you never really can fix a heart

vor 2 Tagen
Für Vanessa änderte sich alles. Nachdem sie bei einem Autounfall ihr Eltern verloren hat, zieht Vanessa mit ihrer Schwester nach New York City. Dort versucht sie die tragischen Ereignisse zu verarbeiten, um ihr unbeschwertes Leben zurück zu gewinnen. Doch die Höhen und Tiefen des Lebens holen sie immer wieder ein.

the mirror can lie, doesn't show you what's inside

Es war der 19. Juni als sich die Welt für Vanessa Hudgens aufhörte zu drehen. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester Stella waren sie auf dem Weg in ihr Lieblingsrestaurant The Old Fashioned im Old Market Place in Madison. Das kleine urige Restaurant besuchten sie schon seitdem Vanessa und Stella noch Kinder waren und alle freuten sich auf das all monatliche Familienessen. Seitdem Vanessa und Stella beide von Zuhause ausgezogen waren, traf sich die kleine Familie jeden Monat dort zum Essen. Die beiden Schwestern waren beide sehr durch ihre Vollzeit-Jobs eingenommen, so dass sie sonst kaum die Zeit fanden gemeinsam mit ihren Eltern Zeit zu verbringen. Wie üblich, trafen sich die vier vor dem Haus ihrer Eltern und fuhren dann mit dem Auto ihres Vaters zum Restaurant. Die Weg-Dauer vom kleinen Vorort Oregon in die Innenstadt von Madison betrug etwa 25 Minuten.
Vanessa und Stella saßen beide auf der Rücksitzbank. Stella trug eine schwarze enganliegende Jeans und ein einfaches schwarzes T-Shirt, welches sie jünger aussehen lies als sie eigentlich war. Die 21-jährige Philippinen erzählte grade von ihrem neuen Arbeitskollegen Eric als Vanessa ihre Mutter laut aufschreien hörte. Sie sah wie ihr Vater Greg das Lenkrad herumriss und die Bremse betätigte. Im nächsten Moment überschlug sich das Auto mehrmals und kam auf einer Weide zum stehen. Vanessa blinzelte vorsichtig und sah ihre blutüberströmte Schwester neben sich liegen. Panik breitete sich in Vanessa aus und sie tastete verzweifelt mit der Hand nach ihrem Sicherheitsgurt. Umständlich schnallte sie sich ab und rutschte zu ihrer Schwester herüber.
„Stella!“ rief sie verzweifelt und rüttelte an ihrem Körper. „Verdammt, Stella, wach auf!“. Doch Stella regte sich nicht.

Tränen flossen ihr Gesicht herunter und sie schaute panisch nach vorne zu ihren Eltern. Ihr Vater lag reglos mit dem Kopf im Airbag-Kissen. Es schien so als würde er friedlich schlafen. Vanessas Blick huschte zu ihrer Mutter Gina Hudgens, die auf dem Beifahrersitz saß. Ihr Gesicht war voller Blut und ihr Kopf lag an der zerbrochenen Fensterscheibe. Durch die Windschutzscheibe sah Vanessa die leuchtend rot-orangenen Flammen aus der Motorhaube hervorlodern. Der Rauch verdichtete sich, Panik überkam Vanessa und sie schnallte ihre Schwester Stella ab. Ihre linke Hand griff zitternd zum Türöffner und zog diesen zu sich heran. Mit etwas Druck versuchte Vanessa die Tür zu öffnen, doch sie bewegte sich keinen Centimeter. Mit aller Kraft drückte Vanessa mit der Schulter gegen die Tür, doch noch immer lies sich diese nicht öffnen. Vanessa krabbelte über ihre reglose Schwester und versuchte die Tür neben ihr zu öffnen. Sie stieß mit der Schulter gegen diese, die Tür öffnete sich und Vanessa fiel unsanft auf das nasse Gras. Schwer atmend rappelte sie sich auf und stand mit zitternden Beinen vor der Autotür. Von weiten hörte sie bereits die Sirenen heulen und sah das flackernde blaue Licht, welches auf sie zufuhr. Mit letzter Kraft zerrte sie ihre kleine Schwester aus dem Auto und zog sie über das nasse Gras. Einige Meter vom Auto entfernt, fiel Vanessa kraftlos zu Boden und fiel in einen tiefen Schlaf.
An diesem lauwarmen Sommerabend zerbrach Vanessas heile Welt in tausend kleine Einzelteile. Vanessa musste einige Tage im Krankenhaus verweilen, sie hatte großes Glück und nur leichte Verletzungen davongetragen. Es schien wie ein Wunder, dass sie nur einen gebrochenen Arm, mehrere Quetschungen, einige Schnittwunden und ein Schleudertrauma erlitten hatte, währenddessen ihre kleine Schwester mit viel mehr zu kämpfen hatte. Durch ihr Schädel-Hirn-Trauma und die daraus folgende lange Bewusstlosigkeit war ihre rechte Körperhälfte zeitweise vollständig gelähmt. Die ersten Wochen nach dem Unfall, verbrachte Stella in einer Spezial Klinik und musste ihre Muskulatur mit Hilfe von vielen verschiedenen Ärztin von Grund auf wiederaufbauen. Ihre Eltern Gina und Greg Hudgens sind während des Unfalls sofort verstorben.
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Ein kalter regnerischer Tag in New York neigte sich dem Ende zu. Die 25-jährige Vanessa Hudgens, saß im roten Mickey-Mouse Plüsch-Pyjama vor den letzten zwei Umzugskartons und räumte sie aus. Der Umzug nach New York war somit offiziell beendet. Nach dem traumatischen Erlebnis im Sommer, entschieden sich die beiden Hudgens-Schwestern dazu ihren Kindheitstraum wahr werden zu lassen. Sie zogen gemeinsam in ein kleines gemütliches Apartment in Brooklyn. Vanessa war zuhause in Madison, nicht mehr in der Lage gewesen vor die Tür zu gehen. Jede kleine Erinnerung an ihre Eltern oder an den Unfall, versetzte sie in Panik.
Zwar hatten sowohl Stella als auch Vanessa professionelle Hilfe durch eine Psycho-Therapie bekommen, doch diese schlug bei Vanessa einfach nicht an. Fast jede Nacht wurde sie von Albträumen aus ihrem Schlaf gerissen. Immer und immer wieder durchlebte sie die Situation wie sie ihre kleine Schwester aus dem Auto rettete und ihre hilflosen Eltern einfach dort sitzen ließ. Vanessa hatte unendliche Schuldgefühle und konnte sich selbst nicht verzeihen, dass sie auf der Wiese neben ihrer Schwester zusammengebrochen ist. Jeder sagte ihr zwar, dass sie nichts mehr hätte für ihre Eltern tun können, doch Vanessa konnte dies einfach nicht glauben.
Vanessa hatte den Anschein, dass sie viel schwächer als ihre kleine Schwester ist, obwohl es doch hätte umgekehrt sein müssen. Müsste nicht Vanessa als große Schwester auf Stella aufpassen und sie in dieser schwierigen Zeit trösten? Dem war nicht so, oft hielt Stella ihre große Schwester weinend im Arm und blieb bei ihr bis sie schließlich vor Ermüdung einschlief. Vanessa fühlte sich schwach und elend. Sie hatte es nicht verdient ihr Leben weiterleben zu dürfen, während ihre geliebten Eltern viel zu früh verstorben sind.


Ihre kleine Schwester Stella schlug ihr also vor, ein neues Leben in einer neuen Stadt zu beginnen und dann ging alles ganz schnell. Stella organisierte durch ihre Kontakte ein kleines Apartment für die beiden. Durch das Erbe ihrer Eltern und den Erlös vom Verkauf des Hauses hatten die beiden genügend Rücklagen um die erste Zeit in New York zu überbrücken. Stella schaute bereits von Madison aus nach geeigneten Jobs und führte einige Bewerbungsgespräche über Skype. Erst Anfang des Jahres absolvierte Stella erfolgreich das Studium zur Innenarchitektin und so fiel es ihr nicht schwer einen geeigneten Job zu finden. Durch Zufall erfuhr Stella, dass in ihrem Büro noch eine Bürokauffrau gesucht wird und empfahl dem Chef direkt ihre Schwester. Vanessa nahm den Job dankend an, denn sie wusste, alleine hätte sie es mit der Jobsuche nicht auf die Reihe bekommen. Morgen sollte der erste Arbeitstag der beiden Schwestern sein und bis dahin wollten sie das Apartment wohntauglich gestalten. Vanessa war froh darüber, dass Stella das meiste in die Hand nahm, immerhin war es ihr Job Räume zu gestalten.
Der letzte Karton bereitete Vanessa große Bauchschmerzen, denn sie wusste, dass sich in diesem, alte Fotos und Videos von ihren Eltern befanden. Noch bevor sie den Kartons ganz geöffnet hatte, sammelten sich Tränen in ihren Augen. Mit zittrigen Händen umfasste sie den Pappdeckel und schluckte ihren Kloß im Hals herunter. Stella stand mit ihren grauen Jogginghose und einem alten Sweatshirt im Türrahmen. Ihre welligen Schulterlangen Haare trug sie offen.
„Du musst ihn nicht ausräumen, wir können ihn auch erstmal so stehen lassen“ sagte Stella leise und blickte wehleidig zu ihrer älteren Schwester.
Vanessa schaute seufzend nach oben und nickte. Sie fuhr sich mit beiden Händen durch’s Gesicht und wischte dabei ihre Tränen weg. Stella kam einen Schritt näher und griff nach dem Karton. Sie ging mit diesem in ihre Zimmer und verstaute ihn dort in einer Ecke.
Vanessa rutschte auf dem Boden zurück und lies sich mit dem Rücken gegen ihr großes King Size Bett fallen. Mit angewinkelten Beinen starrte sie auf den Boden. Würden diese Heulkrämpfe jemals verschwinden? Würde sie jemals wieder Glücklich werden? Vanessa fand keine Antwort darauf und blickte zu Stella, die sich neben ihr niederlies.
Stella legte einen Arm um Vanessa, zog sie an sich und gab ihr einen leichten Kuss auf die Haare. „Ab jetzt wird’s wieder Berg auf gehen, ok? Mom und Dad hätten nicht gewollt, dass wir in Kummer versinken und vergessen unser Leben zu leben. Wir sind endlich in New York, da wo wir schon vor Jahren unbedingt hinwollten. Jetzt können wir uns ein komplett neues Leben aufbauen.“ Erklärte sie ruhig und strich Vanessa behutsam über den Kopf.
Vanessa nickte und schluchzte kurz auf. „Was würde ich nur ohne dich machen“ flüsterte Vanessa und saß noch eine ganze Weile mit Stella auf dem kalten weißen Holzboden.
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Der Wecker klingelte, es war kurz vor Sieben und Vanessa blickte verschlafen auf ihr Handy. Sie gähnte herzhaft und setzte sich auf. Die Nacht war wie zu erwarten, sehr kurz. Die Albträume plagten Vanessa und sie hatte Schwierigkeiten wieder in den Schlaf zu finden. Sie ging leise in das angrenzende Badezimmer und begutachtete sich im Spiegel. Die Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Dunkle Ringe legten sich um Vanessas dunkelbraune Augen und ihre Haut erschien viel zu blass. Sie entledigte sich ihrem Pyjama und trat unter die Dusche.
Mit einer schwarzen enganliegenden Röhrenjeans, einer weißen Bluse und einem schwarzen Blazer betrat Vanessa die Küche. Sie hatte ein leichtes Tagesmakeup aufgelegt und ihre langen lockigen Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengebunden. Stella saß bereits mit einem ähnlichen Outfit an der Küchentheke und aß Yoghurt mit Früchten.
Gemeinsam gingen die jungen Frauen in ihren High Heels zur Arbeit. Es war bereits viel los auf den Straßen und viele Männer und Frauen in Anzügen und Kostümen kamen Ihnen entgegen. Vanessa war fasziniert von der Hektik und dem wilden Trubel. Sie schaute sich interessiert um und hatte Schwierigkeiten Stella zu folgen. Für einen Moment vergaß Vanessa ihre Sorgen.
Es war Mitte November und der Wind pfiff durch die Seitenstraße. Das Büro war etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt und die beiden hatten vor jeden Tag zur Arbeit zu laufen, da die U-Bahn noch voller sein würde als der Gehweg. Zudem bewegten sich beide nicht gerne und konnten so auf das Fitnessstudio verzichten. Am Büro angekommen, stellten sich beide bei der blonden dürren Frau vor die am Empfang saß und wurden von ihr herumgeführt. Die Empfangsdame führte erst Stella und dann Vanessa zu ihrem Arbeitsplatz und erklärte ihnen alles Wichtige. Vanessa teilte sich ein Büro mit einer anderen Kollegin. Sie hieß Ashley Tisdale und war selbst erst vor kurzen hier angefangen, erzählte sie. Vanessa mochte sie auf anhieb und so legte sich schnell die Aufregung. In ihrem kleinen Büro standen sich zwei gleichgroße Schreibtische gegenüber, auf diesen waren zwei große Computerbildschirme installiert und einige Schreibutensilien wie Stifte und Blöcke. Das Büro leuchtete in einem zarten Gelb, es hingen motivierende Sprüche in Bilderahmen an der Wand und die Pflanzen ließen dieses Büro freundlicher wirken. Vanessa fühlte sich hier auf Anhieb wohl.
„Also, wir haben einen Abteilungsleiter. Mr. Efron. Er sitzt direkt hier hinter der Tür. Ist eigentlich ganz praktisch, weil ich jede Stunde gefühlt 20x zu ihm rennen muss um irgendetwas abzuklären. Wiederum kann er uns einfach die ganze Zeit kontrollieren, was ein wenig nervig ist“ erklärte ihr Ashley fröhlich. „Er wirkt auch etwas streng, aber ich bin mir sicher, wenn der Privat unterwegs ist, ist der bestimmt ganz lustig drauf“ fügte Ashley hinzu und stellte sich neben Vanessa.
„Ich zeige dir jetzt erstmal das wichtigste..“. Ashley erklärte Vanessa ihre Aufgaben und setzte sich dann wieder an ihren Schreibtisch. Vanessa brauchte einige Zeit um sich mit ihren Aufgaben zurecht zu finden, doch sie war dankbar, dass Ashley ihr direkt gegenübersaß und als Ansprechpartner vorhanden war. Etwa eine Stunde später, öffnete sich die besagte Tür und ein junger leicht gebräunter junger Mann im enganliegenden weißen Hemd und Anzughose trat herein.
„Guten Morgen. Ich bin Mr. Efron“ sagte er knapp und würdigte Vanessa keines Blickes. Er pfefferte einige Unterlagen auf Ashley’s Schreibtisch. „Da sind überall falsche Daten eingetragen. Ich brauche sofort eine überarbeitete Fassung!“ murrte er und stützte sich mit den Armen an der Tischkante ab.
Vanessa blickte unsicher zu ihm auf und starrte in zwei Ozeanblaue Augen. Sie hielt den Atem an. Hatte sie je so schöne intensive Augen gesehen? Sie löste ihren Blick und begutachtete ihren Abteilungsleiter. Seine Muskeln zeichneten sich durch den dünnen Stoff seines Hemds ab und man konnte erahnen, wie viel Sport er außerhalb der Arbeit treiben musste um so auszusehen. Er hatte kurzes Karamellfarbendes-Haar welches er leicht nach oben gestyled hatte. Vanessa räusperte sich kurz und sagte schüchtern „Hallo, ich bin Ms. Hudgens“. Ihr Abteilungsleiter schaute sie nun direkt an und ein kleines lächeln umspielte seinen perfekt geschwungenen Mund. „Freut mich sehr, sie im Team begrüßen zu dürfen, wenn sie Fragen haben, wenden sie sich an Ms. Tisdale.“: Mit einem schwungvollen Ruck, stieß er sich von der Tischkante ab und verschwand in seinem Büro.
Vanessas Herz pochte vor Aufregung, sie wischte ihre schweißnassen Handflächen an ihrer Hose ab und atmete hörbar aus. Die blonde Locken-Mähne ihrer Arbeitskollegin erschien neben ihrem Bildschirm. Ashley grinste und flüsterte. „Hatte ich vergessen zu erwähnen, wie heiß er ist“ grinste sie und zuckte mit den Schultern. Vanessa nickte „Jaja, sieht ganz nett aus“ und erhielt einen misstrauischen Blick ihrer Arbeitskollegin.
Was zum Teufel war das eben? Selten hatte ihr Körper solche Faxen wegen eines Mannes gemacht, denn sie nicht mal kannte. Zudem war dieser Mann auch noch ihr neuer Abteilungsleiter. Vanessa schüttelte den Kopf und verdrängte die Gedanken an ihn. Sie war ohnehin schon viel zu unkonzentriert, da konnte sie nicht auch noch mit den Gedanken ganz wo anders sein. Der Tag verlief entspannt und Vanessa lernte bereits in der Mittagspause einige Kollegen kennen. Die Ablenkung tat ihr gut und sie hatte keine Zeit sich mit ihrem verkorksten Privatleben auseinanderzusetzen. Am Nachmittag traf sie ihre Schwester in der Eingangshalle und ging mit ihr gemeinsam nach Hause. Auf dem Weg dorthin, erzählte sie sich beide alles über ihren heutigen Tag. Auch bei Stella lief alles gut und sie mochte ihren neuen Job bereits sehr gerne. Bevor sie Zuhause ankamen, hielten sie an einem kleinen Imbiss und ließen sich für Zuhause Essen einpacken.
Als Stella das Essen auf dem Wohnzimmer Tisch auspackte, klingelte Vanessas Handy. Sie kramte es aus ihrer Handtasche und warf einen schnellen Blick auf den Namen des Anrufers. Es war ihr Ex-Freund, Austin. Genervt nahm Sie den Anruf entgegen und lies sich auf die weich gepolsterte cremefarbene Couch fallen. „Was willst du?!“ sagte Vanessa genervt.
Am anderen Ende des Hörers erklang eine bekannte männliche Stimme. „Hey Honey, bitte lass uns reden“
„Wir brauchen nicht mehr reden“ entgegnete sie ihm und verdrehte die Augen. Stella warf ihr einen fragenden Blick zu und setzte sich zu ihrer Schwester auf’s Sofa. Vanessa formte mit ihren Lippen den Namen „Austin“ und Stella nickte resigniert.
„Es war ein Fehler von mir, ich weiß. Aber im Endeffekt kann ich doch ga nichts dafür“ sagte er und Vanessa lachte auf. „Du kannst nichts dafür? Du hast einfach mit einer anderen gevögelt!“. Vanessa’s Stimme wurde lauter und sie spürte die Wut in sich aufkommen.
„Aber Honey, wir..also du hast mich doch eh nicht mehr rangelassen. Da musste ich doch quasi zu einer anderen gehen“ erklärte Austin noch immer ruhig. Wutentbrannt stand Vanessa auf und fuchtelte wild mit ihren Händen herum.
„Du MUSSTEST?! Ich habe um meine verstorbenen Eltern getrauert und du hattest nichts besseres zutun als dich mit so einem scheiß Flittchen zu Vergnügen!“ brüllte sie ihn an. „Ich hasse dich! Lösch meine Nummer und melde dich gefälligst nie wieder bei mir!“ Vanessa legte auf und schmiss ihr Handy achtlos auf’s Sofa.
„Wohow, komm runter Nessa, Er ist es nicht wert“ sagte Stella und klopfte auf den leeren Platz neben sich. Vanessa setzte sich und starrte auf ihr Handy. „Wie kann er es wagen, mich ernsthaft noch anzurufen und dann auch noch mir die Schuld dafür zu geben“ Kurz überlegte Vanessa. Hatte er recht? Im Endeffekt war es so, dass ihre Beziehung unter dem Vorfall ziemlich gelitten hatte. Vanessa’s Körper war übersäht von kleinen Narben. Die kleinen feinen Glassplitter der Fensterscheiben bohrten sich während des Unfalls durch ihre Kleidung. Vor allem ihr Dekolletee hat ordentlich etwas abbekommen. Seitdem vermied Vanessa es, sich selbst anzuschauen oder gar jemand anderen einen Blick darauf zu gewähren. Jedes Mal, wenn sie die Narben sah, musste sie automatisch an die Nacht denken, in der ihr Leben sich komplett änderte. Als sie eines Tages von ihrer Therapiestunde nach Hause kam, hat sie Austin dabei erwischt, wie er auf ihrem gemeinsamen Küchentisch eine kleine dunkelhaarige Frau vögelte. Vanessa beendete die Beziehung sofort und zog vorerst bei Stella ein. Merkwürdiger Weise, tat ihr dieser Verrat nicht annährend so doll weh, wie sie erwartet hatte. Würde sie überhaupt jemals schlimmeres Fühlen können als damals in der Nacht vom Autounfall?
Vanessa fühlte sich ausgelaugt und hatte keinen Appetit mehr. Sie entschuldigte sich bei Stella und ging in ihr Schlafzimmer. Sie schloss die Zimmertür und zog ihre Kleidung aus. Nur in Unterwäsche bekleidetet stellte sie sich vor den Spiegel. Mutig, dachte sie und schaute vorsichtig ihren kleinen zierlichen Körper an. Als sie die ersten roten Narben entdeckte, sammelten sich Tränen in ihren Augen, doch Vanessa versuchte stark zu bleiben. Sie trat noch einen Schritt näher an den Spiegel und schaute sich die einzelnen Narben an. Vorsichtig strich sie mit dem Zeigefinger über die dunkelroten Stellen. Nicht nur die Erinnerung an den Unfall kamen hoch, Vanessa fand sich selbst einfach scheußlich. Sie war sich sicher, kein Mann auf dieser Welt würde so etwas attraktiv finden. Warum also, spielte ihr Körper ihr solche Streiche wie noch heute Morgen. Sie wusste, sie durfte ihren gutaussehenden Abteilungsleiter nicht weiter in ihr Gehirn lassen. Immerhin war er ihr Chef und zudem noch, war sie eine unattraktive Frau. Vanessa verbot sich selbst auch nur einen weiteren Gedanken an ihn. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, so lies sie sich weinend auf ihr Bett fallen und vergrub ihr Gesicht im Kopfkissen. Warum konnte ihr Leben nicht weiterhin so unbeschwert sein, wie bis zum 19.Juni. Vanessa schloss ihre schweren Lider und schlief vor lauter Erschöpfung ein.

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