Die Rumtreiber - Ein Leben voller Abenteuer

vor 1 Mon.
Cool und frech, immer einen witzigen Spruch auf den Lippen, bei jedermann beliebt und nichts als Unsinn im Kopf ... ja, das sind James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew, auch bekannt als die Rumtreiber, die größten Unruhestifter aller Zeiten in Hogwarts! Erfahrt hier mehr über die komplizierte Beziehung zwischen James und L..
Harry Potter Fantasy P16 Abenteuer In Arbeit
Inhaltsverzeichnis
Bemerkung des Authors: Hallo zusammen! Es freut mich sehr, dass ihr auf meine Fanfiction aufmerksam geworden seid, aber bevor ihr schon anfangt drauflos zu lesen, hier noch ein kleines Wort vorweg. Genau wie meine erste Fanficion „Party mit Überraschungen“ beruht auch diese Fanfiction hier auf Jojois Fanfiction „James Potter und andere Katastrophen“, die meine unangefochtene Lieblingsgeschichte ist und die für mich einfach die perfekte Version der Rumtreiber darstellt, die durch nichts zu topen ist. (^^) Vielen, vielen Dank, Jojoi, dass ich deine Fanfiction wieder für meine Geschichte verwenden darf! Diejenigen von euch, die bereits „James Potter und andere Katastrophen“ gelesen haben, werden sicher einiges wiedererkennen, allen anderen empfehle ich dies unbedingt noch zu erledigen, da ich hier nicht auf alle Details eingehen werde und es sich so oder so allemal lohnt Jojois Fanfiction zu lesen. (^^) Es sind auch viele neue Ideen von mir mit dabei und ich verspreche euch, dass auch James, Sirius, Lily und Co. nicht zu kurz kommen werden. Ich hoffe es gefällt euch! Jetzt will ich euch aber auch nicht länger zutexten. Allen, die genauso Fans von Jojoi sind wie ich, als auch allen anderen Lesern wünsche ich viel Spaß beim schmökern. P.S.: Hier noch eine kleine Vermerkung: Bei Jojois Fanfiction ist Remus' Mum eine Hexe, aber ich hab sie in meiner Version zu einem Muggel gemacht, wie ich es in den Original-Hintergrundinformationen von J.K. Rowling nachgelesen hab. Ich fand's interessanter für die Story ... nur, damit ihr bescheid wisst. (^^) Viele liebe Grüße, eure Nicki85 (^^)/

Kapitel 1 - Eine schicksalshafte Begegnung

Es war gar nicht so leicht, den kalten, schon halb gefrorenen Sand in Form zu bringen. Seine Hände waren bereits ganz taub vor Kälte und leicht bläulich verfärbt, doch das störte Remus nicht. Seine Sandburg nahm mehr und mehr detailierte Formen an mit verschieden großen Türmen, vielen Fenstern, einem Burggraben und einer Zugbrücke.
Zufrieden lehnte sich Remus schließlich zurück und betrachtete sein Kunstwerk. Es war inzwischen Anfang November und die Temperaturen waren bereits recht kühl, doch in der dicken Daunenjacke fror Remus eigentlich nicht, nur seine tiefgekühlten Hände rieb er nun aneinander, um wieder etwas Gefühl hinein zu kriegen.
Auf dem Spielplatz nahe seinem Zuhause waren in den Wintermonaten ohnehin nur sehr wenige Kinder anwesend, noch dazu um diese Tageszeit. Es war früher Abend, doch der Himmel war schon gänzlich orange-rot verfärbt und die Sonne würde sich recht bald verabschieden. Außer Remus waren noch zwei andere Jungen etwa in seinem Alter hier, die gerade auf einem Karussell herumturnten und es immer wieder zu noch schnelleren Umdrehungen antrieben.
Remus verspürte keinerlei Interesse daran, sich den beiden lachenden Jungen anzuschließen. Er kam mit den Kindern, die in seiner Vorstadt wohnten, meistens nicht besonders gut klar. Ständig wurde er gehänselt und das tat weh. Um dem zu entgehen blieb er in der Regel lieber für sich, auch wenn er dadurch noch mehr zum Außenseiter wurde.
Seufzend wandte Remus den Blick von den Jungen ab und widmete sich wieder seiner Sandburg. Sie war ihm wirklich ziemlich gut gelungen, er war ja schließlich erst sechs Jahre alt, doch irgendwas fehlte ... Stirnrunzelnd dachte er nach, bis ihm plötzlich die passende Idee einfiel. Seine Sandburg hatte einen Burggraben und was war für gewöhnlich in einem Burggraben? Richtig! Wasser! Remus hatte diesen Gedanken noch nicht mal zu Ende gedacht, als auf einmal wie von Geisterhand Wasser aus dem trockenen Sand hervor plätscherte, den Graben rund um die Burg füllte und sich im Innenhof der Burg in dem runden Brunnen zu einer kleinen Fontäne bündelte. Ein Lächeln zog sich über Remus' Gesicht. Jetzt war seine Burg perfekt!
„Du Freak!“, rief plötzlich einer den Jungen von hinten aufgebracht.
Remus fuhr erschrocken zusammen und drehte sich um. Die beiden Jungen standen drei Schritte hinter ihm und der größere der beiden zeigte mit dem Finger anklagend auf ihn.
„Wie hast du das gemacht? Woher kam das Wasser so schnell?“
Der andere Junge wich sicherheitshalber zurück und meinte gehässig: „Ist doch klar! Der Typ ist keinesfalls normal! Seine ganze Familie ist total abgedreht! Das weißt du doch! Lass uns von hier verschwinden, Charlie! Soll der Spinner doch weiterhin hier seine abartigen Spielchen spielen. Mum wird ausrasten, wenn ich ihr sage, dass dieser Lupin-Typ schon wieder sowas Abnormales angestellt hat!“
Mit einem letzten verachtenden Blick zu Remus machte der Junge kehrt und flüchtete Hals über Kopf nach Hause. Sein Kumpel machte es ihm sogleich nach, aber nicht, ohne Remus ein letztes Mal die Zunge rausgestreckt und ihm fiese Beleidigungen zugerufen zu haben. Sobald die Schritte der Jungen verklungen waren, kehrte eine bedrückende Stille ein.
Mit gesenkten Kopf saß Remus vor seiner prachtvollen Sandburg, die immer noch fröhlich mit Wasser um sich spritzte, und beobachtete, wie seine Tränen dunkle Abdrücke im Sand hinterließen. Es war immer dasselbe. Die Kinder hier in der Gegend wollten nichts mit ihm zu tun haben, weil in seiner Nähe des Öfteren merkwürdige Dinge vor sich gingen. Remus sehnte sich nach jemanden, einem Freund, mit dem er über alles reden, spielen und seine Freizeit verbringen konnte, doch er stieß immer und immer wieder nur auf Ablehnung. Er wurde von allen hier gemieden und verachtet, als hätte er eine ansteckende Krankheit.
Remus verspürte diesen schmerzhaften Stich in der Brust, der mittlerweile zu einem Dauerschmerz geworden war. Er hatte doch nie jemandem auch nur ein Haar gekrümmt, so fies sie auch zu ihm gewesen waren, warum behandelten ihn also alle wie einen Aufsätzigen? Er war doch nur ein ganz normaler sechsjähriger Junge ... na ja ... vielleicht nicht GANZ SO NORMAL wie die anderen Kinder seines Alters hier ... Es gab nämlich einen guten Grund dafür, dass in Remus' Nähe ständig diese komischen Sachen passierten: Remus Lupin war ein Zauberer! Doch das durfte niemand hier in seinem Städtchen erfahren, das unterlag höchster Geheimhaltung, hatte sein Dad ihm mehrfach eingebläut. Da Remus den anderen nie erklären konnte (oder durfte), wie diese mysteriösen Situationen zustande kamen, wenn sie ihm denn überhaupt geglaubt hätten, wurde er als Spinner, Freak oder Abartiger abgestempelt und man machte einen großen Bogen um ihn.
Seine magischen Fähigkeiten hatte er von seinem Dad, Lyall Lupin, vererbt bekommen, der ebenfalls ein Zauberer war und im Zaubereiministerium arbeitete. Was genau Lyalls Job beinhaltete wusste Remus nicht, da sein Vater zu Hause nur sehr wenig von seiner Arbeit für die magische Gesellschaft erzählte. Seine Mum Hope jedoch war ein Muggel. So nannten die Zauberer gewöhnliche Menschen ohne jegliche magische Begabung. Sie arbeitete schon seit Jahren in einem Blumenladen, der auch diverse Heilkräuter verkaufte, welche die Hexen und Zauberer für ihre Zaubertränke und andere magische Rituale benötigen. Durch diesen Job hatte sie Lyall kennen und später auch lieben gelernt. Zu Anfang war es ein ziemlicher Schock für Hope gewesen, als sie von Lyalls wahrer Identität als Zauberer erfahren hatte, doch ihrer Liebe zueinander hatte dieser kleine Unterschied nicht im Wege gestanden. Nach ihrer Heirat vor knapp sieben Jahren war Hope recht schnell schwanger geworden und als Remus das Licht der Welt erblickt hatte, war ziemlich schnell klar gewesen, dass er die magischen Fähigkeiten seines Dads ebenfalls besaß.
Die Familie Lupin lebte seit jeher recht zurückgezogen, um die Aufmerksamkeit der Muggel nicht allzu sehr auf sich zu ziehen, doch auch die Muggel waren nicht ganz blind und bekamen hin und wieder das eine oder andere merkwürdige Phänomen mit, wodurch Remus und seine Familie stets mit schrägen Blicken bedacht wurden und man sich hinter vorgehaltener Hand die haarsträubensten Gerüchte über sie weitererzählte.
Seine Eltern nahmen diese Umstände noch recht gelassen auf, auch wenn Remus manchmal das Gefühl hatte, dass seiner Mum etwas Bezug zur normalen Welt zu fehlen schien, doch für ihren Sohn war es alles andere als ein Zuckerschlecken. Er war anders als die anderen Kinder und auch, wenn er wusste warum das so war, erleichterte dieses Wissen seinen Alltag nicht wirklich. Immer wieder von Ablehnung und Hänseleien gequält, zog sich Remus mehr und mehr zurück und hoffte, dass bald sein elfter Geburtstag heranrücken würde, wo er dann, wie sein Dad damals auch, nach Hogwarts gehen könnte, der Schule für Hexerei und Zauberei, wo alle so sein würden wie er und er kein Außenseiter mehr sein musste. Doch bis dahin musste er noch viereinhalb Jahre durchhalten ...
Schniefend wischte sich Remus die letzten Tränen aus dem Gesicht und hinterließ dabei sandige Streifen auf seinen Wangen, da an seinen Händen noch der Sand klebte. Während er weinend im Sandkasten gekniet hatte, war die Sonne inzwischen gänzlich verschwunden. Statt dessen wurde er nun vom hellen Schein des aufgehenden Vollmonds erleuchtet. So ein Mist! Er hatte völlig die Zeit vergessen. Seine Mum würde sich sicher wieder aufregen, wenn er zu spät zum Abendessen kam.
Und plötzlich spürte Remus es, ein undefinierbares Gefühl, das ihn in Panik versetzte. Er konnte ein Prickeln im Nacken fühlen, wie sich eine Gänsehaut auf seinem ganzen Körper ausbreitete und wie jeder Muskel bis zum Zerreißen gespannt war. Nervös drehte er sich um und spähte in die Dämmerung. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals und seine Atmung verlief nur noch unregelmäßig. Aber in dem fahlen Mondlicht war weit und breit nichts zu erkennen.
Von Angst gepackt raffte Remus seine Spielsachen zusammen und stolperte blindlings drauflos, wobei er in seiner Hast mit dem einen Fuß an einer Kante des Sandkastens hängen blieb und der Länge nach im Dreck landete. Sein Eimerchen flog in hohem Bogen durch die Luft und plotzte, seinen Inhalt verteilend, klappernd einige Meter weiter zu Boden.
„Aua ...“ Tränen schossen Remus in die Augen, als er sich mühsam vom Boden aufrappelte und seine aufgeschürften Knie und Handflächen betrachtete.
Er wollte sich gerade nach seinem Spielzeug bücken, als er ein verdächtiges Rascheln hinter sich hörte, vermischt mit einem tiefen Knurren. Mit vor Angst zugeschnürtem Hals drehte sich Remus langsam um und erblickte nun zu seinem Entsetzen eine Kreatur, die sich langsam aus den Wirren eines Gebüsches schob. Sie erschien auf den ersten Blick wie ein Wolf, lief auf allen vieren, wobei die Gliedmaßen viel zu lang für den Körper zu sein schienen, hatte verfilztes graues Fell, mordlustig glühende Augen und die Zähne gefletscht, sodass man die messerscharfen Reißzähne deutlich erkennen konnte, von denen der Sabber triefte. Die Aufmerksamkeit des massigen Ungeheuers war ganz auf Remus gerichtet. Das dröhnende Knuren hallte laut in der abendlichen Stille wieder und der beißende Gestank nach Blut, Dreck und etwas anderem Undefinierbaren, der trotz der Entfernung zu ihm hinüber bließ, ließ Remus würgen.
Das Biest ging in Angriffsstellung, machte sich bereit zum Sprung und im selben Moment wirbelte Remus herum und rannte wie besessen los so schnell ihn seine Füße trugen. Er hörte ein animalisches Brüllen, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ, und das dumpfe Donnern von großen Pfoten hinter sich, die viel zu schnell immer näher kamen. Er war zu langsam, viel zu langsam ... Das Blut rauschte ihm in den Ohren und nur noch ein Gedanke zählte: Ich muss es schaffen, diesem Vieh zu entkommen!
Remus hatte gerade schlitternd das Eingangstor zum Spielplatz erreicht, als ihn der Wolf mit einem gigantischen Hechtsprung einholte und seine langen scharfen Zähne im Oberarm des Jungen vergrub. Remus schrie gequält auf, als sich die spitzen Wolfszähne durch die dicke Schicht aus Daunen und Wolle in seine Haut bohrten und er wie eine Puppe zurück gerissen und über den Boden geschleift wurde. Schmutz und Sand wurde in seine offenen Wunden gerieben und der stechende, alles einnehmende Schmerz in seinem Arm jagte ihm wie flüssiges Feuer durch sämtliche Nervenstränge seines Körpers.
Remus kauerte am Boden. Das Ungeheuer stand breitbeinig über ihm, das Maul immer noch um seinen Arm geschlossen, sodass dem Jungen der widerlich stinkende Atem ins Gesicht bließ. Gelb glühende Augen mit schmalen senkrechten Pupillen fixierten ihn gierig und glibbriger Sabber lief seinen Arm hinab. Remus schrie wie am Spieß, versuchte sich mit aller Gewalt aus dem eisernen Griff zu befreien, doch die Reißzähne des Biestes lockerten sich keinen Millimeter. Ganz allmählich verlor er das Gefühl in seinen Fingern und er hatte den schrecklichen Verdacht, dass das Monster jeden Moment mit einem Ruck seinen ganzen Arm abreißen und genüßlich zum Abendessen verspeisen würde. Seine Panik drohte ihn zu überwältigen und Remus spürte auf einmal dieses warme, vertraute Kribbeln in seinem Inneren.
„LASS MICH ENDLICH LOS, DU MONSTER!“
Unter seinem verzweifelten Aufschrei brach seine Magie unkontrolliert aus ihm heraus und erzeugte eine solch enorme Druckwelle, dass der Wolf in hohem Bogen von ihm weg geschleudert wurde. Mit einem Winseln donnerte das Ungeheuer gegen die Rutsche gute zehn Meter entfernt, die unter der Wucht des Aufpralls laut krachend zusammen stürzte.
Remus sackte schwer atmend auf die Knie und umklammerte wimmernd seinen pulsierenden Arm, aus dem schwallartig Blut hervorschoss. Sein Herz hämmerte wie wild in seiner Brust und er bekam kaum noch Luft. Sein Gehirn schien wie benebelt, sämtliche Geräusche wirkten gedämpft und seine Umgebung verschwamm leicht vor seinen Augen. Dennoch entging ihm nicht der aufgelöste Schrei einer hysterischen Frau, die nun in halsbrecherischem Tempo auf ihn zueilte und deren Stimme er überall wiedererkannt hätte.
„Mum ...“, brachte Remus kaum hörbar hervor, ehe ihm gänzlich schwarz vor Augen wurde und er in den Armen seiner Mutter bewusstlos zusammenbrach.

Hope konnte ihren Sohn gerade noch so auffangen, ehe dieser hart zu Boden stürzte. Sein Gesicht war weiß wie eine Wand, die Lippen leicht blau angelaufen. Der linke Ärmel seiner Jacke war gänzlich zerfetzt und aus einer tiefen Wunde am Oberarm strömte bächeweise dunkles Blut.
„Oh, mein Gott!“, keuchte sie entsetzt, riss sich verzweifelt die Schürze vom Leib und presste sie kräftig auf die stark blutende Verletzung. Es musste ein Blutgefäß getroffen worden sein, wenn man das Ausmaß des Blutverlustes bedachte.
Nachdem Hope den markerschütternden Hilfeschrei ihres Sohnes gehört hatte, hatte sie alles stehen und liegen gelassen und war kopfüber aus dem Haus gestürzt. Der Spielplatz war gerade mal zwei Straßen von ihrem Haus entfernt und binnen einer Minute hatte sie das Eingangstor auch schon erreicht gehabt. Und doch hatte sie jetzt das Gefühl, zu spät gekommen zu sein. Ihr Junge hing wie leblos in ihren Armen, bleich wie eine Leiche, nur das unregelmäßige Heben und Senken seines Brustkorbs zeigte, dass noch nicht alles zu spät war.
„Remus, Schatz, wach auf!“, schluchzte Hope verzweifelt und tätschelte Remus' Wange, doch der Junge rührte sich nicht. Tränen ließen Hopes Sicht verschwimmen und Strähnen ihres fahrig zusammen gebundenen Dutts lösten sich und klebten ihr im Gesicht.
Plötzlich vernahm sie ein Knurren und hob beunruhigt den Kopf. Durch ihren Tränenschleier hindurch erkannte sie eine eigentümliche Kreatur mit verfilztem grauem Fell und langen Gliedmaßen, die sich nun aus einem Trümmerhaufen, der einst mal eine Rutsche gewesen war, erhob und bedrohlich die Zähne fletschend auf sie zu gepirscht kam. Die Ohren waren flach angelegt und die Augen zu schmalen Schlitzen verzogen.
Hope schluckte ängstlich und drückte Remus beschützend an sich, um ihn vor dem Ungeheuer abzuschirmen. War es etwa dieses gigantische Biest gewesen, das ihren kleinen Sohn angegriffen und so stark verwundet hatte? Was war das überhaupt für eine Furcht einflößende Kreatur? Hope konnte sich nicht daran erinnern, jemals etwas in dieser Art gesehen oder davon gelesen zu haben. Für einen Wolf war es viel zu massig, die Gliedmaßen viel zu lang. Auch jedes andere Raubtier, das sie kannte, scheidete aus. Was für Kreaturen lebten noch auf dieser Erde von deren Existenz sie keine Ahnung hatte ...?
Das Biest kam langsam immer näher. Sein abscheulicher Gestank verpestete die Luft und von seinen scharfen Reißzähnen triefte Blut ... Remus' Blut ?! Hope sah sich verzweifelt nach irgendeiner Art von Waffe um, mit der sie sich gegen dieses Ungeheuer wehren konnte, und entschied sich für einen spitzen Stein, den sie mit einer Hand krampfhaft umklammerte. Die andere Hand presste sie noch auf Remus' Wunde am Arm, um die Blutung zu stoppen. Irrte sie sich oder hatte das Vieh tatsächlich ein belustigtes Funkeln in den Augen ?! Dann hörte sie hektische Schritte näher eilen und wusste genau, dass das nur ihr Ehemann sein konnte.
„LYALL! WIR SIND HIER!“, rief Hope in Panik. „BEEIL DICH!“
Lyall war vorhin, als sie Remus' Schrei gehört hatten, im Badezimmer gewesen, da er kurz zuvor erst völlig mit Russ verdreckt von seiner Arbeit nach Hause gekommen war. Somit war Hope ohne ihn vorausgerannt, um Remus zu Hilfe zu kommen. Jetzt erkannte Hope ihren Mann im Schein einer Straßenlaterne, der schlitternd und mit erhobenem Zauberstab um eine Ecke bog und auf seine Familie zuhetzte.
„Hope! Was ist hier passiert ?!“, keuchte Lyall völlig außer Atem, die dunkelbraunen Haare noch nass vom Duschen. „Was ist mit Remus?“
Dumpf ließ er sich mit den Knien zuerst neben den beiden in den Sand fallen und strich dem bewusstlosen Remus besorgt die Haare aus dem Gesicht. Als er die Blutlache entdeckte, die sich unter Remus' verletztem Arm gesammelt hatte, zog er scharf die Luft ein.
„Merlin ...“
„D ... Da!“ Mit zitternder Hand deutete Hope nach vorn. „Da vorn! Das Vieh dort hat ihn angegriffen!“
Lyall wirbelte blitzartig herum und sprang dabei gleichzeitig auf die Füße, doch als er das Wesen entdeckte, das sich nun angriffsbereit zum nächsten Sprung auf die Lauer legte, die scharfen Zähne bedrohlich gebleckt, erstarrte er plötzlich und blankes Entsetzen spiegelte sich in seiner Miene wieder. Jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht und er machte dabei seinem stark verwundeten Sohn alle Ehre. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Lyall das Biest an, das ihn seinerseits mit beinahe spöttischer Mimik fixierte. Als es sich gierig über die Lefzen leckte, erinnerte das Verhalten entfernt an ein fieses Grinsen. Hope überlief ein Schauer der anderen Art, und das lag keineswegs an der Kälte.
„Lyall ...?“
Hilfe suchend sah sie zu ihrem Mann hoch, der immer noch mit steinerner Miene unbewegt dastand und in dessen Augen blanke Panik stand. Die Hand, mit der er den Zauberstab umklammerte, zitterte vor Anstrengung und jeder Muskel seines Körpers schien unter Hochspannung zu stehen. Sein beinahe ängstliches Verhalten versetzte Hope ebenfalls in Panik. So kannte sie Lyall gar nicht, der stets ihr Fels in der Brandung gewesen war und auf den sie sich jederzeit hatte verlassen können, der es immer mit alles und jedem aufgenommen hatte, um die zu beschützen, die er liebte. Doch jetzt wirkte der große breitschultrige Mann mit dem verwegenen Gesichtsausdruck, den sie so sehr liebte, eher wie ein verängstigter kleiner Junge, der den Kopf einzog und sich am liebsten irgendwo hin verkrochen hätte, statt sich der Gefahr zu stellen, die seine Familie bedrohte. Was war das nur für ein Ungeheuer, dass selbst ihr mutiger, furchtloser Lyall derart in Panik geriet ?!
Erst als das Monster sich mit seinen mächtigen Pranken vom Boden abstieß und einen gewaltigen Satz auf die Lupins zusprang, erwachte Lyall aus seiner Starre und brüllte: „Stupor!“
Hope schrie auf und duckte sich, als ihr Mann einen roten Lichtblitz auf das Vieh abfeuerte. Doch leider verfehlte der Fluch sein Ziel, da das Wesen einen gerissenen Haken riss und erneut auf sie zu sprintete. Lyall zögerte nicht, sein Gesicht war verbissen und er schoss unentwegt weitere Angriffszauber ab, von denen einer endlich den gewünschten Effekt erzielte und das Ungeheuer gute fünf Meter weg katapultierte. Es krachte hart gegen einen Baumstamm, der prompt unter der Wucht des Aufpralls in der Mitte entzwei gerissen wurde.
Lyall trat ein paar Schritte an die Kreatur heran, den Zauberstab drohend vor sich erhoben. „Mach, dass du von hier verschwindest!“, knurrte er bebend vor unterdrücktem Zorn und ließ seinen Zauberstab erneut aufleuchten. „Lass meine Familie gefälligst in Frieden oder es wird dir noch leid tun!“
Das Ungeheuer rappelte sich leicht schwankend auf und musterte Lyall mit gefährlich funkelnden Augen, ehe es abfällig schnaubte und ein höhnischer Ausdruck in seinem Gesicht erschien.
Hope stutzte. Es hatte den Anschein, als könnte das Wesen genau verstehen, was Lyall gesagt hatte und würde sich jetzt über ihn lustig machen. Aber das war doch unmöglich ... oder?
Die gelben Augen des Monsters richteten sich kurz auf Remus, der noch immer bewusstlos in Hopes Armen hing und zunehmend schwächer wurde, ehe es sich wieder Lyall widmete und die messerscharfen Reißzähne zu einem Grinsen verzog. Lyalls Blick huschte ebenfalls nervös zu Remus, seine Kiefermuskulatur spannte sich an und ein distanzierter Ausdruck trat in seine Augen, dann drehte er sich wieder trotzig seinem Gegner zu, der jedoch überraschenderweise den Rückzug antrat und mit langen Sätzen in der Dunkelheit verschwand.
Lyall atmete zittrig aus und stürzte dann wieder zu seiner Familie. Hope drückte immer noch schluchzend ihre Schürze auf Remus' Wunde, aus der nach wie vor ungehindert das Blut strömte.
„Wir ... wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen ...“, brachte sie unter Tränen erstickt hervor und wiegte ihren Sohn sachte in ihren Armen. „Die Blutung hört einfach nicht auf, Lyall. Was, wenn er es nicht schafft ...?“ Zu mehr kam sie nicht, da ihre Verzweiflung sie überwältigte.
„Soweit sind wir noch lange nicht.“, versuchte Lyall seine Frau in erstaunlich nüchternem Ton zu beruhigen und schob ihre Hand beiseite, um einen Blick auf Remus' Verletzung zu werfen.
Widerwillig gehorchte Hope und musste entsetzt feststellen, dass das Blut ohne den Druck nur noch mehr aus der tiefen Wunde hervor sprudelte. Sie wollte erneut den mit Blut durchtränkten Stoff darauf drücken, doch Lyall hielt sie davon ab. Er zückte statt dessen seinen Zauberstab, richtete ihn auf die Verletzung und murmelte leise: „Episkey!“
Verwundert beobachtete Hope, wie sich die Wundränder langsam schlossen und der Blutstrom versiegte, man die Stelle jedoch noch immer deutlich erkennen konnte.
„Ist er jetzt geheilt?“, fragte sie mit großen Augen hoffnungsvoll, doch Lyall schüttelte zu ihrem Bedauern traurig den Kopf.
„Nein, ich konnte nur die Blutung stoppen. Er muss fachmännisch behandelt werden. Dazu reichen meine Fähigkeiten leider nicht aus. Vor allem hat er sehr viel Blut verloren. Wir müssen uns beeilen.“
Mit diesen Worten richtete er sich auf, hob Remus hoch in seine Arme und marschierte mit schnellen Schritten los. Hope stolperte ihm zittrig nach.
„In welches Krankenhaus bringen wir ihn, Lyall?“, erkundigte sie sich besorgt und wischte sich im Laufen die Tränen von den Wangen. „Bis zur nächsten Klinik sind es einige Kilometer. Wird unser Kleiner bis dahin durchhalten?“
Lyall stapfte mit dröhnenden Schritten vorweg. „Ein Muggel-Krankenhaus wird ihm nicht helfen können, Hope.“, erwiderte er in eigenartigem Tonfall. „Er muss ins St. Mungo.“
„Wohin?“
Lyall seufzte. „St. Mungo-Hospital für Magische Krankheiten und Verletzungen, ein Krankenhaus für Hexen und Zauberer sozusagen.“, erklärte er weiter und lief statt den Weg zu ihnen nach Hause einzuschlagen eine andere Straße entlang. „Es war nämlich nicht irgendein wildes Tier, das Remus gebissen hat, sondern ..." Seine Stimme stockte kurz. „... ein Werwolf!“
Hope blieb wie angewurzelt stehen. „Wie bitte ?! Hab ich richtig gehört ?! Ein Werwolf ?!“ Ihre Stimme überschlug sich und völlig perplex starrte sie ihren Mann an. „Ich dachte die gibt’s nur in Märchen und Geschichten ... Werwölfe existieren wirklich ?! Im Ernst jetzt ?!“
Leicht genervt wandte sich Lyall zu seiner entsetzten Frau um. „Seh' ich aus, als würde ich scherzen, Hope? Natürlich meine ich das ernst! Wie du ja weißt gibt es Hexen und Zauberer auch wirklich, oder ?! In dieser Welt existieren noch ganz andere Sachen, die du als Muggel nie für möglich gehalten hättest, glaub mir ... Und jetzt steh' da nicht so rum und starr Löcher in die Luft! Uns läuft die Zeit davon!“
Fassungslos schüttelte Hope den Kopf und eilte ihrem Mann nach, mit den Gedanken noch immer völlig neben der Spur. Auf einmal blieb Lyall plötzlich stehen und meinte nur: „Halt dich an mir fest!“ und schon im nächsten Moment hatte Hope das Gefühl entzwei gerissen zu werden. Was war denn jetzt wieder los? Als der Schmerz nachließ und sie die Augen vorsichtig wieder öffnete, hatte sich ihre Umgebung geändert. Sie standen nun nahe einer U-Bahn-Station im Herzen Londons. Hope sah sich erstaunt um.
„Was ...?“
Sie kam gar nicht dazu, weitere Fragen zu stellen, weil Lyall sofort mit schnellen Schritten durch die entgegen kommenden Menschenmassen weiter marschierte, die ihn kaum beachteten, und Hope so nichts anderes übrig blieb, als ihm zu folgen. Bei einem ramponiert aussehenden Kaufhaus blieb er stehen, murmelte etwas vor sich hin, worauf sich eine der Schaufensterpuppen bewegte (oder spielten ihre Augen verrückt?). Mit einem Kopfnicken bedeutete Lyall ihr ihm zu folgen und schon war er durch die Glasscheibe des Schaufensters getreten und verschwunden. Völlig fassungslos starrte Hope die Stelle an, wo ihr Mann sich gerade in Luft aufgelöst hatte. Von den Passanten hatte niemand auf die doch recht eigenartige Aktion reagiert.
„Ich glaube, ich werde wirklich noch verrückt ...“, murmelte Hope kopfschüttelnd vor sich hin, nahm ihren Mut zusammen und lief gegen die Scheibe. Doch der erwartete Aufprall blieb aus. Als sie zögerlich die Augen aufschlug, befand sie sich nicht mehr auf der abendlich belebten Straße vor dem Kaufhaus, sondern in einem Empfangsraum, in dem eine handvoll Leute auf klapprigen Holzstühlen saßen und die teilweise die unmöglichsten Entstellungen aufwiesen. Entsetzt wandte Hope sich von diesem Anblick ab und vermied es, sich allzu genau umzusehen. Sie suchte statt dessen lieber nach ihrem Mann, der gerade hektisch mit einer Empfangsdame sprach und ihr in knappen Worten schilderte, was vorgefallen war.
Alarmiert durch den kritischen Zustand des jungen Patienten beorderte die junge Hexe sogleich einen Trupp Ärzte, Heiler oder wie auch immer sie sich nannten, herbei, die prompt mit ihren limonengrünen Umhängen und einer Trage angeflitzt kamen. Lyall legte den geschwächten Remus auf die viel zu große Trage, auf der er total verloren wirkte, und schon eilten die fünf Heiler geschäftig davon und nahmen ihren Sohn mit sich, um seine Verletzungen zu versorgen.
Die Empfangsdame schickte Lyall und Hope hoch in den ersten Stock, wo die Abteilung für „Verletzungen durch Tierwesen“ stationiert war und wo sie auf ihren Sohn warten konnten, bis dessen Zustand sich stabilisiert hatte und er für die Normalstation verlegungsfähig wäre.
Hope ließ sich kraftlos auf einen der Holzstühle sinken, vergrub das Gesicht in den Armen und begann von Neuem zu schluchzen, während Lyall unruhig im Flur auf und ab lief und seine Schuhe auf dem Linoleumboden quietschende Laute von sich gaben. Keiner der beiden wagte etwas zu sagen. Die Angst, die Sorgen, die Ungewissheit lasteten auf ihnen wie eine tonnenschwere Last. Tausende von Fragen schossen Hope durch den Kopf, allen voran, warum es ausgerechnet ihren kleinen Remus getroffen hatte ?! Doch sie brachte nicht die Kraft auf, Lyall jetzt zu fragen, was da genau vorgefallen war und was das Ganze für Folgen für ihre Familie haben würde. Im Moment zählte nur eines: Dass ihr geliebter Remus möglichst bald wieder gesund wurde ...

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Drarry4ever 12. Feb 2018

Ich hoffe du schreibst demnächst weiter ich bin grade am Ende angekommen und hoffe das es bald weiter geht.

LG
Drarry4ever

Nicki85 04. Apr 2018
Hallo Drarry, vielen lieben Dank für deine Reviews und das dicke Lob. Ich fühle mich sehr geehrt. Das ist der beste Ansporn für jeden Autor. Es freut mich, dass dir meine Geschichte so gut gefällt. Ich hab heute wieder ein neues Kapitel hochgeladen. Hoffe, das gefällt dir auch wieder. ^^ Leider hab ich zur Zeit extrem viel um die Ohren, weswegen ich leider nicht mehr so regelmäßig zum schreiben komme, wie ich gern würde, aber keine Sorge, die Geschichte geht defintiv weiter. Ich hab noch einiges mit unseren Helden vor. Ich streng mich an so bald wie möglich weiter zu schreiben, versprochen. ;) Würde mich freuen wieder von dir zu lesen. Ich hoffe, du hast auch weiterhin so viel Spaß an dem, was ich schreibe. Liebe Grüße, Nicki85
Drarry4ever 10. Feb 2018

Insgesamt finde ich deinen Schreibstil echt angenehm undie Rechtschreibfehler finde ich auch fast keine. Diese Geschichte ist eine meiner Lieblingsfanfictions und ich habe sie auch gleich in meinem Profil empfohlen

Drarry4ever 10. Feb 2018

Ich musste im 30. Kapitel so lachen was für ne Scheiße die angestellt haben