Lebensretter

vor 4 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 71 September 2016 Anika

Pünktlich um halb vier fuhr der gelbe Lamborghini vor meiner Haustür vor.

Schnell verabschiedete ich mich von meinen Eltern und lief nervös die Treppe hinunter.

Mittlerweile war ich mir nicht mehr so sicher, ob es die beste Idee war mitzukommen.

Sich als einiger Mensch zwischen einem gesamten Rudel Werwölfe und einer Horde Vampiren aufzuhalten, brachte vermutlich ein gewisses Risiko mit sich.

Bevor ich zu Alice in den Wagen stieg, hatte ich es geschafft mich zumindest ein wenig zu beruhigen.

„Bist du sicher, dass du mitkommen möchtest?" fragte sie mit einem Lächeln, doch der besorgte Unterton in ihrer Stimme entging mir nicht.

„Ich bin mir sicher. Aber warum bist du auch dagegen?" harkte ich nach und wartete gespannt auf ihre Antwort.

„Ich bin nicht dagegen. Ich mache mir nur Sorgen." gab sie kleinlaut zu.

„Warum?"Hatte sie Angst, dass ihre Familie eine Gefahr für mich darstellen könnte? Oder bereitete das Rudel ihr Kummer?"

„Ich habe Angst um unsere Freundschaft. Wir werden miteinander Kämpfen, wenn auch nur zur Übung.. ich will nicht, dass du mich so siehst." fügte sie kleinlaut hinzu und sah mich beschämt an.

Damit hatte ich nicht gerecht.

„Alice, ich weiß was du bist. Und auch wenn ich dich heute von einer anderen Seite kennen lernen werde, ich habe dich lieb. Und das wird sich nie ändern." sagte ich aufrichtig und konnte beobachten, wie das Gold ihrer Iris zu leuchten begann.

„Ich werde dich daran erinnern!" erwiderte sie nun mit einem echten Grinsen und starte den Motor.

Immerhin hatte sie meine Entscheidung akzeptiert.

Doch ehrlich gesagt hatte ich Angst vor dem, was ich sehen würde.

Oder eher vor dem, was passieren könnte wenn Vampire und Werwölfe zusammen trafen.

Bei dem Gedanken, dass es zu einem ernsthaften Kampf zwischen den natürlichen Feinden kommen konnte, lief es mir eiskalt den Rücken herunter.

Und auch bei dem Gedanken an die mir fast vollkommen fremden Vampire, drehte sich mir der Magen um.

„Alles okey?" fragte Alice nach einer Weile des Schweigens.

„Ja, ich weiß nur nicht, was mich erwartet." gab ich zu.

„Es wird alles gut werden, auch wenn es gleich nicht so aussieht."sagte sie.

„Was meinst du damit?" fragte ich und versuchte mir mein Entsetzen nicht anmerken zu lassen.

„Naja, freundlich begrüßen wird uns das Rudel jedenfalls nicht..."erklärte sie flüchtig.

Doch mehr wollte ich gar nicht hören. Sonst würde ich vermutlich doch noch einen Rückzieher machen.

„Vielleicht musst du mich später nicht mit zurück nehmen." wechselte ich schnell das Thema.

„So so."sagte sie und verkniff sich ihr Grinsen.

Immerhin hatte sie sich damit abgefunden, dass ich meine Zeit mit Jakob verbrachte.

Anders herum biss ich da allerdings auf Granit.

Jakob hasste Vampire viel zu sehr, um sie akzeptieren zu können.

Und dann war die Autofahrt viel zu schnell vorbei. Was bei Alice Fahrstil allerdings kein Wunder war.

Sie parkte den Wagen auf einem Feldweg am Waldrand.

„Jetzt müssen wir zu Fuß weiter. Es sind nur ein paar hundert Meter. Ich kann die Köter schon riechen." verkündete sie und stieg aus.

Widerwillig folgte ich ihr.

„Nun komm schon." sagte sie, als ich hinter ihr her trödelte.

Mit jedem Schritt wurde ich nervöser.

Also blieb sie stehen und legte mir ihren eiskalten Arm um die Schulter um mich anzuschieben.

„Los, sonst trag ich dich." sagte sie lachend, doch ich war so angespannt, dass es mich nicht aufheiterte.

Mein Herzschlag beschleunigte sich mit jedem Schritt.

Auch Alice schien das zu bemerken, denn ihre Haltung versteifte sich.

Der unbeschwerte Umgang mit mir schien ihr so deutlich schwerer zu Fallen.

Und tatsächlich, nur wenige Sekunden später löste sie sich von mir.

„Du treibst mich noch in den Wahnsinn." murmelte sie und entfernte sich einen Meter von mir.

Sie formulierte es als Scherz, doch ich wusste genau, dass ihre Worte der Wahrheit entsprachen.

Ich machte ihr es mit meinem Verhalten noch schwerer als nötig.

„Es tut mir leid." flüsterte ich und senkte den Blick, um meine Gefühle vor ihr zu verbergen.

Was natürlich unmöglich war.

„Oh nein, nein, nein. So war das nicht gemeint." sagte sie leise und kam wieder näher.

„Ich weiß, wie es gemeint war." entgegnete ich und schaffte es mit viel Mühe, sie anzulächeln.

Sie wich meinem Blick aus und nickte.

Es war ihr unangenehm mit mir über ihren Blutdurst zu sprechen.

„Hab keine Angst, es wird alles gut werden." sagte sie beschwichtigend.

Sie wusste genau, dass ich Angst hatte, was ihr jedoch entging war, dass ich keine Angst um ich hatte.

Außer mir schien niemand daran zu denken, dass bei einem Kampf mit den neugeboren Vampieren nicht nur ich in Gefahr war.

Ich hatte Angst, dass Alice und ihrer Familie etwas zu stoßen könnte.

Ich hatte Angst, das die Wölfe verletzt werden, oder noch schlimmer, sterben könnten.

Doch am schlimmsten war meine Angst, Jakob zu verlieren.

Aber sie schienen gar nicht darüber nachzudenken, dass ihr Leben genau so in Gefahr war wie meins. Und zwar wegen mir.

Doch für Jakob schien das gar keine Option zu sein.

Alice schien zu bemerken, dass sich mein Herzschlag noch immer nicht beruhigt hatte.

Gequält, aber zu gleich verständnisvoll sah sie mich an.

„Hör zu Anika, es wird ganz einfach.

Die Neugeborenen werden völlig überrumpelt sein, wenn sie das Rudel sehen.

Sie wissen vielleicht nicht einmal, dass es Werwölfe gibt, geschweige denn wie sie kämpfen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Jagdtechnik des Rudels bei den Neugeborenen hervorragend funktionieren wird.

Und wenn Jasper uns jetzt alle trainiert, was soll da noch schief gehen? " beendete sie ihre Erklärung mit einem Lächeln.

Ich glaubte ihr kein Wort, aber mir blieb sowieso nichts anderes übrig, als zu lächeln.

Doch irgendetwas in Alice Mimik hatte sich verändert.

So, als ob sie irgendetwas störte.

„Was ist los?" fragte ich um das Thema zu wechseln.

„Die Werwölfe sind in der Nähe. Deshalb kann ich jetzt nicht sehen, was passieren wird." quengelte sie.

Ihr Ton belustigte mich.

„Ist es so schlimm?" fragte ich und musste mir ein Lachen verkneifen.

Dieses Verhalten hatte ich vermutlich bereits unbewusst von Jakob übernommen.

„Du hast ja keine Ahnung wie unangenehm es ist, blind zu sein!"schmollte sie.

Unfreiwillig hatte sie es nun doch geschafft, mir die Nervosität zu nehmen.

„Komm."sagte sie schließlich, trat wieder nah an mich heran und griff nach meiner Hand.

Zuerst wollte ich protestieren, doch ich wusste, dass sie mit dieser Geste nicht nur mir, sondern auch ihrer Familie und dem Rudel, insbesondere Jakob etwas beweisen wollte.

Ich schaute angestrengt in den Wald, ohne etwas erkennen zu können.

Ganz im Gegensatz zu Alice.

„Was zur Hölle.." flüsterte sie.

„Was denn?" fragte ich neugierig.

„Das Rudel ist gewachsen. So etwas habe ich noch nie gesehen." sagte sie so leise, dass ich sie kaum verstehen konnte.

Die Verblüffung war ihrer sonst so gefassten Miene anzusehen.

Es dauerte nur wenige Minuten, dann erschienen sie auch im meinem Blickfeld.

Wieder begann mein Herz zu rasen, doch anstatt meine Hand loszulassen drückte Alice sie sanft.

Vermutlich war es ein Versuch mich zu beruhigen.

Auch wenn es nicht ganz funktionierte, war ich ihr unendlich dankbar dafür.

„Edward wird wohl dolmetschen müssen. Sie trauen uns nicht genug um in Menschengestalt zu erscheinen." stellte sie verärgert fest.

„Bleib am Besten erst mal bei mir." flüsterte sie in mein Ohr und ließ meine Hand schließlich doch los.

Gleichzeitig trat sie aber näher an mich heran.

Ihre ganze Körperhaltung veränderte sich und ihre Bewegungen wurden katzenartig.

Selbst auf die Entfernung, schien sie die Beute bereits ins Wesir zu nehmen.

Eigentlich hätte mich das vollkommen beunruhigen müssen, doch im gleichen Moment spürte ich Jakob's Präsenz die mich zum einen beruhigte und zum anderen freudige Euphorie in mir auslöste.

Ich erkannte zu erst seine leuchtenden Augen, die mich für einen Augenblick gefangen hielten.

Sein Körper schien regungslos und angespannt, jeden Moment zum Angriff bereit.

Eigentlich hätte mir ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen müssen, doch sein warmer, vertrauter Blick sprach eine andere Sprache.

Ich lächelte ihn an, blieb aber bei Alice.

Erst nach einigen Sekunden konnte ich meinen Blick von ihm losreißen, um mir einen Überblick von der Gesamtsituation zu machen.

Mittlerweile hatten wir die Vampirfamilie erreicht, standen aber etwas abseits von ihnen.

Auch die Cullens standen alle leicht vorgebeugt und waren vollkommen auf die Wölfe fokussiert.

Nur Rosalie lächelte mir kurz zu, als sie bemerkte, dass mein Blick auf ihr lag.

Der Rest würdigte mich keiner Blickes, von einer Begrüßung ganz zuschweigen.

Für einen Moment redete ich mir ein, dass sie mich hassen mussten, doch dann überwog doch das Wissen, dass diese Situation sowohl für die Vampire, als auch für die Wölfe nur schwer auszuhalten war.

Ihr Instinkt befahl ihnen, sich gegenseitig umzubringen.

Alice hatte meine Hand vermutlich losgelassen, damit sie sie nicht ausversehen zerquetschte.

Jedenfalls hatte sie die Fäuste so fest geballt, dass ihre Fingerknöchel hervortraten.

Erst jetzt wagte ich es, meinen Blick auch über den Rest des Rudels gleiten zu lassen.

Sie standen alle da, wie die Salzsäulen und bewegten sich keinen Millimeter, trotzdem hatten sie die Vampire im Visier.

Doch als mein Blick über die hinteren Reihen des Rudels schweifte, fiel mir die Kinnlage herunter.

Mit einem neuen Rudermitglied hatte ich gerechnet, aber insgesamt konnte ich drei mir völlig fremde Wölfe ausmachen.

Einer von ihnen zog meine Aufmerksamkeit ganz besonders auf sich, doch Leah und Seth versperrten mir die Sicht.

Sie schienen die außergewöhnliche Kreatur von den Vampiren abschirmen zu wollen.

Leah schien mein Interesse zu bemerken, nickte mir kurz zu und trat einen kleinen Schritt zur Seite.

Jetzt konnte ich sehen, dass zwischen ihr und Seth, der überings riesengroß geworden war, zwei weitere Wölfe standen.

Gegen den Rest des Rudels wirkten sie klein und schmächtig, doch das war es nicht, was mich so fasziniert hatte.

Einer der beiden war eine Wölfin. Eine schneeweiße Wölfin mit hellblauen, leuchtenden Augen.

Sie war wunderschön.

Doch im Gegensatz zum Rest des Rudels, war sie alles andere als ruhig.

Sie knurrte und fletschte die Zähne. In geduckter Haltung und mit angelegten Ohren trat sie von einem Bein auf das Andere.

Alles an ihr wirkte bedrohlich und unberechenbar, doch als sich mein Verstand einschaltete registrierte ich, dass sie vermutlich einfach nur Angst hatte. Todesangst.

Direkt neben ihr stand ein weiterer, größerer Wolf, mit fuchsfarbenem Fell, dessen Augen zwar auch blau waren, aber nicht annähernd so eine Farbintensität aufwiesen, wie die der weißen Wölfin.

Doch auch er stand leise knurrend und geduckt da, während er sich an das weiße Tier drängte.

Es hatten sich also noch zwei weitere Teenager verwandelt.

Aber warum sahen sie so anders aus, als der gesamte Rest des Rudels?

Beide waren vermutlich vollkommen überfordert, mit dem was mit ihrem Körper passiert war.

Und ich war Schuld daran, dass sie die Verwandlung durchmachen mussten.

Ebenfalls im Hintergrund, aber ohne persönliche Aufpasser stand ein dunkelbrauner, fast schwarzer Wolf. Das musste Scott Davis sein, von dem Jakob mir bereits erzählt hatte.

Im Rudel kamen mir die Wölfe noch riesiger vor, als sie ohnehin schon waren.

Wie Pferde, nur viel massiger durch ihre Muskeln und ihr Fell.

Sam stand als Vorderster an der Spitze und hatte sein Rudel wie ein immer breiter werdende Pyramide hinter sich positioniert.

Er war nach wie vor unglaublich groß und schwarz wie die Nacht.

Ich konnte mir nicht helfen, aber für mich wirkte er in dieser Gestalt wie ein Monster aus einem meiner Albträume.

Doch nur einen halben Meter hinter ihm stand Jakob, der tatsächlich genauso groß war wie das riesige, schwarze und manchmal auch furchteinflößende Alphatier.

Nach den ersten Sekunden bemerkte ich, dass sich die Lage, zumindest auf der Seite der Vampire, etwas entspannt hatte.

Jetzt konnten sie auf den ersten Blick auch als ganz gewöhnliche Menschen durchgehen.

Carlisle trat einen Schritt vor.

Langsam und bedächtig, um den Wölfen keinen Grund zur Beunruhigung zu geben.

„Willkommen."teilte er ihnen in einem sachlichen, aber höflichen Ton mit.

„Danke, dass ihr gekommen seid." sagte Edward mit ausdruckslosem Ton.

Mir war sofort klar, dass die Worte von Sam stammten.

Wir werden euch zuschauen und zuhören, mehr nicht. Mehr lässt unsere Selbstbeherrschung nicht zu." fuhr Edward in dem gleichen, distanzierten Ton fort.

Diese Worte erstaunten mich. War es tatsächlich so schlimm, dass sie nicht einmal gemeinsam trainieren konnten?

Wie sollten sie dann Seite an Seite gegen die Neugeboren kämpfen.

„Wie ihr meint." antwortete Carlisle.

„Jasper ist ist auf diesem Gebiet erfahren. Er wird uns zeigen, wie die Neugeboren kämpfen und wie man sie besiegt." fügte er hinzu und deutete mit der Hand auf Jasper, der kampfbereit hinter ihm stand.

Für einen Augenblick war es still, nur das leise Knurren der weißen Wölfin war noch zu hören.

Dann trat Jasper auf das freie Feld zwischen Vampiren und Wölfen.

Er schien sich nicht wohl damit zu fühlen, doch trotzdem drehte er dem Rudel vorerst den Rücken zu und sprach zu seiner Familie.

Er versuchte die bedrohlichen Zuschauer hinter sich zu ignorieren.

„Zwei Dinge, müsst ihr euch unbedingt merken." begann Jasper seine Erklärung und suchte Alice Blick, die ihn liebevoll und aufmunternd ansah.

„Lasst niemals zu, dass sie ihre Arme um euren Körper legen und geht nie direkt auf sie los. Durch den hohen Anteil an Menschenblut, der sich noch in ihren Körpern befindet, sind sie um einiges stärker als wir und würden euch in Sekundenschnelle zerquetschen wie eine Fliege."fuhr er fort.

In den Reihen der Wölfe ließ sich daraufhin leises Schnauben und Grummeln erkennen.

„Ihr dürft ausschließlich von der Seite angreifen und müsst immer in Bewegung bleiben. Darauf sind sie nicht vorbereitet und werden dadurch verwirrt." erklärte Jasper weiter, ohne den Wölfen Beachtung zu schenken.

„Emmet? Hilfst du mir mal?" fragte er anschließend und zog sich auf eine Seite des freien Feldes zurück, das zwischen den nun mehr oder weniger verbündeten Feinden lag und winkte seinen Bruder zu sich herran.

„Na dann pass Mal auf!" rief Emmet und grinste breit.

„Emmet demonstriert uns jetzt das typische Angriffsverhalten eines Neugeboren" zog Jasper ihn auf grinste ebenfalls.

Emmet bewegte sich wie ein Bär und mit einem knurrenden Grinsen auf Jasper zu.

Doch der bewegte sich viel schneller.

Immer wenn ich dachte, Emmet's Pranken würden Jasper erwischen, griffen sie nur in die Luft.

Und dann verschwamm alles vor meinen Augen.

Die beiden Vampire bewegten sich so schnell, dass meine Augen ihre Bewegungen nicht erfassen konnten.

Sie waren vor meinen Augen nur noch ein verschwommener Fleck.

Plötzlich erstarrten beide.

Jasper hatte Emmet von hinten gepackt. Seine Vampirfänge waren ganz nah an Emmets Kehle und auch Jaspers Augen hatten sich verändert.

Bei seinem Anblick meldete sich mein Fluchtinstinkt. Selbst wenn ich Alice bereits in diesem Zustand gesehen hatte, vor ihr hatte ich nie Angst gehabt.

Ganz im Gegensatz zu jetzt.

Mein Puls schnellte in die Höhe und für eine Sekunde waren Jaspers von dunklen Adern unterlaufenen Augen direkt auf mich gerichtet.

Instinktiv wollte ich zurückweichen, doch sofort spürte ich Alice Hand auf meinem Arm, die mir bedeutete stehen zu bleiben.

Emmet nutzte den Moment, in dem Jasper abgelenkt war um sich mit einem Lachen aus dessen Griff zu befreien und Jasper konzentrierte sich nun wieder voll und ganz auf seinen Bruder.

Sobald sich sein bedrohlicher Blick von mir gelöst hatte, konnte auch ich mich wieder entspannen.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Jakob einen Schritt vorgetreten war, doch Sam hatte ihm zähnefletschend den Weg abgeschnitten.

Mir lief ein Schauder über den Rücken, als ich erkannte, dass ich mit meinem Verhalten einen Kampf hätte auslösen können.

Sanft löste Alice ihre Hand von meinem Unterarm und warf mir ein beruhigendes Lächeln zu, dann konzentrierte sie sich wieder auf Emmet und Jasper.

Ich hingegen suchte den Blickkontakt zu Jakob, der diesen augenblicklich erwiderte.

Gleich fühlte ich mich viel besser und konnte mich nicht von ihm losreißen.

„Alice, du bist dran." nahm ich Jaspers Stimme wahr.

Das führte dazu, dass meine Aufmerksamkeit nun doch wieder auf meiner Freundin lag.

Sie sah mich noch einmal besorgt an, dann ging sie zu Jasper hinüber.

Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machte und lächelte sie an.

Egal was sie nun tun würde, ich vertraute ihr und glaubte, dass ich ohnehin keine wirkliche Angst vor ihr empfinden konnte.

Obwohl ich wusste, dass Jasper Alice niemals verletzen würde, konnte ich kaum mitansehen, wie er sie in geduckter Haltung belauerte.

Sie stand reglos da, doch im Vergleich zu Jasper und Emmet wirkte sie wie eine Puppe.

Sie schloss die Augen.

Mir blieb beinahe mein Herz stehen, als Jasper sich auf sie stürzte.

Doch Alice bewegte sich nicht und trotzdem stand Jasper plötzlich auf Alice rechter Seite.

Erst bei Jaspers zweitem Versuch, seine Geliebte zu erwischen bemerkte ich, dass Alice sich sehr wohl bewegte.

Genau in dem Moment, als Jasper dorthin sprang, wo Alice soeben noch gestanden hatte, machte sie einen kleinen Schritt nach vorn.

Je schneller die Bewegungen der beiden wurden, desto mehr bekam ich den Eindruck, dass sie miteinander tanzten.

Alice wand und drehte sich, während Jasper durch ihre kunstvollen Muster hindurch sprang, ohne sie auch nur ein Mal zu berühren.

Ich war so fasziniert von den beiden, dass ich meinen Blick nicht von ihnen wenden konnte.

Jede ihrer Bewegungen schien einstudiert.

Dann lachte Alice und saß plötzlich auf Jaspers Schultern, die Lippen an seinem Hals.

Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr, was ich nicht hören konnte und küsste ihn, woraufhin ich meine Augen nun doch wieder über das Rudel der Wölfe wandern ließ.

Bis auf die beiden Neuen, die nach wie vor zitterten und knurrten, standen alle anderen wie die Salzsäulen.

Selbst Leah ignorierte mich vollkommen, was mich ehrlich gesagt ein wenig enttäuschte.

Doch Jakob's Augen schienen unaufhörlich auf mir zu ruhen.

Da Alice ohnehin noch mit Jasper beschäftigt war, holte ich einmal tief Luft und ging zielstrebig auf den großen rostbraunen Wolf zu.

Und auf einmal spürte ich doch Alice misstrauischen, stechenden Blick im Rücken.

Es passte ihr ganz und gar nicht, dass ich mich auf das Rudel zu bewegte.

Ehrlich gesagt lief auch mir ein Schauer über den Rücken, als ich mir dem Rudel von elf riesigen Wölfen näherte, von denen ich nur Zweien vertraute.

Und eine von diesen beiden ignorierte mich. Allerdings war sie auch mit dem fuchsfarbenen und der weißen Wölfin mit den blauen Augen beschäftigt.

Ich lief einen kleinen Bogen um das Geschehen herum, sodass ich weder den Vampiren, noch den Wölfen den Rücken zudrehen musste und stellte mich an Jakob's rechte Seite.

Er brummte leise und wandte seinen riesigen Kopf zu mir um.

Doch noch bevor er mich begrüßen konnte, schnellte Sam's Kopf zu ihm herum und fletschte die Zähne.

Für einen Moment wich mir vor Schreck das Blut aus dem Gesicht, sodass ich kreidebleich wurde.

Sofort legte Jakob die Ohren nach hinten und richtete seinen Blick wieder starr auf die Vampire.

Gleichzeitig aber, trat er noch einen Schritt näher an mich heran, sodass er mich mit seiner risigen, starken Schulter berührte.

Ich lehnte mich ganz leicht an sein warmes, weiches Vorderbein und wandte auch meine Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen auf dem Übungsplatz zu.

Mittlerweile kämpfte Carlisle gegen seinen Sohn, doch niemand schien eine reelle Chance gegen Jasper haben zu können.

Im Hintergrund konnte ich erkennen, dass Alice Blick auf mich gerichtet war und Rosalie ihr Handgelenk fest umklammert hielt.

Vermutlich hatte sie befürchtet, dass Sam mir etwas antun könnte.

Ich lächelte ihr zu, um ihr zu signalisieren, dass alles in Ordnung war,doch sie wandte nur den Blick ab, ohne ihre ernste, in Stein gemeißelte Miene zu verändern.

War sie jetzt wirklich sauer auf mich?

Aber jetzt spielte es ohnehin keine Rolle.

Ich traute mich weder mich zu bewegen, noch auch nur ein Wort zu sagen.

Jakob schien während der gesamten Zeit keinen Muskel zu bewegen, doch bei genauem Hinsehen konnte ich beobachten, wie seine Haltung mit der Zeit minimal zu erschlaffen drohte.

Die permanente Anspannung setzte sowohl ihm, aber auch dem Rest des Rudels zu.

Trotzdem ließ er sich den Anflug von Schwäche, den ich sehr wohl wahrnehmen konnte, nicht anmerken.

Es vergingen Stunden, bevor sich das Training langsam dem Ende zu neigen schien.

Mittlerweile war die Dämmerung schon so weit fortgeschritten, dass ich mit meinen menschlichen Augen Probleme hatte, das gesamte Geschehen zu überblicken.

Carlisle war derjenige, der seine Worte zum ersten Mal seit Stunden wieder an die Wölfe wandte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Cullens versucht, die Anwesenheit des Rudels so gut wie möglich zu ignorieren.

„Ich würde vorschlagen, wir üben morgen früh weiter. Schön wäre es natürlich, wenn ihr euch unserem Training anschließen könntet."diese Worte lösten sowohl bei den Vampiren, als auch im Rudel Verwirrung aus.

Niemand außer Carlisle schien sich vorstellen zu können, gemeinsam mit den Wölfen zu trainieren.

Niemand sagte auch nur ein Wort.

„Um unser Vorgehen näher zu besprechen, wäre es natürlich leichter, wenn ihr in eurer menschlichen Gestalt erscheinen würdet." fügte das Oberhaupt der Vampirfamilie mit freundlichem Ton hinzu.

„Wir werden hier sein." antwortete Edward mit Sam's kühler Stimme.

„Die Wölfe wollen sich mit unseren Gerüchen vertraut machen, um das gemeinsame Training zu erleichtern und um später im Kampf keine Fehler aufgrund von Verwechslungen zu begehen." fügte er wiederwillig hinzu.

Das Entsetzen in den Augen der Vampire, konnte ich selbst auf die Entfernung erkennen.

„Wenn es euch hilft." erwiderte Carlisle nüchtern, woraufhin sich das Rudel langsam in Bewegung setzte.

Sam schritt natürlich vor ran und ging direkt auf Carlisle zu, gefolgt von Jakob.

Ich hingegen blieb wie angewurzelt auf der Stelle stehen.

Mir war bewusst, wie schwer es für beide Seiten war sich so nahe zu kommen, ohne sich gegenseitig anzugreifen.

Ich wusste genau, wie sehr sie sich hassten und ging daher vom schlimmsten aus.

Jasper erstarrte, als das Rudel näher kam, doch Emmet grinste nur lässig.

Sam schnüffelte zuerst an Carlisle und schien dabei zurück zu zucken, doch der Vampir bewegte ich keinen Zentimeter. Er hatte sogar aufgehört zu atmen.

Für die Wölfe, insbesondere für die Neuen, schien es eine Tortur zu sein.

Zur Sicherheit waren sie immer noch zwischen Leah und Seth eingekesselt, winselten nun allerdings nur noch vor sich hin und krochen förmlich über den Boden.

Jakob schien das Ganze nicht ganz so ernst zu nehmen und war schon nach wenigen Augenblicken wieder an meiner Seite, was dazu führte, dass mich Erleichterung durch strömte.

Auch ich stand unter Strom. Und, obwohl ich es nicht zugeben würde: Ich hatte Angst.

Als er direkt vor mir stand öffnete er das Maul und bleckte die Zähne.

Eigentlich hätte es zum fürchten aussehen müssen, doch seine Zunge hing zur Seite aus seinem Maul heraus.

Er grinste.

Sofort zauberte er ein Lächeln auf mein Gesicht, wodurch sein Grinsen nur noch breiter wurde und seine messerscharfen Zähne zum Vorschein kamen.

Da der Rest vom Rudel immer noch mit den Cullens beschäftigt war,kauerte er sich auf die Vorderbeine und senkte den Kopf, so dass sein Gesicht nun direkt vor meinem war.

Er sah mich prüfend an, so als ob er wissen wollte, was genau in mir vorging.

„Jake!"flüsterte ich lächelnd und begrüßte ihn somit das erste Mal an diesem Tag.

Er erwiderte die Begrüßung mit dem tiefen, altbekannten Grollen in seiner Brust.

Wie selbstverständlich streckte ich meine vor Anspannung zitternden Finger nach ihm aus und und fuhr mit ihnen durch sein rostbraunes Fell an der Seite seines Kopfes.

Er schloss die Augen und schmiegte seinen großen Kopf in meine kleine Hand.

Nach und nach entfernten sich auch die restlichen Wölfe von den Vampiren und wandten sich zum Gehen um.

Auch Jakob sah mich auffordernd an und deutete mir, mit ihm zu kommen.

Ich suchte noch einmal den Blickkontakt zu Alice und winkte ihr zum Abschied zu.

Diesmal schaffte sie es, sich ein Lächeln abzuringen und erwiderte meine Geste.

Als ich mich umwandte, um Jakob zu folgen ertönte das kläffende Husten, was ich zwar schon lange nicht mehr gehört hatte, aber eindeutig als Lachen identifizieren konnte.

Obwohl es Schadenfreude zu sein schien, hatte er immerhin gute Laune.

Ohne ein weiteres Wort ging ich neben dem gigantischen Tier her, welches sich automatisch meinem Schritttempo anpasste.

Ich hatte so viele Fragen, doch in dieser Gestalt konnte er mir ohnehin nicht antworten.

Je weiter wir uns von den Vampiren entfernten, desto mehr konnte ich spüren, wie jegliche Anspannung von ihm abfiel.

Trotzdem verwandelte er sich nicht zurück.

Mittlerweile konnte ich bereits den Waldrand erkennen, der an die riesige Wiese vor Jakobs Zuhause grenzte.

„Ich gehe schonmal vor." teilte ich ihm mit, als wir die letzten Meter im Wald zurück legten.

Ohne mich umzudrehen lief ich weiter und war der festen Überzeugung, dass er stehen geblieben war.

Doch als ich die ersten Meter auf der Wiese zurückgelegt hatte wurde ich eines besseren belehrt.

Plötzlich stand der große Wolf vor mir und hockte sich schwanzwedelnd, wie ein überdimensionaler Hund auf die Vorderpfoten.

Der Schalk blitze in seinen Augen auf,

„Was ist denn mit dir los?" fragte ich lachend und wollte an ihm vorbei gehen.

Doch das ließ er nicht zu.

Unvermittelt setzte er zum Sprung an und ehe ich mich versah, warf er mich um, fing mit seiner Pfote aber gleichzeitig den Aufprall ab.

Ehe ich mich versah, lag ich lachend in dem weichen, grünen Gras der Wiese.

Und der gigantische Wolf lag auf mir, beziehungsweise schwebte direkt über mir.

Er stützte sich mit seinen Pfoten neben meinem Kopf ab, um mich nicht zu zerquetschen.

Sein riesiger Kopf war nur einige Zentimeter von meinem entfernt.

Noch vor wenigen Wochen wäre diese Situation der reinste Albtraum für mich gewesen.

Er drückte mich zu Boden und ich war unfähig mich zu bewegen.

Doch dieser Moment hatte nichts bedrohliches an sich.

Jakob benahm sich wie ein überdimensionaler, verspielter Welpe.

Seine Augen leuchteten und ich legte meine Hand an seine Wange, die ich bis hinter sein Ohr gleiten ließ um ihn dort zu kraulen.

Er war mir so nah, dass ich den Herzschlag des Wolfes spüren konnte.

Und zum ersten Mal fühlte ich mich zu seiner tierischen Gestalt genauso hingezogen, wie zu seiner menschlichen.

Langsam begriff ich, dass sowohl das Tier als auch der Mensch beide mein Jakob waren.

Wieder spürte ich dieses Knistern zwischen uns. Und ich war mir sicher, dass er es genauso fühlte wie ich.

Er schloss die Augen und brummte leise.

Dieses Geräusch zeugte von Zufriedenheit, enthielt aber auch ein gewisses Maß an Frustration.

Als er sie wieder aufschlug, sprühten sie nur so vor Erregung.

Sein Herzschlag beschleunigte sich, woraufhin er unruhig wurde.

Nicht auszudenken wie diese Situation geendet hätte, wenn er mir in seiner menschlichen Gestalt so nah gewesen wäre.

Als er schließlich Anstalten machte, sich aufzurappeln löste ich widerwillig meine Hand aus seinem Fell und setzte mich auf.

Erst jetzt spürte ich, dass mein Gesicht knallrot war und glühte.

Er warf mir noch einen prüfenden Blick zu, dann verschwand er noch einmal im Wald.

Ich nutzte die Zeit, um wieder auf die Füße zu kommen und um meine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen.

Also atmete ich tief durch, bevor ich meinen Blick wieder auf den Wald richtete, in dem es bereits stockdunkel war.

Und dann kam er, diesmal auf zwei Beinen, aus der Dunkelheit auf mich zu.

Er hielt den Blick gesenkt und wirkte nervös. Seine Lippen zierte ein beschämtes Lächeln.

Sein Auftreten erinnerte mich an irgendetwas, doch ich brauchte einen Moment um herauszufinden, was es war.

Doch dann fiel der Groschen.

Zuletzt hatte er mich auf Ameland, nach unserem verkorkstem ersten Kuss so angesehen.

Aml iebsten wäre ich ihm entgegen gelaufen, hätte meine Arme um seinen Hals geschlungen und meine Lippen auf seine gelegt.

Doch ich wusste genau: Es wäre ein großer Fehler.

Es schien ihm schon jetzt schwer zu Fallen, seinen Körper unter Kontrolle zu behalten.

Hätten sich unsere Lippen in diesem Moment berührt, wäre er vermutlich sofort explodiert.

Ich musste mich endlich damit abfinden, dass wir nur Freunde waren. Das mussten wir beide..anders ging es nicht.

Wir könnten uns niemals Küssen, ohne dass er sich nach wenigen Sekunden in den riesigen Wolf verwandeln würde.

Von anderen Dingen ganz zu schweigen.

Und ohne diese Dinge waren wir eben einfach nur Freunde.

Also riss ich mich zusammen und wartete auf eine Reaktion seinerseits.

„Alles okey?" fragte er dann ohne mich anzusehen.

Ich wusste nicht genau, was er damit meinte.

Die Situation eben oder das Training mit den Vampiren?

Da die Antwort ohnehin die gleiche gewesen wäre, antwortete ich mit„Ja."

Trotzdem vermied er es immer noch mich anzusehen, weshalb ich beschloss ihn erst mal richtig zu begrüßen.

Ohne zu zögern ging ich auf ihn zu und legte die Hände um seinen Hals.

„Hey."flüsterte ich in sein Ohr als er meine Umarmung zaghaft erwiderte.

„Ist bei dir auch alles in Ordnung?" fragte ich schließlich doch.

„Ja klar." antwortete er dann und seine Stimme hatte wieder den vertrauten, belustigten Unterton, den ich zuvor vermisst hatte.

Er schien sich also wieder eingekriegt zu haben.

„Wer waren die beiden Wölfe mit den blauen Augen?" platzte ich vor Neugierde heraus und löste mich von ihm.

Seine Miene verfinsterte sich augenblicklich.

„Das sind Theo und Melanie Becker. Bruder und Schwester." erklärte er mir mit düsterer Miene.

Bei seinen Stimmungsschwankungen kam ich so langsam nicht mehr mit..

„Sie..sie sehen so anders aus." stellte ich leise fest, da er von alleine nicht weiter zu sprechen schien.

„Das liegt daran, dass in ihren Adern nur noch ein sehr geringer Bruchteil von Quileute-Blut fließt. Wir wussten bis heute morgen nicht, dass sie sich überhaupt verwandeln würden. Das hätte nicht passieren dürfen. Die beiden sind mit der Situation vollkommen überfordert.

Sie hatten keine Ahnung, was mit ihnen passierte.

Sie kannten nicht einmal die Legenden der Quileute, da sie in einer völlig anderen Kultur aufgewachsen sind." fuhr er in einem so ernsten Ton fort, dass ich mich kaum noch traute weitere Fragen zustellen.

„Ich dachte, weibliche Wölfe sind so selten? Und ihre Augen.." obwohlich nur flüsterte, fiel er mir ins Wort.

„Wir wissen es nicht. Wir haben so etwas selbst noch nie gesehen. Doch auch wir haben in unserer Wolfsgestalt die gleiche Augenfarbe, wie als Mensch." entgegnete er.

Jetzt wo er es aussprach, fiel mir erst auf, dass seine Worte der Wahrheit entsprachen.

Nur weil der Rest des Rudels dunkle Augen hatte, war ich davon ausgegangen, dass es bei allen Wölfen so sein müsste.

„Wie alt sind die beiden?" fragte ich während wir nebeneinander durch die Dunkelheit auf das Wohnhaus zu gingen.

„Sie ist 19 und er 21 Jahre alt." gab er zurück,

Anscheinend war es Zeit für einen Themenwechsel, wenn ich den Abend noch retten wollte.

„Was machen wir jetzt?" fragte ich beiläufig, obwohl mich das tatsächlich interessierte.

Am Besten wäre er natürlich, wenn er sich hinlegen würde.

Doch ich hatte es fürs Erste aufgegeben ihn dazu zu überreden.

Außerdem schien er sich, im Vergleich zu manch anderen Tagen, noch in einer recht guten Verfassung zu befinden.

„Essen. Allerdings nicht alleine." entgegnete er und lächelte endlich wieder, doch seine Worte sorgten dafür, dass ich kurz vor der Verandatreppe stehen blieb.

Grinsend, aber ohne ein weiteres Wort schob er mich die Treppe hinauf zur Haustür.

Als er sie öffnete, fiel mir im ersten Moment ein Stein vom Herzen.

Am Tisch saßen Leah und Seth und schaufelten Berge von Bockwürstchen und Pommes in sich hinein.

Ich war froh, dass es nur die beiden waren. Und nicht Sue.

Natürlich, sie war nett zu mir gewesen.

Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie mich für das Schicksal ihrer Kinder verantwortlich machte. Zurecht.

Jakob schob mich weiter ins Zimmer hinein und Leah und Seth lächelten mich beide an.

Dann stand Leah sogar auf und umarmte mich kurz: Na, hast du den Nachmittag halbwegs gut überstanden?" wollte sie wissen.

Ich wusste genau, dass sie meine Anspannung und Nervosität bemerkt haben musste, bejahte ihre Frage aber trotzdem.

„Ich dachte, du kennst mich nicht mehr." fügte ich ebenfalls lachend hinzu.

„Ich weiß. Das war doof. Aber wir hatten genug mit den beiden Becker's zu tun und Sam hatte mich sowieso schon auf dem Kicker." versuchte sie sich zu rechtfertigen.

„Alles gut!" unterbrach ich sie.

„Da bist du nicht die einzige." murmelte Jakob und setzte sich neben Seth an den Tisch.

„Stimmt. Sam übertreibt so dermaßen." gab Leah zurück und verdrehte die Augen.

„Ihr habt doch bestimmt an uns gedacht?" wollte Jakob wissen und zeigte dabei auf das Essen.

„Haben wir." antwortete Seth mit vollem Mund.

Zögerlich setzte ich mich auf den Stuhl neben Leah und saß somit zwei riesigen jungen Männern mit unbekleidetem, muskulösem Oberkörper gegenüber.

„Bedien dich." forderte Leah mich auf und ich gehorchte.

Es dauerte ein paar Minuten, bis ich verstand, dass die Stimmung im Raum alles andere als angespannt war. Ganz im Gegenteil.

Alle drei, selbst Jakob, waren plötzlich bester Laune.

„So ich gehe nach Hause. Kommst du mit?" fragte Leah nachdem sie aufgegessen hatte und wandte ihre Worte an ihren Bruder, der daraufhin nickte.

„Du kommst auch nur hierher, um dich durch zu fressen, oder?" zog Jakob sie auf.

„Na immerhin hat meine Mutter die ganzen Lebensmittel gekauft."konterte Leah und streckte ihm die Zunge heraus.

Dann verabschiedeten sich die beiden von mir und verließen das Haus.

„Daran muss man sich erst gewöhnen, mhm?" fragte Jakob und grinste mich an.

„Stimmt."gab ich zurück und wartete, bis er die Lebensmittel bis auf den letzten Krümel verschlungen hatte.

„Wann musst du anfangen zu arbeiten?" wollte er schließlich wissen.

„Um acht." gab ich zurück, woraufhin er die Stirn runzelte.

„Dann müssen wir um kurz nach sieben hier losfahren stöhnte er und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Alice kann mich bestimmt auch.." wollte ich vorschlagen, doch er unterbrach mich sofort.

„Nein. Denk nicht einmal daran." warnte er mich und stand auf.

„Okey, okey. Aber dann sollten wir langsam schlafen gehen. Du musst morgen gegen Vampire kämpfen!" versuchte ich ihn zu überzeugen.

Er blieb stehen und obwohl er mir den Rücken zugedreht hatte, konnte ich sehen, dass er einmal tief durchatmete.

Dann wandte er sich wieder zu mir um.

„Wir werden nicht mit ihnen zusammen trainieren. Zumindest noch nicht. Es geht einfach nicht." erklärte er mit leiser und ernster Stimme.

Ich schwieg. Insgeheim hatte ich gehofft, dass sie sich von Jasper trainieren lassen würden.

Im echten Kampf gegen die Neugeborenen mussten sie schließlich auch gegen Vampire kämpfen.

Und das Training mit den Cullens hätte ihnen auf jeden Fall einen Vorteil verschafft.

Aber ich hatte mich geirrt und mir umsonst Hoffnungen gemacht.

Sie konnten nicht über ihren Schatten springen.

„Jetzt sieh mich nicht so an." sagte er deutlich sanfter.

„Wie sehe ich dich denn an?" erwiderte ich im bockigen Tonfall.

„Vorwurfsvoll." sagte er traurig und senkte den Blick.

Und sofort spürte ich, wie ich innerlich weich wurde.

„Ich verstehe es nur nicht. Ihr könntet so sehr davon profitieren."startete ich vorsichtig die Diskussion.

Wieder wandte er sich von mir ab und ging zum Fenster.

Na toll.

Einen Moment, der mir vorkam wie eine Ewigkeit, sagte er nichts.

„Ich weiß, dass du Recht hast. Aber es geht einfach nicht. Wir sind natürliche Feinde und können unsere Instinkte nicht soweit unterdrücken." sagte er und war sichtlich um einen ruhigen Tonfall bemüht.

Ich nickte nur und schaute zu Boden. Vermutlich konnte ich sagen was ich wollte und er würde seine Meinung nicht ändern.

Da ich nichts erwiderte, drehte er sich doch wieder zu mir um.

Vermutlich hatte er bemerkt, wie nah mir die Sache ging.

„Hey, ist alles okey?" fragte er leise und besorgt, während er auf mich zu ging.

Ich vermied es ihn anzusehen.

Wenn er mich jetzt zwang, darüber zu sprechen, würde ich vermutlich wieder in Tränen ausbrechen.

Also schüttelte ich nur den Kopf.

Natürlich konnte er es nicht dabei belassen.

„Komm schon. Was ist los?" drängte er mich und stand mittlerweile wieder direkt vor mir.

„Ich habe einfach Angst. Angst um dich. Angst dich zu verlieren. Angst um Leah und den Rest des Rudels. Und Angst um Alice." gab ich zu und schon kullerten die Tränen. Ich konnte es nicht verhindern.

Sofort schloss er mich in seine starken, tröstenden Arme.

„Es wird alles gut. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Und mich wirst du sowieso nie wieder los." versuchte er mich aufzuheitern, doch ich ignorierte seine Worte.

Ich wusste genau, wie ernst die Lage wirklich war. Also wusste ich auch, dass es alles andere als gut werden würde.

Menschen die ich liebte würden verletzt werden. Oder vielleicht sogar sterben.

„Und wenn ihr es nicht schafft zusammen zu arbeiten, steigt die Gefahr, dass ihr alle verletzt werdet. Bitte, könnt ihr es nicht wenigstes versuchen?" flehte ich in meiner Verzweiflung und wollte mich von ihm lösen, doch er hielt mich so fest, dass es unmöglich war.

„Selbst wenn wir es versuchen sollten, das habe ich nicht zu entscheiden."er hörte sich plötzlich vollkommen niedergeschlagen an.

„Wie schwer wäre es für dich?" wollte ich wissen.

„Ziemlich schwer. Aber ich hatte bereits mehrfach Kontakt mit ihnen. Zumindest mit Alice.

Für die anderen wäre es also noch viel schwerer." gab er zurück und verzog angewidert das Gesicht, als er ihren Namen aussprach.

Resignierend nickte ich.

„Hey, morgen werden wir ihnen nur zusehen, doch wir werden bestimmt noch öfter zusammen trainieren. Vielleicht wird es ja doch noch was."flüsterte er in mein Ohr.

Dann standen wir einfach nur da. Er hielt mich fest, bis ich mich wieder vollkommen beruhigt hatte.

„Na komm." sagte er schließlich, ließ mich los aber reichte mir gleichzeitig seine Hand.

Wortlos führte er mich in sein Zimmer und schaltete den Fernseher ein.

Dann schmiss er sich auf sein Bett und machte mir Platz.

Zu viel Platz.

Er lag fast an der Wand und ich direkt an der anderen Bettkante.

Alibi-mäßig starrten wir beide auf den kleinen Bildschirm des Fernsehers, auf dem irgendeine, mir unbekannte Soap lief.

Schließlich wandte ich doch meinen Kopf zu ihm um.

Eigentlich nur, um mich zu vergewissern, dass er noch wach war aber meine Augen trafen sofort seinen warmen, liebevollen Blick, der so gar nicht zu seinem aktuellen Verhalten passte.

„Bist du noch sauer auf mich?" fragte ich und drehte mich nun vollständig zu ihm um.

Verwirrt sah er mich an.

„Nein. Ich war nie sauer auf dich. Warum sollte ich sauer sein?"

Was sollte ich darauf erwidern? Ich hatte es mir doch nicht eingebildet, dass er sich seit unserem Date total komisch verhielt.

„Ist schon gut." versuchte ich die Sache abzuhaken, damit er sich nicht aufregte.

„Was muss ich tun, damit du endlich mit mir redest ?" antwortete er genervt.

„ Genau das meine ich." entgegnete ich nach einer Pause uns starrte an die Zimmerdecke.

Sofort setzte er sich auf, weshalb ich ihn doch wieder ansah.

Doch dann richtete er seinen Blick stur auf den Fernseher.

War es ihm jetzt auf einmal egal?

Obwohl mir sein ausdrucksloser Blick innerlich einen Stich versetzte, versuchte auch ich mich wieder auf den Fernseher zu konzentrieren.

Mit einem Blick auf den Wecker stellte ich fest, dass bereits zwanzig wortlose Minuten vergangen waren.

Ich fragte mich, ob er überhaupt noch wach war, wollte mich aber nicht zu ihm umdrehen.

„Sag mir, was du meinst." forderte er plötzlich mit ernster Stimme.

Er saß noch genau so da, wie zuvor.

Scheiße.

Ich wusste, dass das ganze in einen Streit ausarten würde.

„Jakob ich will mich nicht schon wieder mit dir streiten." bat ich und setzte mich im gegenüber in den Schneidersitz.

„Ich will auch nicht streiten. Sag mir einfach, was du denkst." beharrte er.

„Du bist in den letzten Tagen einfach unberechenbar.. und zwar nicht als Werwolf, sondern als Mensch.

Ich habe keine Ahnung, wie du auf alltägliche Dinge reagierst. Ich komme mit deinen Stimmungsschwankungen nicht mehr mit.

Zuerst scheint es ein Weltuntergang zu sein, dass ich dir gestern dein Auto zurück gebracht habe.

Ich habe es wirklich nur gut gemeint und hatte nicht damit gerechnet, dass du so reagierst.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du mich nicht sehen willst.

Ehrlich gesagt ist es mir gar nicht in den Sinn gekommen.

Und du warst so böse auf mich. Ich weiß bis heute nicht, was ich falsch gemacht habe.

Gestern Abend wolltest du dann plötzlich wieder, dass ich heute Nacht bei dir bleibe.

Heute Nachmittag warst du übermäßig gut gelaunt.. sogar noch mehr als das..

Es kommt mir vor wie ganz am Anfang..als du mich nicht an dich heran gelassen hast.

Mal stößt du mich von dir weg und willst mich nicht bei dir haben, dann vermisst du mich angeblich und bestehst darauf, dass ich die Nacht über bei dir bleibe und gibst mir das Gefühl, dass du mich gerne um dich hast. Du suchst meine Nähe. Und wie aus heiterem Himmel benimmst du dich, als ob du am liebsten vor mir davon rennen würdest.

Und jetzt ist dir einfach alles egal?" meine Stimme zitterte und brach ab, Tränen standen in meinen Augen und ich starrte auf die Bettdecke zwischen uns.

Er unterbrach mich nicht einmal und ließ mich ausreden.

Dann war es still und ich traute mich nicht meinen Blick zu heben.

Doch dann hörte ich, wie er sich bewegte.

Er griff nach meiner Hand und obwohl ich mich sträubte, zog er mich auf seinen Schoß und in seinen Arm.

Ich spürte, dass er zitterte. Sein Atem ging unregelmäßig.

Er drückte mich an sich und wartete, bis wir uns beide wieder ein bisschen beruhigt hatten.

Unsere Herzen schlugen im gleichem Rhythmus.

„Es tut mir leid." flüsterte er nach einiger Zeit in mein Ohr.

Dann beugte er sich ein Stück zurück und strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn.

Mit seinen großen, reuevollen, dunklen Augen sah er mich an und schien nach den richtigen Worten zu suchen.

„Es tut mir leid, dass es so herüber gekommen ist. Das wollte ich nicht.

Und du hast nichts falsch gemacht. Ich möchte dich immer in meiner Nähe haben.

Bitte glaub mir, dass es nicht meine Absicht war, dich so zu behandeln." sagte er niedergeschlagen.

Seine große, warme Hand lag an meiner Wange, doch er sah mich nicht an.

„Warum tust du es dann?" hauchte ich.

Er schüttelte den Kopf, so als ob er mir die Antwortet vorenthalten wollte.

Daraufhin wollte ich ihm meine Hand entziehen, doch er hielt sie fest.

Er presste die Lippen zusammen und schien mit sich zu ringen.

Seine Hände begannen erneut zu zittern, weshalb er meine umso fester umklammerte.

Trotzdem schob er mich von seinem Schoß.

„Ich habe mich so daneben benommen, weil ich vollkommen überfordert bin. Mit meinen eigenen Gefühlen."erklärte er und starrte auf seine bebenden Finger, die meine umschlungen.

Ich hatte mit dieser Antwort gerechnet und trotzdem wollte ich sie nicht wahr haben.

Er war mein Fels in der Brandung gewesen, der nun selbst zu versinken drohte.

Ich spürte, wie mir die Farbe aus den Gesicht wich.

Er hatte mir immer wieder gesagt, dass alles gut werden würde. Jetzt spürte ich, dass er Zweifel hatte.

„Ich bin überfordert, mit allem, was um mich herum passiert. Das Wichtigste für mich ist es, dich zu beschützen. Ich habe so eine Angst zu scheitern, dass ich nachts nicht mehr schlafen kann.

Und beides zusammen führt dann dazu, dass ich nicht mehr weiß wo oben und unten ist.

Auch die Gewissheit, dass du deine Zeit mit dieser Blutsaugerin verbringst, ist nicht wirklich beruhigend.

Ich bin verzweifelt, weil ich Angst habe dich nicht schützen zu können."fuhr er fort und suchte flüchtig meinen Blick.

Ich war unfähig etwas dazu zu sagen und nickte nur, um ihm zu zeigen, dass ich seine Worte zur Kenntnis genommen hatte.

Sein Griff um meine Hände versteckte sich noch.

„Aber das ist auch noch nicht alles." setzte er erneut an und ein schüchternes Lächeln umspielte seine Lippen, plötzlich leuchteten seine Augen.

Da war er schon wieder, dieser abrupte Stimmungswechsel.

„Obwohl um uns herum die ganze Welt im Chaos zu versinken scheint, machst du mich so unglaublich glücklich. Ich glaube, dass kannst du dir nicht einmal vorstellen.

Auch wenn es für dich im Moment besser wäre.. ich bin zu egoistisch und möchte auf keinen Fall, dass du dich von mir fern hälst.

Sobald du nicht hier bist, sehne ich mich nach deiner Nähe.. und manchmal sogar viel zu sehr.

Ich fühle mich so sehr zu dir hingezogen, dass es schon fast weh tut."flüsterte er und dieser beschämte Ausdruck erschien erneut auf seinem Gesicht.

Obwohl ich vor wenigen Sekunden noch damit beschäftigt war, mich mit meinem eigenen Tod anzufreunden, war ich nun völlig berauscht von seinen Worten. Und meinen Gefühlen.

Ohne weiter darüber nachzudenken, beugte ich mich weiter zu ihm herüber.

Ich hielt meinen Blick gesenkt. Doch ich konnte spüren, dass unsere Nasen sich beinahe berührten.

Ich fühlte seinen stoßweise kommenden, warmen Atem auf meinem Gesicht.

Und ich spürte, dass mittlerweile nicht nur seine Hände zitterten.

Obwohl ich wusste, dass er nicht vor Wut bebte holte mich dies auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ich starrte direkt in seine vor Erregung glühenden Augen, die völlig auf die meinen fixiert waren.

Es wäre so einfach gewesen, meine Lippen auf die seinen zu legen.

Ich verzehrte mich nach ihm.

Und ich verspürte, wie sehr er es wollte. Die Verbindung zu seinen Gefühlen war mir nie so intensiv vorgekommen, wie in diesem Moment.

Doch ich wusste genau, dass der Moment, nachdem wir uns beide sehnten nur wenige Sekunden dauern würde.

Und dann würde die Sache nicht anders Enden, als vor drei Jahren.

Die Angst vor den Konsequenzen führte schließlich dazu, dass ich mich zusammen riss und meine Arme um seinen Hals legte.

Meinen Kopf legte ich auf seine Schulter und schloss die Augen.

Frustriert ließ er die Luft, die er vermutlich zuvor angehalten hatte, aus seiner Lunge entweichen, erwiderte aber meine Umarmung.

Er konnte seine Enttäuschung nicht verbergen.

Erst nach einigen Minuten normalisierte sich sein Herzschlag und auch mein Körper schien sich langsam wieder zu beruhigen.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)