Die Kriegerin (Teil 1)

vor 2 Tagen
Jenny hat trotz schwerer Kindheit, alles erreicht was sie immer wollte. Sie hat einen wundervollen Freund - den sie bald heiraten will - ,tolle Freunde und ihre Begeisterung, ihre Liebe zum Kampfsport zum Beruf gemacht. Doch dann kommt der beste Freund ihres Freundes und läd sie zu einer Reise nach China ein. Den Grund für die Reise beläche..
Mystery Drama P18 Fantasy In Arbeit

Kapitel 1

Die Kriegerin

Kapitel 1


»So! Machen wir Schluss für heute!«, rief Jenny ein wenig außer Atem und lächelte mitfühlend, als ihr Schüler erleichtert die Schulter hängen ließen. »Ihr Wart wirklich Klasse heute. Wir sehen uns dann nächste Woche wieder!«
Wie jeden Mittwoch, gab Jenny dreimal am Tag, alle zwei Stunden für Frauen jeder Altersstufe ein Kurs in Selbstverteidigung.
Die Ersten strömten schnaufend und leise vor sich hin murmelnd, an ihr vorbei. Und dank des schweißtreibenden Trainings, waren die Düfte die ihr nun entgegen wehten und ihre Nase kitzelten, nicht immer angenehm. Doch da gab es auch ein paar, die trotz schweißtreibendem Training, immer noch, eine betörende Duftwolke, ihres schweren Parfüms hinter sich herzogen und sie vergrub ihr Gesicht, lächelnd hinter einem Handtuch.
Einige dankten ihr klar und deutlich für die Trainingsstunde, andere brachten nur noch ein unverständliches keuchendes Murmeln über die Lippen. Und da sie ihre Gruppe heute besonders hart ran-genommen hatte, empfand sie ein wenig Mitleid und lächelte ihnen aufmunternd zu.
Als die älteren Damen der Gruppe, dann auch noch mit hängenden Köpfen an ihr vorbei schlurften, verwandelte sich ihr Mitleid, in schlechtes Gewissen. Nicht nur das Sie sie heute etwas härter ran genommen hatte, es lag auch schon den ganzen Tag eine drückend heiße Schwüle über der Stadt, was das Training zusätzlich erschwert hatte. Aber wie hat ihr alter Trainer immer gesagt: ohne Fleiß keinen Preis.
Außer den Selbstverteidigungsstunden gab Jenny auch noch Montag und Donnerstag dreimal täglich, Stunden in Taekwondo und Dienstag und Freitag in Wing Chun.
Wer sich im Kampfsport etwas auskennt, der weiß, das Taekwondo und Wing Chun, zwei vollkommen unterschiedliche Kampfcharaktere sind.
Wing Chun, ein aus China stammender Kampfsport, gilt als der Stiel der Meister fortgeschrittenen Alters. Diese konnten sich auf diese Weise, gegen den jungen, rein körperlich überlegenen Meister behaupten. Deshalb auch für Frauen geeignet, die rein von der körperlichen Kraft, dem Mann meistens unterlegen sind. Im Wing Chun, wurden alle Techniken auf ihre Wirkung hin maximiert. Die Bewegungen sind meist kurz und gerade. In der Regel wird keine starre Muskelkraft, sondern die Elastizität des eigenen Bewegungsapparats ausgenutzt. Dies geschieht durch Kombination aus Gewichtsverlagerung und spontaner schneller Streckbewegung.
Taekwondo hingegen ist ein koreanischer Kampfsport und steht für Fuß (Tae), Faust (Kwon) und Weg (Do). Obwohl Taekwondo für den laienhaften Betrachter große Ähnlichkeit mit anderen asiatischen Kampfsportarten aufweist, unterscheidet er sich in einigen wesentlichen Punkten von diesen. So ist die Taekwondotechnik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt. Im Taekwondo dominieren Fußtechniken deutlicher als in anderen vergleichbaren Kampfsportarten.
Deshalb hatte Jenny diese beiden Kampfsportarten auch für sich ausgewählt. Wing Chun, um auch einem körperlich Überlegenen gegenübertreten zu können und Taekwondo, wegen der Schnelligkeit und der Dynamik.
Und nach vielen Jahren harten Trainings hatte sie schließlich beschlossen, ihre Leidenschaft auch zum Beruf zu machen und war Trainerin im Taekwondo und Wing Chung geworden.
Und dies tat sie jetzt seit vier Jahren in einem Studio in der Nähe der Saarbrücker-Altstadt und liebte ihre arbeitet von Tag zu Tag mehr. Es bereitete ihr große Freude, anderen ihr Wissen beizubringen und noch mehr freute sie sich, wenn sie sah, dass ihr Mühen Erfolg zeigte.
»Bis nächste Woche, Jenny« riefen ihr die letzte Gruppe Frauen zu, die gerade die Halle verließen.
»Bis nächste Woche.«
Jenny wartete bis auch die Letzten durch die Tür waren, warf dann einen letzten Blick in die Halle, um sicher zugehen, das auch niemand, was vergessen hatte und zog die Tür hinter sich zu.
Eigentlich trainierte sie immer noch ein oder zwei Stunden nach ihrem letzten Kurs, denn nach zweimal Deutschmeister und einmal Europameister, strebte sie nun, mit ihren achtundzwanzig Jahren, mit Ehrgeiz und Abenteuer Lust, die Weltmeisterschaft im Taekwondo nächstes Jahr in Amerika an. Aber heute war sie zu müde und außerdem kam ihre beste Freundin heute Abend noch vorbei.
Sie legte sich das Handtuch um den Hals, nahm ihre Tasche vom Boden und schloss hinter sich ab.
Durch einen kleinen schmalen Flur kam sie in die nächste große Halle, die jetzt leer und verlassen vor ihr lag. Hier befand sich die Halle für die Muskelmänner, die ihre Bizeps, Trizeps, Brustmuskeln und alle anderen wichtigen Muskeln, an schweißtreibenden Maschinen auf Vordermann brachten. Oder für die gestressten Hausfrauen, die eigentlich nur hier herkamen, um ihren Ehemännern zu entfliehen, aber hauptsächlich zum Tratschen. Wenn man wissen wollte, an was genau Herr Maier gestorben war, brauchte man nur hierher zu kommen und eine der Frauen zu fragen. Unglaublich, aber diese Frauen wussten einfach alles!
Hier roch es noch extremer nach Schweiß. Jenny rümpfte etwas angewidert die Nase. An den Geruch von altem abgestandenem Schweiß hatte sie sich auch nach vier Jahren noch nicht gewöhnt. Sie warf einen Blick zu der oben liegenden Fensterreihe an der Wand zu ihrer rechten. Natürlich alle verschlossen! Sie schnaubte etwas ungehalten, marschierte an einer Reihe Foltermaschinen aus Stahl und Chrom vorbei, bis sie vor der großen Spiegelwand stand und öffnete mithilfe eines elektronischen Knopfes ein Fenster nach dem anderen.
Dann ging sie quer durch die Halle zur Getränkebar und nahm sich eine kleine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank.
Mittwochs war der einzige Tag in der Woche, wo das Studio schon um acht Uhr die Schotten dich machte. Deshalb war jetzt, außer vielleicht ein paar Frauen, die nach der schweißtreibenden Stunde noch duschten, niemand mehr da. Und wenn dann auch die Letzten gegangen waren, konnte sie endlich absperren und duschen gehen.
Sie ging um die Bar herum, stellte ihre Tasche davor ab und genehmigte sich zuerst einen großen erfischenden Schluck Wasser. Dann nahm sie den großen Schlüsselbund, ging wieder in den kleinen Flur und sah in jeden Raum hinein. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die Räume leer waren, schloss sie ab und ging wieder an die Bar zurück. Dort ging sie an den Sicherungskasten und löschte bis auf die Duschräume und die Beleuchtung um die Bar herum, sämtliche Lichter.
Nun hieß es auf die letzten Nachzügler warten.
Jenny hatte gerade ihren Trainingsplan für nächste Woche aus der Tasche genommen, als die erste Frau aus der Dusche kam.
»Meine liebe Jenny«, begann Maria, die mit ihren fünfundvierzig Jahren, eine der ältesten Frauen in ihrem Kurs war. »Heute haben Sie uns aber ganz schön gequält. Meine Arme und Beine fühlen sich zittrig und schwabbelig wie Wackelpudding an.«
Jenny lächelte. »Gut.«
»Gut?«, wiederholte Maria und zog ihre perfekten Augenbrauen in gespielter Fassungslosigkeit die Höhe. »Was soll daran gut sein?« Maria schüttelte so heftig den Kopf, dass ihr die langen braunen Haare, um das hübsche Gesicht flogen. »Das ist nicht gut. Ich kann nämlich kaum noch gerade ausgehen.«
»Doch gut«, widersprach Jenny lächelnd. »Schmerzende, zittrige Glieder bedeuten, Sie haben mitgemacht und sich richtig angestrengt. Und das ist Gut. Wenn Sie zu Hause sind, nehmen Sie ein schönes heißes Bad und Sie werden sehen, morgen sind Sie wieder wie neu.«
Maria schürzte nachdenklich die Lippen.
»Und was das gerade ausgehen betrifft« Jenny deutete augenzwinkernd auf Marias hochhackige Schuhe. »Ich würde vorschlagen, ziehen Sie beim nächsten Mal flache Schuhe an. Dann klappt´s auch mit dem Gehen.«
»Sie müssen aber auch immer das letzte Wort haben, was?«, meinte Maria lächelnd und warf einen Blick auf ihre goldene, ziemlich verschnörkelte Armbanduhr. »Oje, schon so spät. Ich muss los!« Sie schob sich die Tasche über die Schulter und zwinkerte Jenny zu. »Bis nächste Woche, Menschenquäler.«
»Bis nächste Woche, Maria.«
Eine viertel Stunde später, hatte auch die letzte Frau das Studio verlassen und Jenny konnte endlich abschließen.
Als sie ihren Spint aufgeschlossen hatte, nahm sie ihr Duschzeug heraus und stellte es auf die Bank. Zwei Handtücher, die sie aus der Sporttasche nahm, gesellten sich dazu. Dann begann sie sich auszuziehen. Sie streifte sich die Turnschuhe von den Füßen und stellte sie in den Spint. Socken, Top und Radler flogen in die Sporttasche. Gerade als sie den Slip ausziehen wollte, legten sich zwei starken Händen auf ihre Hüften und hoben sie mühelos hoch.
Jennys Herz begann schneller zu schlagen, doch sie machte keine Anstalten sich zu wehren. Im Gegenteil, sie lächelte sogar, denn sie kannte diese schönen kräftigen Hände nur all zu gut.
»Lass mich runter, Kevin!«, befahl sie dem Mann, den sie mehr liebte, als ihr eigenes Leben.
»Hallo, Liebe meines Lebens«, hauchte Kevin ihr ins Ohr und ließ sie sachte wieder ab. »Wie geht’s meiner Schönen heute?«
Jenny drehte sich lächelnd um und wie jedes Mal, verschlug es ihr für einen kurzen Augenblick den Atem, als sie Kevin in seiner ganzen Pracht und diesem jungenhaften bezaubernden Lächeln vor sich sah.
Seine kurz geschnittenen schwarzen Haare, die dunkel braunen Augen und der dunkle Bartschatten um sein kantiges Kinn, verliehen ihm das verwegene Aussehen eines Piraten. Mit seinen einszweiundneunzig überragte er Jenny um gute zwanzig Zentimeter und seine massige muskulöse Bodybuilder-Figur, gaben ihr manchmal das Gefühl klein und zerbrechlich zu sein. Aber dennoch liebte sie diesen großen, überaus zärtlichen Mann über alles.
Jenny hatte Kevin Hampton, der gebürtig aus Amerika stammte und nach seiner Wehrzeit in Rammstein beschloss, in Deutschland zu bleiben, vor fünfzehn Monaten, als er nach einem Umzug von Pirmasens nach Saarbrücken, sich nach einem neuen Studio umsah, kennen und lieben gelernt.
»Danke mir geht’s gut«, antwortete sie lächelnd. »Wieso bist du schon da? Ich dachte du müsstest heute länger arbeiten?«
Hauptberuflich arbeitete Kevin bei einer Spezialeinheit der Polizei, in Kaiserslautern, doch seine größte Leidenschaft galt dem Bodybuilding und dem Wrestling, was er aber durch seinen Beruf nicht mehr so ausüben konnte, wie er sich das wünschte.
Er ließ seinen Blick begehrlich über ihren Körper wandern und Jenny bekam eine prickelnde Gänsehaut.
»Ich hatte Sehnsucht nach dir«, meinte er, hob sie erneut hoch, wartete bis Jenny gehorsam die Beine um seine Hüften schlang und küsste sie dann hungrig. Seine großen Hände streichelten sanft über ihren Rücken und öffneten den BH-Verschluss mit geübten Fingern.
Jenny löste sich nur widerwillig von seinen Lippen. »Kev, lass dass, dafür haben wir keine Zeit!«, versuchte sie mit energisch, fester Stimme zu sagen, doch es klang eher, wie ein krächzender Papagei.
Kevin sah sie ein wenig überrascht an. »Für Sex ist immer Zeit!«
Jetzt stemmte Jenny sich mit beiden Armen von ihm weg. »Du weißt doch, dass Frank und Mandy nachher kommen. Und ich bin eh schon spät dran. Bis ich jetzt geduscht und angezogen bin ...«
Kevin lächelte nur, drehte sie jetzt so, dass sie nun in seinen Armen lag. »Dann lass uns duschen gehen!«, meinte er und marschierte mit ihr in den Armen zu den Duschen.
Dort schaltete er das Wasser an und stellte sich samt Kleidern und Jenny in den Armen unter die Dusche.
»Du bist total verrückt!«, meinte Jenny, ließ sich ein Schwall Wasser übers Gesicht laufen, dann küsste sie ihn.
Und so bekam Kevin doch noch, was er wollte.

***

Jenny hatte gerade noch Zeit, um ihre Trainingssachen in den Wäschekorb zu stopfen und die Tasche in den Schrank zu stellen, als es auch schon klingelte.
»Ich mach auf«, rief Kevin ihr aus dem Wohnzimmer zu.
Jenny erschien gerade in der Tür, als Kevin die Wohnungstür öffnete.
»Hallo mein Großer«, begrüßte Frank seinen besten Freund, dann wandte er sich Jenny zu, die immer noch im Türrahmen stand. »Hallo meine Schöne.«
Frank, mit blonden Haaren und blauen Augen, war etwas kleiner als Kevin und kam ebenfalls aus Amerika. Die beiden waren seid den Kindergartentagen die besten Freunde und als Kevin damals beschlossen hatte, in Deutschland zu bleiben, entschied sich auch Frank zu bleiben.
Mandys Kopf erschien neben Franks Schulter. »Hallo ihr zwei.«
»Hallo«, begrüßte Jenny ihre Freunde.
Mandy war zwar in Deutschland geboren, aber ihre Mutter kam aus Afrika und ihr Vater aus Italien. Und als man diese beiden Gene zusammenmischte, kam eine atemberaubende Schönheit, mit langen schwarzen Haaren, einem zarten braunen Teint und sanften braunen Mandelaugen, wie Mandy hervor.
Frank und Mandy waren seid vier Jahren ein Paar.
»Hi. Kommt rein« Kevin trat zur Seite und ließ die beiden eintreten.
Frank und Mandy traten in den kleinen Flur.
»Geht schon mal ins Wohnzimmer«, forderte Jenny ihre Gäste auf. »Ich hol uns was zu trinken. Wein?«
»Oh ja, gerne«, rief Mandy.
Frank schüttelte den Kopf. »Für mich nur ein Wasser.«
Als Jenny Beladen mit einer Flasche Wein, einer Flasche Wasser und einem Bier für Kevin wieder im Wohnzimmer erschien, hatten alle schon platz genommen.
Während Jenny ein Glas Wasser für Frank eingoß, öffnete Kevin die Flasche Wein und füllte die Gläser.
Kevin trank einen Schluck von seinem Bier, stellte die Flasche zurück auf den Tisch und wandte sich dann an Frank. »So, und nun erzähl mal, was es so Wichtiges gibt. Du hast mich wirklich neugierig gemacht.«
Frank wiegte den Kopf leicht hin und her. »Tut mir Leid, aber Genaueres kann ich euch noch nicht erzählen«, meinte er und griff nach seinem Wasserglas. »Nur so viel: Es geht um eine Schatzsuche und ich hätte euch zwei gerne dabei.«
Kevin warf Jenny einen Seitenblick zu. Wahrscheinlich dachte er dasselbe wie sie: Frank war verrückt geworden.
»Eine Schatzsuche?«, fragte Kevin mit hoch gezogenen Augenbrauen. »Hast du was Schlechtes geraucht oder spinnst du einfach nur?«
Kevin trank einen Schluck Wasser. »Weder hab ich was Schlechtes geraucht noch Spinne ich.« Er stellte sein Glas zurück auf den Tisch, dann sah er zuerst Jenny ernst an, dann wanderte sein Blick zu Kevin. »Es ist mein Ernst, Kevin. Es gibt diesen Schatz und ich werde ihn finden.«
»Von was verdammt redest du hier überhaupt?«, rief Kevin jetzt leicht verärgert. »Und was soll das für ein Schatz sein? Die geheime Schatztruhe von Atlantis oder was?« Kevin schüttelte den Kopf. »Du machst mir wirklich Angst, weißt du das. Ich dachte immer ich kenne dich und jetzt kommst du mit so einem Mist daher.«
»Das ist kein Mist, Kevin. Es gibt diesen Schatz wirklich«, sagte Frank ernst. »Ich habe viel darüber gelesen, stunden recherchiert. Es ist alles dokumentiert. Seid vielen hundert Jahren schon. Sogar die alten Ägypter haben nach ihm gesucht. Es gibt ihn, Kevin. Doch bis jetzt hat ihn nur noch niemand gefunden.«
»Aha. Und welcher göttliche Engel hat dir zugeflüstert, dass du der Auserwählte bist, der ihn findet?«, fragte Kevin spöttisch.
»Ich bin nicht auserwählt, Kevin.« Frank machte eine Pause und sah einen nach dem anderen mit feurigem Blick an. »Ich habe den Schlüssel!«
Kevin schnaubte nur, nahm seine Flasche und leerte sie in einem Zug.
»Ich glaube ihm«, sagte Mandy in die Stille hinein und alle Augen richteten sich nun auf sie. »Schaut mich nicht so mitleidig an. Ich habe Frank bei seinen Recherchen geholfen und ich glaube, es ist was Wahres dran. Und wenn nicht«, sie zuckte mit der Schulter, »haben wir ein lustiges kleines Abenteuer erlebt und können später gemeinsam darüber lachen.«
»Wo soll sich dieser sagenumwobene Schatz denn befinden?«, fragte Jenny.
»In China«, antwortete Frank. »Ich wusste, dass es dein größter Traum ist, einmal nach China zu reisen und dachte, so könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Du lernst die chinesische Kultur und der gleichen kennen und Kevin kann uns bei der Suche behilflich sein.«
»Und wenn ich das gar nicht will?«, gab Kevin zu bedenken.
»Dann genießt du einfach mit deiner Freundin einen schönen Urlaub«, schlug Frank grinsend vor. »Ach, bevor ich’s vergesse. Um euch die Sache noch ein bisschen schmackhafter zu machen: Flug und Unterkunft kosten euch keinen Pfennig.«
Jennys Neugier war auf jeden Fall geweckt. Nicht wegen dem Schatz, sondern die Aussicht, nach China zu reisen. Sie wollte schon immer mal nach China, um dort die asiatischen Kampftechniken vor Ort zu sehen. Oder vielleicht zu erlernen.
»Ich sehe schon, Jenny hast du so gut wie in der Tasche«, meinte Kevin. »Aber ich hätte da noch ein paar Fragen. Erstens: Wieso verrätst du uns nicht mehr, von deinem geheimnisvollen Schatz?«
»Tut mir Leid, das kann ich nicht«, sagte Frank. »Ich bin nicht der alleinige Drahtzieher. Es gibt da noch jemand. Und dieser jemand ist im Besitz des zweiten Schlüssels. Ich hab versprochen euch nichts zu sagen, bis ich sicher bin, dass ihr mitkommt.«
»Das wird ja immer besser«, brummte Kevin. »Und wer ist dieser jemand?«
Frank zog die Schultern hoch. »Auch das kann ich dir nicht sagen. Gebt mir euer Wort, das ihr mitkommt und ihr werdet am Samstag bei einem schönen Essen mehr erfahren.«
»Mir geht deine Geheimniskrämerei mächtig auf den Keks«, meinte Kevin und strafte seinen besten Freund mit einem bösen Blick. »Und du bist ein Schweinehund! Du hast genau gewusst, dass du uns mit dieser blöden Schatzsuche nicht locken kannst und deshalb hast du alles auf Jenny und ihren Traum einmal im Leben nach China zu kommen gesetzt. Und ohne dass ich mit Jenny darüber gesprochen habe, weiß ich, dass sie Feuer und Flamme ist und gerne mitfliegen würde. Das war ganz schön hinterhältig von dir.«
»Heißt das, ihr kommt mir?«, fragte Frank.
Kevin sah Jenny an und nickte, ohne den Blick von ihr abzuwenden. »Ja, wir kommen mit.«
»Danke Kevin, das bedeute mir wirklich sehr viel.«
Kevin wandte sich seinem Freund zu. »Spar dir das. Ich tu das wegen Jenny, nicht wegen dir und schon gar nicht wegen diesem blöden Schatz.«
»Trotzdem dank ich dir« Frank beugte sich vor und klopfte seinem Freund auf die Schulter. »Du hast was gut bei mir.«
»Ja ja«, wehrte Kevin ab. »sag mir lieber, wann und wo, wir uns am Samstag treffen?«
»Um acht bei Toni«, schlug Frank vor. »Ist das Okay für euch?«
Toni war ihr aller Lieblingsitaliener mitten in der Saarbrücker Altstadt.
»Geht klar.«

***

»Was hältst du davon?«, fragte Kevin, nachdem er die Haustür hinter Frank und Mandy geschlossen hatte.
Jenny, die am Türpfosten lehnte, zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht. Es schien, als würde Frank wirklich daran glauben.«
Kevin kam auf sie zu. »Und genau das macht mir Sorgen«, meinte er und runzelte nachdenklich die Stirn. »Ich würde behaupten, ich kenne Frank besser als seine eigene Mutter. Ich dachte immer, ich weiß, wie er tickt. Doch das alles aus seinem Mund zu hören, hat mich tatsächlich erschreckt.« Er blieb vor Jenny stehen und blickte immer noch mit gerunzelter Stirn auf sie hinab. »Es kommt mir vor, als hätte mir ein Fremder das alles erzählt.«
Jenny packte seine Handgelenke und legte sie sich auf ihre Hüften. »Ich weiß, Kev.« Sie schmiegte sich an ihn. »Mir kommt das Ganze auch ein bisschen verrückt vor. Aber sieh es doch mal so«, sie hob den Kopf und blickte ihm in die Augen, »sollte es keinen Schatz geben, haben wir wenigsten ein paar schöne Tage zusammen verbracht.«
»Stimmt schon«, gab Kevin zu, »aber was passiert, wenn er keinen Schatz in China findet? Gibt er dann auf? Oder wird er zu einem Besessenen und opfert sein Leben der Suche nach diesem Scheiß Schatz?« Er seufzte und ließ das Kinn auf ihren Kopf sinken. »Das macht mir Angst, Jenny.«
Sie schlang die Arme um ihn und presste ihren Kopf fest an seine Brust. »Dann musst du ihn eben wieder auf den rechten Weg bringen.«
»Dein Wort in Gottes Ohr«, seufzte Kevin.

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