Lebensretter

vor 9 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 55 Juni 2016 Anika

Der Abend war bisher ganz nett.

Und da nett ja bekanntlich der kleine Bruder von Scheiße ist..

Am Anfang überwog natürlich die Euphorie.

Auf der Fahrt nach Volkmarsen konnte ich kaum ruhig auf der Rückbank sitzen.

Immer wieder zückte ich den kleinen Spiegel aus meiner Handtasche, um mein Make-Up zu kontrollieren.

Alice hatte wirklich ganze Arbeit geleistet.

Ich hatte mich noch nie so schön gefühlt.

Sobald mein Vater den Wagen anhielt, stieg ich vorsichtig aus um mein dunkelblaues Kleid nicht zu zerknittern.

Meine Nervosität ließ etwas nach, als ich meine Freunde erblickte.

Sofort winkte Nele mich zu sich und ihrem Freund Alexander, den dank seines Nachnamens aber alle nur Mettgen nennen, herüber.

In diesem Augenblick sah ich Nele nun zum zweiten Mal in meinem Leben in einem Kleid.

Und es war nach wie vor ungewohnt.

Aber es stand ihr wirklich gut.

Das trägerlose Oberteil ihres Kleides war zartrosa und hob sich durch eine mit silbernen Glitzersteinen besetzte Borte von dem schwarzen, bodenlangem ab.

Ihre hellbraunen Locken trug sie offen und hatte den Arm um Mettgen gelegt.

Und wo bitte war mein Freund?

Es dauerte keine zwei Minuten da gesellte sich Lisa in ihrem mit silbernen Pailletten besetztem, peachfarbenen Kleid und ihrem Freund Jan-Phil zu uns.

Seine Krawatte war perfekt auf die Farbe ihres Kleides abgestimmt.

Kurze Zeit, die mir vorkam wie eine Ewigkeit, stand ich also daneben wie das fünfte Rad am Wagen.

Und dann kam endlich Jan.

Auch seine Krawatte hatte den selben blauton, wie mein Kleid.

Er sah in seinem Anzug wirklich gut aus.

Und doch zog er eine Miene, als ob er gleich zur Schlachtbank geführt würde.

Dabei war es nur ein Tanz.

Doch auch ich fühlte mich nicht ganz wohl bei dem Gedanken.

Er gab mir einen flüchtigen Kuss zur Begrüßung und wandte sich dann den anderen Kerlen in unserer Runde zu.

Jetzt fehlten also nur noch unsere beiden Singel-Ladys.

Ich hatte den Gedanken noch nicht ausgesprochen, als Marie in unserem Blickfeld auftauchte.

Und uns allen, egal ob männlich oder weiblich, sprangen für einen Moment die Augen aus dem Kopf.

Ihr rückenfreies Kleid musste ein Vermögen gekostet haben.

Mit eleganten, schnellen Schritten kam sie auf uns zu.

Ihre blonden Locken, die sie zu einer Seite geflochten hatte, wippten imTakt.

Das gesamte Oberteil des Kleides war mit silbernen, glitzernden Diamanten besetzt, der grüne Rock schimmerte in der Sonne.

„Wow Merri! Da hast du dich aber nicht lumpen lassen!" brüllte Nele ihr entgegen.

Wir andern mussten über ihren Kommentar grinsen, doch Marie hob stolz den Kopf und lächelte auf sie herab wie eine Königen.

„Das müsst ihr gerade sagen. Ihr seht toll aus!" sagte sie zur Begrüßung.

Jetzt fehlte also nur noch eine: Lea.

Während wir warteten, kam Neles Papa mit einer Spiegelreflexkamera auf uns zu, um uns abzulichten.

Immerhin für das Gruppenfoto konnte Jan sich ein Lächeln abringen.

Irgendwann kam dann auch Lea in ihrem aprikosenfarben Kleid, dessen Oberteil mit Pailletten besetzt war auf uns zu.

Auch sie hatte ihre blond gefärbten Haare gelockt, trug sie aber offen.

„ Aely! Da bist du ja endlich!" wurde sie von allen Seiten begrüßt.

Lea jedoch verdrehte nur ihre braunen Augen.

Sie kam gerade noch rechtzeitig für die Gruppenfotos des gesamten Abijahrganges.

Es dauerte unvorstellbar lange, bis alle Abiturientinnen es geschafft hatten, sich nach den Farben ihres Kleides zu sortieren, sodass sich ein überdimensionaler Regenbogen bildete.

Als dieser Programmpunkt endlich ab geharkt war, stand uns allen der gefürchtete Eröffnungszanz bevor.

Schon vor der Halle stellten wir uns Pärchenweise auf bis der der Sound von „The black Pearl" aus Fluch der Karibik ertönte: Das Signal zum einmarschieren,

Ich atmete noch einmal tief durch, straffte die Schultern und legte meine Finger locker in Jan's erhobene Hand.

Alle Blicke der Familienmitglieder, die sich bereits in der Halle befanden, waren auf unseren Zug gerichtet.

Auf der Tanzfläche angekommen, stellten wir uns voreinander, nahmen die Tanzhaltung zum Diskofox ein und wartete, dass die Musik zu spielenbegann.

Dann endlich begann „Ich und Du" von gestört aber geil und und Jan versuchte mir im Takt über das Parkett zu folgen.

Zu meiner großen Erleichterung klappte zumindest dieser Tanz besser als erwartet.

Doch wir bewegten uns total steif.

Viel schlimmer hingegen war der darauf folgende Walzer.

Allerdings standen wir dabei von vielen andern Paaren umringt, so dass unsere Tanzkünste niemandem auffielen.

Wir waren beide sichtlich erleichtert, als es endlich vorbei war.

So schnell wie möglich begaben wir uns auf die Suche nach den Tischen, an denen unsere Familien saßen.

Meine Eltern saßen bereits mit mit Lea's, Nele's, Marie's und Lisa's Familienmitgliedern zusammen.

Wir Mädels, Mettgen und Jan-Phil gesellten sich zu ihnen.

So wie das Schicksal es wollte, saßen Jan und seine Familie an einem Tisch, der sich am anderen Ende des Raumes befand.

Na super.

Aber es gab wohl schlimmeres.

Möglichst unauffällig warf ich Frank, Lisa's Vater einen Blick zu.

Er sah besser aus, als bei unserer letzten Begegnung, doch die Krankheit war ihm deutlich anzusehen.

Er hatte Krebs.

Doch seiner einzigen Tochter zu Liebe war er trotzdem gekommen.

Sein Blick war voller Stolz.

Genau den gleichen Ausdruck konnte ich auch sehen, wenn ich in die Augen meiner Eltern sah.

Insbesondere Papa platze fast vor Stolz.

Drei Stühle an unserem Tisch, die eigentlich für Dennis und seine Eltern bestimmt waren, blieben leer.

Jetzt hatte dieser Vogel es doch tatsächlich geschafft, sich vor dem Tanz zu drücken.

Doch auch bei der Eröffnung des Buffets war nichts von ihm und seiner Familie zu sehen.

Aber ich vermisste nicht nur Dennis, sondern auch Ann-Kathrin.

Sie hatte die Schule nach dem zweiten Jahr abgebrochen, weil sie mit dem Unterrichtsstoff noch weniger klargekommen war als ich.

Dementsprechend war sie auch bei dem Abiball nicht dabei.

Immerhin hatte sie mittlerweile das erste Ausbildungsjahr zur Rechtsanwaltsgehilfin hinter sich und war heute mit Stefan zu einer Vorstellung von Stefan Raab gefahren.

Nach dem Essen gesellte sich zumindest noch unsere Freundin Michelle zu uns, die ihr Abitur bereits im letzten Jahr absolviert hatte.

Sie war diejenige, die mit mir Diskofox tanzte, wenn Nele und Lisa mit ihren Freunden über die Tanzfläche wirbelten.

Lea hatte ich, nachdem wir uns zu fünft vom Fotografen haben ablichten lassen, komplett aus den Augen verloren.

Genauso wie Jan.

Suchend ließ ich meinen Blick über die Tische gleiten, doch ich konnte ihn nirgendwo entdecken.

Immerhin bemerkte ich so Dennis, der sich durch die Menschenmassen zu Marie, Nele, Lisa, Michelle und mir durchkämpfte.

„Wie du kommst doch noch?" begrüßte Nele ihn.

Dennis sah wenig begeistert aus. Wie fast immer war er komplett in schwarz gekleidet.

„Ja Nele, stell dir vor." entgegnete er genervt.

„Du hast 800 Euro bezahlt, um erst um 23:00 Uhr auf deinem eigenen Abiball aufzukreuzen?" Ein Grinsen konnte ich mit nicht verkneifen.

„Ja. Aber immerhin musste ich nicht tanzen." antwortete er bissig.

„Was hast du denn für schlechte Laune?" fragte ich irritiert.

„Mein Vater." antwortete er leise.

Diese beiden Worte reichten als Erklärung völlig aus.

Doch jetzt wurde ich durch das Vibrieren meines Handys abgelenkt.

„Ich bin mit meinen Eltern schon nach Hause gefahren.

Viel Spaß noch.

Ich liebe dich!" stand in der Whatsapp-Nachricht von Jan.

War das etwa sein Ernst?

Ohne zu antworten ließ ich das Smartphone wieder in die dunkelblaue Tasche aus Samt gleiten.

„Was ist los?" Michelle sah mich fragend an.

Dennis warf entrüstet die Arme in die Luft.

Vermutlich weil ihm niemand mehr Beachtung schenkte.

Ich wollte gerade antworten, doch mein Mund blieb für eine Sekunde offen stehen.

Zuerst hatte ich nur Lea bemerkt, die geradewegs auf uns zusteuerte, doch dann sah ich ihn.

Sobald unsere Blicke sich trafen, blieb er stehen.

Meine Gedanken um Jan waren vergessen.

Ich schnappte nach Luft und schüttelte kaum merklich den Kopf.

Das konnte doch jetzt nicht wahr sein.

Was wollte er hier?

Meine Gefühle fuhren Achterbahn.

Zum einen konnte ich nicht leugnen, dass ich mich freute ihn zu sehen.

Andererseits tauchten sofort wieder die Bilder von unserer letzten Begegnung in meinem Kopf auf.

Meine Verzweiflung trieb mir die Tränen in die Augen und doch konnte ich sie nicht von ihm abwenden.

Auch er trug einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und zu meiner Verwunderung eine dunkelblaue Krawatte.

Sein Blick war sanft, nervös und flehend zugleich.

Ich weiß nicht wie lange wir uns einfach nur anstarrten, doch auch meine Freunde hatten mittlerweile ihre Aufmerksamkeit auf Jakob gerichtet.

Ich musste irgendetwas tun, bevor sie mit ihren Fragen auf mich einstürmten.

Ich atmete einmal tief durch und ging entschlossen auf ihn zu.

Trotzdem war ich darauf bedacht ihm nicht zu Nahe zu kommen.

„Was willst du hier?" Meine Stimme war leise und brüchig, doch ich wusste genau, dass jedes Wort bei ihm ankam.

Er machte einen Schritt auf mich zu.

Bevor ich jedoch zurückweichen konnte, verharrte er wieder in der Bewegung.

Mein Puls beschleunigte sich.

Und ich wusste nicht, ob es die Panik, die Nervosität oder die Freude war, die diese Reaktion in mir auslöste.

Nach wie vor versuchte ich krampfhaft zu verhindern, dass die Tränen meine Augen verließen.

„Ich will mich entschuldigen. Für Alles. Ich würde es so gerne ungeschehen machen.

Ich möchte es so gerne wieder gut machen. Aber ich weiß, dass kann ich nicht."

entgegnete er ruhig, doch seine Stimme zitterte.

Auch in seinen Augen glänzte eine Träne.

Und alleine ihn so zu sehen, brach mir fast das Herz.

Schon wieder.

Ich zwang mich dazu, mich zu konzentrieren.

Und dazu kommst du hierhin? Jetzt? Heute?" Entrüstung schwang in meiner Stimme mit.

„Ich habe schon deinen letzten Abschluss mehr oder weniger verpasst."versuchte er sich zu rechtfertigen.

„Seit dem ist viel passiert." unterbrach ich ihn. Meine Stimme war lauter als beabsichtigt.

„Ich weiß." beschämt senkte er den Kopf.

Alle Augen meiner Freunde ruhten auf uns.

Auch Lea war mittlerweile wieder zu Dennis und den Mädels gestoßen und ließ mich nicht aus den Augen.

Nele räusperte sich.

Vermutlich wollte sie, dass ich Jakob ihr und den andern vorstelle.

Aber das wollte ich nicht. Nicht jetzt.

Jakob's Blick wurde flehend.

„Bitte. Tanz mit mir." kaum merklich streckte er die Hand nach mir aus.

Ich zögerte. War das eine gute Idee? Konnte ich mich überhaupt noch in seine Nähe trauen?

Er schien meine Zweifel zu erraten.

„Bitte. Es wird nichts passieren. Ich tue dir nichts." flüsterte er und ich verlor mich in seinen bettelnden, dunkelbraunen Augen.

Ich nickte kaum merklich, griff jedoch nicht nach seiner Hand.

Ein schüchternes Lächeln breitete sich aus seinem Gesicht aus.

Jetzt trat er auf mich zu streckte wie in Zeitlupe seinen Arm aus und griff ganz vorsichtig nach meiner Hand.

Er ließ mein Gesicht für keine Sekunde aus den Augen.

Vermutlich hatte er Angst, dass ich vor der Berührung zurückschrecken würde, doch ich ließ sie zu.

Seine gesamte Körperhaltung änderte sich, sobald sich unsere Finger berührten.

Sämtliche Anspannung schien von der einen auf die andere Sekunde von ihm abzufallen.

Und auch mich durchfuhr dieses vertraute, beruhigende Gefühl.

Doch meine Zweifel waren noch nicht vergessen.

Mit leichtem Wiederwillen ließ ich mich von Jakob auf die Tanzfläche ziehen.

Ich fragte mich gerade noch, wie man zu „Uptown Funk" überhaupt tanzen sollte, als das Leid auch schon verstummte.

Unschlüssig stellte sich Jakob vor mich und legte seine Hand an meine Taillie, woraufhin ich meine Hand in die seine legte.

„Du bist wunderschön." flüsterte er und sah mir tief in die Augen, doch ich wandte beschämt den Blick ab.

Und dann ertönten die Stimmen der Backstreet Boys mit „ I want it that way".

Ich traute mich immer noch nicht zu ihm aufzusehen, doch er führte mich im Takt über die Tanzfläche.

Es war so anders als eben noch mit Jan.

Mit Jakob war es so einfach. Und es fühlte sich allem so vertraut an.

„Du musst nichts sagen, aber bitte hör mir zu." flüsterte er und zog mich noch etwas näher an sich.

Ich nickte nur und starrte weiterhin auf den Boden.

„Ich weiß, dass ich das, was passiert ist nicht wieder gut machen kann.

Und ich weiß auch, dass du einen Freund hast.." Er stockte. Es fiel ihm schwer diese Worte auszusprechen.

Durch diese Pause brachte er mich dazu, ihm wieder in die Augen zu sehen.

Sein Gesichtsausdruck war gequält, doch zu meiner Verwunderung blieb er vollkommen ruhig.

„Ich dachte ich könnte damit nicht leben. Aber ich habe mich geirrt."Seine großen Augen hielten mich förmlich gefangen und blickten mich eindringlich an.

Er erwartete eine Reaktion von mir, doch ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte.

„Ich kann ohne dich nicht leben." sagte er so leise, dass selbst ich die Worte kaum verstehen konnte.

„Bitte schick mich nicht weg." fügte er hinzu und blickte zu Boden.

Seine Worte rührten mich zutiefst.

„Ich kann mich ändern. Ich habe mich schon geändert. Ich kann es besser kontrollieren.." versuchte er zu erklären.

„Jakob?"Ich wollte, dass er mich ansieht.

Traurig hob er den Kopf.

„Mein Leben hat sich verändert, aber das heißt nicht, dass ich nichts mehr von dir wissen will.

Aber ich kann auch nicht vergessen, was passiert ist."sagte ich so bestimmt wie möglich.

„Bekomme ich noch eine Chance? Als Freund?" Angst und Hoffnung lagen in seinem Blick.

Ich schluckte. Nickte aber dann.

Keine Ahnung wie es funktionieren sollte, aber so wie im Moment konnte es auch nicht weiter gehen.

Ein zurückhaltendes, aber breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Danke."Seine Augen leuchteten.

Als der Song vorbei war, wollte ich mich von ihm lösen, doch er hielt mich in seinem sanften, aber festen Griff.

Ich konnte nicht anders: Ich musste Lachen.

Für einem Moment war es so, als hätte es die letzten drei Jahre nicht gegeben.

Als nächstes wurde „Echt" von Glasperlenspiel aufgelegt.

Ohne zu zögern begann Jakob damit, mich grinsend durch den Raum zu wirbeln.

Und auch mir wich das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht.

„Alle starren uns an!" rief ich ihm über die dröhnende Musik zu.

Und es stimmte.

Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie wir auf andere wirken mussten.

Und wie fasziniert alle von Jakob waren.

„Sie bewundern dich." raunte er in mein Ohr.

„Na klar! Mich!" lachte ich und bemerkte, dass selbst die andern Paare auf der Tanzfläche uns Platz machten.

Aber es war mir egal.

Ich blendete alles um uns herum vollkommen aus.

Auch die Tatsache, dass ich genau hier noch vor wenigen Stunden mit Jan getanzt hatte.

Doch jetzt war alles perfekt.

Wann war ich zuletzt so unbeschwert und glücklich gewesen?

Ich glaubte wirklich daran, dass von nun an alles besser werden könnte.

Für diesen Augenblick waren alle meine Zweifel an ihm und seinem Verhalten vergessen.

Von Sekunde zur Sekunde wuchs mein Vertrauen in ihn.

Wie hatte ich die letzten drei Jahre nur gelebt?

Völlig berauscht und euphorisch ließ ich mich am Ende des Liedes für eine Sekunde in seine Arme ziehen.

Doch dann holte mich die Realität mich ein.

Bestimmt löste ich mich von ihm und sah in seine enttäuschten Augen.

„Gib mir Zeit." bat ich ihn.

Er nickte und rang sich ein Lächeln ab.

Was sollte ich jetzt mit ihm machen?

„Kommst du mit zu meinen Freunden und zu meinen Eltern?" fragte ich schließlich.

Er schien verwundert über die Frage.

„Ja."stimmte er schließlich zu.

Ich nickte entschlossen, drehte mich um und ging auf unseren Tisch zu.

Jetzt würde ich ihnen tatsächlich einen Werwolf vorstellen.

Und sie hatten keine Ahnung. Außer Lea.

Für einen Moment fühlte ich mich unwohl, weil ich sie so auf irgendeine Art und Weise in den ganzen Schlamassel mit rein zog.

Aber wie schon so oft hatte ich eigentlich keine Wahl.

Wie erwartet wurden wir von allen beobachtet.

Selbst Jan-Phil und Mettgen fielen fast die Augen aus dem Kopf.

Insgeheim war ich spätestens jetzt richtig froh, dass Jan nach Hause gefahren ist.

Jakob folgte mir, doch die ganzen Menschen schienen ihn nervös zu machen.

Aber er hatte mir eben noch erklärt, dass er sich besser unter Kontrolle hatte.

Also redete ich mir ein, dass es keinen Grund gab, um mir Sorgen zu machen.

Ich stellte mich genau zwischen Marie und Michelle in den Kreis meiner Freunde und Jakob trat mit einem aufgesetzten Lächeln neben mich.

Insbesondere zu Lea vermied er jeglichen Blickkontakt.

Ihm war die Situation sichtlich unangenehm.

Oder konnte nur ich spüren wie er sich fühlte?

Der Rest schien es jedenfalls nicht zu bemerken.

„Das ist Jakob, ein guter Freund von mir. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren." erklärte ich kurz und knapp.

„Jakob. Das sind Marie, Dennis, Nele, Mettgen, Lisa, Jan-Phil, Lea und Michelle." stellte ich meine Freunde der Reihe nach vor.

Er wusste wahrscheinlich bei den meisten noch genau, wer sie waren. Aber alles andere wäre unhöflich gewesen.

Zum Glück lösten sich Nele und Lisa als erstes aus ihrer Schockstarre und begrüßen Jakob herzlich in der Runde.

Auch die andern tauten nach und nach auf.

Nur Lea blieb verständlicher Weise skeptisch.

Jakob wurde von Jan-Phil relativ schnell in ein Gespräch über Autos verwickelt.

„Woher kennst du den denn?" fragte Nele so diskret wie möglich, doch mir war bewusst, dass er jedes Wort mithörte.

„Von einem Zeltlager. Vor Jahren. Lea kann sich bestimmt auch noch an ihn erinnern." Log ich und hoffte sehr, dass sie mitspielte.

Jakob sah mich perplex an. Die Anspannung war ihm anzusehen.

„Ja stimmt! Aber das ist echt schon so lange her." versuchte Lea das Thema möglichst schnell hinter sich zu bringen.

„Ich gehe Mal eben deinen Eltern Hallo sagen." verkündete Jakob, doch richtete seine Worte nur an mich.

Sein Blick verriet mir, dass er auch noch etwas anders im Sinn hatte.

„Ich komme mit." entschloss ich mich unsicher,

Auch die Blicke meiner Eltern lagen bereits auf ihm, als wir uns ihnen näherten.

„Erinnert ihr euch noch an Jakob? Er ist extra wegen dem Ball gekommen."verkündete ich mit einem breiten Lächeln, um meine Unsicherheit vor meiner Mutter zu verbergen.

„Jakob! Aber natürlich! Schön, dass du hier bist."

Meine Mama schloss ihn sogar kurz in den Arm und mein Vater reichte ihm höflich die Hand.

Komisch. Mit Jan waren meine Eltern selbst nach zweieinhalb Jahren noch nicht so richtig warm geworden.

Während ich noch versuchte, die Geschehnisse des Abends hintereinander zu bekommen, verwickelte mein Vater Jakob in ein Gespräch.

Noch vor einer Stunde war ich mir sicher, ihn so schnell nicht wiedersehen zu wollen.

Und plötzlich stand er einfach da und hatte meine ganze Welt mal wieder auf den Kopf gestellt.

Nichts war so, wie es die letzten zwei Jahre gewesen war.

Er war zurück. Ich hatte ihn wieder.

Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, welches sich in mir meldete.

Insbesondere gegenüber Jan. Doch ich verdrängte ihn aus meinen Gedanken.

Zumindest für diesen einen Abend.

Ich würde in den nächsten Tagen noch genug Zeit haben, mir den Kopf über meine bisher recht gut funktionierende Beziehung zu zerbrechen.

Aber nicht jetzt.

Gerade schien es mir, als lebte ich einen meiner schon fast in Vergessenheit geratenen Träume.

Jakob war ein Teil meines „normalen" Lebens.

Meine Freunde kannten ihn jetzt und auch meine Eltern hatten ihn wiedererkannt.

Er war nicht mehr länger nur der Teil einer Welt, die sich genauso gut nur in meinem Kopf abspielen konnte.

Und mir wurde klar, dass ich mir genau das schon sehr lange gewünscht hatte.

Auch einfach Mal so zu tun, als wäre er kein übernatürliches Wesen.

Mir war klar, dass meine Freunde natürlich niemals erfahren durften, wer er wirklich war, doch die Tatsache, dass sie wussten, dass er überhaupt existierte, reichte vollkommen aus.

Obwohl er ihnen allen bekannt vor kam, schien noch keiner zu wissen, woher genau.

Aber es ratterte in ihren Köpfen.

„Kommst du mit mir nach draußen?" riss mich Jakob aus meinen Gedanken.

Das war es also, was er vorhatte.

Die Härchen an meinen Armen stellten sich auf. Das letzte Mal als ich mit ihm alleine war, würde ich zu gerne vergessen.

Er bemerkte mein Zögern und die in mir aufsteigende Angst.

„Ich möchte mich nicht mit dir Streiten. Ich werde mich nicht verwandeln. Es wird nichts passieren.

Ich möchte nur in Ruhe mit dir Reden. Versprochen." sagte er mit sanfter Stimme, die bei der lauten Musik unter zu gehen drohte.

Ich nickte und folgte ihm mit leichtem Wiederstreben nach draußen.

In der Nähe des Lichtkegels einer Straßenlampe blieb ich stehen und verschränkte die Arme vor der Brust.

Alles in mir sträubte sich, ihm weiter in die Dunkelheit zu folgen.

Obwohl ich genau wusste, dass er nicht vorhatte mir etwas zu tun.

Also hatte ich wohl doch so etwas wie einen Überlebensinstinkt.

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chenupet 30. Nov 2019

Hallo Akina,

das waren wieder spannende Kapitel.
Ich hoffe Du schreibst weiter und meldest Dich bei einer anderen Plattform an.
Fände es sehr schade, wenn diese tolle Geschichte für immer verschwinden würde.
Wünsche Dir ein schönes Wochenende.

LG Chenupet

chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....