Die Eine

vor 2 Mon.
Draco Malfoy wusste schon immer was er wollte und was nicht. Grundsätzlich bekam er auch immer was er wollte. Immerhin war er Draco Malfoy. (Drastoria OS).
Harry Potter P12 Beendet
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Bemerkung des Authors: Dieser OS wurde auf FF.de bereits am 30.10.2017 von mir veröffentlicht. Beta: Kruemelchen96

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Er war einer der Ersten, die den Vorlesungssaal verließen. Wie üblich. Doch er ging nicht. Er blieb im großen Gang stehen und wartete. Sah einigen Mitstudenten zu, wie sie davon gingen, um die letzte Vorlesung des Tages endgültig hinter sich zu lassen. Manche grüßten ihn. Andere ignorierten ihn oder warfen ihm einen bösen Blick zu. Besonders die weiblichen Kommilitonen schienen ihn mit ihren Blicken töten zu wollen. Vielleicht, aber nur vielleicht, hatte er heute den Bogen überspannt. Aber die Vorlage, die Professor Adam Dee ihm geliefert hatte, war zu verlockend gewesen, um diese auch nur ansatzweise zu ignorieren. Er studierte jetzt fast seit einem halben Jahr an der Fakultät für Naturforschungen in der Akademie Shenfield. Sie lag in Essex und war die älteste magische Universität in England. Studienfach Alchemie. Etwas, was er freiwillig studieren wollte und nicht, weil es ihm jemand vorschrieb. Da seine Familie genügend Gold besaß und es nicht wichtig war, mit was Draco seinen Lebensunterhalt bestreiten musste, hatte er hier freie Wahl. Sein Erbe würde ihm sein Leben finanzieren, so wie schon anderen Erben seiner Familie vor ihm.

Ihn faszinierte diese Naturphilosophie und deshalb wollte er mehr darüber lernen. Die Geschichte dahinter, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckte und das in der ganzen Welt. Die diversen Teilbereiche, die zum Studium der Alchemie gehörten, wie die Herstellung von Zaubertränken, der Anwendung in der Zauberkunst, die Errungenschaften, sowie die aktuelle Forschung in der Alchemie. Selbst diese Vorlesung hier fand er faszinierend, auch wenn Professor Dee dem Thema nicht ansatzweise gerecht wurde, was vermutlich seinem hohen Alter geschuldet war. Er verlor viel zu oft den Faden oder schweifte vom eigentlichen Thema ab. Psychologie der Alchemie. Denn die Alchemie war eben nicht nur eine reine Naturwissenschaft, es gab auch eine philosophische Komponente. Es war kompliziert und schwer zu erklären. Was es nicht leichter verständlich machte, wenn man sich nur an die Erklärungsversuche von dem Professor hielt. Heute war es darum gegangen, wie innere psychische Prozesse Experimente beeinflussten und anhand einiger Beispiele aus der Geschichte, wurde ihnen vom Professor veranschaulicht, dass die inneren psychischen Prozesse Experimente tatsächlich missglücken lassen konnten.

Es war zu perfekt gewesen, als dass er die Gunst der Stunde nicht nutzte, um seine Lieblingskommilitonin zu ärgern. Er hatte es als simple Frage getarnt –wie immer- ob es darum so wenige weibliche Alchemisten gäbe, deren Psyche nun eben weiblicher und zarter Natur waren, emotional nicht so gestärkt und gefasst, wie es bei Zauberern der Fall wäre. Und ob man daraus nicht schließen könne, dass manche Hexen einfach ungeeignet für diese Arbeit seien.

Astoria Greengrass hatte sich eine Reihe vor ihm augenblicklich versteift. Sie hatte ihre Feder so fest umklammert, dass sie zerbrochen war und ihre blauen Augen hatten wütend gefunkelt, als sie sich zu ihm gewandt hatte, während der Professor versucht hatte, der Frage von Draco auszuweichen. Sie dagegen hatte ihn in Gedanken vermutlich verflucht, sich wieder nach vorne gewandt, ihr kastanienbraunes Haar nach hinten geworfen und Professor Dee daran erinnert, dass es zahlreiche Alchemistinnen gab, deren Erfolge genauso bedeutend und zielweisend waren, wie von ihren männlichen Kollegen. Das hatte Draco auch gar nicht bestritten, war aber nochmal auf die Psyche eingegangen und nach einem kurzen hin und her, war Miss Greengrass der Kragen geplatzt und sie hatte Draco beschimpft. Der Professor war darüber nicht sehr erfreut gewesen, hatte sie scharf unterbrochen und sie darum gebeten, nach der Vorlesung zu ihm zu kommen.

„Was tust du da?“, fragte eine vertraute Stimme und Draco wandte sich um, nur um in das bekannte Gesicht von Blaise Zabini zu blicken.

Blaise war einer seiner engsten Freunde und ebenfalls Student auf dieser Universität. Allerdings hatte es ihn auf den Weg der Rechtswissenschaften verschlagen.

„Ich dachte wir treffen uns im Hof und gehen dann gemeinsam in die Bibliothek“, erinnerte ihn Blaise und Draco zuckte lässig mit den Schultern.

„Ich warte noch auf jemanden.“

Blaise zog seine Braue nach oben, bevor ihm offenbar etwas klar wurde. „Nicht schon wieder“, stöhnte der Dunkelhaarige. „Sag mir nicht, dass du dich schon wieder mit Astoria Greengrass in die Haare bekommen hast.“

Draco blieb weiterhin gelassen. „Ich habe mich nicht mit ihr in die Haare bekommen. Ich habe bloß mit ihr diskutiert.“

Blaise rollte vielsagend mit den Augen. „Um was ging es dieses Mal?“

„Das Gefühlsleben des weiblichen Geschlechts“, antwortete Draco knapp und Blaise stöhnte genervt auf.

Er kannte dieses Theater. Immerhin lief es beinahe seit Studienbeginn so. Jeder wusste inzwischen, dass Draco Malfoy und Astoria Greengrass sich ständig in der Wolle hatten. Es ging bereits das Gerücht um, dass Astoria sein Ableben plante. Bei dem Gedanken musste er immer schmunzeln. Er traute ihr wirklich viel zu, aber ermorden würde sie niemanden. Dafür war sie einfach zu gut. Viel zu tadellos.


„Kannst du sie nicht einfach in Ruhe lassen? Ernsthaft jetzt. Warum provozierst du sie ständig?“, fragte sein Freund besorgt nach. „Irgendwann wird sie dich wirklich noch verfluchen.“

Draco wollte gerade erwidern, dass sie das nicht tun würde, als eine wütende Stimme ertönte.

„Du blödes Oberarschloch!“

Sie kam auf sie beide zu. Ihre Umhängetasche über der Schulter und in der Hand einen auffälligen gelben Zettel.

„Interessante Vorlesung, oder Greengrass?“, fragte Draco und sie blieb vor ihm stehen und funkelte zu ihm auf.

Sie war gut einen Kopf kleiner als er. „Fick dich, Malfoy!“

Er unterdrückte ein breites Grinsen. „Ich verstehe deinen Unmut nicht. Ich habe lediglich eine Frage gestellt.“

Das sah sie eindeutig nicht so. „Deine sexistischen Bemerkungen kannst du sonst wo äußern, aber nicht hier in den Vorlesungen. Als wüsstest du nicht genau, dass es ebenso viele Hexen in der Alchemie gab, die große Erfolge erreicht haben.“


Er zuckte erneut die Schultern. „Sicher gab es die. Aber sind wir doch ehrlich, ihr Frauen seid einfach emotionaler und sensibler als wir Männer. Was man an deinem Wutausbruch gerade übrigens wieder sehr schön sehen kann.“

Sie presste kurz ihre Lippen zusammen und ihre Wangen schienen vor Wut zu glühen. Zusammen mit ihren hübschen geschwungenen roten Lippen, ergab es einfach ein absolut perfektes Bild. Sie tippte ihm fest gegen die Brust. „Das ist vielleicht in deinem verdrehten Weltanschauungsbild so. Die kleine Frau, die Zuhause sitzt, weil sie in der realen Welt ansonsten zerbrechen würde. Scheiß verkorkste Reinblutansichten!“

Blaise schien die ganze Sache unangenehm zu sein. Er tippelte unruhig hin und her. Nicht wissend, ob er eingreifen oder gehen sollte.

„Du bist doch selbst Reinblüterin, oder?“, fragte Draco, obwohl er es genau wusste. Er wusste fast alles von ihr. „Deine Schwester und ich waren Freunde in Hogwarts.“


„Denkst du, damit beeindruckst du mich?“, fragte sie gegen und ihre Augen wurden dunkel. „Du glaubst, nur weil du gutaussehend und reich bist, kannst du dir alles erlauben? Deine arrogante und selbstverliebte Art ist einfach nur zum Kotzen. Und deine Ansichten über Frauen gehören ins Mittelalter, du Trottel.“

„Ich bin also gutaussehend?“, wiederholte er und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Sie ballte die Fäuste. „Hörst du mir eigentlich zu?!“

Natürlich tat er das. Seine grauen Augen wanderten zu dem Zettel in ihrer Hand. „Du musst zur Dekanin?“

Sie schien irritiert und blickte nun selbst auf den gelben Zettel. „Ja, wegen dir.“

Er schnaubte. „Ich würde sagen, weil du den Gebrauch von Schimpfwörtern nicht im Griff hast.“

„Bastard“, zischte sie und stieß ihn zur Seite, um zu gehen.

„Das Gespräch bringt jetzt deinen Zeitplan durcheinander, oder? Musst du nicht noch alles für die morgige Studentenratsbesprechung vorbereiten?“, rief er ihr wissend nach, weil er selbst Mitglied im Studentenrat war und sie rief laut zurück: „Ja, Arschloch! Ich weiß.“


Er sah ihr nach und atmete zufrieden tief ein und aus, als sie um die Ecke gegangen war. „Sie hat Temperament.“

„Sie wird dir deinen verdammten Kopf abreißen. Oder das Ding zwischen deinen Beinen“, erwiderte Blaise und Draco lachte leise, was den Dunkelhaarigen nur den Kopf schütteln ließ. „Was ist eigentlich dein Problem? Warum ärgerst du sie ständig?“

„Ich mag sie“, meinte Draco knapp und Blaise Gesichtsausdruck nahm einen irritierten Ausdruck an.

„Was?“

„Ich denke, ich werde sie später besuchen und ihr bei den Vorbereitungen für morgen helfen.“

Blaise lachte unsicher auf, während sie sich in Bewegung setzten. „Kannst du das bitte nochmal wiederholen?“

„Denkst du ihr gefallen Dahlien?“

Blaise raufte sich die Haare. „Verlierst du jetzt den Verstand? Du ärgerst sie seit Monaten und jetzt willst du sie besuchen? Ihr helfen und ihr noch Blumen mitbringen? Die bringt dich um. Die schlägt dir die Blumen um die Ohren.“


„Wird sie nicht“, meinte Draco locker und blieb stehen als Blaise ärgerlich seinen Namen aussprach.

„Sei ehrlich, drehst du jetzt durch?“

Draco lächelte schief. „Ich denke nicht. Ich fühle mich gut.“

„Und was ist das mit Astoria Greengrass?“

Draco trat näher. „Sie ist die Eine.“

Blaise runzelte die Stirn. „Wie bitte?“

Draco legte seine Hände auf Blaise Schultern. „Ich weiß, das hört sich für dich absolut verrückt an. Ist es aber nicht. Astoria Greengrass ist die Eine für mich.“

Blaise lachte hohl auf. „Du nimmst mich doch auf den Arm.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war mir noch nie so sicher. Ich werde sie heiraten.“

Blaise lachte wieder. Dieses Mal leicht hysterisch. „Du bist verrückt. Total verrückt.“

Wenn er das glaubte, schön, aber Draco wusste es besser.

„Astoria hält dich für den größten, verwöhntesten, arrogantesten, selbstverliebtesten und sexistischsten Bastard auf dem ganzen Campus“, erinnerte ihn Blaise. „Und selbst wenn du andere Karten bei ihr hättest, würde dich ihr Vater zum Teufel jagen. Er war damals in der Gegenbewegung des Dunklen Lords, falls du das vergessen hast.“

Draco hatte es nicht vergessen. Auch, dass Hyperion Greengrass deshalb für fast ein halbes Jahr nach Askaban musste und dort bis nach der letzten Schlacht Gefangener gewesen war.

„Und mal nebenbei: Dein Vater würde sie nie akzeptieren.“

„Er muss sie ja nicht heiraten, sondern ich und Mutter wird sie lieben“, konterte Draco gelassen und musterte Blaise aufmerksam. „Also Dahlien, oder doch Rosen?“

Blaise schien zu zögern. Er seufzte und schüttelte schwach den Kopf, bevor er hilflos die Arme hob. „Rosen sind als Entschuldigung übertrieben.“

„Also Dahlien“, stellte Draco fest.

„Du bist absolut gestört“, murrte Blaise und Draco schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.

„Sieh es so: Ihr ist mein Name, mein Vermögen und meine Stellung absolut scheiß egal.“

„Gestört, Malfoy“, presste der Dunkelhaarige hervor. „Das klappt nie. Die bringt dich eher um.“

Würde sie nicht. Das würde wunderbar funktionieren, wenn sie ihn erst einmal richtig kennenlernte. Draco blickte zuversichtlich in dieses Unterfangen. Er ging wohl überlegt vor und das schon seit dem Tag, an dem er sich in den Kopf gesetzt hatte, dass Astoria wunderbar zu ihm passen würde. Eben weil sie nicht dem Klischee entsprach, das man von seiner zukünftigen Frau erwartete. Er war ihr schon bei der ersten Begegnung völlig verfallen. Und hörte es sich nicht wunderbar an? Draco und Astoria Malfoy. Es galt jetzt nur noch, seine Auserwählte davon zu überzeugen. Ein Kinderspiel.

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