Given and denied

vor 2 Mon.
Jimmy erinnert sich an all die schönen, aber auch traurigen Momente in seinem Leben und vor allem an die, die er mit seiner Schwester Patricia verbindet. Die Comeback-Show ist eine große Herausforderung für ihn, denn sie wirbelt viele Gefühle wieder auf, die besser nicht angerührt werden hätten sollen. Hat er die Kraft, um sich nicht von ih..
Kelly Family Romanze P16 Tragödie/Leid In Arbeit
Bemerkung des Authors: Liebe Leser, dies ist eine Kurzgeschichte aus der Sicht von Jimmy Kelly. Wer das Pairing Patricia/Jimmy nicht mag, sollte an dieser Stelle wohl aufhören zu lesen... allen anderen wünsche ich viel Spaß! Die Charaktere gehören natürlich alle sich selbst und ich verdiene hiermit kein Geld. Ich würde mich sehr über Feedback freuen! Liebe Grüße, eure Anja

Prolog: Excitement or panic?

Schwer atmend lasse ich mich mit dem Rücken gegen die Wand fallen, ehe ich langsam an ihr herabrutsche, bis ich auf dem Boden ankomme. Ich schaue nochmal kurz den Gang rauf und runter, vergewissere mich, dass ich tatsächlich einen Ort gefunden habe, wo mich im Moment niemand stört, dann vergrabe ich mein Gesicht in meinen Händen und spüre bereits, wie mein Körper zu beben beginnt.
Es ist einfach alles zu viel! Warum habe ich dem hier nur zugestimmt? Ich könnte heute ganz normal irgendwo in einer Fußgängerzone stehen, nur mit meiner Gitarre und Mundharmonika… stattdessen sitze ich nun hier, verkrieche mich vor all dem Trubel, der schon seit Tagen nicht mehr aus der Westfalenhalle wegzudenken ist.
Ich kneife die Augen zusammen und lehne den Kopf nach hinten an die Wand. Ich muss mich dringend wieder beruhigen. Schon sehr bald fängt die Show an und zu allem Überfluss muss ich auch noch den ersten Song singen. I Can’t Stop the Love natürlich. Eigentlich ist es ein schöner Gedanke, diese Comeback-Show so zu beginnen wie damals viele Shows. Aber warum muss gerade ich diesen Song singen?
Dort draußen steht irgendwo meine Frau und unsere zwei Töchter sind auch hier. Alle freuen sich, nicht nur uns endlich mal auf der Bühne zu sehen, was viele noch nie miterleben durften, sondern auch einfach die Verwandtschaft zu treffen. Besonders die junge Generation.
Der Gedanke daran, bald wieder allein mit meiner eigenen kleinen Familie, statt diesem riesigen Zirkus hier, zuhause zu sein, lässt mich ein Bisschen runterkommen. Ich bin diesen Trubel einfach nicht mehr gewohnt. Zwischendurch kann man im vorderen Backstagebereich schon immer wieder Publikumschöre hören. In den letzten Jahren, in denen ich auf der Straße gespielt habe, gab es sowas nicht. An manchen Tagen habe ich nicht einmal 20 Euro verdient. Und jetzt das hier!
Aber das allein ist nicht der Grund, für meine kleine Panikattacke. Mit den Menschenmassen werde ich schon klarkommen, wenn einmal das Konzert in vollem Gange ist. Das eigentlich schlimme sind all die Erinnerungen, die plötzlich wieder in mir hochkommen und mich völlig aus der Bahn werfen. Und ihre Anwesenheit ist der einzige Auslöser dafür!
Noch vor wenigen Minuten stand auch ich noch direkt hinter der Bühne und habe mich verkabeln lassen. Dann kam sie dazu, hat uns alle mit ihrem strahlenden Lächeln in ihren Bann gezogen. Alle werden wir mit langen, engen Umarmungen und Wangenküssen begrüßt. Ich versuche, meine Anspannung herunterzuspielen und grinse sie an, als sich unsere Blicke treffen. Das Strahlen in ihren Augen lässt mein Herz einen kleinen Hüpfer machen, ehe ich sie ganz fest an meine Brust ziehe. Leicht überrumpelt, quietscht sie kurz auf, ehe ich selbst auch ihre Arme an meinem Rücken spüre. Ich schließe kurz genießerisch die Augen, präge mir das Gefühl ihres Körpers an meinem so gut wie nur irgendwie möglich ein, doch ehe es zu lang wird, lasse ich sie lieber freiwillig wieder los.
„I brought my three boys to the others. Denis is at least as excited as Iggy…”, erzählt sie uns und sofort wird mir mein Herz wieder schwer. Natürlich muss sie sofort wieder von ihrer Familie erzählen. Ich erwische mich dabei, wie ich wohl gerade die Wand hinter ihr böse anstarre und schüttle leicht den Kopf über mich selbst. Ich darf mich nicht beschweren. Schließlich habe auch ich meine eigene Familie. So muss es sein. Es gab nie eine andere Option. Zumindest keine realistische…
„What’s the matter, Jimmy?“, sie hat es natürlich bemerkt. Wir mögen uns zwar vor dieser ganzen Comeback-Sache nur wenige Male in den letzten Jahren gesehen haben, aber diese enge Verbindung zwischen uns ist noch immer da.
„Nothing to worry about, little sister“, erwidere ich mit einem Lächeln, das wohl zu auffällig falsch aussieht. Sie kommt wieder näher zu mir, bleibt direkt vor mir stehen und schaut nach oben in meine Augen.
„We can do this. Together“, sagt sie mit leiser, aber eindringlicher Stimme und drückt parallel dazu meine Hand. Über den Fakt, dass sie ja streng genommen gar nicht meine kleine, sondern meine große, oder zumindest ältere Schwester ist, sieht sie wie schon seit unzähligen Jahren hinweg.
Tief atme ich durch, während ich zwischen ihren beiden wunderschönen Augen hin und her schaue. Ob sie das auch spürt? Diese Anziehungskraft zwischen uns, die mein Herz schon wieder dazu bringt, etwas schneller zu schlagen…
Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, doch kein Ton kommt über meine Lippen. Auch ist mein gesamter Kopf wie leergefegt. Ich hätte also auch gar nicht gewusst, was ich hätte sagen sollen. Schon die gesamten letzten Tage, vor allem nach den Proben, habe ich gegrübelt, wie ich diese Shows überstehen soll. Ihr plötzlich wieder so nah zu sein und auch noch so viele Zuschauer zu haben, dieser Gedanke lässt mich nachts nur sehr wenig schlafen. Und ich erwische mich dabei, dass ihre beschwichtigenden Worte eigentlich genau den wunden Punkt treffen, warum ich daran zweifle, das hier heute problemfrei über die Bühne zu bringen.
„Yeah“, ist alles, was ich erwidere. Ehe ich mich zurückhalten kann, habe ich ihr auch schon einen sanften Kuss auf die Stirn gegeben und mich dann weggedreht. Ich trete einen Schritt von ihr weg, doch sie hält noch immer meine Hand. Ich schaue ihr wieder in die Augen, die mich kritisch mustern. Kurz halte ich ihrem Blick noch stand, dann löse ich mich entschlossen vollständig von ihr und verlasse die Gruppe komplett. Mit jedem Schritt spüre ich die Distanz zwischen uns und ich spüre, wie ich in leichte Panik verfalle.
Und nun sitze ich hier und kämpfe noch immer mit meiner Atmung, meinem Herzschlag und meinen Tränen, die ich um jeden Preis zurückhalten will. Sie würde es mir sofort ansehen!
All die Gefühle kommen wieder in mir hoch. Jahrelang geleugnet und unterdrückt. Unerwidert. Falsch.
Doch trotz allem sind sie es, die sich am ehesten wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen. Einfach, weil ich sie nie loslassen wollte und konnte. Zumindest in Gedanken war sie immer bei mir. Sogar im Drogenrausch… oder wohl besonders zu dieser Zeit. Einerseits war sie einer der Gründe, die mich daran zweifeln haben lassen, dass das Leben hier auf der Erde noch irgendeinen Sinn für mich bereit hält, doch andererseits habe ich es wegen ihr letztendlich nie übers Herz gebracht diese Welt zu verlassen.
In den letzten Jahren habe ich es geschafft, in gewisser Weise loszulassen, mein eigenes Leben zu leben. Mit einer Frau, die wirklich wunderbar ist, die ich auch liebe. Auf eine andere Art. Und die mir zwei wunderbare Töchter und einen Sohn geschenkt hat. Und nun sitze ich wieder allein da und all die Erinnerungen prasseln auf mich ein wie kleine, scharfkantige Steine…

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