Lebensretter

vor 3 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 82 Oktober 2016 Anika

Alice raste über die Landstraße, sodass wir schon nach wenigen Minuten auf dem Grundstück der Blacks ankamen.

Sie hatte kaum angehalten, da sprang ich auch schon aus dem Wagen.

Auf der Veranda saßen Billy, Sam, Sue und Leah.

Sue hielt Billys Hand, doch das Gesicht des sonst so fröhlichen und herzlichen Mannes wirkte blass und wie in Stein gemeißelt.

Es war mucksmäuschen Still.

„Billy es tut mir so leid." hauchte ich, doch er nickte nur schwach.

Alice, die mir gefolgt war, blieb einige Meter vor der Veranda entfernt stehen.

„Gibt es schon was Neues?" fragte ich hoffnungsvoll.

Sam räusperte sich.

„Nein. Der Doc ist die ganze Zeit bei ihm und hat angefangen, ihm die Knochen neu zu brechen, bevor sie falsch zusammen wachsen."erklärte er leise und presste die Lippen aufeinander.

Ichnickte nur und ließ mich auf die unterste Stufe der Veranda fallen.

Leah, die zuvor neben ihrer Mutter gestanden hatte kam langsam die Treppe herunter und setzte sich neben mich, wobei sie leise aufstöhnte.

„Geht's dir gut?" fragte ich so leise wie möglich.

„Alles gut. Mach dir um mich keine Gedanken." flüsterte sie zurück und legte den Arm um meine Schulter.

Ich war froh, dass sie bei mir war. Ihre Wärme und ihre Nähe gaben mir zumindest ein wenig Halt.

Doch was mir Hoffnung gab war, das ich seine Präsenz noch klar und deutlich spüren konnte.

Er lebte.

Als ich den Blick wieder hob, fiel er auf Alice, die immer noch alleine etwas abseits stand.

Leah folgte meinem Blick.

„Alice. Komm setz dich." sagte sie zu meiner großen Überraschung und auch Alice wirkte verdutzt.

Langsam kam sie auf uns zu und nahm lautlos an meiner linken Seite platz.

Keiner sagte auch nur ein Wort.

Alle warteten und hofften auf ein Lebenszeichen.

Und dann, etwa zehn Minuten später passierte es.

Ein Schrei, der mir aufs neue das Herz zerriss, ertönte aus Jakob's Zimmer.

Ich wollte aufspringen, doch Leah und Alice griffen gleichzeitig nach meinen Armen.

Er lebte. Er war zu sich gekommen.

Und er hatte unbeschreibliche Schmerzen.

Wieder und wieder schrie er auf und es war wie tausend Messerstiche, die sich mit jedem Mal tiefer durch meinen Brustkorb bohrten.

Ich spürte seinen Schmerz. Ich wusste genau wie sehr er litt.

Leah und Alice hatten beide einen Arm um mich gelegt.

Leahs beruhigende Wärme und Alice vertraute Kälte durchströmten mich gleichermaßen.

Unter normalen Umständen hätte ich mich darüber gefreut, sie beide um mich zu haben doch meine Gedanken waren voll und ganz bei ihm.

Ich wusste nicht, ob ich es mir einbildete, doch die Schreie schienen von Mal zu Mal lauter und zugleich kraftloser zu werden.

Als ich mich umdrehte sah ich, dass ich nicht die einzige war, dessen Gesicht von Tränen überströmt war.

Selbst über Billys Wange rann eine einzige Träne.

Bei jedem Schrei drückte er Sues Hand und kniff die Augen zusammen.

Irgendwann wurde es plötzlich wieder ganz still.

Panik stieg in mir auf.

Alice schloss die Augen und schien zu lauschen.

„Es ist alles gut." flüsterte sie mir zu und nahm meine Hand.

Nur wenige Sekunden später betrat Carlisle die Veranda.

„ Er ist bei Bewusstsein. Aber sehr schwach. Ich musste eine Pause machen.

Er bewegt sich zu viel, wenn ich ihm die Knochen richte. Seine rechte Hälfte des Oberkörpers und sein linkes Bein sind vollkommen zertrümmert. " erklärte er.

„Ist er über den Berg?" wollte Billy wissen.

„Noch nicht. Erst wenn wir es schaffen, dass er ruhig bleibt und ich weitermachen kann.

Die Blutung in seiner Lunge hat bereits nachgelassen, doch auch seine anderen Organe wurden schwer beschädigt.

Er steht unter starken Schmerzmitteln, die für ihn aber noch lange nicht stark genug sind." fuhr Carlisle fort.

Seine Worte erschütterten mich. Er konnte also immer noch sterben.

„Er fragt die ganze Zeit nach dir." riss Carlisle mich aus meinen Gedanken.

„Soll ich..?" fragte ich ängstlich.

„Ja. Aber ich muss gleich weiter machen, sonst wird es nur noch schlimmer. Aber vielleicht hilft es ihm, wenn du bei ihm bleibst." sagte Carlisle und trat einen Schritt zur Seite.

Mit wackligen Beinen stand ich auf.

Und ich hatte große Angst vor dem, was mich in seinem Zimmer erwartete.

Unsicher schlich ich durch die Wohnküche.

Seine Zimmertür war offen.

Sobald ich ihn sehen konnte bleib ich stehen.

Er lag vollkommen regungslos auf dem Bett.

Sein schwerer und zugleich schwacher Atem glich eher einem unregelmäßigen Stöhnen.

Er hatte die Augen geschlossen, doch sein Gesicht war schmerzverzerrt.

Kalte Schweißperlen standen auf seiner Stirn.

Bewegungslos blieb ich im Türrahmen stehen.

StummeTränen rannen über meine Wangen.

Ich wollte fliehen. Sein Anblick war für mich kaum zu ertragen.

Ich konnte nicht zu ihm gehen.

Und ich wusste, dass ich ihm nicht helfen konnte.

Was sollte ich ihm sagen?

Wie sollte ich mich verhalten?

Ich konnte es nicht.

Nie zu vor in meinem Leben hatte ich mich so hilflos gefühlt.

Er war immer derjenige gewesen, der mir Halt und Sicherheit gegeben hatte.

Er war für mich da gewesen.

Immer.

Und ihn so zu sehen..

Ich erstarrte vollkommen und hielt den Atem an, als er die Augen öffnete und kaum merklich den Kopf in meine Richtung drehte.

Es dauerte eine Sekunde, bis sein fiebriger, kraftloser Blick auf mir lag.

Sofort versuchte er das Stöhnen zu unterdrücken.

Obwohl er mehr tot als lebendig aussah, war die Sorge in seinem Blick nicht zu übersehen.

„Komm her." brachte er mit heiserer Stimme mühsam hervor und bewegte die Finger seiner linken Hand.

Er war kaum in der Lage zu sprechen.

Ich war immer noch unfähig mich zu bewegen.

Zum einen sehnte ich mich nach seiner Nähe, und zum anderen wollte ich einfach nur hier weg.

Irgendwohin,wo ich die schrecklichen Bilder aus meinem Kopf bekommen konnte und ihn nicht mehr so sehen musste.

„Wenn du nicht kommst, komme ich zu dir." hauchte er und versuchte vergeblich zu lächeln.

Gleichzeitig hob er den Kopf, so als ob er aufstehen wollte, schrie aber aufgrund der Bewegung auf und presste den Kopf zurück ins Kissen.

Er hatte so starke Schmerzen, dass er die Augen zusammen kniff und mit jedem Atemzug stöhnend die Luft entweichen ließ.

Ich schluchzte auf und schlug mir die Hand vor den Mund um das Geräusch zu unterdrücken.

Dann lief ich direkt bis zu seinem Bett und ließ mich auf die Knie fallen.

Ich wollte seine Hand nehmen, befürchtete aber ihm dadurch nur noch größere Schmerzen zuzufügen.

Zögerlich legte ich meine neben seine auf das vor Schweiß feuchte Bettlaken, sodass unsere Finger sich kaum merklich berührten.

Gequält öffnete er die Augen und drehte seine Hand so, dass er seine Finger mit meinen verschränkte.

„Ich will nicht, dass du mich so siehst." presste er zwischen ungleichmäßigen Atemzügen hervor und drohte wieder das Bewusstsein zu verlieren.

„Du darfst nicht sterben." schluchzte ich.

Seine Lieder flatterten, doch dann fand sein Blick nochmal den meinen.

„Es wird alles gut, ich habe es dir versprochen. Bitte hör auf zu weinen." keuchte er.

Sofort presste ich die Lippen zusammen und nickte.

In dem Moment betrat Carlisle das Zimmer.

Jakobs Griff um meine Hand verstärkte sich.

„Bereit?"fragte er und richtete die Frage an uns beide.

Ich nickte kaum merklich.

„Du solltest gehen," presste Jakob hervor.

„Sie soll dich beruhigen, damit du ruhig liegen bleibst und dich nicht zu viel bewegst. Du darfst dich auf keinen Fall verwandeln." erklärte Carlisle ruhig.

„Ich bleibe." sagte ich.

„Du solltest seine Hand loslassen, er wird sie dir sonst brechen."

Ich sah Jakob in die verwirrten, verängstigten Augen.

Er drückte meine Hand fester.

„Wird er nicht." gab ich zurück.

Carlisle nahm das einfach so hin und begab sich auf seine rechte Seite.

Und dann begann mein schlimmster Alptraum.

Als der Vampir sich an seinem rechten Arm zu schaffen machte, schrie er auf und wollte sich aufbäumen, was seine zertrümmerten Knochen nicht zu ließen.

Er umklammerte meine Hand und ließ sie nicht los, zerquetschte sie mir allerdings nicht.

Ich legte meine freie Hand an seine Wange.

„Jakob sieh mich an, du darfst dich nicht bewegen" flehte ich und tatsächlich löste er seine Augen nicht mehr von meinen.

Er hielt still, doch bei jedem Schrei kam es mir vor, als würden auch mir die Knochen gebrochen.

Schon nach einer Minute schien ihn jegliche Kraft, die er noch hatte, zu verlassen.

Er schrie noch einmal auf, dann verlor er erneut das Bewusstsein.

Panik stieg in mir auf.

„So ist es besser für ihn." versuchte Carlisle mich zu beruhigen und fuhr unbeirrt mit seiner Arbeit fort.

Aber was war, wenn er nicht mehr aufwachen würde?

Wenn er tatsächlich sterben würde?

Wenn das meine letzten Stunden oder Minuten mit ihm sein würden?

Verzweifelt drückte ich seine Hand noch fester.

Ich würde nicht von seiner Seite weichen.

Keinen Zentimeter.

Ich beachtete Carlisle gar nicht mehr und ließ meinen Kopf neben unsere ineinander verschränkten Finger auf die Matratze sinken.

Ich konnte nicht aufhören zu weinen und wurde immer noch von heftigen Schluchzern geschüttelt.

Irgendwann spürte ich eine eiskalte Hand auf meiner Schulter.

„Ich bin fertig. Wenn er bis heute Nacht stabil bleibt, ist er über den Berg. Er hat immer noch sehr hohes Fieber und er darf sich auf keinenFall bewegen. Ich habe ihm Morphium für einen Dinosaurier gegebe, aber sein Körper verbrennt es so schnell, dass es vermutlich nicht lange anhalten wird. Ich werde morgen früh noch einmal nach ihm sehen." sagte Carlisle ruhig.

Ich nickte nur.

Dann waren wir alleine.

Jakob atmete immer noch schwer und unregelmäßig.

Er glühte und war am ganzen Körper vom kalten Schweiß überzogen.

Doch immerhin wirkte sein Gesichtsausdruck vergleichsweise friedlich.

Ich traute mich nicht auch nur für eine Sekunde den Blick von ihm abzuwenden.

Aus Angst er könnte aufhören zu atmen.

Jetzt,wo es ganz leise im Zimmer war hörte man immer noch das Röcheln in seiner Lunge.

Das Atmen fiel im schwer.

Unaufhörlich rannen stumme Tränen über meine Wangen.

Hätte er nur geschlafen, wäre er bei deren Geruch längst aufgewacht.

Und als mir das auffiel, fühlte ich mich plötzlich vollkommen verlassen.

Er war immer für mich da gewesen.

Er hatte er immer versucht mich zu trösten und mich zu beruhigen.

Und jetzt lag er direkt vor mir und würde mich vielleicht für immer verlassen.

Er musste aufwachen.

Carlisle meinte, dass er dann über den Berg wäre.

Doch er war vollkommen ohne Bewusstsein.

Auch seine äußerlichen Wunden, schienen nicht zu heilen.

Ich wusste, dass er in seinem Inneren einen Kampf austrug, der über Leben und Tot entscheiden würde.

Und er durfte in keinem Fall verlieren.

„Jake du schaffst das. Du musst aufwachen." flüsterte ich immer wieder und drückte seine Hand, die ich nicht einmal losgelassen hatte.

Die Stunden vergingen, draußen war es bereits dunkel.

Irgendwann waren meine Tränen versiegt.

Mein Körper schien vollkommen ausgetrocknet zu sein.

Ich hockte nach wie vor auf dem Fußboden neben dem Bett.

Meine Beine waren eingeschlafen. Doch das war mir egal.

Aber er regte sich nicht. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.

Und er glühte. Selbst für seine Verhältnisse.

Vorsichtig legte ich meine freie Hand an seine Stirn, an der ich mich fast verbrannte.

Selbst ich war mir sicher, sein Fieber war gestiegen.

Vermutlich war er gerade dabei, zu verlieren.

„Bitte. Du hast versprochen, dass du mich nie wieder alleine lässt. Du darfst nicht sterben." schluchzte ich." Und hätte ihn am Liebsten angeschrien, in der Hoffnung eine Reaktion von ihm zu erlangen.

Doch auch das hätte nichts genützt.

Mein Verstand sagte mir, dass ich mich von ihm verabschieden und Billy holen sollte.

Aber ich war nicht in der Lage mich auch nur einen Zentimeter von ihm zu entfernen.

Und ich wollte es nicht wahrhaben.

„Bitte. Ich liebe dich. Ich liebe dich mehr als alles andere." flüsterte ich und wünschte mir in diesem Moment, dass ich es ihm schon vorlanger Zeit gesagt hätte.

Jetzt kam es mir absolut albern und dumm vor, es so lange für mich behalten zu haben.

Und das nur, weil er sich nicht immer unter Kontrolle hatte.

Nur weil ich nicht wusste, ob wir überhaupt eine Beziehung führen konnten.

Nur weil ich Angst hatte, immer wieder von ihm abgelehnt zu werden. Zum meinem eigenen Schutz.

Nur weil er sich nicht richtig auf mich geprägt hatte und jederzeit seine Seelenverwandte hätte finden können.

Ich war so wütend auf mich selbst.

Eine Garantie dafür, dass es funktionierte gab es nie.

Das hatte ich bereits am eigenen Leib erfahren müssen.

Und ich war mir sicher, dass er mich über alles liebte.

Warum war ich nur so blöd gewesen?

Wir hatten so viel wertvolle Zeit verschwendet, nur weil wir uns von Problemen haben aufhalten lassen.

Und ich wünschte ich könnte es rückgängig machen.

Was hätte ich in diesem Moment dafür gegeben, ihm ins Gesicht zu sagen,was ich für ihn empfinde.

Doch jetzt lag er immer noch reglos vor mir und nahm meine Worte nicht wahr.

„Sag ihm das, wenn er aufwacht." ertönte plötzlich eine ruhige tiefe Stimme hinter mir.

Sie gehörte zu Billy.

Für einen Moment war ich völlig überrumpelt.

Ich hatte ihn nicht bemerkt.

„Wenn er aufwacht." wiederholte ich leise und senkte den Blick auf unsere ineinander verschränkten Finger.

„Er schafft das." sagte Billy und legte mir seine rechte Hand auf meine Schulter.

Ich nickte nur. Ich würde ihm so gerne glauben.

„Willst du nicht noch etwas essen oder trinken? Leah ist noch in der Küche. Oder leg dich zum Schlafen zu ihr auf das Sofa. Es ist schon sehr spät." schlug Billy vor.

Ich schüttelte nur den Kopf.

Ich war immer noch wie betäubt.

An Essen und Schlaf war nicht zu denken.

Obwohl mein Körper langsam schlapp zu machen drohte.

Billy wartete noch einen Augenblick und betrachtete seinen Sohn.

Dann rollte er genauso lautlos aus dem Zimmer, wie er gekommen war.

Als ich meinen Blick einige Zeit später doch von ihm abwandte stellte ich fest, dass es bereits nach zwei Uhr nachts war.

Seit Stunden hatte er nicht einen Muskel bewegt.

Irgendwann schaffte ich es nicht mehr, meine Augen offen zu halten und legte meinen Kopf direkt neben unsere ineinander verschränkten Finger auf die Matratze.

Ich spürte seine Wärme und sein Duft stieg mir in die Nase.

In diesem Moment führte seine Wirkung auf mich dazu, dass ich zumindest leicht wegdämmerte.

Irgendwann vernahm ich eine kaum merkliche Bewegung seiner Hand und öffnete sofort die Augen.

Im Zimmer war es wieder etwas heller geworden. Draußen dämmerte es bereits.

Ich hob den Kopf um ihm ins Gesicht sehen zu können.

Seine Augen waren immer noch geschlossen, doch seine Lieder flatterten.

„Jake."flüsterte ich mit brüchiger Stimme und drückte seine Hand.

Und dann spürte ich, wie sich auch sein Griff um meine Finger verstärkte.

Nur eine Sekunde später schlug er die Augen auf, verzog aber sofort schmerzhaft das Gesicht.

Trotzdem konnte ich mein Glück nicht fassen.

„Oh Gott sei Dank!" schluchzte ich und presste mir die Hand vor den Mund, um das Geräusch zu unterdrücken.

Verwirrt sah er mich an.

„Hey."sagte er heiser und räusperte sich, woraufhin er laut aufstöhnte.

„Scht."versuchte ich ihn zu beruhigen und er sah mir wieder direkt in die Augen.

„Warum weinst du?" fragte er leise, doch die Sorge in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Ich dachte ich hätte dich verloren." stieß ich unter Tränen hervor.

Und jetzt war er derjenige, der sofort wieder versuchte mich zu trösten.

„Mich wirst du so schnell nicht los." hauchte er und versuchte zu lächeln, was ihm noch nicht so recht gelang.

„Da war ich mir zwischenzeitlich nicht so sicher." gab ich zurück, war aber einfach nur überglücklich, dass er mich ansah und wieder mit mir sprach.

„Wie geht es dir?" flüsterte er.

„Das fragst du mich?" gab ich zurück und konnte es nicht fassen, dass er sich in seinem Zustand Gedanken um mich machte.

Natürlich ging es mir alles andere als gut. Aber das war jetzt vollkommen unwichtig.

„Wie lange war ich weg?" fragte er noch etwas benommen.

„Etwa zwölf Stunden." antwortete ich.

„Was?"fragte er entsetzt und bewegte sich, nur wenige Millimeter, doch sofort schrie er auf.

„Jake du darfst dich nicht bewegen." sagte ich schnell, doch er schien so starke Schmerzen zu haben, dass er am ganzen Leib zitterte.

„Es tut mir so leid."schluchzte ich.

Er litt unheimlich und versuchte das noch bestmöglich vor mir zu verbergen.

Er presste die Lippen aufeinander und schloss krampfhaft die Augen.

„Du musst noch ein bisschen durchhalten, Carlisle kommt später um dir neue Schmerzmittel zu geben." redete ich auf ihn ein.

„Es geht schon." brachte er mühsam hervor und sah mich wieder an.

„Bitte hör auf zu weinen. Ich werde schon wieder." flüsterte er schließlich.

Ich versuchte zu lächeln und mich endlich zusammen zu reißen, was mir jedoch nicht so recht gelang.

„Hast du die ganze Zeit da auf dem Boden gesessen?" wollte er wissen, als sich seine Atmung wieder normalisiert hatte.

Ich nickte nur.

„Komm her." flüsterte er und verstärkte den Druck auf meine Hand, so als ob er mich zu sich aufs Bett ziehen wollte.

„Nein, das geht nicht. Ist schon gut." gab ich zurück und machte ihn mit einem Blick darauf aufmerksam, dass weder an seiner rechten ,noch an seiner linken Seite ausreichend Platz für mich war.

Er lag direkt in der Mitte des Bettes.

„Das kriegen wir hin. Du musst dich auch ausruhen." murmelte er und machte schon wieder Anstalten sich zu bewegen.

„Nein! Nicht." sagte ich bestimmt und legte meine Hand vorsichtig auf seinen linken Unterarm.

Resignierend verdrehte er die Augen und schloss sie gleich darauf.

„Schlaf weiter." flüsterte ich, woraufhin er sie sofort wieder öffnete. Angst lag in seinem Blick.

„Ich bleibe hier." gab ich zurück, doch er schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Doch. Ich gehe nur eben ins Bad und sage Leah und deinem Vater, dass du aufgewacht bist." erklärte ich und stand auf.

Es fühlte sich eigenartig an meine Hand nach so langer Zeit wieder von seiner zu lösen.

Meine Beine waren taub und mein Kreislauf spielte verrückt.

Ich schwankte und betete, nicht in Ohnmacht zu fallen.

„Anika.."sagte Jakob besorgt, doch ich ging schon entschlossen in Richtung Tür.

„Leah!"zischte ich, als ich die Wohnküche betrat.

Sie lag ausgestreckt auf dem Sofa, wachte aber sofort auf.

„Er ist wach." verkündete ich, woraufhin sie sofort aufsprang und mich umarmte.

„Siehst du. Alles wird gut." flüsterte sie lächelnd.

„Ich sage es erst Billy und dann dem Rudel." fügte sie hinzu.

Sofort wollte sie sich von mir lösen, doch ich hielt ihre Hand fest.

„Wie geht es dir?" fragte ich und sah ihr in die Augen.

„Schon wieder fast wie neu." gab sie lächelnd zurück.

Diesmal glaubte ich ihr, doch irgendetwas an ihrem Gesichtsausdruck war todtraurig.

„Was ist dann.." fragte ich vorsichtig und musterte sie genau.

Doch noch bevor sie antwortete, erinnerte ich mich.

„Theo."hauchte sie und ihr Blick wurde glasig.

Ich nickte nur und wunderte mich, dass sein Tod sie dermaßen mitnahm.

Leah weinte nie.

„Standet ihr euch nah?" fragte ich vorsichtig.

Ich konnte es mir nicht vorstellen, da Theo und Melanie erst vor wenigen Wochen zum Rudel gestoßen waren.

„Nein. Überhaupt nicht. Aber wir sind so stark miteinander verbunden, dass es einen zwangsläufig ziemlich runter zieht." gab sie zu und ich nahm sie noch einmal in den Arm.

„Los.Jetzt geh schon." beschwerte sie sich nach einigen Sekunden und löste sich von mir.

„Ich bin eben im Bad und dann wieder bei Jakob." erklärte ich und verschwand schon im Badezimmer.

Im Normalfall wäre ich lieber bei ihr geblieben.

Doch Jakob brauchte mich mehr.

Schnell putzte ich mir die Zähne und wusch mir den Dreck der letzten Stunden vom Leib.

Gerade als ich fertig war, hörte ich einen entsetzlichen Schrei.

Sofort rannte ich zurück in Jakobs Zimmer.

Er lag keuchend und schwer atmend auf dem Bett.

Und auf der linken Seite des Bettes war deutlich mehr Platz als vorhin.

„Was hast du gemacht?" fragte ich panisch, doch als er selbst unter diesen starken Schmerzen versuchte mich anzulächeln, war es mir bereits klar.

„Jetzt komm her." stöhnte er und hob langsam seinen linken Arm an.

Allerdings zitterte er so stark, dass er ihn gleich wieder sinken ließ.

„Ich will dir nicht weh tun." gab ich zurück.

„ Jetzt komm schon. Mir tut sowieso schon alles weh." sagte er matt.

Er war bereits kurz davor wieder wegzudämmern.

„Bitte."flehte er, als ich nicht reagierte.

Eigentlich musste er mich erst gar nicht überzeugen. Ich wollte nichts lieber, als möglichst nah bei ihm zu sein.

Also setzte ich mich ganz vorsichtig auf die Bettkante.

Schon die wenigen Zentimeter, die die Matratze nachgab führten dazu, dass er wieder die Augen zusammen kniff und das Gesicht schmerzhaft verzog.

„Es tut mir.." begann ich und wollte schon wieder aufstehen, doch er griff nach meiner Hand und zog mich, soweit es ihm möglich war,neben sich.

„Geht doch." murmelte er als er wieder normal atmen konnte und schloss die Augen.

Ganz vorsichtig kuschelte ich mich an seinen linken Arm, der das einzige Körperteil zu sein schien, dass noch halbwegs unversehrt war.

Wieder verschränkte er seine Finger mit meinen.

Ich achtete allerdings darauf, dass ich sein linkes, vollkommen zertrümmertes Bein nicht berührte.

„Du hast noch Fieber." stellte ich leise fest, da sein Arm immer noch sehr heiß war.

„Ist morgen wieder weg." brummte er und es wunderte mich, das er die Äußerung überhaupt noch mitbekommen hatte.

Erst jetzt, wo ich wusste das Jakob überleben würde kamen die Erinnerungen an den Kampf zurück.

Und die Bilder, die auf mich einströmten überwältigten mich.

Alles schien sich noch einmal in Zeitlupe in meinem Kopf abzuspielen.

Ich starrte einfach ins Leere und bewegte mich keinen Milimeter.

Doch meinen Herzschlag hatte ich nicht unter Kontrolle.

„Kannst du nicht schlafen?" fragte er leise, doch sein Atem ging keuchend und stoßweise.

Als ich ihn vorsichtig ansah konnte ich erkennen, dass er stark schwitzte und sein Gesicht vollkommen angespannt war.

Er litt.

„Nein."gab ich zurück und ich fühlte mich wieder einmal vollkommen hilflos.

„Ich auch nicht." presste er hervor.

„Weil du zu starke Schmerzen hast."stellte ich leise fest und sah ihm in die Augen, die ihm immer wieder zu vielen. Er hatte keine Kraft mehr.

„Und du weil du Angst hast." konterte er mit Mühe.

Ich beschloss gar nicht darauf einzugehen.

„Ich kann Carlisle anrufen." bot ich an.

„Nein!"sagte er laut und energisch. Zu laut, denn sofort stöhnte er auf, biss die Zähne zusammen und presste den Kopf ins Kissen.

„Jake ich kann dich nicht so leiden sehen." flüsterte ich und schon wieder rann eine Träne über meine Wange.

Ich dachte mittlerweile, dass ich nicht mehr in der Lage war zu weinen.

Ich setzte mich langsam auf, und sein Griff um meine Hand verfestigte sich.

„So schlimm ist es nicht. " sagte er so ruhig, wie es ihm möglich war.

„Carlisle wird sowieso in ein paar Stunden kommen, um dir neues Morphium zu spritzen." versuchte ich ihn zu überzeugen, doch ich wusste, dass er mich nicht loslassen würde.

„Aber nicht jetzt. Komm. Es ist alles gut." flüsterte er und seine letzten Kräfte schienen ihn langsam zu verlassen. Das Fieber drohte ihn zu übermannen.

In der Hoffnung, das er dadurch zumindest schlafen konnte hörte ich auf ihn und nahm meinen Platz neben seinem linken Arm wieder ein.

„Ich bin bei dir. Alles wird gut." hauchte er noch und streichelte mit seinem Daumen sanft über meinen Handrücken.

Dann schloss er die Augen und nach kurzer Zeit wurde seine Atmung langsam ruhiger.

Er war eingeschlafen.

Und auch ich war unglaublich müde.

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chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....

chenupet 12. Feb 2019

Oh je ..... einen Schritt vor und anderthalb Schritte zurück ....

Spannung pur .....

Wünsche Dir eine schöne Restwoche :)

Akina 17. Feb 2019
So ist es leider.. Dir auch :)