Das Licht des Himmels

22.02.11 21:09
In meinem Leben gab es nur wenig Gutes und nur eine große Liebe.
Sergio Ramos Drama P12 Romanze Beendet
Inhaltsverzeichnis

Das Licht des Himmels

§ Nicols Sicht §

Man sagt immer, dass wahre Liebe niemals unerwidert bleibt. Ich habe es nie geglaubt, denn ich habe nie erfahren, wie es ist zu lieben und geliebt zu werden. Ich war nie so wie die anderen Menschen, auch wenn ich immer so sein wollte. Ich möchte euch an dieser Stelle meine Geschichte erzählen, eine Geschichte voller Musik und einer einzigen Liebe, die nie geendet hat, obwohl wir nie wirklich zusammen waren.

/ 60 Jahre zuvor/

Ich hatte Talent. Ich war laut meiner Mutter die beste Pianistin in meinem Alter und meine Mutter wollte, dass mein Talent ausgeschöpft wurde. Deshalb wurde ich auf ein Musikkonservatorium in den USA geschickt, dort lebte ich und perfektionierte meine Technik. Für mich gab es immer nur die Musik, so wie meine Mutter es wollte.

Wenn die anderen Kinder draußen waren und spielten, dann war ich in meinem Zimmer und übte. Nun war ich 22 Jahre geworden und ich war berühmt geworden, ich hatte sogar die Ehre mit meinem Klavierspiel die Olympischen Spiele zu eröffnen, es gab nur Wenige, denen diese Ehre zu Teil wurde. Für mich war es einer der schönsten Tage in meinem jungen Leben gewesen, aber wenn ich alleine war und Zeit zum Nachdenken hatte, hatte ich das Gefühl, dass mir irgendetwas fehlen würde. Ich wohnte inzwischen in Madrid, da ich die Stadt schon immer gemocht hatte, ich fühlte die Musik und den Rhythmus der Stadt, ich atmete für die Musik.

Heute war in Madrid das Sommerfestival, ein ganz besonderer Tag für klassische Musiker. Bei diesem Festival würden mehrere klassische Musiker auftreten und auf diese Art den Sommer begrüßen. Es wurde vor allem die High Society von Madrid erwartet, da die meisten jungen Menschen kein Interesse an der Klassik hatten, für sie war schon ein bisschen Gedudel Musik. Man merkte, dass ich mit solchen Menschen nichts anfangen konnte, ich hab immer zu den Menschen gehört, die die Klassik liebten.

„Nicole, du bist gleich dran, alle warten schon auf dich“, ich schaute auf und konnte Jessie sehen, er hatte auch an der gleichen Schule gelernt wie ich, wir waren sogar in einem Leistungskurs gewesen. Ich nickte ihm kurz zu, als Zeichen, dass ich verstanden hatte und dass ich mich beeilen würde. Ich ließ meinen Blick kurz über das Publikum schweifen und da war er mir zum ersten Mal aufgefallen, er hatte so gar nicht in das Publikum gepasst. Er war jung gewesen, nicht viel älter als ich. Aber das war nicht das Einzige, was mich verwunderte, sondern dass er am Arm tätowiert war, auch das passte so gar nicht in das übliche Publikum.

Unser übliches Publikum war mindestens 30 und die die im Publikum saßen, waren meistens Menschen, die sehr viel von Kunst hielten. Über ihn konnte ich nicht viel sagen, aber er sah wirklich nicht wie jemand aus, der sich mit Kunst oder klassischer Musik auskannte.
Ich hatte ihn wohl sehr offensichtlich gemustert, da er meinen Blick auffing und ihn mit einem Lächeln quittierte. Ich zog eine Braue nach oben und schüttelte kurz den Kopf, bevor ich wegsah. Ich musste mich auf meinen Auftritt gleich konzentrieren, ich würde einen Teil aus „Der Nussknacker“ spielen, und ich freute mich schon darauf, da es eins meiner Lieblingsstücke war.
Ich erhob mich und ging auf die Bühne zum Flügel. Ich atmete noch einmal tief ein, bevor ich meine Hände über die Tasten gleiten ließ. Ich fühlte die kühlen Tasten unter meinen Fingern, und ich schloss die Augen und versank in meiner Welt. Das war immer so, wenn ich spielte, ich spielte für mich und vergaß alles um mich herum.

„Das war gut“, gratulierte mir Jessie, nachdem ich wieder hinter der Bühne war. Ich war auch stolz, da ich meiner Meinung nach wirklich gut gespielt hatte.
„Ich beneide dich, du berührst die Menschen mit deiner Musik, du lässt sie in deine Seele schauen. Das macht aus dir eine besondere Pianistin“, Jessie schaute mir dabei in die Augen und umarmte mich einmal.
Ich nickte ihm zu und machte mich auf den Weg in meine Garderobe. Ich wollte mich umziehen und noch in meine Stammkneipe gehen und noch einen Wein trinken.

/ Gegenwart /

Meine Mutter hatte immer gesagt, dass es kluge Frauen gab, die sich gar nicht auf einen Mann wie ihn eingelassen hätten, aber ich war offensichtlich nicht klug genug. Ich hatte mich auf ihn eingelassen, ich bereute es nicht, aber ich wusste schon von Anfang an, dass es nur in Tränen enden konnte. Leider hatte ich Recht behalten, ich hatte kein Glück gehabt.

/ 55 Jahre zuvor /

Es waren auf den Tag genau fünf Jahre seit ich Sergio zum ersten Mal gesehen hatte. Seitdem hatten wir uns immer mal wieder getroffen. Wir führten keine Beziehung in dem Sinn, sondern es war eher so ein Zwischending. Irgendetwas zwischen Beziehung und One night stand. Ich hatte immer betont, dass ich das nie machen würde, aber nun hatte ich den Salat, ich kam einfach nicht von ihm los, auch wenn ich es versuchte.
Und glaubt mir, ich hatte wirklich alles versucht um mein früheres Leben wieder zurück zu bekommen, aber es gelang mir einfach nicht.

Meine Mutter hatte immer gesagt, dass es Menschen gibt, die wir einfach nicht zurück lassen können, weil wir unser Herz an sie gehängt haben, und sein Herz hängt man nur an Dinge, die einem etwas bedeuten.
Ich gab es nur ungern zu, aber meine Mutter hatte wohl recht, als sie mir das damals gesagt hatte. Ich hatte mich in Sergio verliebt, und ich wünschte mir, dass er auch so für mich empfinden würde.

„Sergio, hast du kurz Zeit“, fragte ich in das Wohnzimmer, wo ich Sergio vermutete.
„Was gibt es“, Sergio trat aus dem Wohnzimmer und schaute mich an.
„Ich weiß, dass es sich unglaublich dumm anhört, aber ich hab mich in dich verliebt“, während ich das sagte schaute ich zu Boden, da ich ihm nicht in die Augen schauen konnte.

/ Gegenwart /

Damals hab ich ihm gesagt, was ich empfinde. Ihr denkt jetzt bestimmt, dass er mir gesagt hat, er hätte sich auch in mich verliebt. Ich muss euch enttäuschen, er hat mir gesagt, dass er nicht so fühlt wie ich. Klar, er hat mich irgendwo bestimmt auch geliebt, aber er hat mich nie so sehr geliebt, wie ich ihn geliebt habe.
Damals habe ich ihn verlassen, auch wenn es mir schwer gefallen ist, ich habe es getan. Er hat noch versucht mich umzustimmen, aber ich bin einmal in meinem Leben konsequent geblieben, ich wollte nicht mit einem Menschen zusammen sein, der mich nicht so lieben konnte wie ich ihn. In den ersten Monaten hab ich mehr Zeit in meiner Wohnung verbracht als sonst wo. Ich bin sogar nach New York gezogen, nur um soweit wie es mir möglich war von ihm entfernt zu sein. Ich vermisste ihn, so sehr, dass es mich fast umbrachte, aber es hat mich stärker gemacht. Ich bin älter geworden, aber ich hab nie wieder einen anderen Mann geliebt.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich eine Frau die viel erlebt hat, eine Frau die geliebt hat, und eine Frau der das Herz gebrochen wurde. Ich sehe eine Seele voller Narben, die Einen sind bereits verheilt. Von ihnen ist nur noch ganz wenig zu sehen, sie schmerzen auch nicht mehr. Aber dann sind da noch die Narben, die immer noch so präsent sind wie an dem Tag, an dem Sie in die Seele gerissen wurden. Sie schmerzen immer noch, und dieser Schmerz wird immer präsent sein, diese Narben werden immer sichtbar sein.

Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich, wie sich das Spiegelbild verändert hat. Die Frau im Spiegel ist älter geworden. Man sieht es an den Falten, die sich in ihrem Gesicht abzeichnen. Aber in ihren Augen blitzt immer noch das Feuer, das dort schon immer war, auch wenn es heute nicht mehr so stark ist wie früher.

Ich hatte mein Fotoalbum auf dem Dachboden wieder gefunden, und blätterte wieder darin. Das hatte ich schon lange nicht mehr gemacht. Ich erinnerte mich an die Momente in denen die Fotos geschossen wurden, es waren oft glückliche Momente. Diese Bilder erinnerten mich an die Menschen, die mit mir zusammen auf dem Weg des Lebens gegangen waren. Ich bin meinen Weg bis auf die Jahre nach Sergio nie alleine gegangen.

Mein Vater hat immer gesagt, es gibt Freunde, die nur ein Teil deines Lebens an deiner Seite sind, und es gibt die, die für den Rest deines Lebens bei dir sind. Ich hatte nie viele Freunde gehabt, da ich nicht so schnell vertrauen konnte.

An diesem Abend betrachtete ich den Sonnenuntergang, auch etwas, was ich schon lange nicht mehr gemacht hatte. Ich saß auf der Veranda meines Hauses in Montana. Es wehte ein leichter Wind, der mir ein paar der grauen Strähnen aus dem Gesicht blies. Ich saß lange da, so lange, dass ich sogar noch die Sterne sehen konnte. Ich schaute noch lange zu den Sternen, bevor ich einschlief. Es war der letzte Sonnenuntergang, den ich erlebte, aber es war der Schönste.

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21. Mar 2011

Wow das ist wirklich super geschrieben
vor allem steckte in den beiden Kapiteln so viel Gefühl das man sich richtig in die beiden hinein versetzen konnte
ich finds super das du zwischen gegenwart und vergangenheit gewechselt hast
am ende musste ich wirklich weinen ... es ist soo traurig das die beiden komplett aneinander vorbei gelebt haben und sich im inneren doch so geliebt haben :'(
tolle story und wirklich schön geschrieben
daumen hoch!!
lg :D

Carlitacorleone 03. Mar 2011

mööp :( wieso muss denn immer alles sooooooooo traurig sein? :'(
Es ist zwar wunderschön geschrieben, aber auch mit sooooooo viel gefühl, dass es einen ja noch viel mehr berührt! :'( och menno...wenn ich jetzt heulen muss dann...ööh eeeh...ach mann :(
also...sehr sehr sehr gut ge,macht ;D das war klassöö! ach und: ich sollte auch mal zur pianistin getrimmt werden, wollte/will es aber nicht. Ich liebe zwar klavierspielen, aber mein herz gehört allein dem gesang, tanz und schauspiel, wenns darum geht einen beruf zu ergreifen :D aber toll, dass sie eine pianistin ist, weil das ist was anderes als...architektin oder sonst was :D viel interessanter und schöner :D
Also beide daumen hoch! :D
<33

21. Feb 2011

Wow, das war wirklich toll. Du hast es so toll geschrieben, wie sie sich fühlte und wie sie nie von ihm loskam. Und ich glaube ja auch, dass es nur die eine große Liebe gibt. Was hier jedoch etwas schade ist, da er sie nicht erwiedern konnte.
War das nur ein One shot, oder wird daraus noch mehr? Denn am Ende stirbt sie ja, also wenn ich mich nicht irren sollte. Es ist ja schließlich ihr letzter Sonnenuntergang. Ach, das Ende ist traurig, die Handlung ist traurig, aber auch so schön. Das ist dir wirklich gelungen. Sehr, sehr schöööööööööönnnnnnnnn :D
Klassik ist nicht immer so mein Fall, ab und zu schon, aber in dieser Geschichte hat es einfach gepasst. :)
Also noch einmal, zum letzten mal, ich liebe es wie du diese Geschichte geschrieben hast und alles drum und dran :D
Sooo, genug geschleimt xD
glg

21. Feb 2011

oh, ein one shot? sehr sehr traurig aber wunderbar geschrieben-du hast mit so wenigen worten eine wahnsinns atmosphäre in diese geschichte hineingebracht! unglaublich!!....und leider, eine geschichte die nur allzu oft passiert...man ist in jemanden verliebt ,aber derjenige empfindet nicht das gleiche für dich, und daran nagt man vielleicht nicht das ganze leben, aber oft für eine sehr sehr lange zeit...
ein weiterer pluspunkt: du hast klassische musik ins spiel gebracht - danke!!!! ich liebe die klassik!!! :-D
fazit: super story!!!!

glg