Herzkristall

vor 5 Tagen
Karak ist Erfinder, doch weiß er wirklich was er tut, als er seinem Kristalina ein Herz mit Gefühlen gibt? Seit Ivie auf der Welt ist, haben ihre Eltern gespart, um ihr einen dieser Kristalinas kaufen zu können und ihr damit den Schulbesuch zu ermöglichen. Doch es reicht trotzdem nur für eine einfach Schmetterlingsbrosche. Kann Ivie mit d..
Fantasy - modern Sci-Fi P6 Fantasy In Arbeit

1. Kapitel ~Kristalinas~

Durch das Vergrößerungsglas, kann ich den Kristall hundert Mal größer sehen. Ich habe ihn in einen Schraubstock eingespannt, damit er nicht verrutschen kann. Noch ein letzter Schliff, dann ist es vollbracht.
Ich konzentriere mich so stark, dass mein Blick sich trübt. Auf meiner Stirn bilden sich Schweißperlen. Jetzt darf ich keinen Fehler machen, sonst ist die Arbeit der letzten drei Wochen umsonst gewesen. Ich blinzle den trüben Schleier weg, mit der Zunge fahre ich mir angespannt über die Lippen.
Nur noch ein kleines Stück, dann ist die Rille in der Oberfläche perfekt.
Meine rechte Hand zittert, doch es muss mir gelingen eine gerade Linie zu ziehen. Ich wage nicht zu atmen. Nur noch ein kleines Stück. Geschafft! Ich lege den Dremel aus der Hand und nehme eine Pinzette. Mit ihr greife ich den dünnen Streifen, den ich zuvor aus einem anderen Kristall geschnitten habe und lege ihn in die Ausfräsung, vorsichtig drücke ich ihn an. Er passt haargenau. Endlich!
Die Anspannung fällt von mir ab, ich lege alles bei Seiten und spanne ich das Werkstück aus. Stolz betrachte ich es.
Der Kristall ist faustgroß und hat die Form eines Herzens, mit zwei Kammern. Langsam beginnt er in einem blasen Blau zu pulsieren, die Intensität nimmt zu, bis er in der Farbe des Meers leuchtet. Die Energie durchströmt jeden Winkel, der Stein erwärmt sich zunehmend.
Aufgeregt springe ich vom Stuhl. Ich werde ihn Vater zeigen, der wird Augen machen, wenn ich damit meinen Kristalina wieder zum Leben erwecke. Ich puste in die Kristallkugel über meinem Schreibtisch, das Licht in ihr erlischt. Das Herz in meiner Hand reicht als Lichtquelle, um mich im finsteren Keller zurecht zu finden.
Um mich herum tanzen die Schatten von Werkzeugen und Gerätschaften.
Ich steige über einige Rohkristalle am Boden und taste mich bis zur Holztreppe. Als ich sie erreiche, muss ich über den Rücken eines unfertigen Kristalina steigen.
Es sollte einmal ein Löwe werden. Ansehen kann man ihm das allerdings nicht mehr. Ihm fehlt der Kopf, mit der Mähne und alle vier Gliedmaßen. Ich habe seid vier Monaten nicht mehr an ihm gearbeitet. Er dient nur noch als Rohstoffquelle, für meinen derzeitigen Favoriten.
Ich steige über ihn, dann eile ich die Treppe hinauf. Das Holz der Stufen knarrt unter meinen Schritten. Hoffentlich ist Vater nicht schon auf dem Weg zur Arbeit. Wenn ich mit einem neuen Projekt beschäftigt bin, vergesse ich schnell die Zeit. Auch jetzt habe ich keine Ahnung, wie lange ich schon hier unten bin.
Laut krachend schlage ich die Kellertür auf und schaue mich im Wohnraum um.
Der Tisch in der Mitte ist verlassen, nur noch eine leere Tasse und ein verwaister Teller, weißen darauf hin, dass mein Vater hier gesessen haben muss.
Die Wohnungstür steht offen und eine dunkle Gestalt hebt sich vor dem hellen Hintergrund ab.
Meine Augen haben sich noch nicht an das grelle Tageslicht gewöhnt, trotzdem bin ich mir sicher, dass der schemenhafte Schatten meinem Vater gehört. Die breiten Schultern und der dunkle Anzug, sind typisch für ihn.
"Ich bin fertig!", platzt die Neuigkeit aus mir heraus.
Vater ist stehen geblieben und schaut mich erschrocken an.
Der Adler auf seiner Schulter legt den Kopf schief, sein Schnabel steht offen, seine Flügel liegen eng am Körper. Er ist von Kopf bis Fuß mit lebensechten Federn bedeckt, die sein kristallines Inneres verbergen, nur aus seiner Brust dringt ein schwaches Licht, das verrät, dass er kein echtes Tier ist.
Ich stürme auf die Beiden zu und bleibe neben einem hüfthohen Wolf stehen.
Sein Kopf hängt schlaff herab, seine eisblauen Augen sind leer. Er ist nur eine Hülle, kein Wunder, immerhin halte ich sein Herzstück in Händen. Den pulsierenden Kristall strecke ich meinem Vater entgegen.
Er Lächelt versöhnlich und schüttelt mit dem Kopf. "Ich habe keine Zeit, mein Junge!" Er brauch nicht mehr zu sagen, ich weiß auch so, dass er zur Arbeit muss und ich ihn mal wieder tagelang nicht sehen werde. Was ist es wohl dieses Mal? Eine Ratssitzung oder eine Geschäftsreise?
Meine Laune kühlt sich bis zur Gleichgültigkeit ab. Ich lasse die Schulter fallen und nehme meine Arme zurück.
Vater kommt auf mich zu, er bleibt vor mir stehen und legt mir seine Schaufelhände auf die Schultern.
Ich fühle die Last seiner Arme auf mir.
"Jetzt sei doch nicht enttäuscht! Ich bin in zwei Tagen zurück, dann sehe ich mir an, was du neues erfunden hast. Vielleicht können wir es ja wieder in Serie geben, wie dein Energieflussupdate, vom letzten Mal."
Ich rolle mit den Augen und sehe zur Seite weg.
"Was hast du?", fragt er.
"Ich baue Isegrim nicht, damit du mit ihm Geld verdienst, sondern ...", zu mehr komme ich nicht.
Vater sieht auf die Uhr, an seinem Handgelenk. "Ich muss los! Wir reden am Wochenende darüber." Er geht ohne einen Blick zurück und schließt die Haustür nach sich. Ich kann seine Gestalt durch das Milchglas verschwinden sehen. Super! Drei Wochen Arbeit und er denkt nur daran, Geld zu verdienen. Dabei wollte ich aus Isegrim etwas einzigartiges machen und kein Fließbandprodukt.
Ich seufze schwer und sehe auf den Kristalina in Wolfsgestalt herab.
Anders, als seine Artgenossen, ist er komplett aus Kristall gefertigt. Selbst sein Fell besteht aus kurzen Kristallfäden, die seidig schimmern und sich weich anfühlen, wenn man sie berührt.
Ich lege das pulsierende Herz in seinen Rücken. Es versinkt im Inneren des Wolfes.
Der Kristalina leuchtet, sein Kopf erhebt sich, die Augen blitzen auf. Er beginnt sich zu strecken und testet seine Beweglichkeit.
Gespannt warte ich darauf, ob das Update wie geplant funktioniert.
Der Kopf des Wolfes dreht sich zu mir. Er legt die Ohren zurück und schaut mich fragend an.
Ich sehe mit traurigem Blick zurück. Ob er meine Mimik lesen kann?
"Was hast du Karak?"
Meine Augen weiten sich vor Erstaunen. Er fragt mich tatsächlich, nach meinem Befinden, aber versteht er wirklich, dass es mir nicht gut geht? Ich beschließe ihn zu testen. "Mein Vater ist zur Arbeit und ich bin mal wieder allein."
Der Wolf schaut mitleidig, er reibt seine Schnauze an meinem Bein, während er mich von unten herauf ansieht. "Du bist nicht allein. Ich bin doch hier!"
Ich seufze gequält. Bin ich wirklich schon so vereinsamt, dass ich meinem Kristalina Gefühle einimpfe, um nicht allein zu sein? Die Antwort ist so bitter, dass ich noch einmal seufzen muss.
Ich streichle dem Wolf über den Kopf. So ist das nun mal, als Sohn des Chefs der größten Kristalina Fabrik des Landes.
"Komm, gehen wir zur Schule!", beschließe ich und verlasse mit Isegrim das Haus.

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Osterhaserl 13. Sep 2019

Hallo EnricoRiver,

huihuihui. Da kommt ja schon einges auf Karak zu. Ich denke, er war sich der Auswirkungen in einem gewissen Umfang durchaus bewusst. Nicht ganz so, wie es sich jetzt darstellt, denn die Lage wird durch Isegrims Gefühle und seine damit verbundenen, selbstständigen Handlungen verschlimmert.
Dennoch, Karak wusste, sein Vater würde kommen, weil ihn diese neue Erfindung mitreißen wird, von daher verwundert mich sein Erstaunen nun doch ein wenig.
Die Einleitung ist ein wenig hölzern geworden. Du beschreibst die Umgebung eingehend und detailreich, allerdings wirkt es ein wenig, als würdest du eine Liste abarbeiten. Vermutlich fällt mir das aber auch nur auf, weil ich es derletzt bei einem meiner eigenen Werke als Makel entdeckt habe. Ich kenn das Problem also :D

Ansonsten haben sich noch einige Fehler versteckt.
- "Mir direkt gegenüber steht ein großer Offen mit Herdplatten auf der Oberseite." Ofen
- "Die Mutter holt aus dem Schrank eine Schussel in der frische Zitronen liegen." Schüssel
- "Selbst ihr mechanischer Körper wird führe oder später zerfallen,..." früher
- "Ich weiß genau dass darin ein Herzkristall lag." Komma vor "dass"
- "Die Aufnahme Endet..." das "endet" muss klein
- "Was glaubst du wird Vater dann machen?" Komma nach du
- "Eigentlich war das mit dem lilanen Kristall nur ein versehen." Versehen groß

Ich hör mal auf, es gibt noch mehr Fehler. Wie immer finde ich deinen Inhalt toll, allerdings solltest du wirklich über einen Betaleser nachdenken, das würde diese Minifehler beheben und der Lesefluss bleibt besser erhalten, das intensiviert den Bezug des Lesers zu deinem Werk.

EnricoRiver 14. Sep 2019
Hallo Osterhaserl, erst mal vielen Dank für deine Mühe die Textstellen herauszusuchen und mir auch den Hinweis mit dem Anfang des Kapitels zu geben. Ich werde bei einer neuen Überarbeitung noch einmal drüber schauen und darauf achten. Ja die eigenen Fehler die findet man eben nicht oder haben einfach nicht. Leider habe ich mich schon sehr oft um einen Betaleser bemüht, zeitweise auch mal einen Lektor für ein andere Werk gehabt und dennoch bleiben die meisten Fehler auch denen verborgen oder sie haben einfach nicht die Ausdauer an einem längeren Text wie einen Roman dran zu bleiben. Im Moment habe ich leider niemanden, der sich die Mühe machen würde über den Text zu lesen und nach Fehlern ausschau zu halten. Das ist für den Text natürlich enorm schade, aber irgendwie habe ich immer das Gefühl alle Menschen in meiner Umgebung zum Lesen zwingen zu müssen, geschweige denn dass sich da noch jemand dran setzt und sich mit Rechtschreibung und Grammatik auseinander setzt. Schade ich weiß, aber im Moment nicht zu ändern. Ich bleibe aber dran. Zumindest ich selbst lese im größeren Zeitlichen Abstand immer mal wieder über meine Texte, dann fallen mir manchmal auch wieder ein paar Fehler auf. Freut mich aber das du dich trotzdem durch den Text gekämpft hast und ihm wenigstens den guten Inhalt abringen konntest^^. Wölfige Grüße Enrico
Osterhaserl 14. Sep 2019
Ahh Enrico, es ist meckern auf hohem Niveau, welches ich hier betreibe. Und gerade weil es ein hohes Niveau ist, mecker ich. Wäre es Schund, würde ich mir nicht die Mühe machen, dich darauf hinzuweisen. ;)
EnricoRiver 15. Sep 2019
Das ist ein gutes Argument^_^
Osterhaserl 10. Aug 2019

Hallo EnricoRiver,

wie schön! Ein neues Kapitel zu den Kristallinas und ihrem Erschaffer... und jetzt auch über Ivie.

Ich finde es toll, wie du die Umgebung abstimmst und die Fremde darin für Karak mit so etwas einfachem wie einem Fußballspiel hervorheben kannst.

Auch interessant finde ich den Ansatz zu Isegrimms Weiterentwicklung, der sich in Luna wiederspiegelt.

Das einzige, was es zu "meckern" gibt, sind die kleinen Fehler, welche dir durch Satzumstellungen passieren (z.B. „Wieso kommt ein Kind aus der Stadt, mit einem Geschenk zu uns?“, deutlicher Misstraue schwingt in seiner Stimme. )

In solchen Momenten wäre es gut, den Text noch eine Weile liegen zu lassen und dann noch einmal drüberzu lesen, um solche kleinen Fehler ausgemerzt zu bekomen.

Der Inhalt ist dir aber wie immer exzellent gelungen.
lg
Haserl

EnricoRiver 10. Aug 2019
Hallo Osterhaserl, vielen lieben Dank für deine Kritik. Ich werde mir das Kapitel auf jeden Fall noch mal durchlesen. Mit dem Liegenlassen hast du natürlich recht. Manchmal fallen einem dann noch ein paar Fehler auf. Leider wird es mir aber ohne Lektor wahrscheinlich nie möglich sein, einen komplett Fehlerfreien Text zu schreiben. Für die eigenen Fehler bin ich einfach blind. Da freut es mich natürlich um so mehr, dass dich die Fehler nicht all zu sehr vom Inhalt ablenken konnten und dir auch dieses Kapitel so gut gefallen hat. Es ist schon wirklich schade das mir Karak und Ivi im Moment so gar nicht erzählen wollen, wie es bei ihnen weiter geht. Da drängen sich die anderen Geschichten, an denen ich arbeite gerade stärker in den Vordergrund. Aber sobald ich damit durch bin, wird es auch hier wieder weiter gehen. Ich mag die Geschichte selbst viel zu sehr, um sie für immer unbeendet zu lassen. Wölfige Grüße Enrico
EnricoRiver 10. Aug 2019
Aber schon erstaunlich, dass du dich trotz der langen Zeit, die die Geschichte schon brach liegt noch an den Inhalt erinnern kannst^^ und weiter gelesen hast. Danke auch dafür.
Osterhaserl 13. Jan 2019

Hallo EnricoRiver,

tja vier Kapitel und mir bleibt nur "Wow" zu sagen. Ich finde deine Geschichte wirklich fesselnd. Hier und da sind ein paar kleinere Fehler drin (z.B. in Kapitel zwei zum Ende hin verwandeln sich die Rukien zu Kukien)oder kleinere Rechtschreibfehler, aber das passiert dir so selten, dass man gut darüber hinweglesen kann. Auch dein Textaufbau und die Zeichensetzung sind exzellent und eine Wohltat zum "einfach drüber" Lesen und sich dabei auf den Inhalt konzentrieren.
Du hast ein Talent für Umgebungen und ab dem zweiten Kapitel bringst du einen auch sehr überzeugend in die Welt hinein. Das erste Kapitel ist mir etwas zu viel Info für zu wenig Raum, man stolpert ein wenig, fragt sich was dies und das sein könnten. Vielleicht sind die vielen offenen Fragen aber auch perfekt für den Start, weil so die Neugierde am Laufen bleibt.
Das einzige, was mich ein wenig irritiert, ist, dass Karak scheinbar den ersten Schultag vergessen hat. Er hatte Sommerferien, da ist es doch klar, dass danach der erste Schultag kommt und damit die Vorstellung der neuen Schüler und das einarbeiten in die neuen Abläufe. So weltverloren wirkt Karak zum Glück dann doch nicht, als dass er sich an so etwas nicht mehr erinnern könnte :D

Der Grundaufbau der Welt, den du hier entwirfst, wirkt hart und unsympathisch: Pseudorealität, gespaltene Gesellschaftsschichten, Anonymität. Ein toller Hintergrund für eine Geschichte mit Spannungspotential.

EnricoRiver 17. Jan 2019
Hallo Osterhaserl, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und dein Interesse an meiner Geschichte. Ihr Aufbau ist noch recht roh und nicht bis ins letzte zu Ende gedacht, da haben mich deine Worte sehr aufgebaut, dass du sie trotzdem gern gelesen hast. Danke auch für die Verbesserungsvorschläge. Ich schaue mal die Tage noch mal drüber. Die eigenen Fehler überlese ich sehr gern^^. Berufsblindheit eben. Das Karak den ersten Schultag und alles was damit verbunden ist, vergessen hat, hört sich tatsächlich etwas unglaubwürdig an, aber er vergisst oft und schnell die Zeit und seinen Alltag, besonders wenn er über einer Erfindung sitzt. Manchmal schwänzt er dafür auch die Schule und da sein alter Herr ja nie oder nur selten zu Hause ist, hat er auch nie Konzequenzen deshalb zu spüren. Trotzdem fand ich den Hinweis sehr hilfreich. Mir auch mal über solche Stellen Gedanken zu machen und für mich selbst zu begründen hilf auf jeden Fall auch mir die Charakter besser kennen zu lernen. Schön das du bei Herzkristall dabei bist, würde mich freuen, wenn ich deine Meinung auch in den folgenden Kapiteln noch mal lesen kann. Mfg. Enrico