Lebensretter

vor 5 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 59 Juli 2016 Anika

Ehe ich wusste, wie mir geschah saß ich also auf dem Rücken des riesigen braunen Wolfes.

Es war ein berauschendes, beflügelndes Gefühl, welches ich so sehr vermisst hatte.

Und nicht nur das. Ich hatte alles vermisst, was in irgendeiner Weise mit Jakob zu tun hatte.

Nur hatte ich es mir selbst nie erlaubt, mir das einzugestehen.

Ich spürte die anmutigen, fließenden und unbeschreiblich schnellen Bewegungen unter mir.

Ich flog quasi auf seinem Rücken durch den Wald.

Mit jeder Minute verlor ich einen weiteren Teil meiner Angst und obwohl ich eben noch am Boden zerstört gewesen war, durchströmte mich jetzt ein völlig entspanntes, glückliches Gefühl, das ich mir selbst nicht erklären konnte.

Die Ereignisse der vergangen Stunden kamen mir plötzlich vor wie in einem andern Leben.

Alles um mich herum schien plötzlich völlig belanglos zu sein. Abgesehen von dem hier und jetzt mit Jakob.

Ich wusste genau, dass die Welt, in der ich mich befand völlig anders aussah, doch ich gönnte mir diesen kleinen Moment des Glücks.

Meine Dämonen würden mich schon früh genug wieder einholen.

Die Nacht war kühl, doch Jakob's warmer Rücken strahlte so eine enorme Wärme aus, dass ich nicht fror.

Die Bäume, Felder und Wiesen flogen nur so an uns vorbei.

Der Wind fuhr durch mein Haar und trieb mir die Tränen in die Augen.

Doch trotzdem wünschte ich mir, dass dieser Moment ewig andauern würde.

Obwohl wir fast eine Stunde unterwegs gewesen sein mussten, war die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen und ich musste in das hier und jetzt zurückkehren.

Am Waldrand vor dem Haus der Black's blieb er stehen, ließ die Tasche fallen und wandte seinen Kopf zu mir um.

„Danke."sagte ich und ließ mich mit einem leichten Lächeln von seinem Rücken gleiten.

Dann drehte ich mich noch einmal zu dem imposanten Tier um.

Meine Angst schien wie weggeblasen zu sein. Übrig waren nur noch Faszination und Bewunderung.

Also trat ich einen Schritt auf ihn zu und legte die Arme um seinen dicken, plüschigen Hals, um meinem Wort Nachdruck zu verleihen.

Für einen Moment schien er völlig überrascht von meiner Reaktion, doch dann brummte er zufrieden und legte seinen Kopf über meine Schulter.

Da ich genau wusste, dass er jetzt nicht genauer nachfragen konnte, flüsterte ich „Es tut mir alles so leid." in sein Ohr.

Ehrlich gesagt wusste ich selbst nicht genau, was ich damit alles meinte.

Auf jeden Fall die Tatsache und Art und Weise, wie wir auseinander gegangen sind und die Gewissheit, dass er sein gesamtes Leben verschwendete, um mich zu schützen.

Vielleicht sogar die Tatsache, dass ich mit Jan zusammen gekommen war und ihm damit das Herz gebrochen hatte.

Er winselte leise, bewegte sich aber keinen Millimeter.

„Hältst du das immer noch für eine gute Idee?" fragte ich als ich mich von ihm löste und blickte zu dem kleinen Holzhaus hinüber.

Wieder nickte er entschieden, wandte sich ab und verschwand einige Meter im Wald.

Ich hingegen hob den Blick und sah in den sternenklaren Himmel.

„Schön oder?" ertönte Jakob's ruhige Stimme plötzlich direkt hinter mir und ich fuhr herum.

„Ja..ist es." stammelte ich vor mich hin.

Er hatte mich vollkommen überrascht.

„Komm, lass uns reingehen." schlug Jakob vor, stand aber relativ unbeholfen da und wusste nicht, wie er sich verhalten sollte.

Schließlich lief er einfach los, achtete jedoch darauf, dass der Abstand zwischen uns so gering wie möglich war.

Leise schlich ich hinter ihm die wenigen Stufen der Verandatreppe hinauf.

Obwohl ich mir wirklich Mühe gab, knarrten die Stufen der Holztreppe unter meinen Füßen.

Jakob hingegen bewegte sich völlig lautlos.

Im Haus war es stockdunkel, doch Jakob schaltete das Licht ein, um mir eine bessere Orientierung zu ermöglichen.

Obwohl ich so lange nicht mehr hier gewesen war, hatte sich so gut wie nichts verändert.

Zögerlich folgte ich ihm in sein kleines Zimmer.

Dort angekommen stellte Jakob meine Tasche auf seinen Schrank und drehte sich mit unsicherer Miene zu mir um.

Für ihn schien das Ganze genau so vertraut und doch zugleich völlig neu zu sein.

„Ich gehe eben ins Badezimmer okey?" fragte ich schüchtern.

Ich musste unbedingt herausfinden, ob ich genauso scheiße aussah, wie ich mich trotz allem immer noch fühlte.

„Ja klar. Fühl dich wie Zuhause." sagte er ruhig und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare.

Auch wenn er es zu verbergen versuchte, er war nervös.

Nur der Grund für sein Verhalten war mir nicht klar.

Meine Aufregung schob ich sowohl auf die Ereignisse unserer gemeinsamen Vergangenheit als auch auf die der letzten Stunden.

Schnell ergriff ich meine Tasche und flüchtete ins Badezimmer.

Dort angekommen verschloss ich die Tür und atmete erst einmal durch.

Aber auch nur so lange, bis mein Blick auf mein Gesicht im Spiegel fiel.

Ich sah grauenhaft aus.

Die Überbleibsel der Wimperntusche und des Eye-Liners hatten sich rund um meine Augen verteilt.

Auch mein Make-Up war total zerlaufen und meine Tränen hatten dank der Schminke schwarze Rinnsale auf meinen Wangen hinterlassen.

Sofort kramte ich mein Abschminkzeug aus meiner Tasche und Wusch mir das Gesicht.

Nun waren zwar die sichtbaren Spuren meiner Trauer verschwunden, doch das Gefühl von jemandem den ich geglaubt hatte zu lieben, betrogen worden zu sein, hatte tiefe Risse in meiner Seele hinterlassen.

Doch ich musste zugeben, dass es mir schon um einiges besser ging. Seit dem ich wusste, dass er für mich da war.

Auf unerklärliche Art und Weise verspürte ich zwar immer noch die unbeschreibliche Verletztheit und Wut, doch es kam mir vor, als ob der Vorfall schon Wochen her wäre.

Es fühlte sich an wie eine tiefe Wunde, die allerdings schon fast wieder verheilt war.

Schnell putze ich mir die Zähne, kämmte meine völlig zerzausten Haare glatt und schlüpfte in eine schwarze Leggins und ein schwarzes, langärmliges Oberteil.

Ursprünglich hatte ich sie zum Schlafen im Zelt eingepackt. Doch jetzt würden sie wohl auch hier ihren Zweck erfüllen.

Auch wenn ich noch nicht genau wusste, wie Jakob sich das vorstellte.

Aber um das heraus zu finden, musste ich zunächst erst mal zurück in sein Zimmer.

Möglichst leise drückte ich die Klinke herunter und sah Jakob ausgestreckt auf dem Bett liegen.

Sofort blieb ich wie angewurzelt stehen.

Mein Vertrauen in ihn war so weit erschüttert, dass ich mich nicht traute näher zu treten.

Ich würde ihn in keinem Fall wecken. Nie wieder.

Gerade als ich überlegte die Tür einfach wieder zu schließen setzte er sich auf und blickte direkt in mein vermutlich ziemlich verstörtes Gesicht.

„Komm rein. Ich habe nicht geschlafen." sagte er ruhig, doch die Angst in meinen Augen schien ihn zu verletzen.

Ich nickte stumm und trat ein.

„Soll ich auf dem Sofa schlafen?" fragte ich vorsichtig und versuchte damit das bedrückende Schweigen und den Klos in meinem Hals zu vertreiben.

Anstatt mir zu antworten schlug er enttäuscht den Blick nieder und schüttelte kaum merklich den Kopf.

Doch dann stand er wortlos auf und ging langsam auf mich zu.

Unmittelbar vor mir blieb er stehen und sah mich so an, dass ich mich mal wieder in seinen tiefen, dunklen Augen verlor.

Eine ganze Weile standen wir so da und ich spürte, wie nach und nach meine Angst und die Anspannung von mir abfiel.

Jakob hatte eine unbeschreibliche Wirkung auf mich, die sich mit nichts und niemandem vergleichen ließ.

Er schien mir durch seine bloße Anwesenheit immer das zu geben, was ich gerade brauchte.

Und so ließ er mich all meine negativen Gedanken wieder vergessen.

Irgendwann hielt er mir seine geöffnete Handfläche hin und ich legte meine viel kleinere Hand in die seine.

Ein müdes, aber überglückliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus und er zog mich sanft an sich heran.

Obwohl ich eben noch Furcht verspürt hatte, fühlte ich mich jetzt einfach nur absolut geborgen in seinen starken, warmen Armen und ich ließ meinen Kopf an seine Brust sinken.

Er atmete erleichtert aus sog den Duft meiner Haare ein.

Was machte er nur mit mir?

„Ich hatte Angst, du rennst jeden Moment schreiend weg." flüsterte er mir ins Ohr.

„Ich..ich wollte dich nicht stören." stammelte ich vor mich hin.

Er seufzte und hielt mich gerade soweit von sich weg, dass er mich ansehen konnte.

„Ich schwöre dir, dass ich es besser im Griff habe. Es klappt nicht immer alles, wie ich es möchte aber es ist nicht mehr so schlimm wie noch vor ein paar Jahren." Seine Stimme war leise und doch konnte ich vernehmen, wie sie zitterte.

Es fiel ihm nicht leicht, mit mir darüber zu sprechen.

„Außerdem störst du nie." fügte er lächelnd hinzu.

Was sollte ich dazu nur sagen? Ich wollte ihm so gerne glauben..

„Das mit dem Sofa ist nicht nötig. Und wenn dann würde ich da schlafen."Er interpretierte mein Schweigen als Unsicherheit, womit er nicht ganz Unrecht hatte.

Obwohl ich wusste, dass er nach wie vor gefährlich war, hatte ich mich bereits in dem Moment entschieden, als ich meine Hand in seine gelegt hatte.

Und ich wollte nach allem was passiert war wirklich nicht alleine sein.

„Okey."erwiderte ich leise, woraufhin sein Lächeln nur noch breiter wurde.

„Gib mir eine Minute." verkündete er und verschwand in Richtung Badezimmer.

Mit einem Seufzer ließ ich mich auf sein Bett plumpsen, blieb jedoch auf der Bettkante sitzen.

Wie konnte der Tag nur so eine Wendung genommen haben?

Ich kam mir vor als ob ich träumte, aber ich konnte mich noch nicht entscheiden, ob es nun ein guter oder ein böser Traum war.

Aber ich wusste, dass ich vermutlich nirgendwo lieber wäre als bei ihm.

Doch es standen trotz Allem noch so viele Dinge zwischen uns.

Unser letztes Gespräch, bevor er für so lange Zeit fortgegangen war, hatte sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

Er hatte gesagt, dass er es leid wäre mir etwas vorzuspielen und dass ich ihm nicht gut tat.

Schon bei dem Gedanken an seine Worte stiegen mir die Tränen in die Augen.

War das die Wahrheit?

Ich wusste es nicht.

Und schon spazierte Jakob wieder ins Zimmer hinein.

Ohne es zu wollen heftete ich meinen Blick an seinen immer noch unbekleideten rostbraunen, durchtrainierten Oberkörper, woraufhin sich ein erneutes Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete.

„Soll ich mir lieber was anziehen?" fragte er spöttisch.

Entrüstet und lachend zugleich schleuderte ich ihm sein Kopfkissen entgegen,welches er natürlich gekonnt mit einer Hand auffing.

In gespielter Entrüstung verschränkte ich die Arme und er setzte sich langsam neben mich.

„Brauchst du noch irgendwas?" Seine Stimme klang müde, doch er blickte mich aufmerksam an.

„Alles gut. Leg dich hin." antwortete ich und stand auf um das Licht imZimmer auszuschalten.

In Jakob's Zimmer war es nie vollkommen dunkel, sodass ich mich auch ohne Licht problemlos im Zimmer zurecht fand.

Und er hatte tatsächlich Mal auf mich gehört.

Er lag auf dem Rücken, doch sobald ich mich auf die andere Hälfte des Bettes legte, wandte er sich mir zu.

„Ich muss morgen früh für ein oder zwei Stunden zum Rudel, aber bis du aufwachst, bin ich wahrscheinlich schon wieder da." murmelte er.

„Wann denn?" fragte ich nach und runzelte die Stirn.

„Guck nicht so. Du wirst es gar nicht bemerken."sagte er und seine Mundwinkel zuckten nach oben.

„Du hast meine Frage nicht beantwortet." gab ich zurück und starrte an die Decke.

„Um sieben." murmelte er und schloss die Augen.

Ich seufzte nur, verkniff mir aber meinen Kommentar.

Es war bereits halb vier und auch er brauchte seinen Schlaf.

Also wandte ich mich von ihm ab, doch ich fand keine ruhige Minute.

Natürlich mein persönliches Beruhigungsmittel lag nur einige Zentimeter von mir entfernt und trotzdem erschien er mir noch zu weit weg.

Und die Vorstellung, dass er sich in meiner Gegenwart verstellen musste und ich nicht gut für ihn war, quälte mich.

Aber wenn das die Wahrheit war, warum war ich dann jetzt hier?

Obwohl ich mich vorher gezwungen hatte, ruhig liegen zu bleiben um ihn nicht zu stören, wandte ich mich jetzt nun doch wieder zu ihm um.

Zu meiner großen Überraschung schlug er sofort die Augen auf. Er hatte noch nicht geschlafen.

„Was ist los?" fragte er heiser.

Unsere Blicke trafen sich, wodurch es mir gleich ein kleines bisschen besser ging.

„Alles gut. Schlaf jetzt." gab ich zurück.

„Ich kann nicht" erwiderte er matt und seine Lieder flatterten.

Ich konnte ihm nicht glauben.

Ich dachte er befinde sich bereits wieder im Halbschlaf, als er seine Frage wiederholte.

„Es ist einfach so viel passiert." gab ich zurück.

Diese Antwort konnte er jetzt so interpretieren, wie er es wollte.

„Dabei sprichst du jetzt aber nicht nur über deinen Freund?" harkte er nach und klang plötzlich wieder wacher als zuvor.

„Ex-Feund"berichtigte ich ihn automatisch.

Jetzt war er wieder voll und ganz bei mir.

„Hey, sprich mit mir. Dein Herz schlägt dir bis zum Hals und ich spüre, dass dich etwas bedrückt." sagte er sanft.

„Können wir noch reden? Oder lieber morgen?" platzte es dann doch aus mir heraus.

„Klar. Wir haben alle Zeit der Welt." gab er zurück und setzte sich mühsam und zugleich elegant auf.

Ich tat es ihm gleich und er sah mich auffordernd an.

„Jakob es ist so viel passiert. Dann sitzen wir in drei Stunden noch hier."versuchte ich ihn zum Aufschub des Gesprächs zu bringen.

„Und wenn schon." Er war fest entschlossen.

„Jakob.."jammerte ich, doch er unterbrach mich sofort.

„ Weißt du eigentlich wie froh ich bin, dass du hier bist? Das hatte ich mir nicht einmal mehr zu träumen gewagt. Und wenn wir noch die nächsten drei Tage hier sitzen, es ist mir egal.

Ich will es besser machen. Bitte." Zum Ende hin wurde seine Stimme flehend.

Wir saßen beide im Schneidersitz voreinander. Sein Blick fesselte mich und trieb mir zugleich die Tränen in die Augen.

„Ich will dir wieder vertrauen. Bedingungslos. Aber nach allem was passiert ist..."

„Ich weiß." seine Stimme war sanft und ruhig, doch seine zitternden Finger verrieten ihn.

Ich hielt Inne. Genau das war das Problem.

„Ich hab es im Griff. Aber es ist nicht einfach für mich."gab er zu als er meinen Blick, der auf seinen Händen ruhte, bemerkte.

„Wir müssen das nicht machen." warf ich erneut ein.

„Doch müssen wir. Und das weißt du."

Er hatte Recht.

„Ich will, dass du weißt, das mir das alles unendlich leid tut. Nichts von all dem hätte passieren dürfen. Und wenn ich es irgendwie rückgängig machen könnte.." Ich spürte, wie die Verzweiflung in ihm wuchs.

„Es ist ja alles nochmal gut gegangen." versuchte ich seine Wut auf sich selbst zu vermindern.

Schon jetzt war ich beeindruckt, wie gut er sich schlug.

Sonst war er vor solchen Situationen immer davon gerannt oder hatte komplett die Kontrolle verloren.

„Und das grenzt an ein Wunder." Ich habe dich und deine Freundin verletzt und deinen Hund durch die Luft geschleudert." Eine Träne schimmerte in seinem rechten Auge.

Ich konnte ihn nicht so sehen.

„Es ist alles gut. Michelle geht es gut, Sina geht es gut und mir geht es gut." versuche ich ihn zu beruhigen.

„Sie hasst mich, oder?" fragte er und sah mich endlich wieder direkt an.

„Shelli? Nein. Die fand das Ganze super spannend und aufregend. Wegen der musst du dir keine Sorgen machen. Die ist mindestens genauso bekloppt wie du." Bei dem Gedanken an sie musste ich Lächeln.

„Und Sina?" Er wirkte nach wie vor alles andere als entspannt.

„Seit dem ich Wegui habe geht es der so gut wie nie zuvor. Sie hatte den Vorfall fünf Minuten später schon wieder vergessen." erklärte ich.

„Was ist es dann?" fragte er leise und beugte sich einige Zentimeter zu mir herüber.

„Wie meinst du das?" Ich konnte es mir denken, wollte aber sicher sein, worauf er hinauswollte.

„Irgendetwas steht immer noch zwischen uns. Bitte rede mit mir." sagte er immer noch ruhig.

„Liegt das nicht auf der Hand?" Ich biss mir auf die Lippe, um zu verhindern, dass Tränen in meine Augen strömten.

Schweigend und eindringlich sah er mich an, doch sein Blick war gequält.

Ich musste es endlich hinter mich bringen.

„Die letzten Tage auf Ameland waren das reinste Chaos. Ich hatte keine Ahnung, woran ich bei dir bin." begann ich, musste jedoch eine Pause machen um meine Tränen zurückzuhalten.

Die Erinnerungen an diese Zeit waren schmerzhaft und wunderschön zugleich.

„Ich weiß. Ich war nicht ich selbst. Ich war ziemlich angeschlagen und dazu kam noch der Schlafmangel. Ich hätte dich nie so behandeln dürfen." reuevoll schüttelte er den Kopf.

„Bist du jetzt du selbst?" Ich konnte mir diese Frage nicht verkneifen, doch meine Stimme klang schärfer als beabsichtigt. Schließlich litt er auch jetzt unter Schlafmangel. Wegen mir. Schon wieder.

„Ja."seine Antwort war klar und deutlich.

„Und wie war das mit dem Schlafmangel?" Jetzt wollte ich es wirklich genau wissen.

„Es geht mir gut. Außerdem kam zu dem Zeitpunkt einfach zu viel zusammen." beharrte er.

„Das sagt du immer." entgegnete ich und starrte auf die Hände in meinem Schoß.

Daraufhin schwieg er.

„Woher soll ich wissen, wie scheiße es dir gerade geht? Und wie ich mich dir genüber verhalten soll?" Ich hatte mich nie getraut, diese Frage zu stellen.

„Ich weiß, dass du es spüren kannst. Aber ich will nicht, dass du dir darüber Gedanken machst.

Ich will nicht, dass du ständig Angst hast, etwas falsches zu sagen oder zu tun." seine Stimme war schon fast flehend.

Aber wie sollte es gehen? Es hatte schon nicht funktioniert, als ich darauf bedacht war, ihn nicht zu nerven und nicht aufzuregen, wenn es ihm schlecht ging.

Und jetzt erwartete er von mir, dass ich so tat als wäre immer alles in bester Ordnung.

Selbst wenn ich spüren konnte, dass es ihm nicht gut ging?

Ich schüttelte den Kopf, wodurch seine Mundwinkel nach oben zuckten.

„Warum wusste ich das?" fragte er lächelnd.

„So bin ich eben." gab ich zurück.

„Ich weiß. Erzähl weiter." forderte er mich auf.

„Der Kuss." flüsterte ich, woraufhin er sofort das Gesicht in den Händen vergrub.

„Du hast nichts falsch gemacht. Ich hatte nur keine Ahnung, dass es mich so aus der Bahn wirft.

Wäre ich nicht gegangen, hätte ich mich verwandelt." erklärte er noch einmal.

„Ich weiß..aber damals..Jakob das war mein erster Kuss." Es war schlimm für mich gewesen.

Aber zumindest das konnte ich mittlerweile verstehen. Mit einem sarkastischen Lächeln schüttelte ich den Kopf.

„Und ich habe es total vergeigt. Es tut mir so leid." doch auch auch seine Mundwinkel zuckten.

Konnten wir jetzt tatsächlich über diese völlig verkorkste Aktion lachen?

„Also steht dieser Kuss in keinerlei Beziehung mehr zwischen uns?" Nicht, dass er jetzt davon ausging, dass sich die Situation all zu bald wiederholen würde.

„Nein."gab er mir mit einem sanften Lächeln zu verstehen.

„Aber du hast mir immer noch nicht gesagt, wo das eigentliche Problemliegt." beharrte er.

Einige Sekunden starrte ich schweigend zu Boden.

„Du hast gesagt, dass du dich bei mir immer verstellen musst und dass ich nicht gut für dich bin."

Ich traute mich nicht ihn anzusehen.

„Und das hast du mir geglaubt?" seine Stimme klang auf einmal unheimlich traurig.

„Du hast mir nur das bestätigt, was ich mir selbst schon immer gedacht habe. Ich bin nur eine Last für dich." Jetzt konnte ich es nicht mehr verhindern, dass eine Träne mein Wange herunter kullerte.

„Ich habe das nur gesagt, um den Abschied für uns beide leichter zu machen. Es war nicht ernst gemeint. Ich wollte nur, dass du mich hasst und möglichst schnell vergessen kannst." erklärte er.

„Ich konnte dich nicht vergessen. Nicht für eine Sekunde. Und gehasst habe ich dich auch nicht.

Ich könnte dich niemals hassen." fiel ich ihm ins Wort.

„Und du bist keine Last für mich. Du bist mein ein und alles. Du bist der Grund warum ich noch Lebe, warum ich kämpfe, warum ich lachen und glücklich sein kann." sagte er und streckte langsam seine Hand aus und legte sie an meine Wange.

Liebevoll streichelte er mir mit dem Daumen über die Wange und beseitigte so meine Tränen.

Ich war unglaublich froh darüber, dass seine Worte vor drei Jahren nicht der Wahrheit entsprachen.

Sie hatten mich lange genug, selbst bis in meine Träume, verfolgt.

Ich hatte das Bedürfnis, mich in seine Arme fallen und mich trösten zulassen, doch etwas hielt mich davon ab.

„Da ist noch etwas oder?" fragend und traurig zugleich blickte er mir in die Augen.

Ich schloss die Augen.

Immer noch ruhte seine glühende Hand an meiner Wange.

„Noch bis vor kurzem dachte ich, du würdest mir niemals weh tun."hauchte ich schließlich. Meine Stimme war von Tränen erstickt, die sich in meinen Augen sammelten.

Sofort nahm er seine Hand von meinem Gesicht, denn sowohl seine Hände, als auch seine Arme begannen zu beben.

Ich starrte auf die Bettdecke zwischen uns.

Meine Härchen auf den Armen stellten sich auf.

Er machte mir Angst und ich hatte das Bedürfnis den Abstand zwischen uns zu vergrößern, doch ich wollte ihm vertrauen.

„Ich wollte dir niemals weh tun." presste er mühsam hervor.

„Und doch hast du es getan." Meine Worte waren so leise, dass ich sie selbst kaum hörte.

Statt einer Antwort hörte ich nur seine beschleunigten, stoßweise kommenden Atemzüge.

Ich spürte, wie selbst das Bett unter uns zu vibrieren begann.

Meine Angst wuchs, doch ich konnte mich der Situation nicht entziehen.

Früher war es entweder so gewesen, dass er vor mir weggerannt oder völlig ausgerastet ist.

Er versuchte mit aller Kraft sich zu beruhigen und hatte die Augen geschlossen.

Ich wagte kaum noch zu atmen, doch auch ich musste jetzt einfach versuchen den Moment auszusitzen.

Wir konnten nicht immer beide vor einem solchen Gespräch davon laufen.

„Du hast Angst." stellte er mit angespannter Mine fest. Es schien ihn traurig zu machen und doch stand jede Faser seines Körpers unter Strom.

Ich nickte kaum merklich, woraufhin er die Hände zu Fäusten ballte.

Plötzlich wandte er sich von mir ab und saß auf der Bettkante.

Für einen Moment dachte ich, er würde aufspringen und verschwinden, doch er verharrte in der Bewegung.

Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, doch er gab keinen Ton von sich.

Und das verunsicherte mich nur noch mehr.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus.

„Jakob?"fragte ich mit zitternder Stimme.

„Mhm?"Obwohl er sich zu bemühen schien, freundlich zu klingen, lag etwas bedrohliches in seiner Reaktion.

„Was kann ich tun?" Meine Stimme drohte von Schluchzern erstickt zu werden, doch ich riss mich zusammen.

Trotzdem schien er sehr wohl zu bemerken, wie sehr mich sein Verhalten verunsicherte.

„Bitte hab etwas Geduld mit mir. Du brauchst keine Angst zu haben." sagte er deutlich sanfter als zuvor.

Konnte ich seinen Worten glauben schenken? Hatte ich wirklich nichts vor ihm zu befürchten? Sein Körper sprach eine andere Sprache.

Seine Hände und Arme bebten noch immer.

Wieder erinnerte ich mich selbst daran, ihm zu vertrauen.

Langsam streckte ich meine Hand aus und legte sie auf seine zitternden Finger.

Sofort drehte er den Kopf und sah mich verwundert an.

Innerhalb von Sekunden schien er sich zu beruhigen.

„Sorry."sagte er beschämt und wandte sich wieder zu mir um.

„Ich will es nur verstehen." entgegnete ich ohne auf seine Entschuldigung einzugehen.

Er räusperte sich.

„Ich habe nur noch rot gesehen. Du weißt genau, wie viel du mir bedeutest. Und ich hatte dich an ihn verloren. Euch so zu sehen.. und dann noch die Fotos an deiner Wand.

Es war zu viel für mich. Und ich wusste, dass ich niemals hätte gehen dürfen." Auf einmal wirkte er unglaublich traurig.

Sein Blick ruhte auf der Bettdecke zwischen uns.

„Gäbe es eine Möglichkeit, das alles Rückgängig zu machen..egal für welchen Preis. Ich würde es tun." endlich sah er mich an. Mit Tränen in den Augen. Ich hatte das Bedürfnis ihn zu trösten.

Er hatte es sich nie leicht gemacht. Mittlerweile wusste ich, dass er mindestens genauso gelitten hat, wie ich.

Ohne länger darüber nachzudenken, legte ich die Arme um seinen Hals.

Für einen Moment schien er überrascht von meiner Reaktion, doch dann zog er mich in seine Arme.

Ich atmete erleichtert aus und ließ meinen Kopf gegen seine Brust sinken.

„Du bist unglaublich." flüsterte er lächelnd und gab mir einen Kuss aufs Haar.

Einige Minuten saßen wir so da, doch ich spürte wie Jakob immer mehr in sich zusammen sank und sein Gewicht auf mir lastete.

Langsam löste ich mich von ihm und er öffnete die Augen.

„Leg dich hin." sagte ich lächelnd und legte eine Hand an seine Wange.

Er erwiderte es zwar, doch die Müdigkeit übermannte ihn.

Ich rutschte von seinem Schoß und er ließ sich sofort nach hinten in die Kissen fallen.

Ich musste lachen.

Plötzlich erschien mir alles wieder so vertraut.

Ich wusste selbst nicht, wie es möglich war, doch plötzlich war ich überglücklich.

Grinsend legte ich mich vorsichtig neben ihn, berührte ihn jedoch nicht.

Zu meiner Verwunderung öffnete er seine Augen erneut.

„Fühlst du dich jetzt besser?" fragte er schläfrig.

„Ja. Mach dir keine Gedanken." erwiderte ich lächelnd.

Seine Lieder flatterten.

Wer konnte es ihm verübeln. Es war bereits fast halb fünf.

Im Zimmer wurde es schon langsam wieder heller.

„Wirklich?"Obwohl er die seine Augen kaum noch offen halten konnte, lag Sorge in seinem Blick.

„Eine kurze Frage noch."

Ich musste es jetzt ansprechen.

Am nächsten Morgen würde ich mich vermutlich nicht mehr trauen.

„Mhm?"aufmerksam sah er mich an.

„In Situationen wie eben.. woher weiß ich, wann ich noch in deiner Nähe sein kann und wann ich wirklich lieber Abstand halten sollte?" Ich biss mir auf die Lippe. Die Frage war mir unangenehm.

Doch er reagierte ganz gelassen. Vielleicht war er auch einfach nur zu müde, um sich aufzuregen.

„Solange nur die Hände und die Arme zittern, habe ich es noch halbwegs im Griff." erwiderte er mit einem sarkastischen Lächeln.

Wir wussten beide, dass sich sein Zustand innerhalb von Millisekunden verändern konnte, doch als grobe Richtlinie reichte mir seine Antwort.

„Okey, schlaf gut." flüsterte ich und spürte langsam, dass auch ich unglaublich müde war.

Die Ereignisse des Tages waren einfach zu viel für mich gewesen und die Nacht war schon fast vorüber.

In Kürze würde die Sonne aufgehen.

Er drehte sich auf die Seite, sodass er mir zugewandt lag, streckte seine Hand aus und legte sie vorsichtig auf die meine.

Mit einem letzten Blick vergewisserte er sich, ob die Berührung für mich in Ordnung war.

„Du auch." flüsterte er und schloss mit einem zufrieden Seufzer die Augen.

Seine Hand, die auf meiner ruhte, trug dazu bei, dass auch ich mich vollkommen entspannte und nach wenigen Minuten einschlief.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)