Meine Zukunft

vor 11 Tagen
Der Krieg war zu Ende und Dracos Zukunft lag im Dunklen. Er wusste nicht was kommen würde. Nur in einem Punkt war er sich sicher: Sie war seine Zukunft. (Drastoria) (Beta: LupinBlack auf FF.de)
Harry Potter P12 Romanze Beendet
Inhaltsverzeichnis
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Bemerkung des Authors: Dieser OS wurde am 30.11.2016 auf FF.de von mir veröffentlicht. Beta auf FF.de: LupinBlack

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Meine Zukunft. Draco schnaubte bei dem Titel verächtlich und das bestimmt schon in den letzten Tagen zum tausendsten Mal. Wer kam auf so ein dummes Thema für einen Aufsatz? Richtig, die diesjährige Schulsprecherin, glorreiche Mitkämpferin des goldenen Trios, Kriegsheldin und Besserwisserin Nummer Eins, Hermine Granger. Wieso zum Teufel konnte sie nicht wie Potter und Wiesel im Ministerium anfangen? Wozu sollte sie noch ein Abschlusszeugnis benötigen? Jeder würde sie einstellen und das mit Handkuss. Draco kritzelte sinnlos auf seinem Pergament umher und versuchte, ruhig zu bleiben. Das Trio hatte sein Leben gerettet. Potter hatte für ihn ausgesagt, ansonsten säße er jetzt nicht hier in der Bibliothek in Hogwarts, sondern in Askaban. Er hatte den Drei viel zu verdanken, das würde er nicht vergessen. Und trotzdem war das Thema idiotisch. Wieso kam Granger überhaupt auf die glorreiche Idee eine Art Zeitkapsel in Hogwarts zu lassen und diese nach zehn Jahren bei einem der Klassentreffen wieder hervorzuholen? Wozu sollte er das Ding überhaupt schreiben? Er würde weder zu einem dieser dämlichen Klassentreffen gehen, noch hatte er eine rosige Zukunft vor sich.

Sicher, er hatte weiterhin ein Dach über den Kopf. Er hatte weiterhin Gold, das er mit vollen Händen ausgeben konnte. Aber ansonsten? Was hatte er schon? Er hatte eine hübsche Bewährungsstrafe vorzuweisen und jeder hier in England wusste nun seine Geschichte. Die Geschichte von Draco Malfoy, dem Todesser, der nie einer sein wollte. Der viel zu spät seinen Fehler erkannt hatte und dann nicht mehr zurückkonnte. Keine guten Karten. Sicher, in seinen Kreisen würde das keine große Rolle spielen. Viele von den Reinblütern waren genauso wie seine Familie dem Dunklen Lord gefolgt oder hatten die Beine ruhig gehalten während des Krieges. Vermutlich würde sein Vater schon mit irgendeiner Familie verhandeln, die eine ihrer Töchter bereitstellte, damit er irgendwann heiraten würde und Erben zeugte. Merlin, er hasste sein Leben wirklich. Keine glorreiche Zukunft in Aussicht. Im Gegenteil. Er fuhr sich durch seine Haare und starrte einen Moment von seinem Platz aus nach draußen. Dicke Schneeflocken klatschten gegen die Scheibe. Bald war Weihnachten. Bald würde er seine Eltern in Manor besuchen. Einige Wochen Ruhe haben von der Schule.

Obwohl es schlimmer hätte kommen können. Gut, er wurde von einigen Schülern geschnitten. Aber ansonsten ließen sie ihn in Ruhe und darüber war Draco froh. Er hatte im September die Schule gefürchtet, als er auf den Weg nach Hogwarts war mit dem Zug. Sein Leben war ruhig geworden. Sehr ruhig. Die meiste Zeit verbrachte er mit Blaise, der ebenfalls das siebte Jahr wiederholte. Sein Motto war das gleiche wie seins: Auf gar keinen Fall auffallen. Er seufzte tief. Zukunft. Er würde sich nicht einfach einen Beruf aussuchen können. Er sollte froh sein, dass er das Angebot hatte in Gringotts anzufangen. Banker. Er schloss kurz die Augen und legte seinen Kopf in den Nacken. Er hatte sich nie als Banker gesehen. Er dachte immer ans Ministerium. Das konnte er mit seiner Vergangenheit aber definitiv vergessen. Der einzige Vorteil war, dass Blaise nach seinem Abschluss auch in Gringotts anfangen würde. Dann musste er die Lehrzeit zumindest nicht alleine durchstehen. Keine erfolgreiche Zukunft. Vermutlich würde er an irgendeinen Schalter vergammeln und sein tristes Leben absitzen. Bis der Tod ihm den Gefallen tun würde und ihn holte.

Er blickte auf, als er Schritte hörte und ein seit Wochen bekannter Duft ihm in die Nase kroch. Ein warmer Duft. Ein blumiger und überaus verlockender Duft. Er glaubte jedes Mal so etwas wie Mandarinen und Flieder zu riechen. Ein unverkennbarer Duft, den er leicht zuordnen konnte und der ihn regelrecht in den Träumen verfolgte. Er irrte sich nicht. Sie setzte sich etwa zwei Tische weiter von ihm hin und bevor ihre blauen Augen hinter einem Buch verschwanden, schenkte sie ihm ein ehrliches Lächeln. Sie trug ihr goldblondes Haar heute offen, etwas was ihr viel besser stand. Er mochte es, wenn ihre Haare ihr über die Schulter fielen. Meistens trug sie ihr Haar in einem französischen Zopf oder band sie mit einem Haarband zurück. Aber offen mochte er sie am liebsten. Ob sie diesen dummen Aufsatz schon fertig hatte? Er könnte sie fragen. Er müsste nur aufstehen und zwei Tischreihen weitergehen. Er bewegte sich nicht. Blieb lieber sitzen und musterte sie aufmerksam, wie sie Notizen machte. Sie lernte offenbar wirklich.

Astoria Greengrass faszinierte ihn. Er wusste nicht wieso, aber es war so. Er hatte sie zuvor in Hogwarts nie beachtet. Vielleicht lag es daran, dass sie einen Jahrgang unter ihm gewesen war. Oder das sie dem falschen Haus angehörte – Ravenclaw. Vielleicht an beidem. Es war etwa in der dritten Schulwoche gewesen, als sie genau hier vor seinem Tisch stehen geblieben war und er verwirrt aufgesehen hatte, als sie sich geräuspert hatte. Es hatte ihm die Sprache verschlagen, als sie ihn freundlich angesehen hatte mit diesem hübschen Gesicht. Den hübschen blauen Augen, den sinnlich geschwungenen Lippen. „Ich brauch es, bitte“, hatte sie gesagt und er daraufhin verwirrt geblinzelt.
„Was?“ Sie hatte leise gelacht und auf das Buch neben ihn gedeutet.
„Das Buch. Ich brauche es bitte. Kann ich es haben?“ Er hatte es ihr gegeben und sie war wieder auf ihren Platz damit gegangen. Als er dann am Abend zurück in seinen Gemeinschaftsraum gekehrt war, hatte er erst begriffen, dass er gerade ein Buch weggeben hatte, dass nicht ihm oder Hogwarts gehörte, sondern Blaise. Er war ein Idiot.

Am nächsten Tag, einem Samstag, hatte er sich dann auf den Weg zum Gemeinschaftsraum der Ravenclaws gemacht. Ein Schüler hatte Astoria geholt und er hatte mehr stotternd als normalsprechend versucht zu erklärenm warum er hier war. Sie hatte wieder kurz gelacht, bevor sie ihn reingebeten hatte und er hatte gezögert, den Raum im siebten Stock zu betreten. Ein Slytherin bei den Ravenclaws? Keine gute Idee. Ganz nebenbei wusste er nicht einmal, ob es erlaubt war. Als er es doch getan hatte, war er verdutzt in dem weitläufigen runden Raum getreten. Die riesigen Bogenfenster im Gemeinschaftsraum der Raben gaben eine beeindruckende Aussicht auf die Landschaft. Den edlen Eindruck betonten eine gewölbte Zimmerdecke, von der Sterne leuchteten, und die seidene Wandverkleidung in den Ravenclawfarben. Sie hatte ihn gebeten sich zu setzen, damit sie inzwischen das Buch holen konnte. Auch das hatte er getan. Sie war wiedergekommen mit dem Buch. Aber er war nicht gegangen. Sie hatte ihm Tee angeboten und sie hatten gesprochen. Belangloses. Während einige Schüler die schon wach waren sie beide angestarrt hatten, als wären sie der Dunkle Lord persönlich.

Sie war ein guter Mensch. Ihre Familie war nicht mit den Todessern oder den rassistischen Ansichten verwickelt gewesen. Draco wusste inzwischen, dass Astoria mitgekämpft hatte bei der großen Schlacht in Hogwarts – mit sechzehn Jahren. Sie war klug, was war zu erwarten von einem kleinen Raben. Sie war hilfsbereit, das sah er täglich, wenn sie ihren Mitschülern half. Sie war stets freundlich und unglaublich bescheiden, anders als ihre Schwester Daphne, die dieses Jahr nicht nach Hogwarts gekommen war. Er zerknüllte sein Pergamentblatt und schrieb die Überschrift neu. Sein Vater würde vermutlich nicht warm werden mit Astoria. Sie war nicht das, was Lucius für seinen Sohn wollte. Nein, für die Familie. Draco legte die Feder zur Seite, als Astoria aufstand und die Bibliothekarin nach einem Buch fragte. Sie verschwand mit der schrulligen Dame in einigen Reihen und Draco griff nach seiner Tasche. Er zog eine kleine Dose hervor, die fein bemalt war. Sie sah edel und kostbar aus, doch das war sie an sich nicht. Sie beinhaltete nur Bonbons. Ihre Lieblingsbonbons.

Er fuhr mit Bedacht über die kleine Dose. Er wusste, dass sie diese Sorte bevorzugte. Sie hatte sie oft bei sich. Meistens die länglichen Gebilde, die aussahen wie Stiftdosen und somit bei Madame Pince nicht auffielen. Sie würde vermutlich Astoria die Finger abhexen wenn sie sehen würde, dass die Schülerin Süßigkeiten mit in die Bibliothek nahm. Er grinste. Dafür, dass sie gerne Süßigkeiten aß, war sie sehr zierlich und zart. Sie hatte ihm ein paar Mal schon ein Bonbon angeboten, wenn er in ihrer Nähe saß oder sie sich über den Weg liefen. Er kannte die Bonbons in den kunterbunten Perlmuttfarben. Sie stammten aus einer Confiserie aus Frankreich. Er trug sie schon seit einigen Tagen mit sich, seitdem die Eule seine Bestellung gebracht hatte. Er zögerte erneut, bevor er aufstand und die kleine Dose auf ihren Platz stellte, nur um wieder zurückzugehen und zu warten. Er saß unruhig auf seinem Stuhl, als sie mit einem weiteren Buch auf dem Arm zurückkam und sich setzte.

Ihre blauen Augen fixierten sofort die feine Dose und sie griff zögerlich danach. Vielleicht war es eine dumme Idee. Sie blickte auf und ihre Blicke trafen sich. Er war ein Idiot. Wirklich ein Idiot. Zumindest kam er sich so vor. Er stand auf und verschwand entschieden in den vielen Reihen der Bücherregale. Er fuhr sich fahrig durch die Haare und versuchte sich zu beruhigen. Was war nur mit ihm los? Er führte sich wie ein Trottel auf. Bonbons? Wer verschenkte schon Bonbons? Schmuck oder Blumen, das wären gute Ideen gewesen. Er stützte sich mit beiden Händen an einem Regal ab und murmelte wütend: „Scheiße.“
„Wieso läufst du davon?“, fragte eine vertraute Stimme, woraufhin er herumwirbelte und mit seinem Rücken an das Regal stieß. Astoria sah ihn ruhig an, während sie näher trat in ihrem Schulrock, dem Hemd und der Krawatte die deutlich zeigte, zu welchem Haus sie gehörte. „Wieso schenkst du mir etwas?“ hakte sie nach und er schluckte hart, bevor er mit den Schultern zuckte.
„Ich… wollte dir eine Freude machen.“ Und Danke sagen. Danke sagen dafür, dass sie mit ihm sprach. Sie in den Stunden oft neben ihm saß und ihn nicht mied, wie einige anderen.

Sie senkte milde lächelnd den Blick, als sie vor ihm stehen blieb. „Danke, das sind meine liebsten Süßigkeiten.“ Das wusste er. Er lehnte sich weiterhin gegen das Regal, während seine Hände hilflos herunterhangen. Sie blickte wieder auf. „Wirst du Weihnachten zu deiner Familie fahren?“ Er nickte: „Ja. Und du?“
„Vermutlich. Es wird ein wenig ruhiger werden, weil Daphne meine Verwandten in Belgien besucht.“ Er nickte wieder nur und wusste nicht, was er sagen sollte. Sein Herz schlug so verdammt schnell. Was war nur los? Er musterte sie aufmerksam, als sie den wenigen Abstand überbrückte und sich auf die Zehenspitzen stellte, bevor ihre warmen Lippen sich auf seine legten. Er schloss die Augen und erwiderte den Kuss, während ihre Hände sich gegen seine Brust lehnten. Er schlang die Arme um sie und seine Zunge forderte sanft Einlass, bevor er seine nutzlosen Hände um sie schlang und somit näher an sich zog.

Er wusste nicht, wie lange sie dort zwischen den Regalen gestanden hatte und geknutscht hatten. Nur, dass irgendwann die Bibliothekarin aufgetaucht war und sie verscheucht hatte wegen der Sperrstunde. Er hatte Astoria zum Gemeinschaftsraum der Ravenclaws begleitet und ihr versprochen, sie morgen zum Frühstück abzuholen. Er war benebelt von seltsamen Glück zurück zu seinem Haus gegangen, hatte Blaise ignoriert, der ihm verdutzt nachgesehen hatte im Gemeinschaftsraum, weil er keine Antwort bekommen hatte, wo Draco solange gesteckt hatte. Draco hatte seine Schulsachen in seinem Zimmer ausgepackt und seine Feder in Tinte getaucht, als er wieder ein neues Pergamentblatt vor sich liegen hatte. Und schrieb nur fünf Worte darauf. Fünf simple Worte. Es war egal, was noch kommen würde. Es war egal was für einen Job er haben würde oder ob die Leute ihn weiterhin ignorieren würden. Es war nicht wichtig, was andere dachten. Denn in einem Punkt war er sich sicher, was seine Zukunft betraf. Und nur das zählte, dachte er sich, als er den Zettel zusammenfaltete und in einen Umschlag steckte.

Meine Zukunft
ist
Astoria Greengrass

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