Meeresflüstern

24.04.18 16:43
They are playing a game, and you are a part of it. In den 70. Hungerspielen muss die 18-jährige Annie Cresta in die Arena, denn es gibt keine Freiwilligen an ihrer Stelle. Unterstützung erfährt sie durch ihre Mentoren, allen voran Finnick Odair, den wunderhübschen Sieger der 65. Spiele, der auf eine merkwürdige Art und Weise von ihr zu..
Die Tribute von Panem Drama P16 Action Beendet

Andere Strategien

Das Abendessen verläuft – wie erwartet – nicht sonderlich ereignisreich. Cece versucht in einem fort ein fröhliches Gespräch am Laufen zu erhalten, doch die Einzigen die darauf eingehen sind unsere Stylisten, die sich auch noch zu uns gesellt haben. Ich verfolge ihre Gespräche lediglich mit einem Ohr, da sie nicht sonderlich aufschlussreich sind. Momentan ist der Gegenstand ihrer Gespräche ein neuer Trend, bei dem man sich tierische Gesichtszüge verpassen lässt, zumindest schließe ich das aus ihrer angeregten Unterhaltung. Roan ist da natürlich bereits sehr tief in der Materie, hat er sich doch vor einigen Jahren schon Kiemen machen lassen. Cece dagegen hält von dem Trend gar nichts und auf Roans Einwurf hin, sie solle ein wenig Solidarität mit unserem Distrikt zeigen, entgegnet sie lediglich, dass Fische wirklich eklig seien.
Ich schmunzle. Niemand, der aus Distrikt 4 stammt würde Fische je als eklig beschreiben. Wenn wir keine Fische fangen würden würde es uns wohl ähnlich elend gehen wie den Bewohnern von Distrikt 11 oder 12. Aber die Bewohner des Kapitols sind zum Glück ganz wild auf Fisch, den sie auf ihren Partys servieren können. Aber da sie sich nie selber darum kümmern müssen, wie die Nahrung zu ihnen kommt haben sie wohl den Bezug zu dem Tier verloren, welches sie da eigentlich essen. Mit einem Blick auf den Hirsch auf meinem Teller fällt mir auf, dass ich selber auch noch nie einen Hirsch in freier Wildbahn gesehen habe.
„Also meine Lieben!“, hebt Cece ihre Stimme, die ohnehin schon unnatürlich genug ist, um noch ein paar Oktaven höher.
„Wir haben uns hier ja nicht nur zum Essen versammelt, sondern auch um für unsere beiden wunderbaren Tribute die richtige Strategie zu finden!“ Sie lächelt breit in die Runde.
„Ich selber habe natürlich unendlich viele Ideen“, sagt sie, für meinen Geschmack etwas zu selbstgefällig, „aber jeder von uns sollte die Chance haben etwas beizutragen!“
Ich erkenne, warum Mags bereits vor diesem offiziellen Abendessen mit mir gesprochen hat. Jeder der Stylisten hat nämlich eine wunderbare und gänzlich schockierende Idee parat, um es mal mit Ceces Worten auszudrücken.
Aber keine der Strategien erscheint als sonderlich hilfreich oder tatsächlich umsetzbar. So schlägt Pons Stylistin vor, dass man mich ja als junge Mutter präsentieren könnte, wo ich doch bereits ein so gutes Verhältnis zu Pon hätte. Mir ist schleierhaft, wie mir das Sponsoren bringen sollte, aber ich habe bereits begriffen, dass die Bewohner des Kapitols gänzlich anders ticken. Vielleicht ist es ja auch gerade im Trend eine junge, mordende Mutter zu sein. Zum Glück widersetzt sogar Cece sich diesem Vorschlag. Unsere Mentoren halten sich überwiegend aus diesem ganzen Durcheinander heraus, aber ich weiß, dass das vermutlich nur ihre eigene Strategie ist und wir ihnen nicht völlig egal sind.
Als die Ideen der Stylisten langsam versiegen blickt Cece hoffnungsvoll zu den Mentoren herüber. „Jetzt haben wir ja viele wunderbare Ideen gesammelt, aber eigentlich ist es ja eine Sache der Mentoren. Ihr habt doch sicher auch sehr viele Ideen für die zwei?“ Sie scheint sichtlich darauf zu bauen, dass unseren Mentoren etwas noch Besseres einfällt.
Mags legt ihre Gabel nieder, wischt sich in aller Ruhe den Mund an der Serviette ab und lächelt Cece dann zu.
„Meine Liebe, ich glaube unsere Tribute brauchen keine derartig… unkonventionellen Strategien. Wir haben uns bereits zusammengesetzt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir es einfach halten.“
Cece verzieht das Gesicht.
„Was heißt das, ‚einfach halten‘?“, fragt sie verwundert.
„So, wie sie sich bis jetzt präsentiert haben, haben sie doch bereits ein Image. Wir bauen es lediglich aus.“, mischt sich jetzt auch Floogs ein.
Ich bin überrascht, dass sie alle zusammen an unserer Strategie gearbeitet haben, da Mags und Finnick mir doch ganz unterschiedliche Dinge geraten haben.
„Um es kurz zu fassen: Annie wird die Unnahbare geben, während Pon unser aller kleiner Sonnenschein mit starkem Wille ist.“, beendet Amber leicht sarkastisch wie immer die Diskussion. Cece blickt leicht eingeschnappt drein, murmelt dann jedoch etwas wie ‚so sollte das auch gehen‘ und geht weiter zum nächsten Thema des Abends – dem Training.
„Wie ihr sicher wisst“, beginnt sie mit Blick auf mich und Pon, „habt ihr in den kommenden Tagen Zeit mit euren Mentoren zu trainieren. Um das Ganze einfacher zu gestalten haben wir uns entschieden, dass jeder von euch zwei feste Mentoren zugewiesen bekommt. Sollte es nötig sein könnt ihr jedoch auch mit den anderen Mentoren trainieren. Außerdem könnt ihr euch entscheiden, ob ihr gemeinsam trainiert werden wollt, oder ob ihr eure kleinen Trainingsgeheimnisse für euch bewahren wollt.“ Als sie letzteres sagt zwinkert sie verschwörerisch.
Pon und ich blicken uns an. Ich zucke bloß mit den Schultern und sage: „Ich habe nichts zu verbergen.“
Mit einem Lächeln antwortet Pon: „Ich auch nicht.“
„Wunderbar“, sagt Cece, geheuchelt begeistert. „Dann kann ich es ja offiziell machen: Pon, du wirst von Trexler und Finnick trainiert, während du, Annie, Amber und Floogs zur Seite gestellt bekommst. Mags dient euch beiden als Ansprechpartnerin, da sie bedauerlicherweise körperlich etwas eingeschränkter ist.“
Ich werde also von einem unwilligen Mentoren und einem von dem ich nicht mal weiß, was er eigentlich kann, trainiert werden. Meine Chancen könnten nicht besser sein. Dagegen hat Pon mit Finnick wohl das Glück auf seiner Seite. Auf eine unbestimmte Weise spüre ich Neid in mir aufsteigen. Vielleicht bin ich nicht gerade der ideale Tribut für den eigentlichen Karrieredistrikt 4, doch ein wenig mehr Chancen könnte man mir schon zu gestehen.
Aber wenn ich ehrlich zu mir selber bin weiß ich, dass das in der Tat vergebene Mühe wäre. Schließlich will ich lieber alles daran setzen, dass wenigstens Pon nach Hause kommt. Trotzdem ist es kein schönes Gefühl zu wissen, dass man bereits aufgegeben wurde. Auch wenn ich nicht von Finnick selbst aufgegeben wurde, das weiß ich wenigstens. Bei dem Rest unserer Gruppe bin ich mir da nicht so sicher.
„Morgen früh beginnt das Training um 9, seid also bitte pünktlich hier versammelt. Im Anschluss an das Gemeinschaftstraining mit allen Tributen findet dann euer privates Training statt. Da wir Distrikt 4 sind, haben wir das Center von 19 Uhr an für uns. Gibt es sonst noch Fragen?“, erklärt uns Mags sachlich. Wir beide schütteln den Kopf.
„Schön“, bringt Cece sich zurück ins Gespräch. „Dann können wir uns ja jetzt dem Nachtisch widmen.“
Peinlich berührt starre ich die Tischplatte an. ‚Das kommt davon, wenn man sich nicht klar ist, welche Auswirkungen das eigene Handeln haben kann...‘ denke ich mir. Aus dem Augenwinkel registriere ich, dass Finnick für einen Moment ebenfalls etwas betreten geguckt hat, sich dann jedoch wieder gefangen hat. Jetzt ziert ein spöttisches Lächeln sein Gesicht.
Ein aufgeregtes Mädchen, dass wie alle der Diener im Kapitol rote Haare hat und ein schlichtes einfaches Gewand trägt, kommt an den Tisch gelaufen und gestikuliert wild vor Ceces Augen. Ich wundere mich, warum sie nicht einfach spricht, denn zumindest ich werde aus ihrer Zeichensprache nicht schlau. Cece scheint jedoch zu verstehen und blickt sie empört an.
„Ich will den Nachtisch!“, stößt sie gereizt hervor. „Er kann nicht weg sein. Herrgott, wo soll er denn hin sein?“
Verzweifelt scheint das Mädchen Cece klarmachen zu wollen, dass es keinen Nachtisch mehr gibt. Oder, zumindest nicht mehr viel, denn alles haben wir nun auch nicht vernichtet. Das Mädchen macht kehrt und rennt zurück in Richtung Küche. Peinlich berührt wendet Cece sich uns zu.
„Ich muss mich entschuldigen. Da meinte dieses unnütze Ding doch tatsächlich, dass wir keinen Nachtisch mehr haben.“ Cece schüttelt den Kopf.
Ich lehne mich zu Floogs, der zu meiner rechten sitzt und frage ihn, warum das Mädchen nicht einfach gesprochen hat. Mitleidig blickt er mich an.
„Weil sie es nicht kann. Keiner der Avoxe kann sprechen.“ Und statt mir zu erklären warum macht er nur eine einfache Geste. Ich blicke auf seine Hände, die diskret eine Schere formen.
„Sie haben keine Zunge mehr?“, flüstere ich entsetzt. Floogs nickt zur Antwort. Unwillkürlich fährt meine Hand zum Hals.
„Wie furchtbar…“, flüstere ich.
Finnick, der mir gegenüber sitzt ist anscheinend auf unsere Unterhaltung aufmerksam geworden und bemerkt zynisch: „Nicht für das Kapitol. Stumme Diener sind besser als Laute.“
Da kommt das Mädchen auch schon mit den Resten des ursprünglichen Nachtisches zurück. Ich bin wirklich erstaunt, dass wir fast über die Hälfte des Nachtisches gegessen haben. Bevor Cece erneut in Rage geraten kann stehe ich auf und gehe dazwischen.
„Es tut mir Leid Cece… aber ich hatte Hunger und das Einzige, was ich finden konnte… war der Nachtisch.“
Schweigen herrscht am Tisch. Alle Augen ruhen auf mir. Ich merke, wie Amber die Augenbrauen hochzieht. Dann fängt sie an zu lachen. Der Rest meiner Mentoren fällt ebenfalls mit ein. Lediglich Cece sieht aus als ob sie auf eine saure Zitrone gebissen hätte. Dafür blickt mich das Avoxmädchen erleichtert an.
„Dafür gibt es morgen aber keinen Nachtisch mehr!“, zischt sie und entlässt das Avoxmädchen mit einer Geste. Erleichtert, dass sie nicht allzu sauer ist, lasse ich mich wieder auf meinen Platz sinken. Pon grinst mich an.
„Annie, das war cool, ihren Nachtisch zu klauen.“ Ich muss grinsen und strubble ihm durch seine blonden Löckchen.
Ich bin froh, als sich unsere kleine Runde langsam auflöst und die Stylisten sich wieder in ihre eigenen Wohnungen begeben. Endlich hat das Geschnatter ein Ende. Sie mögen ja durchaus Unterhaltungswert haben, aber nach einem so langen Abendessen gehen sie einem doch wirklich auf den Keks.
Mittlerweile zeichnet sich in der Ferne der runde Mond ab. Sterne jedoch kann man über dem gesamten Kapitol nicht sehen. Pon gähnt herzhaft und ich merke, wie sein Kopf gegen meine Schulter rutscht. Cece, die eben noch Roan verabschiedet hat kommt herbeigestöckelt und beobachtet uns. „Wir sollten jetzt alle ein wenig schlafen gehen, denn Morgen wird ein anstrengender Tag“, flötet sie schließlich.
Erleichtert, dass wir jetzt offiziell entlassen sind, gehe ich gemeinsam mit Pon zurück zu unseren Zimmern.
„Gute Nacht“, flüstere ich und will gerade in mein Zimmer schlüpfen, als ich merke, wie Pon an meinem Ärmel zupft.
„Annie?“
„Ja?“, frage ich erstaunt.
„Singst du mir noch einmal das Lied von der Meerjungfrau vor?“, fragt er gähnen.
„Natürlich“, antworte ich.
Ich lasse mich auf die Kante seines großen Bettes sinken und warte, bis er sich fertig eingekuschelt hat. Dann beginne ich leise zu singen.

Tief unten,
Im Meer,
Im bunten Riff,
Wer lebt dort wohl?
Es ist die kleine Meerjungfrau
In ihrem Muschelsplitterhäuschen
Sieh,
Wie sie mit den Wellen schwimmt
Mit den Wellen schwimmt
Hör,
wie lieblich sie singt
Sie singt

Ich beobachte, wie Pon langsam einschläft. Er erinnert mich nicht mehr nur an meinen kleinen Bruder, längst hat er selbst sich einen Platz in meinem Herzen erobert. Seufzend streiche ich ihm eine Locke aus der Stirn, ehe ich weiter singe.

Ein kleines Wunder sie ist
Sieh,
Wie ihr Haar schimmert
Ihr Haar schimmert
Hör,
Wie klar ihre Stimme ist
Ihre Stimme ist
Ein kleines Wunder sie ist
Tief unten,
Im Meer,
Im bunten Riff,
Dort lebt die kleine Meerjungfrau
Sie schwimmt mit den Wellen
Mit den Wellen
Ewig.

Als ich fertig bin ist Pon bereits eingeschlafen. Müde lege ich meinen Kopf neben seinen auf das Kissen und beobachte das Bild, welches er anstatt der Stadtansicht eingestellt hat. Ein großer Mond steht über einem in den Schatten liegenden Feld. Langsam drifte auch ich in den Schlaf. Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen gilt dem Training morgen.

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09. Dec 2013

Hallo,
ich liebe deine ff! Ich war schon immer ein fan von Annie und Finnick!
Ich möchte so gerne wissen wie es ausgeht...... bitte!

Bitte schreibe doch schnell weiter!!!!
Sonst sterbe ich noch vor Neugier..... ich weiß nicht ob du das riskieren willst xD

glg
Nanni001

19. Mar 2013

Hi,
mal wieder ein tolles Kapitel.
Bald ist es vorbei, oder? Wirklich schade.
Das ist die beste Annie FF, die ich jemals gelesen habe oder werde. (;
lg, Sophie

himbeere5698 17. Mar 2013

wieder ein tolle Kapitel
jetzt gehts aufs ende zu und ich binn super gespann wies jetzt weiter geht
mach schnell weiter
lg himbeere5698