Lebensretter

vor 4 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 69 September 2016 Anika

Den gesamten Vormittag verbrachte ich am Stall, doch irgendwann musste ich wieder nach Hause.

Aber das bedeutete auch, dass ich alleine Zuhause herum sitzen würde und viel zu viel Zeit zum nachdenken hätte.

Also verbrachte ich erst einmal eine halbe Stunde unter der Dusche.

Als ich das Wasser abschaltete, stellte ich mit Erschrecken fest, dass mein Handy klingelte.

Sofort sprintete ich aus der Dusche, und wischte über das Display, bevor ich überhaupt einen Blick darauf werfen konnte.

„Hallo?"hauchte ich atemlos in das Smartphone.

„Hallo!"trällerte Alice gut gelaunt in den Hörer und zauberte mir so ein breites Lächeln auf mein Gesicht.

„Sag mal, hast du heute Abend sagen wir so ab 21:00 Uhr schon was vor?"fragte sie neugierig.

„Nein, bisher noch nicht." antwortete ich freute mich innerlich schon überschwänglich darauf, sie endlich wiederzusehen.

„Ist es okey, wenn ich noch vorbei komme?" Ihre Stimme war leise und unsicher.

„Klar!"antwortete ich wie aus der Pistole geschossen, doch dann reifte ein Gedanke in meinem Kopf.

„Du Alice?" begann ich vorsichtig.

„Ja?"Skepsis lag in ihrer Stimme.

„Könntest du mich aus Tuhle abholen?" fragte ich mit zusammen gekniffenen Augen.

Sie schwieg.

„Ich würde dann gleich Jakob sein Auto zurückbringen, er hat es heute morgen bei mir stehen lassen. Du musst mich auch nicht direkt bei ihm Zuhause abholen, Wir können uns irgendwo in der Nähe treffen.

Ich will auf keinen Fall, dass er mich noch nach Hause fahren muss.

Er ist vielleicht sowieso nicht einmal Zuhause.." sprudelte es aus mir heraus.

„Okey, okey! Ist ja schon gut! Willigte sie ein.

„Danke!Du bist die Beste!" quiekte ich und war schon dabei, im meinem Schrank nach einem passenden Outfit herum zuwühlen.

„Ich melde mich bei dir, kurz bevor ich das Kaff erreicht habe." seufzte sie.

„Okey. Bis dann!" verabschiedete ich mich und konnte es noch nicht fassen, dass ich noch am gleichen Tag sowohl Alice, als auch Jakob wiedersehen würde.

„Fahr vorsichtig!" mahnte sie und legte dann auf.

Ich hingegen freute mich wie ein kleines Kind.

Schnell zog ich eine dunkelblaue Jeans und einen dunkelgrünen Pullover an.

Meine Eltern waren nicht Zuhause, weshalb ich mich nicht rechtfertigen musste, wo ich hin wollte.

Gerade als ich die Wohnungstür hinter mir schließen wollte, sah Sina mich mit ihren traurigen, süßen Hundeaugen an, sodass ich doch beschloss sie mitzunehmen.

Ein bisschen Gesellschaft bei der Fahrt konnte ja schließlich nicht schaden.

Ich atmete noch einmal tief durch, bevor ich in sein Auto stieg.

Ich war nervös und befürchtete, nicht heile in Tuhle an zu kommen.

Doch sobald ich einstieg schlug mir sein vertrauter, süßer Geruch entgegen, der mich augenblicklich beruhigte.

Entschlossen drehte ich den Schlüssel im Schloss und fuhr los.

Was sollte schon schief gehen?

Immerhin musste ich nur auf der Landstraße und weder auf der Autobahn, noch durch die Stadt fahren um zu Jakob's Haus zu gelangen.

Und tatsächlich schaffte ich es unfallfrei mein Ziel zu erreichen.

Doch schon einige hundert Meter vor seinem Haus machte sich die Enttäuschung im mir breit.

Er war nicht Zuhause.

Niedergeschlagen fuhr ich in die Einfahrt und sah Billy, der auf der Veranda saß und in eine Zeitung vertieft war.

Als er das Motorengeräusch wahrnahm, hob er den Kopf und nickte mir zur Begrüßung lächelnd zu.

Für einen Moment überlegte ich, was ich jetzt überhaupt tun sollte.

„Und jetzt?" fragte ich meine Hündin die im Fußraum des Beifahrersitzes saß und mich mit großen Augen anschaute.

„Na komm." sagte ich nur eine Sekunde später, zog den Schlüssel ab, stieg aus dem Wagen und ging langsam auf Billy zu.

Sina erreichte ihn bereits lange vor mir und ließ sich ausgiebig von ihm kraulen.

„Dich habe ich aber lange nicht mehr gesehen." begrüßte Billy sie und schien sich über den tierischen Besuch zu freuen.

„Hallo. Ich wollte Jakob sein Auto wiederbringen." stammelte ich unsicher.

„Er ist leider noch nicht Zuhause, aber du kannst hier mit mir warten, wenn du möchtest." bot er lächelnd an.

„Danke."erwiderte ich lächelnd und setzte mich auf die oberste Stufe der Veranda.

Der Sommer neigte sich langsam dem Ende und die Blätter vielen von den Bäumen.

Die Umgebung leuchtete in wunderschönen Farben und doch erschien mir die Welt in diesem Moment grau.

Billy war wieder in seine Zeitung vertieft und ich starrte auf den Waldrand, als mein Handy in meiner Hosentasche vibrierte.

Innerlich betete ich, dass es noch keine Nachricht von Alice war und ich hatte tatsächlich Glück.

„Hey du! Wann darf ich denn endlich umziehen? Im Oktober muss ich anfangen!" stand in der Nachricht von Lea.

Scheiße. Das Problem hatte ich ja schon fast vergessen.

Natürlich verstand sie, dass es im Moment keine gute Idee war, nach Paderborn zu ziehen, doch ab Oktober musste sie dort zur Schule gehen.

„Kannst du nicht die ersten Wochen mit dem Auto zur Schule fahren?" tippte ich hoffnungsvoll zurück.

„Mit welchem Auto?" erhielt ich gleich darauf die Antwort.

Ich wusste keine andere Lösung und appellierte nur noch einmal an ihre Vernunft, so wenig Zeit wie möglich in der Stadt zu verbringen.

Während ich noch verzweifelt nach einer Antwort suchte, durchfuhr mich plötzlich dieses vertraute, warme Gefühl und ich blickte auf.

Jakob trat aus dem Wald hervor und auch Leah erschien hinter ihm in meinem Blickfeld.

Doch ich nahm sie nur am Rand wahr.

Mein Blick fixierte sich nahezu ausschließlich auf Jakob.

Seine Körperhaltung wirkte schlaff, seine Schritte waren schleichend.

Seine Gesichtszüge waren angespannt. Selten hatte ich einen derartig schlecht gelaunten Ausdruck bei ihm gesehen.

Sofort bereute ich, dass ich uneingeladen vorbei gekommen war.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Es war ein Fehler.

Es war nicht zu übersehen, dass er im Moment weder die Zeit und Lust, noch die Nerven hatte um sich mit mir auseinander zu setzten.

Doch dann hob er den Kopf, wendete ihm mir zu und fand meinen Blick.

Er hatte mich erst jetzt bemerkt.

Seine Körperhaltung strafte sich augenblicklich und seine Miene, die zuvor in Stein gemeißelt schien, wurde weich und er lächelte mich an.

Selbst auf diese Entfernung konnte ich allerdings erkennen, dass es seine Augen nicht erreichte.

Trotzdem lächelte ich zurück und stand auf, um ihm entgegen zu gehen.

Sobald ich mich in Bewegung setzte, sprang auch Sina auf und rannte den beiden bellend entgegen.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Leah Jakob überholt hatte und mit einem strahlenden, wenn auch müdem Lächeln auf mich zu kam.

„Was machst du denn hier?" fragten wir beide gleichzeitig und brachen in ein schallendes Lachen aus.

Dann schloss sie mich in ihre Arme.

„Meine Mutter wohnt quasi bei Billy.. und anders herum. Schon vergessen?"fragte sie grinsend.

„Stimmt." entgegnete ich und löste mich aus ihrem Arm um sie anzusehen.

Sie sah ziemlich mitgenommen aus.

Doch bevor ich irgendetwas erwidern konnte sah ich wie Jakob flüchtig meinen Hund begrüßte und die Arme verschränkte.

Schließlich räusperte er sich und sah mich an.

Das führte dazu, dass ich mich endgültig von Leah löste und ihm wieder meine gesamte Aufmerksamkeit widmete. Vermutlich sollte sein Gesichtsausdruck ein Lächeln darstellen, was seine Wirkung vollkommen verfehlte.

Obwohl es mir schwer fiel, hielt ich seinem matten Blick stand.

„Ich habe dir dein Auto wieder gebracht." verkündete ich, in derHoffnung auf eine positive Reaktion.

„Das wäre nicht nötig gewesen." Seine Stimme war hart. Härter als sonst und ein vorwurfsvoller Unterton schwang in seiner Stimme mit.

Sofort wandte ich den Blick ab. Ich fühlte mich Hundeelend. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Und zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich das Gefühl, dass er mich nicht bei sich haben wollte.

Und das tat weh.

Gerade als ich mich entschuldigen wollte, kam er auf mich zu.

Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass er in diesem Moment genau spüren konnte, wie es mir ging.

Jedenfalls hatte sich seine Stimmung innerhalb von einer Sekunde von Grund auf geändert.

„So war das nicht gemeint." sagte er sanft, legte den Arm um mich und zog mich an sich heran.

Ich nickte nur, doch er ließ es nicht auf sich beruhen.

„Schön, dass du da bist" sagte er leise und gab mir einen Kuss auf die Stirn, woraufhin ich meinen Arm um ihn legte.

Und wie immer, fühlte ich mich sofort besser.

„Boah jetzt ist aber Mal gut! Ich habe Hunger!" motzte Leah.

Ich hatte sie für den Moment vollkommen vergessen.

„Ist ja gut." entgegnete Jakob, lies den Arm aber um meinen Oberkörper geschlungen.

Den anderen Arm legte er freundschaftlich um Leah's Schultern.

So schlenderten wir gemeinsam zum Wohnhaus hinüber.

Immerhin die beiden verstanden sich zumindest meistens ausgezeichnet.

Kurzzeitig drängte sich ein Gedanke von Alice und Jakob in meinen Kopf, den ich jedoch gleich wieder verdrängte.

„Sue hat bestimmt irgendetwas leckeres gekocht." erklärte Jakob und schob mich vor sich die Treppe hoch.

Leah öffnete die Tür und stürmte sofort in Richtung Tisch.

„Oh Lecker!" rief sie aus und auch Jakob schob sich sofort an mir vorbei.

Beim Essen kamen dann wohl doch die tierischen Instinkte, wie der Futterneid, zum Vorschein.

„Es ist genug für alle da!" rief Sue aus.

Sie hatte mich noch gar nicht bemerkt.

Ihre langen, schwarzen Haare hingen ihr bis zur Taille und sie rührte in einem riesigen Topf, indem sich vermutlich eine Art Eintopf befand.

Obwohl ich sie nicht kannte, befürchtete ich, dass sie mich hassen würde.

Ich war schließlich Schuld an allem.

Unsicher blieb ich in der Haustür stehen, bereit jederzeit auf dem Absatz kehrt zu machen und das Haus zu verlassen.

Sina huschte an mir vorbei und ehe ich sie aufhalten konnte, stand sie schon neben Sue und bettelte.

„Na wer bist du denn?" fragte sie freundlich und beugte sich zu meinerHündin hinunter.

Dann fiel ihr Blick auf mich.

„Hallo."stammelte ich vor mich hin, doch zu meiner Überraschung breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

„Du musst Anika sein. Schön dich endlich kennen zu lernen." sagte sie, kam auf mich zu und reichte mir die Hand, bevor sie sich sofort wieder dem Herd zuwandte.

Ich stand immer noch wie anwurzelt auf der selben Stelle, was nun auch Jakob aufgefallen war.

„Komm her und setzt dich!" sagte er lächelnd und klopfte auf den freien Stuhl neben sich.

„Ich will hier niemandem etwas wegessen.." setzte ich an, wurde jedoch sofort von Leah unterbrochen.

„Jetzt laber keinen Scheiß und setzt dich hier hin! Es ist sogar schon für dich mit gedeckt!" Sie stand auf, griff nach meinem Handgelenk und zog mich auf den Platz zwischen sich und Jakob.

Ich wurde knallrot und war heilfroh, als die Tür aufging und Seth herein kam.

Zu meinem großen Bedauern sah er keinen Deut besser aus, als seine Rudelmitglieder zu meiner Linken und meiner Rechten.

„Lange nicht gesehen!" begrüßte er mich trotzdem mit einem breiten Grinsen.

Dann stellte Sue den riesigen Topf auf den Tisch, indem sich eine Gulaschsuppe befand und servierte dazu einen ganzen Korb mit Baguette.

Und dann ging die Schlacht los.

Dass Seth und Jakob sich nicht um die Suppenkelle prügelten, war auch schon alles.

Leah hielt sich zurück, biss sich aber auf die Lippe.

Ich war mir sicher, dass sie es nur meinetwegen tat und stieß sie leicht mit dem Ellenbogen an, woraufhin sie ihrem Bruder die Kelle aus der Hand riss.

Jakob hatte seinen ersten Suppenteller bereits zur Hälfte geleert.

„Leah! Ihr mögt euch draußen zwar wie wilde Tiere aufführen, aber hier habt ihr euch zu benehmen!" mahnte Sue mit strenger Stimme, woraufhin tatsächlich alle drei die Köpfte einzogen.

Von diesem Zeitpunkt an verlief das Essen deutlich ruhiger.

Nachdem ich schon lange fertig war, hatte auch Jakob irgendwann seinen sechsten Teller geleert.

Möglichst unauffällig ergriff er unter dem Tisch meine Hand, die auf meinem Oberschenkel lag.

Sofort begann mein Magen zu rebellieren und das Blut schoss mir in die Wangen.

Als auch Seth und Leah aufgegessen hatten standen die beiden auf.

„Bis gleich." verabschiedeten sie sich von Jakob und Leah umarmte mich noch einmal kurz, bevor sie das Haus verließen.

Fragend sah ich Jakob an,

„Komm."sagte er nur, stand auf und ging in sein Zimmer.

Ich folgte ihm wortlos.

„Ich habe keine Zeit mehr dich nach Hause zu fahren." antwortete er ernst und sah mit müden Augen aus dem Fenster.

Wie um alles in der Welt konnte seinen Stimmung so schnell umschlagen?

„Das brauchst du nicht." antwortete ich leise und wäre am liebsten im Erdboden versunken.

Wieder gab er mir zu spüren, dass ich nicht hätte kommen sollen.

Ich war vollkommen unerwünscht.

Genervt wandte er sich zu mir um uns sah mich verständnislos an.

In diesem Moment wollte ich ihm nicht noch sagen, dass Alice mich abholen würde.

Aber hatte ich eine Wahl?

„Wie willst du dann nach Hause kommen?" fuhr er mich an und ballte die Hände zu Fäusten.

Ich wusste mittlerweile selbst, dass es eine dumme Idee gewesen war, zu kommen.

Dennoch stiegen mir die Tränen in die Augen.

„Was ist seit heute morgen passiert?" flüsterte ich und hielt seinem Blick stand.

Für eine Sekunde fror seine ganze Körperhaltung ein, bevor sie vollkommen erschlaffte.

Er ließ sich auf sein Bett sinken und vergrub das Gesicht in den zitternden Händen.

Ich verschränkte die Arme und und blieb am andern Ende des Zimmers stehen.

„Es tut mir leid." sagte er schließlich, als er die Hände sinken ließ und auch seine Augen glitzerten.

„Ich sollte gehen." erwiderte ich leise und senkte den Blick.

„Nein."antwortete er sofort.

„Kannst du dich mal entscheiden?"Ich konnte es nicht mehr vermeiden, dass mir eine Träne die Wange hinunterlief.

Langsam stand er auf und schlang ohne zu zögern seine starken Arme um mich.

Ich hingegen hielt meine Arme immer noch vor der Brust verschränkt, ließ seine Umarmung aber zu.

Gerne hätte ich mit ihm darüber geredet, doch ich wusste genau, dass es keinen Zweck hatte.

Er war nicht in der Verfassung, um ein vernünftiges, ruhiges Gespräch mit mir zu führen.

Also versuchte ich es gar nicht erst.

„Ich wollte nicht so mit dir umspringen. Und ich freue mich immer dich zusehen. Du bist für mich der wichtigste Mensch auf der Welt. Egal was ich mache, bitte vergiss das nicht." hauchte er in mein Ohr, woraufhin ich doch noch kurz meine Arme um seinen Hals schlang und mich dabei auf die Zehenspitzen stellte.

„ Ich werde jetzt aber gehen." sagte ich bestimmt.

„Du kannst auch hier bleiben. Ich bringe dich dann morgen irgendwann nach Hause." schlug er vor.

„Braucht du nicht. Es ist besser, wenn ich nicht hier schlafe." Sprach ich das aus, was wir beide dachten.

„Wie kommst du dann nach Hause?"wollte er wissen und blickte mich so aufmerksam, wie es ihm eben noch möglich war, an.

Bevor ich antwortete. Löste ich mich von ihm und trat einige Schritte zurück.

„So schlimm?" fragte er besorgt und runzelte die Stirn.

„Alice holt mich gleich ab." sagte ich schnell, sobald ich den nötigen Abstand zwischen uns hergestellt hatte.

Wie erwartet, begann er sofort zu beben, biss sich aber auf die Lippe um unnötige Kommentare zu vermeiden.

Ich wartete, bis er sich wieder ein wenig beruhigt hatte.

„Bleib doch hier. Ich komme heute Nacht irgendwann wieder." Jetzt wollte er auf einmal unbedingt, dass ich blieb.

„Nein. Sie holt mich auch nicht direkt hier ab. Ich laufe jetzt zum Stadtrand. Das sind ja nur ein paar hundert Meter." sagte ich ruhig, doch Jakob presste wieder nur stumm die Lippen aufeinander.

Verzweifelt versuchte er seine Wut und seinen Hass vor mir zu verbergen.

Ich musste los. Alice wartete bestimmt schon.

Aber ich wollte ihn nicht so zurück lassen.

„Ich bringe dich. Ich habe noch zehn Minuten Zeit." beschloss er schließlich und ich wusste, dass Widerrede zwecklos war.

Gleichzeitig realisierte ich aber auch erst jetzt, dass ich ihm seine wertvolle Erholungspause gestohlen hatte.

Wortlos gingen wir nebeneinander her.

„Es tut mir leid, dass ich einfach so vorbeigekommen bin."entschuldigte ich mich schließlich doch noch.

„Quatsch! Ich freue mich, dass du gekommen bist. Bitte mach dir da keine Gedanken mehr drüber. Du hast mich nur leider Mal wieder auf dem falschen Fuß erwischt." gab er kleinlaut zu.

Noch bevor ich irgendetwas sehen konnte blieb er plötzlich stehen und griff nach meiner Hand.

„Bitte bleib hier. Ich will nicht, dass du deine Zeit mit dieser Blutsaugerin verbringst. Sie ist gefährlich." sagte er und hatte dabei Mühe, ruhig zu bleiben.

„Jakob sie ist meine Freundin. Ich vertraue ihr." gab ich zurück und wollte meine Hand zurück ziehen, doch erließ sie nicht los.

„Mehr als mir?" fragte er leise und sah mich eindringlich an.

Was zur Hölle sollte ich darauf antworten? In gewisser Weise hatte er Recht.

Ich vertraute Alice, weil ich genau wusste, dass sie sich unter Kontrolle hatte oder aber ihre Grenzen ganz genau kannte und sich zurückzog, bevor sie mir in irgendeiner Weise gefährlich werden konnte.

Ehrlich gesagt war ich in ihrer Gegenwart noch nie auf die Idee gekommen, dass sie mich verletzten könnte.

Ich hatte nur oft ein schlechtes Gewissen, weil ich genau wusste, dass sie sich quälte.

Jakob hingegen hatte mir schon mehrere Gründe gegeben, mich vor ihm zu fürchten.

Und trotzdem vertraute ich ihm.

„Ich vertraue euch beiden." gab ich im ernsten Tonfall zurück.

Natürlich hätte ich ihm noch sagen können, dass Alice mir im Gegensatz zu ihm noch nie einen Grund gegeben hat, um Angst vor ihr zu haben.

Aber ich wollte jeglichen Streit vermeiden.

Er würde sich verwandeln und im schlimmsten Fall auf meine Freundin losgehen, die nur wenige hundert Meter von und entfernt zu sein schien.

Ich sollte auf jeden Fall besser meinen Mund halten.

Also blickte ich ihn einfach nur weiter an und wartete darauf, dass er mich losließ.

Doch das tat er nicht.

„Bitte schreib mir später, dass es dir gut geht." flehte er plötzlich.

Völlig überrascht nickte ich und er gab mich widerwillig frei.

Ich wusste genau, dass er sich nur Sorgen machte und sein Instinkt ihm befahl, so zu reagieren und trotzdem war ich in diesem Moment wütend auf ihn.

Und das war ihm durchaus bewusst.

Ich wollte weiter gehen, doch er rührte sich nicht vom Fleck, sodass auch ich nach einigen Metern erneut stehen blieb.

„Ich mach es wieder gut." sagte er leise und Angst und Traurigkeit schwangen in seiner Stimme mit.

„Wie gesagt, ich hätte nicht kommen sollen." erwiderte ich in einem möglichst neutralen Tonfall.

„Bitte hör auf dir das Einzureden und versprich mir, dass du wieder kommst." flehte er.

Hatte er tatsächlich Angst, ich würde aufgrund der letzten Stunde den Kontakt zu ihm abbrechen?

„Sag mir Bescheid, wenn es dir besser geht." antwortete ich mit gespielter Gleichgültigkeit.

Zaghaft lächelte er mich an und setze sich in Bewegung.

Direkt hinter der Kurve kam ein quietschgelber Lamborghini zum Vorschein.

Sobald sie uns sah, stieg Alice anmutig aus dem Wagen, nahm ihr Kopftuch ab und winkte mir freudestrahlend zu.

Ihre Haut glitzerte in der Sonne wie tausend Diamanten.

Jakob senkte beschämt den Blick.

Kurz wandte ich mich noch einmal Jakob zu.

Ich gehe dann jetzt zu ihr rüber..bis dann." informierte ich ihn, doch so schnell ließ er mich nicht gehen.

„Bitte sei vorsichtig. Scheib mir heute Abend." sagte er mit angespannter Stimme, zog mich aber trotzdem in eine flüchtige Umarmung.

Eine Umarmung, wie man sie auf Party's erlebt, wenn man flüchtige Bekanntschaften begrüßt.

Doch zu mehr schien er in diesem Moment nicht fähig zu sein.

Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und lief auf Alice zu.

Zunächst blieb sie, wo sie war, doch als ich die Hälfte der Strecke zwischen ihr und Jakob hinter mir hatte, schoss sie mir entgegen.

Ich hörte nur, wie Jakob hinter mir einen bedrohliches Knurren entfuhr.

Ohne hinsehen zu müssen, wusste ich, dass er bereits am gesamten Körper zitterte.

Schon stand Alice vor mir und breitete die Arme aus.

Ihre Augen waren aus hellem, flüssigem Gold.

Ich wusste also, dass es in Ordnung war, sie überschwänglich zu begrüßen.

Jakob, der noch immer wie angewurzelt hundert Meter von mir entfernt stand, versuchte ich zu ignorieren.

Als Alice mich mit ihren eiskalten, harten Armen umschlug, schien er vor Wut zu zerspringen.

Doch dann schien er verschwunden zu sein.

Ich beschloss, zumindest jetzt, nicht weiter darüber nachzudenken.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)