Jäger und Gejagte

05.02.15 14:02
So hatte Noel sich das Ganze nicht vorgestellt. Ein Kampf gegen Oerba Yun Fang war hart. Das wusste er schon, aber er war nicht auf ihre leicht unlauten Vorzüge gefasst gewesen. Noch weniger auf den Verlauf des kleinen Gesprächs, das sich später zwischen ihnen entwickelte. [Ein kleines bisschen konfus, zwar liegt das Hauptaugenmark auf der &qu..
Final Fantasy Drama P16 Allgemein In Arbeit
Inhaltsverzeichnis
Bemerkung des Authors: Hallöchen~ diese Idee zu dieser FF entsprang einem ‚was-auch-immer-‚-Moment vor ein paar Tag. Und gegen alle Vernunft – hasst mich, aber meine Muse und Kreativität und meine Vernunft kennen sich leider nicht besonders gut, und irgendwelche Regeln sind für gerade Erstere sowieso nur irgendein Nonsens. Da es sich jedoch auch nur um eine kleine Idee handelt, wird es nur eine kurze Erzählung. Zur Geschichte selbst: Lasst euch bitte nicht allzu verwirren, ich gebe zwar ein leichtes Noel & Fang an, aber dieses ist wirklich nur sehr leicht. Sprich, ihr musst hier nicht mehr erwarten/fürchten als ein paar aufgeheizte Gedanken und vielleicht Handlungen, denn von einem Pairing kann hier keine Rede sein. Macht euch besser auf etwas ein bisschen… Konfuseres gefasst. Ich offenbar so oder so eine Vorliebe für seltsam verrückten Kram und unbekannte Pairings. Okay, einverstanden? Gut! :) Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich selbstverständlich über jede Form von konstruktiver Kritik oder wie es euch gefallen hat! :) LG, Ankh

Jäger und Gejagte I

„Lauf.“

„Lauf, solange du noch kannst…“

Er wollte nicht darauf hören. Er wollte nicht weglaufen. Er hatte nicht drauf gehört, hatte es zu ignorieren versucht, und doch, wie auch immer es dazu gekommen war, floh er gerade. Er lief weg, nicht mehr als eine Reaktion seines Körpers. Es war ihn fast peinlich, was ihn nur noch mehr verwunderte, als dass er am weglaufen war. Es war notwendig. Ein überlebenswichtiger Instinkt. Alles andere wäre… vielleicht nicht lebensmüde, nein, aber dumm gewesen. Äußerst dumm.

Dabei war es nicht das erste Mal. Er stellte sich dem Ganzem gerade hier nicht zum ersten Mal, jedoch, kein einziges Mal zuvor, hatte es zu dem geführt, was er gerade tat. Er war unvorsichtig. Er hatte nicht aufgepasst und durfte sehen, wie er da nun wieder rauskam. Es wäre das einfachste, wenn er einfach aufgab. Wenn er hier jetzt einfach stehen blieb. Was sollte ihm dabei denn eigentlich schon groß geschehen… außer das er verloren haben würde, nicht zumindest versucht, auch nur irgendeinen Weg aus seiner momentanen, miesen Lage zu suchen. Dennoch, sich seine Niederlage eingestehen, das war das einzig Schlaue, was er im Moment tun konnte. Es wäre auch so einfach, wenn er es nur könnte. Er konnte es einfach nicht über sich bringen. Er hatte noch nie in seinem Leben aufgegeben. Noch nie. Selbst im Moment seines Todes, oder vielmehr den Augenblick, an dem er dachte, dass er starb, hatten sein Glauben und seine Hoffnung ihn das Tor zu einer anderen Welt geöffnet. Er hatte eine zweite Chance bekommen.

Sein aufmerksamer Blick streifte unruhig durch die schattenverhangene, überwiegend von sattem Grün umgebende Gegend. Sein unruhiger, hektischer Atem brach die ruhige Stille dieses kleinen, idyllischen, voll Leben singendes, ihm leicht unwirklich vorkommenden Ortes, jener sich unschuldig aus dem Nichts erstreckte. Einem Nichts aus Sonne, Hitze, verklüfteten Felsen und Sand. Ein heimlicher, lautloser Fluch verließ seine Lippen. Wie hatte er sich nur so tief hier hereinreiten können? Dagegen, dass er seine Waffe verloren hatte, konnte er nichts machen, auch wenn es ihn jetzt selbstverständlich verärgerte. Er hätte sie sich einfach wiederholen können, es zumindest versuchen. Doch stattdessen war er weggelaufen, völlig unbewaffnet. So dumm konnte er doch gar nicht gewesen sein. Er wusste, ihn seinen Leben waren ihn schon viele, schwere Fehler passiert. Gravierende Fehler. Doch ungeachtet der Schwere der Folgen, die seine fehlerhaften Handlungen für sich mitbrachten, war er sich sicher, dass das hier jedoch mit Abstand das Dümmste war, das er je getan hatte. Und wenn er richtig großes Pech hatte, war das, was sich hinter ihm befand, eine viel kleinere Gefahr, als das, dem er hier wohlmöglich noch begegnen könnte. Er hatte sich einfach nur verwirren lassen. Er hätte ruhig bleiben und einen klaren Kopf bewahren müssen. Doch stattdessen hatte auf diese Worte gehört, sich verunsichern und verängstigen lassen. Unbewusst berührten die Finger seiner rechten Hand kurz seine Wange und er zuckte leicht mit seinem rechten Augenlid, als er über die warme, nasse Flüssigkeit strich, die seine Haut benetzte.
Er schüttelte seinen Kopf, als konnte er seinen eigenen Gedanken nicht glauben. Angst… Er hatte Angst gehabt. Wieso nur? Es gab doch nichts, wovor er sich wirklich fürchten musste. Zumindest bis dahin. Anstatt sich auf das zu berufen, was er über all die Jahre gelernt hatte, dem er bis jetzt immer treu geblieben war, war er wie ein kleines Kind davon gelaufen. Panisch. Hektisch. Angsterfüllt. Verwirrung und Verunsicherung hatten seinen Kopf überrannt, jeden seiner Sinne geflutet und er war einfach davon gestürmt, einfach nur weg, in Sicherheit. Das hatte er geglaubt. Auch wenn sein Weglaufen sich letztlich doch irgendwo als Überlebensinstinkt abtun ließ, nur als eine Suche nach einer noch so kleinen Möglichkeit, sich doch irgendwie zu schützen, sich zu wehren und weiterzukämpfen, hatte er nicht überlegt gehandelt. Denn jetzt war er gezwungen stehen zu bleiben, nach Luft zu schnappen und seine Gedanken zu ordnen. Er musste einen klaren Kopf bekommen, sich erst mal orientieren. Und das kostete ihm Zeit, wertvolle Zeit.

Er ließ sich atemlos nach vorne fallen, suchte mit seinen Händen Halt an dem groben Stamm der großen Palme, die über seinen Kopf hoch in den Himmel ragte. Der Blick seiner blauen Augen verfolgte kurz das kleine Lichtspiel der schwachen Sonnenstrahlen, die durch die schattigen, großen Blätter jener Pflanze drangen und auf den uneben, überwiegend sandigen Boden trafen. Seine Finger krallten sich in die harte Rinde, während er sich schnaufend umwandte und sich mit seinen Rücken erschöpft gegen die Palme lehnte, drehte seinen Kopf zur Seite. Vor, hinter und über ihm erstreckte sich eine schützende, grüne Blätterpracht. Ließen den Schein der Sonne in unzähligen, kleinen Lichtstrahlen durch die Schatten dringen und die Sicht auf den Weg vor ihm auf eigenartige Weise verschwimmen. Die Geräusche von Tieren, das Singen und Zwitschern von Vögeln, das Surren und Zippen von irgendwelcher Insekten dran an seine Ohren, herrschte um ihn und er versuchte seinen aufgeregten Herzschlag zu beruhigen, sich der friedlichen Wildnis um sich etwas mehr anzupassen. Er war selbst ein wenig erstaunt darüber, wie unauffällig er sich in seiner Hektik durch das grüne Unterholz, die zerlumpten Sträucher rings um ihn geschlagen hatte, dass nicht schon längst irgendein anderes Tier, vielleicht sogar ein weitaus gefährlicheres Monster auf ihn aufmerksam geworden war. Doch dann zuckte er zusammen, keuchte leicht erschrocken auf, als er etwas leise durchs Laub rascheln und sich ihm nähern hörte. Alarmiert hefteten seine Augen sich auf jenen Punkt, der sich knisternd und verborgen durch die schützenden Gewächse am Boden bewegte. Zuckte einmal mehr zusammen, als er letztlich sah, wie eine kleine Echse aus dem wilden Gewächs über den unebenen Sandboden kroch, um auf die andere Seite zu gelangen. Seine linke, mit abgetragenen Leder geschützte Hand legte sich wie von selbst auf die Stelle über seinen Herzen und er atmete erleichtert aus, schloss für einen kurzen Moment die Lider seiner Augen. Für einen kurzen Moment hatte er echt geglaubt, dass ihn da jetzt etwas aus dem grünen Dickicht anspringen und angreifen würde. Nochmal Glück gehabt, aber er musste vorsichtig sein. Dufte weder das, was seinen Weg kreuzen konnte, noch das, was sich hinter ihm befand, auf keinen Fall vergessen. Das was ihn verfolgte schon mal gar nicht, er war nicht ohne Grund davon gelaufen. Auch wenn er sich selbst nicht so erklären konnte, wieso. Ja, sie war gefährlich, ja, sie war stark, und ja, sie hatte ihn einen kurzen Augenblick wohl richtig Angst gemacht… aber trotzdem, da gab es nichts, wovor er sich zu fürchten hatte.

Wahrscheinlich - denn anders konnte er es sich nicht erklären - war es auch nur sein eigener Stolz gewesen, der seine so schnelle Niederlage nicht akzeptieren wollte, und ihn zum fliehen alarmiert hatte. Er suchte nur nach einen Weg, um weiterzumachen. Schön und gut… wenn er jetzt auch noch wüsste, wie er das anstellen sollte, so ohne irgendwas, womit er sich weiter behaupten konnte.

Er riss seinen Kopf zurück, als er plötzlich ein Geräusch vernahm, der Blick seiner Augen huschte unruhig umher, während er sich instinktiv ein wenig fester gegen den Stamm hinter seinen Rücken drückte. Er versuchte herauszufinden, von wo der seltsame Laut stammte, er auf einmal eine schwache Erschütterung unter seinen Füßen fühlen konnte. Er fluchte erneut innerlich, wieso musste er auch nur so überstürzt handeln; das hatte er nun davon, schoss es ihm durch den Kopf, als er das Geräusch als ein wildes, tiefes Knurren ausmachen konnte. Fühlte sein Herz schmerzhaft gegen seine Brust schlagen, während er sich selbst versuchte ruhig zu verhalten, mit seinen linken Bein etwas unauffällig zur Seite trat, seinen Kopf umwandte. Er hielt seinen Atem an, lauschte jeden Beben unter seinen Füßen und auch dem lauter werden, unregelmäßigen, schwer anhörenden Grollen, das sich ihm immer weiter näherte. Die Lider seiner Augen kniffen sich kurz fest aufeinander, ehe er sie wieder aufschlug und ihn kurz darauf einen warmen Luftzug streifen spürte. Er musste sich nicht umsehen, um zu wissen, dass das, was sich ihm da immer weiter näherte, scheinbar ihn nicht bemerkend langsam an ihm vorbeizog, sich mit seinen Kopf gerade nah an seinem eigenen befand. Es so viel größer als er selbst war. Fühlte, wie die schwüle Luft über seinen Kopf sich unerwartet aufgewirbelte und war bemüht, das erschrockene Keuchen in seinem Hals zu unterdrücken, als er plötzlich grob gepackt wurde. Finger, die sich fest um seinen rechten Oberarm schlossen und fortrissen, ehe ein stumpfer Hieb einen schmerzhaften Schub durch seinen Körper schickte, konnte dabei das scharfe Bersten von hölzernerem Gewächs hören. Er biss seine Zähne aufeinander, unterdrückte einen Schmerzenslaut, während er spürte, wie er herumgerissen wurde, eine warme Hand sich über seinen Mund legte. Spürte, wie er nach hinten gerissen, gegen einen fremden Körper gepresst wurde, und ein Arm sich nicht ganz so stark, dennoch bestimmend gegen seine Brust drückte. Seine Reflexe waren zwar gut, aber auch er brachte eine Schrecksekunde, bevor er die Situation richtig einschätzen und im besten Fall zum Gegenangriff ansetzten konnte. Aber eine leise flüsternde Stimme an seinem Ohr, die ihn vielleicht erschreckte, jedoch nicht unbekannt war, hielt ihn davor ab.

„Schht, bleib ruhig.“

Er verharrte in seinen Bewegungen, verkrampfte jede Faser seines Körpers, während seine Augen hastig hin und her huschten, er seinen aufgeregten Atem unangenehm in seinen Hals herunter schluckte. Konnte sehen, dass dort, wo er zuvor noch gestanden hatte, ein massives, mit verschmutzten, dunklen Fellzotteln übersehendes Bein sich zwischen den zerstörten und zertretenden Grün wieder schwerfällig in die Höhe hob.

„Du bist schnell, mein Kompliment. Aber du scheinst ein genauso großes Talent dazu zu haben, dich in irgendein Schlamassel zu stürzen. Du kannst mir später danken.“, sprach die etwas raue, dennoch weibliche Stimme hinter ihm und er konnte den warmen Atem der Frau in seinen Nacken spüren. Der instinktive Versuch, sich dennoch wieder loszureißen, erstarb, als der Arm ihn einmal mehr grob nach hinten drückte. Er konnte nicht das Zustandekommen des kalten Schauers verhindern, der ihn unangenehm über den Rücken lief, als er bemerkte, wie die Hand auf seinen Mund sich ein wenig lockerte und die andere Hand, jene Finger sich noch bis geradeeben in die Haut seines rechten Oberarms gebohrt, ihn ruhig gehalten hatten, vorsichtig über den dunklen Stoff seines Oberteils glitt, dennoch kurz darauf mit wieder gespreizten Fingern auf seiner Brust verweilte. Er konnte den Schlag seines Herzen auf einmal bis zu seinen Hals schlagen spüren, schluckte ungewollt und fragte sich insgeheim, was nur gerade mit ihm los war? Er versuchte ruhig durchzuatmen, während er noch immer die gewaltvollen Erschütterungen unter seinen Füßen fühlen konnte, sah, wie der gigantische, schwere Körper des Monsters ungestört an ihnen vorbeizog, hörte, wie sein dunkles, tiefes Grollen durch die schattige, grüne Flora um sie hallte. Ein unangenehmer, stumpf pochender Schmerz zuckte immer wieder von neuem durch seinen linken Oberarm, wollte nicht abnehmen, und er fühlte auch die warme Flüssigkeit, die ihn kribbelnd über die unter Hälfte seines Armes floss. Und doch konnte er sich im Moment auf nichts mehr konzentrieren, als die warmen Finger auf seinen Körper, jene Berührungen sich für ihn wie scharfes, schneidendes Stahl auf seiner Haut anfühlten. Und er fühlte es wieder… dieses Gefühl… dieses Unwohlsein, dass ihn zuletzt so weit vorausgetrieben hatte.

„Kannst du dir jetzt vorstellen, mit welcher Klasse von Kriegerin, und vor allem Frau, du es mit ihr zu tun hast? Bist du dir immer noch sicher, dass du das packst, Kleiner?“, erinnerte er Snows Worte von ein nur noch paar Tagen zuvor.

Ja, er war sich sicher gewesen, er würde das schaffen. Er war ein Jäger, er war ein Kämpfer, er war doch nicht schüchtern oder gar prüde, egal um welche Form von Körperkontakt es sich im Eifer des Gefechts auch handeln sollte. Schüchternheit war da fehl am Platz. Ein Kampf mit einer Frau machte ihn auch wenig aus, für gewöhnlich. Er hatte auch geglaubt, er hätte gewusst, worauf er sich hierbei einließ. Er war Snow insgeheim mittlerweile dankbar für seine stümperhaften, manchmal sogar leicht niveaulosen Bemerkungen der letzten Tage, doch noch dankbarer wäre er, hätte dieser ihm diese Idee hier tatsächlich noch rechtzeitig aus dem Kopf geschlagen. Irgendwo beschlich in aber auch der Verdacht, dass sein Freund ihn auch nur wild machen wollte, letztendlich sogar mehr als alles andere darauf aus war, dass sie sich ihm ein paar Tage annahm, denn anderseits hatte jener mit seinen Worten auch irgendwo nicht unrecht. Snow hatte Recht gehabt, sie war schön, aber auch genauso wild und gefährlich. Und er hatte ihn oft genug gewarnt. Wieso hatte er seine Worte nur nicht für allzu voll genommen. Denn jetzt hatte er das Problem, durfte sich tagtäglich durch diese Reize kämpfen, ohne sich ablenken zulassen. An dem Tag, an dem er aus dem Ganzem wieder herauskommen sollte, würde er sich dafür noch auf jeden Fall bei Snow bedanken. Mit ein paar freundschaftlichen Faustschlägen, versteht sich.

Jetzt lief es ihn einmal mehr eiskalt seinen Rücken entlang. Er war ihr wohlmöglich sogar direkt in die Arme gelaufen, ohne es einmal bemerkt zu haben.

„Wie lange bist du mir schon auf den Fersen?“, fragte er ruhig, etwas atemlos, als das zottelige Ungetüm sich schon etwas weiter von ihnen entfernt hatte.

„Schon eine Weile.“, antworte die Frau hinter ihm und er konnte das leicht amüsierte Schmunzeln aus ihrer Stimme hören, dass sich in dem Moment auf ihre Lippen gelegt haben musste. „Und ich muss gestehen, ich war neugierig, was du als nächstes anstellen würdest. Das war jetzt… weniger spektakulär, aber ich muss dir auch zugestehen, ich bin dennoch ein wenig beeindruckt. Du hast dich beim Weglaufen um so einiges geschickter angestellt, als irgendein Monster, das mir bisher zu entkommen versucht hatte.“ Welch schmeichelhafte Worte, dachte er zynisch.

„Deswegen hatte ich mich auch dazu entschlossen, dir einen kleinen Vorsprung zu gewähren, mein Hübscher.“

Ihre Worte, vor allem ihre zuletzt gewählte Bezeichnung, breiteten das Gefühl einer Gänsehaut auf seiner Haut aus und so, wie sie jenes Wort gebrauchte, es mit ihren warmen Lippen gegen sein linkes Ohr sprach, dass er sie fast gegen seine Haut spüren konnte, weckte den Drang in ihn, sich von ihr wieder loszureißen. Er kam ihr zu nah, viel zu nah. Körperkontakt hin oder her, doch das war sogar ihm zu nah. Er wollte nicht ihre weichen, dunklen Haare, ihren warmen Atem auf seiner Haut fühlen, nicht wissen, dass sie nach Kokos und weißen Kaktorblüten roch. Nicht unter ihren neckischen Säuseln gegen seine Haut erzittern, sich eigentlich nur wieder befreien. Fragte sich, ob das der Art und Weise, was Frauen fühlen mussten, wenn irgendein betrunkener oder sittenloser, fremder Mann ihnen zu aufdringlich wurde, auch nur ungefähr gleich kam. Ihm auf jeden Fall gefiel das nicht, wobei er in seinem Fall sich nicht über irgendeinen stinkenden Hund zu beschweren hatte, der ihm zu nah trat, nein, keinesfalls. Doch wohl fühlte er sich dabei trotzdem nicht.
Aber schon im nächsten Augenblick wurde er nach vorne gestoßen, stolperte einen unkontrollierten Schritt durch das grüne Gestrüpp voraus, zischte leise durch seine fest zusammengepressten Lippen, versuchte den Schmerz zu verdrängen, der durch seinen rechten Arm schoss, als die Kriegerin jenen schmerzhaft hinter seinen Rücken zog. Er warf der Frau hinter ihm einen giftigen Blick zu, hatte seinen Kopf leicht zur Seite gewandt. Er konnte fühlen, wie ihr Kopf sich leicht über seine abgewandte Schulter beugte.

„Ich schlage vor, wir laufen einfach ein Stück, mein Süßer“, sagte sie und sie stieß ihn ein wenig unsanft nach vorne, soweit, wie ihr fester Griff um sein Handgelenk es zuließ. „es geht auch nur geradeaus und ich lasse dir sogar immer einen Schritt Vorsprung, ich bin mal so nett. Aber ich möchte hier schleunigst wieder raus, also trödel nicht. Es ist auch nicht weit, versprochen.“

Der Blick seiner blauen Augen verlor sich für einen kurzen Moment auf den von dichten Gestrüpp verhangenen Weg vor ihm, ehe er einen zögerlichen Schritt nach vorne nachte, dabei einmal innerlich tief durchatmete.

„Na komm schon.“, wurde er von hinten angewiesen und so kämpften sie sich durch das fast kniehohe Unterholz. Solange, bis der junge Mann ein schwach durch die wilde Idylle brechendes Licht ausmachen konnte.

Kurz darauf traten sie raus aus dem Waldstück und er zog sich schützend den Handrücken seines freien, verletzten Armens vor sein Gesicht, um so das auf einmal so unangenehm in seine Augen stechende Sonnenlicht abzuschirmen. Und doch ehe er sich daran gewöhnen konnte, wurde er plötzlich seitlich herumgerissen und die schöne Frau stieß ihn heftig nach vorne, sosehr, dass er sein Gleichgewicht verlor und ihn den dreckigen Sandboden stürzte. Von ihrem Lachen begleitet, rappelte er sich schnell wieder auf seine Beine und drehte sich um, sah hinauf in zwei klare, grüne Augen, die ihn amüsiert anfunkelten. Mit einigen schnellen Handgriff richtete sie den langen, locker um ihren Körper gebunden und mit feinen, silberschimmernden, goldenen Ornamente bestickten, blauen Stoff ihres Saris über ihrer Brust zurecht. Die bunten, dünnen Metallringe um ihren linken Unterarm klimpernden leise, als sie mit ihren Arm zwischen ihren Sari und der gebräunten Haut an ihrer Hüfte griff, ein kurzes Schwert hervorholte und es den jungen Mann vor seine Füße in den Sand warf.

„Dachte, du könntest vielleicht etwas vermissen.“

„Was… jetzt?“, fragte er, hasste sich selbst dafür, dass es ihm, warum auch immer, nicht gelingen wollte, seine Stimme ruhig zuhalten, sondern dass sie durch seine angestrengten Atemzüge zitterte.

„Ich schlage vor, du darfst um deine Freiheit kämpfen. Wenn du gewinnst, lass ich dich für heute gehen, wenn nicht… da bin ich mir noch nicht so sicher.“

„Na gut, lass uns das hinter uns bringen.“, antwortete er wütend, während er die Waffe aus dem Sand hob, seine Finger fest um das Lederheft legte, das leicht wölfische Grinsen bemerkte, dass sich im gleichen Moment auf die Lippen der jungen Frau legte, bevor sie ihren Arm in die Höhe hob, um eine lange Speerwaffe hinter ihren Rücken hervor zu ziehen.

„Sage nicht, ich hätte dich nicht von Anfang an gewarnt.“, mit diesen Worten überbrückte sie dann auch den kurzen Abstand zwischen ihr und braunhaarigen, jungen Mann, ließ ihn fast entrüstet aufkeuchen, als sie ihre Waffe auf ihn blitzschnell und gezielt niedersausen ließ, ihn kaum genug Zeit und Raum zum reagieren gab.

Erschrocken sprang er zurück, stolperte ein paar Schritte rückwärts, als die junge, leicht exotisch wirkende Frau schon längst wieder von Neuem auf ihn zustürmte. Sie war schnell und geschickt, bewegte sich mit solch einer Leichtigkeit und Eleganz, dass es einem Tanz gleich kam. Hinzukam, dass es ihm schon wie eine Ewigkeit vorkam, dass er das letzte Mal mit nur einem Schwert gekämpft hatte. Er hatte sich an den Stil mit seinen zwei Schwestern gewöhnt, doch sie hatte ihn nur eine seiner beiden Klingen mitgebracht. Na gut, was hieß nur. Er konnte froh sein, dass er nun doch irgendwas hatte, womit er sich verteidigen konnte. Anderseits würde eine zweite Klinge ihn mit seinem verletzten Arm aber auch nicht besonders viel bringen. Er fühlte sich leicht ungelenk. Seine einzige Chance auf einen Seig bestand also darin, seine körperliche Stärke gegen sie auszuspielen, und das zwar auch möglichst bald. Der ganze Tag, der vorherige Kampf, die Flucht, hatten ihn bereits zu viel Kraft gekostet. Äußerst lange würde er nicht mehr durchhalten. Mit einem Schrei stürzte er ihren Angriff entgegen, ehe die spitze, scharfe Klinge seiner Waffe gegen die schützend vor ihren Körper gehobenen Stab ihres Speers prallte, die Wucht der Konfrontation zitternd durch seinen Arm zuckte. Er riss seinen Kopf leicht alarmiert in die Höhe, denn obwohl er seine ganze Kraft in den Schlag gelegt hatte, war die Kriegerin vor ihm kein Stück zurückgewichen. Stattdessen wandte sie sich urplötzlich um ihn und ließ ihn unkontrolliert nach vorne stolpern. Und noch bevor ihm die Gelegenheit auf irgendeine Gegenreaktion blieb, konnte er spüren wie sie noch weiter um ihn bewegte, sich schnell einmal komplett um ihn herumdrehte, und er nur noch einen heftigen Schlag gegen seine Schläfe spürte. Er taumelte vorwärts, seine Sinne verloren sich im Dunkeln, während er im heißen Sand zusammenbrach.

„Das ging aber unerfreulich schnell, mein Hübscher.“, hörte er es noch wie aus weiter Ferne an seine Ohren dringen.

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