Lebensretter

vor 9 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 77 September 2016 Anika

Als wir ankamen, saß das gesamte Rudel, inklusive Billy, Sue und ein mir unbekannter Mann bereits am Lagerfeuer.

Der Fremde musste der Vater von Scott Davis sein, der neben Seth saß.

Er war genauso breit und muskulös gebaut, wie die anderen Rudelmitglieder, sein Gesicht hingegen wirkte schmaler und kantiger.

Er hatte große, braune Augen, ein markantes Kinn und eine ebenso markante Nase.

Billy war bereits dabei, die Geschichte der Quileute zu erzählen, die ich schon vor Jahren einmal gehört hatte.

Alle starrten uns an.

Wir waren zu spät.

Doch Billy ließ sich davon Gott sei dank nicht unterbrechen.

Beschämt senkte ich den Blick und ließ mich von Jakob zu dem Baumstamm führen, der bereits von Leah, Scott und Seth in Beschlag genommen worden war.

Wortlos setzte ich mich neben Leah und Jakob nahm mit ärgerlichem Gesichtsausdruck zu meiner Rechten platz.

Sein Kiefer war angespannt.

Er ließ meine Hand los, und verschränkte seine leicht zitternden Hände ineinander, um seine Wut vor den anderen zu verbergen.

Erst jetzt spürte auch ich Sams wütenden Blick auf uns ruhen.

Er führte dazu, dass ich weiterhin auf meine Füße starrte und versuchte mich auf Billys Worte zu konzentrieren.

Na das konnte ja ein wundervoller Abend werden..

Irgendwann wagte ich es dann doch, meinen Blick über die übrigen Baumstämme rund um das Lagerfeuer wandern zu lassen.

Sofort blieb er an dem zierlichen Mädchen mit den blonden, langen Locken und den leuchtenden blauen Augen hängen.

Ihre Haut schien sogar noch etwas heller zu sein, als die meine.

Sie, und auch der Junge neben ihr, der ihr Bruder sein musste, passten überhaupt nicht in das Schema der Quileute.

Trotzdem zierte bereits das Quileute- Tattoo ihren rechten Oberarm.

Genauso wie bei bei den anderen Werwölfen.

Die beiden Teenager waren ohne Zweifel Melanie und Theo Becker.

Sie war einfach wunderschön, erinnerte aber eher an eine zierliche, verängstigte Barbiepuppe als an eine große, starke Wölfin.

Ihr Bruder hingegen schien beinahe genauso muskulös zu sein, wie die übrigen, männlichen Rudelmitglieder.

Durch seinen westeuropäischen Tan, die blauen Augen und die rot-braunen Haare unterschied er sich trotzdem deutlich von allen anderen.

Doch auch er schien nervös und hielt den Blick gesenkt.

Das Mädchen schien meinen Blick zu spüren und erwiderte ihn schüchtern.

Ich fühlte mich ertappt, lächelte sie aber zurückhaltend an.

Ihre Mundwinkel zuckten, aber für ein Lächeln reichte es nicht.

Beschämt sah sie zu Boden.

Der Blick von Theo war nun starr auf Billy gerichtet, doch er wippte unruhig mit den Beinen.

Das Feuer knisterte.

Ansonsten war es mucksmäuschen still.

Alle lauschten gebannt Billys, tiefer, beruhigender Stimme.

Als ich meine Augen über die restliche Umgebung gleiten ließ, viel mir der überdimensionale Grillrost und die gestapelten Bierkisten neben dem gestapelten Holz auf.

Es sollte also tatsächlich eine Party stattfinden.

Beim Gedanken an die letzte Werwolfparty, an der ich teilnehmen durfte, lief es mir eiskalt den Rücken herunter.

Aber das bedeutete nicht, dass es heute genauso ausgehen musste.

Das hoffte ich zumindest.

Aber auch er hatte ein Recht darauf Spaß zu haben.

Auch wenn das bedeutete, dass er am Ende des Abends vollkommen betrunken sein würde.

Immerhin war er jetzt nicht wütend auf mich.

Und schlimmer als bisher konnte der Tag ohnehin nicht mehr werden.

Ich sah ihn an, um seine Stimmung besser einschätzen zu können.

Sofort erwiderte er meinen Blick mit seinen sanften, warmen braunen Augen.

Meine Bedenken waren vergessen und meine Laune hob sich auf unerklärliche Weise.

Mittlerweile war es fast vollkommen dunkel, doch dank des Feuers spürte ich die aufkommende Herbstkälte kaum.

Und dann hatte Billy seine Geschichte auch schon beendet.

Alle sprangen auf und machten sich entweder über die Bierkisten her oder versuchten den Grillrost über dem Feuer anzubringen.

Auch Jakob erhob sich, berührte jedoch dabei mein Knie und sah mich unsicher an.

„Geh schon!" sagte ich und lächelte ihn an.

Grinsend beugte er sich zu mir herunter.

„Es wird nicht so wie beim letzten Mal." flüsterte er ganz Nah an meinem Ohr.

Leah hörte er natürlich trotzdem und begann zu lachen.

„Jakob schubste sie freundschaftlich an der Schulter, doch sie hielt natürlich das Gleichgewicht.

Ich hingegen wäre in einem hohen Bogen von dem Baumstamm gefallen.

Dann wandte er sich um und joggte zu den anderen, restlichen Rudelmitgliedern.

„Bin ich froh, dass du da bist." stöhnte Leah und lehnte sich an meine Schulter.

„Na du bist ja in Party-Laune" gab ich zurück und stieß sie mit dem Ellenbogen an.

„Haust du gleich ab?" wollte ich wissen und befürchtete schon, dass sie mich hier alleine lassen würde.

„Nein quatsch. Sonst verpasse ich vermutlich noch irgendetwas." gab sie zurück und setzte sich wieder aufrecht hin.

„Na dann hole ich uns Mal was zu trinken!" verkündete ich und stand auf.

„Ich will keinen Alkohol." knurrte sie.

„Ich auch nicht!" gab ich über die Schulter zurück.

Für Leah holte ich eine Cola, obwohl das gegen meine Prinzipien verstieß, und brachte mir ein Wasser mit.

Als ich zurück kam grinste sie.

„Bist du dir sicher? Willst du wirklich einen Werwolf auf Coffein?"fragte sie lachend, weil sie genau wusste, was ich für gewöhnlich davon hielt.

„Besser als ein Werwolf auf Alkohol. Außerdem habe ich das bei dir noch nie erlebt." antwortete ich und grinste zurück, als ich ihr die Colaflasche reichte.

Provokant prostete sie mir zu und nahm einen großen Schluck.

Es würde wohl einige Minuten dauern, bis ich mit Leah wieder etwas anfangen konnte.

Um mir die Zeit zu vertreiben, beobachtete ich möglichst unauffällig die beiden Neuzugänge des Rudels, die abgesehen von Leah und mir die einzigen waren, die noch auf ihren Plätzen saßen.

Sie schienen angeregt über irgendwtwas zu diskutieren.

„Worüber unterhalten sie sich?" raunte ich Leah zu.

„Sie will, dass Theo sich den anderen Kerlen anschließt, aber er will sie nicht alleine zurück lassen." antwortete sie vollkommen desinteressiert.

Gerne hätte ich sie über die Neuen ausgefragt, doch ich befürchtete, dass sie jedes Wort hören konnte.

„Wo ist Emely eigentlich?" fragte ich sie stattdessen.

„Keine Ahnung, Gott sei Dank nicht hier." murmelte sie bissig, woraufhin ich beschloss sie noch einen Moment in Ruhe zu lassen.

Stadtessen konnte ich beobachten, wie Theo sich schließlich den anderen anschloss und Melanie alleine zurück blieb.

„Oh ne! Wenn man vom Teufel spricht." stöhnte Leah und schlug die Hände vors Gesicht.

Zuerst war ich irritiert, da ich keine Ahnung hatte, was sie meinte.

Doch keine zehn Sekunden später sah ich, dass Emely einen riesigen Korb mit Würstchen und Brot zum Grill schleppte.

Auf halber Strecke joggte Sam ihr entgegen, küsste sie stürmisch und nahm ihr den Korb ab.

Der Alkohol schien bereits seine Wirkung zu zeigen.

„Wohw!"entfuhr es mir, als ich spürte, dass Leah direkt neben mir zu beben begann.

„Sorry." sagte sie ruhig, schloss die Augen und schaffte es sich innerhalb von wenigen Sekunden wieder vollkommen zu beruhigen.

„Alles gut. Ich bin das von dir nur echt nicht gewohnt." entgenete ich beschämt über meine Reaktion.

„Ich weiß." seufzte sie und ließ die Schultern hängen.

„Sieh nicht hin." sagte ich leise und umarmte sie, um sie zu trösten.

Leah befolgte meinen Rat, fühlte aber trotzdem Emelys Blick auf uns.

„Sie starrt uns an, richtig?" wollte sie wissen.

Ich wusste nicht, wie ich mich Emely gegenüber verhalten sollte.

Zu mir war sie früher immer nett gewesen. Und sie konnte nichts für diese verfahrene Situation.

Anderseits fühlte ich mich dazu verpflichtet, zu Leah zu halten.

Sie liebte Sam noch immer.

Und das nach all den Jahren.

Ich konnte mir nicht einmal annähernd vorstellen, wie schwer es für sie sein musste.

Trotzdem warf ich Emely ein flüchtiges Lächeln zu, bevor sie wieder im Haus verschwand.

„Sie ist weg." informierte ich Leah die sich wieder gefasst hatte.

„Gut. Und jetzt lass und Spaß haben." verkündete sie plötzlich.

Die Cola schien ihre Wirkung zu zeigen.

„Willst du dich jetzt auch betrinken?" Jetzt war ich diejenige, der jegliche Motivation fehlte.

Mein Blick lag auf Jakob, der mit den Jungs herumalberte und mir lange nicht mehr so standfest erschien, wie noch einige Minuten zuvor.

„Quatsch. Aber noch schlägt er sich doch ganz gut." versuchte sie mich aufzumuntern.

„Wir werden sehen." entgegnete ich.

„Ui Essen!" rief Leah plötzlich aus und rannte zum Grill.

Sie hatte ihre Motivation wiedergefunden und jetzt begann der Rudelkampf um das beste Essen.

Wieder einmal wurde mir bewusst, dass ich mich nun nur noch al einziger Mensch zwischen einer Vielzahl von Raubtieren befand.

Gut, dass Emely vermutlich mehr als genug Würstchen besorgt hatte.

Jakob drängte sich mit zwei Würstchen in der Hand durch das Rudel auf mich zu.

Seine Augen sprühten vor Euphorie, doch seine Pupillen waren erweitert.

„Du hast doch bestimmt Hunger!" verkündete er, und taumelte leicht, als er vor mir stehen blieb.

„Alles gut?" fragte ich und musste lachen.

„Alles gut." wiederholte er, gab mir das Würstchen und ging vor mir in die Hocke, damit wir auf einer Augenhöhe waren.

Allerdings musste er sich dabei an meinem Bein festhalten, damit er nicht umkippte.

„Mach dir keine Sorgen, ich trinke nur noch eins. Versprochen."verkündete er und hatte sichtlich Mühe seine Gedanken zu ordnen.

„Okey."sagte ich leise und legte meine Hand für eine Sekunde an seine Wange.

Ebenfalls mit zwei Würstchen in der Hand kam Leah zurück,

„Oh man ich habe dir auch was mit gebracht. Aber naja, mehr für mich!"verkündete sie und ließ sich wieder neben mir auf den Baumstamm fallen.

„Und bei dir dreht sich schon alles?" wandte sie ihre Worte an Jakob.

„Halt die Klappe Leah!" rief er und erhob sich schwankend.

„Jaja!"entgegnete sie abwesend und machte sich über ihr Essen her.

Immerhin ließ sie sich nicht provozieren.

Jakob ging wieder zu den anderen und Leah war voll und ganz mit ihren Brötchen beschäftigt.

Mein Blick wanderte wieder zu Melanie, die immer noch ganz alleine auf dem Baumstamm saß.

Ihr Bruder war bereits hacke dicht.

„Sie ist ganz allein." flüsterte ich Leah zu.

Sie hielt inne und sah mich misstrauisch an.

Vermutlich hatte sie meinen Gedanken bereits erraten und hielt nicht sonderlich viel davon.

„Mhm. Das kannst du vergessen." murmelte sie mit vollem Mund.

„Warum?"fragte ich verwirrt.

„Sie sieht ganz nett aus." fügte ich so leise wie möglich hinzu.

„Weil sie ein frisch gebackener Werwolf ist. Sie kann jederzeit an die Decke gehen. Sie ist gefährlich." zischte sie, überzeugte mich aber nicht.

„So sieht sie grade aber nicht aus." stellte ich fest und Leah verdrehte die Augen.

„Außerdem: Gefährlicher als das da ist sie wohl kaum." fügte ich kopfschüttelnd hinzu und deutete mit dem Kinn in Jakobs Richtung.

Er unterhielt sich lautstark mit Quil, Embry, Scott und Seth.

Hin und wieder artete die Unterhaltung in spaßige Pöbeleien aus, die früher oder später vermutlich noch in einen Werwolfkampf ausarten würden.

Aber immerhin amüsierte er sich.

„Punkt für dich." entgente Leah trocken uns schien sich für ihr Rudel zu schämen.

„Ich möchte sie kennen lernen." sagte ich und stand auf.

Damit stellte ich Leah vor vollendete Tatsachen.

„Ist ja gut. Ich komme mit. Sonst rastet Jakob völlig aus, wenn er das mitbekommt." stöhnte sie.

„Jetzt brauche ich sogar hier schon auf Schritt und Tritt einen Leibwächter?" murrte ich, doch sie kommentierte meine Äußerung nur mit einem sarkastischen Grinsen.

Melanie richtete ihre leuchtend blauen Augen auf uns und schien vollkommen verunsichert.

Eigentlich war es überhaupt nicht mein Ding, auf fremde Leute zuzugehen, doch diesmal war es notwendig.

Also riss ich mich zusammen und atmete noch einmal tief durch.

„Hey. Ich bin Anika." stellte ich mich vor und hatte Angst vor ihrer Reaktion. Eigentlich müsste sie mich hassen.

Ich hatte ihr Leben zerstört.

Zum Glück trat ein schüchternes Lächeln auf ihr Gesicht.

„Melanie."sagte sie mit zarter Stimme und streckte mir ihre Hand zur Begrüßung hin.

Obwohl ich damit hätte rechnen müssen, war ich trotzdem überrascht von der Wärme ihrer blassen, seidigen Haut.

Obwohl sie dem Rest des Rudels in keinster Weise ähnelte, gehörte sie dennoch zu ihnen.

„Ich habe mir dich ganz anderes vorgestellt." gab sie zu und errötete leicht.

„Vermutlich, größer, schlanker und hübscher." entgegnete ich lächelnd und war froh, dass sie es mir so einfach machte.

„Nein! Einfach nur anders!" sagte sie schnell und senkte den Blick.

„Dürfen wir uns zu dir setzten?" wollte ich von ihr wissen.

Sie nickte dankbar, woraufhin ich mich direkt neben sie setzte.

Leah schnaubte, hielt sich aber zurück und nahm ohne Kommentar auf Melanies anderer Seite Platz.

„Es tut mir wirklich leid.. ich dachte sie hätten alle Quileute von dieser Gegen fern gehalten." startete ich einen Versuch, um mein schlechtes Gewissen zu erleichtern.

„Das konnte niemand wissen. Wir haben Nachforschungen angestellt.. mein Großvater soll wohl zu der Quileute gehört haben, doch wir haben ihn nie kennen gelernt.

Er hat meine Großmutter verlassen, bevor unser Vater überhaupt geboren war." erklärte sie und starrte auf ihre zierlichen Hände.

„Das tut mir Leid." erwiderte ich. Was sollte ich auch sonst dazu sagen?

Leah wippte ungeduldig mit dem Fuß uns starrte auf die immer weniger werdenden Würstchen, die noch auf dem Grill lagen.

„Los geht schon!" sagte ich zu ihr.

Zuerst zögerte sie, stand dann aber doch auf und bewegte sich auf den Grill zu.

„ Sie traut mir nicht. Genau wie alle anderen." flüsterte Melanie und starrte zu Boden.

Was bitte sollte ich darauf antworten? Ich kannte sie schließlich nicht und wollte ihr nicht zu nahe treten.

„Es ist bestimmt nicht leicht für dich." sagte ich schließlich.

Als ich sie ansah bemerkte, ich dass sie mit den Tränen kämpfte.

Vorsichtig nahm ich ihre Hand.

„Es tut mir so leid." flüsterte ich erneut.

„Du kannst doch nichts dafür." schluchzte sie und eine Träne verließ ihre großen, blauen Augen.

Ich schwieg, obwohl ich da anderer Meinung war.

Ihre Finger zitterten bereits. Trotzdem ließ sie meine Hand nicht los.

Also wartete ich einfach ab.

„Du bist die erste, die wirklich nett zu mir ist." sagte sie schließlich und schaffte es mich anzulächeln.

„Ich bin ja auch kein Werwolf." entgegnete ich und versuchte die Stimmung etwas aufzulockern.

„Aber du bist mit einem zusammen." konterte sie, was mich augenblicklich aus der Fassung brachte.

„Ähm..wir sind nicht zusammen." stotterte ich vor mich hin.

Sie sah mich irritiert an. Auch ihr schien die Situation unangenehm zu sein.

„Achso, ich dachte.." stammelte sie und wurde rot.

„Wir sind nur.." begann ich, brach aber ab.

Nur Freunde? Das entsprach wohl kaum noch der Wahrheit.

„Ich weiß selbst nicht, was wir sind." gab ich kleinlaut zu woraufhin sie lächelte.

Plötzlich schien sie den ganzen Werwolfkram zumindest für den Moment vergessen zu haben.

„Wie lange geht das schon so?" wollte sie wissen und erschien mir jetzt viel quirliger als zu vor.

„Viel zu lange." beschämt vergrub ich das Gesicht in den Händen.

„Das heißt?" harkte sie nach.

„Wir kennen uns seit über fünf Jahren.. haben uns zwischenzeitlich aber fast drei Jahre lang nicht gesehen." plapperte ich los.

Jetzt war es raus.

Und sie schien tatsächlich überrascht.

„Wow."entfuhr es ihr, doch dann war sie still.

„Ist Leah denn auch so schlimm wie die anderen?" fragte ich, um das Thema zu wechseln.

„Es geht. Ich kenne alle noch nicht so gut." antwortete sie schulterzuckend.

„Sie kann auch ganz nett sein." sagte ich provokant etwas lauter, da Leah auf dem Rückweg zu uns war.

„Hör auf zu lästern." sagte sie grinsend und machte Anstalten, mich vom Baumstamm zu schubsen.

„Leah!"brüllte Jakob plötzlich quer über die Wiese, sodass auch Melanie neben mir zusammen zuckte.

Sie schien mehr als nur Respekt vor Jakob zu haben. Ganz im Gegensatz zu Leah, die ihm nur einen genervten Blick zu warf.

Dachte er wirklich, sie wollte mir etwas anhaben?

Das war lächerlich. Andererseits war er vollkommen betrunken. Auch wenn er nur drei Bier getrunken hatte.

Natürlich kam er auf uns zu und schwankte dabei deutlich.

Melanie schreckte zurück, doch Leah verschränkte nur lässig die Arme.

Ich wäre am Liebsten im Erdboden versunken.

„Lass sie in Ruhe." lallte er und baute sich vor Leah auf.

„Mein Gott er war nur Spaß. Und an deiner Stelle würde ich das lassen. So hacke dicht wie du bist hast du keine Chance gegen mich." sagte sie grinsend und schien die Situation wirklich lustig zu finden.

Jakob machte noch einen Schritt auf Leah zu, welche nur auf den Angriff zu warten schien.

Ich musste irgendetwas tun. Sonst würde mein Abend nicht besser enden, als der vor drei Jahren.

Also stand ich auf und griff nach seiner zitternden Hand.

Erst jetzt hatte ich seine Aufmerksamkeit.

„Jake..weißt du noch, was du mir versprochen hast?" flüsterte ich und konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf ratterte.

Nach einer halben Ewigkeit nickte er, schloss kurz die Augen und schien sich wirklich zusammen zu reißen.

„Wollen wir gehen?" fragte er und wirkte deutlich zurechnungsfähiger, als noch vor einer Sekunde.

Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass es zwar erst 23 Uhr war, nickte aber.

Ich drehte mich noch einmal zu Leah und Melanie um.

Und wenn Blicke töten könnten, hätte Leah mich umgebracht.

Sie war nicht begeistert, alleine mit Melanie zurück zu bleiben.

„Machts gut. Es war schön dich kennen zu lernen." verabschiedete ich mich.

Melanie lächelte, doch Leah verdrehte nur die Augen.

Ich versuchte es einfach zu ignorieren.

„Komm."sagte ich stattdessen zu Jakob und legte meine Hand auf seinen Rücken, um ihn zum vorwärts gehen zu bewegen.

Er legte den Arm um mich, wodurch er zumindest nicht mehr schwankte.

Langsam bewegten wir uns an den anderen vorbei.

„Tschüss und Dankeschön!" rief ich dem besoffen Haufen der männlichen Rudelmitglieder zu, die nur ihr Bier in die Luft hoben und herum grölten.

Erst wollte Jakob stehen bleiben, doch ich verstärkte den Druck meiner Hand auf seinem Rücken.

Tatsächlich ging er langsam weiter.

Nachdem wir Sams Grundstück hinter uns gelassen hatten, nahm ich meine Hand von ihm.

Er blieb sofort stehen.

„Kommst du?" fragte ich und befürchtete, dass wir es nicht bis nach Hause schaffen würden.

„Ich..ich muss dir was sagen." sagte er leise und senkte den Blick.

„Hat das nicht bis morgen Zeit?" wollte ich wissen und ging langsam auf ihn zu.

Er hielt den Blick gesenkt uns schaffte es tatsächlich sich zusammen zu reißen.

„Nein.Sonst macht Leah es. Oder deine kleine Blutsaugerin." gab er zu und vermied es nach wie vor mich anzusehen.

Jetzt hatte er meine Neugierde auf seiner Seite.

Und ich hatte Angst vor dem, was ich jetzt hören würde.

Er nahm meine Hand. Vermutlich als Reaktion auf meinen erhöhten Puls.

„Sag schon." drängte ich ihn.

Er schüttelte den Kopf und biss sich auf die Lippe.

„Jakob!"sagte ich lauter und wollte ihm meine Hand entziehen, doch ich hatte keine Chance. Er hielt sie fest.

„Ich wollte es dir nicht so sagen." sagte er leise und schien doch leicht zu schwanken.

„Aber ich habe es den ganzen Tag vor mir her geschoben. Und du solltest es wissen. Ich konnte es nur nicht.."Obwohl er es noch nicht ausgesprochen hatte, konnte ich es mir denken.

Meine Augen füllten sich mit Tränen.

„Sie kommen." flüsterte ich an seiner Stelle und war plötzlich froh, dass er mich fest hielt.

Als er mit gequältem Gesichtsausdruck nickte, schien mir jemand den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Ich hatte es so lange so weit wie möglich zu verdrängen versucht. Ich hatte es nie so nah an mich heran gelassen, obwohl ich genau wusste,was vor sich ging.

Doch jetzt blieb mir nichts anderes mehr übrig. Es war unausweichlich.

Im schlimmsten Fall würden wir alle sterben.

Ich spürte, wie mir jegliche Farbe aus dem Gesicht wich.

Bevor meine Knie unter meinem Körper weg sacken konnten, zog er mich an sich und hielt mich fest.

Ich stand vollkommen unter Schock.

Und er hielt mich einfach nur fest. Er sagte nichts.

„Wann?"brachte ich schließlich hervor und trat einen Schritt zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können.

„Alice ist der Meinung..Ende nächster Woche." auch er hatte mit seinen Gefühlen zu kämpfen. Gab sich aber alle Mühe mich nicht noch weiter zu verunsichern.

Uns blieb im besten Fall also noch eine Woche.

Sechs lächerliche Tage.

Ich konnte nicht mehr an mich halten und begann zu schluchzten.

Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zu Letzt so verzweifelt gewesen war.

„Bitte hör auf zu weinen.." auch in seiner Stimme schwang die pure Verzweiflung mit.

Ich wusste nicht wie viel Zeit verging, doch irgendwann hielt er mich eine halbe Armlänge von sich weg.

„Wir schaffen das. Vertrau mir. Wir sind vorbereitet. Wir haben trainiert. Mach dir keine Sorgen." jetzt klang er selbstsicher und gefasst.

Trotzdem fiel es mir schwer ihm zu glauben.

Und dann faste ich einen Gedanken, der vermutlich der egoistischste in meinen Leben war.

Ich hatte mir geschworen, so etwas niemals von ihm zu verlangen.

Doch ich wusste mir nicht anders zu helfen.

„Bitte kämpf nicht. Lass uns einfach für eine Zeit zusammen weg gehen."schluchzte ich und merkte, wie sein ganzer Körper sich anspannte.

Er biss sich auf die Lippe und schüttelte stumm den Kopf.

„Nein."sagte er laut, wirkte jedoch alles andere als entschlossen.

„Bitte."flehte ich leise und wollte mich wieder näher an ihn drücken, doch er begann zu beben und stieß mich schon fast von sich weg.

Hin und her gerissen marschierte er zwischen zwei

Bäumen hin und her, auf die er abwechselnd einschlug.

„Das kannst du nicht von mir verlangen!" brüllte er mich an und schien kurz vor dem explodieren zu sein.

Ich wusste, ich war zu weit gegangen.

Innerlich hasste ich mich bereits jetzt dafür, eine Flucht mit ihm in Betracht gezogen zu haben und Leah, Alice und all die anderen hier zurück zu lassen, damit sie ihr Leben für mich riskierten.

Immer noch am ganzen Körper zitternd ließ sich Jakob gegen einen Baum sinken und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Warum tust du mir das an?" fragte er leise, doch seine Stimme war eiskalt.

Zunächst sagte ich nichts. Er hatte mich vollkommen eingeschüchtert. Wann hatte ich ihn zu Letzt so außer sich gesehen?

Die Minuten vergingen und er saß immer noch zitternd da und sah mich nicht an.

„Jakob, ich habe Angst." gab ich ihm schließlich doch noch die Antwort auf seine Frage.

Endlich hob er den Kopf.

„Ich verspreche, dass dir nichts passieren wird." sagte er wieder etwas sanfter.

„Und was ist mit dir?" konterte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.

Sofort stand er auf. Vermutlich um nicht schwach zu wirken.

„Ich kann auf mich aufpassen." sagte er selbstbewusst und schien tatsächlich davon überzeugt zu sein.

Im Gegensatz zu mir.

„Jakob ich kann ohne dich nicht.." flüsterte ich mit zitternder Stimme.

„Ich verspreche es." sagte er in einem Ton, der keine Widerrede zu ließ, stand plötzlich vor mir und umarmte mich.

Überrascht von dieser Wendung schlang ich meine Arme um seinen Hals.

Viel zu schnell löste er sich von mir und hatte dank des Alkohols erneut Probleme, ruhig vor mir stehen zu bleiben.

„Komm."sagte er in einem bemüht freundlichen Ton, den er allerdings nicht so ganz traf.

Erst als er mir seine Hand entgegen streckte, setzte ich mich in Bewegung.

Auf dem Weg zum Haus sagte keiner von uns auch nur ein Wort.

Dort angekommen ließ er mich los und ging mit ausdruckslosem Blick ins Badezimmer.

Wie gerne hätte ich gewusst, was genau in ihm vorging, doch ich spürte nichts als seine Wut.

Auch als er zurück kam, sagte er kein Wort.

Wie schon am Nachmittag, würden wir uns also jetzt anschweigen.

Und das, obwohl unsere Zeit ablief. Schon in einer Woche konnte alles vorbei sein.

Doch ich wusste ganz genau, dass er es nicht hören wollte.

Also drängte ich mich an ihm vorbei und verschwand schnellstmöglich im Bad.

Ich sah mindestens genauso scheiße aus wie ich mich fühlte.

Doch es nützte nichts, ich konnte mich nicht ewig hier verkriechen.

Als ich zurück kam lag er bereits im Bett.

Er hatte mir den Rücken zugewandt, sodass ich nicht sehen konnte, ob er bereits schlief.

Doch da er betrunken war, ging ich fest davon aus.

Und zum ersten Mal war ich froh darüber.

Es gab für mich in diesem Moment nichts mehr zu sagen.

Und für ihn offensichtlich auch nicht.

Trotzdem musste ich mich darauf konzentrieren, nicht schon wieder zu weinen.

Es hätte ihn aufgeweckt.

Aber ich hatte solche Angst, vor dem was kommen würde.

Mir war kalt, obwohl das Zimmer eine angenehme Raumtemperatur hatte.

Trotzdem löschte ich einfach das Licht und schlich ins Bett.

Als ich mich auf die Bettkante setzte, brummte er irgendetwas unverständliches vor sich hin, sodass ich kurz in der Bewegung verharrte.

Wie gerne hätte ich mich einfach an ihn gekuschelt.

Ich sehnte mich nach Sicherheit und Geborgenheit.

Doch seine bloße Anwesenheit musste ausreichen.

Also legte ich mich direkt an die Bettkante und wandte ihm ebenfalls den Rücken zu.

Doch an Schlaf war für mich nicht zu denken.

Ich starrte die Zimmerwand an und versuchte die Vorstellung des Kampfes zu verdrängen.

Ich fühlte mich so nutzlos. Wie gerne würde ich irgendetwas tun um zu helfen.

Während ich mir noch den Kopf über Dinge zerbrach, auf die ich ohnehin keinen Einfluss hatte spürte ich, wie er sich hinter mir bewegte.

Er rückte näher zu mir herüber, schlang den Arm um meinen Oberkörper und und zog mich an sich heran.

„Du machst dir zu viele Sorgen." murmelte er direkt neben meinem Ohr.

Ich erwiderte nichts, aber war unheimlich froh über seine Nähe, die dazu beitrug, dass ich mich etwas entspannte.

„Hey..es tut mir leid." sagte er sanft und fuhr mit seinen Fingern über meinen Unterarm.

Ich nickte nur.

„Wärst du wirklich einfach mit mir abgehauen?" fragte er und ich konnte spüren, dass er lächelte.

Wieder nickte ich.

„Glaub mir, ich würde gerne einfach mit dir weggehen. Aber es geht nicht.Ich kann nicht..mein Rudel.." stammelte er vor sich hin.

Ich drehte mich in seinen Armen zu ihm um und legte meine Hand an seine Wange.

„Ich weiß." flüsterte ich und sah ihm in die Augen.

Seine dunklen, müden Augen wirkten traurig und trotzdem begannen sie langsam zu leuchten.

„Es tut mir leid." sagte er noch einmal.

Und ich wusste nicht, worauf diese Worte bezogen waren.

War es eine Entschuldigung für sein Verhalten eben? Oder entschuldigte er sich dafür, dass er mich jetzt loslassen und von mir abrücken würde?

„Nein, ich hätte das nie von dir Verlangen dürfen." gab ich zu und senkte den Blick.

„Wenn ich könnte, würden wir sofort abhauen." murmelte er noch einmal und schien schon wieder im Halbschlaf zu sein.

Und zum ersten Mal war ich froh, dass er immer noch angetrunken war.

Ansonsten wäre es zumindest im Moment schwer für ihn gewesen, so dicht neben mir zu liegen, geschweige denn zu schlafen ohne mehr zu wollen.

Aber ehrlich gesagt ging es mir im Normalfall nicht anders.

Doch jetzt hatte ich Angst. Zu viel um mich der Anziehungskraft zwischen uns hin zu geben.

Und er war zu betrunken. Oder zu müde.

„Kannst du nicht schlafen?" flüsterte er mit geschlossenen Augen und ließ seine Stirn gegen meine sinken.

Langsam schüttelte ich den Kopf, wobei sich unsere Nasen beinahe berührten.

Er öffnete noch einmal gequält die Augen.

Eigentlich wollte ich ihm sagen, dass er einfach schlafen sollte.

Doch die Worte kamen nicht über meine Lippen.

„Jakob ich brauche dich." flüsterte ich stattdessen, während die Tränen nun doch meine Wangen herunter liefen.

Ich schlang meine Arme um seinen Hals und und presste mich noch enger an ihn.

Kurzzeitig schnappte er nach Luft, doch dann vergrub er das Gesicht in meinen Haaren.

Seine Atmung und sein Puls beschleunigten sich.

„Anika ich habe es dir versprochen und das Versprechen werde ich auch halten." sagte er mit fester, Stimme.

Natürlich war ich nicht überzeugt, aber er beruhigte mich trotzdem.

Ohne mich loszulassen, drehte er sich auf den Rücken und ich bettete meinen Kopf auf seiner Brust.

Nacheinigen Minuten hörte ich wie sich sein Herzschlag wieder normalisierte.

„Schlaf gut." flüsterte ich als er die Augen schloss.

Eine Hand lag auf meinem Rücken, während er die Finger der anderen mit meinen verschränkt hatte.

„Du auch." murmelte er noch, bevor er in den Tiefschlaf sank.

Ich war unendlich froh darüber, seine Nähe zu spüren, doch in Gedanken war ich nach wie vor mit dem Kampf beschäftigt.

Ich konnte mich nicht einfach irgendwo verkriechen und aus allem raushalten.

Doch in meinem Kopf reifte nur eine Idee, von der ich genau wusste, dass es keine gute war.

Und Jakob würde es nie im Leben zulassen..

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chenupet 30. Nov 2019

Hallo Akina,

das waren wieder spannende Kapitel.
Ich hoffe Du schreibst weiter und meldest Dich bei einer anderen Plattform an.
Fände es sehr schade, wenn diese tolle Geschichte für immer verschwinden würde.
Wünsche Dir ein schönes Wochenende.

LG Chenupet

chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....