoch in mein Zimmer.

Einen Moment lang bekam ich ein mulmiges Gefühl.

Bisher war nur Jakob hier gewesen. Kein anderer junger Mann.

Doch diesen Gedanken verbannte ich ganz schnell in die letzte Ecke meines Kopfes uns setzte mich mit Jan an den Schreibtisch.

Er gab sich wirklich Mühe und erklärte mir alles geduldig. Immer und immer wieder.

Doch ich war ein hoffnungsloser Fall.

Nach drei Stunden ließ ich mich in gespielter Verzweiflung auf mein Sofa fallen und vergrub das Gesicht in den Händen.

Ich spürte, dass sich Jan direkt neben mich setzte.

Langsam hob ich den Blick und stellte fest, dass sich sein Gesicht direkt vor meinem befand.

Zögerlich legte er seine Hand unter mein Kinn, schloss die Augen und legte seine Lippen auf meine.

Zunächst wusste ich nicht wie mir geschah, doch dann durchströmte mich ein Gefühl von Wärme.

Allerdings war es ein ganz anderes Gefühl als mit Jakob.

Es war längst nicht so intensiv und mitreißend, aber es war mehr als angenehm.

Ich sah keinen Grund, seinen Kuss nicht zu erwidern.

Jan küsste mich vorsichtig und sanft.

Schon nach wenigen Sekunden lösten sich unsere Lippen wieder voneinander und wir lächelten beide unsicher vor uns hin.

„Dein erster Kuss?" fragte er nach langem Schweigen.

„Ja. Und deiner?" Ich log. Was sollte ich ihm auch sagen? Ich hatte meinen ersten Kuss mit einem Werwolf den ich bis heute nicht vergessen kann?

Wohl eher nicht.

Doch Jan zweifelte nicht an meiner Antwort.

„Meiner auch." sagte er mit einem schüchternen Lächeln.

Beim Öffnen des vorletzten Kläppchens verspürte ich nichts als Vorfreude.

Die letzten Klausuren waren geschrieben.

Der letzte Schultag lag bereits hinter mir und die Ferien standen vor der Tür.

Schon morgen war heilig Abend und ich war dabei die letzten Weihnachtsgeschenke einzupacken.

Einige Zeit später hatte ich die Geschenke für Mama und Papa, Lea und Marie in wunderschönes, goldenes Weihnachtspapier gehüllt.

Auch für Sina hatte ich ein kleines Päckchen mit Hundeleckerlis und einem neuen Spielzeug gepackt.

Jetzt zerbrach ich mir den Kopf darüber, ob ich Jan etwas zu Weihnachten schenken sollte.

Um zumindest nicht mit leeren Händen dazustehen, lief ich noch schnell in den Edeka, besorgte eine Weihnachtskarte und eine große Packung Celebrations.

Schließlich hatte er mich für den Abend noch zu sich nach Hause eingeladen.

Als ich später in einer hellen Jeans und meinem Abschlusspulli mit der Aufschrift „Knapp aber passt schon!" vor seiner Haustür stand, musste ich feststellen, dass auch er seine Eltern ausquartiert hatte.

Er begrüßte mich sofort mit einer herzlichen Umarmung und einem zaghaften Kuss.

Jan's Eltern waren nicht Zuhause, also bekam ich erst einmal eine kleine Führung durch das Haus.

Es war uralt, genau wie das meiner Eltern.

Aber ehrlich gesagt machte es einen ziemlich runtergekommen Eindruck auf mich.

Schon im Flur bröckelte die Farbe von der Wand. Von außen war das Haus nicht einmal verputzt.

Die Möbel im Wohnzimmer und der Küche waren mindestens zwanzig Jahre alt.

Der Grund dafür lag auf der Hand: Jan's Mutter kommt von den Philippinen und schickt jeden Cent, den sie als Putzfrau verdient zu ihrer dort lebenden Familie.

Das Einkommen von seinem Vater ging zum größten Teil für die Lebensunterhaltung der dreiköpfigen Familie drauf.

Zusammen gefasst: Schön fand ich es dort nicht, aber sein Zimmer war in Gegensatz zum Rest ganz in Ordnung.

Jan schaltete den Fernseher ein und ich nahm auf seinem blauen Sofa platz.

Diesmal setzte er sich direkt neben mich und schaltete durch die Programme.

Dafür, dass es einen Tag vor Weihnachten war, lief wirklich nur scheiße im Fernsehen.

Schließlich entschieden wir uns für Family Guy.

Na super.

Aber ich muss gestehen, dass ich ohne hin nicht viel von der Serie mitbekam.

Schon nach wenigen Minuten nahm er meine Hand und nutzte seine andere, um mein Gesicht zu sich zu drehen.

Sanft legte er seine Lippen auf meine, doch diesmal wurde der Kuss von Minute zu Minute intensiver.

Dieser Tag trug schlussendlich dazu bei, dass es in meinem Leben endlich wieder bergauf ging.

Ich war nicht mehr alleine.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)