Ich bin doch kein Wolf!

vor 20 Std.
Georg unterbrach mich mit einem halb genervten, halb belustigten Seufzer. „Okay, nicht nur ein schlechter Wolf, sondern auch noch ein Hohlkopf. Du passt wirklich gut ins Rudel. Also, wo ist das Problem?“ Ich schluckte eine passende Erwiderung auf diesen Seitenhieb hinunter und konzentrierte mich. Georg meinte es nicht böse, das konnte ich an..
Liebe/Romantik Romanze P16-M+M Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: Diese Geschichte besteht aus vielen kleinen Teilstücken die ich aus Lust und Laune geschrieben habe; zusammengefügt und verbunden wurden sie erst später. Daher fängt es möglicherweise etwas flach an, zum Ende hin war ich dann aber richtig drin, und es hat sich alles überhaupt nicht so entwickelt wie ich mir das eigentlich gedacht hatte. Hach ja. Also, eine Steigerung ist vorhanden!

Prolog

Dass die Dinge im Dorf hier etwas anders liefen als es üblich gewesen wäre lernte ich schon von Geburt an. Auch wenn meine Generation und die meiner Eltern sich schon sehr an das moderne Leben der anderen angepasst hatten lebten meine Großeltern größtenteils noch in der Vergangenheit. Sie verließen das Dorf nie, und wenn einer aus der Familie es wagte und seine Zelte wo anders aufschlug war er für sie gestorben. Entfernte Cousins und Cousinen wurden nie erwähnt, und wenn sie sich doch einmal hier her zurück verirrten wurden sie behandelt wie…die anderen.
Sie waren kein Teil des Rudels mehr.
Ich lebte mit meinen Eltern im Haus meiner Großeltern; es war klein, aber wir hatten alle Platz, und ich liebte den verwilderten Garten und den Wald direkt dahinter. Für mich war das alles lange Zeit das einzige was ich brauchte, es war mein verwunschenes Paradies, und ich vermisste nichts.
Meine Großeltern waren frisch in Rente gegangen als ich geboren wurde, sie hielten Haus und Garten in Schuss und passten auf mich auf während meine Eltern oft bis spät abends in der Stadt arbeiteten. Allein das war eigentlich schon ein Frevel, aber das Geld wurde gebraucht, also akzeptierten sie es stillschweigend.
Ich hatte nie das Gefühl anders zu sein, der Großteil der Dorfbewohner gehörte zu unserem Rudel, und da sich sowohl meine Eltern als auch meine Großeltern nur mit anderen Wölfen abgaben lernte ich bis zum Schuleintritt nichts anderes kennen.
Ich verstand mich mit den Nachbarsjungen gut und kleine spielerische Kämpfe um die Rangordnung waren ein völlig normaler Bestandteil unseres Miteinanders. Erst als ich in die Schule kam und auf Kinder von außerhalb traf merkte ich das mein Verhalten alles andere als normal war.
Wir Wölfe blieben weiter unter uns, und je älter ich wurde desto mehr bekam ich das Gefühl dass unsere Regeln und Traditionen mich einengten. Aus Spiel wurde Ernst, und da ich mich eher zu den geistig und literarischen Themen hingezogen fühlte litt ich sehr unter dem rohen Machtgebahren meiner Artgenossen. Sie waren grob und brutal und ich verlor mit jedem Jahr das verging weiter den Bezug zu ihnen. So wollte ich nicht enden.
Mit Eintritt der Volljährigkeit und Beendigung meiner schulischen Laufbahn packte ich meine Koffer und floh aus meinem alten Leben.
Ich sah nicht mehr zurück, auch wenn es mir vor allem für meine Eltern Leid tat. Sie selbst hatten den Absprung nie geschafft, und nun verloren sie auch noch ihren einzigen Sohn an ihren eigenen unerfüllten Traum.
Wir schrieben regelmäßig und telefonierten auch oft, aber dabei ging es meistens nur um Belanglosigkeiten. Ich verschwieg ihnen dass ich in einer Nachtbar jobbte und den Führerschein machte, und sie lernten auch nie meine erste Freundin kennen.
Ins Dorf zurück kam ich erst zu Großmutters Beerdigung, mein Großvater war damals schon viele Jahre tot. Man behandelte mich höflich, aber uninteressiert. Ich war keiner mehr von ihnen. Und ich war froh dass ich diese Reise ohne meine Verlobte und zukünftige Frau angetreten hatte. Das Verhalten meiner Eltern und der anderen Dorfbewohner hätte einfach zu viele unerklärbare Fragen aufgeworfen.
Ich reiste wieder ab, zurück in mein neues unbeschwertes Leben, und ich war ehrlich gesagt nicht böse darüber dass der Kontakt zu meinen Eltern immer weniger wurde und schließlich vollständig abbrach.
Ich wusste nicht was aus dem Haus und meinem Zaubergarten geworden war, aber es interessierte mich irgendwann auch nicht mehr.
Ich heiratete meine bezaubernde Verlobte, ich bekam einen wundervollen Sohn, und ich war der glücklichste Mann auf Erden.
Meine Zeit als Wolf war vorbei, und sie würde mich auch nie wieder einholen. Nicht wenn ich es verhindern konnte.

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