Der myff-Adventskalender 2019

vor 22 Std.
Auch dieses Jahr - zum neunten und leider letzten Mal - haben sich wieder einige unserer User zusammengefunden, um euch mit Geschichten die Adventszeit zu versüßen. Also macht es euch gemütlich, schnappt euch Plätzchen und einen Kakao ... und entdeckt, was hinter den Türchen steckt. Das Mod-Team wünscht viel Spaß und dankt allen Mitschreib..
Weihnachten Romanze P12 Allgemein In Arbeit
Bemerkung des Authors: Hallo und herzlich Willkommen zu unserem diesjährigen (und allerletzten) Adventskalender! Schön, dass ihr uns auch diesen Winter wieder begleitet. Viel Spaß!

1. Dezember: Rahmen

Kühle Luft senkte sich über Myfflonien. Die kälteste Jahreszeit war angebrochen und somit auch die Weihnachtszeit. Einige Bewohner freuten sich schon, denn das bedeutete Gemütlichkeit, fröhliches Beisammensein und weihnachtliche Geschichten.
Auch das Thora-Wölfchen war recht guter Laune, als es auf der Suche nach ihren Freunden durch Myfflonien strich. Doch mit einem Mal überkam sie ein merkwürdiges Gefühl: Irgendetwas war anders. Unruhig blieb das Wölfchen stehen, schnupperte erst in die Luft und sah sich dann um. Es war so ruhig. Zu ruhig für diese Zeit, in der sonst fleißig dekoriert, gebacken und gelacht wurde.
Plötzlich entdeckte sie ein ihr bekanntes Phantom, das sich aufmerksam umblickte.
„Hallo Anerya!“, rief das Wölfchen und lief näher.
„Hey Thora“, grüßte das Phantom. „Ist dir auch aufgefallen, dass es hier so still ist?“
„Ja, was ist denn nur los? Da stimmt doch etwas nicht. Eigentlich müssten längst die Vorbereitungen für unsere myfflonischen Weihnachtstraditionen laufen“, meinte das Wölfchen nachdenklich.
„Vielleicht sollten wir dem Pony mal einen Besuch abstatten“, schlug Anerya vor.
Gesagt, getan. Auf dem Weg zu Blueys Stall trafen die beiden auf ihre Kollegin Lyccea, die sich ihnen sofort anschloss. Sie war eine Weile nicht da gewesen und wunderte sich nun ebenfalls, wieso Myfflonien wirkte, als wäre es eingeschlafen.

Am Stall angekommen pochte Thora mit ihrer Pfote gegen das Holz. Von drinnen erklang nur irgendein undeutliches Gemurmel.
„Pony, bist du da?“, rief das Phantom.
Nachdem wieder keine eindeutige Antwort kam, öffnete Lyccea einfach die Tür und die Drei traten ein.
Das blaue Pony lümmelte auf dem Sofa, vor ihr dampfte es aus einem Becher. Neben der Couch lugte die Mörderaxt aus ihrer pinken Plüschhülle hervor. Verwundert blickte Bluey den Besuch an.
„Was macht ihr denn hier? Ist ein Troll durch das Dorf gelaufen?“
„Nein, das nicht“, begann Thora.
Das Pony hatte gerade zu ihrer Waffe greifen wollen, doch schnell zog sie ihren Huf wieder zurück. „Warum seid ihr dann hier, wenn es nichts Wichtiges ist?“
„Aber es ist wichtig!“, betonte Anerya. „Es ist noch überhaupt nicht weihnachtlich! Was ist mit den Vorbereitungen, die getroffen werden müssen?“
„Genau“, stimmte Lyccea nickend zu. „Es muss doch alles organisiert sein, wenn die Myfflonier zusammenkommen!“
„Weihnachten?“ Bluey wippte nachdenklich mit dem Kopf. „Ach, ist es schon wieder soweit? Kann nicht jemand anderes das übernehmen? Außerdem sehe ich kaum noch Bewohner hier herumlaufen.“
„Das ist ja gerade so merkwürdig. Hier stimmt etwas nicht!“ Thora wurde langsam ungeduldig. Was war denn mit dem Pony los?
„Ach, ich glaube die Weihnachtszeit wird einfach überbewertet. Außerdem habe ich so viel zu tun. Ich bin raus.“
„Du kannst doch nicht unsere gemeinsame, gemütliche Weihnachtszeit boykottieren! Schon wieder!“ Anerya wurde wütend.
„Ich sagte doch, ich habe genug anderes zu tun. Und nun lasst mich bitte allein, damit ich…ähh… meine Liste abarbeiten kann.“

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort wurde ein kleines Löwenkind von einem schokoladigen Duft geweckt. Neugierig steckte es seinen Kopf unter dem großen Sessel hervor, der in Hades‘ Höhle stand. Der Unterweltgott kam gerade zurück in sein Wohnzimmer, als das Löwchen, das auch liebevoll „Freak on tour“ genannt wurde, sich streckend ganz hervorkroch.
„Oh, hast du schon wieder unter meinem Sessel geschlafen?“, brummte Hades und ließ sich mit seinem Becher in eben diesen fallen.
„Ja, dort ist es gemütlich“, erwiderte sie und wich dem Modchef geschickt aus. „Was hast du da? Ist das Kakao, weil es kalt draußen wird? Die Weihnachtszeit beginnt, oder? Wie schön, ich freue mich schon auf das gemütliche Beisammensein und die schöne Stimmung, einfach auf eine Menge Weihnachtsflausch!“ Das Löwenkind war kaum zu bremsen.
„Stopp. Ich brauche hier keinen Flausch in meiner Höhle“, dröhnte der Mod-Gott.
„Ach, mit den Jahren ist es immer einfacher geworden, dich zu verflauschen“, grinste der Löwe. „Außerdem musst du dich um die diesjährigen Vorbereitungen kümmern. Ist der Marktplatz schon geschmückt? Alle Bewohner motiviert und informiert?“
„Warum muss ich das eigentlich machen?“ Hades verengte die Augen.
„Weil du das immer gemacht hast?“, entgegnete das Löwenkind sofort.
„Dieses Jahr habe ich einfach keine Lust“, grummelte er und nahm einen Schluck. „Vielleicht sollte ich in Rente gehen…“
„So ein Quatsch“, unterbrach die Kleine.
„Momentan ist sowieso nicht so viel bei uns los. Lohnt sich der Aufwand dann überhaupt? Ich glaube, ich bin dieses Jahr raus!“
Alarmiert stupste Freak dem Unterweltgott gegen das Bein. „Du musst aber!“
„Sagt wer?“ Er schob das kleine Tier mühelos beiseite. „Ich nehme mir dieses Jahr frei. Schließlich will ich auch mal ruhige, stressfreie Feiertage genießen. Mit so wenig Flausch wie möglich.“
Frustriert stelle das Löwenkind fest, dass Hades gerade nicht umzustimmen war. Schnell lief es hinaus, um Hilfe bei seinen Kollegen und Freunden zu suchen.

Auf dem ansonsten völlig verlassenen Marktplatz wurde der kleine Löwe schließlich fündig.
Nachdem Anerya, Lyccea und Thora von dem Pony aus dem Stall geworfen worden waren, hatten sie beschlossen, die anderen aus ihrem Team zusammenzutrommeln, um nach einer Lösung zu suchen. Aiewyn hatten sie schon gefunden und nun kam eben Freak aufgeregt auf sie zu gerannt.
„Hades will nicht bei den Weihnachtsvorbereitungen helfen!“, platzte es aus ihr heraus.
„Bluey weigert sich auch“, erklärte Lyccea.
„Was ist denn hier los?“
Die Gruppe zuckte zusammen, als sich aus einer Nebelwolke plötzlich eine Gestalt manifestierte. Es war Dead-Dream, die sich geschockt umschaute. „Hier ist ja gar niemand da und von gemütlicher Weihnachtsatmosphäre keine Spur. Nicht einmal unsere Tanne hier auf dem Marktplatz ist geschmückt! Dabei bin ich extra wegen der schönen Zeit wieder hergekommen!“
„Ja, hier geht irgendetwas vor sich“, raunte Aiewyn. „Kaum Myfflonier sind zu sehen und das Pony und Hades sträuben sich, etwas für das festliche Beisammensein zu tun.“
„Auch abgesehen von den beiden, ist es hier wirklich viel zu ruhig. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen!“ Thora blickte aufmerksam um sich.
„Ich weiß, was passiert ist“, hörten sie auf einmal eine Stimme von oben und entdeckten eine Fledermaus, die zu ihnen hinuntersegelte.
„Leroy! Erzähl, was du weißt“, befahl Anerya.
„Im Wald habe ich von einem Fluch erfahren, der über Myfflonien liegt. Erst dachte ich, dass der böse Magier uns nur vom Weihnachtsflausch abhalten will, aber es ist noch schlimmer! Er will Myfflonien vernichten!“
Stille senkte sich über die Gruppe. Jedem war der Schock ins Gesicht geschrieben.
„Stimmt das wirklich?“, fragte das Wölfchen schließlich unsicher nach.
„Schaut euch doch um! Der Magier verhindert, dass die Myfflonier sich weihnachtlich fühlen. Dass sie fröhlich ihren Traditionen nachgehen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Teilweise sind sie scheinbar schon ausgewandert.“ Die Fledermaus verschränkte ihre Flügel. „Dennoch konnte ich eine Hexe ausmachen, die mir verraten hat, dass von Bewohnern erzählte Weihnachtsgeschichten helfen den Bann zu lösen. Sie ist dabei, einen komplizierten Zauberspruch durchzuführen, der uns verzauberte Wörter gibt. Diese Wörter müssen in den Geschichten vorhanden sein, damit sie ihre Magie entfalten können! Wenn genug Bewohner ihre Texte vortragen, haben wir noch eine Chance.“
„Dann müssen wir nur diese Vorgaben zu den Bewohnern bringen und sie ihre Geschichten erzählen lassen!“, rief das Löwenjunge aufgeregt.
„Das mache ich!“, erklärte sich das Träumchen sofort bereit. „Myfflonien soll bestehen bleiben. Ich werde sofort zu der Hexe aufbrechen und die Wörter holen, damit sie verteilt werden können.“
„In Ordnung. Wir sorgen dafür, dass es hier weihnachtlicher aussieht“, bestimmte Thora.
„Lasst uns gemeinsam Myfflonien retten!“, rief Lyccea und alle stimmten mit ein. Kampflos würden sie sicherlich nicht aufgeben.

Kurze Zeit später war der Marktplatz wieder leer. In Schatten gehüllt flog Dead-Dream in Windeseile mit Leroy zu der Hexe, während die anderen in ihren Behausungen Dekoration zusammensuchten, um der Trostlosigkeit Myffloniens entgegenzuwirken.
Bei der Hexe angekommen, bekam das Träumchen drei magische Pakete in die Hand gedrückt. „Es ist wichtig, dass die Geschichtenerzähler selbst ihre Wörter ziehen. Es müssen am Ende drei Vorgaben für jeden sein, also aus jedem Paket eine.“
„Verstanden“, nickte DD.
„Ich wünsche euch und unserem ganzen Land viel Glück dabei. Es ist ein schrecklicher Fluch!“, sagte die Hexe und schaute traurig.
„Wir machen das schon!“ Motiviert sauste der tote Traum davon.
„Träumchen, warte doch“, rief Leroy verzweifelt, der so schnell gar nicht hinterherkam und sie nach kurzer Zeit aus den Augen verloren hatte. Seufzend machte er sich auf, um den anderen zu helfen.

Es dauerte nicht lange, da hatte Träumchen ihr erstes Ziel gefunden. Ein kleiner Affe turnte auf einem Baum herum und erschrak, als Dead-Dream plötzlich auf dem gegenüberliegenden Ast erschien und streng verlangte: „Ziehe drei Vorgaben!“
Verängstigt blickte der Affe sie mit großen Augen an. „Was? Wie? Vorgaben?“
Das Träumchen seufzte. Angst machen wollte es den Bewohnern ja nun nicht. „Es geht um weihnachtlichen Flausch. Vermisst du den nicht?“
„Oh ja, ich muss unbedingt meine Weihnachtmütze heraussuchen“, lächelte aeffle. Langsam beruhigte er sich von dem Schreck.
„Du hast bestimmt Lust, eine schöne Geschichte zu erzählen“, meine das Träumchen.
„Hm, warum nicht? Ich mag Geschichten aus der Weihnachtszeit. Ist es denn schon soweit? Hab das gar nicht mitbekommen.“ Nachdenklich kratzte das Äffchen sich am Kinn.
„Und als kleine Besonderheit musst… darfst du drei Vorgaben ziehen, aus jedem dieser Pakete eine“, erklärte der tote Traum.
„Das ist eine witzige Idee“, freute sich der Affe und griff in das erste Paket, aus dem grüner Nebel herauswaberte.
Auch das Träumchen war gespannt, was nun passierte. Aeffle zog den Arm wieder hinaus und hielt ein Stück Pergament in der Hand. „Winterpracht“, las es vor. Gespannt holte es auch gleich aus den anderen Paketen je ein beschriftetes Pergament heraus.
„Was steht noch darauf?“ Selbst das Träumchen war aufgeregt.
„Auf dem einen steht „Notizbuch“ und auf dem großen Papier „Das Klingeln hörte nicht auf“. Aber das ist ja ein ganzer Satz und nicht nur ein Wort“, bemerkte das Äffchen.
„Nimm es als Herausforderung“, motivierte Dead-Dream.
„Mache ich. Das wird ein Spaß“, lachte der Affe und sprang blitzschnell vom Baum.

Sofort machte sich der tote Traum auf, den nächsten Kandidaten zu suchen. Unten auf dem Weg entdeckte er eine Bewohnerin, die er sogleich ansteuerte.
„Hallo Glimmer!“, begrüßte Träumchen sie freundlich. Noch einmal wollte sie ihre Opf… Auserwählten nicht verschrecken. Dafür waren die Geschichten zu wichtig.
„Hallo. Hab ich etwas falsch gemacht?“, fragte GlimmerEverdeen nervös, da sie selten auf einen Mod traf.
„Nein, nein. Ich möchte dich nur fragen, ob du nicht eine Weihnachtsgeschichte erzählen möchtest.“
„Hm. Das klingt gut, ich liebe solche Geschichten“, stimmte sie zu.
„Gut. Aber ich habe eine Herausforderung für dich“, machte das Träumchen es spannend und holte die Pakete hervor. „Es gibt drei Vorgaben, die du mit einbauen sollst.“
„Oh.“ Das Lächeln in Glimmers Gesicht verschwand. „Das klingt kompliziert. Geht es nicht auch ohne?“
„Es wird ganz viele Geschichten geben und da wäre es doch schade, wenn du die Herausforderung nicht annimmst“, versuchte Dead-Dream sie zu locken.
„Na gut“, stimmte Glimmer schließlich zu. „Ist das mit dem Nebel normal?“, fragte sie, als sie in das erste Paket griff.
„Ja. Damit wirkt alles magischer“, lachte Träumchen verstohlen.
„Lichterglanz. Das ist leicht.“ Motiviert zog ihre Rekrutin die zweite Vorgabe aus orangenem Nebel hervor. „Coupon.“ Dann kam der Griff in das dritte Paket. „Hier steht sogar ein ganzer Satz: „Was für ein seltsamer Traum.“ Bist du damit gemeint?“
Das Träumchen lachte. „Naja, auf manche mag ich vielleicht wirklich etwas seltsam erscheinen.“
„Gut, danke für die Vorgaben. Ich gebe mein Bestes!“, rief Glimmer und die Wege der beiden trennten sich.

Dead-Dream machte sich weiter auf die Suche nach Myffloniern, an die sie die magischen Vorgaben verteilen konnte, während ihre Freunde inzwischen dem trostlosen Marktplatz eine weihnachtliche Atmosphäre verliehen.
Sie alle waren so vertieft in die Vorbereitungen für ihre Weihnachtsrettungsaktion, dass niemand von ihnen bemerkte, wie in weiter Ferne die ersten Berge langsam zu verblassen begannen.

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wolkenloch 13. Dec 2019

Danke Kage. Dein wundervolles Weihnachtsmärchen hat mir den Tag versüßt. Genauso stelle ich mir ein gelungenes Türchen für den Adventskalender vor.

Liebe Grüße
wolkenloch

wolkenloch 13. Dec 2019

Hallo Osterhaserl,

bei Deiner Geschichte holte ich erst einmal Papier und Stift. Ich fing zu rechnen an und landete ungefähr im Jahr 2600. (Wenn man davon ausgeht, dass die erste geplante Marsmission voraussichtlich 2030 erfolgt.)
Dass es 2600 noch Weihnachten auf unserem Planeten Erde gibt, hat mich gefeut, Haserl. Ich liebe diese Fest. (Natürlich bin ich dann schon längst mausetot. Trotzdem... egal ist es mir dennoch nicht. Wie mag die Welt da wohl aussehen?
Schade ist, dass die nüchternen Wissenschaftler ihren Nachfahren auf dem Mars nicht unsere wunderschönen weihnachtlichen Traditionen übermittelt haben. Sie haben wohl schnell vergessen, woher sie ursprünglich stammen. Erst die Ärztin macht mit ihrer Deko Ley neugierig. Dieser beginnt Nachforschungen über sie und das Weihnachtsfest anzustellen und entdeckt so, was der Frau, weit fort vom Heimatplaneten Freude bereiten könnte. Schöne Idee, Haserl!
Glücklicherweise gibt es Wissenschaftler mit großem Herz. Ich meine damit Alexander Gerst. Er wollte Weihnachten daheim auf der Erde bei seiner Familie sein.

Liebe Grüße
wolkenloch

blue-rider 11. Dec 2019

Hallo Sternenzauber,

über deinen Text musste ich lange nachdenken, denn irgendwie ist der nicht bei mir gelandet, sprich er hat mich leider völlig kalt gelassen. Und mir stellte sich die Frage: Warum. Denn ganz ehrlich, der hat einen gut erzählten Höhepunkt, dein Schreibstil ist sehr angenehm, die Wortwahl ist abwechslungsreich - sprich: Handwerklich ist vieles gut gelungen.

Das Erste, worüber ich nicht hinwegsehen kann, ist der massive Logikfehler innerhalb der Geschichte. Der Vater wäre niemals im Gefängnis gewesen, weder in Deutschland noch in Österreich. Warum? Haftstrafen bis zu zwei Jahren werden - insbesondere bei guter Prognose/Führung - zur Bewährung ausgesetzt.
Du schriebst: Marlene war dankbar, dass die Mutter die Tradition auch in diesem Jahr, in dem alles anders geworden war, mit aller Kraft aufrechterhielt.
-> Ergo: Die Haftstrafe wurde erst dieses Jahr angetreten (sonst wäre ja schon im letzten Jahr alles anders gewesen) und der Vater hat - an anderer Stelle zu sehen - nur noch einen Monat im Gefängnis. Die Strafe ist also unter einem Jahr, maximal ein komplettes Jahr und wäre daher zur Bewährung ausgesetzt worden. Von daher funktioniert die ganze Geschichte für mich nicht.
Strafverkürzung - so wie es hier im Text scheint - geht nur über die Staatsanwaltschaft. Was anderes wäre der Strafvollzug in gelockerter Form. Das wäre natürlich an Weihnachten möglich, sprich dass der Vater zumindest über den Tag raus darf. Allerdings wäre da massiv hinderlich, dass die Familie recht weit weg in den Urlaub gefahren ist. So schnell kommt der Vater gar nicht hin und zurück, um Abends wieder im Gefängnis zu sein ... und Hafturlaub wäre ggf. möglich, aber a) weiß ich nicht, ob es den in Österreich gibt und auch da kommt b) die Abwesenheit der Familie von zu Hause hinzu.

Nächster Punkt: Das "Steuerproblem". Man muss schon massiv Steuern hinterziehen, um überhaupt in Haft zu kommen. 250.000 Euro - und das für einen Abrechnungszeitraum (sprich ein Jahr). D. h. die Familie müsste erstmal verdammt reich sein, wenn der Vater genug verdient, um so viele Steuern zu klemmen (was aber im Text nicht rüberkommt) und ganz ehrlich, mir macht es Personen sehr unsympathisch, wenn die Diebstähle in der entsprechenden Höhe begehen. Von daher kann ich dem Vater komplett nicht gönnen, bei den Kindern zu Hause sein zu können.

Ein weiterer Logikfehler:
Sie kamen nicht durch. Die Leitung war tot. „Wahrscheinlich wegen dem vielen Schnee.“
(...)
„Mama? Können wir bitte DA anrufen?“
Die Mutter betrachtete den Kühlschrankmagnet. „Familien gehören zusammen.“
„Ja, er hat nur noch einen Monat. Ja, er war geständig. Ja, die Führung ist gut. Bitte, es ist doch Weihnachten…“
-> Wie kann sie telefonieren, obwohl die Leitung tot ist?

Der Text ist jetzt aber aus Sicht der Familie geschrieben und sagen wir mal, alles andere funktioniert. Dann muss ich einfach sagen, dass mir die Mutter extrem unsympathisch ist. Sie lässt die Kinder nicht zum Vater und scheint sich nicht einmal damit beschäftigt zu haben, was ihr Mann im Gefängnis so macht.
Zitat: Was macht man eigentlich den ganzen Tag im Gefängnis?“, fragte Marlene leise.
„23 Stunden am Tag auf den Hofrundgang warten. Auf Besuch warten. Ich glaub unter bestimmten Voraussetzungen darf man was arbeiten.“
Die Aussage ist super allgemein und unkonkret. Sprich: Die Mutter weiß nicht mal, was ihr Mann so tut den ganzen Tag. Sie scheint innerhalb des Haftjahres nicht einmal mit ihm gesprochen zu haben. Woher der Vater dann aber weiß, wohin er fahren muss, ist mir ein weiteres Rätsel.

Leider kann ich den Hauptkonflikt der Geschichte nicht ausmachen. Geht es darum, wie die Familie mit der Abwesenheit des Vaters umgeht? Geht es darum, dass der Vater Weihnachten dazu kommen soll? Im ganzen ersten Abschnitt kommt weder das eine noch das andere vor, sondern nur streitende Geschwister. Somit bringt der ganze erste Teil für mich gar nichts für die Geschichte (außer ein genervtes Augenverdrehen, weil beide Kids supernervig sind).
Erst im dritten Abschnitt kommt das erste Mal ein Hinweis darauf, was der Konflikt und damit auch die Lösung desselben sein kann (Das "Können wir Papa anrufen" im ersten Abschnitt deutet für mich im ersten Moment eher auf Scheidung hin - und es wird ja von keinem Protagonisten emotional darauf reagiert oder das Thema diskutiert oder ... ich mein, die Reaktion auf "Papa kann nicht angerufen werden" ist, dass die Prota einschläft - hier vergibst du die Chance, deine Geschichte einzuleiten und den Leser darauf hinzuweisen, worum es geht. Davon ab macht es auch die Protagonistin absolut unsympathisch. Eigentlich ist es ja ein sensibles Thema in der Familie, dass der Vater nicht da ist und sie schläft einfach ein, als das zur Sprache kommt? Nichts anderes bedeutet "Marlene lehnte die Stirn ans Autofenster und schloss die Augen." - das ist kein eindeutig trauriges Verhalten).
Wirklich erklärt, was passiert ist, wird erst sehr spät - um nicht zu sagen viel zu spät - erzählt. Dadurch hast du mich schon verloren. Ich habe keine Lust, eine halbe Geschichte zu denken, dass die Eltern geschieden sind, um dann - Überraschung - zu erfahren, dass der Vater im Gefängnis sitzt. Für mich bedeutet das, dass ich die Hälfte der Geschichte in den falschen Konflikt investiert habe. Und ich fühle mich nicht gerne veralbert (insbesondere wenn bei mir dann noch die Unlogik-Lampe anspringt).

Bevor ich wieder Prügel für zu harsche Kritik bekomme, fasse ich es mal wie folgt zusammen: Du hattest eigentlich alle Zutaten, um einen richtig guten Text zu schreiben. Eine sympathische Geschichte von Kindern, die sich ihren Vater zu Weihnachten wünschen und bekommen, eine Familie, die traditionelles Weihnachten feiert und sich eigentlich sehr schätzt, plus das bereits erwähnte Handwerkszeug eines sehr fließenden Schreibstils - und durch massive Logikfehler und eine unsaubere Struktur klappt das leider nicht wie gewollt.

Leider weiß ich auch hier nicht, wie ich diesen Text bewerten soll - ich glaub, 2,5 Sterne für den Schreibstil.

Gruß
Bluey