Lebensretter

vor 9 Mon.
Fanfiction zu den Büchern der Biss- Reihe von Stephanie Meyer. In dem Buch geht es um ein ganz normales deutsches Mädchen, Anika, das durch einen dummen Zufall mit dem Tracker James und seiner Gefährtin Victoria zusammen stößt. In diesem Moment trifft sie auch Jakob und das Wolfsrudel. Zwischen den beiden besteht von Beginn an eine gan..
Bis(s) Romanze P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 83 Oktober 2016 Anika

Es mussten zumindest ein paar Stunden vergangen sein.

Ich hatte tatsächlich geschlafen und die Sonne stand hell am Himmel.

Jakob lag neben mir.

Er atmete stoßweise, sodass sich jeder Atemzug anhörte wie ein Stöhnen.

Seine Augen waren geschlossen und sein Gesicht schmerzhaft verzerrt.

Ich war mir nicht sicher, ob er wach war, oder noch schlief.

Ganz langsam wollte ich ihm meine Hand entziehen, doch er schlug sofort die Augen auf.

„Hey."murmelte er schwach und zwang sich ruhiger zu atmen.

„Hey."gab ich zurück und setzte mich behutsam auf.

Alles drehte sich. Mein Kopf dröhnte.

Ich war vollkommen dehydriert und hatte seit vierundzwanzig Stunden nichts mehr zu mir genommen.

Doch im Vergleich zu ihm ging es mir fantastisch.

„Wie geht es dir?" fragte ich, obwohl ich die Antwort schon kannte.

„Besser."behauptete er und versuchte mich anzulächeln.

„Du lügst gab ich zurück." Es war nicht zu übersehen, dass er immer noch starke Schmerzen hatte.

Doch seine wunderschönen, dunklen Augen wirkten nicht mehr ganz so verwirrt, wie noch vor ein paar Stunden.

Sein Blick war warm und weich.

„Carlisle wird gleich kommen." sagte ich und griff nach meinem Handy.

„Nein."stöhnte er, doch ich ignorierte ihn einfach und wählte Alice Nummer.

Schon beim zweiten Klingeln nahm sie ab.

„Na Gott sei Dank. Ist alles okey bei euch?" wollte sie sofort wissen.

„Ja. Er ist heute Nacht wieder zu sich gekommen. Aber er hat starke Schmerzen." erklärte ich kurz, woraufhin Jakob, trotz allem, die Augen verdrehte.

„Wir kommen sofort. Bis gleich." gab Alice zurück und legte auf.

„Das war nicht nötig." knurrte Jakob.

„Oh doch. Das war es. Hast du heute Nacht überhaupt geschlafen?"fragte ich besorgt und strich ihm die schweiß nassen Haare aus der Stirn.

„Ein bisschen." gab er zurück.

Und dann klopfte es an der Tür.

„Ja!"sagte er eigentlich viel zu leise, doch Billy schien es trotzdem gehört zu haben und öffnete die Tür.

Als er seinem Sohn in die Augen sah, wirkte er unheimlich erleichtert.

Ich nutzte die Gelegenheit und löste meine Hand nun doch von seinen heißen Fingern.

Vorsichtig stand ich auf und ging, an Billy vorbei, zur Tür.

„Anika.."setzte Jakob an, doch ich unterbrach ihn sofort.

„Ich komme gleich wieder." sagte ich und lächelte ihn an, woraufhin er sich etwas zu entspannen schien.

Auch Billy lächelte ich an und verließ dann schnell das Zimmer.

Mein erster Weg führte in die Küche, wo ich gleich einen ganzen Liter Wasser auf einmal trank.

Danach ging es mir wirklich schon besser und ich stolperte weiter ins Badezimmer.

Ich sah schrecklich aus.

Doch zum Duschen blieb mir jetzt keine Zeit.

Also kämmte ich mir nur schnell das Haar.

Gerade als ich mich zurück in sein Zimmer schleichen wollte, sah ich den Wagen von Carlisle vorfahren.

Sofort lief ich aus dem Haus und die Verandatreppe hinunter.

Alice war nur noch einige Meter von mir entfernt.

Ich musste mich unbedingt bei ihr entschuldigen.

Mein Verhalten am gestrigen Tag war so dermaßen daneben gewesen.

Zögerlich ging ich auf sie zu, doch dann fiel ich ihr einfach um den Hals.

„Alice es tut mir so leid." flüsterte ich und sie erwiderte meine Umarmung.

„Alles wieder gut." sagte sie mit engelsgleicher Stimme.

„Aber lass dir eins gesagt sein: Wäre ich am Tag zuvor nicht noch jagen gewesen wäre das dermaßen nach hinten losgegangenen!" fügte sie etwas strenger hinzu.

„Ich weiß. Ich hätte dir das nie zumuten dürfen. Es tut mir leid."gab ich kleinlaut zurück und bereute mein egoistisches Handeln zutiefst.

Ich hatte ihre gesamte Selbstbeherrschung auf die Probe gestellt, ohne es zu realisieren.

„Es ist ja alles gut gegangen." sagte sie lächelnd und harkte sich bei mir ein.

„Danke für alles." flüsterte ich noch. Dann stand Carlisle plötzlich direkt neben uns.

„Hallo Anika. Wie geht es ihm?" fragte er im gewohnt ruhigen Ton.

„Er hat starke Schmerzen, würde das aber nie so offen zugeben. Er versucht sich zusammen zu reißen." erklärte ich kurz.

„Und bei dir alles in Ordnung?" wollte Carlisle wissen.

„Ja."gab ich zurück, woraufhin er nickte und auf das Haus zu ging.

Ich wollte ihm folgen, doch Alice blieb stehen.

„Ich will da nicht rein." meckerte sie, ließ sich aber doch von mir ins Haus führen.

Als wir das Zimmer betraten, sah ich gerade noch, wie Carlisle Billy die Hand gab, und dieser sogar lächelte.

Jakob hingegen stöhnte auf, als er auch noch Alice zu Gesicht bekam.

„Viel zu viele Blutsauger hier." murmelte er und verdrehte die Augen.

„Hey, dieser Blutsauger hat dir gestern deinen verdammten Arsch gerettet!"konterte Alice und zeigte auf ihren Ziehvater, blieb aber im Türrahmen stehen.

„Jakob ich gebe dir jetzt nochmal was gegen die Schmerzen. Die Dosis gestern war eindeutig zu wenig." erklärte Carlisle und zog eine riesige Spritze auf.

Jakob zuckte nicht eimal mit der Wimper, als die Nadel die Haut seines linken Armes durchdrang.

Zu meiner Verblüffung zog Carlisle die Spritze gleich noch einmal auf und spritzte das Morphium in seine Vene.

Schon wenige Sekunden später war zu beobachten, wie seine Atmung sich normalisierte und er sich zu entspannen schien.

„Er wird vermutlich erst mal noch ein paar Stunden schlafen." sagte Carlisle, während er seine Sachen zusammen packte und zwinkerte mir zu.

Dann verließen alle das Zimmer und verabschiedeten sich.

Ich begleitete Alice noch nach draußen.

Zu meiner großen Überraschung holte sie eine Tasche mit meinen Sachen aus dem Auto.

Sie war einfach unbezahlbar.

„Danke."sagte ich erneut, bevor sie zu Carlisle in den Wagen stieg und die beiden davon bretterten.

Leise öffnete ich die Zimmertür, doch er merkte es trotzdem.

Seine Lieder flatterten, dann öffnete er die müden Augen.

„Ich glaube der Doc. Hat mir zu viel von dem Zeug gegeben." sagte er entschuldigend.

„Dann kannst du immerhin schlafen." gab ich zurück uns setzte mich auf die Bettkannte.

„Hast du Hunger?" In der Küche ist bestimmt noch was zu Essen.."murmelte er vor sich hin.

„Nein. Aber vielleicht können wir ja später zusammen was essen?" fragte ich und er nickte schwach.

„Du bleibst also hier?" fragte er hoffnungsvoll.

„So lange du willst." gab ich zurück,

Mit Mühe bewegte er seine linke Hand auf meine zu und ich kam ihm entgegen.

„Mach dir doch den Fernseher an." murmelte er, schloss die Augen und verschränkte seine Finger mit meinen.

„Ich würde gleich auch duschen gehen, wenn es okey ist." sage ich leise.

„Na klar." gab er zurück und lächelte.

„Bis gleich." flüsterte ich, ließ ihn los und stand auf.

„Weck mich ruhig, wenn du wieder kommst." hauchte er noch, doch er war bereits im Halbschlaf.

Erleichtert machte ich mich auf den Weg ins Badezimmer.

Erst jetzt realisierte ich, dass es vorerst vorbei war.

Natürlich. Victoria war noch am leben. Aber ihre Armee war zerschlagen.

Beruhigend floss das warme Wasser über meinen Körper und wusch die Tränen, das Blut und den Dreck der letzten Stunden von mir ab.

Ich wusste nicht, wann ich eine Dusche zu letzt so sehr genossen hatte.

Dementsprechend viel Zeit ließ ich mir auch.

Jakob schlief ohne hin und ich war heil froh über die Klamotten, die Alice mir gebracht hatte.

Ich zog eine schwarze Leggins und ein weinrotes Oberteil an.

Da ich ohnehin Zeit hatte, föhnte ich mir sogar die Haare.

Etwa eine Stunde später schlich ich wieder ins Zimmer.

Er hatte sich keinen Zentimeter bewegt.

Jakob sah so ruhig und friedlich aus, dass es mir zum ersten Mal seit Tagen ein echtes Lächeln auf den Lippen lag.

Zumindest jetzt in diesem Moment schien er keine Schmerzen zu haben.

So leise und vorsichtig wie möglich kroch ich zu ihm aufs Bett und legte mich neben ihn.

Allerdings ohne ihn zu berühren.

Und das war schwerer für mich, als ich gedacht hätte.

Nach einer halben Stunde nahm ich dann noch seinen Vorschlag an und schaltete den Fernseher ein.

Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.

Auf Pro sieben liefen nacheinander Two and a half Men, How I met your Mother, 2 Broke Girls und The Big Bang Theory.

Drei Stunden später, verlor ich langsam die Geduld.

Allerdings gab es noch ein paar Menschen in meinem Leben, denen ich eine Erklärung schuldig war.

Also stand ich wieder auf, schnappte mir mein Handy und verließ auf Zehenspitzen das Zimmer.

Draußen angekommen ging ich zum Fenster und wählte die Nummer meiner Mutter.

„Gibt es dich auch noch?" fuhr sie mich an sobald sie abgenommen hatte.

Und da war es wieder. Das Pech, das ich ein Einzelkind bin.

Meine Mutter benahm sich schon immer wie eine Glucke und erwartete von mir, dass ich mich mindestens einmal am Tag bei ihr meldete und Bericht erstattete, mit wem ich mich wo aufhielt.

Dieser Regel war ich wohl nicht ganz nachgekommen.

„Ja Mama. Es tut mir leid. Es ist alles in Ordnung." antwortete ich mit genervtem Unterton. Wenn sie wüsste.

„Wo bist du?!" wetterte sie weiter.

„Ich bin mit Alice bei Jakob." log ich.

Sie schwieg. Die Tatsache, dass ich Alice Namen erwähnte, schien sie zu beruhigen.

„Okey. Wann kommst du nach Hause?" fragte sie jetzt im neutralen Tonfall.

„Ich weiß es noch nicht genau. Es sind Ferien." erinnerte ich sie.

„Na gut. Aber melde dich." sagte sie resignierend.

„Okey.Ich hab dich lieb." gab ich zum Abschied zurück.

„Ich dich auch." hörte ich noch, dann legte ich auf.

Allerdings nur um gleich die nächste in meiner Kontaktliste anzurufen.

„Lea es ist vorbei. Du darfst umziehen." bei den Worten musste ich lachen und zugleich weinen.

„Oh mein Gott. Geht es dir gut?" wollte sie wissen.

„Mir schon." schluchzte ich und verließ schnell das Haus.

„Jakob?"fragte sie leise.

„Schwer verletzt. Aber er kommt durch." antwortete ich und versuchte mich wieder in den Griff zu bekommen, bevor ich ihn versehentlich aus dem Schlaf riss.

„Und der Rest?" sie schien zu bemerken, dass es noch nicht alles war.

„Ein Wolf ist.. tot. Theo.. er war neu."stammelte ich.

„Das tut mir leid." sagte sie mitfühlend, doch ich wusste dass ihre Neugierde noch nicht befriedigt war.

„Was ist mit Victoria?" Ehrfurcht lag in ihrer Stimme.

„Sie war nicht da. Sie ist nicht aufgetaucht. Es ist noch nicht vorbei."gab ich kopfschüttelnd zurück.

„Mach dir keine Sorgen. So wie er dich ansieht wird er dich beschützen, bis er tot ist." Ich wusste, sie wollte mich beruhigen, doch es hatte eher den gegenteiligen Effekt.

„Lea er ist gestern fast gestorben. Nahezu jeder Knochen in seinem Körper ist gebrochen oder vollständig zertrümmert. Er hatte schwere innere Blutungen. Es ist ein Wunder, dass er noch lebt." fuhr ich sie an,obwohl das eigentlich nicht meine Absicht war.

„Ich will nicht mehr, dass er sein Leben für mich riskiert. Ich liebe ihn." fuhr ich mit gedämpfter Stimme fort.

Es war das erste Mal, dass ich diese Worte vor jemand anderem aussprach.

„Du wirst ihn nicht daran hindern können. Und das ist gut so. Ich brauche dich noch." antwortete sie eingeschnappt.

„Dann solltest du ihn das vielleicht endlich wissen lassen." fügte sie lächelnd hinzu.

„Viel Spaß im neuen Zuhause. Ich komme dich bald mal besuchen."wechselte ich daraufhin das Thema.

Lea schnaubte verächtlich und bemerkte sehr wohl, dass ich ihr diesbezüglich auswich.

„Ja, ich schmeiße bald ne Einweihungsparty. Spätestens dann sehen wir uns." erklärte sie.

„Okey."gab ich zurück.

„Ihr schafft das. Pass auf dich auf." flüsterte sie und legte dann auf.

Einige Minuten saß ich regungslos auf der Veranda und starrte in den Wald.

Ich hatte keine große Lust mehr, auf ein drittes Gespräch, aber auch Shelli musste Bescheid wissen.

„Hollaa!"meldete sie sich gerade noch, bevor ich wieder auflegen wollte.

„Hör zu: Der Kampf ist vorbei.." wollte ich alles möglichst schnell erzählen, doch natürlich viel sie mir sofort ins Wort.

„Wie der hat schon statt gefunden? Warst du dabei?" brüllte sie.

„Ja und ja." gab ich zurück.

„Erzähl."drängte sie. Als ob ich das nicht von vorne herein vorgehabt hatte.

„Es war schrecklich. Theo ist tot. Und Jakob sehr schwer verletzt. Victoria lebt und ist gar nicht erst aufgetaucht." fasste ich schnell das wichtigste zusammen.

„ Scheiße."Anscheinend war sie wirklich mal sprachlos.

„Kommt er durch?" fragte sie nach einer langen Pause.

„Ja. Er wird es schaffen." gab ich zurück und erneut durchfuhr mich eine Woge der Erleichterung.

Er würde überleben. Er würde bei mir bleiben. Wir hatten noch eine Chance.

„Gut. Mit dem habe ich nämlich immer noch was zu klären." sagte sie scherzhaft, um die Stimmung aufzulockern.

„Er hat sich jetzt viel besser im Griff." versuchte ich gleich wieder ihn zu verteidigen.

Es war Jahre her, seitdem er auf sie und Sina losgegangenen war.

„Dann habe ich ja nichts zu befürchten" sagte sie provokant.

Ich konnte mir nur zu gut ausmalen, dass sie alles daran setzten würde ihn irgendwie zur Verwandlung zu bringen.

„Ich wollte dir nur kurz Bescheid sagen, dass ich noch lebe." überging ich ihre Äußerung.

„Okey. Muss ich mir noch Sorgen machen?" wollte sie wissen.

„Nein. Alles gut." antwortete ich und merkte, dass es das gerade tatsächlich war.

Zumindest für den Moment.

Trotzdem zog es mich schon wieder zu Jakob. Ich wollte mich vergewissern, ober noch lebte.

Meine Angst war noch nicht vollkommen verflogen.

„Du ich muss wieder rein. Wir sehen uns." entschuldigte ich mich.

„Okey. Bis dann." rief sie jetzt wieder gut gelaunt ins Telefon.

Sobald wir das Gespräch beendet hatten, lief ich wieder ins Haus.

Es begann langsam zu Dämmern. Die Küchenuhr verriet mir, das es fast 19:30 Uhr war.

Mit einem Lächeln auf den Lippen ging ich zurück in sein Zimmer. Er schlief noch immer.

Mit der Absicht, mich wieder neben ihn zu legen, kletterte ich neben ihn aufs Bett.

Doch sobald die Matratze nachgab, schien er langsam wach zu erden.

Auf eine Hand gestützt auf dem Bett sitzend, sah ich ihm zu, wie er langsam die Augen öffnete.

Es dauerte nicht lange, bis er meinen Blick erwiderte und mich anlächelte.

„Na, wie geht's dir?" fragte ich leise, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen."

„Die Schmerzmittel haben mich ziemlich ausgenockt, aber sie machen die Schmerzen erträglich." gab er zu und war schon wieder dabei wegzudämmern.

Ich nickte und gab nun doch dem Bedürfnis nach, ihn zu berühren.

Langsam strich ich mit der rechten Hand über seinen linken Unterarm, bis meine Finger seine Hand erreichten.

Sanft umschlossen seine großen, warmen Finger meine kleine Hand.

Sein Fieber war gesunken und er hatte wieder seine gewohnte Körpertemperatur erreicht.

Ich war so unbeschreiblich froh darüber, dass es ihm zumindest im Moment wieder etwas besser ging,

Ich konnte nicht anders, als meine linke Hand an seine rostbraune Wange zu legen.

Er blinzelte und sah mich mich zwar müde, aber erwartungsvoll an.

Als ich mit dem Daumen sanft seine Wangenknochen nach fuhr, schloss er für einen Moment die Augen.

Ihm entfuhr ein leises, zufriedenes Seufzen.

Als er sie wieder aufschlug, begannen sie zu leuchten.

Langsam beugte ich mich zu ihm herunter.

Meine Haare berührten seine geschundene, nackte Brust, doch er zuckte nicht einmal.

Sein Blick war vollkommen auf mich fixiert.

Und dann war da wieder diese unbeschreibliche Anziehungskraft zwischen uns, die ich in diesem Moment und unter diesen Umständen nicht für möglich gehalten hätte.

Um uns herum begann es zu knistern. Die Luft war zum zerreißen gespannt.

Er atmete schwer. Doch sein erwartungsvoller, euphorischer Blick lag ununterbrochen auf mir.

„Ich bin so froh, dass du noch lebst." hauchte ich als unsere Nasen sich beinahe berührten.

Ich zögerte, doch dann wurde mir bewusst, dass ich einen solchen Moment schon viel zu oft versäumt hatte.

Ich hatte ihn immer auf Abstand gehalten.

Aus Angst davor, durch seine Reaktion verletzt zu werden.

Doch das war jetzt vollkommen belanglos.

Jetzt, wo ich geglaubt hatte, ihn ein für alle Mal verloren zu haben.

Meine Zweifel waren verschwunden.

Wir lebten. Jetzt und hier.

Ich liebte ihn. Auch wenn ich noch nicht bereit war, das auszusprechen.

Und ich wusste genau, er liebte mich auch.

Ohne weiter darüber nachzudenken, verringerte ich den übrigen Abstand zwischen unseren Gesichtern und legte meine Lippen sanft auf die seinen.

Sie verschmolzen förmlich miteinander.

Sofort entfuhr ihm ein leises Stöhnen und er erwiderte den Kuss vorsichtig.

Augenblicklich durchströmte mich seine Wärme und sein süßer Atem.

Ich war vollkommen berauscht von ihm.

Meine Gefühle für ihn, die ich so lange verdrängt hatte, drohten mich zu überwältigen.

Doch dann fand der Zauber ein jähes Ende.

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sein ganzer Körper bebte.

Ich hatte mit dieser Reaktion gerechnet, hatte aber keine Sekunde über deren Auswirkungen nachgedacht.

Sofort löste er seine Lippen von meinen, presste den Kopf ins Kissen und schrie vor Schmerz auf.

Meine Hand hielt er nach wie vor, nur mit dem Unterschied, dass er siej etzt fest umklammert hielt.

Ich zuckte zurück und schlug mir vor Schreck die Hand vor den Mund.

Meine Augen füllten sich mit Tränen.

„Oh mein Gott es tut mir so leid." stieß ich hervor.

Ich war vollkommen neben der Spur.

Sein Gesichtsausdruck war schmerzverzerrt. Doch sobald er seine Augen öffnete, schaffte er es trotzdem mich anzulächeln. Seine Augen strahlten.

„Mir nicht." stöhnte er, sobald er wieder zu Atem gekommen war.

Lächelnd schüttelte ich den Kopf. Er war einfach unverbesserlich.

„Komm."fügte er mit gedämpfter Stimme hinzu und zog leicht an meiner Hand,um mich wieder neben sich zu ziehen.

Sofort gab ich nach und legte mich neben ihn.

Unfähig die Augen auch nur für einen Moment von seinem fesselnden Blick abzuwenden.

Mittlerweile schien sich zwar sein Körper wieder beruhigt zu haben, doch seine Augen glühten.

Genau wie die meinen.

Eine Weile genoss ich es einfach ihn stumm anzusehen.

Er hatte ohne Zweifel noch Schmerzen. Aber er war glücklich. So wie schon lange nicht mehr.

„Ist alles okey?" fragte er irgendwann in einem ungewohnt unsicheren und zaghaften Ton.

Ich nickte und senkte beschämt den Blick. Doch allerdings nicht weil ich enttäuscht von seiner Reaktion war. Nein.

Viel eher weil ich so dumm gewesen war, ihm das in seinem Zustand zuzumuten.

„Hey..es tut mir leid. Gib mir ein bisschen Zeit. Ich kriege das in den Griff." stammelte er und drückte meine Hand, damit ich ihn wieder ansah.

„Jake das ist es nicht." gab ich lächelnd zurück.

„Was ist es dann?" harkte er nach. Seine großen Augen durchbohrten mich.

„Es..es war so dumm von mir. Ich habe nicht nachgedacht. Es tut mir leid."flüsterte ich und konnte augenblicklich die Enttäuschung in seinem Blick sehen.

Das verwirrte mich zuerst, doch dann stellte ich fest, dass er mich völlig falsch verstanden hatte.

„So war das nicht gemeint." versuchte ich ihn zu beruhigen.

„Es war dumm von mir nicht darüber nachzudenken, dass ich dir damit körperliche Schmerzen zufüge. Das wollte ich nicht. Ich meine damit nicht, dass ich dich nicht.." versuchte ich ihm zu erklären, doch das war nicht mehr nötig.

Das breite Grinsen war auf sein Gesicht zurück gekehrt.

„Wenn es nach mir ginge, können wir das jederzeit wiederholen." gab er zurück.

Seine Augen funkelten und passten so gar nicht zum Rest seines geschundenen Körpers.

„Du bist so blöd!" lachte ich und hätte ihm am Liebsten eine verpasst.

Stadtessen sah ich ihn einfach nur an und schüttelte fassungslos den Kopf.

„Du bist so wunderschön." flüsterte er dann und löste seine linke Hand von meiner.

„Ich glaube du hast doch noch Fieber." konterte ich sofort, konnte aber nicht verhindern, dass mir die Röte in die Wangen schoss.

Er bewegte sie zittrig und mit viel Mühe auf mein Gesicht zu.

Schon alleine diese kleine Bewegung schien ihm unglaublich viel abzuverlangen und er unterdrückte ein Stöhnen.

Doch schließlich fand seine Hand meine Wange und umfasste mein Gesicht.

„Habe ich nicht." presste er hervor, und fuhr sanft mit seinem Daumen über meine errötete Haut.

Dann ließ er die Hand wieder sinken und bemühte sich wieder ruhig zu atmen.

„Verdammte scheiße." murmelte er vor sich hin und zog die Stirn in Falten.

„Hab Geduld. Das wird alles wieder." versuchte ich ihn aufzumuntern, doch er nickte nur kaum merklich.

Ich saß weiterhin auf seinem Bett und wusste nicht so recht wohin mit mir.

„Du darfst dich gerne wieder zu mir legen. Aber würdest du vorher in der Küche nach etwas Essbarem gucken? Ich bin am Verhungern!" sagte erschließlich und hatte sein Lächeln wieder gefunden.

„Klar."Sofort stand ich auf und kam seiner Bitte nach.

Er hatte länger als 36 Stunden nichts gegessen und ich auch nicht.

Schnell wurde ich fündig.

Ich fand drei große Dosen Heißmacherwürstchen, die ich alle in einen großen Topf kippte.

Zwei Packungen mit Toastbrot und Ketchup dazu mussten fürs Erste reichen.

Keine zehn Minuten später kam ich mit einem Teller, auf dem sich die Würstchen stapelten und einem Teller mit Bot und der Ketchupflasche unter dem Arm wieder ins Zimmer.

„Endlich."sagte er mit gespielter Entrüstung, als ich das Essen neben ihn aufs Bett stellte.

Ich setzte mich etwas weiter nach unten, wobei ich wohl darauf bedacht war, sein zertrümmertes Bein nicht zu berühren.

Sofort streckte er seine Hand nach den Würstchen aus, doch sobald er sie schwerfällig anhob, zitterte er vor Anspannung.

„Warte."sagte ich und drückte seine Hand sanft zurück auf die Matratze.

Dann nahm ich ein Würstchen und führte es zu seinem Mund.

Er runzelte die Stirn und sah mich verbissen an.

Er hasste nichts mehr, als vollkommen hilflos zu sein.

„Lass mich dir helfen." flüsterte ich, woraufhin er tatsächlich den Mund öffnete.

Schon mit einem Biss hatte er die Hälfte der Wurst verschlungen.

Er war wirklich vollkommen ausgehungert.

„Beiß mir nicht die Finger ab!" warf ich spaßeshalber ein, doch er reagierte garnicht darauf.

Naja, ein wildes Tier sollte man beim Fressen wohl lieber nicht reizen.

Ich schwieg und fütterte ihn abwechselnd mit Würstchen und Ketchuptoast.

Erst als er drei viertel der Malzeit verdrückt hatte, hielt er inne.

„Entschuldige."murmelte er beschämt.

„Alles gut." gab ich zurück und verlieh meinen Worten mit einem Lächeln Nachdruck.

„Du musst auch endlich was essen." wechselte er das Thema.

Und er hatte Recht. Schon beim Geruch des Essens hatte sich meine Magen schmerzhaft zusammen gezogen.

Aber ich wollte ihm nichts wegessen.

„Los."drängte er.

Woraufhin ich zwei Mal an einem Würstchen abbiss und ihm dann den Rest in den Mund schob.

Mit dem Toast machten wir es genauso.

Auch den Rest des Essen teilten wir uns.

„Danke."flüsterte er und kämpfte schon wieder mit seinen schweren Augenlidern.

Sein Körper brauchte seine gesamte Energie um zu heilen.

Für alles andere fehlte ihm die Kraft.

„Ruh dich aus. Ich räume eben die Küche auf, dann komme ich wieder."sagte ich und stand auf, bevor er protestieren konnte.

Als ich zurück kam, dachte ich erst er würde schlafen, doch als ich näher kam öffnete er die Augen und wandte den Kopf zu mir um.

„Was willst du machen?" fragte er.

„Das soll ja wohl ein Scherz sein." gab ich zurück.

„Eigentlich nicht." beharrte er und sein Blick war unergründlich.

Ich seufzte, machte auf dem Absatz kehrt und ging zu seiner Kommode, in der sich seine Filmsammlung befand.

„Was willst du sehen?" fragte ich und fand im gleichen Moment einen Film, der noch original verpackt war.

„Der Herr der Diebe" stand in großen, goldenen Buchstaben auf dem Cover.

Ich kannte ihn aus meiner Kindheit und hatte ihn schon ein dutzend Mal gesehen.

„Den hast du noch nie gesehen?" wollte ich wissen und hielt den Film in die Höhe.

„Nee."entgegnete er. Sein Interesse schien sich in Grenzen zu halten.

Aber er würde sowieso in den nächsten Minuten einschlafen.

Also legte ich den Film ein und ging wieder auf ihn zu.

Vorsichtig legte ich mich direkt an die Kante und griff nach seiner ausgestreckten Hand.

Er schloss die Augen, umfasste meine Hand und schien sich zu entspannen.

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chenupet 30. Nov 2019

Hallo Akina,

das waren wieder spannende Kapitel.
Ich hoffe Du schreibst weiter und meldest Dich bei einer anderen Plattform an.
Fände es sehr schade, wenn diese tolle Geschichte für immer verschwinden würde.
Wünsche Dir ein schönes Wochenende.

LG Chenupet

chenupet 15. Apr 2019

Oh je .... dachte Jacob entspannt sich und hat sich besser im Griff... so schade . :(

chenupet 13. Mar 2019

OMG .... heftig .....