Der letzte Tag

31.05.11 20:08
"Da war der letzte Tag, wo ich Leon lebendig sah. Der letzte Tag, wo ich seine Hand hielt. Der letzte Tag, wo er zu mir „Ich liebe dich“ sagte. Der letzte Tag!"
Leon Wessel Masannek Marlon Wessel Drama P16 Tragödie/Leid Beendet
Inhaltsverzeichnis
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Der letzte Tag

Ich erinnere mich an den Tag. Damals als es passiert ist. Am jene Tage, als meine Welt zusammenbrach. Seit diesem Tag ist alles anders. Nichts ist mehr so wie es war.

Am diesem Tag kam ich ganz normal nach Hause. Ich legte mich auf das Sofa und starrte ein Loch in die Wand. Gleich wird Leon Heim kommen, kotz, dachte ich nach. Er ging mir zurzeit richtig auf die Nerven.
Plötzlich hörte ich ein ohrenbetäubtes Autoreifenquietschen und dann einen Schlag. Ich schaute aus dem Fenster. Ich sah ein schwarzer Porsche quer auf der Straße und Gehweg stehen. Vor dem Auto lag eine Person. Schwarz gekleidet. Ich erschrak. Diese Person die dort lag – war Leon!!! Ich rannte aus dem Zimmer in den Vorgarten zu meinem bewusstlosen Bruder. Nein, nein, nein; schoss es mir nur durch den Kopf. Erlag auf der Seite zur Straße. Ich drehte ihn auf den Rücken.
„Leon, bitte sag was. Leon!“, sagte ich verzweifelt zu ihm und tätschelte seine Wangen: „Leon, du darfst nicht sterben. Leon!“
Doch er sagte nichts. Aber er bewegte sich. Er öffnete seine Augen und schaute mich an.
„Leon, alles wird gut“, flüsterte ich ihm zu. Mir liefen Tränen über meine Wangen. Ich nahm seine Hand. Ja, alles wird gut werde.
„Ich liebe dich Marlon“, sagte mein kleiner Bruder zu mir. Er sprach undeutlich und leise.
Ich sagte zu ihm: „Ich dich auch. Ich liebe dich auch Leon.“ Ich weinte. Leon durfte nicht sterben. Ich wollte das nicht. Er durfte diese Welt nicht verlassen! Ich brauchte ihn doch.
Leons Augenglieder gingen langsam zu. Nein! Leon! Nicht schlafen!
„Leon“, flüsterte ich kaum hörbar.
Ich sah schockierend zu, wie mein Bruderherz immer mehr unregelmäßiger atmete. Irgendwann spürte ich seinen Puls nicht mehr. Er atmete auch nicht mehr.
Ich heult und sagte die ganze Zeit: „Nein, Leon. Du darfst nicht gehen. Ich liebe dich doch.“
Ich legte mich auf seinen Bauch und hörte, wie der Krankenwagen kam.

„Asche zu Asche. Staub zu Staub“, sagte der Pfarrer. Wir, meine Familie und ich, standen am Grab von Leon. Ich heulte immer noch. Seit Leon seinen letzten Atemzug machte heulte ich. Niemand konnte mich beruhigen. Mein Bruder war tot. Und das für immer. Ich könnte ihn nie wieder sehen. Ihm irgendwas schönes sagen oder einfach mit ihm Zeit verbringen. Es war mehr als schrecklich zu zusehen, wie mein Bruder langsam, aber sicher, in die Erde hinunter ließ. Als er untern angekommen war, nahm mein Vater die Schaufel in die Hand und gab sie mir. Ich sollte die erste Ladung Erde auf seinen Sarg schaufeln. Das war so besprochen. Zögernd nahm ich die Schaufel an. Ich atmete tief ein und tat die Erde auf die Schaufel. Jetzt sollte ich die Erde dort, zu meinen Bruder schmeißen, aber stattdessen brach ich zusammen. Ich konnte das nicht. Meinen eigenen Bruder zuschaufeln. Nein! Er sollte wieder aufwachen. Er durfte nicht gehen. Er war zu jung zu sterben. Ich liebe ihn doch so sehr!

Auch heute noch muss ich weinen. Denn Gedanke zu tragen, dass mein kleiner Bruder tot ist. Seit Monaten gehe ich aus der Hintertür aus dem Haus. Nie laufe ich die Straße entlang, wo er gestorben ist. Sofort breche ich in Tränen zusammen und heule. Der Schmerz ist zu tief. In Leons Bett schlafe ich seit diesem Tag. In seinem Geruch. Mein Dad will immer wieder das Bett frisch beziehen, aber ich raste dann immer sofort aus. Er darf das Bett nicht frisch beziehen. So, wie er Leons Sachen nicht weg tun darf. Leon soll nicht aus meinen Leben verschwinden. Er ist mein Bruder!
Jeden Tag gehe ich zu seinem Grab. Ich bete zu ihm und hoffe, dass er merkt, dass ich ihn liebe und vermisse.
Meine Freunde wissen auch nicht mehr weiter. Sie sind verzweifelt an mir. Ich heule immer noch. Jeden Tag. Wie es morgen wird will ich gar nicht wissen. Denn morgen werde ich die Haustür benützen und zu der Stelle gehen, wo Leon, mein kleiner Bruder, gestoben ist. Ich werde nieder gehen und mich genau auf die Stelle legen.
Morgen, vor einem Jahr ist er gestorben. Da war der letzte Tag, wo ich Leon lebendig sah. Der letzte Tag, wo ich seine Hand hielt. Der letzte Tag, wo er zu mir „Ich liebe dich“ sagte. Der letzte Tag!

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Gelöschter Kommentar
Janine93 19. Sep 2011

wirklich gut geschrieben, da kommen einem direkt die Tränen

Gelöschter Kommentar
01. Jun 2011

WOW
Das ist echt herzzerreißend.
Du hast es echt super geschrieben, sodass man mit Marlon mitleidet.

Lg Engel