Guter Junge oder böser Junge?

vor 3 Tagen
Der Schwarzhaarige setzte sich an den Küchentisch und sah abwechselnd von einem zum anderen. Seit ein paar Tagen immer und immer wieder dieselbe Diskussion. Und es endete immer auf dieselbe Weise. Er zuckte zusammen, als er die Türe knallen und Dean wütend schnauben hörte, als er Sam nachsah. Destiel, Sabriel mit einem Touch Lucifer
Supernatural Romanze P16-M+M Drama Beendet
Inhaltsverzeichnis

1

Mit einem Lächeln lehnte sich Cas gemütlich in der Couch zurück, die Hände ausgetreckt auf der Rückenlehne.
Für einen Augenblick stoppte Dean in seiner Bewegung, die zwei Flaschen Bier in der Hand und nahm dieses Bild tief in sich auf. Cas lächelte.
Wann hatte er Cas zum letzten Mal lächeln gesehen? Hatte er ihn jemals lächeln gesehen?
„Was ist? Willst du beide trinken oder gibst du mir eines ab?“
„Steht dir“, grinste der Jäger und setzte sich neben ihn, „du solltest öfter lächeln.“
„Dazu haben wir jetzt auch allen Grund.“
Glücklich schloss der Engel seine Augen und seufzte zufrieden aus.
Michael war besiegt, er hatte seinen Dean wieder und die beiden waren jetzt offiziell zusammen.
Gabriel flog zwischen Himmel und Erde hin und her und sah ab und zu nach dem Rechten und Luzifer…
Es würde bestimmt noch einige Zeit dauern, aber aus ihm wurde nach und nach sogar jemand, mit dem man sich abgeben und vernünftig unterhalten konnte.
Es war fast alles in Ordnung. Fast.

„Sam?“
Der Große blieb ertappt in der Mitte des Raumes stehen. Aus seinem Plan, still und heimlich zu verschwinden, wurde wohl nichts. Genervt stöhnte er und drehte sich zu seinem Bruder um.
„Wohin gehst du?“
„Nur kurz rüber in die Bar.“
„Ich dachte wir haben darüber gesprochen. Diese Person ist nicht der richtige Umgang für dich.“
Dean stellte lauter als nötig seine Flasche auf den Tisch und ging wütend auf seinen Bruder zu.
„Und dabei war es gerade so schön“, murmelte Cas zu sich selber und raffte sich auf um seinem Jäger zu folgen.
„Ich kann wohl für mich selber entscheiden, ich bin kein Kind mehr!“
Der Schwarzhaarige setzte sich an den Küchentisch und sah abwechselnd von einem zum anderen.
Seit ein paar Tagen immer und immer wieder dieselbe Diskussion und es endete immer auf dieselbe Weise.
Er zuckte zusammen, als er die Türe knallen und Dean ärgerlich schnauben hörte, als er Sam nachsah.
„Son of a bitch! Jetzt hat der Kerl zwar seine Gnade nicht mehr, aber immer noch Einfluss auf meinen Bruder!“
Kopfschüttelnd setzte er sich neben Cas und vergrub seinen Kopf in den Händen.
„Was soll ich nur machen?“
„Gar nichts. Er ist kein Kind mehr“, antwortete der Engel ruhig.
„Toll, bist du jetzt auf seiner Seite?“
„Natürlich nicht. Aber …“
„Ihr geflügelten Bastarde seid doch alle gleich!“

Mit halboffenem Mund sah ihm der Ältere nach, als sich Dean wieder auf die Couch setzte und einen großen Schluck trank.
Das war aber jetzt auch nicht fair. Seine Familie konnte man sich schließlich nicht aussuchen und ein Fan von Luzifer war er noch nie. Aber sie konnten Sam auch nicht einsperren.
„Dean …“
„Ach, halt deinen Mund. Ich will nichts hören“, rief er ihm genervt zu.
Als Dean einige Augenblicke später nichts mehr hörte, stand er auf um nachzusehen.
„Na toll! Cas? Cas, ich hab es nicht so gemeint, komm wieder zurück.“
Der Ältere war nicht verschwunden, sondern hatte sich nur unsichtbar gemacht.
Zum einen, weil er Spaß daran hatte, zum anderen, weil er wusste, dass es besser war, Dean aus dem Weg zu gehen, bis der sich wieder beruhigt hatte. Schmunzelnd beobachtete er seinen Freund, der mit in seinen Händen vergrabenem Kopf immer wieder nach ihm rief.
„Verdammt, es tut mir leid“, murmelte der Dunkelblonde und setzte sich auf den Stuhl, auf den bis vor kurzem Cas gesessen hatte. Nur, dass er nicht dort gesessen hatte, sondern dort saß.
„Son of a bitch!“, rief Dean erschrocken und sprang auf.
Cas brach in schallendes Gelächter aus und sah den Mann an, der ihn nur kopfschüttelnd angrinste.
„Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du das lassen sollst?!“
Mit einem verheißungsvollen Knurren drückte er Cas an die Wand.
Für den Engel wäre es ein leichtes gewesen, ihn mit nur einem Wink durch den Raum zu schleudern, aber er genoss es viel zu sehr, Dean die Kontrolle zu überlassen.
„Ich denke, wir sind quitt“, schmunzelte er, aber der Jäger schüttelte den Kopf.
„Wir sind noch lange nicht quitt.“
Mit diesen Worten schob er ihm gierig seine Zunge in den Hals.

Mit einer Kiste Bier in den Händen stieß Gabriel die Tür der kleinen Bar mit dem Fuß auf und sah seinen Bruder, der schon wieder heftig am Flirten war.
„Warum helfe ich dir eigentlich?“, stöhnte der Kleinere und verdrehte die Augen.
Mit einem Schwung setzte er die Kiste auf dem Tresen ab, sah, dass Luzifer dem Mädchen etwas in Ohr flüsterte, worauf diese kicherte und dann auf ihn zukam.
„Weil du mich liebst, Bruder“, grinste Luzifer und klopfte ihm auf die Schultern.
„Das wüsste ich aber. Du hast mich getötet, du Arsch!“
„Ach komm schon, das ist schon so lange her. Bist du noch immer nachtragend?“
„Hast du ihr schon deine Flügel gezeigt?“, murrte Gabe und nickte in Richtung des Mädchens.
„Eifersüchtig?“
„Auf dich? Den widerlichsten Kerl im ganzen Universum?“
Missmutig räumte Gabriel die Flaschen in die Getränkelade und Luzifer warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Hätte ich meine Gnade noch, ich würde dich mit einem Fingerschnipsen explodieren lassen.“
„Sein bloß froh, dass dir Daddy deine heißgeliebten Flügel gelassen hat.“
„Ich habe mich geändert“, antwortete der Größere mit lieblicher Stimme, was ein sarkastisches Schnauben seitens Gabriel zur Folge hatte.
Mit einem Augenzwinkern schob ihm das Mädchen ihre Telefonnummer zu, bekam zum Abschied noch einen Handkuss und einen verführerischen Blick und verschwand aus der Türe.
„Ja, wer es glaubt. Was ist eigentlich mit Sam? Du fickst dich hier durch die Weltgeschichte. Der Junge hat Gefühle für dich!“
„Ach Sam … ich mag ihn. Eine tolle Abwechslung.“
Luzifer setzte sich auf den Tresen und sah weiter zu, wie Gabriel seine Arbeit erledigte.
„Du spielst mit seinen Gefühlen, Lu!“
„Klingt, als ob du in ihn verliebt wärst.“
Er wackelte mit den Augenbrauen und Gabriel errötete. Kleinlaut antwortete er: „N … nein!“
Wie auf das Stichwort kam der jüngere Jäger durch die Tür, warf den beiden ein Lächeln zu und da Gabe wusste, dass er rot wie eine Tomate war, verzog er sich in die kleine Küche.

„Ob ich in Sam verliebt wäre…“, murmelte er halblaut und ging dabei auf und ab, „so ein Schwachsinn.“
Aber so ein Schwachsinn war das gar nicht.
Er hatte Gefühle für den Jäger, aber gegen seinen Bruder kam er nicht an.
Außerdem sah Sam in ihm nur einen Freund. Einen Freund, dem er sein Herz ausschüttete, wenn ihn Luzifer wieder einmal als Spielball missbrauchte, dessen Begabung es schon immer war, Menschen zu manipulieren. Mit seinem Witz, seinem Charme und seinem guten Aussehen.
Aber das hatte Gabe eigentlich auch … Nur sein Selbstwertgefühl hatte immensen Schaden genommen, als er von Asmodeus sieben Jahre lang gefangen gehalten und gefoltert wurde.
Als ihm sieben Jahre lang eingeredet wurde, dass er an allem Schuld war, dass er ein Nichts war.
Als er ihm Stück für Stück seine Gnade genommen hatte und damit auch seinen Flügeln erheblichen Schaden zugefügt hatte. Sie wurden matt, verloren ihren Glanz. Aber trotz allem fielen diese nicht aus.
„Verdammt!“
Brummend bückte er sich und hob ein paar Federn auf.
‚Warum verliere ich meine Federn?‘
Seit einigen Tagen fiel ihm das auf, aber er konnte es sich nicht erklären.
Es war ihm peinlich. Und jemanden fragen? Luzifer würde ihn auslachen, er konnte das teuflische Gesicht praktisch vor seinen Augen sehen. Cas? Cas war mit Dean zusammen, würde dieser das erfahren, er würde ihn genauso auslachen. Der Bücherwurm? Sam würde ihn bemitleiden, was genauso schlimm wäre.
Gabriel kannte eine Menge Leute. Aber ihm fiel keiner ein, mit dem er auch reden konnte.
Seufzend setzte er sich an den Tisch, kratzte sich am Rücken und weitere Federn fielen zu Boden.
„Dad?“, sagte er, wusste aber im gleichen Moment, dass das eine genauso hirnrissige Idee war, denn das letzte Mal, als er ihn gesehen hatte, hatte er Luzifer seine Gnade genommen und ist mit den Worten verschwunden, dass er wieder verschwindet.
Mühsam stand er auf und hielt sich kurz am Tisch fest, denn irgendwie fühlte er sich schwach.
Seit wann können Engel krank werden? Er versuchte es, konzentrierte sich, aber er konnte sich nicht selber davon heilen. Er beschloss, sich etwas hinzulegen, denn Ruhe hatte immer alle Probleme gelöst.

Als er bei der Türe ankam, hielt er einen Moment inne und schaute durch das große Bullauge.
Da er einen wunderbaren Blick auf den Barbereich hatte, entging ihm auch nicht, wie Sam und Luzifer sich küssten und ihre Hände an Stellen hatten, die er lieber nicht gesehen hätte.
„Keinen Anstand. Es könnte jederzeit jemand hereinkommen“, murmelte er angepisst.
Als hätte sein Bruder seine Gedanken gehört, sah er ihn im nächsten Moment zur Türe gehen und abschließen, bevor er sich wieder seinem Objekt der Begierde zuwandte.
Gabriel wusste, dass es besser für ihn gewesen wäre, kehrt zu machen und durch den Hintereingang zu verschwinden. Aber eine unsichtbare Macht zwang ihn, genau dort stehenzubleiben und zuzusehen.
Die beiden sahen ihn nicht, waren zu gefangen in ihrem Tun.
Und dann versperrte etwas großes, weißes, seine Sicht. Flügel.
Luzifer hatte seine Flügel ausgebreitet.
Der Jüngere hatte noch nie einem Menschen seine Flügel gezeigt. Früher hatte ihnen ihr Vater eingeredet, dass es etwas Heiliges war, dass nur die Personen diese sehen durften, die füreinander bestimmt waren. Er hatte noch nie das Gefühl, dass er für irgendjemanden bestimmt war.
„Angeber“, schnaubte Gabriel. Ein Teil von ihm war in diesem Moment eifersüchtig. Nicht nur darauf, dass Luzifer sich mit Sam vergnügte, sondern vielmehr auf seine Flügel.
Seufzend sah Gabriel auf seine eigenen.
„Wenn es so weitergeht, sehe ich bald aus wie ein gerupftes Huhn.“
Es musste etwas geschehen. Nur was, das wusste er noch nicht.

Gabriel verzog sich gleich nach seiner Ankunft im Bunker in die Bibliothek. Da er weder Cas, noch Dean noch sonst irgendjemanden entdecken konnte, dachte er ungestört zu sein.
„Gabriel?“
Cas riss ihn aus den Gedanken und er versteckte schuldbewusst ein Buch hinter seinem Rücken.
„Was machst du da?“, fragte er stirnrunzelnd und ging auf seinen Bruder zu.
„Ähm … lesen?“
„Du?“
Achtlos schmiss er das Buch in die Ecke zu den anderen, aber es war schon zu spät.
„Anatomie der Engel“, murmelte der Schwarzhaarige und blätterte neugierig, „stimmt etwas nicht?“
„Wo ist Dean?“
„Einkaufen.“
Seufzend ließ sich Gabe in den Stuhl sinken. Dabei lösten sich weitere Federn, die Cas sorgsam aufhob.
„Du verlierst deine Federn.“
„Huh!“, rief er gespielt erschrocken, aber Cas beobachtete das seit einiger Zeit und Gabe konnte ihm nichts vormachen.
„Bist du in der Mauser?“
„Dann würden wenigstens wieder neue nachwachsen.“
„Stress?“
„Der Job in der Bar ist nicht anstrengend.“
„Ärger?“
„Nicht mehr als sonst.“
„Liebeskummer?“
„Als wenn sich das auf meine Flügel auswirken würde. Und nein.“
„Du hast Glück, dass nur ich das sehen kann, ansonsten würde dir Dean einen Staubsauger in die Hand drücken. Der ganze Weg ist gepflastert von deinem Gefieder.“
‚Als wenn ich etwas dafür könnte‘
Cas blätterte weiter in dem Buch, nahm ein anderes zur Hand und zuckte mit den Schultern.
Er würde Gabe so gerne helfen, legte ihm auch die Hand auf, obwohl beide wussten, dass er nicht stark genug war, einen Erzengel zu heilen.
„Ich kann deine Gedanken lesen, und ich würde lieber in Kauf nehmen, alle Federn zu verlieren, als Lu zu fragen“, schnaubte Gabe wütend.
Der Schwarzhaarige erzählte ihm, dass er vielleicht eine Idee hatte.
Diese Person könnte ihn womöglich nicht heilen, aber den Prozess aufhalten.
Nachdem Gabriel erfahren hatte, dass es sich um eine Hexe handelte, hielt er dem Jüngeren erst einmal eine Predigt darüber, dass diesen Gestalten nicht über den Weg zu trauen wäre.
Nach einigem Zureden, erklärte er sich aber dazu bereit, denn er hatte keine andere Wahl.
„Kein Wort zu Dean, oder ich bringe dich um“, sagte er warnend.
Cas schüttelte den Kopf, legte seine Zeigefinger auf seine Stirn und mit einem Flügelschlag waren sie verschwunden.

„Grundgütiger! Wie wäre es mit anklopfen? Es gibt auch so etwas wie Telefone.“
Nur mit einem Handtuch bekleidet stand Rowena plötzlich zwei Engeln gegenüber.
„Wir brauchen deine Hilfe“, sagte Cas und erklärte ihr kurz worum es ging.
„Ihr geflügelten Heiligenscheine könnt doch sonst alles, warum kommt ihr zu mir?“
„Weil du uns einen Gefallen schuldest. Du bist nicht unschuldig an Charlies Tod“, murrte Cas und seine Augen blitzten kurz blau auf.
„Schon wieder diese alte Leier …“
Augenrollend setzte sie sich auf den Stuhl und sah beide abwechselnd an.
„Könntest du dich bekleiden?“
Cas war diese Situation unangenehm und er sah Gabriel an, der nur mit den Schultern zuckte.
„Mich stört es nicht“, grinste der Kleinere.
„Ich mag deinen Freund“, lachte die Rothaarige, während sie nach nebenan ging.
Mit einigen Büchern bewaffnet, saßen die drei einige Augenblicke später dann an dem kleinen, runden Tisch und grübelten.
„An was es liegt kann ich dir nicht sagen, aber ich habe etwas um es zu verlangsamen. Den Grund dafür müsst ihr selber herausfinden.“
Dann schickte sie Cas los, um die Zutaten zu besorgen.
„Du bist also ein Erzengel“, murmelte sie, musterte ihn von Kopf bis Fuß, während sie ihn umrundete.
Viel Zeit für Smalltalk hatten die beiden nicht, denn als der jüngere Engel mit den Zutaten wiederkam, hatte Rowena bereits einige Kerzen und die Utensilien bereit gelegt und es ging los.
Gabriel fühlte sich nach der Zeremonie zwar nicht verändert, hoffte aber, dass der Spruch seine Wirkung nicht verfehlt hatte.

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