Lebensretter

vor 4 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 76 September 2016 Anika

Sobald ich ihn bemerkte, wurde ich nervös.

Schon den ganzen Morgen hatte ich bei dem Gedanken, ihm wieder gegenüber zu stehen ein flaues Gefühl im Magen gehabt.

Jetzt war es so weit.

Doch einige Minuten bleiben mir noch, um ihn zu ignorieren.

Ich musste die Mädels zurück in die OGS bringen.

Vor der Tür verabschiedete ich mich von meinen beiden heimlichen Lieblingskindern, doch Zoe dachte gar nicht daran mich einfach so gehen zu lassen.

Obwohl sie erst neun Jahre alt war entging ihr nichts.

Sie hatte Jakob entdeckt und löcherte mich wie immer mit tausend Fragen.

Doch auf die Frage, ob Jakob mein Freud sei, wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

Er konnte jedes Wort hören.

Plötzlich schlug mir mein Herz bis zum Hals und die Röte stieg mir in die Wangen.

„Äh..nein. Er ist mein bester Freund." antwortete sich kurz ab, um das Thema möglichst schnell unter den Tisch zu kehren.

Also schob ich Zoe und Dinara auf die Tür zu und verabschiedete mich von ihnen.

Und dann war der Moment gekommen, indem ich mich zu ihm umdrehen musste.

Eine Sekunde lang schaute ich ihm direkt in die müden, aber dennoch warmen Augen.

Er war wieder mein Jakob. Den ich über alles liebte..

Sofort fiel ein Teil der Anspannung von mir ab und trotzdem wich ich seinem durchdringenden, ruhigen Blick aus.

Bereits in diesem Moment wusste ich, dass es ein Fehler war ihn zu treffen.

Und das obwohl ich mich mit jedem Meter, den ich ihm näher kam, besser fühlte.

Aber er sah vollkommen fertig aus.

So sehr, dass er mir wirklich leid tat.

Ihn so zu sehen führte dazu, dass sich ein dicker Klos in meinem Hals bildete.

Ich wollte ihn nicht wieder belästigen. Ich wollte ihm nicht schon wieder auf die Nerven gehen.

Ich hatte Angst, vor seinen unberechenbaren Launen.

Aber für einen Rückzieher war es bereits zu spät. Er würde es niemals zu lassen.

Unsicher schritt ich langsam auf ihn zu.

Erst als uns nur noch zwei Meter von einander trennten, hob ich meinen Blick.

Ich fühlte mich schuldig und hatte keine Ahnung warum.

Doch auch er schien vollkommen verunsichert.

„Hey."sagte er mit belegter Stimme und versuchte zu Lächeln, doch es erreichte seine Augen nicht.

„Hey."erwiderte ich und war um einen neutralen Tonfall bemüht.

Doch meine Worte klangen wie die eines verängstigten, kleinen Mädchens.

Sein Blick schweifte in die Ferne.

„Können wir los? Deine Kiddis drücken sich die Nase an der Scheibe platt."sagte er trocken, worauf ich nur nickte.

Er setzte sich aufs Motorrad und sah mich auffordernd an.

Ich zögerte, worauf seine Mine sich genervt verzog, sich aber schon wenige Sekunden darauf wieder in ein gekünsteltes Lächeln verwandelte.

„Das Auto hatte keinen Sprit mehr." erklärte er und beantwortete mir damit meine unausgesprochene Frage.

Das war jedoch nicht der Grund für mein Zögern.

Gepresst stieß er die Luft aus und seine Hände begannen zu zittern.

Seine Geduld mit mir war bereits am Ende.

So reizbar hatte ich ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen.

Kopfschüttelnd starrte ich zu Boden.

„Bitte."flüsterte er schließlich und streckte seine Hand nach mir aus.

Obwohl ich absolut nicht überzeugt war, stieg ich hinter ihm auf das Motorrad.

Allerdings nur aus Angst vor seiner Reaktion, wenn ich mich weiter geweigert hätte.

Schließlich wurden wir beobachtet.

Unsicher legte ich meine Arme um seinen Oberkörper.

Irgendwo musste ich mich ja festhalten.

Ohne ein weiteres Wort startete er den Motor und fuhr los.

Glücklicherweise fuhren wir nur über eine vollkommen verlassene Landstraße.

Wir mussten einen Großteil der Strecke bereits hinter uns haben als das Motorrad plötzlich auf gerader Strecke ins schlittern kam.

Ehe ich mich versah, drohten wir von der Straße abzukommen und im Straßengraben zu landen.

„Jakob!"schrie ich und tatsächlich riss er in letzter Sekunde den Lenker herum.

Er war tatsächlich beim Fahren eingeschlafen.

„Halt an." sagte ich nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte.

Er reagierte nicht.

„Verdammt Jakob halt an!" schrie ich in sein Ohr woraufhin er tatsächlich langsamer wurde und das Fahrzeug schließlich zum stehen brachte.

Sofort stieg ich ab und er ließ die Maschine achtlos zu Boden fallen.

Plötzlich trennten uns mehrere Meter und er rang um Fassung.

Obwohl ich nicht mehr wusste, ob ich Angst hatte oder einfach nur sauer war, wartete ich einfach ab.

Jedes Wort aus meinem Mund hätte die Situation nur verschlimmert.

Minuten vergingen und er wagte es nicht einmal, mich anzusehen.

Meine Wut wich purer Verzweiflung.

„Jakob was tun wir hier?" flüsterte ich mit belegter Stimme.

Endlich wandte er seine Aufmerksamkeit mir zu.

„Es tut mir leid. Mir sind für eine Sekunde die Augen zugefallen."sagte er beschämt und schien förmlich in sich zusammen zu fallen.

Ohne länger nachzudenken, ging ich auf ihn zu.

Es ging ihm schlecht. Und ich war mit unter Schuld daran.

„Alles okey?" fragte er besorgt und voller Reue.

„Alles okey. Es ist ja nichts passiert." sagte ich sanft und verspürte das Bedürfnis, ihn in den Arm zu nehmen.

Doch ich hielt mich zurück.

Zum einen wusste ich nicht, ob er es wollte und zum anderen hatten wir noch so viel zu klären.

„Nichts ist okey. Ich habe dich innerhalb der letzte 24 Stunden zwei Mal beinahe getötet." sagte er und Tränen stiegen ihm in die Augen.

Das führte dazu, dass ich meine Bedenken über den Haufen warf.

Schnell überwand ich die letzte Distanz zwischen uns und schlang meine Arme um seinen Hals.

Egal was vorgefallen war, er brauchte mich. Und ich brauchte ihn..

„Es ist nichts passiert." versuchte ich ihn zu beruhigen.

„Aber es hätte so viel passieren können." erwiderte er mit zitternder Stimme.

„Wir müssen auch noch über letzte Nacht sprechen." fügte er etwas gefasster hinzu und hielt mich eine Armlänge von sich weg, um mich ansehen zu können.

„Nicht jetzt.." setzte ich an, doch er unterbrach mich sofort.

„Doch, genau jetzt." sagte er sanft aber bestimmt.

„Nur, wenn du dich hinlegst sobald wir bei dir Zuhause sind." stellte ich meine Forderung auf.

„Nein, ich.." begann er, doch diesmal fiel ihm ins Wort.

„Jetzt sieh es doch ein. Alles andere hat sowieso keinen Sinn. Du bist vollkommen erledigt und es wird bestimmt noch ein langer Abend." versuchte ich ihn zu überzeugen.

Ich wappnete mich schon für einen seiner Wutanfälle.

Ich wusste genau, wie sehr er dieses Thema hasste.

Doch schließlich nickte er nur resignierend und schloss die Augen.

Anscheinend war er schon zu müde, um sich mit mir zu streiten.

Seine Lieder flatterten, als er sich zwang sie wieder aufzuschlagen.

„Das letzte Nacht.. das war nicht ich. Wirklich nicht.

In dieser Nacht im Monat wird unsere menschliche Seite in die letzte Ecke unseres Wolfskörpers verdrängt.

Wir können uns zwar zu jeder Zeit in einen Wolf verwandeln, doch bei Vollmond ergreift er vollkommen von uns Besitz.

Der Wolf weiß zwar, dass er dich kennt, doch er ist ein wildes Tier, das durch und durch von seinen Instinkten gesteuert wird.

Ich habe dich erkannt, aber trotzdem mit ganz anderen Augen gesehen, als sonst." er machte eine Pause.

Ich war mir nicht sicher, ob ihm die Konzentration fehlte oder ob er versuchte seinen Körper zu kontrollieren.

„Du hast zugestimmt, dass du mich auch dann verstehst.." versuchte ich eine weitere Erklärung zu erlangen.

„Ja, aber du musst dir das ganz anders vorstellen, als unsere jetzige Unterhaltung. Ich habe den Inhalt deiner Worte zwar verstanden, konnte aber nicht darauf reagieren." erklärte er matt und rieb sich die Stirn.

„Du hast dagegen angekämpft." stellte ich fest, als mir sein zerrissenes Verhalten von letzter Nacht wieder einfiel.

Er nickte und lächelte schwach.

„Wenn meine Gefühle für dich nicht so stark wären, wäre das für mich vermutlich unmöglich gewesen." gab er zu.

„ Du konntest sogar sehr nah bei mir sein. Warum war ich auf einmal so wütend auf dich?" fragte er mich. Er hatte tatsächlich keinen Schimmer was passiert war.

„Ich kann dir nur sagen, was ich glaube.." startete ich einen Erklärungsversuch.

„Du wolltest, dass ich nach Hause gehe. Und das wollte ich auch. Aber Sina hat sich nicht an dir vorbei getraut. Also musste ich sie holen.. und habe mich dir damit anscheinend widersetzt." fuhr ich fort und war überrascht wie konfus sich diese Interpretation anhörte.

Er schlug die Hände vors Gesicht. „Es tut mir so leid." stöhnte er.

„Es ist nichts passiert. Aber warum warst du überhaupt so nah bei mir?"wollte ich wissen.

Jetzt sah er mich wieder direkt an und seine Augen sprühten nur so vor Wärme.

„Weil ich mich nicht von dir fernhalten kann. Erst recht nicht, wenn ich meine Handlungen nicht kontrollieren kann." gab er zu und nahm meine Hand.

Er schaffte es, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern.

Doch meine Fragen waren noch nicht alle beantwortet.

„Kann man dagegen ankämpfen, dass der Wolf die Kontrolle übernimmt?"fragte ich vorsichtig und sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

Es ist nahezu unmöglich, die Verwandlung bei Vollmond zu verhindern.

„Tut es weh?" Ich hatte vermutlich zu viele Horrorfilme gesehen.

„Nein. Zumindest nicht so wie du es dir vorstellst. Es brechen keine Knochen oder ähnliches.

Aber wenn jeder Muskel unter Strom steht und man sich gegen die Verwandlung wehrt, kann es sehr wohl zu Schmerzen führen.

Aber das ist nicht nur beim Vollmond so." erklärte er ruhig, aber es schien ihm schwer zu fallen.

Er musste dringend ins Bett.

Aber eine Frage hatte ich dennoch: Gestern wollte der tierische Teil von dir mich angreifen, doch du hast es verhindert. Wie?"

„Ich weiß es nicht genau. Ich habe mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte gegen das Monster in mir gekämpft.. und schließlich gewonnen." teilte er mir mit und unterdrückte ein Gähnen.

„Du sahst wirklich hin und her gerissen aus.." stellte ich fest und starrte ins Leere.

„Hey,es ist vorbei." sagte er und legte seine warme Hand an meine Wange.

„Hast du Angst vor mir?" fragte er dann vollkommen ernst und ließ mich los.

„Jetzt? Nein." gab ich ehrlich zurück.

„Aber ich habe dir Angst gemacht?" harkte er nach.

Ich nickte nur.

„Ich mache es alles wieder gut." versprach er und ich hatte keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte.

„Es gibt nichts wieder gut zu machen." entgegnete ich und war unheimlich froh, dass wir über alles gesprochen hatten.

Dankbar nickte er schwach.

„Komm."sagte er und machte sich daran sein Motorrad aufzurichten.

„Wie weit ist es noch?" fragte ich skeptisch und verschränkte die Arme.

„Nicht mehr weit." antwortete er knapp und schon wieder trat der genervte Ausdruck auf sein Gesicht.

Trotzdem zögerte ich.

„Ich passe auf. Vertrau mir." fügte er etwas sanfter hinzu.

Also stieg ich hinter ihm auf die Maschine.

Ich hielt es für keine gute Idee, dass er noch fuhr, aber jede Widerrede hätte einen Streit provoziert.

Also hoffte ich einfach, das wir heile bei ihm ankommen würden.

Zehn Minuten später hatten wir es tatsächlich heile bis zur Jakobs Garage geschafft.

Ich stieg ab und versuchte zu ignorieren, dass er einen Moment kraftlos sitzen blieb.

Wortlos stand er auf und lief ohne mich weiter zu beachten auf das Haus zu.

Ich folgte ihm schweigend und rief mir wieder ins Gewissen, dass ich nicht hier sein sollte.

Eben noch hatte er sich wirklich Mühe gegeben.

Er war mir gegenüber sanft und verständnisvoll gewesen.

Und jetzt wünschte er mich vermutlich auf den Mond.

Jedenfalls zeigte er mir die kalte Schulter.

Wieder bildete sich ein Klos in meinem Hals.

Ich konnte nicht damit umgehen, wenn er so mit mir umsprang.

Trotzdem schwieg ich.

Erst im Haus wandte er sich mit gequältem Gesichtsausdruck zu mir um.

„Ich benehme mich schon wieder wie das letzte Arschloch." stöhnte er und setzte sich auf die Couch.

Er legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen.

Ich blieb unschlüssig in der Wohnküche stehen.

„Komm her. Wir sind alleine." fügte er hinzu, als er seinen Blick wieder auf mich richtete und klopfte neben sich auf den grauen Stoff.

Wortlos setzte ich mich auf die kleine Couch ihm gegenüber.

Verwirrt runzelte er die Stirn, sagte aber nichts.

„Leg dich hin." forderte ich ihn leise auf und griff nach der Fernbedienung.

„Anika..Ich habe dich nicht abgeholt um die Zeit mit dir jetzt zu verschlafen."begann er.

„Du hast es versprochen." sagte ich ernst und sah ihn ausdruckslos an.

„In drei Stunden müssen wir zu Sam." verkündete er resignierend und streckte sich tatsächlich über das ganze Sofa aus.

Alibimäßig schaltete ich den Fernseher ein.

Als ich ihm erneut einen Blick zu warf, war er bereits eingeschlafen.

Traurig zog ich die Knie an den Oberkörper und drosselte die Lautstärke des Fernsehers so weit, dass ich ihn kaum noch hören konnte.

Trotzdem versuchte ich mich auf das Geschehen in der Glotze zu konzentrieren, um meine Enttäuschung zu verdrängen.

Zwei Stunden vergingen und Jakob schien nicht einen Muskel zu bewegen.

Nur bei genauem Hinsehen sah ich, wie sich seine Brust gleichmäßig hob und senkte.

Seine ruhige Atmung hatte eine beruhigende Wirkung auf mich und zog meine Aufmerksamkeit immer wieder auf sich, sodass ich den Fernseher schließlich abschaltete.

Doch dann öffnete sich schlagartig die Haustür und Leah betrat die Wohnküche.

Sofort legte ich mir meinen Zeigefinger auf die Lippen um ihr zu signalisieren, dass sie still sein sollte.

Genervt verdrehte sie die Augen, schoss die Tür aber leise hinter sich und ließ sich direkt neben mir aufs Sofa fallen.

Sie legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen.

Niedergeschlagen ließ ich meinen Kopf gegen ihre Schulter sinken.

„Hey, was ist los?" flüsterte sie und legte mir ihren Arm um die Schultern.

Ich machte nur eine Kopfbewegung in Richtung Jakob.

„Schläft er schon die ganze Zeit?" wollte sie wissen.

Wieder nickte ich nur.

„Erzähl mir was los ist." forderte sie mich leise auf und sah mich aufmerksam an.

Wo sollte ich da nur anfangen?

„ Er verhält sich mir gegenüber so unberechenbar, wie schon sehr lange nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Er ist völlig am Ende... und du wahrscheinlich auch!" fügte ich hinzu als mir klar wurde, dass Leah vermutlich fast genau so litt, wie Jakob.

Plötzlich kam ich mir unglaublich egoistisch vor, ihr die Ohren mit meinen Problemen voll zu heulen, obwohl sie viel größere Probleme hatte.

„Nein, da liegst du falsch. Klar, auch für mich und den Rest des Rudels ist es hart, aber bei weitem nicht so hart wie für Jakob." gab sie zurück. Ihr anfängliches Lächeln verblasste.

„Und ich bin schuld." gab ich zurück und spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.

„Quatsch.."setzte Leah an, wusste aber auch nicht so recht, was sie dagegen erwidern sollte.

Wir wussten beide, dass ich der Grund war, warum er vollkommen neben der Spur war.

„Nicht weinen.." fügte sie hinzu, noch bevor auch nur eine Träne meine Wange herunter kullerte.

Doch anstatt sie weiter anzusehen, richtete ich meinen Blick auf Jakob, der sich zu regen schien.

Er atmete unregelmäßig und verzog gequält das Gesicht.

Erst jetzt fiel mir auf, dass ich ihn mit meinem Verhalten aus dem Schlaf riss.

Ich durfte nicht weinen.

Also schloss ich die Augen, wandte meinen Blick von ihm und versuchte mich zu beruhigen.

Sofort entspannte sich auch seine Miene und er schlief ruhig weiter.

Leah hingegen blieb der Mund offen stehen.

Ihr Blick wechselte immer wieder zwischen mir und Jakob.

„Was bitte war das denn?" fragte sie erstaunt und griff nach meinem Arm, um meine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Beschämt zuckte ich mit den Schultern.

„Und du machst dir Sorgen, dass keine außergewöhnliche Verbindung zwischen euch herrscht?" platzte sie heraus und schien immer noch vollkommen überrascht von dem, was sie gerade gesehen hatte.

„Leah nicht hier." flehte ich, worauf sie mich am Handgelenk fasste und mich zur Tür schleifen wollte.

Ich aber bleib sitzen und deutete mit dem Blick auf Jakob.

„Wir bleiben direkt vor dem Haus. Das wird er nicht merken. Und selbst wenn, wir müssen eh in einer halben Stunde los." zischte sie und zog erneut an meiner Hand.

Diesmal gab ich nach.

Unten vor der Veranda des Hauses blieb sie stehen.

„Was bitte war das? Seit wann ist das schon so?" platzte sie heraus.

Zuerst zuckte ich nur mit den Schultern, doch ihr durchdringender Blick brachte mich dazu, ihr zu antworten. Hatte sie nichts davon gewusst?

„Schon seit Jahren. Seit.. meinem Realschulabschluss.. Aber seit kurzem ist es noch viel intensiver" erklärte ich kurz ab.

„Was ist da passiert?" harkte sie nach.

„Zuerst dachten wir beide, er würde sich auf mich prägen.. aber das war es nicht." schluchtzte ich und setzte mich auf die Verandatreppe.

„Was hat sich seitdem verändert?" fragte sie ruhig und setzte sich neben mich.

„Ich kann fühlen, sobald er in meiner Nähe ist. Ich kann bis zu einem gewissen Grad fühlen, was er fühlt und anders herum...wie du eben gesehen hast." erklärte ich.

„Und du bist dir ganz sicher, dass er sich nicht auf dich geprägt hat?"Leah war Feuer und Flamme.

„Ja. Aber das weißt du doch." gab ich zurück.

„Aber mir war das Ausmaß der Dinge nicht bewusst.. allerdings hätte ich es spätestens ab letztem Sommer wissen müssen.." dachte sie laut.

„Seine Theorie dazu kennst du ja bestimmt." gab ich zurück.

„Ja, aber was genau ist so falsch daran? Wer sagt, dass er sich nicht auch nach und nach auf dich prägen kann." warf Leah ein und schien immernoch total begeistert von ihren neuen Erkenntnissen.

„Wir kennen uns schon seit fünf Jahren. Es wird nicht mehr passieren."gab ich nüchtern zurück.

„Und doch seid ihr euch so nah wie nie zu vor." erwiderte sie grinsend.

„Und genau das ist das Problem. Es kann mit uns nicht funktionieren. Und er scheint damit noch weiger zurecht zu kommen als ich.

Jedes Mal, wenn wir uns sehen, wird es schlimmer.

Entweder er stößt mich von sich weg oder er verliert die Kontrolle, wenn er mir zu nah kommt.." stammelte ich vor mich hin.

Zum ersten Mal schwieg Leah und nickte.

Endlich schien sie zu begreifen.

„Es ist im Moment alles ein bisschen viel für ihn. Das wird wieder."sagte sie schließlich.

„Für den Fall, dass wir die nächsten Wochen überleben." flüsterte ich, woraufhin mir nun doch eine Träne die Wange herunter rann.

„Hey! Das darfst du gar nicht erst denken. Wir werden alle überleben."sagte sie streng, umarmte mich aber trotzdem.

„Und wenn das alles vorbei ist, kümmern wir uns um euer anderes Problem."sie lächelte anzüglich und stieß mir ihren Ellenbogen in die Rippen.

„Wie das denn bitte?" wollte ich wissen und schlug die Hände vors Gesicht.

„Da fällt uns schon was ein. Ich habe euch schließlich schon mal geholfen." sagte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue.

Bei ihrer Andeutung musste ich Lachen.

„Wag es ja nicht!" drohte ich ihr.

„Wärst du dann etwa eifersüchtig?" Sie hatte Spaß daran, mich aufzuziehen.

Und es funktionierte, ich lief knallrot an, was sie nur noch mehr amüsierte.

„Probiert es doch einfach nochmal." sagte sie dann in einem ruhigen Ton.

Ich wusste sofort was sie meinte und biss mir auf die Lippe.

„Ich will nicht, dass es so endet, wie beim letzten Mal.." wollte ich gerade sagen, als Jakobs Stimme uns beide herumwirbeln ließ.

„Was probieren?" wollte er wissen und schritt langsam die Verandatreppe zu uns herunter.

„Geht dich gar nichts an. Ich habe es mir nur erlaubt, Anika zu entführen während du im Koma gelegen hast." antwortete sie schnippisch und kam mir damit zuvor.

Jakob lachte, sah aber beschämt zu Boden.

„Ich bin ja schon weg. Wir sehen uns gleich." stöhnte Leah, nachdem niemand mehr etwas gesagt hatte und joggte auf den Wald zu.

Langsam kam er auf mich zu.

„Du hast geweint." stellte er besorgt fest, doch ich überging seine Aussage einfach.

„Müssen wir nicht los?" antwortete ich mit einer Gegenfrage, die er nicht verneinen konnte.

Ich wandte mich ab und ging in die Richtung, die zu Sams Haus führte.

Doch eigentlich wollte ich nur noch nach Hause.

Ich bereute es, dass ich nicht auf meine Vernunft gehört hatte und Zuhause geblieben war.

„Anika warte." sagte er im ernsten Ton, doch dieser genervte Unterton schwang erneut mit.

Wütend wandte ich mich zu ihm um, sagte aber nichts.

Er stand einfach da, sah mich an und löste seine zuvor verschränkten Arme.

„Wenn ich dir so auf die Nerven gehe, warum bin ich dann hier?" fragte ich und meine Stimme klang höher als sonst.

„Du gehst mir nicht.." sagte er leise und ging auf mich zu, doch ich ließ ihn nicht ausreden.

„Du lügst." unterbrach ich ihn, woraufhin er stehen blieb und resignierend die Hände hob.

„Lass es mich anders ausdrücken. Ich bin im Moment nur.." er konnte den Satz nicht beenden.

Aber das war nicht nötig.

Ich wusste genau, was er sagen wollte.

Seine Nerven lagen blank und er reagierte auf alles und jeden vollkommen gereizt.

„Ich weiß." sagte ich kleinlaut und bereute schon wieder überhaupt etwas gesagt zu haben.

„Ich meine das nicht so.." sagte er leise und kam mir schließlich so nah, dass er den Arm um mich legte.

Ich nickte nur, dränge mich aber noch näher an ihn.

Was er auch tat, ich wusste er tat es für mich.

Ich wusste, er gab sich Mühe. Immer.

„Es tut mir leid, dass der Nachmittag nicht so gelaufen ist wie geplant. Und die Fahrt. Es ist unverzeihlich." seine Stimme begann zu beben.

„Jakob vergiss es. Wirklich." sagte ich und schaffte es ihn anzulächeln.

Er schüttelte den Kopf, sagte aber nichts.

„Wir haben uns schon wieder festgefahren." sagte ich so leise, dass ich meine eigene Stimme kaum hörte.

Sofort schnellte sein Kopf in die Höhe.

Panisch sah er mich an.

„Bitte gib mich nicht auf." sagte er mit heiserer Stimme und umklammerte meine Hand.

Er hatte tatsächlich Angst.

„Oh Gott nein!" rief ich aus und umarmte ihn sofort.

Zitternd atmete er aus und drückte mich fest an sich.

„Ich weiß es ist total albern, aber können wir hier für heute einen Cut machen und einfach versuchen, heute Abend noch ein bisschen Spaß zu haben? Lass uns das einfach erst mal vergessen.."

Kurze Zeit schwieg er.

„Nichts lieber als das." flüsterte er schließlich, gab mir einen Kuss auf die Wange und gab mich frei.

„Und jetzt komm!" lachte er und zog mich hinter sich her.

„Aber bitte lass mich gleich nicht alleine mit deinen Kollegen."quengelte ich.

„Du hast nicht sonderlich viel Lust auf den Abend?" er schien erleichtert und belustigt zu gleich.

„Naja, ich weiß nicht wirklich was mich erwartet.. ein Ratstreffen oder eine Party?" wollte ich wissen.

„Vermutlich erst das eine.. und dann das andere." entgegnete er grinsend.

Es war ansteckend.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)