Some Kind of Magic

02.07.16 18:15
Spielt nach X-Men 2, ist sozusagen meine Vorstellung eines dritten Teils. Ein neues Mitglied stößt zum X-Team dazu, was passiert mit Jean nach dem Vorfall am Alkali Lake? Welche Geheimnisse gibt es in Logans dunkler Vergangenheit zu entdecken? Der zentrale Charakter ist Logan, doch es kommen natürlich viele Charas des X-Men-Universums in Ne..
X-Men Übernatürlich P12 Abenteuer Beendet
Bemerkung des Authors: Titel: Some Kind of Magic Genre: Romance / Supernatural / some Action ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Pairing: Logan / Original Character ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Charaktere: Fast alle vom X-Men-Film-Universum in Nebenrollen ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Disclaimer: X-Men und alle damit verbundenen Charaktere sind eingetragene Warenzeichen und stehen unter dem Copyright© von 20th Century Fox und Marvel Comics. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht, um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors. ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° INHALTSANGABE: Spielt nach X-Men 2, ist sozusagen meine Vorstellung eines dritten Teils. Ein neues Mitglied stößt zum X-Team dazu, was passiert mit Jean nach dem Vorfall am Alkali Lake? Welche Geheimnisse gibt es in Logans dunkler Vergangenheit zu entdecken? Der zentrale Charakter ist Logan, doch es kommen natürlich viele Charas des X-Men-Universums in Nebenrollen vor. Die Betonung liegt auf Romance, es wird aber auch Action und Übernatürliches verarbeitet, weil das neue Mitglied das so mit sich bringt.

Before and after Alkali Lake...


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Don´t walk behind me; I may not lead.
Don´t walk in front of me; I may not follow.
Walk beside me that we may be as one.
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"Du meine Güte! Der junge Mann hat ja vollkommen blaue Haut!"
Der Ausruf der betagten Nonne, die in Begleitung einer Novizin im Klostergarten Kräuter sammelte, wurde von einem erstaunten Gesichtsausdruck begleitet. Schwester Sybelia starrte auf die leblose Form, die auf ihrem Kräuterbeet lag.
Der besinnungslose Mann trug einen bodenlangen Umhang mit Kapuze, die jedoch von seinem Kopf gerutscht war und sein Gesicht mit der blauen Haut enthüllte. Er hatte schwarze lockige Haare und kleine spitze Ohren, was ihm etwas Elfenhaftes oder Teuflisches verlieh, je nachdem wie der Betrachter ihn beurteilen mochte.
Die Novizin in ihrem unförmigen, weißen Kleid mit der schwarzen Schürze darüber ging neben ihm in die Knie und hob seine Hand vom Boden auf, um seinen Puls zu kontrollieren. Dabei fiel ihr auf, daß er keine richtigen Finger hatte, sondern nur zwei Klauen und einen Daumen. Sein Puls war schwach aber regelmäßig wie seine Atmung.
"Was sollen wir machen, Schwester Sybelia?"
Die Novizin sah mit großen Augen zur älteren Nonne auf.
"Nun, blau oder nicht, er scheint Hilfe zu brauchen! Ich werde die anderen Schwestern rufen, dann tragen wir ihn gemeinsam ins Haus!"


. . .
Kurt fühlte etwas Kühles auf seiner Stirn und schlug die Augen auf, um nachzusehen, wer ihm mit einem feuchten Tuch so angenehm über das Gesicht fuhr. Zuerst war alles verschwommen, dann sah er ein schemenhaftes Gesicht über sich schweben, das von einem Heiligenschein erleuchtet schien.
"Hallo, willkommen zurück! Können Sie mich verstehen?"
Die Umrisse des Gesichtes wurden schärfer und Kurt erkannte das Gesicht einer jungen, lächelnden Frau, die den Schleier einer Novizin trug. Sie war also kein Engel, wie er in seiner ersten Verwirrung angenommen hatte.

"Ja, ich verstehe Sie. Wo bin ich?", fragte der junge Mann verwirrt.
"Im Kloster der heiligen Schwestern von Trautheim, wir gehören dem Orden der Dominikanerinnen an. Haben Sie sich verlaufen?"
Kurt schloß die Augen und schüttelte den Kopf: "Nein, ich wollte nur kurz Rast in ihrer Kapelle machen, um zu beten. Ich war schon auf dem Rückweg, als mir schwindelig wurde. Ich wollte Ihnen mit meiner Anwesenheit keine Angst einjagen."
Der junge Mann sah die Novizin bedauernd an. Er versteckte sich meistens vor den normalen Menschen, die sich durch sein äußeres Erscheinungsbild oft abgestoßen fühlten. Aber nun wurde er gejagt und war so erschöpft gewesen, daß er einfach zusammen gebrochen war.
"Ich habe keine Angst. Wir waren nur etwas überrascht, Sie bewußtlos in unserem Kräutergarten zu finden. Und jetzt essen Sie am besten etwas."
Die junge Frau half Kurt sich aufzusetzen und stellte dann ein Tablett mit Speisen auf seine Oberschenkel. Kurt war so hungrig, daß er nach einem kurz hingeworfenen Danke' alles aufaß.

Als der heißeste Hunger gestillt war, konnte er seine Retterin genauer betrachten. Er hatte als gläubiger Katholik großen Respekt vor Menschen, die in der Kirche tätig waren.
Wann immer seine Zeit es zuließ, suchte er verlassene Kirchen auf und betete in den stillen Räumen. Dort hatte er schon oft Nonnen bei ihrer Arbeit beobachtet, aber er hatte noch nie eine so junge Frau in einem Habit gesehen. Sie war hübsch, ihre Haut war leicht Oliv getönt und ihre Augen waren tiefschwarz, Kurt fragte sich, woher sie kam, sie sah so gar nicht deutsch aus, aber was wunderte er sich, der durchschnittliche Deutsche war auch nicht blau.
"Darf ich Sie nach Ihrem Namen fragen?" Die junge Novizin lächelte ihn freundlich an, ohne die geringste Scheu vor ihm zu zeigen, obwohl sein Äußeres so andersartig war.
"Ich heiße Kurt Wagner. Ich arbeite in einem Wanderzirkus als Akrobat, dort fällt mein Äußeres nicht so auf. Ich bin leider ein sehr auffälliger Vertreter der Spezies der Mutanten."
Kurts goldgelbe Augen schimmerten traurig und die junge Nonne tätschelte ihm aufmunternd die Hand, die auf seinem Schoß lag.
"Ich verstehe. Es ist nicht leicht andersartig zu sein, aber gleich als solches erkannt zu werden, muß noch viel erdrückender sein. Selbst die Kirche ist sich bei dem Thema Mutationen nicht eins! Ich wußte gar nicht, daß ein Zirkus in die Stadt kommt, wolltest Du vorab Vorbereitungen treffen? Ich heiße übrigens Frederica."

Ihr aufmerksamer Blick wich seinem keinen Moment aus, etwas woran Kurt bei Fremden nicht gewöhnt war. Normalerweise reagierten gewöhnliche Menschen mit Abscheu oder Erschrecken auf seine Mutation. Er hatte das Gefühl, der jungen Nonne vertrauen zu können, deshalb gab er sein kleines Geheimnis preis.
"Nein! Ich bin auf der Flucht vor gefährlichen Männern. Deshalb kann ich auch nicht lange bleiben. Ich will nicht, daß meine Mitmenschen da hinein gezogen werden!"
Frederica nahm das Tablett und stellte es auf den Nachttisch.
"Was für Männer? Du kannst mir ruhig alles erzählen, vielleicht können wir helfen?"
"Ich weiß es selbst nicht genau. Sie haben versucht, mich aus dem Zirkus zu entführen, aber ich konnte fliehen. Es sind Amerikaner, sie sahen aus wie vom Militär, aber ich weiß nicht, was sie von mir wollen."
"Hm, für heute bist Du jedenfalls versorgt. Ich denke nicht, daß Du bei uns in Gefahr bist. Du solltest schlafen, Morgen früh bringe ich dir Frühstück."
Kurt war viel zu erschöpft, um zu widersprechen, er brauchte den Schlaf dringend.

. . .
Frederica erzählte der Mutter Oberin nicht die ganze Wahrheit über Kurt Wagner, denn sie wollte nicht, daß er, ohne sich ausgeruht zu haben, fortgeschickt wurde. Sie wollte sein sanftmütiges Herz beschützen, das bisher so viel Ablehnung ertragen hatte müssen. Ein wenig erinnerte sie Kurt an sich selbst, weil sie gegen ihre Herkunft auch einen inneren Kampf ausfocht, nur konnte sie ihr Problem leichter verbergen als Kurt mit seinem auffälligen Äußeren.
Da er ein sehr gläubiger Mensch war, beeindruckte er die Schwester Oberin mit seiner Kenntnis über das Neue Testament, sie führte mit ihm sogar eine ausgesprochen belebende Diskussion über die Auferstehung Christi.
Frederica wurde abgestellt, sich um den Gast zu kümmern, der bereitwillig einige Arbeiten im Haus und im Garten verrichtete. Sie gewann Kurt sehr gern, da sie nie einen eigenen Bruder gehabt hatte. Um genau zu sein, erinnerte sie sich gar nicht richtig an ihre Familie, obwohl sie erst mit vierzehn ins Kloster gekommen war. Sie vermutete, an Amnesie zu leiden, aber bisher hatte ihr niemand diesen Verdacht bestätigen können.
In der dritten Nacht geschah dann das Unfaßbare: Dunkle Gestalten erstürmten das Kloster und drangen in Kurts Zimmer ein.

Frederica hörte in ihrem Zimmer ein entferntes Poltern, und da sie noch im Habit war, ging sie nachschauen. Instinktiv stieg sie die Treppe zu Kurts Zimmer hoch, wo sie drei Männer in militärischer Uniform in seiner Tür stehen sah.
"Was machen Sie hier?", fragte sie streng.
Die Männer, deren Gesichter mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht worden waren, drehten sich um und richteten ihre Gewehre auf sie. Frederica ging trotzdem auf sie zu. Sie vertraute darauf, daß man ihrem Habit Respekt entgegenbrachte, auch wenn dieses Verhalten höchst leichtsinnig von ihrer Seite aus war.
"Don't move, Miss!", wurde sie aufgefordert.
Die aufsteigende Panik und die Angst, die sie verspürte, schienen eine Blockade in Frederica zu lösen, sie verlor die Kontrolle über Kräfte, die sie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr eingesetzt hatte, da sie gar keine Erinnerung darüber gehabt hatte, daß sie sie überhaupt besaß. Es war ihr nicht richtig bewußt, was sie da tat, aber es geschah dennoch.
Sie murmelte einige Beschwörungsformeln, die ihr in den eigenen Ohren fremd klangen, und hob die Hände, als wollte sie sich ergeben, doch weit gefehlt. Wie von Geisterhand gepackt flogen die Gewehre der Männer aus ihren Händen und landeten polternd auf dem Boden hinter Frederica.
Wenn sie schon den ersten Schritt getan hatte, dann brauchte sie den zweiten nicht zu scheuen: Sie konzentrierte sich und ließ die Männer erstarren. Da sie aus der Übung war, konnten die Männer noch blinzeln, doch das störte Frederica nicht, sie ging an den Männern vorbei und betrat Kurts Zimmer.

Er lag bäuchlings auf dem Bett und ein älterer, bulliger Mann in Armeehosen und grauem Strickpulli beugte ich über ihn, wo er etwas auf seinen Nacken träufelte.
"Lassen Sie Kurt in Frieden, oder ich rufe die Polizei!", rief sie mit fester Stimme, obwohl sie vor Furcht wackelige Knie hatte.
Der Mann mit den grauen Haaren und dem ergrauten Bart fuhr zu ihr herum.
"What the hell...? A nun? How could you pass my men?"
Frederica wechselte die Sprache, da die Männer scheinbar nur Englisch verstanden.
"Das ist nicht wichtig! Lassen Sie Kurt zufrieden, er ist unser Gast und steht unter unserem Schutz! Das hier ist ein Haus Gottes!"
Ihr Gegenüber lachte schallend und zog seine Waffe, um sie auf Frederica zu richten: "Dieser Mutant gehört mir! Es wundert mich, daß sie solche Abartigkeiten in ihrem Gotteshaus dulden! Sehen Sie ihn als eine niedere Lebensform an, die geschaffen wurde, uns zu dienen!"
Frederica kniff wütend die Augen zusammen, wie konnte dieser Mann solche schrecklichen Dinge sagen? Kurt hatte sich kaum ausgesucht, so auszusehen, er war so geboren worden.
"Er ist ein Geschöpf Gottes wie jeder andere auch! Wenn Sie ihn nicht in Ruhe lassen, dann muß ich Ihnen weh tun!"
William Stryker mußte erleben, wie seine rechte Hand ihm nicht mehr gehorchte und zur Seite gedrückt wurde, obwohl niemand vor ihm stand.
In dem Moment stöhnte Kurt auf und Frederica rannte zum Bett, um nach ihm zu sehen. Ihre Achtsamkeit ließ einen kurzen Moment nach, den Stryker nutzte, um sich auf sie zu stürzen und sie mit dem harten Griff seiner Waffe bewußtlos zu schlagen. Er kannte keine Zurückhaltung und der Feind mußte besiegt werden, auch wenn sich ein ganzes Heer von Nonnen zwischen sich und sein Ziel stellen sollte. Seine Männer erwachten aus der Trance, nachdem Frederica nun besinnungslos war, und halfen ihm dabei, im Schutz der Dunkelheit die beiden Bewußtlosen in ihr Fahrzeug zu schleppen.

. . .
In einem provisorisch eingerichteten Labor erwachte Frederica kurz aus ihrer Ohnmacht. Sie hielt die Augen geschlossen, um sich erst einmal zu orientieren. Sie wagte kaum, zu atmen und lauschte angestrengt.
Sie hörte zwei Männer miteinander sprechen: "Colonel Stryker the woman is no mutant. Her blood shows no signs of a mutation it is completely ordinary. I can't explain how she could overpower your men! She is useless to our work. The best would be to anaesthetize her and throw her out somewhere on the roads! We have what we need; the blue monster is the most important thing!"
"You're right! She does not know anything. To kidnap her would probably attract too much attention! If she's not a mutant we can't work with her! Anyway, tomorrow we are headed for Canada and nobody will search us at the Alkali Lake facility!"
Bevor Frederica ihre Gedanken sammeln konnte, bekam sie über eine Infusion eine weitere Ladung mit Narkotika gespritzt, sie hatte sich jedoch den Namen der erwähnten Anlage in Kanada gut eingeprägt...


X X X
Kurts Entführung hatte alles in ihrem Leben geändert, es war als wäre sie aus einer Erstarrung wach gerüttelt worden. Sie zweifelte an ihrem Entschluß, dem Orden beizutreten und den endgültigen Eid abzuleisten, der sie für immer an die Kirche binden sollte.
Hier hatte sie nach dem Tod ihrer Familie Zuflucht gefunden und es als ihre Pflicht angesehen, sich dem Orden zu verschreiben. Sie hatte ihre Wurzeln verleugnet und Kurts Auftauchen in ihrem beschützten Leben hatte ihr nun die Augen geöffnet. Selbst die lange Zeit, in der sie ihre Fähigkeiten unterdrückt hatte, hatte diese in keinem Fall gemindert, sie war nur etwas eingerostet. Sie konnte nur nicht erklären, warum ihre speziellen Fähigkeiten so lange in ihr geschlummert hatten. Es mußte wohl an dem Schock liegen, die der Verlust ihrer Familie verursacht hatte, obwohl sie daran auch nur nebelhafte Erinnerungen hatte. Es konnte sich dabei nur um einen Gedächtnisverlust leiden, den sie aufgrund eines Schocks erlitten hatte. Eine andere Erklärung machte überhaupt keinen Sinn.
Nun ging ihr Kurts Schicksal nicht mehr aus dem Kopf, sie fühlte sich dafür verantwortlich, daß er in die Hände dieser Männer geraten war. Sie wollte Kurt finden, dazu mußte sie aber in die USA kommen. Sie bettelte so lange, bis die Oberin ihr ein Visum für die Staaten besorgte. Von dort aus konnte sie leicht mit einem Touristen-Visum weiter nach Kanada reisen. Der Orden hatte glücklicherweise sehr gute Verbindungen in der ganzen Welt.
Schwester Sybelia, die seit ihrem 14. Lebensjahr ihre Mentorin gewesen war, begrüßte ihren Entschluß, denn sie hatte immer gewußt, daß ihre junge Schutzbefohlene für andere Dinge berufen war. Sie hatte jedoch geschworen, geduldig auf den Moment zu warten, der Frederica vorbestimmt war.

Die junge Frau mußte ihren Weg nun alleine finden und sie mußte vorerst schweigen, wie sie es geschworen hatte.
Trotzdem liefen Frederica Tränen über die Wangen, als Sybelia ihr den Schleier der Novizin abnahm und ihr beim Ablegen des Habits half. Es war ein eigenartiges Gefühl, sich ohne bedeckte Haare im Spiegel anzusehen. Sie hatte sie wachsen lassen, seit sie den Schleier genommen hatte, aber immer in einem Zopf getragen, weil es unter der Tracht praktischer war. Schwester Sybelia kämmte ihre taillenlangen Haare und gab ihr einen Kuß auf den Scheitel.
"Zum Glück wurden deine schönen Haare noch nicht abgeschnitten. Es wäre wahrlich eine Schande gewesen! Bitte paß gut auf dich auf Frederica! Die Welt da draußen hat sich verändert und Du warst hier sehr behütet. Nimm meinen goldenen Rosenkranz mit dir, er soll dir Kraft und Zuversicht geben, wenn Du sie nötig haben solltest."
Frederica umarmte die alte Frau und küßte sie auf die faltige Wange.
"Danke, Schwester Sybelia! Ich werde ihn immer in Ehren halten und Ihre Güte nie vergessen!"
Sybelia seufzte und betete still, daß Frederica irgendwann einmal ihren Weg zu ihr zurück finden würde. Die junge Frau war für sie so etwas wie die Tochter, die sie niemals gehabt hatte.


X X X
Als sie in New York ankam, sendeten die Monitore in den Cafés des Flughafens gerade eine Ansprache des amerikanischen Präsidenten, der sich für das friedliche Zusammenleben von Menschen und Mutanten aussprach. Es war die Einleitung zu einer politischen Diskussionsrunde, die das Für und Wider der Meldepflicht für Mutanten erörterte.
Frederica setzte sich mit ihrem kleinen Gepäck in ein Internet-Café, wo sie sofort mit ihren Recherchen begann. Sie hatte einen Namen und einen Ort. Zu ihrer Überraschung gab es sogar aktuelle Berichte darüber, die etwa sechs Wochen alt waren.

"STAUSEE AM ALKALI LAKE IN KANADA ÜBER DAMM GEFLUTET!
Bei dem Zwischenfall wurde eine ungenutzte, militärische Einrichtung des US-Militärs zerstört, aber laut Pressemitteilung kamen nur wenige Menschen dabei um. Unter den Toten befindet sich Colonel William Stryker, ein Verfechter der Meldepflicht für Mutanten..."

Sie fand auch Zeitungsberichte, die sich mit dem Angriff auf den Präsidenten vor einigen Wochen beschäftigten. Die Beschreibung des mysteriösen Attentäters mit blauer Haut paßte genau auf Kurt Wagner, der war jedoch ein herzensguter Mensch, der nie jemandem weh tun würde, davon war Frederica fest überzeugt.
Wieso hatte er den Präsidenten angegriffen? Hatten ihn die Männer vom Militär irgendwie dazu gezwungen? Sie hatten jedenfalls den Eindruck gemacht, vor nichts zurück zu schrecken.
Während ihrer zweistündigen Recherche fiel immer wieder der Name Prof. Charles Xavier, dem Direktor einer Schule für Hochbegabte im Staat New York, der sich vehement für die Rechte von Mutanten einsetzte und öffentlich gegen Stryker opponiert hatte.
In den Zeitungsberichten wurde ein Angriff auf die Schule, die er leitete erwähnt, weil er dort angeblich Mutanten zu Soldaten ausbildete, die eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen sollten.
Westchester war von New York aus gut mit dem Zug zu erreichen, deshalb beschloß Frederica spontan, dorthin zu fahren. Vielleicht konnte sie mit Hilfe dieses Professors erfahren, ob Kurt wegen des tätlichen Angriffs eingesperrt worden war. Sie beschloß, eine Jugendherberge für diese Nacht zu suchen und sich erst einmal von der langen Reise zu erholen. Am nächsten Tag konnte sie mit dem Zug nach Westchester fahren. Vor dem Einschlafen sandte sie ein kleines Gebet gen Himmel, in dem sie um Kurts Unversehrtheit bat. Alte Gewohnheiten würden sich nicht so schnell ablegen lassen wie der Habit, den sie nun ein paar Jahre lang getragen hatte.

. . .
Ihre mageren Geldreserven zwangen Frederica dazu, vom Bahnhof zur Schule zu laufen. Der Weg kam ihr unendlich lange vor, denn die Schule lag außerhalb der kleinen Stadt. Sie war froh, daß sie ihren schweren Koffer in einem Schließfach am Bahnhof zurückgelassen hatte. Mit ihrem alten Rucksack auf dem Rücken ging sie mit festen Schritten aus der Stadt und folgte der Wegbeschreibung eines hilfreichen Schaffners.
Eine Stunde später kam sie am Haupteingang der Schule an. An den großen Flügeltüren aus Eisenstäben hing das Schild "Xavier School for Gifted Youngsters". Sie testete den Griff und er gab nach, so daß sie den riesigen Park der Schule betreten konnte. Das eindrucksvolle Gebäude aus Sandstein wirkte eher wie ein Schloß denn eine Lehranstalt. Die Bilder aus dem Internet wurden ihm kaum gerecht.
*Sie werden nicht erwartet, bleiben Sie bitte stehen!*
Frederica zuckte zusammen, als sie die Stimme in ihrem Kopf hörte. Sie schaute sich suchend um, doch niemand war zu sehen.
Jemand hier konnte wohl Gedanken lesen!
Frederica sprach einen Schutzzauber aus, der ihre Gedanken abschirmen sollte, sie wollte ihre Karten nicht gleich offen legen. Schließlich wußte sie nicht genau, was sie hier erwartete. Sie ging im Dämmerlicht weiter, bis sie plötzlich von der Seite angegriffen wurde. Es ging so schnell, daß sie nicht reagieren konnte. Erst als ein großer, schwerer Mann sie auf den weichen Rasen drückte, begann sie, wild zu strampeln.

"Halt still, Du kleines Biest oder ich schlitze dich auf!"
Der Mann mit den dunklen wild abstehenden Haaren hatte ihre Handgelenke mit einer Hand gepackt und hielt sie über ihrem Kopf fest, so daß er mit der anderen ihr Gesicht umfassen konnte.
Frederica sah angsterfüllt zu ihm auf, er war sehr stark und so schwer, daß sie kaum atmen konnte. Sie hatte das Gefühl, daß ein riesiger Fels auf ihr lag. Sie zwang sich die Augen zu schließen, und den Levitationszauber anzuwenden, der ihr ermöglichte, leblose Objekte für kurze Zeit zu bewegen. Nach einigen Augenblicken fühlte sie wie das Gewicht von ihr genommen wurde und sie wieder normal atmen konnte. Der Mann über ihr stieß ein tiefes Grollen aus, das sie erschreckte. Sie vergaß darüber, die Beschwörung aufrecht zu erhalten und konnte gerade noch zur Seite rollen, bevor er schwer neben ihr auf den Rasen fiel, wo er sicher eine unschöne Kuhle hinterlassen würde.

Frederica sprang behände auf die Füße und lief vor ihm davon. Sie kam jedoch nicht weit. Nach wenigen Augenblicken packte sie der große Mann von hinten, drehte sie zu sich um und warf sie sich einfach so über die Schulter. Sie war so darüber aufgebracht, daß sie ihn auf Deutsch beschimpfte und nicht mehr an magische Gegenwehr dachte. Sie konnte nicht genau sehen, wohin sie gebracht wurde, bis sie von dem Mann in Jeans und Lederjacke unsanft in einem Zimmer abgesetzt wurde, das wohl ein Büro war.
Hinter dem Schreibtisch saß ein Mann in einem formellen Anzug und lächelte sie kopfschüttelnd an: "Haben Sie gedacht, daß Sie ohne Voranmeldung ein fremdes Anwesen betreten dürfen, meine Liebe?"

Frederica schob erbost ihre aufgelösten Haare aus dem Gesicht, bei ihrem kleinen sehr einseitigen Kampf hatte sich ihr Haarknoten gelöst, so daß sich ihre dunkelroten Haare wie ein Wasserfall in Wellen über ihre Schultern ergossen. Sie erkannte den Professor an seiner markanten Glatze und seinem Rollstuhl und wurde rot.
"Verzeihen Sie vielmals, Herr Professor! Excuse me, I'm somewhat confused. Ich habe eine lange Reise hinter mir. Ich wollte nicht unhöflich sein, ich brauche Ihre Hilfe und wußte nicht, ob Sie mich empfangen würden."
Frederica hatte ihn versehentlich auf Deutsch angesprochen und wechselte dann ins Englische. Sie war noch ziemlich sauer, daß man sie einfach überwältigt hatte. Zudem war es peinlich, hier wie ein Paket abgeladen zu werden.
"Wie können Sie sich vor meinen telepathischen Fähigkeiten schützen? Sie sind kein Mutant, der ähnliche Kräfte besitzt, das hätte ich vorhin gespürt."
Frederica wollte auf den Professor zugehen, doch Wolverine packte sie unsanft am Arm und hielt sie zurück.
"Sie hat mich wie Jeannie durch die Luft fliegen lassen, Professor! Sie kann nur ein Mutant sein!", warf der Mann ein, während er ihren Arm fest gepackt hielt.

Frederica schüttelte den Kopf und versuchte, sich dem Griff des Mannes zu entwinden, aber er war zu stark.
"Ich bin kein Mutant! Ich bin eine Hexe! Und wenn Sie mich nicht loslassen, guter Mann, dann werde ich Ihnen sehr wehtun!"
Frederica blitzte den großen Mann neben sich an, der lachend seinen Kopf zurückwarf.
"Eine Hexe? Professor, langsam wird es interessant!"
Frederica zog eine Schnute und begann, einige Beschwörungsformeln zu murmeln, sie richtete ihren Blick auf die Hand des Mannes und diese fing Feuer. Mit einem Schmerzenschrei auf den Lippen ließ sie der Fremde los. Die Flammen verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der Mann mit dem wilden Haarschnitt stieß ein tiefes Grollen aus, doch er hielt sich von ihr fern, so wie sie es beabsichtigt hatte.
"Sehr eindrucksvoll, junge Dame! Aber lassen wir diese Spielchen! Ich muß meine Schüler schützen, also wer sind Sie?"
Der Professor bedeutete ihr mit einer Geste, auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz zu nehmen, was Frederica dankbar annahm, da ihr die Beine vom langen Fußmarsch wehtaten.

"Mein Name ist Frederica Rose, ich komme gerade aus Deutschland. Auf dem Flughafen habe ich im Internet recherchiert. Ich war auf dem Weg nach Kanada, ich wollte zum Alkali Lake. Aber laut Berichten wurde dort eine militärische Einrichtung überflutet. Bei meiner Recherche tauchte immer wieder Ihr Name auf, deshalb dachte ich, daß Sie mir vielleicht bei meiner Suche helfen können."
Der große dunkle Mann kam um den Stuhl herum und lehnte sich dann an den Schreibtisch.
"Was wollten Sie am Alkali Lake? Und woher wußten Sie davon? Das ist ein sehr gut gehütetes Geheimnis."
Ein mißtrauischer Blick aus dunklen, tiefliegenden Augen traf sie und die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Von dem Fremden ging eine so intensive Ausstrahlung aus, daß sie sie körperlich spüren konnte. Er war ziemlich feindselig, was für Frederica eine Reaktion war, die sie nicht gewöhnt war.

"Übrigens, Miss Rose, das ist Logan oder auch Wolverine! Er gehört zum Lehrkörper dieser Schule!"
Diesen Ausspruch quittierte der Mann namens Logan mit einem schiefen Grinsen.
Frederica wandte sich lieber Professor Xavier zu, der sie nicht so durcheinander brachte wie dieser merkwürdige Lehrer, der eher in eine wilde Rockerbande als in eine Schule gepaßt hätte.
"Ein Mann namens William Stryker hat in Deutschland einen Mutanten entführt. Sein Name ist Kurt Wagner, er befand sich in meiner Obhut, als das passierte. Ich habe versucht, Kurt zu beschützen. Ich bin jedoch aus der Übung, weil ich einige Jahre keine Magie mehr praktiziert habe. Stryker und seine Männer überwältigten uns, in einem Labor wachte ich kurz auf. Man hatte festgestellt, daß ich kein Mutant bin und sie setzten mich unter dem Einfluß von Drogen auf einer Landstraße ab. Das war vor fast zwei Monaten. Ich beschloß Kurt zu suchen, aber ich brauchte einige Zeit, um ein Visum zu bekommen und einige andere Sachen zu regeln."
Sie wollte nicht gleich damit herausplatzen, daß sie einen Orden verlassen und kurz davor gestanden hatte, eine Nonne zu werden.

Logan beäugte sie weiterhin mißtrauisch, der Professor schien ihr zu glauben, denn er lächelte sie freundlich an: "Ihre Geschichte klingt phantastisch, aber nicht unglaubwürdig! Es gibt nur einen Weg, wie wir sie nachprüfen können! Wir müssen Kurt persönlich fragen!"
"Aber...", Frederica kam nicht viel weiter, denn es gab einen lauten Knall, der sich wie "bampf" anhörte und neben ihr stand plötzlich eine schwarzgewandete Gestalt.
"Sie haben mich gerufen, Professor?", sagte der Mann, der aus dem Nichts erschienen war, mit einem starken Akzent in seinem Englisch.
"Hier ist jemand, der dich sucht, Kurt!", erwiderte der Professor und wies auf den Stuhl, wo Frederica saß und den Neuankömmling, der aus dem Nichts aufgetaucht war, überrascht anstarrte.
Er stand leibhaftig vor ihr und sah gesund und munter aus. Sie konnte Kurt nur weiter sprachlos anstarren. Er starrte genauso verblüfft zurück, denn ohne ihren Habit erkannte er sie wohl nicht.

"Verzeihen Sie, meine Dame, aber warum suchen Sie mich?", fragte er verunsichert.
Kurt sah sie verwirrt an und Logan wollte sie schon packen, doch Frederica griff nach Kurts Hand und sprach ihn auf Deutsch an: "Kurt, ich bin es Frederica! Du bist in unserem Kräutergarten ohnmächtig geworden und hast drei Nächte in unserem Kloster geschlafen!"
Auf Kurts blauem Gesicht breitete sich ein strahlendes Lächeln aus: "Schwester Frederica? Du meine Güte, ohne ihren Habit hätte ich Sie nie erkannt! Professor Xavier, das ist die junge Nonne, die mich im Kloster gepflegt hat! Ist Ihr Orden so frei, daß sie weltliche Sachen tragen dürfen, Schwester Frederica?"
Sowohl der Professor als auch Logan waren vollkommen perplex. Eine Hexe, die sich als Nonne herausstellte, war eine ziemlich überraschende Wendung. Nicht, daß es in ihrer Welt voller Mutanten noch viel zu wundern gab.
"Bitte nenn mich einfach Frederica. Ich habe den Orden verlassen, ich bin keine Nonne mehr! Ich bin hergekommen, um nach dir zu sehen. Ich dachte, diese Männer tun dir etwas an."
Ihre Wangen hatten sich gerötet, weil sie vor den anderen Männern ihren früheren Beruf lieber verschwiegen hätte.
"Professor, darf ich mich mit Schw... mit Frederica zurückziehen? Ich würde ihr gerne alles erklären!"
"Ja, natürlich. Jemand, der so weit gereist ist, um nach einem Freund zu sehen, der sollte die Wahrheit erfahren!"
Kurt nahm Frederica bei der Hand und führte sie in den Garten, wo ein Pavillon stand, in dem man sich in Ruhe unterhalten konnte.

. . .
"Eine Nonne? Ich habe eine Nonne angegriffen?"
Logan fuhr sich verlegen durch seine dichten Haare, so daß sie noch mehr als sonst in alle Richtungen abstanden. Der Professor schmunzelte in sich hinein, die Vorstellung hatte etwas Erheiterndes. Sein wildester Kämpfer war nicht besonders zimperlich im Umgang mit seinen Gegnern und bereute selten den Austausch von körperlichen Attacken.
"Sie hat den mentalen Block nicht aufrechterhalten, deshalb kann ich dir sagen, daß sie eine Novizin war. Das ist sozusagen eine Nonne in Ausbildung. Sie ist tatsächlich eine Hexe, ich spüre immense Kräfte in ihr, die lange unterdrückt waren. Kurts Entführung durch Stryker hat sie wohl wieder in ihr aktiviert, zumindest glaubt sie das. Miss Rose hat einen sehr ausgeprägten Drang, Menschen beschützen zu wollen. Nicht jeder hätte eine so weite Reise angetreten, um nach einem eigentlich Fremden zu suchen."

"Na, großartig! Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Sie damit etwas Bestimmtes andeuten möchten!" Logan kniff die Augen zusammen und musterte seinen Vorgesetzten mißtrauisch.
"Wenn Miss Rose ihre Unterhaltung mit Kurt beendet hat, würde ich gerne mit ihr sprechen, Logan. Bitte bringe sie doch dann zu mir."
Wolverine zuckte nur mit den Schultern, als einer der mächtigsten Mutanten auf der Erde sollte der Professor wissen, mit wem er sich da einlassen wollte. Er hatte ja schön öfters Mutanten von der Straße aufgelesen und lag damit meistens richtig. Sich mußte er in diesen Kreis mit einschließen, immerhin war er hier geblieben, obwohl er sonst eher der rastlose Wanderer war.

. . .
"Die Männer haben mich wegen meiner besonderen Fähigkeit der Teleportation entführt. Sie hatten eine Methode entwickelt, aus Mutanten willenlose Geschöpfe zu machen, die ihren Befehlen blind folgen. Ich wollte den Präsidenten nicht angreifen, ich konnte mich kaum an den Vorfall erinnern, als Storm und Dr. Grey mich gefunden haben. Stryker wird jedenfalls nie wieder einen Mutanten in seine Gewalt bringen können, er ist am Alkali Lake ums Leben gekommen!", faßte Kurt die Ereignisse für Frederica zusammen, die seiner Entführung gefolgt waren.
Der Professor und seine Mitarbeiter, die gleichzeitig an der Schule unterrichteten, waren Mutanten mit besonderen Kräften, die das gemeinsame Ziel hatten, den Frieden zwischen Menschen und Mutanten zu erhalten. Sie bildeten eine Einheit, die sich X-Men nannte und manchmal in sehr gefährliche Missionen verstrickt war. Es herrschte meist nur ein unsicherer Frieden zwischen den ungleichen Fronten und einige Vertreter beider Seiten scheuten nicht davor zurück, rohe Gewalt anzuwenden, um ihre Ziele durchzusetzen. Stryker war ein gutes Beispiel dafür.

"Möchtest Du bei den X-Men bleiben, Kurt?" Frederica sah fragend in seine gelben Augen, die besonders in dem blauen Gesicht hervorstachen. Der Professor schien fähig, ihm den nötigen Schutz zu gewähren, was Kurt sich nach seinen Erlebnissen sicher wünschte.
"Ja, ich denke schon. Ich fühle mich sehr wohl, hier bin ich keine Sensation sondern einer von ihnen. Und hier kann ich etwas dazu beitragen, daß die Welt uns eines Tages akzeptiert, wie wir sind."
Frederica seufzte: "Ich kann dich gut verstehen! Ich bin froh, daß die X-Men dich gerettet haben!"
Kurt nahm ihre Hand in seine warme Klaue und drückte sie kurz. Sie saßen eine Weile in stiller Eintracht versunken, bis Kurt bemerkte, daß Logan vom Haus her auf sie zulief.

. . .[7b]
Logan hatte den Aufenthaltsort von Kurt mit Leichtigkeit erschnüffeln können. Das blaue Männchen erzeugte immer einen beißenden Geruch nach Schwefel, wenn er sich teleportierte. Der Geruch verflog meistens sehr schnell, aber Logans Sinne waren äußerst sensibel, so daß er Kurt an diesem speziellen Geruch orten konnte. Als er sich dem Pavillon im Garten näherte, stieg ihm ein weiterer Duft in die Nase, den er noch nicht kannte.
‚Hm, hm! Das paßt irgendwie nicht zu einer Nonne!', dachte er schmunzelnd.
Logan zog eine Augenbraue hoch und sog den Duft der Besucherin tief ein. Instinktiv formte sich ein tiefes Grollen in seiner Kehle, als der pikante Duft der Frau seine Sinne überflutete. Logan verzog unwillig das Gesicht und maß die junge Frau, die Kurts Hand hielt, mit zusammengekniffenen Augen.
Die Sonne stand tief am Himmel und tauchte die beiden in warmes Licht. Die langen Haare von Miss Rose leuchteten auf und sahen aus der Ferne aus als tanzten dunkelrote Flammen um ihren Kopf.

"Der Professor wünscht, Sie noch einmal zu sprechen, Freddy!", rief Logan aus einiger Entfernung.
Frederica blinzelte ihn überrascht an und ärgerte Logan damit, daß sie trotz ihrer unschuldigen Art sexy auf ihn wirkte. Rote Haare hatten schon immer verheerend auf seine Selbstbeherrschung gewirkt. Er brauchte sich nur an seine Vernarrtheit in seine Kollegin Jean Grey zu erinnern.
"My name is Frederica, Mr. Logan!", wies sie ihn pikiert zurecht.
Sie erhob sich und warf den Kopf stolz in den Nacken. Sie wurde sauer, weil der Mann ihren wunden Punkt so leicht getroffen hatte. Schwester Sybelia hatte ihr immer vorgeworfen, daß sie zuviel Stolz besaß, um wahrhaftige Demut empfinden zu können, die neben der Armut und der Keuschheit eigentlich eine der Grundvoraussetzungen war, um Nonne werden zu können.
"Kurt, zeigst Du mir den Weg zurück?"
"Ich teleportiere dich gleich zu ihm, das geht viel schneller!"
Kurt nahm ihre Hand und mit einem lauten Knall hatte er sie beide wegteleportiert.
Logan hatte es gewußt, die Kleine hatte Pfeffer!
Er mußte grinsen, als er an ihre aufgebracht blitzenden dunklen Augen dachte. Außerdem hatte sie einen sehr hübschen Mund, der einladend rote Lippen hatte, die immer leicht geöffnet waren als erwarte sie einen Kuß.
Logan schüttelte den Kopf, um diese Gedanken zu verscheuchen, er war doch kein unerfahrener Teenager, der beim Anblick einer hübschen Frau den Kopf verlor. Das waren nur diese verdammten roten Haare!

[b]. . .
Kurt hatte Frederica in Sekundenschnelle zum Büro des Professors teleportiert. Eine eigenartige Erfahrung, die ihren Magen etwas revoltieren ließ. Mit schwachen Beinen nahm sie wieder dem distinguierten Mann gegenüber Platz, nachdem sich Kurt diskret zurückgezogen hatte.
Der Professor musterte ihr blasses Gesicht, dann glitt sein Blick über ihre etwas derangierte Erscheinung. Ihre Kleidung war aus der Mode, so als ob sie sie jahrelang in einem Koffer aufbewahrt hätte, was wohl auch zutraf, denn als Novizin trug sie ja einen Habit.
Sie trug ein abgetragenes schwarzes Kostüm mit einem Rock, der die Knie züchtig bedeckte, und eine einfache hellgraue Bluse; ihr Schuhwerk war praktisch und keine seiner Mitarbeiterinnen hätte diese Schuhe in ihrer Freizeit angezogen. Jean und Ororo achteten sehr auf ihr Äußeres und waren modisch gesehen auf der Höhe der Zeit.

"Werden Sie jetzt zu Ihrem Orden zurückkehren, Miss Rose?" Frederica biß sich auf die Lippe, während er sie gründlich musterte, sie konnte es ihm jedoch nicht übelnehmen. Dasselbe hätte sie in seiner Situation auch getan.
"Nein, ich war mir schon einige Zeit nicht mehr meiner Berufung sicher. Ich kann das, was in mir ist, nicht länger verleugnen. Es ist über die Jahre stärker geworden, obwohl ich die Magie nicht mehr eingesetzt habe. Die Beschwörungen gehen mir von den Lippen, ohne daß ich darüber nachdenken muß. Der Verlust meiner Eltern muß wohl mein Wissen verschüttet haben, ich konnte mich erst wieder daran erinnern, als Kurt von Stryker entführt worden ist.", versuchte sie, ihre wieder gewonnenen Fähigkeiten zu erklären.
"Sie brauchen mir nicht alles zu erzählen, wir kennen uns erst sehr kurz. Ich kann ihren Konflikt verstehen, viele Mutanten machen dasselbe mit ihren Fähigkeiten durch, Miss Rose. Was genau haben Sie jetzt vor?", fragte er nach.
Frederica wich dem allzu wissenden Blick des älteren Mannes aus und strich sich verlegen die Haare zurück, weil sie keine genaue Antwort darauf hatte.

"Hm, ich werde wohl zurück nach New York fahren und versuchen, dort in einem Kloster Unterschlupf zu finden. Ich rechnete wirklich nicht damit, daß ich Kurt so schnell finden würde!"
"Miss Rose, fassen Sie das nicht als Beleidigung auf, aber wie viel Geld haben Sie bei sich?"
Fredericas Wangen färbten sich dunkelrot und sie sah zu Boden, während sie überlegte, ob sie ihn anschwindeln sollte.
*Besser nicht, meine Liebe, Lügen höre ich besonders laut!*
Die Stimme des Professors hallte in ihrem Kopf wieder und sie sah ertappt zu ihm auf.
"Etwas über zweihundert Dollar. Ich konnte nicht mehr Geld auftreiben, als Nonne habe ich natürlich unentgeltlich gearbeitet, Professor Xavier. Aber meine Ansprüche sind auch nicht besonders hoch, ich denke, ich werde zurechtkommen, bis ich Arbeit gefunden habe."
"Welche Aufgaben haben Sie in Ihrem Kloster erfüllt?"
"Oh, alles Mögliche! Wir wurden abwechselnd für den Garten oder die Küche zugeteilt. Man darf erst Novizin werden, wenn man die Schule beendet und eine Ausbildung oder ein Studium begonnen hat. Ich bin Lehrerin geworden, weil ich gerne mit Kindern arbeite. Ich habe Sprachen unterrichtet, Englisch, Französisch und Deutsch. Und in der Gemeinde natürlich auch seelsorgerisch gearbeitet."
"Wie alt sind Sie, Miss Rose? Ihr Aussehen scheint zu täuschen."
"Ich bin 25, unsere Oberin meinte immer, daß unser reglementiertes Leben die beste Verjüngungskur sei. Keine Ausschweifungen, Alkohol oder übermäßiger Streß."
Frederica lächelte ihn wehmütig an, als ihr klar wurde, daß dieses Leben tatsächlich hinter ihr lag. Das Kloster war immerhin das einzige Zuhause, an das sie sich erinnern konnte.

"Wie fänden Sie es, wenn ich Ihnen eine Stelle in meinem Lehrkörper anböte? Ich stelle eigentlich nur Mutanten ein, da sie am besten mit den jungen Menschen hier zurechtkommen, aber als Hexe mit Ihren besonderen Fähigkeiten, erfüllen Sie das Mitarbeiterprofil genauso gut."
"Aber... ich habe doch gar keine Lehrbefähigung für die Staaten, Professor Xavier!", rief t Frederica ziemlich überwältig aus.
"Keiner meiner Mitarbeiter ist speziell zum Lehrer ausgebildet, Miss Rose. Jean Grey ist Ärztin, Scott Summers hat Ingenieurwissenschaften studiert, Ororo Munroe ist Biologin, Kurt Wagner ist Zirkusakrobat, ich selbst bin Physiker und Logan ist eine Nummer für sich, er unterrichtet die Schüler in Selbstverteidigung und Waffenkunde. Sie sehen, daß wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen sind. Sie würden sehr gut zu uns passen."
"Ich..., darf ich mir Ihren Unterricht einmal ansehen, bevor ich Ihnen meine Antwort gebe? Es ist nicht so, daß mich Ihr Angebot nicht über alle Maßen freut, aber ich will sehen, ob ich Ihren Anforderungen genüge."
Frederica war ziemlich von dem Vertrauen überrascht, das ihr der Professor mit seinem Angebot entgegenbrachte.
Sie konnte nicht wissen, daß der Professor sie innerhalb von Sekunden als vertrauenswürdig eingestuft hatte, seine immensen Fähigkeiten waren ihr ja noch nicht bekannt.
"Ja, natürlich. Seien Sie heute Nacht unser Gast, Sie sind bestimmt müde von der langen Reise. Morgen wird Scott Summers sie zu einer seiner Unterrichtsstunden mitnehmen. Er ist das Rückrat meines Teams und leitet es seit einigen Jahren, obwohl er selbst noch sehr jung ist. Er ist auch mein Stellvertreter in allen Dingen, die die Schule betreffen."
"Vielen Dank, Professor Xavier. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viel Ihr Angebot mir bedeutet."
Miss Rose lächelte ihn so strahlend an, so daß selbst sein altes Zynikerherz sich durch ihren Dank erwärmt fühlte. Er bat Kurt, Frederica für die Nacht ein Zimmer zuzuweisen und sich um ihr Gepäck zu kümmern, das sie am Bahnhof zurückgelassen hatte.


Fortsetzung folgt...

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