lies have their own truth

vor 6 Mon.
If its love bekommt eine Neuauflage :) Julienne Shay war ein normales Mädchen, bis sie auf Ethan Collister traf. Nichts an der Liebe der beiden ist real, alles nur ein gut durchdachter Marketingstreich... doch kann das wirklich gut gehen, wenn die alte Liebe wieder auftaucht und alles droht aufzufliegen?
Liebe/Romantik Romanze P12 Romanze In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1.1

Mein Leben war…, ja ich würde sagen, es war gut. Ich hatte so vieles hinter mir gelassen und mich gerade wieder aufgerappelt. Gemeinsam mit meiner besten Freundin Taylor saß ich auf der Wiese vor dem Campus und genoss die Sonne, in der Hand einem leckeren Kaffee. Es gab nichts Besseres. Sie hatte die neuste Ausgabe einer Klatschzeitung in der Hand und sah sich das Bild eines jungen Mannes an.
„Musst du dir diesen Quatsch angucken?“, fragte ich und rollte mit den Augen. Für diese Magazine hatte ich noch nie etwas übriggehabt. Lügen, Intrigen und angebliche Insider-Infos, die ganze Leben zerstören konnten. Für nichts anderes waren diese Magazine gut und Taylor eigentlich zu schlau um so einen Schund zu lesen.
„Entschuldige, dass ich mich über dein Umfeld informieren möchte.“ Sie grinste frech, während sie es sagte. Mein Umfeld. Schön, wie sie es aussprach. Als würde mein Leben nur in diesen Blättern stattfinden. Ja, mein Vater, angesehener Arzt und meine Mutter, Tochter aus reichem Hause, mit ihrer wohltätigen Crowninshild-Stiftung gehörten zu meinem Leidwesen zur Upperclass von Boston und damit auch ich. Ich hatte nicht die Wahl gehabt, ob ich mein Leben still und leise vor mich hinleben wollte oder jeder Fehltritt, den ich mir erlaubte in der Öffentlichkeit breitgetreten wurde. Es war immer nur die Frage gewesen, in wessen Fußstapfen ich treten wollte. Angesehene Ärztin werden, wie mein Vater und die Nächte im Krankenhaus verbringen, oder irgendwann die Stiftung meiner Mutter übernehmen und da ich auch noch das Schicksal hatte, Einzelkind zu sein, blieb am Ende nur die Stiftung. Okay, Arzt war auch nicht wirklich eine Alternative für mich gewesen, die sich schon bei dem Gedanken an Blut übergeben konnte. Ich hatte immer so sehr versucht, das unscheinbare Kind zu sein, nicht aufzufallen, aber so ganz gelungen war es mir in den letzten Jahren nicht. Nicht, dass ich wegen irgendwelcher Eskapaden aufgefallen war, aber als alleinige Erbin der Stiftung, hatte ich meine Eltern immer wieder begleiten müssen und daher war mein Name nicht mehr so unbekannt, wie ich es früher gerne gehabt hätte und damit war ich längst ein Teil dieser Welt voller Lügen und Intrigen geworden, schneller als mir lieb gewesen wäre.
„Mal wieder was von Dean gehört?“ Taylor legte die Zeitschrift bei Seite und blickte mich vorsichtig an. Dean, mein Ausflug in die Welt der reichen Kinder ohne Perspektive. Lange vor dem letzten Winter hatte ich die Sache beendet. In der Upperclass gab es keine guten Menschen, wie ich feststellen musste und auch Dean war mehr Schein als Sein gewesen.
„Seit er abgetaucht ist, nicht.“ Ich streckte mich auf dem Rasen aus und blickte in den blauen Himmel. Dean, ein Kapitel, welches ich auch zu gern hinter mir gelassen und vergessen hätte.
„Und wie sieht es mit einem neuen Typen aus? Vielleicht so einem heißen Kerl wie den hier?“ sie deutete auf die Zeitung und einen jungen Mann etwas jünger als wir. Jaden Collister, Sohn von Frank Collister, einem Politikerfreund meines Vaters.
„Lass gut sein, Tay, aber aktuell ist mein Leben gut so, wie es ist. Keine Männer mehr und schon gar nicht welche wie den, aber vielleicht möchtest du ja dein Glück versuchen.“
Lachend lehnte auch sie sich zurück.
„Als würde sich einer wie der, in meinen Kreisen bewegen.“
Taylor war ein einfaches Mädchen, das bei ihrem Vater aufgewachsen war und schnell auf eigenen Beinen stehen musste. Vielleicht war sie genau deswegen auch meine beste Freundin geworden. Sie war alles, was ich immer gern sein wollte. Frei, ungestüm und in vielen Dingen viel reifer und weiter als ich. Anders, als die Kinder aus den anderen Familien die ich durch meine Eltern kannte.
„Ach, da wo Party und heiße Frauen sind, da sind die Typen doch auch immer.“
„Also im East schon mal nicht. Aber mal ehrlich Juls, wenn sie immer da sind, wo die scharfen Schnitten sind, dann ist auch klar, was das für Kerle sind.“
„Wohl wahr.“ Ich musste direkt an Dean denken. Auch er war genau einer dieser Typen gewesen und es war ein harter Schlag zu realisieren, dass ich nicht die einzige in seinem Leben gewesen war. Es gab vieles, was man verzeihen konnte, aber so einen Fehltritt nicht. Aber das war lange nicht seine einzige Macke gewesen. Doch weitere Gedanken wollte ich auch nicht mehr an ihn verschwenden, es war es einfach nicht wert gewesen.
In solchen Momenten empfand ich mein Leben als perfekt. Zwischen den Vorlesungen mit meiner besten Freundin einen Kaffee trinken, quatschten und einfach das Treiben um uns herum genießen. Abends heimkommen, noch etwas lernen, essen, dann auf die Couch und vielleicht eine Folge einer guten Serie im Fernsehen ansehen und am Wochenende mit Freunden essen gehen oder einfach ins Kino, auch mal im East tanzen, bis die Füße schmerzten. Diese Freiheit war grenzenlos schön und es gab nichts, was ich daran aktuell ändern wollen würde, geschweige vermisste. Ich verstand die ganzen Mädchen nicht, die sich über Tinder von einer in die nächste Beziehung wischten. Vielleicht war ich wirklich etwas altmodisch, wenn ich lieber auf den perfekten Mann hoffte. Aber ich war auch nicht der Typ, der eben jeden Abend einen anderen Mann haben wollte, nur um nicht allein zu sein, denn ich konnte prima mit mir allein sein.

Die letzten Vorlesungen vergingen schnell und so war der Abend und damit mein entspanntes Programm nicht mehr allzu weit entfernt. Als ich auf unsere Einfahrt blickte sah ich, dass sogar mal wieder meine Mutter, wie auch mein Vater daheim waren. Selten, denn oft musste mein Vater länger arbeiten. Wenn er daheim war, dann bedeutete es, es würde ein verdammt leckeres Abendessen geben, denn mein Vater ließ es sich nicht nehmen gut für uns zu kochen. War wohl sein Ausgleich zu seinem Job. Doch als ich die Tür öffnete roch es wie immer, nicht nach einem umwerfenden Essen und ich hörte das meine Eltern in einer hitzigen Diskussion waren.
„Hallo!“, machte ich mich bemerkbar. Vielleicht hatten sie nicht mit mir gerechnet. Streit gab es bei uns eigentlich sehr selten. Vielleicht auch, weil meine Eltern sich mittlerweile seltener sahen, als früher.
„Gut das du da bist, Julienne. Komm bitte gleich her“, hörte ich meinem Vater und zuckte innerlich zusammen. Wenn mich meine Eltern mit vollem Namen ansprachen, dann hatte es meist nichts Gutes zu bedeuten und es kam auch nicht sonderlich oft vor.
Die Stimme kam aus dem Arbeitszimmer. Ich stellte meine Tasche ab und trat ein, mein Vater saß in einem seiner Clubsessel, schwenkte seinen Whiskey in der Hand, während meine Mutter an einer Wand lehnte und sich mit ihren Fingern über den Nasenrücken strich. Es schien ein doch recht hitziges Gespräch gewesen zu sein.
„Alles gut?“, fragte ich vorsichtig und musterte beide. Mein Vater sah erschöpft aus und meine Mutter ziemlich wütend. Das letzte Mal waren beide so drauf gewesen, als sie von Deans Drogeneskapaden aus einem Klatschblatt erfahren hatten und dabei direkt darauf schlossen, dass ich munter dabei mit machte. Demnach konnte mich gerade nur ein Donnerwetter erwarten und ich hatte nicht den leisesten Schimmer, was ich nun schon wieder falsch gemacht haben sollte. Seit Dean war unser Verhältnis sehr angespannt und ich gab mir wirklich alle Mühe die perfekte Tochter zu sein.
„Wir müssen etwas besprechen, setz dich.“ Mein Vater deutete auf den Sessel gegenüber. Ohne ein Wort folgte ich seinen Anweisungen und sah fragend zu meiner Mutter.
„Du weißt das mit unserem Namen eine gewisse Verantwortung zusammenhängt“, begann sie und mir wurde schlecht. Ein jeder wusste, wenn ein Gespräch schon so begann, dann hatte man ein richtiges Problem.
„Ich nehme keine Drogen, ich zeige mich nicht nackt im Internet und meine Noten sind auch gut, ich gebe mir alle Mühe.“
Ja, ich war vollkommen im Rechtfertigungsmodus gefangen, auch wenn ich nicht die leiseste Ahnung hatte, was los war. Aber ich hatte mir in den Monaten zuvor ein paar Fehltritte zu viel geleistet und musste mir ihr Vertrauen auch wieder mühevoll erarbeiten.
„Das wissen wir auch sehr zu schätzen. Ich weiß, das was ich dir gleich sagen werde, wird dir nicht gefallen, aber in diesem Fall musst du uns einmal unterstützen.“ Mein Vater schloss einen Moment die Augen.
Und in genau diesem Moment überschlugen sich die Ereignisse, denn was er daraufhin sagte, konnte nicht sein Ernst sein. Es musste ein Traum sein, anders war es nicht möglich.
„Dad, das ist nicht dein Ernst, wir leben nicht in Kentucky!“ Ich war außer mir, meine Hände ballten sich zu Fäusten und am liebsten hätte ich gegen irgendwas geschlagen.
„Vielleicht beruhigst du dich erst einmal.“ Meine Mutter legte mir die Hand auf die Schulter, doch diese schüttelte ich ab und stand auf.
„Ihr wisst, wir leben hier in der Zivilisation, weder im Mittelalter, noch in irgendeiner Höhle. Wir gehören auch keiner obskuren Glaubensrichtung an, die so etwas gutheißen würde.“ Meine Stimme war fester, als ich gedacht hätte. Dabei war ich gerade dabei vollkommen auszuflippen. Meinen Eltern in jeglicher Art zu widersprechen, lag mir nicht, aber in diesem Fall ging es nicht anders. Was hatten sie sich dabei gedacht? Wie konnten sie es so weit kommen lassen?
„Es hat keiner gesagt, dass du ihn heiraten sollst. Wir brauchen eure Hilfe und ihr werdet mitspielen.“ Die Stimme meines Vaters wurde lauter, so dass ich nun doch zusammenzuckte. Er war nicht der Typ, der laut wurde. Natürlich würde ich mitspielen, welch eine andere Wahl hatte ich schon? Immerhin stand hier einiges auf dem Spiel, die Stiftung, in die meine Mutter so viel Zeit und Herz gesteckt hatte, die ihr Vater bereits geführt hatte, ehe er verstarb. Es hatte ja wirklich keiner davon gesprochen, dass ich diesen Typen heiraten sollte. Aber welcher Mann in meinem Alter würde bei so einem Schwachsinn mitmachen? Keiner der bei klarem Verstand war, dachte ich jedenfalls.
Noch vor wenigen Stunden genoss ich meine Freiheit und mein Leben als Single und meine Eltern und ihre Freunde machten mir einen Strich durch meinen wundervollen Plan. Ich würde also wieder einen Freund haben, aus der Upperclass. Typen auf die ich gut und gerne verzichten konnte. Selbstverliebte kleine reiche Bengel, die verzogen waren, Frauen sammelten, oder sich mit ihren teuren Wagen am liebsten fast in den Tod fuhren. Er konnte ja nur in so eine schwachsinnige Idee einwilligen, weil er sicher schwul war und seine Eltern um jeden Preis vermeiden wollten, dass er sich outete. Nicht, dass ich was gegen Homosexuelle hätte, aber, aber als Scheinfreundin machte sich es nicht gut, wenn irgendwann die Wahrheit herauskam und das kam sie bekanntlich am Ende immer.
„Glaubt nicht, dass ich euch diesen scheiß verzeihe. Ich spiel dieses kranke Spiel mit, aber damit seid ihr echt zu weit gegangen.“ Ich erhob mich, selbst hassend, nicht einfach zu gehen und sie allein mit diesem Problem zu lassen. Ich musste ihnen zu gute heißen, dass sie mich immer fern von all diesen Lügen und Intrigen gehalten hatten und wie dankbar sie scheinbar immer waren, dass ich nicht zu einem dieser klassischen It-Girls wurde, sondern ein bodenständiger Mensch, der gar nicht groß auffallen wollte. Nun musste ich einmal mitspielen, um ihnen zu helfen und Frank Collister, der ebenfalls irgendwelchen Mist an der Backe hatte und da er und mein Vater sich bereits seit dem Studium kannten und wohl sehr enge Freunde waren, hatten sie mit Frank Collisters PR-Agentin gemeinsam einen Plan geschmiedet, aus dem angeblich nur beide profitieren konnten.
Würde meiner Mutter ihre Stiftung nicht so sehr am Herzen liegen, wüsste ich nicht, ob ich bei diesem Blödsinn eingewilligt hätte. Julienne Shay, die neue Freundin von Frank Collisters großartigem Sprössling. Ich konnte mich nicht mal an ihn erinnern. Auch wenn ich wusste, dass sie zwei Söhne hatten, kannte ich nur Jaden, der auf vielen Veranstaltungen dabei war und gerne das Rampenlicht suchte. Jedenfalls war nur er mir im Gedächtnis geblieben. Vielleicht auch, weil ich ihn öfter in den Klatschblättern gesehen hatte, die Taylor manchmal las.
Ich hatte es mir nicht nehmen lassen, meine Zimmertür fest zuzuschlagen, damit meine Eltern auch gewiss darüber informiert waren, wie sauer ich auf sie war.
Es hatte dann auch nicht mehr lange gedauert, bis meine Mutter ihren Kopf zur Tür hinein streckte. Sie konnte es nicht ertragen, wenn man lange sauer auf sie war.
„Ich bin dir unendlich dankbar und du weißt, ich hätte es nicht verlangt, wenn es nicht so wichtig wäre.“ Sie sprach leise.
„Ist schon gut, Ma. Ich möchte da jetzt nicht weiter drüber reden, sondern mich viel mehr damit beschäftigen, wie ich diesen Kerl in meinen Lernplan einkalkulieren soll.“ Ich blickte auf meine Post-It-Wand, an der ich alles notierte, was ich für wichtig erachtete und sogar ein gewisses Zeitraster dabei beachtete, welches mein Leben wenigstens ein bisschen planen sollte. Ich hatte Zeit gebraucht wieder dahin zu kommen, wo ich jetzt war und musste mich wirklich auf die Uni konzentrieren.
„Verteufle die Sache nicht gleich, wer weiß, ob sich für euch nicht doch etwas Gutes daraus ergibt.“
Aha, daher wehte der Wind, sie würde es also doch wundervoll finden, wenn ich diesen Typen auch noch heiraten würde. Was hatte Ethan Collister nur an sich, dass meine Mutter ihn schon als potentiellen Schwiegersohn ausmachte? War es gut für die Stiftung? Würde es irgendwo helfen? Oder warum wollte sie mich schon fast an ihn verkaufen?
„Ich glaube daraus wird nichts, arrangierte Ehen sind heute nicht mehr Standard.“ Nein, ich hätte gewiss nicht so zickig reagieren brauchen, aber ich hatte das große Bedürfnis einmal den Teenager raushängen zu lassen, der ich nie gewesen war.
„Lern Ethan erst einmal kennen, du wirst sehen, er ist ein toller Mensch und lass es auf dich zukommen.“
„Als hätte man dir Dad damals aufs Auge gedrückt.“ Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen. Es war gemein, das war mir selbst auch schon klar, aber sie hatte Dad damals auch normal kennenlernen dürfen.
„So manche wundervollen Beziehungen sind daraus entstanden. Denk an deinen Großvater und deine Großmutter. Beide wurden einander vorgestellt, heirateten und fanden dann letztendlich ineinander die wahre Liebe.“
Ich erinnerte mich sehr gut, wie oft mein Großvater es immer betont hatte, wie sehr er meine Granny liebte, nur kannte ich Granny nicht und hatte nie ihre Seite der Geschichte gehört. Wer konnte wissen, ob sie wirklich glücklich mit diesem Leben gewesen war, oder ob all das nicht doch eine einzige Lüge war.
„Ich möchte dir nur sagen, schließe nichts aus.“ Sie legte ihren Arm um meine Schulter. „Ich weiß, du träumst von diesem wundervollen Moment, diese einzig wahre Liebe, die sich beim ersten Blick bereits zeigt. Aber Liebe muss wachsen, alles davor ist nicht mal ansatzweise vergleichbar mit der gewachsenen Liebe.“
Auch ihre geschickt gewählten Worte würden mich nicht dazu bringen, mich in ihn zu verlieben. Er war ein Collister und mit Sicherheit nicht besser, als sein Bruder oder sein Vater. Meine Mutter hatte schließlich nicht weiter versucht auf mich einzureden und den Rückzug angetreten, meinte ich könne dann später zum Essen kommen, doch der Appetit war mir vergangen. Sicher würde ich mich nicht mit ihnen an einen Tisch setzen und einen auf fröhliche Familie machen. Sie würden schon sehen, was sie davon hatten, mich in ihren Mist so weit reinziehen zu müssen. Auch wenn ich diese Drohung nicht aussprach, war mir klar, ich würde sicherlich nicht so schnell verzeihen, wie sie vielleicht glaubten.

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