On The Roof

vor 3 Mon.
Ich ließ mich fallen, doch spürte keinen Wind um mich herum, sondern starke Arme, die mich von hinten zurückzogen und wieder zurück in die eiskalte Realität beförderten.
Krimi/Thriller Thriller P18 Drama In Arbeit

1 - 'Ey, West!'

Coco


Es war bereits spät in der Nacht, als ich von zu Hause ausriss und planlos durch meine Heimatstadt rannte. Ich wollte nur noch weg. Weg von denen, die es wagten, sich ‚meine Eltern‘ zu nennen, obwohl sie für mich nie welche gewesen waren.

Ich merkte gar nicht, wohin mich meine Füße überhaupt trugen, bis ich plötzlich vor einem riesigen Gebäude zum Stehen kam. Ohne groß darüber nachzudenken, klingelte ich einfach bei irgendwem; in der Hoffnung, dass mich jemand hinein lassen würde.

Es dauerte nicht lange und der Türöffner summte, ohne, dass überhaupt jemand gefragt hatte, wer denn überhaupt reinkommen möchte. War dies her vielleicht so üblich, dass Leute lieber Verbrechern oder Serienmördern den Eintritt in dieses Gebäude erlauben würden, anstatt sich kurz die ‚Mühe‘ zu machen und zu fragen? Ich wusste es nicht.

Jedenfalls trat ich ein und schaute mich um. Wenn ich dieses Hochhaus mit meinem Haus, ach was sage ich, mit dem Haus meiner Erzeuger, vergleichen würde, würde ich schon fast sagen, dass dieses Bauwerk hier der pure Luxus war. Ich bin zwar nicht arm, aber auch nicht sonderlich reich.

Die Personen, die mich vor siebzehn Jahren, gegen meinen Willen, in die Welt gesetzt haben, gehen zwar den ganzen Tag lang arbeiten, verdienen aber beide trotzdem nicht wirklich so viel, dass wir uns eine Villa oder sonstiges leisten könnten – es reichte gerade so um über den gesamten Monat zu kommen, obwohl es auch dort manchmal ganz schön knapp wurde; was aber auch nur daran liegt, dass meine jüngere Schwester total von ihnen verhätschelt wird und jeden Monat neue Markenschminke und Markenklamotten brauchte, damit sie in ihrer armseligen Clique bloß nicht als ‚Außenseiterin‘ da stehen könnte, wobei ich eher denke, dass sie trotzdem noch liebevoll von ihnen angenommen werden würde. Vermutlich hoffte sie damit aber auch nur, dass sie mit dem teuren Zeug doch noch irgendwann mal einen Jungen von sich überzeugen könnte, ohne, dass dieser sie nur ausnutzt, wie es viele davor mit ihr getan hatten. Aber wenn ich ehrlich war, ich empfand keinen geringsten Funken Mitleid mit ihr. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem ich mich also unten in aller Seelenruhe umgeschaut hatte, blieb mein Blick an einem Fahrstuhl haften, aus dem gerade eine Frau mit einem Kinderwagen ausstieg. Warum war sie denn so spät noch mit ihrem Kind draußen unterwegs; beziehungsweise, warum wollte sie denn jetzt noch mit ihrem Kind im Dunkeln spazieren gehen?

Ich schaute auf mein Handy. - Es war gerade 03:57 Uhr.

Als sie an mir vorbeiging, nickte sie mir nur mit einem freundlichen Lächeln zu und ließ mich mehr als verwirrt, mit mehr als tausend unausgesprochenen Fragen, zurück.

Einen kurzen Moment später, als ich mich wieder gefangen hatte, lief ich zu dem Fahrstuhl und wartete darauf, dass sich die Türen wieder öffneten. Als sie dies taten, drückte ich, ohne überhaupt nachzusehen, wie viele Stöcke dieses Haus besaß, auf den letzten Knopf und wartete ungeduldig, bis er oben ankam.

Plötzlich prasselten alle Ereignisse wieder auf mich ein und ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Ich fing wieder an zu weinen und war mehr als froh, als sich die Fahrstuhltüren endlich wieder öffneten, nach einer gefühlten Ewigkeit.

Ohne mich großartig umzusehen rannte ich einfach ein paar Treppenstufen hinauf und kam plötzlich an einer Glastür an, die, offensichtlich, auf das Dach des Gebäudes führte. Ich öffnete die Tür, trat hinaus in die kühle Luft und stellte mich so nah es ging an den Rand des Daches und schaute einfach nur hinunter, bevor ich begann leise und mit schluchzender Stimme vor mich hin zu sprechen:

„Nun steh‘ ich hier – ganz allein, wie immer.

Ich stehe auf dem Dach eines fünfundzwanzig oder doch eher doch eher dreißig stöckigen Hochhauses, in meiner Heimatstadt Gold Coast; denn ich bin innerlich total zerbrochen. Mein Leben ist die reinste Hölle, ich hasse es! Deshalb will ich es endlich – hier und jetzt – beenden und all‘ den Schmerz und die vielen schlaflosen Nächte hinter mir lassen.

Ich habe mich schon vor Jahren komplett aufgegeben. Meine Familie merkt rein gar nichts, nicht einmal, dass ich schon seit gefühlten Monaten schwarze Ringe unter den Augen habe, weil ich einfach keinen Schlaf finde, geschweige denn merken sie, wie dreckig es mir wirklich geht.

Sie merken es einfach nicht und würden es auch nie verstehen. Sie verstehen es ja nicht einmal, wenn ich schlechte Laune habe, dabei glauben sie doch allen Ernstes mich zu kennen und wüssten, was tatsächlich so in meinem Leben vor sich geht. Doch erzähle ich ihnen seit einigen Jahre immer wieder nur dasselbe, was denen nicht mal auffällt.

Ich hasse sie.‘‘

- Flashback -

„Ey, West!‘‘, hörte ich Luke, den schlimmsten Jungen der gesamten Schule, von weitem meinen Namen rufen. Er versuchte nun schon seit Monaten meine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch schaffte ich es jedes Mal, ihn gekonnt zu ignorieren.

Er kannte mich durch die Clique, in der wir beide einmal Mitglieder waren. Und ich wünschte, dass ich an diesem Tag einfach nicht zur Schule gegangen wäre. Ich hatte vor langer Zeit mit Lucy, der ‚Anführerin‘ der Clique, gesprochen, denn ich wollte austreten. Es tat mir nicht gut und durch diese zerbrach das Verhältnis zwischen mir und meiner Familie nur noch mehr, einfach weil ich nicht mehr ich selbst war.

Ehe ich mich an diesem Tag also schnell verkrümeln konnte, packte Luke bereits mein Handgelenk. Zu stark, wenn ich ehrlich war – es fühlte sich an, als würde er meine Knochen in innerhalb der nächsten Millisekunden zermahlen. Er zerrte mich mit sich in die Turnhalle und schloss die Tür zu einigen Sportmaterialien, wie Bällen, etc., einfach hinter sich.

Panik machte sich in mir breit und genauso schaute ich ihn scheinbar auch an, denn auf seinem Gesicht machte sich plötzlich ein mehr denn ekelerregendes und dreckiges Grinsen breit, während er mir immer näher kam.

Verzweifelt lief ich immer weiter rückwärts, bis ich irgendetwas in meinem Rücken spürte, was mich daran hinderte, mich weiter von ihm entfernen zu können. Er packte mich mit seinen Händen grob an der Taille und zog mich gegen sich. Ich versuchte mich zu verteidigen, doch er war einfach zu stark.

„Ich hatte dir doch gesagt, dass du mir nicht so schnell entkommst, Süße‘‘, raunte er mir mit einem dreckigen Ton ins Ohr, wobei er wohl dachte, dass es unfassbar verführerisch geklungen hätte. Am liebsten hätte ich ihm in sein hässliches Gesicht gekotzt.


Immer noch versuchte ich mich verzweifelt und unter Tränen von ihm loszureißen, doch er ließ einfach nicht locker. Dann ging alles ganz schnell. Er hatte mich vergewaltigt und geschlagen, teilweise sogar gewürgt, noch ehe ich es überhaupt realisieren konnte. Danach ließ er mich einfach liegen und verschwand mit einem selbstsicheren Grinsen.

- Flashback Ende -


Es tat weh, mich an diesen Moment zurückzuerinnern. Und auf die Sekunde genau fällte ich eine Entscheidung: ich wollte mein Leben endlich beenden!

So lange hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt; mir immer wieder Pläne gemacht, wie man denn für so etwas am besten vorgehen könnte. Doch jetzt, wo der richtige Zeitpunkt einmal gekommen war, brauchte es keinerlei Pläne mehr.

Ich schaute kurz in den Himmel und sah den Mond schon langsam wieder verschwinden. Es würde wahrscheinlich bald wieder hell werden und dann könnten alle meine Leiche vom Boden aufkratzen.

Es fühlte sich an, als wäre jegliche Erinnerung aus meinem Kopf entwichen und ich könnte endlich frei sein. Frei sein, wenn ich mich von diesem Haus fallen lassen würde. Ich fing an leicht zu lächeln und freute mich sogar schon darauf, endlich nichts mehr zu fühlen und keine Probleme und Sorgen mehr haben zu müssen.

Ich ließ mich fallen, doch spürte keinen Wind um mich herum, sondern starke Arme, die mich von hinten zurückzogen und wieder zurück in die eiskalte Realität beförderten. Ich prallte gegen einen, so wie ich es mitbekam, ziemlich muskulösen Körper, doch als ich hochschaute, traf mich der Schock.

Derjenige, dem ich meinen fehlgeschlagenen Selbstmordversuch zu verdanken hatte, war kein Unbekannter für mich – im Gegenteil. Es war ein Junge, mit welchem ich damals fast zwei Jahre zusammen war, bevor er von heute auf morgen einfach spurlos verschwand und nie wieder auch nur ein noch so kleines Lebenszeichen von sich gab. So schnell ich konnte löste ich mich von seinem Griff und rannte einfach davon.
Was hatte er sich denn dabei gedacht? Warum kam er einfach wieder und hielt mich auch noch davon ab, endlich wieder frei zu sein und dieser Hölle zu entkommen? Ich schüttelte den Kopf, weil ich es einfach nicht glauben konnte und stolperte aus dem Gebäude und hinein in die Dunkelheit.

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Booklover 12. Jun 2019

Hi taetum,
Ich dein erstes Kapitel super und freue mich schon auf die folgende Geschichte und bin gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt.
LG Booklover

Anerya 12. Jun 2019

Hallo taetum,
Du darfst deine Geschichte nur in eine Kategorie einordnen. Doppelte Einordnungen sind nur bei Fanfiction aufgrund des Urheberrechts möglich. Ich habe die Einordnung auf Thriller korrigiert.
Gruß, Anerya