Ozeantief

vor 17 Tagen
Finnick Odair - Sieger, Mentor, Herzensbrecher des Kapitols. Doch das sind nicht seine einzigen Facetten. Es gibt noch viel mehr, was ihn ausmacht, aber zeigen darf er das nicht. Das Kapitol ist immer wachsam, und meistens grausam. Und Auflehnung, sei sie auch noch so klein, wird im Keim erstickt. Wie lebt man in solch einer Umgebung sein Leben..
Die Tribute von Panem P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: Ich habe diese Fanfiction vor Jahren angefangen, sie ist seither gewachsen, fast sogar gewuchert wie Unkraut. Und auch wenn es nicht immer Spaß macht, sie weiter zu schreiben, sie möchte erzählt werden. Vielleicht möchte sie ja auch gelesen werden, ich würde mich freuen. Genauso wie über Leser freue ich mich auch über Kommentare, dabei ist es mir relativ egal, ob es nur ein kurzer Satz ist, ob euch das Kapitel gefallen hat oder nicht, oder eine ausführliche Kritik. Alles, solange es konstruktiv ist. Viel Spaß beim Lesen!

Prolog

Der Morgen war recht kühl für die Jahreszeit. Von der See her wehte eine kalte Brise, die auch die Sonne nicht vertreiben konnte. Aber es war nicht wirklich kalt. Lange Hosen brauchte ich noch nicht.
Zum Glück. Sonst hätte sich Annie wohl sonst was abgefroren. Ich war wie immer durch ihr Siegerhaus gesprintet und hatte nachgesehen, ob sie irgendwo drinnen war. Aber sie war nicht da. Mal wieder. Ich wusste, dass ich sie am Strand finden würde, aber vorsorglich schaute ich immer noch mal im Haus nach, bevor ich nach unten ging. Ich hatte schon fast alles abgesucht und hatte die Arbeiter gefragt, ob sie Annie gesehen hatten, aber alle hatten verneint. Die Fischer hatten einander angesehen. Ihre Blicke waren mitleidig dabei und warm, aber trotzdem nervte es mich. Immerhin war sie am Leben.
Der letzte Rest des Strandes, den sie ohne große Mühe erreichen konnte, war kein Fischerstrand. Klar gab es auch dort Fische. Aber in die Bucht konnte man nicht mit einem Boot hineinfahren und eines über die Klippen zu schleppen, war mühsam. Es war schon mühevoll genug, das Fischernetz, an dem ich arbeitete und meine Harpune mitzuschleppen. Doch trotzdem ging ich weiter. Ich hatte mir selbst versprochen, Annie nicht damit alleine zu lassen. Deshalb kraxelte ich mit einem Netz auf dem Rücken und einer Harpune in der Hand über Geröll. Als ich an der Klippe stand, konnte ich sie unten sitzen sehen.
Annie.
Meine wundervolle, zähe, zerbrechliche Annie. Wie zu erwarten, war sie viel zu dünn angezogen. Gerade mal ein Rock und ein Top. Beides flatterte nur so um ihren ausgezehrten Körper. Sie saß zwischen den Steinen und starrte aufs Meer. Meine arme Annie. Die Spiele hatten sie so viel gekostet.
Ich begann langsam den Abstieg und wunderte mich wieder, wie sie diesen hatte bewältigen können Sicher, für die Annie von früher wären die Klippen kein Problem gewesen, aber jetzt war ich mir nicht mal sicher, wie viel sie überhaupt von ihrer Umgebung wahrnahm. Sie hatte schon gewaltige Fortschritte gemacht, aber sie war immer noch nicht wieder da. Johanna hatte schon im Krankenhaus mit schonungslos ehrlichen Worten meine Hoffnungen im Keim erstickt: Annie würde nie wieder dieselbe werden. Die Hungerspiele hatten mir meine Annie genommen. Doch ich durfte sie nicht aufgeben. Sie hatte sich selbst aufgegeben. Wenn ich nicht an sie glaubte, wer denn dann?
Ich setzte mich neben sie, legte Netz und Harpune auf den Boden und lehnte den Rücken gegen einen Stein. Wie zu erwarten, war Annies Blick leer. Ich wusste nicht, was sie sah, aber es war definitiv nicht das Meer.
„Hey, Annie“, grüßte ich wie jedes Mal.
„Hey, Finnick“, kam es nach einer Pause. Sie starrte immer noch geradeaus.
„Wie geht es dir?“
„Ich bin okay.“ Ich strich ihr die Haare hinter die Ohren. Bis hierher ging unser täglicher Dialog. Es hatte Wochen und viel Geduld gekostet, bevor sie mir überhaupt geantwortet hatte. Dann hatte sie zuerst nur auf meinen Gruß geantwortet, sonst nichts. Ich hatte sagen können, was ich wollte, es war keine Reaktion von Annie gekommen. Dann war ich dazu übergegangen, sie nach ihrem Befinden zu fragen. Obwohl ich wusste, dass es ihr nicht gut ging. Obwohl ich wusste, dass es ihr nicht gut gehen konnte. Irgendwann hatte sie angefangen, zu antworten. Immer derselbe Satz. Ich bin okay. Es würde wohl noch lange dauern, bis wir wieder ein richtiges Gespräch führen würden. Aber das machte nichts. Ich wollte ihr alle Zeit geben, die sie brauchte. „Ich liebe dich, Annie.“
„Ja“, sagte sie. Ich konnte sie nur verblüfft anstarren. Das war das erste Mal, dass sie darauf reagierte. Ein weiterer Fortschritt; ich hätte jubeln können! So aber, um sie nicht zu erschrecken, griff ich nur nach ihrer Hand. Und dann geschah das Unglaubliche: Annie drehte den Kopf und sah mich an. „Ich liebe dich.“

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