The Rom Com Experience - Liebe auf den zweiten Blick

vor 5 Mon.
Ein heißer Sommertag, ein Blinddate und folgenreiches Missgeschick. Manchmal kommt die Liebe erst auf den ZWEITEN Blick. Eine STEREK-Romanze, OS
Teen Wolf P12-M+M Romanze
Inhaltsverzeichnis
  • The Rom Com Experience – Liebe auf den zweiten Blick

The Rom Com Experience – Liebe auf den zweiten Blick

Stiles knöpfte das sauteure, neue Hemd zu, welches Scott ihm neulich in der Mall aufgeschwatzt hatte, weil er nämlich fand, sein bester Freund sähe darin absolut unwiderstehlich auch. Allison hatte ihm wortreich zugestimmt, also hatte Stiles seufzend einen Blick auf das Preisschild geworfen und es schließlich gekauft, auch wenn er in seinem ganzen Leben noch nie hundertfünfzig Mäuse für blödes, einzelnes Hemd hinausgeworfen hatte:

"Nun stell´ dich doch nicht so an! Mein neuer Kollege ist wirklich süß! Und darin findet er dich mit Sicherheit heiß!" hatte Scott behauptet.

Wer´s glaubte...!

Stiles fand es immer noch befremdlich, wenn sein bester und sehr, sehr heterosexueller Freund solche Sachen über einen anderen Mann sagte, auch wenn er genau wusste, dass Scott es allein für ihn tat, um ihm zu beweisen, dass er mit dieser ganzen Schwulen-Sache bestens klarkam.

Als Stiles sich vor einem Dreivierteljahr vor ihm geoutet hatte, war es ihm wie das Ende der Welt vorgekommen, doch Scott war von Sekunde Eins sein Head-Cheerleader gewesen, hatte ihn von der Seitenlinie aus angefeuert, war mit ihm in die Clubs gegangen, hatte sich für ihn zum Thema einmal quer durchs Internet gelesen und hatte ihn sogar bei dem gefürchteten Gespräch mit seinem Vater unterstützt.

Er war eben einfach der beste Freund den ein Mann nur haben konnte!

Und dann hatte Scott sich in den Kopf gesetzt, Stiles nun auch noch verkuppeln zu müssen und als neulich dieser neue Kollege in seiner Firma angefangen hatte, der überdies auch noch nett, gutaussehend, single und schwul war, hatte er dann natürlich entschieden: DER sollte es sein!

"Du magst sie doch groß und muskulös, richtig? Und dieser Kerl IST groß und muskulös! Hinter diesen Schultern kann sich sogar ein gewisser Jemand noch mit Leichtigkeit verstecken!" hatte Scott behauptet.

Ein gewisser Jemand; damit war natürlich Jackson Whittemore gemeint, der erste Kerl, mit dem Stiles sich je eingelassen hatte, der Erste, mit dem er geschlafen hatte und der Erste, der ihn hinterher hatte fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel und der behauptet hatte, so sei die schwule Welt nun einmal: Da wurde wurde eher gefickt als geliebt und er solle das ganze nicht so tragisch nehmen!

Und Stiles, der Ahnungslose hatte ihm geglaubt. Allerdings hatte er die Sache sehr wohl tragisch genommen. Er war regelrecht am Boden zerstört gewesen, denn das war sicherlich nicht das, was er vom Leben wollte.
Er wollte das, was doch eigentlich die meisten wollten, oder etwa nicht? Eine liebevolle Beziehung, Treue und Loyalität, vielleicht sogar jemanden, der mit ihm eines Tages eine Familie gründen würde.
War er denn wirklich ein abartiger Sonderling, weil er diese Dinge wollte?

Aber auch da war Scott wieder einmal für ihn dagewesen, um den Verzweifelten wieder aufzurichten:
"Wenn du dir diese Dinge wünschst, dann gibt es da draußen auch noch einen Zweiten, der nur darauf wartet, genau dieses Leben mit dir zu teilen! Hör gar nicht auf diesen Schwachkopf! Was weiß der schon? Rennt bloß seinem eigenen Schwanz hinterher, wie einer Wünschelrute und kann überhaupt nichts sehen, was darüber seinen phallusförmigen Horizont hinausgeht! Das wird schon wieder, Stiles! Ehrlich, Bro!"

Stiles hatte wirklich versucht, ihm zu glauben, hatte seine Wunden geleckt, doch nun, wo er hier so ganz allein vor dem heimischen Spiegel stand, um sich auf ein Blind-Date mit einem angeblich wahnsinnig gutaussehenden, breitschultrigen Fremden vorzubereiten, rutschte ihm gründlich das Herz in die Hose. Am liebsten hätte er gekniffen, doch das konnte er Scott nicht antun, denn immerhin arbeitete er mit diesem Typen zusammen und hatte das Ganze für ihn eingefädelt.

Und Stiles betete, dass dieser Typ nicht bloß Ja zu dem Blind-Date mit ihm gesagt hatte, weil Scott ihm in gewisser Weise vorgesetzt war?
Das wäre nämlich furchtbar peinlich und demütigend!

Stiles schwitzte wie ein Affe in dem langärmligen Hemd, doch hochkrempeln kam ihm ein bisschen zu leger vor, zumal er ja noch das blöde Jackett mit der Rose als Erkennungszeichen darüber tragen musste.
Natürlich hatten sie das verabredet, BEVOR diese verdammte Hitzewelle Kalifornien in ihren schweißigen Würgegriff genommen hatte.

Aber wenigstens ging es seinem Date nicht besser als ihm selbst, denn der hatte angekündigt, eine schwarze Lederjacke tragen zu wollen. Darin musste man bei diesem Wetter doch eingehen, oder nicht?

`Die Haare!´ dachte Stiles unzufrieden. Er musste sich etwas mit seinen Haaren einfallen lassen, denn die machten natürlich wieder einmal, was sie wollten, kräuselten sich leicht und standen wirr von seinem Kopf ab... er sah aus wie Jerry Lewis in einem seiner alten Filme.
So wurde man mit Sicherheit nicht flachgelegt, von großer Liebe einmal ganz zu schweigen!
Er ging also ins Bad und machte sich mit Schaumfestiger, Kamm und Fön ans Werk. Das Ergebnis war weit entfernt von perfekt, aber immerhin sah er nicht mehr aus, wie ein Komiker.

Noch einmal der Blick in den Spiegel. So glattrasiert wie er war, sah er trotz seiner zweiundzwanzig Lenze immer noch aus wie ein Junge, aber wachsen lassen war in seinem Fall auch nicht das Mittel der Wahl. Er hatte es einmal versucht, in der Hoffnung, es würde ihn tough und verwegen wirken lassen, doch sein natürlicher Bartwuchs hatte ihm da einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht, denn der spross fleckig, struppig und ungleichmäßig. Seine beste Freundin Lydia hatte sich vor Lachen ausgeschüttet, als sie es gesehen hatte und zwar zu Recht, denn es sah grotesk aus, also hatte Stiles es zukünftig sein lassen und lebte eben mit seinem Babyface.

So!
Und nun noch einmal durchatmen, die unbequemen, warmen Lederhalbschuhe überziehen und es konnte losgehen.


Derek hatte die Schnauze gründlich voll gehabt. Jeder, der in seinem Leben wichtig war, war neuerdings Teil eines Paares: Sein alter Kumpel Ethan hatte diesen knöpfäugigen, heißen Fitnesstrainer Danny kennengelernt und seither gingen sie nur noch zu dritt aus, was Derek jedes Mal diese fabelhafte „Drittes-Rad-am-Wagen-Erfahrung“ verschaffte, auf die er ja schon immer scharf gewesen war!
Sein früherer Studienfreund Mason hatte vor einer Weile den süßen, schüchternen Corey angeschleppt und wurde seitdem nicht mehr ohne ihn gesehen, beinahe als seien die beiden mit einander verwachsen, wie siamesische Zwillinge.
Und sogar bei sich Zuhause war es nicht besser. Derek teilte sich ein großes Apartment mit seiner jüngsten Schwester und seiner Cousine. Und während Cora nun ständig mit diesem eigenartigen, blonden, schlaksigen Riesen Isaac aus ihrer Schule zusammen war und sie knutschend das gesamte gemeinsame Wohnzimmer okkupierten, anstatt Hausaufgaben zu machen, verschanzte sich Malia mit ihrer Freundin Kira in ihrem Zimmer, ward nicht mehr gesehen und ständig liefen die Schnulzen von Sarah MacLachlan und Mary Lambert in ohrenbetäubender Lautstärke rauf und runter, weil die Mädchen sich einbildeten, man könne dann die Begleitgeräusche ihres Liebesspiels nicht mehr hören – das war leider ein Irrglaube!

Und dann hatte Dereks neuer Kollege einmal beim Mittagessen in der Kantine erzählt, er habe diesen süßen, lustigen, schlauen besten Freund, der so wahnsinnig gern einen netten Kerl kennenlernen würde.
Nun ja, Derek war nett; das fand er jedenfalls selbst und auch wenn er noch nie ein Blinddate gehabt hatte, war er durchaus bereit, sich diesen besten Freund wenigstens einmal aus der Nähe anzuschauen.

Derek stutzte seinen Dreitagebart mit dem Barttrimmer auf die gewünschte Länge, rasierte sorgfältig die Konturen aus, zupfte ein paar störende Ausreißer-Härchen unter seinen buschigen Augenbrauen heraus, damit er nicht aussähe, wie so ein ein Höhlenmensch und warf dann einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel. Er ließ die Brustmuskeln tanzen, entschied grinsend, dass er wahrlich nicht der schlechteste Fang sei und machte sich auf den Weg.


In seinem, selbstverständlich unklimatisiertem Jeep, der noch dazu in der Sonne geparkt hatte, hatte Stiles das Gefühl zu schmelzen, wie die böse Hexe des Westens. Die aufgeladenen Sitze verbrannten ihm Arsch und Rücken und das Jackett warf er erst einmal auf den Beifahrersitz, denn wenn er das auch noch getragen hätte, wäre er höchstwahrscheinlich am Hitzschlag gestorben, noch bevor er, wie verabredet in diesem Restaurant aufschlüge.
Allerdings wollte er dort auch nicht ankommen, wie ein verschwitzter Nervösling, also musste er sich vorher noch irgendwie ein wenig abkühlen. Stiles hielt an einem Drive-In und orderte einen halben Liter Cola mit Eis und sog den flüssigen Himmel dann während der Weiterfahrt zufrieden durch einen Strohhalm.

Sein Handy informierte ihn per Signalton, dass er eine Nachricht erhalten hatte. Es war wirklich nicht schwer zu erraten, wer ihm da wohl geschrieben haben mochte. An der nächsten roten Ampel las er Scotts Nachricht und musste schmunzeln:
`Bist du schon auf dem Weg, oder hast du dich im letzten Moment doch noch unter irgendeinem Stein verkrochen, Bro?´

`Bin gleich da! Bin doch kein feiger Waschlappen, Alter!´ tippte er zurück und bemerkte dabei nicht sofort, dass die Ampel mittlerweile auf grün umgesprungen war. Er drückte auf Senden und wollte gerade wieder anfahren, als so ein dämlicher schwarzer Flitzer um die Ecke gesaust kam und von hinten in ihn hineinfuhr.

So ein Idiot!

Stiles wurde in seinem Sitz nach vorne geworfen und schmerzhaft gegen den Gurt gedrückt, sein Handy fiel irgendwo in den Fußraum und die bescheuerte Cola, die er kurz auf dem Armaturenbrett abgestellt hatte, weil sein Jeep natürlich nicht über so etwas Großartiges wie einen Getränkehalter verfügte, flog ihm entgegen und ergoss sich im hohen Strahl über das neue Luxushemd.
So ein Dreck!
Na warte! Der Kerl konnte sich jetzt vielleicht etwas anhören!

Und da sah Stiles im Rückspiegel auch schon, wie der Typ ausstieg und auf ihn zumarschiert kam. Es war so ein peinlicher, aufgeblasener Bodybuilder in hautengem Henley und Retro-501-Jeans.
Und er sah aus, als sei er stinksauer? Als ob es Stiles daran Schuld wäre, wenn dieser Trottel keine Augen im Kopf hatte!

„Sag´ mal, bist du hirntot, du Trottel!“ begann der Fremde Stiles nun durch sein Fenster hindurch anzubrüllen: „Wieso fährst du denn nicht, hm? Wartest du auf irgend etwas bestimmtes? Weihnachten vielleicht? Oder wolltest du etwa während der Fahrt Gänseblümchen pflücken“

Stiles stieg aus, baute sich so bedrohlich vor dem größeren, breiteren Fremden auf, wie es ihm möglich war, klopfte sich das Eis seines Drinks von der Brust und pöbelte zurück:
„Du Idiot warst doch viel zu schnell unterwegs. Nur weil du so eine Angeber-Kutsche hast, musst du doch nicht fahren, wie ein Henker, oder?“

„Ich habe mich genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten. Ich konnte ja nicht ahnen, dass du hier stehst und noch eine Weile die Aussicht genießen willst!“ bellte der Fremde. Dann schritt er nach hinten, um sich den Schaden anzuschauen. Er raufte sich die Haare und verzog schmerzhaft das Gesicht, als er seine verbeulte Motorhaube erblickte:
„Deine hässliche Rostlaube hat natürlich nichts abbekommen!“ stellte er klagend fest: „Aber nun schau dir mal mein Auto an!“

Stiles schaute, doch es war ihm recht egal. Er zückte ganz einfach einen Stift, schrieb seine Versicherungsinformationen auf einen Zettel, welchen er im Handschuhfach fand und knurrte:
„Hier hast du! Obwohl DU an allem Schuld bist, schließlich bist du der, der nicht aufgepasst hat und der MIR draufgefahren ist! Und nun nerv´ mich nicht! Ich habe heute noch was anderes zu tun. “

Sein muskulöses Gegenüber schnappte sich den Zettel, steckte ihn ein und bellte:
„Du hast ja auch schlechtere Reaktionen, als meine Großmutter. Du hörst von meinem Anwalt, falls der Schaden größer ist, als angenommen!“
Dann stieg er wieder in seinen Wagen und brauste los.

Stiles blickte ihm ärgerlich hinterher und schaute dann an sich selbst hinab. Sein Hemd war versaut, soviel stand fest, doch ein Blick auf die Uhr zeigte, dass er zu seinem Date heillos zu spät kommen würde, wenn er nun noch einen Abstecher über sein Apartment machen würde, um sich umzuziehen. Er setzte sich also wieder ans Steuer und fuhr zur nächsten Tankstelle, um im dortigen Waschraum zu sehen, was zu machen sei.
Er zog das Hemd aus und versuchte, die braunen Cola-Flecken auszuwaschen, was allerdings nur von mäßigem Erfolg gekrönt war. Die Flecken wurden zwar blasser, aber sichtbar waren sie noch immer und außerdem war sein weißes Hemd nun praktisch durchsichtig. Na, immerhin wurde es bei dieser Mordshitze an seinem Leib auch schnell wieder trocknen und brachte ihm für einen kurzen Moment sogar ein wenig Erfrischung. Und wenn er das Jackett später nicht auszog, dann würde man von der Sauerei auch beinahe gar nichts mehr sehen.
Stiles nahm sich vor, dass er seinem Blinddate einfach alles erklären würde, nämlich dass er ja nicht immer, wie eine Pottsau herumliefe, sondern dass irgend so ein fremder Proll ihn arglos angefahren hatte. Dafür würde er doch sicherlich Verständnis haben, richtig?

Stiles machte sich also wieder auf den Weg und nun wurde es auch wirklich höchste Zeit, wie ein Blick auf die Uhr zeigte. Eigentlich war er jetzt schon ein bisschen zu spät, auch wenn ein Autounfall ja eine wirklich gute Ausrede war.

Es war schummrig und gemütlich in dem kleinen, italienischen Restaurant. Die klischeehaften Fototapeten an den Wänden zeigten Ansichten aus Rom, Florenz und Venedig, auf jedem Tisch brannten Kerzen, die auf bauchige, mit Wachs betropfte Flaschen gesteckt waren und im Hintergrund lief leise klassische Musik; Puccinis `O soave fanciulla´ aus `La Bohème´ wenn Stiles nicht irrte.

Er war noch nie hier gewesen, doch es gefiel ihm. Es erschien ihm sehr authentisch und ließ ein Urlaubsgefühl bei ihm aufkommen, das sehr gut gegen seine Aufregung wirkte.
Und die Gerüche welche hier die Luft erfüllten, ließen ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen und seinen Magen begehrlich knurren.
Stiles blickte sich suchend nach einem gutaussehenden Fremden in schwarzer Lederjacke um, doch das was er sah, ließ seinen Kiefer herunterklappen: Der einzige Mensch in diesem Etablissement, welcher schwarzes Leder trug war kein Anderer, als sein Sportwagen-Proll, mit dem er vorhin den Zusammenstoß gehabt hatte.
Und in genau jenem Moment, als Stiles ihn erblickte, entdeckte der Fremde auch ihn, womit es für geordneten Rückzug dann auch schon zu spät war.

Stiles rollte genervt mit den Augen und stapfte dann auf seinen Tisch zu:
„Scheiße! Bist DU etwa Derek?“ knurrte er anstelle einer Begrüßung.

„Dann bist DU also Stiles?“ fragte sein Gegenüber mit großen Augen.

„Verdammt!“ stöhnte Stiles: „Das ist ja mal so richtig in die Hose gegangen, was? Und dafür habe ich jetzt hundertfünfzig Mücken für ein neues Hemd rausgeworfen, das jetzt dank dir nur noch Müll ist?“ Er schüttelte den Kopf: „Und was jetzt? Ich schätze, das war´s dann und ich fahre mal wieder nachhause, hm?“
Er wandte sich zum Gehen.

„Stiles? Warte mal!“ rief es hinter ihm her.

Er drehte sich wieder herum, da war Derek bereits aufgestanden, hinter den, für ihn bestimmten Stuhl getreten und fragte versöhnlich:
„Warum bleibst du nicht einfach, setzt dich zu mir und wir fangen noch mal ganz von vorn an? Ich habe nämlich Hunger und ich esse nicht gern allein.“

Stiles betrachtete den Fremden einen kurzen Moment misstrauisch, ehe er sich schließlich tatsächlich wieder dem Tisch näherte:
„Öh... Danke?“ machte der ehemalige Kapitän des Beacon Hills High Debattierclubs wenig eloquent, als Derek ihm wie ein Gentleman den Stuhl unter den Hintern schob, als sei er Julia Roberts, oder Meg Ryan in irgend so einer blöden romantischen Komödie aus den Achtziger Jahren.

Derek setzte sich ihm mit einem kleinen Lächeln gegenüber und nun, da Stiles nicht mehr ganz so sauer auf ihn war, musste er insgeheim zugegeben, dass sein Gegenüber tatsächlich ziemlich gut aussah. Und eigentlich war das sogar eine dreiste Untertreibung, denn im Grunde war er sogar absolut UMWERFEND! Er hatte große, ehrliche, grüne Augen, sein Gesicht besaß einen derart vollkommenen Knochenbau, dass man meinte, er sei es von Michelangelo höchstpersönlich aus Marmor gehauen und Stiles hasste ihn beinahe für seinen perfekten, ebenmäßigen Bartwuchs.
Und von dem gut definierten, makellosen Körper wollte er gar nicht erst anfangen.
Verdammt!

„Ich hätte dich das eigentlich gleich fragen sollen, Stiles: Geht´s dir gut?“ wollte Derek nun wissen.
Stiles blickte ihn verständnislos an, also erläuterte sein Gegenüber: „Der Unfall! Bist du verletzt?“

Stiles schüttelte den Kopf, doch dann verzog er schmerzhaft das Gesicht, also räumte er ein:
„Na ja, vielleicht habe ich mir ein wenig den Nacken verzogen. Und ich schätze, durch den Gurt sind die Rippen leicht geprellt. Und du?“

Derek schüttelte den Kopf:
„Nein, ich hab´ nichts. Tut mir echt leid, dass du verletzt bist.“

„Ich werd´s überleben!“ versicherte Stiles mit einem tapferen Lächeln: „Und mir tut das mit deinem Auto leid. Das ist echt ein schicker Wagen, den du da hast.“

„Du hast ihn eine Angeber-Kutsche genannt!“ erinnerte Derek ihn schmunzelnd: „Aber keine Sorge, es ist bloß ein Blechschaden. Ich bin irgendwie ein bisschen pingelig mit dem Wagen, aber das kriegt meine Werkstatt wieder hin und ich kann wieder protzend durch die Straßen sausen und unschuldige, reaktionsschwache Verkehrsteilnehmer anfahren. Aber wahrscheinlich hast du Recht gehabt und der Unfall war wirklich meine Schuld. Ich war ziemlich schnell unterwegs, weil ich nämlich Angst hatte, zu spät hier anzukommen.“

Stiles ließ verlegen den Kopf hängen und bekannte:
„Es war mindestens ebenso sehr meine Schuld. Weißt du warum ich den Wagen an der Ampel zu spät gestartet habe? Ich habe gerade eine Kontroll-SMS von Scott gelesen und beantwortet, welcher sicher gehen wollte, dass ich auch wirklich bereits unterwegs bin, um dich zu treffen!“

„Dein Freund ist also ein Kontroll-Freak?“ erwiderte Derek und lachte lauthals auf.

„Also, das solltest du öfter tun. Es steht dir!“ kommentierte Stiles schüchtern, denn dummerweise war Derek noch viel schöner, wenn er lachte:

„Das mit deinem Hemd ist schade!“ stellte der Angesprochene fest: „Ich werde natürlich für die Reinigung aufkommen. Aber dein Jackett solltest du jetzt trotz der Flecken lieber ausziehen, ehe die Hitze dich umbringt.“
Derek streifte seine eigene Lederjacke von den Schultern, hängte sie über seine eigene Stuhllehne und Stiles tat es ihm dankbar gleich, doch während Derek in seinem Henley immer noch aussah, wie aus dem Ei gepellt, spürte er deutlich, dass er selbst aussehen musste, als habe er in seinen Kleidern ein Bad genommen.

Doch darüber sah Derek anscheinend großzügig hinweg und behauptete sogar:
„Ich hoffe ehrlich, dass sie die Flecken wieder rausbekommen, du siehst wirklich ziemlich sexy in diesem Hemd aus, Stiles.“

Und Stiles; Großmeister des Sarkasmus, König der schlagfertigen Antwort kicherte.
Er KICHERTE!
Er hätte sich selbst treten können. Wie peinlich konnte dieser Abend denn noch werden?

„Du bist wirklich süß!“ stellte Derek fest und der errötende Stiles war dankbar für die Kellnerin, die nun wie aufs Stichwort an ihren Tisch trat.
Stiles hatte eigentlich Wein bestellen wollen, doch irgendwie kam es ihm mit einem Mal so vor, als sei Alkohol doch nicht so eine gute Idee.
Ein fremder, beinahe schon unwahrscheinlich gut aussehender Mann machte ihm Komplimente am Fließband und er selbst schmolz sogar in nüchternem Zustand bereits dahin, wie so ein naiver Trottel?
Er bestellte sicherheitshalber bloß Wasser und zwar reichlich davon, weil es nicht auszuschließen war, dass Dehydrierung Schuld an seinem idiotischen Verhalten war!

Stiles dachte zurück an Jackson und wie er sich von ihm hatte einwickeln und schließlich auch flachlegen lassen, wie so ein Idiot. Das würde ihm mit Sicherheit kein zweites Mal passieren, auch nicht mit dem schönsten Mann, den Stiles je gesehen hatte.
Er würde diesem Derek jetzt mal gründlich auf den Zahn fühlen und wenn er auch bloß so ein oberflächlicher, notgeiler Schönling wäre, dann konnte er sich dafür jemand anderen dafür suchen, jawohl! Wie hatte die wunderbare Pink es so treffend ausgedrückt? U and ur hand tonight...!

„Bist du schon lange Single, Derek?“ fragte Stiles mit einer leichten Schärfe in der Stimme.

Derek schien es nicht aufzufallen:
„Ein paar Jahre.“ bestätigte er: „Es ist gar nicht so leicht, jemanden zu finden, mit dem es dann auch noch passt. Und du Stiles?“

Stiles war es ein bisschen peinlich, auf diese Frage zu antworten, aber er tat es dennoch wahrheitsgemäß:
„Mein Coming-Out liegt noch nicht lange zurück. Es gab mal jemanden, aber es hat sich dann leider nicht so entwickelt, wie ich gehofft hatte.“

Derek nickte verständnisvoll und beteuerte, dass er auch schon ein paar Frösche geküsst habe, die sich am Ende als nichts weiter als Amphibien entpuppt hatten.

Bis die Kellnerin mit ihren Getränken wiederkam, hatten sie die Karte studiert und sich für ein Gericht entschieden. Stiles nahm die klassische Lasagne, während Derek Pasta Arrabiata und einen kleinen Insalata Misto wählte:

„Wenn ich Lasagne bestellen würde, hätte ich morgen gleich ein Kilo mehr auf der Waage, aber du kannst dir das ja erlauben, schlank wie du bist!“ erklärte Derek mit einem gewissen Bedauern in der Stimme.

Stiles blickte ihn überrascht an:
„Sag mal, verarschst du mich? Du siehst aus, wie die personifizierte Fitness!“

„Aber ich muss dennoch höllisch aufpassen, ehrlich!“ gestand Derek beinahe verlegen: „Ich nehme schon zu, wenn ich eine Speisekarte nur lese!“

Stiles schüttelte amüsiert den Kopf und fragte:
„Du bist wohl einer von denen, die die Zügel gern ein bisschen fester in der Hand behalten, was?“

Scheinbar hatte er etwas Falsches gesagt, denn nun ließ Derek den Kopf hängen und seine Miene verfinsterte sich. Stiles wollte gerade fragen, was los sei, als Derek von sich aus mit der Sprache herausrückte:
„Du hast Recht, Stiles, aber so war ich nicht immer. Meine Eltern sind vor drei Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen. Meine ältere Schwester war auch mit im Wagen. Das war ein schwerer Schock für mich. Seitdem bin ich vielleicht ein bisschen überkontrolliert, in der Hoffnung dass mir nie wieder etwas Wichtiges entgleitet, wenn ich es nur fest genug halte.“
Derek errötete, denn dieses Bekenntnis war ganz offensichtlich intimer, als er es für ein erstes Date geplant hatte.
Er sah aus, als würde er das Gesagte am Liebsten wieder zurücknehmen.

Stiles fühlte sich beklommen und traute sich schließlich, die Hand auszustrecken, um die von Derek zu ergreifen:
„Tut mir leid!“ murmelte er und weil er es seinem Gesprächspartner leichter machen wollte, fügte er hinzu: „Ich denke, ich weiß wie sich das anfühlt. Ich war neun, als meine Mutter krank wurde. Binnen eines Jahres wurde aus einer gesunden Frau ein Pflegefall. Sie hat meinen Dad und mich beschimpft, mit Sachen beworfen und irgendwann hat sie uns gar nicht mehr erkannt. Schließlich ist sie gestorben, da war mein Vater gerade im Dienst. Ich war allein mit ihr. Danach stand ich eine ganze Weile ziemlich unter Schock.“
Außer Scott hatte er davon nie jemandem erzählt und es war eigenartig, es nun einem im Grunde völlig Fremdem zu berichten.

Derek und er blickten sich eine Weile einfach bloß an und keiner von ihnen wusste so recht, was er sagen sollte, also schwiegen sie, bis schließlich ihr Essen kam.

„Sieht gut aus!“ stellte Derek fest und warf dabei einen sehnsüchtigen Blick auf Stiles Lasagne.

Der lächelte amüsiert, füllte seine Gabel und forderte:
„Koste doch wenigstens mal, Derek!“

Derek lächelte, ließ sich füttern und ließ Stiles sein Gericht dann ebenfalls probieren:

„Scharf!“ stellte Stiles erschrocken fest und spülte großzügig mit Wasser nach, was den Schmerz auf seiner Zunge allerdings eher noch vergrößerte:

„Ich mag´s scharf! Es macht glücklich und regt den Stoffwechsel an!“ ließ Derek ihn wissen:

„Ich weiß bessere Wege, um glücklich zu werden und den Stoffwechsel anzuregen!“ erwiderte Stiles arglos und als er den amüsierten Blick seines Gegenübers sah, beeilte er sich hinzuzufügen: „Ich meine Sport und so!“

„Verstehe!“ antwortete Derek vergnügt und die schwermütige Wendung, die ihr Gespräch gerade noch genommen hatte, war wieder vergessen.

Eine Weile genossen sie einfach bloß schweigend das großartige Essen bis Stiles fragte:
„Was machst du eigentlich in deiner Freizeit, Derek?“

Sein Gegenüber seufzte und erklärte:
„Ich habe eigentlich nicht allzu viel Freizeit. Ich arbeite viel, gehe zum Sport, lese wenn ich tatsächlich mal eine ruhige Minute habe und das war´s eigentlich schon, denn ich... uhm... ich bin in gewisser Weise ein alleinerziehender Vater, weißt du?“

Vor Staunen fielen Stiles beinahe die Augen aus dem Kopf und er platzte heraus:
„Du hast ein Kind?“

„Nicht so direkt.“ erwiderte Derek: „Meine Schwester lebt bei mir. Cora ist sechzehn. Und dann ist da noch meine siebzehnjährige Cousine Malia, die mein Onkel vor einer Weile bei mir abgesetzt hat, weil der verantwortungslose Bastard lieber eine Weltreise machen wollte, anstatt sich um sie zu kümmern. Und ich kann dir sagen, Teenager machen Arbeit! Nachts sollte ich möglichst immer zuhause sein, weil sie sonst nämlich auch selbst auf Tour gehen und sich draußen herumtreiben. Überall in der Wohnung lassen sie ihr Zeug herumliegen! Ständig darf ich ihre Dreckswäsche zusammensuchen, um sie zu waschen und die halb leer gefressenen Pizzakartons hinter ihnen wegräumen, bevor ein grüner Pelz auf den Resten wächst. Und denk´ bloß nicht, die Zwei würden mal freiwillig einen Lappen oder Staubsauger in die Hand nehmen. Nichts da!“

Stiles traute seinen Ohren kaum und in seinem Kopf entstanden höchst amüsante Bilder davon, wie Derek mit einer Haushaltsschürze das Dinner kochte, während zwei Teenagermädchen faul auf dem Sofa herumlümmelten und `World of Warcraft´ spielten.

Ihr Gespräch war von diesem Zeitpunkt an ein Selbstläufer, denn Derek berichtete ausgiebig über sein abwechslungsreiches Leben mit zwei Jugendlichen; von Elternabenden, Liebeskummer, den Streichen, die die beiden ihm spielten und Stiles hörte aufmerksam zu und stellte interessierte Fragen zum Familienleben.

Derek tat bei seinem Bericht so, als seien die Mädchen eine furchtbare Plage und als würde er ganz grässlich unter ihnen leiden, doch sein Gesicht sprach eine ganz andere Sprache. In seiner Miene lag nichts weiter als grenzenlose Zärtlichkeit und da spürte Stiles es: Er verliebte sich!

Er musste schlucken.

„Oh, entschuldige!“ unterbrach sich Derek selbst, der dies falsch deutete: „Wir haben ein Date und ich tue nichts weiter, als immer nur von mir zu erzählen. Was musst du von mir denken? Ich langweile dich ja zu Tode!“

Stiles lächelte:
„Tust du überhaupt nicht. Ich höre dir wirklich gern zu und über mich gibt es auch nichts allzu Spannendes zu berichten. Da gibt es Scott, meinen Vater, die Uni und das war´s dann auch schon. Siehst du? Langweilig! Also erzähl ruhig weiter!“

Das sah Derek scheinbar anders, denn nun horchte er Stiles über sein Kriminaistikstudium aus und dieser berichtete brav, auch wenn er sich sicher war, dass das, was er zu erzählen hatte regelrecht einschläfernd sein musste. Um es ein bisschen mit Leben zu füllen gestand er sogar, dass er bei der ersten Obduktion, bei der er zugeschaut hatte hinausrennen musste, um sich zu übergeben, auch wenn ihm das wahnsinnig peinlich war. Derek kicherte und versicherte, dass es ihm sicherlich ganz genau so gegangen wäre.

Nachdem Hauptgang überredete Stiles Derek noch zu einer Portion Erdbeertiramisu zum Nachttisch und riet ihm, es zu genießen, ohne an die Waage morgen früh zu denken, worauf dieser sich dann auch tatsächlich einließ.
Stiles verbuchte das als persönlichen Erfolg.

Als das Dessert vertilgt war, brachte die Kellnerin die Rechnung. Derek griff danach, ehe Stiles sie nehmen konnte und fragte:
„Erlaubst du?“
Stiles nickte verlegen, denn er hatte keinen Schimmer, was in ihrer Situation angemessen war. Da sein Budget als Student allerdings sehr begrenzt war, konnte er nicht behaupten, dass ihm diese Einladung nicht recht gewesen wäre.
Und es verursachte überdies ein angenehm warmes Gefühl in seinem Inneren eingeladen zu werden, als sei es ein Beweis dafür, dass er eine angenehme Gesellschaft war, oder wie auch immer?

Als sie einen Augenblick später vor dem Restaurant standen, konnten sich die beiden Männer noch nicht dafür entscheiden einfach so auseinanderzugehen, also fassten sie einen anderen Plan: Da es noch nicht zu spät dafür war, fuhren sie hinüber zu einer Werkstatt, wo Derek seinen Wagen abgab. Danach ging es mit Stiles Jeep weiter. Sie fuhren hinaus ins Naturschutzgebiet, wo sie einen ausgiebigen Spaziergang machten.

Irgendwann kamen sie an dem Aussichtspunkt an, von dem aus man über ganz Beacon Hills blicken konnte. Der Vollmond ging gerade auf und es war wahnsinnig romantisch, als setzten sich an die Erde und genossen den fantastischen Ausblick.

Irgendwann sich ihre Blicke trafen und von da an ging irgendwie alles wie von selbst; ihre Gesichter kamen sich näher, sie legten die Arme umeinander und schließlich küssten sie sich.
Dieser Kuss hatte nichts von der raubtierhaften Ungeduld, die Jackson jedes Mal an den Tag gelegt hatte.
Bei Derek hatte Stiles nicht das Gefühl, das dieser sein Ziel fest vor Augen hatte und nun hartnäckig darauf hin arbeite. Dereks Zärtlichkeiten waren spielerisch und behutsam und gerade deshalb wurde Stiles von Minute zu Minute mehr bereit, seine guten Vorsätze zum Teufel zu schicken. Zu schön war das Kribbeln und Ziehen, dass sich von seinem Bauch aus nun in seinen ganzen Körper ausbreitete.

Aber dann war es ganz plötzlich vorbei, Derek riss sich seufzend los und raunte atemlos:
„Das ist wirklich heiß, Stiles, aber lass´ uns jetzt zurückkehren, ehe ich meinen Vorsatz vergesse, es niemals gleich beim ersten Mal zu tun, weil du so wahnsinnig süß bist!“

Stiles schluckte schwer und um Peinlichkeit, Erregung und Enttäuschung zu überspielen, erklärte er schlagfertig:
„Du hast Recht, auch wenn das ein toller Weg wäre, sich das Tiramisu wieder abzutrainieren!“
Er erhob sich rasch und reichte Derek eine Hand zum aufstehen.

Sie kehrten erhitzt und schweigend zu Stiles Wagen zurück und dieser fuhr Derek bis vor seine Tür. Sie verabredeten sich gleich für Morgen noch einmal, tauschten einen letzten, unschuldigen, kleinen Gute-Nacht-Kuss und dann stieg Derek einfach aus und verschwand im Haus.


Oben im Apartment lackierte Malia gerade Coras Fußnägel. Als Derek eintrat, hoben die Mädchen den Kopf und Cora wollte wissen:
„Und, Bruderherz? Wie war es?“

Derek lächelte breit und da war kein weiteres Wort mehr nötig:
„Na, endlich!“ rief das Mädchen aus: „Ich hatte schon Angst, du wirst eines Tages zu so einem verschrobenen, alten Junggesellen mit zwanzig Katzen, der seinen eigenen Urin in Marmeladengläsern sammelt.“

„Ich gehe ins Bett!“ knurrte Derek und die Mädchen blickten ihm kichernd hinterher.


Als Stiles zuhause seine Apartmenttür hinter sich schloss, griff er als erstes nach seinem Handy und rief Scott an, um wie versprochen Bericht zu erstatten:

„Ich wusste es!“ rief sein bester Freund daraufhin triumphierend in sein Telefon: „Ich wusste, das mit euch beiden passt!“

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